Themenportal „Europäische Geschichte“ (18.-21. Jh.): Newsletter 12/2016

Von
Siegrist, Hannes - Universität Leipzig

Liebe Leserinnen und Leser von H-Soz-Kult,

nachfolgend finden Sie eine Aufstellung der zuletzt neu ins Themenportal Europäische Geschichte eingestellten Artikel, Essays, Materialen und Quellenauszüge.

Essay/Artikel:

Heike Karge, Patientenakten aus dem Ersten Weltkrieg als Quelle historischer Forschung in Südosteuropa.
Abstract:
Gab es in und nach dem Ersten Weltkrieg im jugoslawischen Raum Soldaten, die psychisch am Krieg erkrankten? Die wie in West- und Mitteleuropa als Kriegsneurotiker, als Kriegszitterer, als „shell-shocked soldiers“ mit einer vom Krieg schwer gezeichneten Psyche von den Fronten zurückkehrten? Anders als im angloamerikanischen, west- und mitteleuropäischen Raum sind in der südosteuropäischen Historiografie solche psychiatriegeschichtlichen Fragestellungen ausgesprochen rar. Dabei hat gerade die historiografische Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg gezeigt, wie fruchtbar eine Perspektive ist, die Psychiatriegeschichte als Kulturgeschichte begreift, also nach dem Verhältnis von Psychiatrie und Gesellschaft in Kriegs- und Nachkriegszeiten fragt. In diesen Studien wurden insbesondere die engen Verwebungen von psychiatrischer Wissenschaft und staatlicher Politik aufgezeigt. Auch für den jugoslawischen Raum liegt nun eine erste diesbezügliche Fallstudie vor.
Mit dem vor drei Jahrzehnten durch Roy Porter eingeleiteten patient’s turn gerieten zunehmend auch die Patientenakten in den Blick der kulturwissenschaftlichen Forschung. War der ursprüngliche Ansatz der Arbeit mit Patientenakten, den bis dahin unsichtbaren Patienten eine Stimme zurückzugeben, hat sich dieser Optimismus an die Quellen inzwischen wieder gelegt. Die Aufzeichnungen in den Patientenakten sind in der Regel Aufzeichnungen über den Patienten, gefiltert durch den Blick des Arztes und des Pflegepersonals. Zugleich sind Patientenakten aber auch materialisierter Ausdruck einer verwaltungstechnischen „Buchhaltung des Wahnsinns.“ ….
In: Themenportal Europäische Geschichte (2016), URL: <http://www.europa.clio-online.de/essay/id/artikel-3967>.

Stefan Scholl, Die Europäische Sport für Alle-Charta (1975/76) in ihrem historischen Entstehungskontext.
Abstract:
Als die für den Sport zuständigen nationalen Minister des Europarats im März 1975 in Brüssel zum ersten Mal zusammentraten, hatten verschiedene Gremien des Europarats bereits knapp zehn Jahre an dem zentralen Dokument gearbeitet, das dort verabschiedet und zur endgültigen Unterschrift an den Ministerrat übergeben wurde – der Europäischen Sport für Alle-Charta. Die Charta stand im Zentrum der sportpolitischen Aktivitäten des Europarats, die sich seit Anfang der 1960er-Jahre entfalteten und als Europäisierung des Sportwissens interpretiert werden können. Im Folgenden soll dieses bisher wenig beleuchtete Kapitel europäischer Sportvernetzung betrachtet werden. In einem ersten Schritt gilt es, das sportpolitische und diskursive Umfeld der 1960er- und 1970er-Jahre – die Zeit, in der das Sport für Alle-Paradigma Gestalt annahm – zu skizzieren. Denn die Sport für Alle-Charta ist Ausdruck und Kristallisationspunkt eines über den Rahmen des Europarats herausgehenden breitensportlichen Konzepts, das in dieser Zeit entstand und in der Folge in vielen Ländern gefördert wurde: Regelmäßige sportliche Aktivitäten sollten nicht mehr speziellen Bevölkerungsgruppen oder Leistungsträgern vorbehalten bleiben, sondern prinzipiell allen Menschen ermöglicht werden. Die Sport für Alle-Idee steht zeitspezifisch im Kontext von Partizipationsforderungen und -initiativen auf ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern – eben auch im Sport. An die Ausformulierung dieses Paradigmas knüpften sich spezifische zeitgenössische Gesellschaftsbeschreibungen, Vorstellungen von der soziokulturellen und biologisch-medizinischen Rolle von Sport und Bewegung sowie Aufgabenzuschreibungen an den Einzelnen wie auch den Staat. Im Anschluss an diese historische Kontextualisierung wird in einem zweiten Schritt der Weg zur Europäischen Sport für Alle-Charta nachgezeichnet und verdeutlicht, dass diese maßgebliche Impulse einzelner Länder aufnahm, zugleich aber auch als Katalysator wirkte, dessen Anschubkraft in andere Länder ausstrahlte. Abschließend soll vor diesem Hintergrund der Stellenwert der Charta bewertet werden. ….
In: Themenportal Europäische Geschichte (2016), URL: <http://www.europa.clio-online.de/essay/id/artikel-3929>.

Material/Quellenauszug:

Patientenakten aus der jugoslawischen Psychiatrie (1917–1925). In: Themenportal Europäische Geschichte (2016), URL: <http://www.europa.clio-online.de/quelle/id/artikel-3968>.

European Sport for All Charter (1975/76). In: Themenportal Europäische Geschichte (2016), URL: <http://www.europa.clio-online.de/quelle/id/artikel-3932>.

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Im Namen der Herausgeberinnen und Herausgeber des Themenportals wünschen ich Ihnen erfolgreiche wie auch erholsame Semesterferien.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Hannes Siegrist (Leipzig), Sprecher des Herausgeberkollegiums

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Zitation
Themenportal „Europäische Geschichte“ (18.-21. Jh.): Newsletter 12/2016, in: H-Soz-Kult, 05.12.2016, <www.hsozkult.de/webnews/id/websites-561>.