Arbeitskreis Theaterforschung

Ort
Leipzig
Veranstalter
Spectaculum. Zentrum für Theaterforschung e.V.
Datum
30.01.2002
Von
Jens Ilg/Thomas Bitterlich

Selbstbeschreibung des Arbeitskreis' Theaterforschung

2001 wurde in Leipzig der Arbeitskreis Theaterforschung gegründet. Der Arbeitskreis Theaterforschung (AKTF) widmet sich der Förderung der Theaterforschung.

Voraussetzungen
"Theaterforschung" steht für ein sehr umfangreiches und besonders heterogenes Tätigkeitsfeld, das sämtliche Bemühungen umfasst, die darauf hinauslaufen, das Phänomen der theatralen Praktiken in all seinen Erscheinungsformen und Facetten verstehen und erklären zu können. Zu den theaterwissenschaftlichen Fragestellungen gehören die Fragen nach dem strukturellen Aufbau, nach der gesellschaftlichen Relevanz, nach den Möglichkeitsbedingungen für das Zustandekommen, nach einer Typologie, nach dem Agens jenes Phänomens. Worauf und mit welchen Methodenapparat Theaterforschung im Einzelnen zielt, hängt hier besonders vom zu Grunde liegenden Vorverständnis von Theater ab, der maßgeblich jeden einzelnen Arbeitsschritt orientiert. Teil dieses Phänomens ist das Fehlen klarer Konturen, die sich begrifflich widerspiegeln ließen; ähnlich dem Begriff vom Kunstobjekt, für den wesentlich ist, gerade nicht randscharf zu sein. Die theaterbegriffliche Spannweite, die den AKTF orientiert, reicht von der Reduzierung des Theaterphänomens auf Aufführung (und Inszenierung) in mit "Theater" bezeichenbaren Bauten bis hin zur Ausweitung auf den gesamten Umfang des Darstellerischen im zwischenmenschlichen Verkehr.
Schwerpunkte des AKTF
Der Arbeitskreis widmet sich den Themen
- Meta-Theaterforschung, d. h., problematisiert wird die Theaterforschung selbst, deren gegenwärtige Praxis sowie Theorie (Schulenbildung, Methodologie, Prinzipien der Theaterforschung, Geschichte des Fachs Theaterwissenschaft)
- Vermittlung theaterwissenschaftlicher Resultate an außeruniversitäre Einrichtungen (Kultureinrichtungen, Schulen)
- Begriffe zur Beschreibung von Theater und die Bedingungen der Akzeptanz solcher Theaterbegriffe im akademischen und nicht akademischen Umfeld.
Diese Themen werden bedient durch entsprechende Einzelprojekte, die der AKTF entwickelt und realisiert. Mittelfristig werden die Themenfelder auch Gegenstand von Arbeitstagungen sein, die der AKTF konzipiert und jährlich ausrichten wird.

Ausgangslage und Selbstverständnis des AKTF

Zwar sind Formen theatraler Praktiken beziehungsweise Aspekte derselben lange schon Gegenstände der Reflexion und Forschungsbemühungen. Dennoch wird der Erforschung der Theaterforschung selbst weniger Aufmerksamkeit gewidmet als den einzelnen Forschungsobjekten. Daran hat auch die 'Erfindung' der Theaterwissenschaft nichts geändert. Zwar blüht einerseits eine Vielzahl von Arbeitsansätzen, aber eine Fachdiskussion und Etablierung von methodologischen Grundlagen kommt nicht voran; sie wird offensichtlich ersetzt von der Durchsetzung einzelner Ansätze und Gruppierungen (Schulen) im Fach. Zum Selbstverständnis des AKTF gehört die Annahme, die Theaterforschung dadurch fördern zu können, indem im Allgemeinen eine Fachdiskussion, die diesen Namen verdient, initiiert und auf hohem Niveau gehalten wird, und indem im Besonderen der Diskussion von Grundlagen der Theaterforschung mehr Gewicht verliehen wird. Defizite sehen wir also
- im Bereich der methodischen Grundlagen der Theaterforschung
- im Umstand, selektiver, kanalisierter Fachkommunikation
- und nicht zuletzt darin, dass zwischen wissenschaftlichen Methoden der Theaterforschung (Theaterwissenschaft) und den künstlerischen Methoden der s. g. Theaterpraxis (tendenziell) ein Trennstrich gezogen wird.
Der AKTF konkurriert nicht zu bestehenden Einrichtungen und Organisationen der Theaterforschung, sondern hofft durch seine Arbeit der Praxis der Theaterforschung förderliche Impulse geben zu können.

Arbeitsform
Die Arbeitsform des AKTF ist projektorientiert. Es werden Projekte, die den oben genannten Arbeitsschwerpunkten nahe stehen, entwickelt und als Einzelprojekte realisiert. Die Arbeitsweise wird wesentlich von den jeweiligen Projekten mitbestimmt. Gegenwärtig wird das Projekt "Qualitative Interviews zu methodischen Fragestellungen der Theatergeschichtsschreibung" umgesetzt.

Organisationsform
Der AKTF ist ein eigenständiges, von keiner weiteren Forschungseinrichtung abhängiges Unternehmen und lebt vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder. Fachliche und infrastrukturelle Unterstützung erhält es vom Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig und vom Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern. Der AKTF hat sich entschlossen, für seine Arbeit die Rechtsform eines eingetragenen und gemeinnützigen Vereins zu wählen, der den Namen trägt "Spectaculum. Zentrum für Theaterforschung e. V." (Amtsgericht Leipzig VR 3614) und ebenfalls seit 2002 existiert.
Die aktive Gruppe des AKTF besteht derzeit aus Anne Beckmann M. A. (Freiburg i. Br.), Thomas Bitterlich M. A. (Leipzig), Jens Ilg M. A. (Leipzig), Johanna Pätzold M. A. (Leipzig) und Johannes Rauner M. A. (Halle a. S.). Für die Entwicklung und Realisation weiterer Vorhaben ist der AKTF jedem neuen Mitstreiter dankbar, ebenso für Geld- und Sachzuwendungen.

Publikationsorgan

Unter der Adresse http://www.theaterforschung.de ist eine elektronische Publikation eingerichtet worden, die einerseits die Resultate der realisierten Projekte der Öffentlichkeit zugänglich machen soll, und die andererseits mit eigenen thematischen Schwerpunkten aufwartet. Sie steht sämtlichen Beiträgen aus und zur Theaterforschung offen. Ausdrücklich ermuntert der AKTF Studenten zur Einsendung von Manuskripten bzw. von (PC-) Dateien (Adressen: Siehe Kontakt). Die jeweiligen Schwerpunkte wechseln. Gegenwärtig sind es Theater und Theaterforschung in der DDR, Kurzbiographien von Formationen, Personen oder mythischen, sagenhaften, dramatischen Gestalten und schließlich der Schwerpunkt Projekte anderer, der auf die Vorstellung und Kommentierung von künstlerischen und wissenschaftlichen Projekten aus der Theaterforschung fokussiert Beständiger Teil der Zeitschrift bilden Rezensionen und schwerpunktmäßig ungebundene Beiträge, auf die wiederum andere eingeladen sind, kritisch zu reagieren.

Kontakt
E-Mail: theaterforschung@web.de
Geschäftsstelle und Postanschrift: Spectaculum. Zentrum für Theaterfosrchung e. V.
c/ o Thomas Bitterlich
Heiterblickallee 67
04329 Leipzig
Bankkonto: Deutsche Bank 24 AG Leipzig
K-Nr: 170 544 1 00
Blz: 860 700 24

Kontakt

Thomas Bitterlich

Spectaculum.Zentrum für Theaterforschung. c/o Thomas
Bitterlich.Heiterblickallee 67-04329 Leipzig

Theaterforschung@web.de

Zitation
Arbeitskreis Theaterforschung, 30.01.2002 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 19.05.2003, <www.hsozkult.de/project/id/projekte-49>.
Redaktion
Veröffentlicht am
19.05.2003
Klassifikation
Region
Weitere Informationen
Sprache Beitrag
Land Veranstaltung