P. Sanz Camanes: Las ciudades en la América Hispana

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Titel
Las ciudades en la América Hispana. Siglos XV al XVIII


Autor(en)
Sanz Camanes, Porfirio
Erschienen
Madrid 2004: Silex Ediciones
Umfang
453 S.
Preis
€ 20,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Felix Hinz, Universität zu Köln, Historisches Seminar, Abteilung für Iberische und Lateinamerikanische Geschichte

Mit seinem letzten Werk über „Die Städte Hispanoamerikas (15.-18. Jh.)“ hat sich Porfirio Sanz Camañes (Universidad de Castilla-La Mancha), wie vor ihm Romero (1976) oder de Solano (1997), auf ein weites Feld begeben. Denn unter dem Konzept „Stadt“ versteht Camañes keineswegs nur architektonische und städteplanerische Aspekte, sondern auch staatsphilosophische Ideen im weiteren Umfeld des spanischen „policía“-Begriffs (Menschbildung) sowie Ideen von der Stadt als Ausdruck von Staat im weitläufigen spanischen Überseeimperium. Entsprechend behandelt er sowohl „urbane Phänomene“ wie Stadtgründungen, Stadtplanungen und Funktionen der ersten spanischen Städte in Zeiten der Conquista vor dem Hintergrund ihrer teilweise bedeutenden indianischen Vorläufer als auch imaginäre Städte wie sie in der Suche nach den falschen Dorados zum Ausdruck kommen. Auch der Blick der Eroberer auf tatsächliche indianische Städte ist eines der von ihm behandelten Themen. Außerdem widmet sich Camañes der Stadt ebenfalls als Verwaltungszentrum in weltlicher wie geistlicher Hinsicht, das heißt auch der „Stadt Gottes“. Über die städtische Gesellschaft kommt er auf den Kulturwandel in all seinen schillernden Facetten zu sprechen, außerdem auf Minen, Häfen sowie Flotten und deren Einfluss auf die Städte in „Las Indias“, wie die Amerikas von den Spaniern während der Kolonialzeit genannt wurden. Schließlich folgen ein Kapitel über städtische Kolonialkultur, über die Künste und Wissenschaften, Feste, Prozessionen und Riten und abschließend eines über die Wandlungen während der ausgehenden Kolonialzeit. Die Darstellung ist also geradezu ikonoklastisch. Es geht um weit mehr als um (exemplarische) Stadtgeschichte: Es geht um die gesamte Geschichte Hispanoamerikas von der Conquista bis zur Unabhängigkeit.

Auf diese Weise bekommt auch der fachlich nicht oder wenig versierte Leser eine Vorstellung von zahlreichen Zusammenhängen: Man erfährt beispielsweise, welchen Städten besondere Bedeutung zukam und warum: Sei es, dass es sich um ehemalige (z.B. Cuzco) oder neue Hauptstädte (z. B. Lima) handelte oder um Bischofsitze und Missionen (bes. die Reduktionen der Jesuiten in Paraguay). Mal stehen strategische Punkte (z.B. nahe der Magellanstraße oder in Florida), mal wichtige Hafenstädte (Veracruz für Neuspanien, El Callao für Lima bzw. Peru) oder bedeutende Minenzentren (bes. Potosí, mit dem berühmten Silberberg) im Fokus. Aber auch andere wirtschaftliche Umschlagplätze (z.B. Cartagena de Indias für schwarzafrikanische Sklaven, Acapulco für den Chinahandel mit der jährlichen Galeone von Manila), die Münzprägestätten (México, Lima, Santa Fe de Bogotá in Kolumbien) oder wichtige Stationen und Sammelplätze entlang der „Carrera de Indias“, an denen die streng reglementierten, reich beladenen Silberflotten nach Sevilla in Spanien Station machten (bes. La Habana) werden behandelt. Man kann auch nachvollziehen, wie die zahlreichen Piratenüberfälle zur Befestigung der Seestädte führten (S. 310 u.a.). Camañes erklärt mehrmals, wie militärische und technische Reformen des Festungswesens in Europa ihren Niederschlag in Spanisch-Amerika fanden, wie die ausländischen Mächte Frankreich, Großbritannien und die Niederlande die Spanier durch Gründung eigener amerikanischer Kolonien gerade im 18. Jahrhundert zwangen, ihr Herrschaftsgebiet nochmals durch Gründung neuer Städte zu sichern (S. 417). Zudem versteht es Camañes, eine Vorstellung von dem komplexen Wirtschafts- und Verwaltungssystem zu vermitteln, mit dem die spanische Krone über die Casa de Contratación in Sevilla, Hispanoamerika beherrschte und den Überseeverkehr bis ins kleinste Detail zu kontrollieren bestrebt war.

In Camañes’ Detailreichtum steckt aber auch die Tücke: Nicht nur, dass ihm dabei zuweilen Fehler unterlaufen. Weit problematischer ist, dass der Leser Mühe hat, den roten Faden zu erkennen, der das Buch zusammenhalten könnte. Camañes verfügt über ein breites Wissen, aber gerade hierdurch lässt er sich allzu leicht zu interessanten Exkursen hinreißen, die weit vom Thema abführen. So interessant beispielsweise die Geschichte von der manischen Suche nach dem El Dorado (S. 74-92) ist; zum Verständnis der Untersuchungsfrage trägt das wenig bei. Gleiches gilt für die innere Struktur des Universtätswesens in Peru und Neuspanien (S. 339-352). Was die christliche Missionsgeschichte betrifft (S. 146-164), so hätte man sich auch hier einen schärferen Fokus auf ihre Bedeutung für die Stadt, ihre Baulichkeiten und das städtische Leben gewünscht. Dies führt dazu, dass Camañes zwar einen kurzweiligen Überblick über ein zentrales Thema der Geschichte Iberoamerikas vorlegt, die Chance auf ein griffiges Handbuch aber vergibt. [1]

Anmerkungen:
[1] Bibliografie und Links: Homepage Porfirio Sanz Camañes:
<http://www1.universia.net/CatalogaXXI/pub/ir.asp?IdURL=166867&IDC=10059&IDP=ES&IDI=1ES&IDI=1>.
Romero, José Luis: Latinoamérica: Las ciudades y las ideas. México 1976
Solano, Francisco de: La ciudad hispanoaméricana: El sueño de un orden. Madrid 1997

Zitation
Felix Hinz: Rezension zu: Sanz Camanes, Porfirio: Las ciudades en la América Hispana. Siglos XV al XVIII. Madrid 2004 , in: H-Soz-Kult, 29.01.2007, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-5947>.
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Veröffentlicht am
29.01.2007
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