Online-Bibliographie wiedervereinigung.de

Cover
Titel
wiedervereinigung.de.


Rezensiert für H-Soz-Kult von
Mark Hillebrand, Institut für kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien, Uni Bremen

Zum Thema der deutsch-deutschen Vereinigung besteht seit 1999 im Internet die Online-Bibliographie wiedervereinigung.de. Neben der derzeit (Juli 2005) 49.000 Titel umfassenden Literaturdatenbank bietet die Internetseite noch "Buchtipps" und "Links" an. Optisch macht die Seite einen gelungenen Eindruck. Die zurückhaltende Gestaltung erleichtert die Orientierung und den Umgang mit dem Angebot. Positiv zu werten ist auch, dass man ausdrücklich aufgefordert wird, den Betreiber der Datenbank, Dr. Hendrik Berth, per Mail, Telefon, Fax oder per Post direkt anzusprechen. Der Zuschnitt der Seite richtet sich an ein breites Publikum. Die Breitenorientierung wird dadurch unterstützt, dass die Bibliographie nach eigenem Bekunden keinen Schwerpunkt innerhalb der Sachgebiete der nachgewiesenen Literatur besitzt. Der Umstand, dass die Datenbank von Psychologen, also von Vertretern einer disziplinären Interessensausrichtung, angelegt wurde, schlägt sich so nur eingeschränkt nieder. Da die Besprechung der Datenbank den Kern dieser Rezension ausmachen soll, hier nur kurz einige Anmerkungen zu den zusätzlichen Leistungen. Hinter den Buchtipps verbergen sich verschiedene Bücher, die vom Internetkaufhaus amazon angeboten werden. Die Linkliste, die für einen wissenschaftlichen Besucher der Seite von größerer Bedeutung als die Buchtipps sein könnte, wendet sich in der Auswahl der ca. 60 Verknüpfungen aber eher an ein nichtwissenschaftliches Publikum. Institutionen, die (international) Deutschlandstudien betreiben oder zu deren Veröffentlichung beitragen (Institute, Stiftungen, Verlage, Zeitschriften), könnten stärker repräsentiert sein. Zudem bleibt die Kategorisierung der einzelnen Links in "Literatursammlungen", "Linksammlungen", "Gesetze", "Berliner Mauer", "Geschichte", "Aufarbeitung", "Kultur", "Sonstiges", "Shops" und "Satire" unklar und thematisch unvollständig. Wünschenswert wäre eine kurze Kommentierung der verlinkten Seiten. Der Umstand, dass die Linksammlung durch Hinweise von Nutzern ergänzt werden kann, führt aber vermutlich dazu, dass die hier aufgezeigten Mängel nur von begrenzter Dauer sein werden.

Zur Bibliographie: Neben der beachtlichen Zahl erfasster Titel zeichnet sich wiedervereinigung.de dadurch aus, dass Besuchern der Seite über ein „Update“-Fenster die Möglichkeit geboten wird, durch Neueinträge oder Korrekturen vorhandener Einträge zur Aktualisierung und inhaltlichen Erweiterung der Bibliographie beizutragen. Regelmäßige, zwei Mal im Jahr vorgesehene Ergänzungen sollen dies berücksichtigen. Damit ist wiedervereinigung.de nicht nur die größte Literaturdatenbank zum Thema, sondern auch die aktuellste.

Die Bibliographie besteht aus fünf Teilen:
1. allgemeine Nutzerinformation
Hierzu zählen die Unterseiten "Hilfe", "Presse" und "Info". Letztere gibt lediglich Daten zur Geschichte der Bibliographie an (zurückliegende Aktualisierungen, Erwähnungen der Datenbank, Rezensionen) und ist daher für die Recherchevorbereitung wenig hilfreich. Lohnender ist dagegen die Lektüre der "Presse"-Information, da sich hier Hinweise auf die thematische Ausrichtung und Generierung des Titelkorpus finden. Für eine detaillierte Suche ist die Sichtung der "Hilfe"-Informationen anzuraten. Diese Unterseite weist in die sinnvolle Formulierung der Suchanfragen und in den Umgang mit Fehlermeldungen bei den Suchergebnissen ein. Allerdings wäre eine thematisch deutlichere Gliederung der einzelnen Hinweise sinnvoll.

2. Suchoberfläche und Anfragengestaltung
Die als "Profisuche" aufgeführte Suchoberfläche ermöglicht eine schnelle erste Orientierung, auch wenn vier Publikationszeiträume (1991, 1992-1995, 1996-1999, ab 2000) separat zu durchsuchen sind. Filtermöglichkeiten und das Arbeiten mit Operatoren wie ODER und NICHT bietet die Suchoberfläche allerdings nicht. Die Verknüpfung zwischen den einzelnen Eingabefeldern ("Autor(en)", "Jahr", "Titel", "Quelle", "Schlag-/Stichwort") ist stets UND. Bei der Suche eingegebene Begriffe werden wie eine Phrasensuche behandelt und führen nur zu genau gleichen Begriffen bei den Suchergebnissen. Mit der Eingabe "Politik Zeitgeschichte" im Suchfeld "Quelle" würde man also die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ nicht finden, da in ihrem Titel die beiden Wörter nicht direkt wie in der Eingabe aufeinander folgen. Dasselbe Problem der ausschließlich identischen Treffer gilt auch für uneinheitliche Rechtschreibung, Umlaute und Tippfehler, sowohl auf Seite des Suchenden und in der Datenbank. Dadurch wird die Findbarkeit von Titeln unter Umständen erschwert. Benutzerfreundlich wäre hier die so genannte „Fuzzy Search“, um alternative Suchergebnisse mit Wörtern, die der Sucheingabe ähnlich sind, angezeigt zu bekommen, wie z. B. „Deutschland Archiv“ für die Sucheingabe „Deutschlandarchiv“. Neben den 17 datenbankeigenen Schlagworten werden weitere vergeben, die aber oft lediglich dem Titel der jeweiligen Publikation entnommen wurden. Die datenbankeigenen Schlagwörter sind auf der Unterseite "Hilfe" aufgelistet, was die Lektüre dieser Seite vor der Suche nahe legt. Die Online-Bibliographie bemüht sich dankenswerterweise um Transparenz. Diese kann aber noch erhöht werden, wenn zum Beispiel erwähnt wird, dass Schlagworte aus anderen Datenbanken wie Psyindex, Psychinfo und Medline übernommen wurden und um welche es sich dabei genau handelt.

3. Titelkorpus
"Die Datenbank umfasst Literatur verschiedener Fachgebiete, von Geschichte, über Politik, Pädagogik, Rechtwissenschaft, Wirtschaft bis hin zu Psychologie oder Soziologie."[1] Neben der wissenschaftlichen Literatur zum Thema sind auch belletristische Werke erfasst. Stark vertreten sind die Fächer Politik (13,86%), Geschichte (11,62%) und Wirtschaftswissenschaft (10,83%). Mittlere Häufigkeit haben Titel aus Literaturwissenschaft (6,19%), Psychologie (5,88%) und Rechtswissenschaft (5,36%). Geringer vertreten sind Sprachwissenschaft (2,76%) und Medizin (2,45%). Mit verbleibenden 41,05% anderer Literatur wird die Breitenorientierung der Datenbank deutlich. Die prozentuale Gewichtung steht dabei weniger für entsprechende Sammelschwerpunkte der Bibliographie, sondern spiegelt eher die, relativ zum Thema, unterschiedlich rege Publikationstätigkeit in den verschiedenen Fächern.[2] Dass für die Titelzusammenstellung fast ausschließlich in Printmedien veröffentlichte Arbeiten aber keine "Tageszeitungen", unveröffentlichte[n] Diplom- oder Magisterarbeiten, Rezensionen, WWW-Dokumente, CD[s], CD-Rom[s] oder Videos" berücksichtig wurden,[3] ist nachvollziehbar aber bedauerliche. Einen besonderen Wert würde die Datenbank durch den Nachweis Grauer Literatur erlangen, da diese schwer zu finden ist. Durch die in der "Update"-Funktion gegebene Möglichkeit, nutzerseitige Ergänzungen zu berücksichtigen, bietet sich den Verlegern Grauer Publikationen hier die Chance ihre Literatur zu registrieren. Der Versuch, zunehmend "auch Publikationen aus der Zeit vor der Wiedervereinigung zu integrieren, um so eine umfassende Rückschau auf die DDR zu ermöglichen" [4] ist zu begrüßen. Allerdings ist für ein tieferes Verständnis der Dynamik des Wiedervereinigungsprozesses ebenso eine umfassende Rückschau auf die alte Bundesrepublik nötig.

4. Anzeige der Suchergebnisse
Die Ergebnisse einer Suchabfrage werden chronologisch und nach Autorennamen geordnet in einer einfachen Tabelle angezeigt. Die Spalten der Tabelle bieten Informationen zu den Rubriken "Autor", "Jahr", "Titel", "Hrsg.", "Quelle" (Zeitschrift, Sammelband usw.), "Ort", "Verlag", "Ausgabe", "Seiten" und "Stichwort", wobei nicht immer alle Daten vorhanden sein müssen. Die Rubrik "Stichwort" ist insofern interessant, als sie aufzeigt, welche Schlag- und Stichworte für den jeweiligen Titel vergeben wurden. Praktisch wäre hier eine Hypertextfunktion, um Titel mit gleichen Stichworten anzeigen zu können. Eine Sortier- und Filtermöglichkeit ist für die Suchergebnisse leider nicht gegeben. Es fehlt auch eine Anzeige der Trefferzahl und die Wiederholung der eingegebenen Suchdaten, was es unter Umständen schwierig machen kann, nachzuvollziehen, welche Sucheingaben das jeweilige Ergebnis hervorgebracht haben. Dies gilt umso mehr, als die Suchergebnisse in keinem separaten Browserfenster angezeigt werden und die Suchoberfläche während der Anzeige der Ergebnisse somit nicht sichtbar ist. Eine Anzeige der Suchergebnisse in einem separaten Fenster würde auch bei der Verwendung der Korrektur- und "Update"-Möglichkeit für mehr Übersichtlichkeit sorgen.

5. "Update"-Möglichkeit
Wie schon erwähnt besitzt die Internetseite ein Online-Formular, um den Betreiber der Seite "auf neue Literatur oder Fehler in der Datenbank aufmerksam" machen zu können.[5] Neben den oben genannten Vorzügen birgt diese Funktion aber auch eine Tücke, denn je mehr Nutzer von ihr Gebrauch machen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Fehler in die Datenbank einschleichen. Nutzer der "Update"-Möglichkeit seien also zur Genauigkeit ermahnt. Es geht jedoch nur um ein Anzeigen der Fehler. Die Endredaktion und die Entscheidung für oder gegen die Übernahme der Daten liegen beim Betreiber der Seite. Hinsichtlich der Korrekturangaben wäre eine Option praktisch, die aus der Anzeige der (fehlerhaften) Suchergebnisse direkt in die "Update"-Funktion führt und dabei die Titeldaten übernimmt. Bisher müssen diese per Copy & Paste und per Hin- und Herblättern von der Suchergebnis-Anzeige zum "Update"-Fenster mühselig übertragen werden.

Gegenüber einer gedruckten Bibliographie wird man von einer elektronischen Literaturdatenbank einen gewissen Technik-Mehrwert erwarten. Neben der größeren Aktualität sowie der einfachen Erfassung und Durchsuchbarkeit großer Datenmengen ist das sicherlich die Möglichkeit, komplexe Anfragen unter Berücksichtigung von Filterregeln und Querverweisen stellen zu können. Die erstgenannten Punkte sind bei wiedervereinigung.de durchaus gegeben. Für den letztgenannten Punkt gelten die schon aufgezeigten Einschränkungen. Dies mindert aber nicht die Leistung, die überhaupt mit der Erstellung, Pflege und Bereitstellung der Datenbank verbunden ist, wofür Hendrik Berth um so mehr zu danken ist, als sich seine Bibliographie technisch deutlich von anderen Bibliographien zum Thema abhebt, die lediglich alphabetisch sortierte Literaturlisten bieten.

Anmerkungen:
[1] siehe http://www.wiedervereinigung.de/pageID_1869767.html (26.08.05)
[2] Quelle für diese Angaben: E-Mail von Hendrik Berth vom 25. 07. 2005
[3] siehe: http://www.wiedervereinigung.de/pageID_1869767.html (26.08.05)
[4] siehe http://www.wiedervereinigung.de/pageID_1869767.html (26.08.05)
[5] siehe http://www.wiedervereinigung.de/pageID_1780415.html (26.08.05)

Zitation
Mark Hillebrand: Rezension zu: wiedervereinigung.de. , in: H-Soz-Kult, 16.09.2005, <www.hsozkult.de/webreview/id/rezwww-101>.
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Veröffentlicht am
16.09.2005
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