Erwiderung auf die Rezension Jost Dülffers vom 31.01.2005 zum Buch E. Kovács: Karl I. (IV.)



Von
Elisabeth Kovács,

Univ. Prof. Dr. Kovacs (Wien) erwidert auf die Rezension Jost Dülffers zum Buch E. Kovács: Karl I. (IV.):

Die Rezension Dülffers erinnert an die Jahre von 1918 und 1938, als man in Österreich deutsche Maßstäbe, Mentalität und Vorschriften oktroyierte und diktierte. Herr Dülffer, mit österreichischer Geschichte nicht vertraut, erfasst weder die Thematik des Buches, die Österreichische Frage (siehe Titel) noch die von Kaiser Karl zu ihrer Lösung vorgelegten Konzepte, deren Aktualität heute sichtbar wird. Er kennt das Nationalitätenproblem, das zum Untergang des Habsburgerreiches geführt hat, nicht; wie könnte er sonst kritisieren, dass ich die Agitationen von Nord- und Südslawen zur eigenen Nationalstaatenbildung dargestellt habe. Die Bemühungen Deutschlands von 1916-1919 um den Anschluss Österreichs sind für den Rezensenten ganz offensichtlich ebenso tabu, wie das Verhalten Kaiser Wilhelms II. oder die amerikanischen Todesurteile über Österreich.

Was stört es Dülffer, wenn erstmals aus den Dokumenten die Rolle der Freimaurer im Ersten Weltkrieg wissenschaftlich seriös vorgelegt sind? Ich, bin kein Logenmitglied und an keine Schweigepflicht gebunden! Archivmaterial zum Thema gibt es mehr als genug. Selbstverständlich haben die revolutionären Ziele des Bolschewismus die Politik am Ende des Ersten Weltkriegs und danach bestimmt und wie aus den internationalen Editionen ersichtlich, die Restaurationsversuche Kaiser Karls hervorgerufen.

Dülffer beurteilt die Publikation meines Werkes als „Skandal und Ärgernis“, weil ich eine „ungebrochene“ positive Beziehung zur Dynastie Habsburg und zur Katholischen Kirche hätte und diesen angeblich die Verschwörung von Freimaurerei und Bolschewismus gegenüberstellte. Ganz offensichtlich hat Dülffer ein grundsätzliches Problem mit der Tatsache dass erstmals eine Historikerin das Bild des letzten Kaisers von Österreich wissenschaftlich von der Tradition der Antipropaganda löst und das aus neuen Quellen erarbeitete eigentliche Bild des Kaisers veröffentlicht.

Was ist daran ein Ärgernis, dass ich eine positive Beziehung zur Dynastie der Habsburger, die 750 Jahre in Österreich regiert hat, wie zur katholischen Kirche, deren Mitglied ich bin, habe, und dass ich die Friedensbemühungen Papst Benedikts XV und seine Beziehungen zu Kaiser Karl historisch korrekt aus den Quellen (Korrespondenzen, Memoranden, Geheimdiplomatenberichten) darstelle?

Nicht das Werk „ Rettung oder Untergang oder Donaumonarchie“ ist das Ärgernis oder der Skandal, wenn ich auf der Basis einer großen internationalen Quellenedition und einer Fülle von unbekanntem Archivmaterial völlig neue Ergebnisse zum Untergang des Habsburgerreiches vorlege. Ärgernis und Skandal ist vielmehr die pauschal und emotional das Werk verwerfende Rezension von Dülffer. Er hat weder in den beiden Bänden, noch die beiden Bände oder vielleicht gar in ihren Anmerkungen und Fußnoten gelesen. Bestenfalls hat er in den 2000 Seiten geblättert, einige davon in der Diagonale überflogen und sich am Klappentext orientiert. Ihm unterlaufen Peinlichkeiten, falsche Datierungen und Begriffe wie inhaltliche Fehler. Dülffer stellt Angaben über die publizierten Dokumente unrichtig dar und ergeht sich in Vorurteilen. So schreibt er, die Hälfte der von mir herausgegebenen Dokumente wäre ohnehin bekannt, weil bereits im Druck erschienen. Tatsächlich sind von 289 Dokumenten 35 Drucke ediert, das sind 8,26%! Oder: ich hätte mehrere Dutzend Archive besucht, anstatt Dokumente daraus verarbeitet, die Dokumente wären unkorrekt interpretiert, es wären „Einbettungen“ erfolgt; Dülffer zeiht vatikanische Kommissionen der Unwissenschaftlichkeit, ohne sie zu kennen, etc. Übrigens: das Wort „Operettenputsch“ ist ein Diktum aus dem österreichischen Parlament von 1921, nachzulesen in meinem 1. Band Seite 602.

Warum unterstellt Dülffer, ich würde das Ende Österreich-Ungarns der Verschwörung von Freimaurern und Bolschewismus zuschreiben, während in dem gesamten Werk der Begriff Verschwörung überhaupt nicht vorkommt? Auch seine Kritik an der österreichischen staatlichen Subvention zur Publikation meines Werkes ist gegenstandslos. Leicht erkennbar scheint Dülffer die mit der Benützung und Veröffentlichung des Nachlasses von Kaiser Karl verbundene Korrektur des Kaiserbildes persönlich nicht zu passen. Gerade deshalb sucht er das Erscheinen dieses Werkes, sein Bekannt werden und die damit verbundene Vergangenheitsbewältigung durch unwissenschaftliche Urteile zu verhindern.

Univ. Prof. Dr. Elisabeth Kovács, Wien.

Zitation
Elisabeth Kovács, : Erwiderung auf die Rezension Jost Dülffers vom 31.01.2005 zum Buch E. Kovács: Karl I. (IV.), in: H-Soz-Kult, 09.03.2005, <www.hsozkult.de/article/id/artikel-618>.
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Veröffentlicht am
09.03.2005
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