Theoretische Ansätze und Konzepte der Forschung über soziale Bewegungen in den Geschichtswissenschaften

Theoretische Ansätze und Konzepte der Forschung über soziale Bewegungen in den Geschichtswissenschaften

Organisatoren
Institut für soziale Bewegungen, Bochum
Ort
Bochum
Land
Deutschland
Vom - Bis
02.04.2009 - 04.04.2009
Von
Benjamin Legrand, Ruhr-Universität Bochum

Zahlreiche Publikationen, eine einsetzende Institutionalisierung: Die Erforschung sozialer, politischer und religiöser Bewegungen boomt. Doch zwischen den teilhabenden Disziplinen sind gegenseitige Berührungsängste bemerkbar. Auf der einen Seite steht eine sozialwissenschaftlich ausgerichtete, theorielastige Bewegungsforschung ohne stärkere historische Bezüge; auf der anderen Seite ein geschichtswissenschaftlicher Zweig, der weniger auf Theorien basiert als auf die vorliegenden Quellen rekurriert. Die Tagung „Theoretische Ansätze und Konzepte der Forschung über soziale Bewegungen in den Geschichtswissenschaften“, die vom 2. bis zum 4. April 2009 im Bochumer Institut für soziale Bewegungen aus Anlass des 65. Geburtstages von Professor Klaus Tenfelde stattfand, versuchte den Brückenschlag zwischen den Disziplinen. Ziel war es, die historische Forschung auf ein stärker theoretisches Fundament zu stellen, um im Umkehrschluss die historiografischen Erkenntnisse auch für die sozialwissenschaftliche Forschung anschlussfähig zu machen. Unterstützt wurde die Tagung durch die Fritz Thyssen-Stiftung.

Die Notwendigkeit dieses Brückenschlags betonte HELKE STADTLAND (Bochum) in ihrer Einführung. Gerade der heute erlebbare Wandel der Definition von politischem Engagement mache deutlich, wie sich Aktionsformen veränderten. Ein Bewusstsein für diesen Wandel habe Einfluss sowohl auf Bewegungen als auch auf deren Erforschung. Stadtland, die zusammen mit Jürgen Mittag (Bochum) die Konferenz organisiert hatte, führte in die zu diskutierenden Theoreme ein und mahnte eine kritische Betrachtung der Historisierung der Bewegungen angesichts der Wechselwirkungen von wissenschaftlichen Konzepten und den Selbstbildern der Bewegungen an. Einfluss auf diese Interdependenz hätten auch die unterschiedlichen Definitionen. Stadtland verwies auf die Bewegungsdefinitionen von Joachim Raschke und Dieter Rucht: Bewegungen sicherten ihre Existenz demnach nicht über Institutionen, sondern über Mobilisierung, sie seien kollektiv und aktiv, dauerten wenigstens einige Jahre, wiesen eine kollektive Identität auf und zielten auf die gesamte Gesellschaft.

Drei von Stadtland angestoßene Grundfragen zogen sich dann durch die anschließenden Diskussionen: Welchen Nutzen können Historiker aus sozialwissenschaftlichen Ansätzen ziehen? Welche Definition von Bewegung trägt sowohl über zeitliche als auch räumliche Grenzen, ohne dabei an praktisch-nutzbarer Schärfe zu verlieren? Welchen Einfluss hat die Historisierung der Bewegungsforschung auf die Forschung selber? Abschließende Antworten – das vorweg – konnten nicht gefunden werden. Vielmehr wurde die Vielfalt des Theorien-Sets der Sozialwissenschaften an Einzelbeispielen erprobt und diskutiert. Damit erfüllte die Tagung ihr Ziel, die Grundlage für weitere Diskussionen zu schaffen.

Stärken und Schwächen der Geschichtswissenschaft seien das Spiegelbild der Stärken und Schwächen der Soziologie, erläuterte DIETER RUCHT (Berlin) in seiner Bestandsaufnahme der Bewegungsforschung zu Tagungsbeginn. Sozialwissenschaftler neigten zum Theoretisieren ohne empirische Kontrolle, Historiker hätten sich Bewegungen nur zugewendet, wenn diese historisch wirkungsmächtig geworden seien. Auffallend sei in der historischen Literatur, dass der Begriff soziale Bewegungen alltagsprachlich und nicht theoretisch fundiert verwendet werde. Defizite der Bewegungsforschung seien eine Konzentration auf Fallanalysen sowie das Ausbleiben von Wirkungsanalysen und Weiterentwicklungen der Theorien. In einer Auswertung von Zeitungen stellte Rucht ein Abnehmen von Berichten über soziale Bewegungen seit den 1990er-Jahren fest. Die meistbehandelten Themen der Bewegungsforschung seit 1970 seien Protest, Arbeiter und Gewalt.

Schon in der ersten Sektion, die sich mit dem Einfluss äußerer Rahmenbedingungen auf soziale Bewegungen auseinandersetzte, wurde deutlich, dass einzelne Ansätze ergänzt werden müssten. Beide hier diskutierten Analysekonzepte „Structural Strains“ und „Politische Gelegenheitsstrukturen“ seien trotz plausibler Erklärungen erweiterungsbedürftig, so die Referenten. Die Verwendung des Begriffs „soziale Bewegung“ für das 19. Jahrhundert vor 1871 in Deutschland hinterfragte CHRISTIAN JANSEN (Berlin). Angesichts staatlicher Repression und territorialer Zersplittertheit sowie einer kleinen Öffentlichkeit sprächen viele Argumente dafür, den Begriff ‚soziale Bewegung‘ nicht auf das 18. und 19. Jahrhundert zu übertragen. Eine Ausnahme davon fand Jansen in der liberal-bürgerlichen-nationalistischen Bewegung, die aufgrund spezifischer Formen der Institutionalisierung sowie Unterstützung von einzelnen Herrschenden dauerhaft Wirkung erzielen konnte. Bei ihrem Vergleich der Umweltbewegungen in Ost- und Westberlin befand ASTRID KIRCHHOFF (Berlin), dass die ostdeutschen Gruppen nach den Kriterien Mobilisierungskraft und Reichweite nicht als soziale Bewegung zu bewerten seien. Die Verknüpfung des Structural Strains-Ansatzes mit dem Ansatz der Politischen Gelegenheitsstrukturen ergab dennoch, dass West- und Ostberliner Gruppen sehr ähnliche Themen und Sozialstrukturen gehabt hätten. Gerade mit dem Ansatz politischer Gelegenheitsstrukturen sei es möglich, Vergleiche offener und geschlossener Gesellschaften anzustellen und damit zu erklären, warum sich Strömungen zu bestimmten Zeitpunkten zu Bewegungen entwickelten. Grenzen der Erklärungskraft dieses Ansatzes entdeckte TILL KÖSSLER (München) bei seiner Analyse des spanischen Faschismus. Soziale Mikrodynamiken könnten mit dem Konzept kaum eingefangen werden. So seien für die Ausbreitung des Faschismus im ländlichen Raum soziale Netzwerke wichtiger gewesen als der Antimarxismus. Auch die an den neuen sozialen Bewegungen entwickelten normativen Grundannahmen des Konzeptes seien schwer zu übertragen. Dennoch, so Kössler, könnte die Erforschung der Ideologie- und Organisationsgeschichte des Falangismus durch den Einfluss der „politischen Umweltfaktoren“ sinnvoll erweitert werden.

In der zweiten Sektion wurden Ansätze zur diskursiven Selbstgenierung von Bewegungen wie die Systemtheorie oder „Framing“ behandelt. Der letztere Ansatz untersucht Faktoren, die dazu führen, dass ein Protestthema Mobilisierungspotenzial entfaltet. Im Panel nahmen JANOSCH STEUWER (Bochum) und MICHAEL WERNER (Münster) dabei gegensätzliche Positionen ein. Steuwer hielt Framing, welches kommunizierte Themen in den Mittelpunkt stellt, für besonders fruchtbar, weil es diffuse Weltsichten der Akteure sichtbar mache. Anhand des Brandanschlags auf ein Asylbewerberheim in Hünxe 1991 untersuchte er fremdenfeindliche Akteure. Erst die mediale Aufmerksamkeit für rechtsextreme Straftaten habe die Rahmenbedingung für den Anschlag geschaffen. Werner dagegen hielt den Ansatz für unhandlich, wenn die zu untersuchende Bewegungslandschaft zu heterogen und zu dynamisch sei. Werner betrachtete die Friedensbewegung in der jungen Bundesrepublik und definierte fünf verschiedene Strömungen der „Ohne mich“-Bewegung, die jeweils in unterschiedlichen Zeitphasen jeweils andere Problemkonstellationen aufwiesen. Systemtheoretische Ansätze machte ANJA KRUKE (Bonn) für ihre Untersuchung der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhundert für die Geschichtswissenschaft fruchtbar. Protest, der als spezifische Kommunikation zu verstehen sei, siedelte Luhmann in der Peripherie des politischen Systems an, von der sich soziale Bewegungen in die Mitte der Gesellschaft bewegen würden. Die Differenz zwischen Binnen- und Außenkommunikation werde, so Kruke, mit dem systemtheoretischen Ansatz deutlicher als beim Framing-Ansatz.

Klassisch ist das Konzept der „kollektiven Identität“, das die Differenz zwischen den vorgegebenen soziale Strukturen und dem solidarischem Handeln zur Überwindung dieser Strukturen ausleuchtet. Nach welchen Aktionsmustern dieser Prozess stattfindet, untersuchte FRANK WOLFF (Köln) in der dritten Sektion anhand der jüdischen Bundisten. Diese Gruppierung, verstreut über den gesamten Erdball, differenzierte sich je nach Standort und Konfliktlage unterschiedlich aus: Waren die Bundisten in Polen eine Partei, betrieben sie in Argentinien Gewerkschaftsarbeit. Wie diese Differenzierung innerhalb des internationalen Netzwerkes wieder auf eine lokale Basis zurückwirkte, beschrieb Wolff anhand der Bundisten in New York zwischen 1917-1945. MARCUS MERKEL (Berlin) beschäftigte sich mit den Ruhrfestspielen in Recklinghausen, die vom DGB seit 1946 veranstaltet werden. Merkel beleuchtete den Gründungsmythos –Theater gegen Kohle im Nachkriegswinter – und fragte, ob mit den Festspielen versucht worden sei, Identitätsangebote für Arbeiter zu vermitteln. Sein Ergebnis: Zwar zielten die Ruhrfestspiele auf ein gewerkschaftlich organisiertes, städtisches Publikum, nicht jedoch auf Arbeiter. Anhand der bundesdeutschen so genannten Lehrlingsbewegung fragte KNUD ANDRESEN (Hamburg), inwieweit die Organisation der Lehrlinge 1968-1973 als Bewegung im Sinne der Forschung verstanden werden könne. Dass die Aktionen der Lehrlinge gute Chancen gehabt hätten, sich zu einer Bewegung zu entwickeln, konnte Andresen mit dem Konzept der „Politischen Gelegenheitsstrukturen“ erklären. Warum die Lehrlingsbewegung aber über eine Konstituierungsphase nicht hinaus kam, begründete Andresen anhand des Konzeptes der Kollektiven Identität. Die kurze Dauer der Lehrzeit habe angesichts konkurrierender Identitätsangebote die Etablierung einer gefestigten Identität verhindert.

Ihren Gegenstand „Ressourcen und Ressourcenmobilisierung“ behandelte die vierte Sektion mit der Ausdeutung medialer Ressourcen und deren Mobilisierung durch soziale Bewegungen. Dabei wurden die Inszenierung und die Wiedergabe in den Medien zum einen als reflexive Ressource verstanden, die eine Bewegung erst forme, zum anderen als Mobilisierungsressource, die nach außen sowohl in die Öffentlichkeit als auch zu anderen gleichgerichteten Bewegungen wirke. Medien spielten, so der Tenor, die Schlüsselrolle, um soziale Bewegungen anzuheizen, abzukühlen oder laufen zu lassen. Anhand der Anti-Atom-Bewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren beschrieb FRANK BÖSCH (Gießen) Interdependenzen zwischen lokalen Gruppen, Medien und der Entwicklung einer sozialen Bewegung. Die Anti-AKW-Bewegung war dabei immer an Orte gebunden, an denen sich der Protest bündelte. Erst durch die Gleichzeitigkeit der Aktionen und die Vernetzung via Medien sei ein Bewusstsein für die Bewegung entstanden. Proteste gäbe es viele, so Bösch, aber nicht alle würden durch Medienberichterstattung zu einer sozialen Bewegung verdichtet. Medien waren auch eine Ressource für Hausbesetzer, die BAPTISTE COLIN (Paris/Bielefeld) in Paris und West-Berlin zwischen 1945 und 2008 untersuchte. Die Nutzung der Medien war dabei an die heterogene Hausbesetzerszene selbst gerichtet. Dass Colin diese Phänomene als Bewegung definierte, begründete er mit der gemeinsamen Anwendung der Protestform Hausbesetzung. Dieses zwischen friedlichem und gewaltbereitem Protest changierende Mittel wäre die eigentliche Ressource dieser Bewegung gewesen.

Über Grundfragen der Organisation von sozialen Bewegungen sprach ILSE LENZ (Bochum), die drei Organisations-Idealtypen herausarbeitete, die sich vermischen würden: Machtorganisationen, denen es um Machtakkumulation gehe, Mobilisierungsorganisationen, die Massen mobilisieren könnten, sowie Wissens- und Kommunikationsorganisationen, die epistemische Netzwerke darstellten. Welcher Grad an Institutionalisierung sozialen Bewegungen zugestanden wird, ohne dass sie den Charakter einer Bewegung verlieren, war Diskussionsthema der fünften Sektion. Allgemein wird als Ende einer Bewegung das vollständige Aufgehen in institutionelle Rahmen gedeutet, umstritten ist dagegen die Interpretation des Prozesses dorthin. ALEXANDER SCHWITANSKI (Bochum) forderte die Auseinandersetzung mit diesem Prozess, da dieser Rückwirkungen auf das Funktionieren von Bewegungen habe. Eine Analyse dieser Rückwirkung helfe somit zum Verständnis der Bewegungsgeschichte. Schwitanski beschrieb die Entwicklung der deutschen Menschenrechtsbewegung in der Zwischenkriegszeit. Er erkannte, dass Institutionalisierungsprozesse Bewegungen veränderten, indem durch die Wandlung neue Ressourcen und Zielsetzungen entstünden. Auf der Suche nach dem Ende einer sozialen Bewegung leuchtete LAURA POLEXE (Basel) mit ihrem Beitrag zeitliche und räumliche Dimensionen von Netzwerken aus. Polexe hatte dazu die Kommunikation osteuropäischer Sozialdemokraten zwischen 1890 und 1917 untersucht. Deren Netzwerke seien durch den Raum geprägt worden, sei es als Exil, sei es als virtueller Raum in Briefen und Zeitungen. Gleichzeitig veränderten sich diese Netzwerke mit der Zeit durch die Veränderung der Kommunikation. Die kleine Gruppe, die sich persönlich kannte, wuchs zu einem globalen Netzwerk, das durch Ideologie zusammengehalten wurde.

Raumbezüge – geografische wie sozialräumliche – prägten die Sektion VI, in der die Definition und Abgrenzung von Generation im Mittelpunkt stand. Biografien- und Historische Forschung verband ULRIKE LAHN (Bremen), die zwölf Frauen der Frauenbewegung mit dem Ziel interviewte, die Bewegungsbiografie zu analysieren. Anhand des Einflusses von Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen stellte Lahn einen Unterschied zwischen den um 1940 und den später geborenen Jahrgängen fest. Die Prägung durch entscheidende Erfahrungen als Generationenmerkmal vertrat auch ANNEKE RIBBERINK (Amsterdam), die die so genannte „schweigende Generation“ und die zweite Welle der Frauenbewegung in den Niederlanden untersuchte.

Bei der Abschlussdiskussion wie auch in den Diskussionen der Sektionen über den Nutzen einzelner Ansätze der sozialwissenschaftlichen Bewegungsforschung bestand Konsens, dass deren Chancen für die Geschichtswissenschaften nicht von deren Problemen zu trennen seien. Eine theoretische Herangehensweise sei für die zunehmend häufiger eingenommene vergleichende Perspektive unerlässlich. Auch seien Theorien dringend notwendig, um Distanz zum Forschungsobjekt zu bewahren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Historiker sich in ihrer Selbstsicht im Theoriegebrauch deutlich von den Sozialwissenschaftlern distanzierten. Nicht die Ansätze stünden im Vordergrund, sondern die Arbeit mit den Quellen. Die Vielschichtigkeit der Einflussfaktoren und narrative Erfordernisse machten es in der Historiografie unmöglich, sich zu stark in ein „Theoriekorsett“ zu zwängen. Auf der Tagung „behauptete“ sich letztlich keiner der Ansätze als optimales Instrument. Aus geschichtswissenschaftlicher Sicht, so der Tenor, sei ein Methodenmix nicht zu umgehen; ja, er sei sogar notwendig.

Da die Erscheinungsformen sozialer Bewegungen sich nicht nur in ihrer jeweiligen Epoche unterschieden, sondern auch im Wandel der Zeit verschieden waren, stellte sich die Frage nach einer praktikablen Definition von sozialen Bewegungen. Die abstrakten Definitionen der Sozialwissenschaften blieben dabei unangetastet, historische Definitionsversuche stießen immer wieder an die Grenzen ihrer Erklärungskraft. Einigkeit herrschte darüber, dass die Geschichtswerdung von Bewegungen die Bewegungsforschung fundamental beeinflusse. Die zeitliche Differenz des Forschers zu seinem Objekt würde auch die inhaltliche wie biografische Nähe abmildern – eine Kritik an einer oft als distanzlos empfundenen sozialwissenschaftliche Bewegungsforschung. Anknüpfend an die Debatte um eine Beibehaltung der Unterscheidung zwischen alten und neuen sozialen Bewegungen wollten einige Debattenteilnehmer den aktuellen Trend zur Erforschung der neuen sozialen Bewegungen nicht mit deren „neuen“ Qualitäten begründen, sondern schlicht mit zeitbedingten Trends in der Geschichtswissenschaft, die sich nun einfach mehr mit der Nachkriegszeit auseinander setzen würde.

Konferenzübersicht:

Begrüßung und Eröffnung

Einführung durch Helke Stadtland (Institut für soziale Bewegungen): Soziale Bewegungsforschung im Spannungsfeld von Theorie und Empirie: Forschungsstand − Leitfragen − Perspektiven

Öffentlicher Vortrag
Dieter Rucht (Berlin): Soziale Bewegungen im Spannungsfeld von Selbstbeschreibung und wissenschaftlicher Analyse

Sektion I: Äußere Rahmenbedingungen als Analysekonzept sozialer Bewegungen: „Structural Strains“ und „Politische Gelegenheitsstrukturen“
Moderation: Sven Reichard (Konstanz)

Christian Jansen (Berlin): Soziale Bewegungen in Deutschland vor „1871“?

Astrid Kirchhof (Berlin): Structural Strains – „Eine notwendige, nicht aber eine hinreichende Voraussetzung“ für die Analyse der sozialen Umweltbewegung? Ein Vergleich der externen Mobilitätsbedingungen in Ost- und Westberlin

Till Kössler (München): Das Konzept der politischen Gelegenheitsstrukturen und lokale Dynamiken im spanischen Faschismus

Holger Nehring (Sheffield): Die Friedensbewegung der 1950/60er Jahre in Theorie der Transnationalität

Sektion II: Theorien zur diskursiven Selbstgenerierung von Bewegungen: „Framing“ und „Systemtheorie“
Moderation: Dirk Schumann (Göttingen)

Janosch Steuwer (Bochum): Framing im Rechtsextremismus der Bundesrepublik Deutschland

Michael Werner (Münster): Framing in der Friedensbewegung der Frühphase der Bundesrepublik

Anja Kruke (Bonn): „Vom Rand in die Mitte?" Kommunikationstheoretische Perspektiven auf soziale Bewegungen

Sektion III: Ansätze zur „Selbstgenerierung“ von sozialen Bewegungen: Kollektive Identität
Moderation: Thomas Welskopp (Bielefeld)

Frank Wolff (Köln): Transnationale Aktionsmuster und Identitätsangebote. Bundisten in New York, 1917-1945

Marcus Merkel (Berlin): Arbeiterliche Identität als Programm – Zur gewerkschaftlichen
Identitätspolitik der Ruhrfestspiele in Recklinghausen

Knud Andresen (Hamburg): Die bundesdeutsche Lehrlingsbewegung 1968-1973 – Kollektive Identität oder Ergebnis eines strukturellen Umbruchs?

Sektion IV: Ressourcen-bezogene Ansätze über soziale Bewegungen: Aktionsrepertoire und Ressourcenmobilisierung
Moderation: Paul Nolte (Berlin)

Frank Bösch (Gießen): Glokaler Protest. Zur Formierung sozialer Bewegungen am Beispiel der Anti-Atom-Bewegung

Baptiste Colin (Paris/Bielefeld): Da, wo die Worte innehalten, beginnt die Gewalt.... der Hausbesetzer....!“ Dilemma im Protestrepertoire: Hausbesetzungen in Paris und Westberlin, 1945-2008

Frank Uekötter (München): Die Ressourcenmobilisierung der agrarischen Bewegungen im 20. Jahrhundert

Sektion V: Strukturbezogene und institutionelle Ansätze: Organisationssoziologie und Netzwerkkonzepte
Moderation: Klaus Tenfelde (Bochum)

Ilse Lenz (Bochum): „Netzwerke, Frauenräume, Verbände“ - Organisationsformen
der Frauenbewegungen

Alexander Schwitanski (Bochum): Institutionalisierungskonzepte und Menschenrechtsbewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Laura Polexe (Basel): „Liebe und Brüderlichkeit“- Netzwerke der Sozialdemokratie

Sektion VI: Zeit und Raum als Kategorien der Theoriebildung über soziale Bewegungen
Moderation: Ludger Pries (Bochum)

Ulrike Lahn (Bremen): Bewegungsbiografien politischer AkteurInnen regionaler Frauen- und Genderbewegungen – ein Vergleich zwischen 1940er und 1960er Geburtsjahrgängen

Anneke Ribberink (Amsterdam): „Leading ladies and cause minders“. Die schweigende Generation und die zweite Welle der Frauenbewegung in den Niederlanden

Bilanz
Podiumsdiskussion mit Klaus Tenfelde, Ilse Lenz, Ludger Pries, Dirk Schumann, Sven Reichard, Dieter Rucht und Thomas Welskopp_

Zusammenfassung und Abschluss
Jürgen Mittag (Institut für soziale Bewegungen)


Redaktion
Veröffentlicht am
13.07.2009