Jenseits der Ordnung? Zur Mächtigkeit der Vielen in der Frühen Neuzeit

Jenseits der Ordnung? Zur Mächtigkeit der Vielen in der Frühen Neuzeit

Organisatoren
Jan Behnstedt / Jan Marco Sawilla / Rudolf Schlögl, Forschungsstelle „Signaturen der Frühen Neuzeit“, Universität Konstanz
Ort
Konstanz
Land
Deutschland
Vom - Bis
25.07.2013 - 27.07.2013
Von
Anna-Lisa Bauer / Janine Firges / Sibylle Röth, Forschungsstelle "Signaturen der Frühen Neuzeit", Universität Konstanz

Eine außer Kontrolle geratene Menge war von frühneuzeitlichen Obrigkeiten kaum zu beherrschen, die Selbstorganisation der Vielen, außer in Begriffen des Aufrührerischen, kaum zu beschreiben. Von dieser Hypothese ging die Konstanzer Tagung „Jenseits der Ordnung? Zur Mächtigkeit der Vielen in der Frühen Neuzeit“ aus. Sie wandte sich auf der einen Seite der Frage zu, wie das Gewaltpotenzial, das sich mit der Zusammenkunft der Vielen an ein und demselben Ort assoziierte, unter den Bedingungen frühneuzeitlicher Vergemeinschaftung zu beobachten, zu beschreiben und zu steuern war. Auf der anderen Seite galt es zu diskutieren, welche Begriffe und Erfahrungen politischer (Un-)Ordnung dem zugrundelagen, in welchen Medien sich diese artikulierten und in welchem Umfang sie sich im Lauf der Frühen Neuzeit veränderten. Damit rückte die von der Forschungsstelle „Signaturen der Frühen Neuzeit“ und in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ organisierte Konferenz, die vom 25. bis zum 27. Juli 2013 an der Universität Konstanz stattfand, unterschiedliche ‚Phänomene der großen Zahl‘ ins Licht der Aufmerksamkeit. In seiner Begrüßung betonte RUDOLF SCHLÖGL (Konstanz) die Bedeutung zeitgenössischer Selbstbeschreibungen für das analytische Verständnis frühneuzeitlicher Vergesellschaftungsprozesse. Ihren Wandel legten auch die Organisatoren der Tagung, Jan Behnstedt (Konstanz) und Jan Marco Sawilla (Konstanz) ihren einleitenden Überlegungen zugrunde.

In seiner Einführung in die Tagungsthematik rückte JAN BEHNSTEDT (Konstanz) den zweifelhaften Ruf der ‚Vielen‘ im Rahmen des politischen Diskurses der frühen Neuzeit als das ‚Andere‘ der Ordnung in den Blick. Anhand der berühmten Radierung Wenzel Hollars von der Hinrichtung des Grafen Thomas von Strafford in London am 12. Mai 1641 zeigte Behnstedt zunächst auf, wie in einer klassischen Urszene der souveränen Gewalt die zum Schauspiel versammelten Vielen als Gefährdungsmoment der Ordnung dargestellt wurden. Von der komplexen politischen Lage im Fall Strafford und seines medialen Settings ausgehend, zeigte Behnstedt, wie die Schwierigkeiten, die Dynamiken sozialer Vielheiten zu fassen, schließlich in alternative Modellierungen der indirekten Regulierung und Konfigurierung der Vielen zurückübersetzt werden konnten.

JAN MARCO SAWILLA (Konstanz) konzentrierte sich auf die Frage, ob die Erschütterung sozialer Ordnung ausschließlich als ‚Unordnung‘ beschrieben werden konnte oder ob es Phänomene gab, die den Rahmen des frühneuzeitlichen Dispositivs der ‚Ordnung‘ selbst überschritten. Seine Überlegungen konkretisierte Sawilla anhand einer niederländischen Darstellung der Plünderung Antwerpens durch spanische Truppen am 4. November 1576. Während in der schriftlichen Überlieferung die von den Spaniern verübten Grausamkeiten zumeist nur abstrakt erwähnt und mit dem Topos der ‚Unsagbarkeit‘ bedacht worden waren, zielte die bildliche Darstellung darauf ab, das vermeintlich Unaussprechliche zu visualisieren. Nicht ein vorübergehender Verlust an Ordnung, sondern das sich in einer Ikonographie des Massakers artikulierende Ende des Sozialen entwickelte sich zur Gründungsfigur eines Gemeinwesens, dessen Formierung aus zeitgenössischer Perspektive selbst als eminenter Störfall wahrgenommen werden konnte.

Die Beiträge des ersten Panels „Die Vielen beobachten“ befassten sich aus unterschiedlicher Perspektive jeweils mit der Frage, wie Vielheiten in Theorie und Praxis zeitgenössisch reflektiert wurden. Eröffnet wurde das Panel mit einem Beitrag von MICHAEL GAMPER (Hannover), der anhand Christian Weises Trauerspiel Masaniello (1683) die Figur des ‚großen Mannes‘ und damit die Frage nach der Beziehung zwischen dem Einen und den Vielen ins Zentrum rückte. In Bezug auf die Vielen ließe sich die Handlungsmacht des ‚großen Mannes‘ in zwei zentrale Verfahren, nämlich die ‚Verführung‘ und die ‚Verkörperung‘ der Vielen, trennen. So gesehen könne Weises ‚Drama der Macht‘ auch als eine Geschichte des Scheiterns gelesen werden, da es dem Protagonisten zwar gelänge, die Masse anzuführen, nicht jedoch sie in einer neuen Ordnung zu verkörpern. Die ‚Mächtigkeit der Vielen‘ reiche hier zwar zum Umsturz der alten, nicht aber zur Stabilisierung einer neuen Ordnung.

Anschließend befasste sich LAURA MARIJKE TCHORZ (Bonn) mit der Darstellung der Vielen bei Thomas Hobbes und setzte diese in Bezug zu antiken Fassungen der Menschenmenge unter anderem bei Platon und Aristoteles. Dabei wies die Althistorikerin vor allem auf semantische Übernahmen hin, so etwa auf die sinnbildliche Analogie zwischen Menge und Meer. Diesbezüglich machte Tchorz auch konzeptionelle Adaptationen deutlich. So sei die von Leidenschaften geleitete Menge in ihrer Unberechen- und Unbeherrschbarkeit ähnlich wie bei den meisten antiken Schriftstellern auch bei Hobbes negativ konnotiert, da die Gefahr des Entgleitens stets gegeben sei.

Mit den Problemen der Französischen Revolution den Gemeinwillen zu organisieren, beschäftigte sich die Historikerin SIBYLLE RÖTH (Konstanz). Dabei sei es sowohl auf substantieller wie auf operativer Ebene zu Problemen gekommen, die durch das angewandte Repräsentativsystem nicht gelöst werden konnten. Der Ort der Souveränität bliebe letztlich leer, weil er zwischen einer ungreifbaren und nicht artikulierungsfähigen Vielheit auf der einen und einer konkreten, aber in ihrer Legitimation immer prekären Versammlung auf der anderen Seite schwanke. Daran schlössen notwendigerweise Deutungskämpfe an, in denen verschiedenste konkrete Vielheiten darum stritten, authentische Sprecher des sprachlosen Souveräns zu sein.

Die Soziologin MAREN LEHMANN (Friedrichshafen) ergänzte schließlich das Beobachtungsspektrum von Vielheit um Einblicke in die Entwicklung der soziologischen Theorie. Entlang kanonischer Texte der Soziologie des 19. und 20. Jahrhunderts stellte Lehmann in einer kritischen Bestandsaufname der Begriffsbildung die Möglichkeit von ‚Gesellschaft‘ der Möglichkeit ‚sozialer Ordnung‘ gegenüber und legte diesbezüglich einige Bezugsprobleme offen. So zeige sich, Lehmann zufolge, die Begrenztheit des Gesellschaftsbegriffs insbesondere dort, wo es nicht so sehr um den Bestand von Körperschaften, sondern im Gegenzug um gesellschaftliches Wachstum ginge.

Im zweiten Panel „Brechungen: Zur Gewalt und Mächtigkeit der Vielen“ standen verschiedene Erscheinungsformen potenzieller Gewalt im Vordergrund. Solch einen Wendepunkt, an dem Ordnung in Unordnung umschlägt oder umzuschlagen droht, legte auch der Historiker RAINER BECK (Konstanz) in seinem Vortrag zu Ordnung und Anomie um Andechs während des Dreißigjährigen Kriegs frei. Anhand des vom Andechser Abt Maurus Friesenegger verfassten Tagebuchs von Erling und Heiligenberg lenkte Beck den Blick auf jene Zwischenräume, die sich an den Rändern der kriegerischen Armeen bildeten und in denen sich die Bewegungen disaggregierter kleinerer Mengen nachvollziehen ließen. Es seien Themen von Macht und Verletzlichkeit, Gewalt und Verhandlung, die an diesen Rändern ein ‚anderes‘ Zentrum bildeten. Dabei stellte Beck fest, dass Wahrnehmung und Zuordnung von Freund und Feind sich zunehmend verflüssigt und verunklart hätten. Letztlich werde die Chronik dadurch selbst zum Zeugnis enormer Unübersichtlichkeit von Handlungen, Bewegungen und Praktiken.

Den Aspekt des dynamischen (Ver-)Handelns griff auch der Historiker MALTE GRIESSE (Konstanz) auf, der sich in seinem Beitrag zur Konzeptualisierung von Revolten vor allem mit der Frage nach der Kommunikationsmacht der Vielen beschäftigte. Griesse stellte diesbezüglich eine Eigendynamik fest, nach der verschiedene Stufen der Revolte auch an verschiedene Kommunikationssituationen und mithin die Konfiguration neuer Vielheiten geknüpft seien. Hieran schließe sich auch ein Zusammenhang der zeitgenössischen Konzeption der Revolte als Krankheit im politischen Körper an. Besonders die sich in der Peripherie des Körpers befindliche Zunge sei als Aufwieglerin identifizierbar und Kommunikation ließe sich so über das Gerücht, die fama, als wesentlicher Auslöser für Revolten ausmachen.

Einer weiteren Phänomenologie der Mächtigkeit der Vielen widmete sich anschließend FABIAN FECHNER (Tübingen), der in seinem Vortrag auf jene apokalyptische Warngemeinschaft einging, die im Peru des 16. Jahrhunderts um den Dominikaner Francisco de la Cruz entstand und mit der spanischen Obrigkeit sowie dem Inquisitionstribunal in Lima in heftigen Konflikt geriet. Fechner vollzog hier den Formierungsprozess einer Vielheit nach, die vereint im Glauben an eine neue Welt in sich selbst die einzige Chance auf Rettung und Erlösung der bedrohten Welt sah. Er hob hierbei die ordnungsstiftende Funktion der Heilsgeschichte hervor, die zwar als gemeinsamer Referenzhorizont gelten könne, aber dennoch in der jeweils unterschiedlichen Auslegung der Zeichen die heterodoxe Randgruppe mit hervorbrächte. Demzufolge ließe sich, so Fechner, das Seelenheil als soziale ‚Verbindungsfigur‘ auffassen.

Anhand einer Mitte des 17. Jahrhunderts aktenkundig gewordenen Engelserscheinung im Herzogtum Württemberg rekonstruierte die Historikerin SUSANNE JUNK (Tübingen) einen divergenten Deutungsraum. Während die ‚Gleichausrichtung Mehrerer‘ in den zeitgenössischen Flugblättern als Beweiskraft des Göttlichen galt, habe der Esslinger Stadtpfarrer eine andere Perspektive auf das anlässlich des Wunders „zusammenströmende Volk“ vertreten: Für ihn waren die Vielen schlicht von Sensationslust getrieben. Junk wies auf den Umgang der von der Obrigkeit eingesetzten Kommission mit der sich neu konstituierenden Vielheit hin, welche durch die jeweilige ‚Vereinzelung‘ im Laufe der Befragungen in eine erfassbare Zeugenschaft überführt worden sei. Damit sei die Vielheit selbst zu einer möglichen Quelle der Wiederherstellung von Ordnung geworden.

Die unterschiedlichen Formierungs- und Strukturierungsprozesse von Vielheiten waren thematischer Schwerpunkt des dritten Panels, das den Titel „Übertragungen: Zur Konstituierung und Repräsentation der Vielen“ trug. Dass Vielheit vor allem auch als eine ‚temporäre Einheit‘, stets zwischen Bindung und Zerstreuung changierend, zu verstehen sei, machte die Literaturwissenschaftlerin ULRIKE SPRENGER (Konstanz) in ihrem Beitrag zu prozessionalen Ordnungen im gegenreformatorischen Spanien des 17. Jahrhunderts deutlich. Die jeder Prozession zugrunde liegende Ordnung bilde dabei nicht nur eine göttliche oder gesellschaftliche Ordnung ab, sondern biete darüber hinaus auch die Möglichkeit einer selbstbezüglichen, situativen Ordnung des Augenblicks. Anhand der Karprozessionen in Sevilla setzte Sprenger ein dynamisiertes Ordnungsverständnis mit einer ebenso dynamisierten, performativen Lektüre der Stadt parallel. Als performativer Akt löse die Prozession die Zirkulation von Glaubensaffekten aus. Der Moment der Affektübertragung sei jedoch als hochgradig emergent zu verstehen, da er immer auch die Gefahr der Zerstreuung in sich trage.

Den Aspekt der Unbeständigkeit griff auch JANINE FIRGES (Konstanz) in ihrem Beitrag zur Entstehung des Orchesters und der Organisation musikalischer Ensembles im 18. Jahrhundert auf. Dass ein Orchester durch ein Individuum geführt, geordnet und koordiniert werde, wie es im 19. Jahrhundert vornehmlich durch die Figur des Dirigenten realisiert wurde, sei zuvor keine Selbstverständlichkeit gewesen. Die Literaturwissenschaftlerin verwies in diesem Zusammenhang auf alternative Steuerungsmechanismen, um Einheit, Gleichförmigkeit, Präzision und Wirkung im instabilen Gebilde des Orchesters herzustellen. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts würden verschiedene diskursive Transformationen, etwa Prozesse der Disziplinierung sowohl hinsichtlich der Ensemblemitglieder als auch des Publikums, bewirken, dass „ordentliche Capellen“ und „harmonische Heere“ entstanden.

Anschließend stellte die Literaturwissenschaftlerin EVA JOHACH (Konstanz) mit ihrem Beitrag zur ‚politischen Zoologie‘ auf einen Wandel der Lesart des Tumultuarischen im Bienenschwarm ab. Entlang der Bienenzuchtliteratur des 17. Jahrhunderts zeichnete Johach einen Wechsel vom Diktum der ‚guten Ordnung‘ hin zu einem ‚bio-politischen Regulativ‘ nach. Dabei bündele sich der ‚Diskurswechsel‘ insbesondere in der Figur der Drohne, deren Vertreibung aus dem Stock bis ins 17. Jahrhundert als moralische Reaktion auf ihre ‚Faulheit‘ bewertet wurde. Nachdem jedoch ihre reproduktive Funktion erkannt wurde, sei der Aufstand gegen die Drohnen fortan als ein ‚ökonomischer Modus‘ gelesen worden, der den Bienenstock schließlich in die Ära bio-politischer Regulation hinüberführe.

Dieser Aspekt der Nutzbarmachung von Produktivität wurde auch von den Beiträgerinnen und Beiträgern des vierten und letzten Panels in Anschlag gebracht, das mit „Ordnungen: Zur Dynamik und Steuerung der Vielen“ überschrieben war. Vor dem Hintergrund der Militarisierung im Europa des 18. Jahrhunderts habe die Habsburgermonarchie mit Volkszählung, sogenannten „Seelenkonskriptionen“, und Hausnummerierung Ordnungspraktiken entwickelt, die, wie ANTON TANTNER (Wien) darlegte, zu weitreichenden Eingriffen der Obrigkeit in die Lebenswelt der Untertanen führten und diese reglementierten, kontrollierten und – in diesem Fall sogar – nummerierten. Jene ‚Verzeichnung des Volks‘ könne, wie der Historiker bemerkte, als Frühform sozialwissenschaftlicher Erhebungen verstanden werden, welche in diesem Fall die Rekrutierung erleichtern sollten.

In ähnlicher Weise nahm der Historiker JUSTUS NIPPERDEY (Saarbrücken) das Ordnungsdefizit der Münchner Vorstadtbevölkerung im 17. Jahrhundert zum Ausgangspunkt seines Vortrags. Nicht in den Rechtsbereich der Stadt fallend, hätten die Handwerker der Vorstadt eine unregulierte Konkurrenz für die städtischen Zünfte und ihre bettelnden Armen eine ständige Gefährdung der öffentlichen Ordnung dargestellt. Laut Nipperdey gab es zwei Lösungsmöglichkeiten: Einerseits die Beseitigung der Vorstadt und andererseits die Etablierung einer neuen Ordnungsstruktur, welche auf die Nutzbarmachung der Vorstadt für Fürst und Staat abzielte. In letzterem Sinne wurde die Einrichtung von Manufakturen, Zucht- und Arbeitshäusern vorangetrieben. Die Bereitstellung von Arbeit – und der Zwang zu selbiger – habe in den Augen der Obrigkeit also den effektivsten Weg zur Einhegung der Masse dargestellt.

Abschließend lenkte die Historikerin ANNA-LISA BAUER (Konstanz) den Blick auf das frühneuzeitliche Stadtzentrum. In diesem Fall auf den Frankfurter Römerplatz und seine Rolle zwischen Selbstorganisation und Steuerungsbedürftigkeit der Vielen im Vorfeld des Frankfurter Fettmilch-Aufstandes (1612-1615). Anhand des Raumensembles ‚Platz‘ als konkretem Handlungs- und Konfliktraum, ließe sich hier beobachten, wie das repräsentative Zentrum, symbolisiert durch das Rathaus, von einem operativen Zentrum, nämlich dem sich „zusammenrottenden Haufen“, abgelöst worden sei. Diese zwei in Konkurrenz zueinander stehenden Raumkonzepte sah Bauer auch in frühneuzeitlichen Idealstadtentwürfen umgesetzt. Verstanden als zeitgenössisches Reflexionsmedium mache ideal geplanter wie auch konkret gebauter Raum zwei unterschiedliche Konzeptionen von Vielheit, nämlich als ‚repräsentative Platzierung‘ einerseits und ‚operative Relation‘ andererseits, beobachtbar.

In der Abschlussdiskussion wurden die Begriffe der ‚Mächtigkeit‘ und der ‚Vielheit‘ nochmals beleuchtet. Diese verwiesen, so die Tagungsleitung, auf Potentialitäten, die Raum für neue Perspektiven böten. Gerade die Merkmale der Komplexität und Unfassbarkeit, die Eigenschaften der in der Tagung behandelten Vielheiten darstellten, seien somit adäquater zu fassen als mit herkömmlichen Begriffen.

Konferenzübersicht:

Jan Behnstedt / Jan Marco Sawilla / Rudolf Schlögl (alle Konstanz), Begrüßung und Einführung

Panel 1: Die Vielen beobachten

Michael Gamper (Hannover), Der Eine und die Vielen. Die Handlungsmacht des „großen Mannes“ als Ordnung des Sozialen

Laura Marijke Tchorz (Bonn), Transformationen und Adaptionen der antiken Wahrnehmung von „Masse“ und Menschenmenge bei Thomas Hobbes

Sibylle Röth (Konstanz), Der entfesselte Souverän. Das Volk und seine Repräsentanten in der Französischen Revolution

Maren Lehmann (Friedrichshafen), Die Möglichkeit sozialer Ordnung. Einige Fragen an den Begriff „Gesellschaft“

Panel 2: Brechungen: Zur Gewalt und Mächtigkeit der Vielen

Rainer Beck (Konstanz), Ordnung und Anomie um Andechs

Malte Griesse (Konstanz), Wie konzeptualisierten Zeitgenossen Revolten und die Kommunikationsmacht der Vielen? Frühneuzeitliche Diskurse über „Zunge“ und „Fama“

Fabian Fechner (Tübingen), Francisco de la Cruz (um 1530-1578) und die Bildung und Brechung einer apokalyptischen Warngemeinschaft im Vizekönigreich Peru

Susanne Junk (Tübingen), Von Gott bewegt oder von Sensationslust getrieben? Die Bewertung des „zusammenströmenden Volkes“ bei der Engelserscheinung des Hans Keil (Württemberg, 1648)

Panel 3: Übertragungen: Zur Konstituierung und Repräsentation der Vielen

Ulrike Sprenger (Konstanz), Das erste Huhn voraus. Prozessionale Ordnungen und ihre Repräsentation

Janine Firges (Konstanz), Die „ordentliche Capelle“, das „harmonische Heer“. Zur Entstehung des Orchesters

Eva Johach (Konstanz), Politische Zoologie des Bienenschwarms

Panel 4: Ordnungen: Zur Dynamik und Steuerung der Vielen

Anton Tantner (Wien), Von der Nutzbarmachung des „Volcks“. Seelenkonskription und Hausnummerierung in der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts

Justus Nipperdey (Saarbrücken), Die Vielen in der Vorstadt – Beobachtung und Steuerung der Münchener Vorstadtbevölkerung im 17. Jahrhundert

Anna-Lisa Bauer (Konstanz), Vielheiten verorten. Frühneuzeitliche Stadtentwürfe als synoptischer Denkort zwischen Repräsentation und Operation