The Mediterranean ‚Other‘ – The other Mediterranean: Subaltern Perceptions, Interpretations and Representations

The Mediterranean ‚Other‘ – The other Mediterranean: Subaltern Perceptions, Interpretations and Representations

Organisatoren
Zentrum für Mittelmeerstudien, Ruhr-Universität Bochum
Ort
Bochum
Land
Deutschland
Vom - Bis
27.03.2014 - 29.03.2014
Von
Christine Isabel Schröder, Zentrum für Mittelmeerstudien, Ruhr-Universität Bochum; Annika-Maria Törne, Institut für Diaspora- und Genozidforschung, Ruhr-Universität Bochum

Vom 27. bis 29. März 2014 richtete das Zentrum für Mittelmeerstudien (ZMS) seine 4. internationale Tagung an der Ruhr-Universität Bochum aus. Die Konferenz wurde in diesem Jahr im Rahmen des von Mihran Dabag geleiteten Forschungsfelds „Menschen in Bewegung – Migration als regionale Ressource“ konzipiert. Mit dem Thema „The Mediterranean ‚Other‘ – The other Mediterranean: Subaltern Perceptions, Interpretations and Representations“ wurde einerseits eine kritische Hinterfragung historischer und aktueller politischer Entwicklungen angestrebt, die das Mittelmeer und seine Region auf verschiedene Weisen als ‚das Andere‘ entwerfen; andererseits wurden insbesondere die Perspektiven nicht-staatlicher und migrantischer Gemeinschaften sowie Diasporen auf den Mittelmeerraum in den Blick genommen.

Im Eröffnungsvortrag unterzog PAUL A. SILVERSTEIN (Portland, OR) die theoretischen, methodologischen, ethischen und politischen Grundlagen der neuen Aufmerksamkeit gegenüber mediterranen Diasporen einer kritischen Revision. Ethnographien würden immer wieder dazu tendieren, jeweils eine der drei diasporischen Perspektiven – Heimat(land), Diasporagemeinschaft und Gastland – zu favorisieren. Silverstein plädierte dafür, diese drei Dimensionen des Lebens in der Diaspora gleichberechtigt wahrzunehmen und in die Forschung zu integrieren als drei aufs Innigste miteinander verwobene und gleichzeitig antagonistische Faktoren.

Im ersten Panel, „Othering the Mediterranean – The Construction of the Mediterranean Other“, sprach CHRISTOPHER SCHLIEPHAKE (Augsburg) über Strategien des ‚Otherings‘ in und von Homers „Odyssey“. Er stellte anhand der Rezeptionsgeschichte, neuer Perspektiven auf den Text, aber auch mediterraner Gegen- oder Spiegelerzählungen, etwa in der armenischen Tradition, die zutiefst heterogene und ambivalente Rezeptionsgeschichte des Epos und der Figur des Odysseus heraus, der nicht nur als heldenhafter Eroberer gelesen werden könne, sondern auch als suchender Heimatloser, der das ‚Andere‘ in Mensch und Natur erkenne und respektiere.

FELIX WIEDEMANN (Berlin) analysierte die Historiographie des Nahen Ostens in den europäischen Geschichts- und Altertumswissenschaften des 19. und 20. Jahrhunderts. Während er grundsätzlich Edward Saids Thesen zum ‚Orientalismus‘ bestätigt sah, ließen sich en detail jedoch komplexere Forschungsdiskurse ausmachen, die sich einem einfachen binären Code des Otherings, nämlich ‚europäisch-westlich‘ versus ‚orientalisch‘ entzögen. Dies zeige sich besonders im Diskurs um die sogenannten ‚semitischen Völker‘: Während Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts vor allem eine ‚semitische‘ im Verhältnis zu einer ‚indo-germanischen‘ oder ‚arischen Rasse‘ konstruierten, würden ab Beginn des 20. Jahrhunderts innerhalb der ‚Semiten‘ unterschiedliche Völker wie Juden, Araber oder Beduinen identifiziert, denen bestimmte (‚Rasse‘-)Merkmale zugeschrieben würden. Dieser Diskurs verlaufe vor allem antijüdisch, und mit der zunehmenden Biologisierung bzw. Biopolitisierung der Wissenschaften entstehe eine „rassische Kartographie“ („racial cartography“) des Nahen Ostens bzw. östlichen Mittelmeerraums.

PAOLO GIACCARIA (Turin) stellte eine Genealogie des ‚Mediterranismus‘vor, einem Konzept, das in Anlehnung an Saids ‚Orientalismus‘ in Bezug auf das Mittelmeer und seine Anwohner von Michael Herzfeld identifiziert worden ist. Mediterranismus schreibe spezifisch ‚mediterrane‘ Charakteristika zu und diene im Sinne einer „Mediterranisierung“ der Schaffung einer einheitlichen, homogenen ‚Region‘. Giaccaria unterscheidet hierbei zwischen historiographischem („longue durée“, Braudel in Anlehnung an Vidal de la Blache), militantem (Camus und andere; im Sinne einer Selbstdefinition als Selbstermächtigung) sowie einem EU-ropäischen (Grenzregime, Makroregion-Politik) Mediterranismus. Die Dekonstruktion dieser Mediterranismen sieht er als Ausgangspunkt für die Möglichkeit, das Mittelmeer und seinen Raum neu bzw. alternativ zu denken und mit Walter Benjamins Konzept der ‚Schwelle‘ eine alternative Vision von Raum und Zeit zu entwerfen.

Das zweite Panel richtete den Blick auf „Cross-Mediterranean Perspectives“, in dem sich zunächst JULIA BLANDFORT (Regensburg) der mündlichen Tradition der Roma im mediterranen Raum widmete. In Anlehnung an Paul Gilroy konzeptualisierte sie dabei Diaspora als „rooted and routed“ und hob die Bedeutung der Oralität als Mittel für die permanente Konstruktion von Alterität hervor. In den Verschriftlichungen der oralen Tradition der Roma stellte Blandfort zwei verbreitete Fremdzuschreibungen heraus, in denen Roma entweder als authentische Träger indischer Märchen oder aber als gänzlich ‚Traditionslose‘ konstruiert würden. Wiederum bedienten sich Roma-Schriftsteller ihrerseits sprachlicher Strategien zur Konstruktion des ‚Anderen‘. Blandfort problematisierte, dass Roma-Autoren, die in der Nationalsprache des Gastlands schrieben, mittels ihrer Romane die Fest- und Einschreibung und damit den Verlust des dynamischen Charakters der mündlichen Überlieferung bewirkten und sich infolgedessen mit der Ausgrenzung aus ihrer Gemeinschaft konfrontiert sähen.

ANNA TOZZI DI MARCO (Turin) stellte ihre Untersuchung zu den Pilgertraditionen des Kultes der „Sieben Schläfer“ in Ägypten, Jordanien, Marokko, Tunesien und der Türkei vor. Die Legende der „Sieben Schläfer“ ist im mediterranen Raum in jüdischen und christlichen mündlichen Überlieferungen bis ins 5. Jahrhundert zurückzuverfolgen, wurde in islamische Traditionen integriert und im Koran festgehalten. Tozzi Di Marco differenzierte zwischen den verschiedenen Pilgerorten zwei Typen: einerseits im Zuge der Herstellung nationalen kulturellen Erbes touristisch vermarktete und im Wettbewerb um Authentizität stehende, andererseits vorrangig von der lokalen Bevölkerung zur Heiligenverehrung aufgesuchte Pilgerorte. Dabei bestehe die Bedeutung dieser heiligen Orte in der Möglichkeit, die sie zur Bewahrung einer transnationalen, transkonfessionellen Identität böten, indem sie an vielen Orten sowohl von christlichen als auch von muslimischen PilgerInnen frequentiert würden, wobei diese mit ihren traditionellen lokalen Narrationen und Praktiken eine Herausforderung für staatlich-hegemoniale Narrative darstellten.

MOTI BENMELECH (Gush Etzion) zeichnete die frühneuzeitlichen Diskurse über die „Zehn Verlorenen Stämme Israels“ nach, die sich im 15. und 16. Jahrhundert als Suche nach den „eigentlichen“, „unverfälschten“ Juden innerhalb der jüdischen Gemeinden um das Mittelmeer konstituierten. Benmelech zeigte verschiedene Transformationen dieser einstigen Verlusterzählung auf. So hätten etwa aus Aschkenas nach Norditalien einwandernde Juden sich den im deutschen Raum verbreiteten antijüdischen Mythos der ‚Roten Juden‘ diskursiv angeeignet und positiv umgedeutet auf die Zehn Stämme übertragen: Im christlichen Diskurs als endzeitliche Begleiter des Antichrist entworfen, habe es sich im jüdischen Diskurs nun um furchtlose und grausame Krieger als Retter Israels gehandelt, womit der Mythos stark messianische Elemente erhalten habe. Ab Ende des 16. Jh. seien die Zehn Stämme wiederum in europäische Diskurse über ‚Kultur‘ eingeschrieben worden, habe man sie doch bisweilen in der Neuen Welt als Vertreter hoch entwickelter Zivilisationen vermutet.

CRISTINA BALMA-TIVOLA (Turin) diskutierte die überwiegende Darstellung von Immigranten als Kriminelle in italienischen Massenmedien, die in starkem Kontrast zu der Realität der italienischen Einwanderergesellschaft stehe. Anstatt ein tieferes Verständnis für und Repräsentationen von immigrantischen Identitäten in der multikulturellen Gesellschaft zu fördern, würden somit weiterhin exotische Stereotypen bedient. Hingegen könne eine neue Form des Theaters, wie Balma-Tivola anhand ihrer Analyse des multikulturellen Theaters „AlmaTeatro“ zeigte, den Stimmlosen und ‚Subalternen‘ eine Bühne anbieten, auf der sie ihre Biographien und Erzählungen re/präsentieren könnten.

Im dritten Panel wurden verschiedene „Mediterranean Models of Belonging and Integration“ vorgestellt. FERDAOUSS ADDA (Bochum) brachte mit den Imazighen („Berber”) eine autochthone und zugleich transnationale Gemeinschaft des Mittelmeerraums näher, die besonders im deutschsprachigen Raum bislang wenig wissenschaftliche wie öffentliche Beachtung erhalten hat. Schon allein die Frage, wer Amazigh sei, führe zu komplexen, politisch aufgeladenen Fragen der Fremddefinition und Selbstbestimmung, die in einer langen Geschichte von Unterwerfung und Kolonisation wurzelten. Heute formiere sich eine transnationale Diaspora im Congrès Mondial Amazigh, die eine ‚unité indéniable‘ der Imazighen formuliere, in deren Zentrum vor allem die gemeinsame Sprache (Tamazight) stehe. Daneben stünden jedoch diverse regionale und lokale Identitäten, und die verschiedenen Imazighen-Gruppen sähen sich je nach Region mit unterschiedlichen Politiken konfrontiert, die von Akzeptanz und Förderung ihrer Kultur und Identität bis zur Leugnung ihrer spezifischen Identität oder gar Existenz reiche. Im Zuge der Aufstände und Umwälzungen im Maghreb stehe eine Verbesserung der Situation der Imazighen bislang nicht zur Verhandlung.

Nach der Möglichkeit des ‚millet‘ als ein auch in post-osmanischer Zeit für nicht-dominante Gemeinschaften anwendbares mediterranes Konzept fragte CHRISTOPH K. NEUMANN (München). Dabei legte er dar, dass die ‚millet-i hakimiye‘ im Osmanischen Reich eine homogene muslimische ‚ dargestellt habe, wodurch es anderen ‚millet’-Gruppen nicht ermöglicht worden sei, Gemeinschaft zu bilden. Während Aleviten, Yeziden und Nusayrier als heterodoxe muslimische Gruppen klassifiziert und mehr oder minder zur ‚millet –i hakimiye‘ zugehörig aufgefasst worden seien, seien die jüdischen und christlichen Gemeinschaften direkt der Kontrolle des osmanischen Sultans unterstellt worden. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 seien die Patriarchate verstaatlicht und dem vom Sultan eingesetzten Patriarchen sei jeweils ein staatlicher Berater beigestellt worden. Im Zeitalter des Kolonialismus, Imperialismus und Nationalismus sei es mit der Osmanischen Verfassung 1876 den ausländischen Mächten zugestanden worden, diesen Gruppen Schutz zu gewähren, die dadurch an Macht gewonnen und somit begonnen hätten, den Charakter protonationaler Gruppen zu tragen.

HRATCH TCHILINGIRIAN (Oxford) schlug den Bogen der Geschichte der armenischen Diaspora im Mittelmeerraum von der Antike bis in die heutige Zeit. Dabei zeigte er anhand von Beispielen rund ums Mittelmeer auf, wie die armenische Gemeinschaft tief verwurzelt in der mediterranen Welt als „Minderheit unter Minderheiten“ gleichzeitig eine distinkte Gruppenidentität bewahrt und ein weites transnationales Netz kulturellen und wirtschaftlichen Transfers entwickelt habe. Eine herausragende Bedeutung in dem Prozess der Konstitution des Netzwerks sei dem armenischen Buchdruck („Armeniaca“) zugekommen, der sich seit 1512 von dem ersten Zentrum in Venedig ausgehend bald auf Marseille und andere Städte ausgebreitet habe, die zu Knoten im diasporischen Netzwerk geworden seien. Abschließend diskutierte Tchilingirian die Perspektiven der armenischen Gemeinschaften und problematisierte dabei die jüngeren Gewaltereignisse an der türkischen Grenze, die zu einer erneuten Vertreibung der Nachkommen der Überlebenden des Genozids an den Armeniern führten.

Zu Beginn des vierten Panels „Mediterranean Counter-Narratives“ rekonstruierte SHLOMO LOTAN (Ramat Gan) die Transformation der Bilder, die die fränkischen, italienischen und deutschen Kreuzfahrer von den Muslimen im lateinischen Königreich Jerusalem zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert entwarfen. Zunächst habe die Vorstellung von der „Befreiung des Heiligen Lands von den muslimischen Siedlern“ die Wahrnehmung der Kreuzfahrer geprägt. Während Juden, orthodoxe Griechen und Armenier den Kreuzfahrern gesellschaftlich nachgeordnet gewesen seien, hätten Muslime auf unterster sozialer Stufe gestanden. Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts jedoch, einhergehend mit der schwindenden militärischen Macht der Kreuzfahrer, seien Bemühungen um sozialökonomische Integration vonseiten der Kreuzfahrer in die muslimische lokale Kultur unverkennbar. Mit Blick auf Akkon und Tyre zeigte Lotan, wie sich die muslimische Bevölkerung auf die Bewahrung ihrer eigenen Kultur konzentriert habe, während die Kreuzfahrer versucht hätten, sich in diese lokale Kultur zu assimilieren.

Zu ‚anderen‘ Modalitäten des Denkens über Geschichte, Migration und das Mittelmeer, lud IAIN CHAMBERS (Neapel) ein. Er führte Migration und Musik des/im/vom Mittelmeer zusammen als Gegenentwurf zum historischen ‚telos‘ normativ-linearer Geschichtsschreibung, die glaube, das Vergangene sei wirklich vergangen. Geschichte jedoch sei immer „jetzt“. (Mediterrane) Migration und Musik, die nicht mehr an einen einzigen Ursprung oder Zweck gebunden werden könne, konstituierten eine migrierende Moderne, die nicht notwendigerweise vom ‚Westen‘ autorisiert werden brauche. Durch dieses „reasoning with sound“ entstehe eine ‚andere‘ Karte des Mittelmeers als „soundscapes“ – ein fluides Archiv, in dem wir vergessenen und verlorenen Stimmen begegneten. Chambers schloss sich hier Giaccaria an und sprach sich in Anlehnung an Walter Benjamin dafür aus, einer voreiligen historisierenden Synthese zu widerstehen und auf der ‚Schwelle‘ innezuhalten („refuse the synthesis, remain on the threshold“), um verschiedene Rhythmen unterbrochener und unterbrechender Geschichte(n) wahrzunehmen und ein Wissen „still to come“ (Foucault), zu ermöglichen.

Zum Abschluss griff KRISTIN PLATT (Bochum) die verschiedenen auf der Tagung thematisierten Perspektiven mediterraner Identitätsentwürfe auf und analysierte Kontext und Auswirkungen mediterraner Identitätspolitiken. Im Fokus des Vortrags standen aktuelle Tendenzen der Wahrnehmung einer Politisierung nicht-staatlicher Gemeinschaften sowie Fragen nach den historischen und politischen Rahmungen ‚mediterraner Identität’. Dabei wurden drei Perspektiven eröffnet, indem erstens Beobachtungen hinsichtlich von Manifestationen mediterraner Identität in einem globalen Kontext; zweitens Aspekte der Einschätzungen von Identität und Identitätspolitik in der internationalen Politik und drittens Konzeptualisierungen der Konstruktion und Rekonstruktion von Identität, wie sie in der klassischen Soziologie, der Sozialpsychologie und der Kulturanthropologie konzeptualisiert werden, diskutiert wurden. Platt arbeitete dabei insbesondere den Aspekt der Wertebezogenheit von Identitätsentwürfen heraus und zeigte, wie sehr die Rede von mediterraner Identität von der Konstruktion der Sprecherposition abhänge, von der aus ‚mediterrane Identität‘ entworfen werde.

In der Abschlussdiskussion kristallisierte sich das Anliegen heraus, die von der Tagung initiierten Perspektiven und Konzepte weiterzuverfolgen und zu vertiefen. Es hat sich gezeigt, dass noch viele Forschungsdesiderate hinsichtlich transnationaler Identitätsentwürfe und Geschichte(n) vom und im Mittelmeer vorliegen; dies gilt insbesondere für marginalisierte Gruppen und Gemeinschaften, deren Selbstentwürfe von den nationalstaatlichen Ordnungen, in denen sie leben, abweichen und die in nationalstaatlichen Historiographien und Identitätsentwürfen nicht repräsentiert werden. Gerade die deutschsprachige Forschung hat hier Nachholbedarf; insofern wäre es wünschenswert, die vorhandene internationale Forschung, vor allem die französische und italienische, im deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen und stärker zu vernetzen. Gleichzeitig zeigten schon die Beiträge der Tagung, dass, nur weil von (westlich-wissenschaftlichen) hegemonialen Diskursen missachtet, die ‚anderen‘ Entwürfe, Identitäten und Geschichten der mediterranen Region keinesfalls still, inexistent, unbedeutend wären. Zudem gab insbesondere der Beitrag von Iain Chambers Impulse, dass und wie ein alternatives Denken, ein ‚anderes‘ Wissen möglich ist.

Die Tagung hatte ihren Ausgangspunkt in der Beobachtung genommen, dass seit Mitte des 20. Jahrhunderts entlang des Sicherheitsdispositivs nationalstaatlicher und internationaler Politiken heterogene Regionen wie die mediterrane als besondere Sicherheitsrisiken entworfen werden, weil (transnationale) Minderheiten und nicht-staatliche Gruppierungen quer zu (national)staatlichen Ordnungen stehen. Durch die politischen und gesellschaftlichen Transformationen wie den „Arabischen Revolutionen“ erhält die Thematik der Tagung zusätzliche Brisanz. Insofern regte die Tagung auch dazu an, die Rolle der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften hinsichtlich ihres Engagements und ihrer Verantwortung weiterzudenken und angesichts aktueller und zukünftiger politischer, sozialer und ökologischer Herausforderungen der mediterranen Region zu reflektieren und ihr Potential zu nutzen.

Konferenzübersicht:

Keynote:
Paul A. Silverstein (Portland, OR), Thinking through Diaspora. Anthropologies of mobility across the Mediterranean

Panel 1: Othering the Mediterranean - The Construction of the Mediterranean ‘Other’
Chairs: Pradeep Chakkarath (Bochum) / Dieter Haller (Bochum)

Christopher Schliephake (Augsburg), Ithaca Revisited. Othering and the imperialist imagination in Homer’s ‘Odyssey‘

Felix Wiedemann (Berlin), Narrating the History of the Other(s). The Near East in European historiographical accounts of the 19th and 20th centuries

Paolo Giaccaria (Turin), Mediterraneanism(s) at Work

Panel 2: Cross-Mediterranean Perspectives
Chair: Nikolas Jaspert (Heidelberg)

Julia Blandfort (Regensburg), Moving Stories. Roma and the oral tradition of a transnational people

Anna Tozzi Di Marco (Padua), The Mediterranean Cult of the Seven Sleepers. A counter-narrative vs. official Islamic representation

Moti Benmelech (Gush Etzion), Image, Imagination, and Identity. The Jews and the Ten Lost Tribes in early modern Mediterranean

Cristina Balma-Tivola (Turin), Routes, Migrations, Stories. Counter-cultural discourses from multicultural theatre in Italy

Panel 3: Mediterranean Models of Belonging and Integration
Chair: Volkhard Krech (Bochum)

Ferdaouss Adda (Bochum), A Never-Ending Struggle? Imazighen today: between acceptance and negation

Christoph K. Neumann (München), An Ottoman Template for Non-Dominant Communities in the Eastern Mediterranean?

Hratch Tchilingirian (Oxford), Native and Diasporic. Armenians in the Mediterranean

Öffentliche Podiumsdiskussion: „Flüchtlinge in/und Europa: Grenzfragen des Mittelmeers als entgrenzende Fragen“
mit Micha Brumlik (Erziehungswissenschaftler/Publizist), Volkmar Klein (MdB, CDU), Charlotte Lülf (Völkerrechtlerin), Yvonne Rieker (Historikerin), Axel Schäfer (MdB, SPD); Leitung: Mihran Dabag (ZMS)

Panel 4: Mediterranean Counter-Narratives
Chair: Ilse Lenz (Bochum)

Shlomo Lotan (Ramat Gan), Changing Attitudes toward the Muslims in the Latin Kingdom of Jerusalem. The Crusaders and their varying images of the local population in the eastern Mediterranean basin

Iain Chambers (Neapel), Migrations, Modernities, Musics and a Minor Mediterranean

Keynote
Kristin Platt (Bochum), Closing Preferences. The idea of ‘identity‘ in the Mediterranean

Final Discussion


Redaktion
Veröffentlicht am
31.07.2014