Russlanddeutsche – Zeugnisse ihrer Lebens- und Wirkungsgeschichte in postsowjetischen Archiven II

Russlanddeutsche – Zeugnisse ihrer Lebens- und Wirkungsgeschichte in postsowjetischen Archiven II

Organisatoren
Thomas Wünsch / Natalia Donig, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Osteuropas und seiner Kulturen, Universität Passau
Ort
Passau
Land
Deutschland
Vom - Bis
04.05.2017 - 06.05.2017
Von
Natalja Salnikova, Internationales Graduiertenkolleg 1956: Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

„Die Archivierung bringt das Ereignis in gleichem Maße hervor, wie sie es aufzeichnet.“, schreibt Jacques Derrida und benennt damit die konstruktive Rolle der Archive für die Geschichtsschreibung.[1] Aus welchen bedeutungsträchtigen Quellen die heutigen ForscherInnen die Geschichte(n) Russlanddeutscher rekonstruieren (können) und welches rechtlich-administrative Gedächtnis eines Landes, einer Kommune oder einer Region dafür in Frage kommt, wurde in Passau beim zweiten Teil der Tagungsreihe ‚Russlanddeutsche – Zeugnisse ihrer Lebens- und Wirkungsgeschichte in postsowjetischen Archiven II‘[2] diskutiert. Thomas Wünsch (Passau) und Natalia Donig (Passau) beabsichtigten mit der Fortsetzung des Forschungsprojekts, wie sie in ihren Grußworten nochmals betonten, ArchivarInnen und WissenschaftlerInnen aus Russland, der Ukraine, Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan miteinander zu vernetzen, um gemeinsam an der Erstellung eines quellenkundlichen Repertoriums zur Geschichte der Russlanddeutschen zu arbeiten.

Den inhaltlichen und festlichen Schlusspunkt des ersten Tages setzte IRINA ČERKAZ’JANOVA (St. Petersburg) mit einem Keynote-Vortrag unter dem Titel „‘Zöglingsgewerbe‘ und Petersburger Kolonisten: Vom spezifischen Sujet zur allgemein Geschichte der Russlanddeutschen“. Das anfängliche Bemühen des im Jahre 1770 in St. Peterburg eröffneten Erziehungsheimes, aus Waisenkindern eine Mittelschicht heranwachsen zu lassen, wurde 1837 zur Gunsten der Leibeigenschaft endgültig aufgegeben und die Zöglinge als Knechte und Mägde untergebracht – etliche von ihnen auch in deutschen Kolonien. Mittels juristischer und administrativer Geschäftsakten konnte Čerkaz’janova die Lebensgeschichten mehrerer solcher Waisen porträtieren und im Hinblick auf die Ausbeutung der Arbeitskraft von (russland)deutschen KolonistInnen einen kritischen Teil zur Beschreibung des noch nicht hinreichend erforschten Alltags der KolonistInnen beitragen.

Am zweiten Tag skizzierte DMYTRO MEŠKOV (Lüneburg) die Entwicklung des archivalischen Dienstes in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion seit den 1990er-Jahren. Eine signifikante Rolle maß er dabei den ArchivarInnen bei, die einen nicht zu unterschätzenden und nicht immer erwünschten Einfluss auf die Recherchen und Publikationen zum Thema ‚Russlanddeutsche‘ ausüb(t)en. Vor allem kritisierte er die Wahrnehmung ihrer Aufgaben: in erster Linie rein deskriptives Arbeiten unter Berücksichtigung der größtmöglichen Anzahl von Archivdokumenten. Gleichzeitig berichtete er von einem stattfindenden Paradigmenwechsel in der Methodik und der Interpretation der vorliegenden Quellen und ermutigte dazu, die bestehende Narrative zu überprüfen und gegebenenfalls unter neuem Blickwinkel ‚zu schreiben‘.

Die direkt folgende erste Sektion umfasste föderale und zentrale Archive Russlands. GALINA SOLOV’JEVA (St. Petersburg) lenkte den Blick auf die Formierung des ersten Departements des Ministeriums für Staatsdomäne des Russischen Historischen Staatsarchivs (RGIA). Diese archivalischen Erschließungen registrierten die staatliche Zuteilungen von Betriebsflächen, die ersten Niederlassungen einzelner KolonistInnen sowie ihre finanzielle Situation und die der gesamten Kolonie in Südrussland und in der ländlichen Region um St. Petersburg. Eine Vielzahl davon ist im russischsprachigen Findbuch „Deutsche in Russland“[3], verzeichnet.

Anschauliche als auch statistische Materialien (Plan der Stadt Saratow samt seiner Kolonien; Erklärung über zum Ackerbau fähige KolonistInnen) hat das Russische Militär-Historische Staatsarchiv (RGVIA) zu bieten. Vor allem aber beherbergt es Dokumente militärischer und öffentlicher Einrichtungen sowie sämtliche Personalakten dieser Institutionen seit dem Ende des 17. Jahrhunderts bis 1918. Zwar wurde den KolonistInnen anfangs die Befreiung vom Militärdienst als eines der Privilegien garantiert, doch schon 1874, unter dem Zaren Alexander II., mussten sie Wehrpflicht leisten.

OLEG ČISTJAKOV (Moskau) wies auf einen Ersatzdienst für Mennoniten hin, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung den Dienst mit der Waffe ablehnten. Sie wurden stattdessen für Waldarbeiten, Straßenbau oder als Sanitäter während des Ersten Weltkrieges eingesetzt.

ELENA KNJAZEVA (St. Petersburg) führte die deutschlandbezogenen Dokumente der Archivsammlung des Zentralen Historischen Staatsarchivs der Stadt St. Petersburg auf, zu der auch Dokumente der Petri-Kirche, der größten evangelischen Gemeinde in Russland, gehören.

OKSANA MOROZAN (St. Petersburg) wählte den visuellen Zugang zum Archivgut und illustrierte eine russlanddeutsche Persönlichkeit. Das Hauptstaatsarchiv der audiovisuellen Dokumente von St. Petersburg verfügt unter anderem über eine umfangreiche Sammlung an Fotografien von Carl Oswald Bulla, der dort Ende des 19. Jahrhunderts ein florierendes Fotostudio führte. Der 1855 in Preußen geborene Fotograf gilt als ein Mitbegründer der russischen Fotoreportage. Seine Fotografien, die in namhaften russischen Zeitschriften abgedruckt wurden, dokumentieren viele bedeutende Ereignisse aus dem höfischen Leben von St. Petersburg, genauso wie Szenen aus dem Alltagsleben der BürgerInnen. Sein Sohn führte das Erbe fort und hielt die Nachwehen der Oktoberrevolution auf den Fotoplatten fest.

Auch die zweite Sektion ‚Regionale Archive Russlands‘ fokussierte auf Desiderata der Archivforschung mittels visueller Quellen: TATJANA PLOCHOTNJUK (Stawropol) präsentierte anhand von topografischen, politischen und historischen Karten, Stadt- und Dorfplänen sowie (Grundriss)Zeichnungen neue Erkenntnisse zu russlanddeutschen Siedlungen im nordkaukasischen Gebiet. Teilweise reiste sie zu den ehemaligen Niederlassungen der Russlanddeutschen – auf der Karte als Landzuweisung und bewirtschafteten Parzellen dargestellt – die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre ursprünglichen deutschen Ortsbezeichnungen eingebüßt hatten und mittlerweile eine andere Bebauung aufwiesen.

EKATERINA KOSCOVA (Orenburg), die das Staatsarchiv der Region Orenburg vertrat, präsentierte mit den von deutschen Unternehmern geschalteten Anzeigen eine weitere Quellenart, die noch wenig bis kaum beachtet worden ist. Die Anzeigen basierten zwar ursprünglich auf wirtschaftlichen Überlegungen, geben aber dennoch Aufschluss darüber, welches Bier getrunken wurde, aus welchen Materialien die zeithistorische Architektur entstand und wer sich zum angesehenen oder wohlhabenden Bürger der Stadt etablieren konnte.

In der dritten Sektion ‚Regionale Archive Russlands: Ural / Sibirien‘ nahmen sich VIKTOR KIRILLOV (Nischni Tagil) und VLADIMIR MOTREVIČ (Jekaterinburg) dem dunkelsten Kapitel der Geschichte der Deutschen in Russland an: Deportation, Mobilisierung der Arbeitskraft der Russlanddeutschen, Leben unter Sonderverwaltung und Trudarmee-Dienst der 1940er-Jahre. Die Basis beider Recherchen bildeten die zahlreichen Personalakten, die über die inhaftierte und unter Kommandantur gestellte deutsche / deutschstämmige Bevölkerung der Regionen Tscheljabinsk, Čeljabinsk und Perm angelegt worden sind und heute auch für ausländische ForscherInnen zugänglich sind. Zu den Quellen zählen Haftbefehle, Durchsuchungs- und Vernehmungsprotokolle, aber auch Lagerkorrespondenzen mit der Familie und Dokumente über Rehabilitation. Kirillov illustrierte in einem Exkurs die bereits realisierten Projekte, die auf die Bestände dieser Regionalarchive zurückzuführen sind. Darunter prominente Beispiele wie das Buch „Die Zone der totalen Ruhe“ von Gerhard Wolter (1993/1998) oder das in enger Zusammenarbeit mit russischen und deutschen WissenschaftlerInnen und ArchivarInnen entstandene vierbändige „Gedenkbuch der deutschen Zwangsarbeiter des Lagers Tscheljabmetallurgstroj des NKWD der UdSSR 1942-1946“[4], das wissenschaftliche Beiträge und individuelle Erinnerungen festhält.

Ging es bislang darum, welche Akten, Personalien und visuelle Medien die Archive zu Russlanddeutschen zu bieten haben, so brachte JULIJA BELOGLAZOVA (Omsk) mit ihrem Vortrag „Das Studium der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen im Omsker Staatlichen Geschichts- und Heimatkundemuseum“ ein erweitertes Verständnis von der Institution ‚Archiv‘ ein.[5] Die Kustodin des erwähnten Museums zeigte anhand des Sammlungsbestandes ‚Deutsche in Sibirien‘ das allmähliche Bevölkerungswachstum der Russlanddeutschen in der Region Omsk, das auch zur Gründung des Deutschen Nationalrajons Asovo bei Omsk führte – eines Nationalkreises, der eine Alternative zur Auswanderung nach Deutschland geboten habe. Das Museum stellt eine der wenigen Ausnahmen dar, die eine ganze Abteilung der Kultur der Deutschen widmen.

Am letzten Tag wurden die Berichte über die Bestände der Archive auf das gesamte Territorium der ehemaligen Sowjetunion ausgedehnt. Ausgehend von den Dokumenten des Hauptstaatsarchivs der obersten Verwaltungsorgane der Ukraine, berichtete NATALIJA VENGER (Dnipro) in der vierten Sektion ‚Archive der Ukraine‘ über die Nationalitätenpolitik zwischen den Jahren 1917 und 1945. Dabei stand die Politik der Einwurzelung der deutschen Bevölkerung in der Ukraine genauso im Fokus wie die Hungerjahre 1921–1923. Als eine Reaktion auf das Letztere haben zahlreiche ausländische Hilfsorganisationen Geld, Essenspakete und Assistenz vor Ort entsandt. Diese Kampagnen wurden von den Behörden aufmerksam verfolgt und protokolliert – Materialien, die heute im Archiv zu finden sind.

Mit den Unterlagen der kommunistischen Repressionsorgane – des Staatsarchivs des ukrainischen Staatssicherheitsdienstes (SSU branch-wise state archive) – beschäftigte sich ANDRIJ KOGUT (Kiew). Sein Vortrag hatte die Repressionen, wie die Verhaftungen und Deportationen der Ethnisch-Deutschen zum Thema, es blieben aber auch Archivalien der ‚Volksdeutschen‘ sowie die der KollaborateurInnen und ihre Verbindungen nicht unerwähnt.

Die Geschichte der Wolhynien-Deutschen arbeitete MIHAJLO KOSTJUK (Luzk) anhand der Dokumente aus dem Staatsarchiv der Region Schytomyr heraus. Materialien dieses Archivs ermöglichen es, von der Ansiedlung, über die Hopfenwirtschaft bis hin zur Beschlagnahmung und Zwangsverwaltung das Leben der Deutschen in Wolhynien nachzuverfolgen. Dazu gehört auch der Repressionsmechanismus der 1930er-Jahre, unter dem zahlreiche unschuldige BewohnerInnen deutscher Abstammung wiederholt der Kollaboration mit FaschistInnen angeklagt wurden.

Den Abschluss der Sektion bildete ein Beitrag von OLGA EISFELD (Göttingen), die ein wichtiges Problem der Archivarbeit ansprach und die inhaltliche Brücke in die Gegenwart schlug: Es handelte sich um die kriegsbedingte Entwendung von Archivbeständen im Umfang von mehreren Regalkilometern aus der Schwarzmeer-Region. Zwar wurde im Jahr 1946 ein kleiner Teil zurückerstattet, der Rest, wenn er nicht verloren gegangen ist, lagert in deutschen Archiven. In diesem Zusammenhang betonte Eisfeld, wie wichtig heute der transnationale Archivaustausch sei.

In der fünften Sektion wurde der Blick geweitet und VertreternInnen aus den ‚Archiven der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten: Kasachstan, Usbekistan, Aserbaidschan‘ das Wort gegeben. In ihrem Vortrag über die Bestände des Zentralen Staatsarchivs der Republik Kasachstan führte ALIJA MUSTAFINA (Almaty) die große Anzahl an Dokumenten zur Geschichte der Deutschen auf dem kasachischen Territorium an, bevor sie detaillierter auf die Wiederbelebung und Entwicklung der deutschen Kultur in Kasachstan einging. Abgesehen von persönlichen Unterlagen von SchriftstellerInnen und LyrikerInnen deutscher Abstammung – Alexander Hasselbach, Vandiemen Mangold, Nora Pfeffer, nur um einige zu nennen, – sind auch in Almaty Archivalien ab dem Jahr 1989 des im Jahr 1975 wiederaufgebauten 'Republikanischen Deutschen Schauspieltheaters' in Temirtau einzusehen.

Auf die in Karaganda entstandenen kulturellen deutschen Einrichtungen, deutsche Musikhochschule, deutsches Symphonieorchester, deren Dokumente in staatlichen Archiven der Karaganda-Region liegen, bezog sich ERLAN NEL’DYBAEV (Karaganda). Diese Akten sind in dem zweibändigen Sammelband „Deutsche in der Karaganda-Region“,– ein Projekt, das mithilfe der finanziellen Unterstützung des BMI der Bundesrepublik Deutschland umgesetzt worden ist, gebündelt.[6] Während der erste Band den Anspruch einer fundierten wissenschaftlichen Dokumentation erhebt, bereichert der zweite Band die Ausgabe durch persönliche Erinnerungen, Interviews und erhaltene Tagebucheinträge.

Einen Blick über die Materialien zur deutschen Diaspora im Hauptstaatsarchiv der Republik Usbekistan gewährte ABULKASYM MACHAMMATOV (Taschkent). Die Institution beherbergt ausführliche Berichte über die Auswanderungswege und Integration der Mennoniten; darunter Dokumente, mit denen die einzelnen Auswanderer und Auswanderinnen in Kenntnis gesetzt wurden, dass mit ihrer Ansiedlung ihre vom Russischen Reich zugebilligten Privilegien aufgehoben werden. Darüber hinaus sind in diesem Archiv Dokumente in orientalischen Sprachen vorhanden, die eine Übersetzung benötigen und womöglich weitere Informationen zu deutschen Siedlungen böten.

Die deutschen (Archiv-)Seiten der Geschichte von Aserbaidschan schlug CHADŽAR VERDIEVA (Baku) auf. Erst der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Gründung der Unabhängigen Aserbaidschanischen Republik gewährten den Zugang zu den vormals ‚streng geheimen‘ Akten. Die betreffenden Dokumente enthalten Verordnungen und Maßnahmen zur Entkulakisierungskampagne gegen die deutschen Kolonisten, sowie Liquidationspapiere der deutschen Winzergenossenschaft ‚Concordia‘.

Am Ende der Tagung thematisierte VIKTOR KRIEGER (Heidelberg) in seinem konzentrierten Veranstaltungsrückblick die vielerlei Bezeichnungen für Russlanddeutsche, die ihm bei den Vortragenden aufgefallen waren. Der Wunsch, den Begriff zu konkretisieren, mündete in einer kontroversen Diskussion, die, wie erwartet, keine eindeutigen Ergebnisse lieferte. Während die meisten WissenschaftlerInnen und ArchivarInnen aus dem russischsprachigen Raum sämtliche Deutsche zu Russlanddeutschen zählten, darunter deutsche Offiziere in der russischen Armee, deutsche SpezialistInnen und HandwerkerInnen in den Städten, subsumierte die Mehrheit der TeilnehmerInnen aus Deutschland vor allem KolonistInnen unter diesen Begriff. Einigkeit bestand indessen in der Notwendigkeit, auch die nicht offensichtlichen Materialien auf ihren ‚russlanddeutschen‘ Gehalt zu durchforsten, zum einen, um im breiteren Kontext die Forschung fortzuführen, zum anderen um auch multiethnische Vergleichsstudien zu erhalten. Beim Ausblick ermutigte Krieger vor allem die marginalisierten Forschungsthemen in Betracht zu ziehen und an die Quellen kritisch heranzugehen. Dem Anliegen der OrganisatorInnen, ein Repertorium der Archivbestände zu erstellen, dürfte nicht zuletzt mit der Abgabe der Überblicksdarstellung der Archive nachgekommen worden sein. Damit ist eine solide Grundbasis für eine erfolgreiche Publikation gelegt.

Konferenzübersicht:

Eröffnung der Konferenz, Begrüßung
Thomas Wünsch (Universität Passau)

Einführung in die Thematik
Natalia Donig (Universität Passau)

Keynote
Irina Čerkaz’janova (Deutsch-Russisches Begegnungszentrum, St. Petersburg): „Pitomničeskij promysel“ i peterburgskie kolonisty: ot častnogo sjužeta k oščej istorii rossijskich nemcev
Moderation: Alfred Eisfeld (Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa, Göttingen)

Einführungsvortrag

Dmytro Meškov (IKGN e. V. - Nordost-Institut, Lüneburg): O perspektivach issledovanij kul’tury i istorii nemcev Rossijskoj imperii na primere Severnogo Pričernomor’ja i jugo-zapadnych gubernij v poreformennyj period

Sektion I: Föderale / Zentrale Archive Russlands

Galina Solov’jeva (RGIA, St.Petersburg): Obzor fondov Rossijskogo gosudarstvennogo istoričeskogo archiva, soderžaščich dokumenty o rossijskich nemcach

Oleg Čistjakov (RGVIA, Moskau): Dokumenty o nemeckich kolonistach v Rossii v fondach Rossijskogo gosudarstvennogo voenno-istoričeskogo archiva

Elena Knjazeva (Zentrales Historisches Staatsarchiv, St. Petersburg): Dokumenty o rossijskich nemcach v fondach Central’nogo gosudarstvennogo istoričeskogo archiva Sankt-Peterburga. Tematičeskij obzor

Oksana Morozan (CGAKFFD, St.Petersburg): Obzor dokumental’nych materialov po istorii i kul’ture rossijskich nemcev v Central’nom gosudarstvennom archive kinofotofonodokumentov Sankt-Peterburga

Sektion II: Regionale Archive Russlands
Moderation: Erik Radisch (Universität Passau)

Tatjana Plochotnjuk (Universität Stawropol): „Prostranstvennaja“ istorija rossijskich nemcev: analiz kartografičeskich fondov regional’nych archivov Severnogo Kavkaza

Ekaterina Koscova (GA OO, Orenburg): Nemeckie kolonisty v Orenburgskoj gubernii XIX vv.: problemy adaptacii, integracii, vzaimootnošenij s mestnym naseleniem

Sektion III: Regionale Archive Russlands – Ural, Sibirien
Moderation: Viktor Bruhl (Göttingen)

Viktor Kirillov (Staatliches Pädagogisches Institut, Nischni Tagil): Dokumenty o trudmobilizovannych rossijskich nemcach ITL Bakalstroj- čeljabmetallurgstroj NKVD v fondach Ob“edinjennogo gosudarstvennogo archiva Čeljabinskoj oblasti

Vladimir Motrevič (Universität Jekaterinburg): Istočniki po istorii sovetskich nemcev v gosudarstvennych i vedomstvennych archivach Sverdlovskoj oblasti

Julija Beloglazova, (Staatliches Geschichts- und Heimatkundemuseum, Omsk): Izučenie istorii i kul’tury rossijskich nemcev v Omskom gosudarstvennom istoriko-kraevedčeskom muzee

Sektion IV: Archive der Ukraine
Moderation: Dmytro Meškov (IKGN e. V. - Nordost-Institut, Lüneburg)

Natalija Venger (Universität Dnipro): Nemeckij ėtnos Ukrainy v materialach Central’nogo Gosudarstvennogo Archiva Vysšych Organov Vlasti i Upravlenija Ukrainy

Andrij Kogut (OGA SBU, Kiew): Istorija nemcev v archivach kommunističeskich specslužb: materialy Otraslevogo Gosudarstvennogo Archiva Služby Bezopasnosti Ukrainy

Mihajlo Kostjuk (Universität Luzk): Istorija volynskich nemcev v dokumentach i materialach Gosudarstvennogo Archiva Žitomirskoj oblasti

Olga Eisfeld (Göttingen): Dokumenty o nemcach Pričernomor’ja: Peremeščenija iz archivov v voennye i poslevoennye gody i ich posledstvija

Sektion V: Archive der GUS-Länder: Kasachstan, Usbekistan, Aserbaidschan
Moderation: Nataliia Ivanusa (Universität Passau)

Alija Mustafina (Zentrales Staatsarchiv der Republik Kasachstan, Almaty): Dokumenty Central’nogo gosudarstvennogo archiva Respubliki Kazachstan po istorii nemcev na territorii Kazachstana

Erlan Nel’dybaev (Staatlichen Archive der Karaganda-Region, Karaganda): Archivnye dokumenty po istorii nemcev v gosudarstvennych archivach Karagandinskoj oblasti

Abulkasym Machammatov (CGA RUz, Taschkent): Obzor archivnych materialov Central’nogo gosudarstvennogo archiva Respubliki Uzbekistan po istorii nemeckoj diaspory

Chadžar Verdieva (Universität Baku): Kolonisty Elizavetinki v pervye gody sovetskoj vlasti – po svidetel’stvam dokumentov Archiva političeskich dokumentov Upravlenija delami prezidenta Aserbaidschanskoj Respubliki

Kommentar
Viktor Krieger (Universität Heidelberg)

Anmerkungen:
[1] Jacques Derrida, Dem Archiv verschrieben, Berlin 1997, S. 35.
[2] Der erste Teil der Tagung fand vom 05.-07.11.2015 an der Universität Passau statt.
[3] Es handelt sich um eine gemeinsame Arbeit zwischen RGIA und dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Detlef Brandes u.a. (Hrsg.), Deutsche in Rußland, Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts Findbuch des Russischen Historischen Staatsarchivs, 1, Essen 2002.
[4] Viktor Kirillov u.a. (Hrsg.), Kniga pamjati nemcev-trudarmejcev ITL Bakalstroj-Čeljabmetallurgstroj. 1942-1946, Moskva, Nižnij Tagil 2014.
[5] Hans Peter Hahn weist auf die Debatte in den Archivwissenschaften über die Definition zwischen „Archiven“ und „Sammlungen“ hin und legt nahe, die Sammlungen als „Archive“ materieller Objekte aufzufassen, also „als Anordnungen von ‚zusammengehörigen‘ Gegenständen“: Hans Peter Hahn, Wie Archive das Denken beeinflussen. Über Materialsammlungen, fragmentierte Objektinformationen und die Erzeugung von Sinn im musealen Kontext, in: Archäologische Informationen 38 (2015), 203-212, hier S. 204.
[6] Ljudmila Kulakova / Oksana Jakovenko (Hrsg.), Nemcy v Karagandinskoj oblasti (konec 19-go–90-ye gody 20 veka), Karaganda 2011. Online einzusehen unter: http://www.wiedergeburt.kz/images/book/karaganda_deutsche_1.pdf (19.10.2017)