Antisemitismus und Rassismus

Antisemitismus und Rassismus. Konjunkturen und Kontroversen seit 1945

Organisatoren
Christina Morina, Professur Zeitgeschichte, Universität Bielefeld
Veranstaltungsort
: Zentrum für interdisziplinäre Forschung Bielefeld (ZiF) & Livestream
Ort
Bielefeld
Land
Deutschland
Vom - Bis
11.02.2022 -
Von
Sebastian Bischoff, Universität Paderborn

Wenige wissenschaftliche Debatten erscheinen aktuell ähnlich festgefahren wie die, die sich immer neu zu Antisemitismus und Rassismus entzünden. Wie unter einem Brennglas zeigten sich die theoretisch-begrifflichen wie historiografischen Gräben auch bei der anzuzeigenden zweiten Auflage der Bielefelder Debatten der Professur für Zeitgeschichte, die sich sowohl an ein Fachpublikum wie die breitere Öffentlichkeit richtete.

In ihrer Einleitung ging die Ausrichterin CHRISTINA MORINA (Bielefeld) auf die „drängende Gegenwärtigkeit“ der zu diskutierenden Phänomene ein. Sie sehe drei zu klärende Fragekomplexe: Erstens müsse es um eine Bestandsaufnahme des sowohl ereignis- wie erfahrungsgeschichtlichen Wissensstands gehen, zweitens bedürfe es der Fokussierung der Geschichtsschreibung, ihrer Konjunkturen wie Kontinuitäten wie des dabei verwandten analytischen Instrumentariums und drittens sei eine soziologische Analyse der aktuellen Auseinandersetzungen und ihrer Einwirkungen auf die historische Wissenschaft notwendig. Morina begrüßte, dass in der Zeitgeschichte in den letzten Jahren ein Umbruch zu beobachten gewesen sei, hin zu einer „perspektivenvielfältigeren, diskriminierungsbewussteren, humaneren Geschichtsbetrachtung“.

Unter der Moderation von Christina Morina sprachen im ersten Panel STEFANIE SCHÜLER-SPRINGORUM (Berlin) und ULRICH HERBERT (Freiburg) über Antisemitismus und Rassismus in der zeithistorischen Forschung. In ihrem Eingangsstatement skizzierte Stefanie Schüler-Springorum die Konjunkturen der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, die zunächst eine Geschichte von 1933-1945, der Täter und Täterinnen, der Vorgeschichte und alsbald auch der Nachgeschichte gewesen sei und lange den Charakter einer deutsch-zeithistorischen Auseinandersetzung behalten habe. Dies habe auch fachimmanente Gründe gehabt, doch auch heute falle auf, dass insbesondere die Erforschung des Rassismus originäres Terrain der Sozialwissenschaften geblieben sei. Allzu lange habe sich die deutsche Geschichtswissenschaft in ihrer Breite nicht für diese Themengebiete interessiert und auch die Antisemitismusforschung an das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin delegiert. Die Leerstelle in der historischen Forschung zu Rassismus erkläre sich jedoch auch daraus, dass die zweite und dritte Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Migrationsgeschichte, die in der Soziologie eine theoretisch informierte Analyse eingefordert wie betrieben habe, in der deutschen Geschichtswissenschaft noch wenig vertreten sei. Deren Erfahrungen würden somit fehlen. Ihre Perspektiven könnten eine Fachkultur der selbstkritischen Reflexion der eigenen Perspektive ermöglichen – wobei sich Schüler-Springorum zugleich von einer „identitätspolitisch begründeten Forschungsposition bzw. von entsprechenden Ge- und Verboten“ distanzierte.

Ulrich Herbert folgte in seinem, in fünfzehn Punkten gegliederten Eingangsstatement ebenfalls der Entwicklung der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, mit Antisemitismus und Rassismus, in Bundesrepublik sowie DDR. Doch weniger die Frage, wie sich diese Ideologien im Land der Massenmörder bemerkbar gemacht hätten, sei interessant, vielmehr, wie diese verdeckt, unterdrückt, verschwiegen wurden. Er unterschied fünf Phasen der westdeutschen historische Forschung zur Shoa und konstatierte, dass noch die in den 1970er-Jahre erschienenen empirischen Werke auf den entschiedenen Widerstand eines erheblichen Teils der Fachwissenschaft und Öffentlichkeit getroffen seien. Von einer Hegemonie der Holocaustforschung, wie es der Kolonialismusforscher Wolfgang Reinhardt in seinem, von Herbert zu Recht als „skandalös“ bezeichneten FAZ-Artikel[1] behauptete, könne so bis in die 2010er-Jahre nicht einmal ansatzweise gesprochen werden. Herbert betonte die Differenz von Antisemitismus und Rassismus: Ersterer mache als „wichtigste Verschwörungstheorie der Moderne“ durch die vermeintliche jüdische Machtfülle den Kampf gegen diese zum „defensiven Überlebenskampf“ und bekomme damit seine eliminatorische Richtung. Der Vorstellung einer historischen Verbindungslinie von den deutschen Kolonialverbrechen zur Shoa erteilte er eine Absage: Diese sei nicht nachgewiesen, lediglich beim Generalplan Ost und im Deutsch-Sowjetischen Krieg fänden sich Ähnlichkeiten zur deutschen Kolonialpolitik.

In der Diskussion rief Christina Morina zur Vermessung der Forschungslücken auf, Stefanie Schüler-Springorum konstatierte diese für die frühen Jahre der Bundesrepublik vorrangig bei anderen Diskriminierungsformen als dem Antisemitismus. So stünden zu Rassismus die Mikrostudien auf lokaler Ebene noch aus. Ulrich Herbert verwies darauf, dass Rassismus nach 1945 „kein Begriff“ gewesen sei, wobei im Folgenden unklar blieb, ob er hier von Rassismus, der öffentlichen Auseinandersetzung mit diesem oder allein dem Gebrauch des Begriffs sprach. Die von ihm gewählten Beispiele legten jedoch nahe, dass es der Rassismus war, den er bis Mitte der 1960er-Jahre als kein Problem der Bundesrepublik betrachtete. So datierte er die erste Auseinandersetzung mit der Thematik auf die späten 1960er-Jahren, als sich beispielsweise rassistische Schilder an Gaststätten gefunden hätten, die italienischen „Gastarbeitern“ keinen Zutritt gewährten. Als Kontrast nannte er schwarze US-Soldaten, die in Ego-Dokumenten positiv vermerkt hätten, im Gegensatz zu den USA hätten sie in der Bundesrepublik keinen Rassismus erlebt. Mit der Wirtschaftskrise 1966/67 sei nach Herbert dann eine Menge aufgebrochen, „da kommt es zu öffentlichen Diskriminierungen von Gastarbeitern“, dann „spüren wir massiven Rassismus“, auch gegen Türkinnen und Türken. Ab den 1980er-Jahren hätte dann die extreme Rechte mit Asylfragen ihr Thema gefunden und der Rassismus wäre „explodiert“, bis dahin habe dieses politische Lager keine „große Resonanz“ gehabt habe – Befunde, auf die zurückzukommen sein wird.

Unter der Moderation von AMIR THEILHABER (Bielefeld), der die erkrankte BARBARA MANTHE (Bielefeld) vertrat, sprachen im zweiten Panel TERESA KOLOMA BECK (Hamburg) und MAX CZOLLEK (Berlin) über Antisemitismus und Rassismus als gesellschaftliche Herausforderungen.

Teresa Koloma Beck nahm in ihrem Einleitungsstatement die Schlusssätze des vorherigen Panels auf. Ulrich Herbert hatte, relativ zu dem, was zu erwarten gewesen war, eine „glückliche Entwicklung“ der Bundesrepublik nach 1945 bilanziert, Stefanie Schüler-Springorum reformulierte dies: „Wir haben ganz schön Glück gehabt“. Hierauf antwortete Koloma Beck, wer denn das „Wir“ im Satz sei, das konstatierte Glück blende vieles und viele aus. Auch sei es im vorherigen Panel vorrangig um „diskriminierende Praktiken“ gegangen, Rassismus und Antisemitismus seien jedoch „als Merkmal der Strukturen der Moderne“ zu verstehen. Strukturen, nicht nur Praktiken seien in den Blick zu nehmen, in Lehrbüchern tauchten beispielsweise vielfach immer noch 80 Prozent der Menschheit nicht auf. Koloma Beck stellte die Situiertheit der Forschung in den Mittelpunkt ihrer Argumentation und illustrierte dies anhand einer Tagung in Israel, zu der sie eingeladen worden war und anlässlich der sie reflektiert habe, wie sie „an diesem Ort und vor diesem Publikum“ über „die Normalisierung und Veralltäglichung von Gewalt“ sprechen könne, „ohne respektlos gegenüber den Lebensgeschichten und Familienbiographien der Zuhörer:innen zu erscheinen“. Einmal beiseitegelassen, dass man auch bei einem Publikum in Deutschland von jüdischen Familienbiographien ausgehen sollte, wurde nicht weiter ausgeführt, was genau als „respektlos“ verstanden werden könnte, auch die Grenzen des Situiertheit-Arguments wären auszuloten. Koloma Beck folgerte aus diesem Beispiel, dass Wissenschaft nicht „abstrakte Wahrheitssuche“ bedeute, es gebe keinen „Gottstandpunkt“ und „keine Zuschauerplätze“. Fachliche Expertise müsse stattdessen in Verbindung zu Erfahrungswissen stehen.

In seinem einleitenden Beitrag berichtete Max Czollek, er habe nach seiner Dissertation Distanz zum Wissenschaftsbetrieb gehalten, aufgrund dessen objektiven Anspruchs und der „Verweigerungshaltung gegenüber der Klärung der eigenen Perspektive“. Dies zeige sich insbesondere in der empirischen Geschichtsforschung. In seiner Arbeit zu Antisemitismus sei ihm insbesondere die strukturelle Dimension wichtig. Eine Grundannahmen wäre, dass der Antisemitismus die Jüdinnen und Juden in eine empirische und diskursive Gruppe „verdopple“. Wer nun deren Geschichte zusammen erzähle, falle in korrespondenztheoretische Annahmen zurück. Dies sei Teil eines „Gedächtnistheaters“ rund um den Antisemitismus mit dem Ziel der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ (Eike Geisel). Doch auf realer Ebene folge hieraus nichts, das die fast völlige Abwesenheit einer juristischen Aufarbeitung zeige. Die Erinnerung an die Shoa entlarve sich so als Ersatzhandlung, um wieder stolz auf die eigene Nation sein zu können und gleichzeitig niemanden juristisch verfolgen zu müssen – „lieber baut man drei Denkmäler, als dass Opa ins Gefängnis muss, weil er Juden umgebracht hat.“ Die Zahlen seien frappierend: 200.000-500.000 direkt an den Morden beteiligten Personen stünden 12.500 Verurteilungen gegenüber, davon aber die Hälfte vor der Gründung von BRD oder DDR.

Die folgende Diskussion eröffnete Amir Theilhaber mit der Bitte nach einer Gegenwartsanalyse in Zeiten der Corona-Krise. Teresa Koloma Beck verwies dabei auf gegenläufige Entwicklungen, einerseits sei ein Erstarken eines politischen Milieus zu beobachten, von dem mit wahrscheinlich zunehmender Tendenz Antisemitismus und Rassismus ausgehe. Andererseits seien die Widerstände beispielsweise gegen Black Lives Matter „letztendlich Ausdruck des Erfolges“. Allzu oft würden zwar aufklärerische Werte im Mund geführt, aber deren emanzipatorische Potentiale bliebe dabei verborgen. Denn wenn die Norm formuliert werde, dass es eine „säkulare Idee der Menschenwürde gibt, die allen Menschen gleichermaßen zu eigen ist“, dann habe dies teilweise unbeabsichtige Folgen. So ermögliche dies Bewegungen wie die von C. L. R. James analysierten „Black Jacobins“ in Haiti, die als Ausdruck einer selbstbewussten Aneignung der Idee der Aufklärung durch Marginalisierte verstanden werden müsse. In dieser Wellenbewegung zwischen „Aneignung dieser Werte“ und Backlash sei die Gegenwart zu analysieren.

Was bleibt nun von diesen beiden Debatten für die weitere historische Analyse von antisemitischen und rassistischen Ideologemen wie Praktiken? Deutlich wurde das gegenseitige Unverständnis der Panelisten für die unterschiedlichen theoretischen wie historischen Analyseraster, dabei wäre doch gerade ein Wissenstransfer notwendig. Der Dissens lässt sich am Beispiel des Begriffs Rassismus und im Zuge dessen dann auch in der historischen Analyse der Situation ab 1945 verdeutlichen. Während Ulrich Herbert sich gegen einen „Catch all“-Begriff wandte – Stefan Reinecke sah in seiner Besprechung der Veranstaltung in der Tageszeitung ebenfalls die Gefahr, dass hierdurch „alle Katzen grau“ würden –, forderten Teresa Koloma Beck und Max Czollek gerade die Ausweitung des Rassismusbegriffs (bemerkenswert ist hierbei, dass das für Czollek explizit nicht für den Antisemitismusbegriff galt, hier sprach er von „Antisemitismuskritik-Ultras“ in seinem Umfeld).[2] Es wäre lohnenswert gewesen, die von Koloma Beck wie Czollek genannten Beispiele zur Legitimation der Ausweitung des Rassismusbegriffs en detail mit dem ersten Panel zu diskutieren. Denn gerade die in der öffentlichen Debatte oft auf- wie angegriffene Vorstellung, fortan solle aus Betroffenenperspektive und ohne Diskussion apodiktisch bestimmt werden, was rassistisch sei, gehörte nicht zu diesen Beispielen. Vielmehr wurden auf subtile Folgen rassistischer Ordnungen hingewiesen: Welche Personengruppen und welche Theorien finden sich im Lehrbuch und welche nicht und warum, welche wissenschaftlichen Traditionen verschwunden sind? Und wäre nicht das von Schüler-Springorum angeführte Beispiel der subtilen rassistischen Diskriminierung am Wohnungsmarkt auch mit der von Herbert gegebenen Definition, die Rassismus als „Elemente des Ressentiments, der Diskriminierung und Biologisierung“ fasste, zu analysieren? Zugleich sind die Hinweise Herberts ernst zu nehmen, dass eine direkte Übertragung von US-amerikanischen Diskursen auf den deutschen Kontext zu Problemen führt.

Doch welche Auswirkungen es hat, wenn wiederum von einem zu engen Rassismusbegriff ausgegangen wird, könnte sich in den Aussagen Ulrich Herberts über die Geschichte des Rassismus in der frühen Bundesrepublik gezeigt haben. Wie bereits erwähnt, war zwar nicht immer klar, ob es ihm um die Geschichte der öffentlichen Auseinandersetzung mit Rassismus, der Verwendung des Begriffes oder eine rassistische Ereignisgeschichte ging – Letzteres erscheint am wahrscheinlichsten. Nun geschah dies in freier Rede, aber auch schon die gerade nicht in ihrer Widersprüchlichkeit eingeordneten Zeugnisse aus Ego-Dokumenten von schwarzen US-Soldaten legen nahe, dass für Herbert Rassismus bis Mitte der 1960er-Jahre nicht zur bundesrepublikanischen Realität zählte – während doch Beispiele wie die Rede der CDU-Bundestagsabgeordneten Luise Rehling aus dem Jahr 1952 Legion sind, die konstatierte, die als „Mischlingskinder“ kategorisierten wie disziplinierten Kinder von schwarzen GIs und weißen deutschen Frauen stellten „ein menschliches und rassisches Problem besonderer Art“ dar. Von den subtilen Folgen dieser u.a. von Maria Höhn untersuchten „Rassifizierungshierarchien“ zu schweigen. Und kann auch sonst davon ausgegangen werden, dass wir über rassistische Bilderwelten und Gewalt in der frühen Bundesrepublik bereits ausreichend Kenntnis haben? Hier sind Zweifel angebracht. So seien aus eigener Forschung einige kleinere Befunde genannt: Einmal müsste, um die Allgegenwart rassistischer und antisemitischer Bilderwelten kenntlich zu machen, der Blick auf vermeintlich ‚abseitige‘ Vorkommnisse gelenkt werden, beispielsweise auf die rassistischen Aussagen, mit denen 1955-58 intern gegen im Erzbistum Paderborn tätige chinesische Geistliche intrigiert wurde. Bedarf besteht auch darin, die trotz Massenauflage wenig erforschten Medien auszuwerten, wie beispielsweise das rechtskatholische Boulevardblatt Neue Bildpost, in dem sich 1960 zahlreiche Artikel finden lassen, die die Lokalverbote für italienische Arbeiter in Bremen scharf kritisieren – kein überraschender Befund, betrachtet man die vorhandene, jedoch noch zu wenig rezipierte Forschung zu den westdeutschen Fremdbildern italienischer Arbeitsmigranten in den 1960er-Jahre, beispielsweise von Olga Sparschuh, Bettina Severin-Barboutie, Yvonne Rieker, Monika Mattes, Barbara Sonnenberger und Karen Schönwälder. Zugleich weist bereits „Gastarbeiter“ als Begriff auf ein „racialist understanding of difference“ (Rita Chin) hin. Auch wäre zu untersuchen, welchen Bedeutungswandel der Begriff „Rassismus“ durchlaufen hat: Ulrich Herbert sah diesen erst Ende der 1960er-Jahre in Verwendung, doch die in Massenauflage erscheinende National-Zeitung nutzte ihn bereits deutlich früher – um die Forderungen von antikolonialen Bewegungen oder der US-Bürgerrechtsbewegung als „anti-weißen Rassismus“ zu delegitimieren. Auch die These Herberts, der Begriff der „jüdischen Rasse“ sei aus der öffentlichen Sprache nach 1945 „schnell verschwunden“, lässt sich in dieser Eindeutigkeit nach der Lektüre extrem rechter Periodika der 1950er- und 1960er-Jahre nicht halten, auch wenn sicherlich verdeckte Begriffe und Codes vorherrschten. Doch selbst in Konservativ heute wurde 1971 „jüdische Rasse“ ohne Distanz in einer Verteidigung Adolf Stoeckers verwendet.

Der kürzlich verstorbene Hamburger Historiker Axel Schildt stellte vor zehn Jahren fest, die Geschichtswissenschaft habe „bisher sehr wenig zur Analyse rechtsextremer Bewegungen nach 1945 beigetragen“. Hier setzt erfreulicherweise seit kurzer Zeit ein Wandel ein. Dass diese Bewegungen vor den 1980er-Jahren keine „große Resonanz“ gehabt hätten, scheint dabei als These eher Zeugnis der eminenten Forschungslücken zum Thema zu sein. Einen Anfang gemacht zu haben, diese zu vermessen, dabei auch die Ressentiments der politischen Mitte mit in die Analyse einbezogen zu haben, ist ein Verdienst dieser zweiten Bielefelder Debatte. Für den geplanten Tagungsband dürfte es sich dabei als produktiv erweisen, die unterschiedlichen theoretisch-begrifflichen wie historiografischen Bezüge miteinander ins Gespräch zu bringen. Den erkenntnisreichen Beiträgen ist allein schon aufgrund der zahlreichen Weiterlesetipps und mancher Musikempfehlung („Tonio Schiavo“ von Franz Josef Degenhardt!) eine weite Rezeption zu wünschen.

Konferenzübersicht:

Christina Morina (Bielefeld): Begrüßung

Stefanie Schüler-Springorum (Berlin) / Ulrich Herbert (Freiburg): Antisemitismus und Rassismus in der zeithistorischen Forschung

Moderation: Christina Morina (Bielefeld)

Teresa Koloma Beck (Hamburg) / Max Czollek (Berlin): Antisemitismus und Rassismus als gesellschaftliche Herausforderungen

Moderation: Amir Theilhaber (Bielefeld)

Anmerkungen:
[1] Wolfgang Reinhardt, Vergessen, verdrängen oder vergegenwärtigen? FAZ, 10.1.22, https://zeitung.faz.net/faz/politik/2022-01-10/710853.html. Einspruch dagegen von Marc Grünbaum, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M. (https://www.faz.net/aktuell/politik/-17729678.html), und von Norbert Frei (www.sueddeutsche.de/meinung/geschichte-norbert-frei-antisemitismus-inge-auerbacher-wolfgang-reinhard-erinnerungskultur-1.5521105).
[2] Vgl. den Artikel in der taz: https://taz.de/Forum-zu-Rassismus-und-Antisemitismus/!5834802/, 13.02.2022.

Redaktion
Veröffentlicht am
22.06.2022
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Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung
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