HT 2006: Währungserfahrungen, Stabilitätskulturen und Notenbanksysteme. Zur Institutionalisierung historischer Erfahrungen auf wirtschaftlichem Feld

Ort
Konstanz
Veranstalter
Bernhard Löffler; Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)
Datum
19.09.2006 - 22.09.2006
Von
Florian Schnürer, Neuere Geschichte I, Justus-Liebig Universität Gießen

Wer über „GeschichtsBilder“ redet, kann und darf Währungserfahrungen nicht ausblenden. Bilder historischer Personen auf ausländischen Geldscheinen gehören zu den Urlaubserinnerungen, die jeder Tourist mit nach Hause nimmt. Zudem wird das Image eines Landes auch über seine Währung geprägt, sei es etwa durch die inzwischen leider nicht mehr nachvollziehbare Erfahrung als „Lira-Millionär“ in Italien oder als Besitzer von symbolisch stark aufgeladenen Dollar-Scheinen in den USA. Mit Geld und Reichtum verbinden sich wiederum Bilder von einem glückseligen Leben oder – um es mit Arthur Schopenhauer zu sagen – „Geld ist die menschliche Glückseligkeit in abstracto“. [1] Bereits der Soziologe und Philosoph Georg Simmel hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine kulturelle Entwicklung beobachtet, „in der das Geld immer mehr zum reinen Symbol und gegen seinen Eigenwert gleichgültig wird.“ [2] Somit verbanden sich mit dem Thema der Sektion[3] vielfältige Vorstellungen, zumal sie sich außerdem ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hatte: Verbindungslinien sollten zwischen der kulturhistorisch-empirischen und der ökonomisch-theoretischen Forschung aufgezeigt werden, deren Kommunikation gegenwärtig eher durch gegenseitiges Nichtverstehen geprägt ist. Pointiert lassen sich die Unterschiede wie folgt zusammenfassen: Während Wirtschaftswissenschaftler und auch manche der gegenwärtigen Wirtschaftshistoriker oftmals zu sehr theoretisierend und in abstrakten, rein quantifizierenden Modellen argumentieren, nehmen Allgemeinhistoriker den Diskurs der Ökonomen kaum wahr. So drückte der Leiter der Sektion PD Dr. Bernhard Löffler (Magdeburg/Passau) seine Hoffnung aus, zwei scheinbar auseinander driftende methodische Teilbereiche wieder enger zusammen zu bringen.

Überblick
Bereits das einführende Referat Löfflers über „Währungskultur und Eurodebatten“ verdeutlichte, dass die Sektion ihre Thematik vor allem anhand der Diskussionen um den Erhalt der bisherigen Währungen und der Einführung des Euros in Europa abhandeln sollte. Anhand der Debatten in Frankreich und Deutschland über die Einführung des Euros im Jahre 1996 zeigte er, dass historisch gewordene Währungs-„Bilder“ ebenso realitätsprägend wirken wie normative oder institutionelle Strukturen. Geld und Währung dürften nicht nur als reine Zahlungsmittel betrachtet, sondern müssten als Symbole für kulturgeschichtliche Fragestellungen fruchtbar gemacht werden. Die Ausgangshypothese der Sektion lautete dann auch, dass historische Währungserfahrungen als Bestandteile des kollektiven Gedächtnisses sich in bestimmten Institutionen, wie einem Notenbanksystem, materialisieren müssten, um dauerhaft Wirkung zu entfalten. Auf der anderen Seite benötige auch ein solches Notenbanksystem eine ständige Legitimierung durch ideelle Grundlagen und tradierte Gewissheiten. Welche Ausprägungen diese Parameter in unterschiedlichen nationalen Gesellschaften fanden, untersuchte Prof. Dr. Dieter Lindenlaub (Frankfurt/Main) für Deutschland, Prof. Dr. Olivier Feiertag (Rouen) für Frankreich und Prof. Dr. Gabriele Metzler (Tübingen) für Großbritannien. Einen aufschlussreichen Blick „von außen“ versprach der Vortrag des Makroökonomen Prof. Dr. Bernd Hayo (Marburg), der aus wirtschafts- und geldpolitischer Perspektive über das Thema „Inflationseinstellungen, Zentralbankunabhängigkeit und Inflation“ handelte.

Notenbanksysteme und Öffentlichkeit
Auf breiter empirischer Ebene verdeutlichte Bernd Hayo, dass die Unabhängigkeit von Zentralbanken für Stabilitätskulturen nicht zu unterschätzen sei. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass die Präsidien der Zentralbanken am ehesten in der Setzung der eigenen Ziele unabhängig seien, hingegen nicht in der Wahl der wirtschaftspolitischen Instrumente der Steuerung. Der „Mainstream“ der Forschung, so Hayo, sehe die Rolle der Zentralbanken hinsichtlich der Inflationsentwicklung mittlerweile als geklärt an. Grob gesprochen bestünde er darin, dass es das Hauptinteresse einer Zentralbank sein müsse, eine Inflation zu vermeiden. Dabei gehe man davon aus, dass die Inflationsrate desto geringer sei, je unabhängiger die Zentralbank ist. Was dabei freilich ungeklärt bleibt, und dies problematisierte Hayo in erster Linie, das sei die Frage nach der Kausalität von Notenbankunabhängigkeit und Inflationsrate. Er postulierte, dass Unabhängigkeit keineswegs als zentraler kausaler Faktor niedriger Inflation gedeutet werden könne. Man müsse vielmehr die Einflüsse betrachten, aufgrund derer die Institution selbst eingerichtet worden sei. Dabei sieht er die Zentralbankunabhängigkeit als mögliches Ergebnis eines zweistufigen Prozesses. In dessen Verlauf bestimmten Gesellschaften zunächst ihre Politik- und Inflationspräferenzen, um dann über die konkrete Ausgestaltung der Geldpolitik zu verhandeln. Wie Hayo anhand von Umfragen in mehreren EU-Ländern nachwies, werde während preisstabilen Zeiten die Preisstabilität selbst nicht als besonders wichtig angesehen. Dies ändere sich erst wieder beim Anstieg der Inflationsrate. Zudem konstatierte Hayo im methodisch innovativen Mehr-Länder-Vergleich, dass niedrigere Inflationsraten in solchen Gesellschaften feststellbar seien, die inflationssensitiver reagieren. Allerdings nehme dann die Erfolgsrate der Geldpolitik ihrerseits Einfluss auf die Bevölkerungspräferenzen hinsichtlich der Preisstabilität. Dass zudem kulturelle Eigenheiten von Land zu Land eine Rolle spielen, sei anzunehmen, allerdings seien die Einflüsse solcher kultureller Variablen in verallgemeinerbaren Modellen schwer fassbar.

Dass jüngere Erfolge in der Geldpolitik einer Zentralbank für deren Reputation in der Öffentlichkeit zentral sind, wies der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Dieter Lindenlaub in seinem facettenreichen Vortrag über „Deutsche Stabilitätskultur“ nach, machte gleichzeitig aber auch deutlich, wie instabil und variabel Notenbanksysteme als Ausweis von nationalen Stabilitätskulturen sind. So erlangte die Reichsbank erst ab 1922 auf Druck der Alliierten ihre Weisungsunabhängigkeit von der Regierung. Auch für die Bundesrepublik müsse der Druck von außen betont werden, der 1948 bei der Einführung der D-Mark wie bei den Ausgestaltungen des Bank Deutscher Länder-Gesetzes ausgeübt wurde. Dass die Bundesbank eine so starke Stellung im öffentlichen Bewusstsein erlangen konnte, führte Lindenlaub auf die deutschen Inflationserfahrung nach beiden Weltkriegen zurück. Dabei kam er zu dem Schluss, dass ein starkes Stabilitätsbewusstsein eher eine Stütze der Unabhängigkeit von Notenbanken darstelle. Jedoch taucht dabei ein methodisches Problem auf. So sei die Präferenz der Öffentlichkeit für die Zentralbankunabhängigkeit vor allem aus Einschätzungen durch die Politik bekannt, während man das Meinungsbild der Öffentlichkeit, das Lindenlaub als diffus bzw. verschwommen charakterisiert, kaum erfassen, geschweige denn einschätzen könne. Dennoch konstatierte er, dass das öffentliche Meinungsbild hinsichtlich der Unabhängigkeit wenig festgelegt sei, so dass die Politik diese theoretisch einfach abschaffen könne.

Das Beispiel Großbritannien zeigt hingegen, dass die Stärke einer Zentralbank auch auf bereits verwelkten Lorbeeren beruhen kann. In ihrem Vortrag über „Pfund Sterling, Bank of England und britische Identität im 20. Jahrhundert“ verdeutlichte Gabriele Metzler die Angst britischer Euro-Gegner vor dem Verlust der Unabhängigkeit der englischen Zentralbank, die den Auf- und Abstieg des Empire seit dem Ende des 17. Jahrhunderts begleitet hatte. Der Erste Weltkrieg und die folgenden Wirtschaftskrisen hatten die Stellung der Bank of England (BoE) stark beschädigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich angesichts des Zerfalls des Empires und der Angst vor Massenarbeitslosigkeit und Rezession die Präferenz der Währungsstabilität. In dieser Zeit der Krise wurde die BoE unter Labour verstaatlicht, symbolisch also endgültig zu einer nationalen Institution. Während die 1970er Jahre zu einer tiefen Vertrauenskrise gegenüber dem Pfund zu Gunsten des US-Dollars führten, verschoben sich in den 1980ern die Politikpräferenzen weg von der Vollbeschäftigung und hin zur Vermeidung einer Inflation. Der „Bank Act“ (1997) unter New Labour ermöglichte es zwar der Regierung, die Inflationsentwicklung festzulegen, allerdings habe die BoE die Möglichkeit, durch die von ihr verfassten Inflationsberichte Druck auf die Regierung auszuüben. Gleichzeitig gewann die Bank ihre Instrumentenunabhängigkeit.

Währungserfahrungen und Währungssymbolik
Welcher symbolische Gehalt Währungen zugesprochen wird, verdeutlichte Löffler anhand der deutschen und französischen Diskussion anlässlich der Einführung des Euro, die weniger in den Spalten des Wirtschafts- oder Politikteils als vielmehr in denen des Feuilletons geführt wurden. Während sich in Frankreich vornehmlich linksliberale Intellektuelle um den Soziologen Pierre Bourdieu oder den Demografen Emmanuel Todd [4] zu Wort meldeten, standen ihnen auf deutscher Seite in erster Linie Währungs-Experten wie der Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer und der spätere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank Otmar Issing gegenüber, für die es eine spezifisch nationale „Stabilitätskultur“ seit Einführung der D-Mark zu verteidigen galt. Dagegen bezogen sich die französischen Diskutanten auf die sozialstaatlichen und republikanischen Traditionen Frankreichs und forderten einen Vorrang der europäischen Verfassungs- und Sozialpolitik vor der Einführung einer gemeinsamen Währung. Die „pensée Tietmeyer“ galt ihnen zugleich als inhuman und nicht demokratisch legitimiert. Aufgrund dieses Beispiels gelangte Löffler zu zwei allgemeinen Hypothesen: Zum einen seien kulturelle Faktoren und aus einer (weiter gefassten) spezifischen nationalen politischen Kultur gewonnene Argumente wichtige Größen in den Debatten um Währung und Währungsordnung, zum anderen zeige sich, dass Stabilitäts- oder Währungskultur ins Bewusstsein gerückt werden müsse und sich erst im kommunikativen Prozess forme. Sie werden in gewissem Sinne „gesellschaftlich konstruiert“ (Berger/Luckmann). [5]

Diesen Thesen stimmte auch Lindenlaub zu, der von der allgemein feststellbaren Einschätzung ausging, dass der für die Bundesrepublik erreichte vergleichsweise hohe Grad an Preisstabilität maßgeblich ein Produkt der kommunikativ vermittelten deutschen „Stabilitätskultur“ sei. Die Deutsche Mark sei zu einem Symbol für virtuelle Stabilität geworden. [6] Ginge man dieser Auffassung aber weiter nach und versuche sie empirisch zu fassen, so ergäben sich enorme methodische Probleme, da man sich nur auf Meinungsumfragen stützen könne, die erst seit 1950 vorlägen und zudem das Thema nur tangierten. Insgesamt spiegele sich in diesen Umfragen für die Westdeutschen, trotz gewisser Schwankungen in Rezessionszeiten, immer ein großer Wunsch nach Preisstabilität. Eine plausible Erklärung dafür sei der Schock der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg. Bemerkenswert ist hier besonders seine Beobachtung, dass diese Inflationsangst nicht etwa mit den Personen ausstarb, die diese Inflation tatsächlich miterlebt hatten, sondern dass diese Erfahrungen offenbar an jüngere Generationen weitergegeben wurden. Dabei wurde dieses Bewusstsein in der Art wie es der Sozialpsychologe Harald Welzer im Sinne eines „sozialen Gedächtnisses“ herausgearbeitet hat, umgebaut und ergänzt, so dass es zu einer Mischung aus fremden und eigenen Erfahrungen kam. [7]

Eine Bestätigung für seine Thesen fand Löffler außerdem bei Metzler, die konstatierte, dass das Pfund Sterling in Großbritannien nach wie vor als existenziell für die nationale Identität empfunden werde. Während etwa in Deutschland oder Frankreich auf politischer Ebene die Einführung des Euro durchaus politisch gewollt war, sei in Großbritannien auch hier das Festhalten an der eigenen Währung klar zu erkennen. Dabei hatte das britische Pfund seine Eigenschaft als Leitwährung, die es im 19. Jahrhundert innehatte, an den US-Dollar abgegeben und war während des 20. Jahrhunderts mehrfach abgewertet worden. Das Pfund Sterling und die BoE, so Metzler, müssten deshalb als spezifische Geschichtsbilder gedeutet werden, die handlungsleitend wirkten und ein gefühltes britisches Selbstverständnis zementierten. Symbolische Kontinuität, so Metzler weiter, stelle ein sehr beachtliches Instrument für den Zusammenhang von Währung und Identität dar. Das Festhalten am Pfund, das Großbritannien mit keinem anderen Land der Erde als Währung teilt, dürfe wohl dahingehend gedeutet werden, dass man noch heute versuche, an alter Macht festzuhalten. Somit kam Metzler zu dem Schluss, dass durch die fortdauernde Existenz solcher Symbole auch Krisen und Umbrüche überblendet werden sollen.

Wie es zu einem national wie international feststellbaren negativen Bild einer Währung trotz eines stabilen Banken- und Finanzwesens kommen kann, verdeutlichte der französische Währungshistoriker Olivier Feiertag, der über „Währung, Bankwesen und Gesellschaft in Frankreich im 20. Jahrhundert: der Aufbau einer ‚Overdraft Economy’“ referierte. Nach seinen Beobachtungen scheint die Geschichte der französischen Währung vom Ersten Weltkrieg bis zu den 1980er Jahren in der transnationalen Wahrnehmung von einem sichtbaren Inflationstrend geprägt zu sein. Dies geschehe wohl aufgrund des Vergleichs mit dem starken Franc vor 1914 bzw. mit der deutlich stärkeren D-Mark im Nachkriegseuropa. Während die Währungserfahrungen somit eher auf einer monetären Instabilität beruhen, sei das Banken- und Finanzwesen in dieser Zeit sehr stabil gewesen. Dieses scheinbare Paradoxon versuchte Feiertag mit Hilfe des analytischen Konzepts der „Overdraft Economy“ zu erklären, das der britische Volkswirtschaftler John Richard Hicks entwickelt hat. Damit soll ein Prozess beschrieben werden, bei dem die Inflation durch eine allmähliche Verwandlung des Status, der Funktionen und der Instrumente der Zentralbank (und infolgedessen des ganzen Bankensystems) gleichsam institutionalisiert worden ist. Ziel sei es gewesen, wirtschaftliches Wachstum möglichst billig zu finanzieren und zugleich eine möglichst hohe Akzeptanz in der Bevölkerung herbeizuführen, um so den sozialen Zusammenhalt zu sichern. Dabei geht Feiertag davon aus, dass die französische Bevölkerung Ende des 18. Jahrhunderts aufgrund der Abwertung der Assignaten ebenfalls das Trauma einer Hyperinflation erdulden musste. Die Inflationen infolge der beiden Weltkriege führten zu einem starken Imageverlust der französischen Währung, den die Banque de France trotz ihrer starken Rolle bei der Finanzierung von Staatsausgaben nicht auszugleichen vermochte. Auch die Stabilität des Banken- und Finanzsystems, die bis in die 1980er Jahre zu beobachten sei, konnte diesem Bild nicht entgegensteuern.

Fazit
Insgesamt ist es der Sektion gelungen zu zeigen, dass Währungen immer gleichzeitig als ökonomische Institutionen wie als kulturelle Symbole erscheinen. Auch wenn nationalspezifische Unterschiede feststellbar sind, so fallen besonders die Gemeinsamkeiten auf. In allen untersuchten Ländern muss das Vertrauenskapital in Währungsinstitutionen immer wieder neu erarbeitet bzw. gesellschaftlich konstruiert und kommunikativ vermittelt werden. Jenseits dieser Verallgemeinerungen gelang es jedoch nur, die zahlreichen methodischen Probleme, die in der Sektion aufschienen, anzusprechen, aber nicht abschließend zu klären oder gar zu lösen. So bleiben noch viele Fragen offen: Wie lassen sich Indikatoren für öffentliches Geldwertbewusstsein als Erklärungsfaktor für Stabilitätskultur aus Meinungsumfragen herausfiltern? Unter welchem Stichwort kann ein Historiker im Findbuch eines Archivs die für ihn relevanten Quellen suchen? Je nach Nation und spezifischer Währungserfahrung werden die Begriffe wie Stabilitäts-, Währungs- oder Wirtschaftskultur mit anderen Konnotationen belegt, bauen auf einer anderen politischen Kultur und Tradition auf. Eine allgemeine Definition dieser Begriffe in vergleichender Perspektive erscheint somit nur schwer möglich. Am ehesten käme man wohl in der Frage der Währungserfahrung auf einen gemeinsamen Nenner. Hier hätte Gabriele Metzler aus ihrem Tübinger Erfahrungsschatz schöpfen können. [8] Jenseits dieser Probleme muss noch ein Vorschlag erlaubt sein, der den transnationalen Vergleich noch weiter öffnen würde. So sollte unbedingt die Entwicklung in den USA mitgedacht werden, deren Dollar nicht nur die Leitwährung des alten 20. und des neuen 21. Jahrhunderts war und ist, sondern deren Zentralbanksystem und ihre charismatischen Vorsitzenden, wie insbesondere Alan Greenspan, die Währungsdebatten anführten. [9] Dieser Vorschlag löst allerdings immer noch nicht das Problem der auszuwertenden Quellen und des Zuschnitts der Fragestellung. Wie angekündigt hat die Sektion keine Dokumentation fertiger Ergebnisse, sondern Denkanstöße geboten und methodische Probleme thematisiert. Die Soziologie hat mit dem Forschungsfeld der Psychodynamiken des Geldes weitere Anregungen für historische Fragestellungen zu bieten. [10]

Anmerkungen:
[1] Schopenhauer, Arthur, Psychologische Bemerkungen. § 320, in: Löhneysen, Wolfgang Freiherr von (Hg.), Arthur Schopenhauer. Sämtliche Werke Bd. V, Darmstadt 1976, S. 691.
[2] Simmel, Georg, Philosophie des Geldes (= Georg Simmel, Gesammelte Werke; Bd. 1), 7. Aufl., Berlin 1977, S. 123. Vgl. außerdem Deutschmann, Christoph, Geld als „absolutes Mittel“. Zur Aktualität von Simmels Geldtheorie, in: Berliner Journal für Soziologie 10 (2000), S. 301-313.
[3] Siehe dazu die Abstracts unter http://www.uni-konstanz.de/historikertag/programm.php?menu=programm&sektion=ng&veranstaltung=ng11&all=111&all=1 (25.10.2006).
[4] Vgl. Todd, Emmanuel, Die neoliberale Illusion. Über die Stagnation der entwickelten Gesellschaften, Zürich 1999.
[5] Siehe dazu grundlegend Berger, Peter L.; Luckmann, Thomas, The Social Construction of Reality, New York 1966.
[6] Vgl. ausführlich James, Harold, Die D-Mark, in: François, Etienne; Schulze, Hagen (Hgg.), Deutsche Erinnerungsorte, Bd. 2, München 2001, S. 434-449.
[7] Vgl. Welzer, Harald, Das soziale Gedächtnis, in: Ders. (Hg.), Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung, Hamburg 2001, S. 9-21 und anschaulicher Ders. u. a., „Opa war kein Nazi“. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis, Frankfurt am Main 2002.
[8] Vergleiche zur Thematik des Tübinger Sonderforschungsbereiches 437 „Kriegserfahrungen“ den Band von Buschmann, Nikolaus; Carl, Horst (Hgg.), Die Erfahrung des Krieges. Erfahrungsgeschichtliche Perspektiven von der Französischen Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg, Paderborn 2001 und dort vor allem die Einführung von Buschmann; Carl, Zugänge zur Erfahrungsgeschichte des Krieges: Forschung, Theorie, Fragestellung, S. 11-26 sowie den sehr anregenden Aufsatz von Nowosadtko, Jutta, Erfahrung als Methode und als Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis. Der Begriff der Erfahrung in der Soziologie, in: Ebd., S. 27-50.
[9] Siehe dazu auch James, D-Mark (wie Anm. 6), S. 445f., wo der Dollar nicht nur als nationales Symbol sondern auch als „Waffe in der internationalen Politik“ gekennzeichnet wird, da die USA jederzeit mit Abwertung drohen konnte.
[10] Vergleiche dazu die Aufsätze in Deutschmann, Christoph (Hg.), Die gesellschaftliche Macht des Geldes (= Leviathan, Sonderheft 21), Wiesbaden 2002.

Zitation
Tagungsbericht: HT 2006: Währungserfahrungen, Stabilitätskulturen und Notenbanksysteme. Zur Institutionalisierung historischer Erfahrungen auf wirtschaftlichem Feld, 19.09.2006 – 22.09.2006 Konstanz, in: H-Soz-Kult, 26.10.2006, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-1182>.