La Repression en France, 1940-1945

Ort
Caen
Veranstalter
Centre de Recherche d’Histoire Quantitative de Caen (CNRS UMR 6583), Direction de la Mémoire, du Patrimoine et des Archives du Ministère de la Défense, Fondation pour la Mémoire de la Déportation, Deutsches Historisches Institut Paris in Zusammenarbeit mit dem Conseil régional de Basse-Normandie und der Association Normandie-Mémoire
Datum
08.12.2005 - 10.12.2005
Von
Jean-Luc LELEU, CRHQ-Caen; Stefan MARTENS, DHI-Paris

Ziel des Kolloquiums war, ein Thema in den Mittelpunkt zu stellen, das in seiner Bedeutung bislang kaum richtig wahrgenommen wurde, obwohl es in der kollektiven Erinnerung mit vielen Emotionen beladen ist. Bis heute gibt es keine zusammenfassende Darstellung zu den in Frankreich während des Krieges vorgenommenen Verhaftungen, der Repression durch die Justiz, den Erschießungen von Geiseln, den Deportationen sowie der Bekämpfung des französischen Maquis durch die deutsche Besatzungsmacht im Rahmen so genannter „Militäraktionen“. Gestützt auf neueste Forschungen, insbesondere zur gewaltsamen Deportation, wurde in Caen zum ersten Mal der Versuch gemacht, alle diese verschiedenen Facetten der Repression in den Blick zu nehmen. Die Einrichtung und die Forschungsvorhaben des Centre de Recherche Quantitative bildeten eine günstige Voraussetzung, um sich mit wissenschaftlichen Kriterien einem schwierigen Thema zu nähern, ohne dabei neue Wunden aufzureißen.

Im Anschluss an den Eröffnungsvortrag, in dem Jean-Pierre AZÉMA (Institut d’études politiques, Paris) an Hand der von allen Referenten vorab eingereichten Thesenpapiere die Problematik umriss und die möglichen Fragestellungen skizzierte, befassten sich die Teilnehmer des Kolloquiums in fünf Sektionen mit folgenden Themenschwerpunkten: „Krieg und Repression“, „Das System und die Akteure der Repression“, „Deportierte und Erschossene“, „1944: Eskalation der Repression“ und „Bilder, Gedenken, Quellen“.
Unter der Überschrift „Krieg und Repression“ suchten die Referenten der ersten Sektion sowohl unter historischen als auch regionalen Gesichtspunkten nach den Ursprüngen und Vorbildern der Repression in Frankreich während des Zweiten Weltkrieges. Aus der Vielzahl der Möglichkeiten wurden signifikante Beispiele ausgewählt, wobei der Vergleich mit den repressiven Maßnahmen, die die deutsche Armee sowohl im Ersten, als auch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ergriff, nahe lag. In seiner Gesamtschau der Grausamkeiten, sowohl im Hinblick auf die Ereignisse in Belgien im Jahre 1914 und 1939 in Polen stellte, Jochen BÖHLER (Deutsches Historisches Institut, Warschau) die Kontinuität, aber auch die Brüche in den von der kaiserlichen Armee und der Wehrmacht praktizierten Methoden heraus. Bei genauerer Betrachtung hat sich das Verhalten der Truppe, das er mit dem Begriff der „Freischärlerwahn“ erklärte, innerhalb eines Vierteljahrhunderts kaum geändert. Die Weisungen des Oberkommandos der Wehrmacht setzten 1939 einen Zyklus der Gewalt in Gang, der in der Sowjetunion seinen Höhepunkt fand. Christian INGRAO (Institut d’Histoire du Temps Présent, Paris) ging bei seinem Deutungsversuch noch einen Schritt weiter. In seiner Präsentation der Einsätze der „Sondereinheit Dirlewanger“ in Weißrußland verglich er das Selbstverständnis und die Vorgehensweise der Angehörigen dieser Einheit bei der Bekämpfung der Partisanen mit primitiven Methoden aus dem Bereich der Jagd. David RODOGNO (University of St. Andrews/Institut Universitaire de Hautes Études Internationales, Genf) bezog in seiner Erklärung der Repression, die Italien in den von seinen Truppen besetzten Gebieten in Gang setzte, das koloniale Erbe ebenso ein wie das faschistische Konzept des „neuen Menschen“. Während das Konzept von den einfachen Soldaten in der Regel nicht geteilt wurden, hat sich der überwiegende Teil der italienischen Offiziere hingegen diese Vorstellungen offenkundig zu eigen gemacht. Diese Einschätzung wurde bislang vor dem Hintergrund der Dominanz des deutschen Achsenpartners in der Forschung wenig Beachtung geschenkt.

Die zweite Sektion war dem System und den Akteuren der Repression in Frankreich gewidmet. Regina DELACOR (Göttingen) gab zunächst einen Überblick über die verschiedenen deutschen Organe und Instanzen, die in Frankreich mit der Repression befaßt waren. Dies war um so wichtiger, als erst an Hand der Beschreibung des komplexen Aufbaus das komplizierte Zusammenspiel des Räderwerkes deutlich wurde. Die Identifizierung der deutschen Akteure ist für sich allein betrachtet ohnehin schon schwierig und wird dadurch meist noch erschwert, daß sie noch viel zu oft vereinfachend mit dem Sammelbegriff ›Gestapo‹ gleichgesetzt werden. Die Folgen und die weitere Entwicklung der Repression in den Jahren 1940–1944 veranschaulichte der Beitrag von Thomas FONTAINE (Université Paris I-Sorbonne) an Hand der Geschichte des Gefängnisses von Fort Romainville in Paris. Er zeigte die Brüche bzw. die Kurswechsel in der Repressionspolitik auf, die keineswegs immer mit den zuvor beobachteten administrativen Maßnahmen im Rahmen der Verfolgung übereinstimmten. Gaël EISMANN (Université Paris X-Nanterre), die sich mit der juristischen Praxis der Tribunale des Militärbefehlshabers in Frankreich zur Zeit der Besatzung beschäftigte, kam letztlich zu dem gleichen Schluss. Sie stellte eine deutliche Verschärfung der Rechtsprechung und Härte der Urteile ab 1941 heraus, die mehr oder weniger zeitgleich mit der Invasion der UdSSR einhergingen und somit deutlich mehrere Monate vor der Ernennung eines Höheren SS- und Polizeiführers in Frankreich im Frühjahr 1942 einsetzte. Hierzu ergänzend erinnerten Laurent THIERY (Université de Lille III-Charles de Gaulle) für die beiden Départements Nord sowie Pas-de-Calais und Cédric NEVEU (Université de Caen) für Elsaß-Lothringen daran, dass sich diese verschiedenen Stufen der Repression auch in den an den Militärbefehlshaber in Brüssel „angeschlossenen“ bzw. in den von Deutschland „annektierten“ Zonen Frankreichs beobachten lassen. Im zweiten Fall stand die Repression darüber hinaus zugleich eindeutig im Dienste einer umfassenden Germanisierungs- und Nazifizierungspolitik. Unter der Verantwortung der jeweiligen Gauleiter wurde im Elsaß die Assimilation durch Umerziehung und im ehemaligen Département Moselle eine Politik der Ausschließung praktiziert. Aber auch der französische Anteil an der Repression wurde in diesem Zusammenhang nicht übersehen. Jean-Marc BERLIÈRE (Université de Bourgogne, Dijon) schilderte zunächst die Situation der französischen Polizei zu Beginn der deutschen Besatzung, ehe er dann die Radikalisierung des Apparates und der Methoden an Hand der Gründung der französischen Miliz verdeutlichte. In seinem Beitrag ging er am Beispiel der Sanktionen gegen den Schwarzmarkt und der Verfolgung so genannter „Engelmacherinnen“ der Frage nach, wie die Repression konkret gehandhabt wurde. Handelte es sich hier doch um zwei Kategorien von Verbrechen bzw. Delikten, bei denen die Repression entweder mit den infolge des Krieges schwierigen ökonomischen Bedingungen, oder aber, speziell bei der Frage der illegalen Abtreibungen, eng mit der Ideologie des Vichy-Regimes verbunden war.

Unter der Überschrift „Deportierte und Erschossene“ rückten am Vormittag des zweiten Tages die Opfer in den Mittelpunkt. Es war dies zugleich die Gelegenheit, eine erste Zwischenbilanz der statistischen Erhebungen, die seit 1996 vom Centre de Recherche d’Histoire Quantitative (CRHQ) und der Fondation pour la Mémoire de la Déportation (FMD) in enger Zusammenarbeit gemeinsam durchgeführt werden, zu ziehen. Im Lichte der dabei im Laufe der Jahre gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen gab Yves LESCURE (FMD) zunächst einen Überblick über die Pläne und Zielsetzungen der Arbeit. Zusätzlich zu den von Serge Klarsfeld gezählten 76 000 deportierten Juden läßt sich schon jetzt die Zahl der zwangsweise aus dem besetzten Frankreich Deportierten auf 88 000 Personen schätzen. Nach einer vor Beginn der Untersuchung erstellten Klassifizierung hat Jean QUELLIEN (Université de Caen) auf der Grundlage eines Samples von 10 % dieser 88 000 Personen die Gründe für deren Verhaftung und Deportation zu ermitteln versucht. Dabei stellte sich heraus, daß immerhin 45 % der untersuchten Personen dem traditionellen Bild des Zwangsdeportierten, nämlich dem des aktiven Mitgliedes der Résistance, entsprechen. Weitere 29 % wurden aufgrund diverser Akte des Widerstandes gegen die Besatzungsmacht deportiert, ohne dabei jedoch einer Widerstandsorganisation angehört zu haben („ziviler Widerstand“). Die dritte große Gruppe der Deportierten (26 %) schließlich setzt sich zusammen aus Personen, die aus unterschiedlichsten Gründen verhaftet worden waren, ohne Bezug zu irgendeiner speziellen Form des Widerstandes. Hier handelte es sich um Geiseln, Opfer von Razzien, einfache Straftäter, Waffenbesitzer, unerwünschte Ausländer usw. Die anschließenden Debatten führten den Teilnehmern eindringlich die Problematik des Begriffs der „Deportation als Repression“ vor Augen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, daß ab 1942 die Deportation aus wirtschaftlichen Gründen, insbesondere im Rahmen des Zwangsarbeitsdienstes (Service du travail obligatoire, STO) neben der ursprünglichen Absicht der Bestrafung an Umfang und Bedeutung zunimmt. Michel BOVIN und Vanina BRIÈRE (Université de Caen) entwarfen anschließend ein Bild von der sozialen Herkunft und dem späteren Schicksal der Deportierten. Zu 90 % waren die Deportierten männlich. Zudem betraf die Deportation vor allem die jüngste Altersgruppe (20–29 Jahre) mit voller Wucht. Mit 40 % der Fälle war sie in dem untersuchten Ausschnitt überproportional hoch vertreten. Absolut betrachtet jedoch bildeten die Deportierten mittleren Alters (30–49 Jahre) mit 47 % die Mehrheit. Neben den reinen Zahlenangaben zeigte die Analyse darüber hinaus auf nationaler und regionaler Ebene somit zugleich auch das ganze Spektrum der unterschiedlichen sozialen und beruflichen Herkunft der Betroffenen auf. An Hand des noch nicht abgeschlossenen biographischen Lexikons der französischen Deportierten im Lager Dora/Mittelbau veranschaulichte Yves MANER (Centre d’Histoire et de Mémoire du Nord-Pas-de-Calais) die Möglichkeiten, die sich aus den Forschungen des CRHQ und der FMD für die Zukunft ergeben. Die Untersuchung von „La Coupole“ hat zum Ziel, die Politik der Deportation von der Verhaftung und dem Abtransport bis zur Ankunft im Lager Dora-Mittelbau zu untersuchen, in denen von den Häftlingen unter unmenschlichen Bedingungen die V-2 Raketen gefertigt wurden. In einem ganz anderen Zusammenhang, aber unter Anwendung der gleichen Methoden, hat Thomas POUTY (Université de Caen) die soziale Herkunft der Erschossenen untersucht, womit in diesem Fall jene 3 800 Todesurteile gemeint sind, die entweder im Rahmen der Geiselerschießungen durch die Administration veranlaßt, oder aber von einem Militärtribunal gefällt wurden. Neben ihrer sozialen Herkunft offenbart die Untersuchung dieses Personenkreises eine weitere Seite der Wirklichkeit der Politik der Repression. Im Vergleich zur Deportation erhielt auch hier der ökonomische Aspekt der Repression zunehmend Gewicht: Die Todesstrafe wurde immer häufiger umgewandelt und endet mit der Zwangsdeportation der Betroffenen nach Deutschland.

Das Jahr 1944 markierte zweifellos den Höhepunkt der Repression in Frankreich. Alya AGLAN (Université Paris X-Nanterre) schilderte, auf welche Weise die verschiedenen Widerstandsorganisationen von den Deutschen bekämpft und ausgeschaltet wurden. Nach der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 erreichte die Deportation ein bis dahin nicht gekanntes Ausmaß, wie Delphine KAZANDJIAN (Université de Caen) anschaulich darlegte. Vichy schuf mit den „Cours martiales“ eine neue Instanz, die dem Regime, wie Virginie SANSICO (Université Lumière Lyon 2) erläuterte, unter juristisch fragwürdigen Umständen ein neues Instrument zur Verschärfung der Repression in die Hand gab. Auch die in Deutschland im so genannten „Reichseinsatz“ arbeitenden Franzosen (ob als Freiwillige oder Zwangsrekrutierte, Kriegsgefangene bzw. ehemalige Kriegsgefangene, die sich hatten anwerben lassen) wurden nicht geschont. Diese Gruppe, die etwa 10 % der französischen Zwangsdeportierten ausmachte, stand im Zentrum des Beitrages von Arnaud BOULLIGY (Université de Caen). Das Jahr 1944 stand darüber hinaus aber auch im Zeichen einer ganzen Reihe umfassender militärischer Operationen mit dem Ziel der Repression. Peter LIEB (Royal Military Academy, Sandhurst) hat die komplexen Befehlsstrukturen bei der Einsätzen vor Ort und hierbei wiederum insbesondere die Frage der Unterordnung der Truppen der Wehrmacht unter die Sipo/SD am Beispiel der 157. Infanterie-Reservedivision untersucht, die im Jura und den französischen Alpen gegen den Marquis eingesetzt war. Ihr Kommandeur machte anfangs in den Aufstandsgebieten zwischen regulären Truppen und Nicht-Kombattanten einen deutlichen Unterschied. Je nach Truppenverband und dem jeweiligen Zeitpunkt der Kämpfe wurde dies jedoch, wie Lieb betonte, sehr unterschiedlich gehandhabt. Das Massaker von Oradour-sur-Glane stellte in diesem Zusammenhang einen Sonderfall dar. Nach Einschätzung von Jean-Luc LELEU (CRHQ) handelte es sich um eine Aktion mit dem Ziel, zu terrorisieren, wobei er auch in Rechnung stellt, daß die SS-Division „Das Reich“ durch ihren zehnmonatigen Einsatz in Rußland 1941/42 ebenso geprägt worden war, wie durch die ersten Einsätze im Limousin, bei denen sie bereits auf diese früheren Erfahrungen im Osten zurückgriff. Hélène GUILLON (Université de Caen) ergänzte dieses Bild des Schreckens mit einer ersten Bilanz ihrer Untersuchung über den Umfang der im Sommer 1944 praktizierten außerrechtlichen Repression, wobei deren blinde Vorgehensweise dabei besonders deutlich zu Tage trat.

„Bilder, Gedenken, Quellen“, unter dieser Überschrift gab die letzte Sektion Gelegenheit, das Vermächtnis der Repression in der gesellschaftlichen, juristischen und kulturellen Erinnerung in Frankreich zu studieren. Nach Pascal PLAS (Université de Limoges; Centre de la Mémoire d’Ouradour-sur-Glane) ist der Name von Oradour-sur-Glane inzwischen von dem Gedenken an die Ereignisse fast nicht mehr zu trennen. Claudia MOISEL (Ludwig-Maximilians-Universität, München) zeigte sich skeptisch hinsichtlich der juristischen Aufarbeitung des Geschehens nach dem Krieg, insbesondere in der Bundesrepublik. Doch auch die französische Rechtsprechung unterlag im Laufe der Jahre hinsichtlich der Härte der verhängten Strafen bzw. der eingeräumten Begnadigungen einem erheblichen Wandel, was zu enormen Ungerechtigkeiten führte. Auf die unmittelbare Nachkriegszeit, in der die Zahl der Todesurteile besonders hoch war, folgte bald eine Phase relativer Milde. Sofern die Anklageerhebung und Verurteilung später erfolgte, haben auch die deutschen Verantwortlichen für die Politik der Repression in Frankreich von den nach 1949 eingeführten Veränderungen im Kontext des Kalten Krieges und von der deutsch-französischen Annäherung profitiert. Im Rahmen der Entwicklung normalisierter Beziehungen zwischen beiden Ländern spielte auch der Wandel des Bildes des Deutschen im französischen Kino der Nachkriegszeit eine Rolle. Michel JAQUET (Bourges) zeigte, daß das anfängliche Bild von dem unerbittlichen, eroberungslustigen Feind schon am Ende der 1940er Jahre humaner wurde. Spätestens mit Beginn der 1960er Jahre erhielten die Deutschen zunehmend positive Charakterzüge, parallel zu der nun immer deutlicher verfolgten politischen Wiederannäherung. Während der Deutsche im Zuge dieser Rehabilitierung zunehmend aus den Drehbüchern verschwand, rückte das Thema der Besatzung in Frankreich immer stärker unter dem Vorzeichen der innerfranzösischen Auseinandersetzung in den Vordergrund. Ein Beispiel ist der Parti communiste français (PCF), der sich seit der Befreiung des Landes als „Partei der 75000 Erschossenen“ stilisierte. Der Frage nach den Entstehungsmechanismen und den Motiven für die Bildung dieses Mythos bis hin zu den taktischen Überlegungen bei Wahlkämpfen ist Jean-Pierre BESSE (Creil) nachgegangen. Obwohl sehr schnell von den Führungsinstanzen des PCF aufgegeben, wurde der Mythos nicht zuletzt von den politischen Gegnern am Leben gehalten, die ihn gern benutzten, um die Partei damit zu desavouieren. Das Problem des Missbrauchs stellt sich jedoch nicht nur hier und bleibt nicht zuletzt auch eine ethische Frage, mit der Historiker und vor allem auch Archivare täglich neu konfrontiert sind. Paule RENÉ-BAZIN (Ministère de la Défense, Direction de la Mémoire, du Patrimoine et des Archives) führte diese Schwierigkeiten sowohl im Wort – an Hand der Archivgesetzgebung – als auch im Bild – mit Filmausschnitten aus der ständigen Ausstellung im Lager Struthof-Natzweiler – den Teilnehmern eindringlich vor Augen. Welche Zugangsrechte sollen bzw. dürfen Angehörigen von Vermißten gestattet oder zugemutet werden? Inwiefern ist es möglich, den Respekt für die Würde des Individuums zu wahren und gleichzeitig unter Zuhilfenahme von drastischen Bildern über die Ereignisse und Verbrechen umfassend zu informieren?
Dies sind nur einige Beispiele für Fragen, auf die nur der Historiker eine Antwort geben kann, wie Stefan MARTENS (Deutsches Historisches Institut, Paris) in seiner abschließenden Wertung des Kolloquiums unter Bezugnahme auf eine Erklärung von Staatspräsident Jacques Chirac hinwies. Es ist seine Aufgabe und Verantwortung, alte Mythen zu entlarven und die Bildung von neuen zu verhindern. Die Rolle des Politikers sollte sich darauf beschränken, hierfür den erforderlichen Rahmen zu schaffen. Die eigentliche Arbeit jedoch muß den Forschern überlassen bleiben, die auf diesem schwierigen Terrain, wie die Beiträge aus Frankreich und Deutschland gezeigt haben, bereits einen ersten großen Schritt gemacht haben.

Zitation
Tagungsbericht: La Repression en France, 1940-1945, 08.12.2005 – 10.12.2005 Caen, in: H-Soz-Kult, 23.08.2006, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-1298>.
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Veröffentlicht am
23.08.2006
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