Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts: Beispiele Deutsch-Britischen Kulturtransfers (26. Konferenz der Prinz-Albert-Gesellschaft)

Ort
Coburg / Gotha
Veranstalter
Prinz-Albert-Gesellschaft Coburg e.V.
Datum
07.09.2007 - 08.09.2007
Von
Nora Thielert

Die 26. Konferenz der Prinz-Albert-Gesellschaft wurde zu dem Thema: „Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts: Beispiele Deutsch-Britischen Kulturtransfers“ abgehalten. Der Wissenstransfer wurde anhand des »Englischen Gartens«, einem Gartenbauprinzip des Gleichgewichts zwischen Ordnung und beabsichtigter Unordnung, sowohl in Großbritannien, als auch im Reich mit besonderem Augenmerk auf Gotha im 18. und Coburg im 19. Jahrhundert veranschaulicht.

Den einführenden Beitrag hielt FRANCES DIMOND (Windsor) über „Prince Albert and his Gardens in Britain“, in welchem sie einen anschaulichen Einblick in die architektonischen und Gartenbau-Aktivitäten des Prinzen während seiner 21 Jahre in Großbritannien gab. So gestaltete er die Gärten der Schlösser Buckingham und Windsor nach seinen Vorstellungen um, insbesondere in Bezug auf die bis dato nicht gewährleistete Privatsphäre der königlichen Familie. Schließlich verdeutlichte Frances Dimond, wie der Prinzgemahl bei den Neuerwerbungen von Balmoral Castle, Schottland, und Osbourne House, Isle of Wight, Einflüsse seiner deutschen Heimat und der von ihm geschätzten italienischen Architektur mit den englischen Gartenbauprinzipien erfolgreich verknüpfte.

Die erste Sektion befasste sich mit der Theorie der Gartenbaukunst in Deutschland und Großbritannien.

GERT GRÖNING (Berlin) referierte über „Pückler und Repton: A Map of Influence“, um anhand des Einflusses des führenden britischen Landschaftsgestalters Repton auf Fürst Pückler den britisch-deutschen Kulturtransfer herauszuarbeiten. Gröning legte ausführlich dar, dass Pückler von Repton sowie dessen Vorgänger, Lancelot „Capability“ Brown und deren Gartenbauprinzipien stark beeinflusst wurde, sowohl in der Gestaltung der Landschaft seines Herrschaftsgebietes Muskau, als auch in dem von Pückler verfassten Buch über Landschaftsgärtnerei. Er schilderte jedoch auch Pücklers kritische Auseinandersetzung mit der britischen Landschaftsarchitektur, welche er nicht unreflektiert übernahm, sondern den deutschen Verhältnissen und Vorstellungen anpasste.

Den zweiten Vortrag der theoretischen Sektion hielt UWE SCHNEIDER (Berlin) über „Landschaftlich versus geometrisch: Hermann Muthesius und die (Wieder-) Entdeckung geometrischer Gartenprinzipien in England“. Er stellte am Beispiel des damals führenden deutschen Architekten Muthesius dar, wie sich um 1900 der Gartenbaustil des »Englischen Gartens« hin zu geometrisch-architektonischen Prinzipien veränderte, die wiederum ihrerseits aus Großbritannien stammten. Muthesius kam durch längere Aufenthalte im Königreich mit diesem neuartigen Gartenbaustil in Kontakt und führte ihn nach reger öffentlicher Auseinandersetzung und Modifizierung im Kaiserreich ein.

Die zweite Sektion widmete sich konkreten Beispielen englischer Landschaftsgärten in Coburg und Umgebung. Den Anfang machte ALFRED SCHELTER (Seehof) mit dem „Landschaftspark von Schloss Rosenau“. Unter Herzog Ernst I von Sachsen-Coburg und Gotha begann die Umgestaltung des Schlosses sowie des dazugehörigen Parks im Sinne des in Großbritannien schon lange vorherrschenden Gartenbaustils – einer Mischung aus gotischen und künstlichen Elementen. Sein Sohn und Nachfolger Ernst II. ergänzte den Landschaftspark unter anderem noch mit einem »Viktorianischen Küchengarten«. Die so nach englischem Modell umgestaltete Rosenau wurde nun ihrerseits Vorbild für Gartenanlagen vieler Adeliger und Bürger im Dienste der Herzöge.

ROLF KIRSCH (Bremen) verdeutlichte in seine Ausführungen zu dem Thema „Der Landschaftspark von Schloss Callenberg bei Coburg“, dass die herzogliche Sommerresidenz eines der bedeutendsten Beispiele englisch geprägter Neugotik darstellte und zusammen mit dem nach britischem Vorbild gestalteten Landschaftspark einst ein Gesamtkunstwerk bildete. Leider ist der Landschaftspark im Laufe des 20. Jahrhunderts gänzlich umgestaltet worden.

Beendet wurde diese Sektion mit dem Beitrag von HELMUT WIEGEL (Bamberg) „Zur Geschichte des Coburger Hofgartens“, der im Rahmen einer Führung durch diesen Park stattfand. Der Hofgarten wurde im 17. Jahrhundert als eine Mischung aus holländischem und italienischem Renaissancegarten in geometrischem Stil angelegt. Erst im 19. Jahrhundert unter Herzog Ernst I., aber besonders unter Ernst II., wurde der Park nach den britischen Gartenbauprinzipien umgestaltet. Der so neugeschaffene Hofgarten umfasste den gesamten Festungsberg und verband die beiden Residenzen Ehrenburg und Veste. Letztere stellte mit ihrer über der Stadt „thronenden“ Lage den romantischen und ikonographischen Höhepunkt der Anlage dar.

Die dritte Sektion behandelte den »Englischen Garten« im 18. Jahrhundert speziell in Gotha. DAVID WATKIN (Cambridge) gab hierzu eine detaillierte Darstellung über “The Influence of English Royal Gardens on the Continent in the 18th Century”. Er vermittelte eindrücklich, wie Großbritannien nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) zu dem führenden Ziel ausländischer Englandreisender wurde, die hier die neuesten architektonischen und Gartenbauentwicklungen besichtigen konnten. Bedeutend waren besonders die königlichen Landschaftsgärten in Windsor, Kew und Richmond, welche von den interessierten europäischen Besuchern studiert und schließlich in ihren Heimatländer, im besonderen in Frankreich, Schweden sowie den deutschen Fürstentümern, eingeführt wurden. Zu den ersten Englischen Gärten im Reich gehörten die Parks in Gotha und München.

Der Vortrag von JENS-UWE WANDEL (Gotha) beschäftigte sich mit den Beziehungen zwischen Gotha und Kew mittels der verwandtschaftlichen Verbindungen des britischen Königshauses zu Sachsen-Gotha: „Von Gotha nach Kew – von Kew nach Gotha. Zur Entstehung des Englischen Gartens in Gotha“. Die mit dem britischen Kronprinzen Frederick Lewis verheiratete Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg gilt als Schöpferin des heutigen Royal Botanic Garden in Kew. Durch Besuche ihres Neffen, des späteren Herzog Ernst II., in Großbritannien, kam dieser mit den englischen Landschaftsgärten in Berührung und ließ einen solchen von John Haverfield d.J., dem Sohn des Obergärtners seiner Tante, im Stil des Lancelot „Capability“ Brown in Gotha errichten. Im Falle des Gothaeischen »Englischen Gartens« kann man von einem direkten britischen Einfluss auf die deutsche Gartenbaukunst sprechen, da hier nicht nur die architektonischen Prinzipien umgesetzt wurden, sondern dieser Park zudem von einem englischen Gärtner geschaffen wurde.

Den Abschluss der Konferenz bildete eine Führung von JENS SCHEFFLER (Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten) durch besagten Englischen Garten im Schlosspark Gotha sowie durch die Ausstellung „Gotha – Im Reich der Göttin Freiheit. Der erste englische Garten auf dem Kontinent“. Dieser unter der planerischen Leitung der englischen Gärtner John Haverfield d.J. sowie später Thomas Webbs entstandene und heute noch nahezu unverändert erhaltene britische Landschaftspark wurde in seiner Entwicklung bis zum heutigen Tag vorgestellt.

Die Vorträge über englische Landschaftsgärten verdeutlichten, wie intensiv die deutsch-britischen Verbindungen seit dem 18. Jahrhundert vor allem im kulturellen Bereich waren. Die Konferenz hat zudem gezeigt, wie lohnend und ertragreich eine Auseinandersetzung mit diesem Thema aus der Perspektive des Kulturtransfers ist.

Die Beiträge der Referenten werden in Band 26 der Prinz-Albert-Studien (Verlag K.G. Saur, München) im Jahr 2008 veröffentlicht.

Konferenzübersicht:

Frances Dimond (Windsor): Prince Albert's Gardens in Britain
Gert Gröning (Berlin): Pückler und Repton – A Map of Influence
Uwe Schneider (Berlin): Landschaftlich versus geometrisch: Hermann Muthesius und die (Wieder-)Entdeckung geometrischer Gartenprinzipien in England
Alfred Schelter (Seehof): Rosenau – Landschaftspark und Rittersehnsucht
Rolf Kirsch (Bremen): Der Landschaftspark von Schloss Callenberg bei Coburg
Helmut Wiegel (Bamberg): Hofgarten - Führung und Vortrag
David Watkin (Cambridge): The Influence of English Royal Gardens on the Continent in the 18th Century
Jens-Uwe Wandel (Gotha): Von Gotha nach Kew – von Kew nach Gotha. Zur Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

Kontakt

Prinz-Albert-Gesellschaft e.V.
1. Vorsitzender Prof. Dr. Franz Bosbach
Lehrstuhl Geschichte der Frühen Neuzeit
D- 95440 Bayreuth
E-Mail: Prinz-Albert-Gesellschaft@uni-bayreuth.de

Zitation
Tagungsbericht: Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts: Beispiele Deutsch-Britischen Kulturtransfers (26. Konferenz der Prinz-Albert-Gesellschaft), 07.09.2007 – 08.09.2007 Coburg / Gotha, in: H-Soz-Kult, 19.12.2007, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-1777>.
Redaktion
Veröffentlicht am
19.12.2007
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