Die Waffe als militärisches Instrument und Symbol

Ort
Berlin
Veranstalter
Arbeitskreis Militärgeschichte; Deutsches Historisches Museum Berlin
Datum
25.10.2007 - 27.10.2007
Von
Ralf Raths, Universität Hannover

Eine fachwissenschaftliche Konferenz „nur“ zum Thema Waffen? Auf den ersten Blick scheint das vielen Lesern sicher seltsam, aber schon die einleitenden Worte von MARKUS PÖHLMANN und DANIEL HOHRATH machten deutlich, warum dieses Thema durchaus Relevanz hat: Waffen sind zugleich Fluch und Segen der modernen Militärgeschichtsschreibung. Einerseits sind sie eine essentielle Konstante jeglichen militärischen Handelns, andererseits zeigen sich viele Beiträge gerade der modernen Militärgeschichte aber diesem Thema gegenüber geradezu demonstrativ ignorant, um sich von jeder Konnotation des Waffenfetischismus zu distanzieren. Wie sollen moderne Militärhistoriker also diesem zentralen Thema begegnen? Waffen laden ein zu Technik- und Kulturgeschichte und sind als „politische Artefakte“ darüber hinaus in ihrer Anwendung unbedingt immer auch politisch zu verstehen. Um diese Dimensionen aber qualifiziert erschließen zu können, benötigen Militärhistoriker notwendigerweise ein prinzipielles Verständnis von Waffen – ohne sie deshalb zwangsläufig in den Mittelpunkt rücken zu müssen. Im Blick der Konferenz stand in diesem Sinne nun sowohl die technisch-instrumentelle Analyse von Waffen, sowie eng damit verknüpft die Untersuchung ihrer symbolischen Aufladungen sowie die weiter reichenden Auswirkungen dieser beiden Dimensionen.

JORIT WINTJES eröffnete die Tagung und die Sektion “Waffe und Gesellschaftsordnung“ mit einem Beitrag zur Triere, der sogleich alle angesprochenen Dimensionen abdeckte. Als erstes reines Kriegsschiff und komplexes Waffensystem hatte die Triere weitreichende Auswirkungen auf die Gesellschaften Griechenlands. Durch den personalintensiven Betrieb wurden einerseits die Poleis in ihrer inneren Struktur beeinflusst, durch die hohen Kosten des Waffensystems setzten sich andererseits die finanzkräftigeren Poleis gegen schwächere Konkurrenten durch. Die Prägekraft der neuen Erfindung war so groß, dass für Herodot und Thukydides die Thalassokratie sogar das dominante Ordnungselement der Geschichte darstellte.

STEFANIE RÜTHER hob hervor, welche große Rolle der Waffenbesitz in den mittelalterlichen Städten gespielt hat. Entgegen ihres defensiven Rufes, waren Städte oft aktive und offensive Akteure im mittelalterlichen Kriegswesen, und das Recht sowie die Pflicht, Waffen zu besitzen, wurden in vielen Formen ein zentraler Aspekt des bürgerlichen Gemeinwesens – auch und grade in Abgrenzung zum Adel. Wichtig war in diesem Zusammenhang das Potential, durch das Tragen und Zeigen von Waffen bei unerlaubten Gelegenheiten Dissens zu demonstrieren und auf diese Weise eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Auswirkungen militärischer mindsets auf die zivile Gesellschaft untersuchte auch INGRID MEYERSHOFER in ihrem Vortrag zum „Bamberger Reitergeist“. Basierend auf dem enorm verlustreichen Kavalleriegefecht bei Lagarde am 11. August 1914, entwickelte sich aus der Wahrnehmung eines Schwanengesanges der Kavallerie die Konzeption eines überzeitlichen Reitergeistes, der durch die Jahrzehnte diverse Metamorphosen durchmachte. Dieser inkorporierte erst den scheinbar egalitären Frontkämpfergeist der Konservativen Revolution und später die Ideen der demokratischen Bundesrepublik, um schließlich die Panzeraufklärer der Bundeswehr auf den so mehrfach gewendeten Reitergeist einschwören zu können.

Die zweite Sektion „Symbolik der Waffe“ wurde von MALTE PRIETZEL mit einem Beitrag zur Symbolik von Rüstungen eröffnet, der den Zusammenhang von Funktionalität und Symbolkraft betonte: Letztere konnte nur auf der Basis der ersteren entfaltet werden, denn Symbolik kann nicht im luftleeren Raum entstehen. Gleichzeitig hatte die Symbolkraft ihrerseits auch wieder ganz funktionale Aspekte: So war der Helm durch seine besondere Symbolkraft als pars pro toto des Ritters gleichzeitig auch ganz profan die Zähleinheit eines Aufgebotes.

URTE EVERT illustrierte anhand von vier Beispielen aus der Frühen Neuzeit und der Neuzeit die jeweiligen Zusammenhänge von Männlichkeitskonstruktionen und Waffensymbolik. Von einem anfangs eher unmännlichen Beigeschmack der Feuerwaffe im 17. Jahrhundert zeigte sie eine zunehmende Aufladung bis hin zur nachgeraden Verschmelzung von Mann und Waffe in der NS-Ästhetik. Grund dafür ssei der Zwang, Tötungsmaschinen zu zähmen und in irgendeiner Weise positiv aufzuladen, um sie überhaupt nutzbar zu machen.

In ähnlicher Weise zeigte EVA KRIVANEC die Veränderung des mitteleuropäischen Revuetheaters unter dem Einfluss des Ersten Weltkrieges. Konkurrierte anfangs noch eine fröhlich-naive Kriegsdarstellung mit einer aggressiv-zynischen Analyse der Verteidigungsrhetorik der Staaten, so rückt zunehmend eine seltsam verniedlichende Faszination für die Technik des Krieges in den Mittelpunkt, bis zum Kriegsende hin die Waffen zu antropomorhisierten Hauptakteuren werden.

Der Frage, wie Waffen gezielt mit Symbolik aufgeladen werden können, ging STEFANIE VAN DE KERKHOF in ihrem Beitrag nach. Im Sinne einer Cultural Business History zeigte sie die verschiedenen Marketingstrategien der Rüstungungsunternehmen auf und verwies dabei besonders auf seit den 1870er-Jahren bestehende, immer wiederkehrende Grundelemente in der Darstellung der Produkte wie z.B. das Fehlen des eigentlichen Einsatzes und die durch diese Darstellungsweise angestrebte Konnotation.

Die Starfighter-Krise wiederum, so legte HEINER MÖLLERS dar, ist ein Beispiel dafür, wie eine symbolische Aufladung einer Waffe sich hartnäckig hält, obwohl die Fakten dieser Symbolik deutlich widersprechen. Die F-104 war nämlich keineswegs überdurchschnittlich oft abgestürzt, wie die Hochrechnung auf die Gesamtflugstunden zeigt, sondern die Abstürze hatten sich aus einer komplexen Gemengelage heraus in einem kurzen Zeitraum geballt und so einen falschen Eindruck erzeugt. Gepaart mit einer nachträglichen Mystifizierung des Flugzeugs als letztem Einsitzer durch die Piloten, ergibt sich ein außerordentlich widerstandsfähiger Mythos, welcher dringend historischer Aufarbeitung bedarf.

Die Sektion „Handwaffen“ am zweiten Tagungstag wurde durch OLIVER LANDOLT eingeleitet, der aufzeigte, wie eine Reihe von Waffen sich zu symbolischen Manifestationen des schweizerischen Nationalbewusstseins entwickelten. Armbrust, Hellebarde, Schweizerdegen, Taschenmesser und das ubiquitäre Sturmgewehr machten ähnliche Entwicklungen vom reinen Instrument oftmals nicht einmal schweizerischer Herkunft bis zur stark aufgeladenen Nationalinsignie.

Auf die prinzipiellen Zusammenhänge von Bürgergesellschaft und Waffentechnik im ausgehenden 19. Jahrhundert ging DENNIS E. SHOWALTER ein. Er betonte, dass mit den gezogenen Hinterladergewehren eine Wasserscheide erreicht worden sei, nach der Bürger in großem relativem Maße am kriegerischen Töten teilnehmen konnten und mussten – um dann nach dem Einsatz in der ziemlich gewaltlosen Zivilgesellschaft all das Gelernte und Erlebte wieder zu vergessen und zu ignorieren. Um dieses Ziel zu erreichen, war „including […] simpler than supressing“, so dass militärische Ausbildung als rites de passage etabliert und somit als Teil der bürgerlichen Wertekanon akzeptabel wurde.

RALF RATHS plädierte in seinem Beitrag für eine alternative Sicht auf das Waffensystem Maschinengewehr und seine Entwicklung und Inkorporation in die Streitkräfte vor dem und im Ersten Weltkrieg. Raths betonte, dass es in den europäischen Armeen durchaus einflussreiche Fraktionen gab, die dem neuen Waffensystem offen gegenüberstanden und die Armeen nicht, wie oft behauptet, dem neuen System mit prinzipieller Ignoranz gegenüberstanden. Darüber hinaus betonte Raths, dass die Argumente, die gegen das Waffensystem und seine übermäßige Einführung vorgebracht wurden, oftmals auch einer nachträglichen, objektiven Überprüfung durchaus standhielten. Und letztlich ist die nachträglich als Versäumnis betrachtete unterlassene massenhafte Anschaffung von Maschinengewehren nicht der Grund für die Entstehung des Grabenkrieges gewesen – sondern war vielmehr dem Versuch geschuldet, dieses Szenario zu vermeiden.

CHRISTIAN TH. MÜLLER beleuchtete in seinem Beitrag über die Kalaschnikow die Ausnahmestellung der Sturmgewehrfamilie AK als ikonische Waffe. Durch ihre immer noch millionenfache Verbreitung („kumulative Massenvernichtungswaffe“) ist die Waffe aus dem Gewaltgeschehen nicht wegzudenken und festigt immer noch ihren Bekanntheitsgrad. Gleichzeitig geht ihre symbolische Bedeutung immer weiter darüber hinaus, da ihre prägnante Silhouette im Laufe der Jahrzehnte in vielen politischen, besonders in revolutionären Zusammenhängen als Erkennungszeichen verwendet wurde, wobei die symbolische Aufladung sich im Laufe der Jahre immer wieder je nach Rezipient verändert hat.

Einen Blick über die europäischen Grenzen hinaus warf CORD EBERSPÄCHER in seiner Betrachtung des chinesischen Militärs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, welche die vierte Sektion „Waffe als Innovation und System“ einläutete. Er verdeutlichte dabei einerseits das aus politisch-historischen und kulturellen Gründen völlig andersartige Fundament des Militärwesens, das nach europäischen Maßstäben eindeutig veraltete Gefechts- und Waffentechniken bis in das 20. Jahrhundert hinein transportierte. Gleichzeitig entwickelte sich aber in Folge des Deutsch-Französischen Krieges in China eine Verehrung der deutschen Militärtechnik, die es deutschen Rüstungsunternehmern (besonders Krupp) ermöglichte, diesen Markt rasant zu erschließen – eine interessante (Un-)Gleichzeitigkeit.

ALARIC SEARLE befasste sich mit der Frage „Why Armies Fail with Tanks“ und verglich zu diesem Zweck Panzereinsätze in zwei Jahrzehnten (Frankreich 1940, Sowjetunion 1941 als „failed defensives“, Nordvietnam 1972, Syrien 1973 als „failed offensives“). Ergebnis dieser Betrachtung war, dass das Versagen in allen vier Fällen auf äußerst komplexe und sehr unterschiedliche Gemengelagen zurückzuführen ist, in denen der Faktor Waffe bzw. Waffensystem zwar eine Rolle, manchmal sogar eine sehr entscheidende, spielt – die Waffen an sich aber keine monokausalen oder auch nur unangefochten primären Entscheidungsfaktoren waren.

Auch ORIN JONES analysierte komplexe Entscheidungsprozesse in Bezug auf ein Waffensystem, indem er die Entwicklung der modularisierten Bauweise des Typ XXI-U-Bootes skizzierte. Geboren einerseits aus der Not heraus, mit dem Atlantikkampf einen unerwarteten Kriegstyp führen zu müssen, andererseits aus dem für das NS-Regime so typischen Wunderwaffenkomplex, entwickelten die Ingenieure in Rekordzeit ein völlig neues Verfahren zum Bau von U-Booten und brachten es innerhalb eines Jahres von der Idee zur praktischen Fertigung – trotz strategischer Bedeutungslosigkeit technikgeschichtlich eine Erfolgsgeschichte. Von besonderem Interesse ist dabei Jones‘ Ausblick gewesen, dass diese überlegene Bauweise erst 1982 von den USA adaptiert wurde.

PHILIP SCRANTON führte dieses Thema auf einer prinzipielleren Ebene in die Ära des Kalten Krieges, und konstatierte, dass in dieser Phase eine deutlich erhöhte Geschwindigkeit im Bereich des Forschens und Anwendens militärischer Technologien aus einer im Zweiten Weltkrieg stattfindenden Überwindung des für das Militär typischen Konservativismus resultierte. Diese führte allerdings zu einem Dauerzustand der „technological uncertainty“, welche wiederum durch das neue Verfahren des „experimental development“ noch verschärft wurde. Dies hatte Auswirkungen einerseits auf die Ansichten der Ingenieure, aber auch auf Lernzyklen der Militärs – Wissen und Können veraltete so schnell wie nie zuvor und diesem Prozess musste begegnet werden.

DIERK WALTER schloss den Tagungstag mit Betrachtungen zur Atombombe in der britischen Militärpublizistik 1945 bis 1960 ab und legte die doppelte Allmacht dieser Waffe in der militärischen Diskussion dar. Einerseits inhaltlich, denn sie regte die Militärs zu Allmachtsphantasien an, andererseits aber auch ganz profan: Sie dominierte nämlich die gesamte innermilitärische Diskussionskultur mit ihrer ubiquitären Präsenz. Dabei gab es durchaus verschiedene Phasen – so dominierte zu Beginn Verunsicherung und Skepsis die Publizistik, später folgte eine bewusste Verharmlosung, die ihrerseits dann in morbide Theorien von der Notwendigkeit kollektiver Suizidbereitschaft auf nationaler Ebene mündeten. Aber wie auch immer die Perspektive auf die Bombe war – sie dominerte die militärische Publizistik unangefochten.

Die letzte Sektion, Formen der Repräsentation, wurde von GERHARD QUAAS eingeleitet, der zu Beginn einen Überblick über die Entstehungs- und Fusionsgeschichte der Bestände des DHM gab. Zentrales Anliegen war jedoch ein Plädoyer für die (Wieder-)Aufwertung der Waffenkunde zur vollwertigen Hilfswissenschaft der Militärgeschichte. Quaas bedauerte das absolute Schattendasein der Waffenkunde, die sowohl qualitativ zu wenig ernst genommen wie auch quantitativ von zu wenigen Personen betrieben wird. Ganz im Sinne der einleitenden Worte der Tagung, die ein grundlegendes Verständnis von Waffen als unverzichtbares historiographisches Handwerkszeug konstatiert hatten, forderte Quaas zu größerer Betätigung auf diesem Felde auf.

THOMAS THIEMEYER schloss daran an und stellte fest, dass das „Faszinosum Waffe“ für viele Museen zum Problem werden kann, da die Konnotation von „Pracht“ und „Potenz“ konträr zu den Absichten vieler Kuratoren steht. Dies führt dazu, dass oftmals der Weg der Kontrastierung, beispielsweise mit Fotos von Verwundeten, gewählt wird, um das Objekt zu „entschärfen“ – was aber gerade bei schon rein optisch sehr dominantem Großgerät kaum möglich ist. Auch der letzte Schritt, den Akt des Tötens selbst zu zeigen, ist dabei ebenso technisch wie ethisch höchst problematisch und regt zu Diskussionen an.

ANGELA KAISER-LAHME berichtete daran anschließend aus der Praxis der musealen Waffenpräsentation und lieferte einen Werkstattbericht bzgl. der Präsentation einer Prunk-Kanone. Hier wurde der Ansatz gewählt, eine Festung museumspädagogisch zu erschließen, indem der Besucher einen Rundgang „auf den Spuren des Angreifers und des Verteidigers“ absolviert – Waffen werden dort also in einem festungsgeschichtlichen Kontext eingebunden. Die Prunkkanone stellte dabei diverse konkrete Probleme (Daten des Geschützes, Transport, Präsentation), die auch zu grundlegenden Diskussionen herausforderten: Soll die Geschichte des Mythos der Waffe dargestellt werden, oder dessen Enträtselung?

ANDRÈ HERTRICH stellte den Spagat dar, den die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte (Jietai) in Bezug auf militärmuseale Darstellungen vollführen. Einerseits definieren sich die Jietai als geschichts- und traditionslose Nicht-Armee, andererseits finden sich überall dezentrale Militärmuseen, in denen die Streitkräfte eine Art Graswurzeltraditionspflege betreiben. Diese sind aber reine Materialsammlungen mit nostalgisch-emotionalem Charakter – gerade die (oftmals zentrale) Darstellung der Kamikaze ist undistanziert und heroisierend.

SVEN LÜKEN schloss die Sektion mit einer Darstellung zur 8,8cm-Flak, ihrer erinnerungskulturellen Aufladung und der daraus resultierenden Probleme ihrer musealen Darstellung. Besonders betonte Lüken die sozialhistorischen Auswirkungen des Flakdienstes, der sehr viele Personen umfasste und soziale Schichten durchmischte. Nicht zuletzt dadurch wird die „Acht-acht“ als Symbol der so genannten „Flakhelfergeneration“ in musealer Hinsicht zu einem „Leitfossil“ des Zweiten Weltkrieges – obwohl sie (militärhistorisch) eigentlich ein Symbol für eine Fehlleistung ist.

In der Diskussion hob MARKUS PÖHLMANN noch einmal die Leitlinien hervor, die sich im Laufe der Vorträge gezeigt haben: Erstens war der Begriff der Innovation ein zentrales Motiv, ganz besonders der Unterschied zwischen Innovation in Friedens- und Kriegszeiten. Zweites Motiv war die Interdependenz von Gesellschaft und Rüstung – eine Gesellschaft prägt die Mechanismen der Rüstung, Rüstung beeinflusst ihrerseits aber auch die Gesellschaft. Drittes Leitmotiv war die symbolische Aufladung von Waffen, ganz besonders unter dem Aspekt der Entkoppelung von ihrer faktischen Wirksamkeit und/oder Verbreitung. DANIEL HOHRATH ergänzte als viertes Leitmotiv die spezielle Problematik von Waffendarstellung in der Museologie, die dann besonderes Gewicht gewinnt, wenn die Symbolik von Waffen thematisiert werden soll – denn dann kann die Faszination von Waffen auf keinen Fall vom Objekt entkoppelt werden, auch wenn man dies aus ethischen Gründen eigentlich wollte.

Die über alle Epochen, diverse Regionen und viele systematische Ansätze gespannte Konferenz hat damit ihr Ziel erreicht, den Stellenwert von Waffen im Rahmen moderner Militärgeschichte zu verorten. Dies natürlich nicht abschließend, aber als kritische Momentaufnahme und vor allem als anregender Impulsgeber für die nächsten Phasen der Entwicklung der Militärgeschichte hat die Tagung eine anerkennenswerte Erkenntnisdichte erbracht.

Konferenzübersicht:
Begrüßung: Stig Förster (AKM)
Grußwort: Hans Ottomeyer (DHM)
Einleitung: Daniel Hohrath; Markus Pöhlmann (AKM)

Sektion 1: Waffe und Gesellschaftsordnung (Leitung: Bernhard R. Kroener, Potsdam)
Jorit Wintjes (Würzburg): Die Triere. Vom Seekriegsmittel zum historischen Denkmodell
Stefanie Rüther (Münster): Schwerter, Büchsen, Befestigungen. Bürgerliche Bewaffnung im Spätmittelalter zwischen symbolischer und technischer Rationalität
Ingrid Mayershofer (München/Tübingen): Schlaglichter auf die deutsche Kavallerie im 20. Jahrhundert

Sektion 2: Symbolik der Waffe (Leitung: Jürgen Luh, Berlin)
Malte Prietzel (Springe): Harnisch, Helm und Handschuh. Die Symbolik der Rüstung in Mittelalter und Früher Neuzeit
Urte Evert (Berlin): Die Eisenbraut. Symbolische Funktionen der soldatischen Waffe zwischen 1600 und 1945
Eva Krivanec (Wien): Wenn die „Dicke Bertha“ mit dem „Langen Max“ Polka tanzt. Kleine Waffenkunde des Revuetheaters 1914-18
Stefanie van de Kerkhof (Hagen): Sicherheit als Image von Rüstungsunternehmen im Kalten Krieg. Die Fallbeispiele MG 3, FH 70 und Leopard 2
Heiner Möllers (Bonn): Vom Sternenkämpfer zum Erdnagel. Der Lockheed F-104G Starfighter als Symbol für technische Vollkommenheit und tödliche Eleganz

Sektion 3: Handwaffen (Leitung: Dr. Gerhard Groß, Potsdam)
Oliver Landolt (Schwyz): Armbrust – Hellebarde – Schweizerdegen – Swiss Army Knife. Die Bedeutung von Waffen im eidgenössischen und schweizerischen Selbstverständnis
Dennis E. Showalter (Colorado Springs, CO): Breech Loading, Rifles and Citizen Soldiers. From Needle Gun to Kalashnikov
Ralf Raths (Hannover): Das Maschinengewehr als ein symbolischer Kristallisationspunkt der Modernisierung?
Christian Th. Müller (Hamburg), Die Kalaschnikow: Eine Schützenwaffe wird zur Ikone

Sektion 4: Waffe als Innovation und System (Leitung Prof. Dr. Stig Förster, Bern)
Cord Eberspächer (Berlin): Von der Gingall zur Krupp-Kanone. Feuerwaffen, Artillerie und das chinesische Militär 1842-1911
Alaric Searle (Salford): Why Armies Fail with Tanks. The Causes of Military Failure in the Employment of Armoured Forces 1919-91
Marcus Orin Jones (Annapolis, MD): Submarines and Mentalities of Innovation in the Third Reich
Philip Scranton (Camden, NJ), Cold War Military Innovation and the Challenge of Technological Uncertainty
Dierk Walter (Hamburg), Herausforderung und Faszination. Die Atombombe in der britischen Militärpublizistik 1945-60

Sektion 5: Formen der Repräsentation (Leitung: Daniel Hohrath, Berlin)
Gerhard Quaas (Berlin): Die Zeughaussammlung im Deutschen Historischen Museum
Thomas Thiemeyer (Tübingen): Waffen im Museum in kulturwissenschaftlicher Perspektive
Angela Kaiser-Lahme (Koblenz): Die Prunkkanone „Vogel Greif“ (1524)
André Hertrich (Marburg): Tödliche Kirschblüten. Kamikaze-Darstellungen in japanischen Militärmuseen
Sven Lüken (Berlin), Die „Acht-Acht“ – Sachzeugnis des Zweiten Weltkriegs und Symbol für eine ganzen Generation

Zitation
Tagungsbericht: Die Waffe als militärisches Instrument und Symbol, 25.10.2007 – 27.10.2007 Berlin, in: H-Soz-Kult, 09.02.2008, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-1889>.