HT 2008: Historische Erinnerung im Zeitalter des Internet - Ungleichheiten als Methodenproblem

Ort
Dresden
Veranstalter
Thomas Lange, Verband der Geschichtslehrer Deutschlands / Seminar für Didaktik der Geschichte Universität Frankfurt am Main; Clemens Rehm, Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare e.V., Fulda / Landesarchiv Baden-Württemberg, Stuttgart; Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)
Datum
30.09.2008 - 03.10.2008
Von
Thomas Lange; Robert Kretzschmar, Landesarchiv Baden-Württemberg, Stuttgart; Clemens Rehm

Die Konkurrenz der Erinnerungsformen und -medien, mit der sich die beruflichen Vermittler von Geschichte an Hochschulen, Schulen und Archiven auseinandersetzen müssen, stand im Fokus dieser Sektion. Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands und der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare hatten ausgewiesene Fachleute aus Hochschulen, Archiven, der Geschichtsdidaktik und der archivpädagogischen Arbeit zusammengebracht, die ihre Konzepte und Lösungsansätze vorstellen und damit zu einer intensiven Diskussion anregen sollten.

Wie sehr das Thema so verschiedene Berufsgruppen interessierte, zeigte sich daran, dass der ca. 100 Personen fassende Hörsaal lange vor Beginn völlig überfüllt war. THOMAS LANGE (Darmstadt) skizzierte einleitend kurz die Problematik: Professionelle Vermittler von Geschichte sehen sich dem Problem ausgesetzt, dass eine ungeheure Menge an historischen Informationen durch Fernsehen und Internet auf sie, ihre Schüler und Studenten einströmt, und zwar ungleich attraktiver verpackt, als ein in Klassenraum und Lehrplan gezwängter Pädagoge das je könnte.

Während die Schulverwaltungen darauf mit enger werdenden Plänen und Prüfungen sowie der Festlegung von sogenannten „Standards“ reagieren, wollen viele Geschichtsdidaktiker den Schülern historische Vorgänge mittels kritischer Lektüre von Quellen als Prozess begreiflich machen. In Archiven wiederum werden archivpädagogische Konzepte [1] zur Arbeit mit originalen Quellenbeständen angeboten, um ein „forschendes Lernen“ zu ermöglichen. So nehmen alle zwei Jahre, Tausende von Schülern am Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten teil und gehen in den Archiven auf Spurensuche.

Diese Bemühungen konkurrieren mit dem Ozean des Internets, in dem zu nahezu allen historischen Themen nicht nur Informationen, sondern zum Teil gleich fertige Ausarbeitungen abgerufen werden können. Die Bildungsserver der Bundesländer, der Archive und Museen wie auch der Verlage bieten zu unterschiedlichsten Themen und Niveaus ganze Lerneinheiten auf CD oder DVD an. Es ist nicht nur eine technische Ungleichheit zwischen der Perfektion vorgefertigter Angebote und dem individuell organisierten Lernangebot, das damit entsteht, sondern es stellt sich die Frage, ob hier nicht eine Ungleichheit in der historischen Erinnerung – zwischen der technisch-medial vermittelten einerseits und der selbst am Authentikum angeeigneten andererseits – entsteht. Lehrer, Geschichtsdidaktiker und Archivare sind angesichts dieser Situation aufgefordert, ihr Handwerk zwischen Wissensvermittlung und Identitätsstiftung neu zu überdenken.

Den ersten Abschnitt der Sektion „Reflexion über Faktoren der Erinnerung“ leitete MARTIN SABROW (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam / Universität Potsdam) mit Überlegungen zum „Begriff der Erinnerung“ ein. [2] Sabrow charakterisierte „Erinnerung“ als eine „Pathosformel“ der heutigen Geschichtskultur, der die historische Bedeutung des „organisierten Vergessens“ gegenübergestellt werden kann, wie sie in Hermann Lübbes Wort vom „kommunikativen Beschweigen“ der NS-Vergangenheit in der frühen Bundesrepublik durchaus positiv formuliert wurde. Die Generation der „68er“ wendete sich gegen das Verdrängen der Vergangenheit und gegen das Schweigen der Väter, indem sie in intensiver Suche nach der Geschichte geradezu eine „Sehnsucht nach Vergangenheit“ entwickelte. Die Konjunktur der biografischen Zeugnisse ersetzte wissenschaftliches Herangehen durch eine subjektive Authentizität, die zu einer „Privatisierung der Vergangenheit“ führte. Die narrativen Muster des „memorial turn“ laufen als Zeugnisse einer Nostalgie eher auf eine historische Selbstvergewisserung statt auf eine fachwissenschaftliche Darstellung hinaus.

CLEMENS REHM (Landesarchiv Baden-Württemberg, Stuttgart) akzentuierte sowohl Archive als Erinnerungsorte[3], als auch die Auswahlproblematik von Quellen: „Archive - Agenten der Erinnerung“. Ausgehend vom „Authentikum“ in den Archiven charakterisierte er medial vorliegende Angebote als vielfach ohne Kontext vagabundierende Quellen – gleichsam „Hehlerware“ am (Bildungs-)Markt – und als mundgerecht aufbereitete und dabei veränderte „Fast-Food-Quellen“. Davon seien belastbare archivische Quellen als „Rohstoff“ für Forschung und Bildungsarbeit zu unterscheiden. Den Archiven bleibt daher auch künftig eine wesentliche „Agenten“-Rolle als Lieferanten und Gestalter des Materials für die Erinnerungskultur. Diese Aufgabe wird mit Blick auf die genannten medialen Parallelangebote wohl stärker um die „Schiedsrichter“-Rolle ergänzt werden müssen, wenn im Web 2.0 die kontextfreie Präsentation und Interpretation von Quellen omnipräsent wird.

In Archiven, die als Institution öffentliche Glaubwürdigkeit beanspruchen dürfen, können Nutzer am „Original“ gleichzeitig durch das Material haptisch historische Distanz und durch den Inhalt einen lebensweltlichen Bezug erfahren. Damit ist über das Authentikum der unmittelbare Einstieg in die Auseinandersetzung mit Geschichte und eigener Erfahrung eröffnet – ein Prozess, der zur Identitätsbildung beiträgt.

In einem zweiten Aspekt wies Rehm darauf hin, dass die Entscheidungen über die Archivwürdigkeit von Unterlagen bislang die Archivarinnen und Archivare unbemerkt von den Gruppen treffen, die diese Unterlagen später benötigen. Archivarinnen und Archivare steuern damit wie unsichtbare Agenten der Erinnerung, was überhaupt „Geschichte“ werden kann.

VADIM OSWALT (Justus-Liebig-Universität Gießen) lenkte den Blick auf „Quellenkritik im Zeitalter des Internet“. [4] Durch die Erfindung des Internet sind die historischen Quellen im „Zeitalter ihrer Reproduzierbarkeit“ angelangt. Im Internet entstehen riesige Speichergedächtnisse, deren Nutzung einen Wandel der „Kulturtechniken“ einläutet. Jede und Jeder kann im Internet Quellen suchen, aber auch Quellen einstellen. Quellenkritik ist daher von einem speziellen Methodenproblem der historischen Wissenschaften zu einem Prinzip geworden, das auch für jeden anderen fachlichen Kontext relevant ist.

Allerdings stellt sich die Frage, ob die traditionellen Formen der Quellenkritik für das Internet hinreichende Werkzeuge zur Verfügung stellen. Könnte man auf die Unzuverlässigkeit vieler Quellen noch durch eine Stärkung der äußeren Quellenkritik reagieren, so stellen sich in einem medienintegrativen System wie dem Internet eine ganze Reihe weiterer Fragen. Sie legen die Einbindung der Quellenkritik in allgemeine Aspekte einer „electronic literacy“ nahe. Diese berücksichtigt nicht nur, dass Quellengattungen aller Art in reicher Zahl verfügbar sind, sondern auch, dass sie einer beständigen Transformation unterworfen sind. Dabei werden auch Bilder immer wichtiger, die oft schon die Funktion von Begriffen übernehmen. Außerdem kann es sein, dass eine Bildquelle auf einer tertiären Ebene Teil einer Visualisierung – zum Beispiel einer rechtsradikalen Internetseite – ist. Am Beispiel der vielfach im Internet verfügbaren rechtsradikalen „Protokolle der Weisen von Zion“ legte Oswalt dar, wie die Deutungshoheit über Inhalte auf beliebige, nicht identifizierbare Teilnehmer von „Blogs“ übergehen kann. „Interpretierendes“ und „kompetentes Suchen“ wird unabdingbar.

Im zweiten Teil der Sektion wurde der Zugang und die Nutzung von Quellen vor allem im Bildungsbereich anhand innovativer Anwendungen aus der Praxis vorgestellt. Einleitend wies ANNICK PEGEON, als „professeur au service éducatif“ an das Département de l’Action culturelle et éducative der Archives Nationales in Paris abgeordnet, auf das französische Modell des „service éducatif“ hin. Dieses Angebot entstand 1949 auf Initiative von Charles Braibant, damals Direktor des Nationalarchivs. Heute bieten alle Staatsarchive (Archives départementales) und viele Kommunalarchive archivpädagogische Dienstleistungen an, die sich im Lauf von 50 Jahren in Zielen und pädagogischer Praxis verändert haben und sich nun der Herausforderung durch das Internet gegenüber sehen. Der service éducatif reagiert darauf, indem er die von Braibant formulierte Aufgabe weiterhin erfüllen will, nämlich „die Schüler in direktem Kontakt mit Geschichtsdokumenten mit Hilfe von Werkstätten und von kommentierten Besuchen“ mit der Geschichte Frankreichs vertraut zu machen. Pegeon schilderte die zahlreichen Aktivitäten, mit denen ein breites Publikum erreicht werden soll. Speziell für Schulen wurden „atéliers pédagogiques scolaires“ (pädagogische Werkstätten) entwickelt. [5] Hier wenden sich Kostümspiele, Siegel-, Wappen- und Schriftübungen an jüngere Altersgruppen, für ältere stehen schriftliche Dokumente im Mittelpunkt, und auf Wunsch von Lehrern können auch weitere Themen vorbereitet werden. Alle Angebote sind auf die Lehrpläne abgestimmt. Die Archives nationales legen Wert darauf, dass der Archivbesuch in einer pädagogischen Kontinuität stattfindet, also vorbereitet und später auch in den Unterricht eingebunden wird. Seit 2007 steht die pädagogisch aufbereitete Ausstellung „1906, Dreyfus rehabilité“ im Internet, die historische und gemeinschaftskundliche Themen verbindet. [6] Im Rahmen der Erinnerung an die vierhundertjährige Präsenz Frankreichs entstand 2004 aus der Zusammenarbeit der Archives de France, der Bibliothèque et Archives Canada und der kanadischen Botschaft in Paris das Internetprojekt „Nouvelle France. Horizons nouveaux. Histoire d'une terre française en Amérique“ [7], das eine Ausstellung und eine Datenbank mit über einer Million Bildern enthält. Beide Internetprojekte sind auch in englischer Version verfügbar. Sie ermöglichen künftig auch Rückmeldungen zu Schwierigkeiten und Erfolgen bei der Lektüre von Archivdokumenten. So vielfältig die Anwendungen der digitalen Technik auch sein mögen und so notwendig ihr Gebrauch als Mittel, um breiten Bevölkerungsschichten Zugang zur Kultur zu verschaffen, so ist doch bewusst, dass mit dieser Technik eine Entfremdung zwischen historischem Dokument und Bürger geschaffen wird. Der direkte Kontakt mit dem Dokument ist unentbehrlich für die „Bildung eines Gedächtnisses, einer Identität und die Aneignung von gemeinsamem Kulturgut“.

JOACHIM PIEPER (Hauptstaatsarchiv Düsseldorf) präsentierte sein Modell zur „Standardisierung von Archivkontakten“: „Fit fürs Archiv! School’s Day“ als Praxismodul zum Methodentraining für Schüler und Lehrer“. Die Verkürzung der Schulzeit (G 8) und das Zentralabitur in vielen Bundesländern sowie der Trend zur Ganztagsschule stellen neue Herausforderungen an außerschulische Lernorte wie Museen, Gedenkstätten und Archive, bringen aber auch positive Veränderungen mit sich: Neue, interessenorientierte Lerngruppen außerhalb der traditionellen Klassen- und Kursverbände etablieren sich, wie zum Beispiel Geschichts-AGs oder Geschichtswerkstätten, die am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilnehmen oder sich mit der Geschichte vor Ort auseinandersetzen wollen. Die Archivpädagogik kann mit diesen Gruppen langfristige Kooperationen eingehen und über sie die Schulen für die Möglichkeiten selbständigen Arbeitens und Forschens aufschließen. Um dies zu fördern und zu unterstützen, bieten die Archive Gelegenheit zur Begegnung mit der Originalquelle. Dafür ist School’s Day ein neues Modul des archivpädagogischen Angebots in Düsseldorf. Das Konzept ist darauf ausgerichtet, die für eine ergebnisorientierte Archivarbeit notwendigen Arbeitstechniken zu vermitteln, um für Schüler real existierende Hürden wie zum Beispiel Schrift und Sprache abzubauen, archivtypische Rechercheverfahren – vom Internet bis zur Recherche im Lesesaal – in praktischen Übungen kennen zu lernen, aber auch Arbeitstechniken zur Quellenanalyse zu vertiefen. Ein weiteres Angebot ist der Präsentationskurs, der in die Vielfalt von Ausstellungsformen sowohl thematisch-methodisch als auch rein technisch einführt. Der Umgang mit Pergament, Papier und Siegeln, das Schreiben und Dechiffrieren alter Schriften für die Sekundarstufe I und der Lesekurse für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe sind wichtige Angebote des School’s Day im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf.

HANS-CHRISTIAN HERRMANN (Sächsisches Staatsarchiv Leipzig) sprach über „Chancen und Grenzen der archivpädagogischen Nutzung von Filmen am Beispiel der DVD 'Land, Leute und Maschinen. Sachsen im Film 1912 - 1940'“.[8] Fotos machen Geschichte und prägen ganz wesentlich auch die deutsche Erinnerungskultur. Der Einsatz von historischem Bildmaterial in der Archivpädagogik und im Geschichtsunterricht ist in seiner Wirksamkeit aber kritisch zu hinterfragen. Bildüberflutung und Animationsübersättigung behindern häufig eine effiziente Auswertung. Am Beispiel von Fotos des Bestandes „Leipziger Messeamt“ zeigte Herrmann Wege und Methoden auf, wie Schüler motiviert werden können, sich mit Fotos als Historiker zu beschäftigen, indem sie mögliche falsche Zuschreibungen von Daten oder Personen detektivisch aufklären. Damit erwerben sie Methodenkompetenz und können zugleich ihr politisches Bewusstsein in einer Mediengesellschaft schärfen. Die im Studium zunehmend vernachlässigten Hilfswissenschaften, die man besser „Befähigungswissenschaften“ nennen sollte, können auf diese Weise bei der Stärkung von Methodenkompetenzen sinnvoll eingebracht werden.

Nach beiden Abschnitten der Sektion fanden lebhafte Diskussionen statt, die zeigten, dass die angesprochenen Themen bei Archivaren, Lehrern, Geschichtsdidaktikern, aber auch bei Produzenten von historischen Internetportalen viele gemeinsam berührende Probleme angesprochen haben, für die auch weiterhin noch Diskussionsbedarf bestehen wird.

Von Seiten der Didaktiker wurde die Chance für die pädagogische Arbeit betont, durch Rückgriff auf Originale zur Lokal- und Regionalgeschichte der reinen Internetrecherche als Lernleistung zu entgehen und Wege einer aktiven Aneignung geschichtlicher Prozesse zu eröffnen. Bei der Zugänglichkeit von Quellen im Netz stelle allerdings die Frage nach dem Kontext der Quelle in diesem Medium in vielen Fällen ein methodisches Problem dar.

Von wissenschaftlicher Seite wurde eingefordert, jede und jeden, der mit Quellen arbeite, in den Stand zu versetzen, quellenkritisch die Echtheit bzw. Verwendbarkeit von Quellen auch im Internet überprüfen zu können. Die Tatsache, dass Autoritäten – Institutionen, Personen und Medien wie Archive, Lehrer und Printerzeugnisse – für die Echtheit von Quellen bürgen würden, reiche nicht mehr aus.

Dieser Diskurs führte zur Frage der „Authentizität“ von Quellen, die von Archivaren und Historikern unterschiedlich beantwortet wurde. Während die Rohstofflieferanten von Forschung und Bildungsarbeit vor allem auf das Wissen über den Entstehungszusammenhang von Quellen abhoben, fragte die Forschungsseite nach den Botschaften in den Quellen und den Interdependenzen bei der Auswertung; sie hielt den Archiven entgegen, das „Authentikum“ in die Aura des Unantastbaren zu heben. Diese Diskussion zog sich wie ein roter Faden durch die Debatte, sowohl bei den eher grundsätzlichen Beiträgen des ersten Teils, als auch bei den konkreten Beispielen im zweiten Teil.

Es ist in Dresden gelungen, den 2006 auf dem Historikertag in Konstanz wieder aufgenommenen, erforderlichen Dialog zwischen Forschung, Archiv und Didaktik beispielhaft fortzusetzen. Gerade die gegensätzlichen Sichtweisen beim Begriff des „Authentischen“ zeigten, wie notwendig dieser Austausch ist und bleiben wird. Für künftige Debatten ist sicher der den Archivaren vorgeworfene „Mythos des Authentikums“ in den Blick zu nehmen. Wenn die Forschung mit der Kategorie des Authentischen nur noch das „Affektive“ bezeichnet, nicht mehr jedoch den Beweiswert, wird in geradezu dramatischer Weise deutlich, wie weit sich die Vorstellungswelten der Archivare, der Historischen Forschung und der Didaktik auseinander entwickelt haben.

Quellenkritische Probleme im Umgang mit der zeitgeschichtlichen Überlieferung wurden beim Historikertag mehrfach offenkundig, teilweise sogar beklagt. Insofern bestand Konsens, dass vor dem Hintergrund von Internet und digitalen Dokumenten eine Weiterentwicklung und breite Verankerung der Historischen Hilfswissenschaften dringend nötig ist. Mit Interesse wurde daher aufgenommen, dass der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare derzeit die Gründung eines Arbeitskreises vorbereitet, um die Produkte der neuen Medien und das digitale Archivgut hilfswissenschaftlich beschreiben und analysieren zu können. Nur am Rande aufgegriffen wurden die Hinweise, dass sich Forschung und Bildung auch bei der Auswahl der archivwürdigen Quellen durch die Archive mit ihren Interessen einbringen könnten, gegebenenfalls sogar sollten. Auch hier ist Diskussionsbedarf absehbar.

Die gehaltenen Referate werden auf der Website des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. unter der Rubrik „Arbeitskreis Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit“ zugänglich sein.

Sektionsübersicht:

Thomas Lange (Darmstadt): Einführung

Martin Sabrow (Potsdam): Der Begriff der Erinnerung

Clemens Rehm (Karlsruhe): Archive – Agenten der Erinnerung

Vadim Oswalt (Gießen): Quellenkritik im Zeitalter des Internet

Thomas Lange (Darmstadt): Diskussionsleitung

Annick Pegeon (Paris): Le service éducatif des Archives nationales (site de Paris – France): entre tradition et innovation

Joachim Pieper (Düsseldorf): Fit für’s Archiv! „School’s day“ als Praxismodul zum Methodentraining für Schüler und Lehrer

Hans-Christian Herrmann (Leipzig): Chancen und Grenzen der archivpädagogischen Nutzung von Filmen am Beispiel der DVD „Land, Leute und Maschinen. Sachsen im Film 1912-1940“

Clemens Rehm (Karlsruhe): Abschlussdiskussion

Anmerkungen:
[1] Thomas Lange / Thomas Lux, Historisches Lernen im Archiv, Schwalbach/Taunus. 2004.
[2] Martin Sabrow (Hrsg., zus. mit Konrad H. Jarausch), Verletztes Gedächtnis. Erinnerungskultur und Zeitgeschichte im Konflikt, Frankfurt a.M./New York 2002;
Martin Sabrow (Hrsg., zus. mit Klaus Große Kracht u. Ralph Jessen), Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen seit 1945, München 2003.
[3] Vgl. den Bericht über die 9. Karlsruher Tagung für Archivpädagogik am 7. März 2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2080> (5.10.2008)
[4] Vadim Oswalt, Multimediale Programme im Geschichtsunterricht. Geschichte am Computer Bd. 1 (Forum Historisches Lernen, hgg. v. Klaus Bergmann / Ulrich Mayer / Hans-Jürgen Pandel / Gerhard Schneider), Schwalbach/Taunus. 2002.
Forschungsbericht über Neue Medien im Geschichtsunterricht in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht H. 10/ 11 (2006).
[5] Vgl. <http://www.archivesnationales.culture.gouv.fr/chan/chan/
musee/action_educative/index.htm> (5.10. 2008)
[6]http://www.dreyfus.culture.fr/fr/ (6.10.2008)
[7]http://www.archivescanadafrance.org/francais/accueil.html (5.10.2008)
[8] Veröffentlichungen des Sächsischen Staatsarchivs 2007: Video-DVD „Land, Leute und Maschinen. Sachsen im Film 1912–1940“, bearbeitet von Stefan Gööck, Musik von Hubertus Schmidt.

Zitation
Tagungsbericht: HT 2008: Historische Erinnerung im Zeitalter des Internet - Ungleichheiten als Methodenproblem, 30.09.2008 – 03.10.2008 Dresden, in: H-Soz-Kult, 29.10.2008, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2320>.