La cour de Bourgogne et l’Europe. Le rayonnement et les limites d’un modèle culturel

Ort
Paris
Veranstalter
Deutsches Historisches Institut Paris in Zusammenarbeit mit der Universität Lille III und den Deutschen Historischen Instituten in London, Rom und Warschau
Datum
09.10.2007 - 11.10.2007
Von
Eric Burkart, Christian Kleinert, Frankfurt am Main

Viel ist schon über den Einfluss des burgundischen Hofes auf die anderen fürstlichen Höfe Europas im 15.und 16. Jahrhundert gesprochen und geschrieben worden, so als handele es sich um eine feststehende Tatsache. Diesen Einfluss kritisch in Frage zu stellen, war daher eine eigentlich überfällige Aufgabe. Hat der Hof der burgundischen Herzöge aus dem Hause Valois also tatsächlich als Modell gedient und andererseits: In welchem Umfang hat er selbst Einflüsse anderer Höfe aufgenommen? Den burgundischen Hof in seinen europäischen Kontext von der Iberischen Halbinsel bis Schottland, von Frankreich bis Polen zu stellen und damit den „Mythos Burgund“ unter kritischem Blick auf alle diese Höfe zu relativieren, sollte daher die durchaus ehrgeizige und in diesem Umfang noch nie gestellte Aufgabe dieser internationalen Tagung sein.

Nicht nur dieses zentrale Thema europäischer Hofforschung, nicht nur Ort und Ausrichter, sondern auch die beeindruckende Zahl der Beiträger – neben zahlreichem Nachwuchs auch nahezu alle großen Namen der Burgundforschung aus insgesamt drei Wissenschaftlergenerationen – unterstrichen, dass es sich hier nicht um eines unter vielen Treffen im akademischen Jahreslauf handelte, sondern um eine Hommage an den scheidenden Direktor des DHI in Paris, Werner Paravicini. Und dies auf einem Feld, das er wie kaum ein anderer durch kontinuierliche eigene Arbeit, durch die Entwicklung und Installierung von Forschungskooperationen und Editionsunternehmen, durch die Öffnung zu neuen Fragestellungen fruchtbar gemacht und gepflegt hat. Wenn also heute ein solcher komparatistischer Ansatz sinnvoll verfolgt werden kann, dann deshalb, weil Paravicini und andere Forscher seiner Generation den burgundischen Hof endgültig aus den Begrenzungen einer älteren kultur- und kunsthistorischen Forschung gelöst und mit ihren sozial- und institutionengeschichtlichen Untersuchungen europäische Maßstäbe gesetzt haben.

Damit aber, so führte WERNER PARAVICINI in seinem Eingangsreferat aus, war ein doppelter Ansatz gewählt. Wer sich der tatsächlichen Außenwirkung des burgundischen Hofes vergewissern will, muss zunächst nach dem 'Hof von innen' fragen: Konnten sich die 'großen' Herzöge wirklich auf einen wohlorganisierten und zuverlässig funktionierenden Hofstaat verlassen? Verfügten Sie über so außerordentliche Reichtümer? War ihr höfischer Luxus ohnegleichen? Und: Besaß der burgundische Hof, so er auf solchen Grundlagen ruhte, überhaupt einen typischen Stil, der ihn als Modell taugen ließ? Oder sollte sich dieses Modell, dieser Mythos Burgund als eine Erfindung der zeitgenössischen Chronistik und der dem Nationalstaatsgedanken verpflichteten belgischen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts erweisen, als bildungsbürgerliches Traditionsgut, das auf die lange nachwirkenden großen Kunstausstellungen des frühen 20. Jahrhunderts und auf die klassischen Werke von Huizinga und Calmette zurückgeht?

Anregungen und Antworten zu diesen Fragen wurden in neun Gesprächsrunden von insgesamt über dreißig Forscherinnen und Forschern erwartet. Deren vorher eingereichte Beiträge präsentierten die Leiterinnen bzw. Leiter der Gesprächsrunden in einführenden Berichten, worauf sich Gelegenheit bot, einzelne Punkte und Thesen zu vertiefen und zu diskutieren.

Des belles archives, de grandes richesses, une historiographie hors pairs?

Table ronde 1: Des archives incomparables ?

Den angeblich so außergewöhnlichen dokumentarischen Grundlagen, d. h. der Überfülle archivalischer und historiographischer Quellen, sowie jenem sagenhaften Reichtum der burgundischen Herzöge widmete sich ein erster Großabschnitt, der von zwei Gesprächsrunden unter der Leitung von JEAN RICHARD (mit BERTRAND SCHNERB, SÉBASTIEN HAMEL und PIERRE COCKSHAW) und CLAUDE THIRY (mit JEAN FRANÇOIS LASSALMONIE, JEAN DEVAUX und LUDWIG VONES) bestritten wurde.
Tatsächlich bieten sich die burgundischen Archivbestände in einer solchen Vielfalt und Vollständigkeit dar, dass man leicht geneigt ist, sie für einzigartig zu halten. Hinzu kommt ein vom frühen herrschaftspraktischen Interesse des burgundischen Erben Habsburg und dem Legitimationsbedürfnis der jungen belgischen Nation bedingter, aber auch von der gescheiterten Zentralisation der Bestände begünstigter, ganz ungewöhnlich guter Erhaltungs- und Erschließungszustand. Allerdings – und das wurde durch die versammelte internationale Expertise sehr überzeugend unterstrichen – hält diese angebliche Einzigartigkeit näherem Vergleich nicht stand. Nicht nur die noch viel zu wenig von der Forschung beachteten Archive des spätmittelalterlichen savoyischen Hofes, sondern auch die Archive der englischen Krone und die der iberischen Königreiche Navarra und Aragón – wo „alles überliefert ist“ (so überspitzend A. Rucquoi) – haben 'burgundische' Qualität. Auf eine besonders im Vergleich mit den italienischen Fürstenstaaten frappierende Auffälligkeit dieser Überlieferung, den Mangel an Korrespondenz, macht I. Lazzarini aufmerksam, was P. Cockshaw aber auf die fürstliche Privatkorrespondenz begrenzt sehen will. Die politische Korrespondenz betreffend sei ein Erschließungsdefizit zu beklagen, das durch eine Aufarbeitung der Empfängerüberlieferung, vor allem der sehr reichen Bestände der Stadtarchive der Niederen Lande (G. Small), behoben werden könne.

Table ronde 2: Richesse, historiographie, perception

Unter welchen Bedingungen das Prestige dieses Hofes entstehen konnte, fragte kritisch die zweite Gesprächsrunde. Der aus der Wirtschaftskraft der Niederen Lande erwachsende burgundische Reichtum war eine Realität, die Burgund aus der Masse der unter Einnahmeverlusten leidenden Fürsten heraushob. Ausgaben und Einnahmen ließen sich dank eines funktionierenden 'Staatskredits' ausgleichen, unter Karl dem Kühnen schließlich konnten die Einnahmen durch Ausweitung der permanenten ordentlichen Steuern weiter deutlich erhöht werden. Burgund war reich, doch Frankreich, Kastilien oder Venedig waren – so schwierig der Vergleich hier auch bleibt – reicher. Wichtiger als dieser allgemeine Reichtum sind aber im Zusammenhang der Tagungsthematik die absolut hohen Investitionen in den Hof: Reichtümer wurden demonstrativ am Hof und insbesondere im trésor mobilier konzentriert (J. F. Lassalmonie). Der Eindruck einer solchen bewussten Prestigepolitik wird durch die burgundische Chronistik verstärkt, die sich mit ihren wichtigsten Vertretern durch eine besondere räumliche, zeitliche, aber auch materielle Nähe auszeichnete: Die Autoren waren alle am Herzogshof tätig. Bei ihnen verband sich ein ruhmrednerisches Konzept der herrscherlichen magnificence mit der didaktischen Absicht, das Handeln des Fürsten zum Modell zu erheben (J. Devaux). Gerade weil unsere Vorstellung von der Ausstrahlung Burgunds auf solche Hofhistoriographie zurückgeht, darf man aber – dies wurde in der Diskussion angemahnt – die anders geartete, stärker auf die aktuellen politischen Auseinandersetzungen bezogene historiographische Produktion, sowie die städtische und kirchliche Chronistik nicht aus dem Blick verlieren. Adressaten und dann fast ausnahmslos auch Vermittler burgundischen Glanzes waren aber auch die auswärtigen Besucher (L. Vones). Für diese weitgereisten und damit zu Vergleichen befähigten Fremden spielte der Hof damit erfolgreich eine Rolle als Schaufenster. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass sich die Fremden dieser Tatsache und der ihnen damit zugedachten Rolle durchaus bewusst gewesen sein konnten.

Y a-t-il un style bourguignon?

Gab es nun aber tatsächlich einen burgundischen Stil, etwas spezifisch Burgundisches, das ein solches Modell identifizierbar und zur Übernahme geeignet gemacht hätte? Zeichnet sich die burgundische Verwaltung durch einen besonders 'modernen' Stil aus? Besitzt der zum Modell einer Nachblüte adliger Ritterkultur erhobene burgundische Hof unverwechselbare Eigenart? Und wenn ja, könnte das auch in seiner Konfrontation mit der städtisch geprägten Welt der Niederen Lande begründet sein? Und wie verhält es sich mit den Künsten? Sind sie höfisch, kirchlich oder doch in erster Linie von den bürgerlichen Schichten der mächtigen Städte geprägt? Oder liegt in einer Symbiose ihr modellhaftes, innovatives Potential?

Im zweiten Abschnitt widmeten sich drei Gesprächsrunden diesen Fragen unter der Leitung von J.-M. CAUCHIES (Organisationsformen: U. CHR. EWERT, M. BOONE, F. VILTART, A.-B. SPITZBARTH), J. PAVIOT (Adelskultur: G. MELVILLE, K. OSCHEMA, T. HILTMANN, E. LECUPPRE-DESJARDIN) und A.-M. LEGARÉ (Kunst: K. A. WILSON, L. NYS, T. VAN HEMELRYCK, J. WIJSMAN, D. FIALA).

Table ronde 3 : Un État inventeur de formes d’organisation?

Wo finden die Beiträge seiner Gesprächsrunde innerhalb dieses Gesamtrahmens ihren gemeinsamen Platz, fragte J.-M. Cauchies einleitend. Gab es bereits einen burgundischen Staat oder wird damit nicht das Ziel herzoglichen Handelns bereits als Realität angenommen? Ist nicht sehr viel zutreffender von burgundischen Staaten zu sprechen? Zur Verdeutlichung verwies er auf die zwar in ihren Inhalten vereinheitlichende herzogliche Gesetzgebung, die aber für jede Provinz einzeln erlassen werden musste, nicht nur mit Rücksicht auf die jeweiligen Traditionen und Vorrechte, sondern auch auf die mangelnde Souveränität des Herzogs in jenen Herrschaften, die der Jurisdiktion des Parlaments von Paris unterstanden. Im herzoglichen Projekt fortschreitender Zentralisation wurde der Hof zum entscheidenden Integrationsfaktor, in der Regierungszeit Karls des Kühnen dann ergänzt und z. T. ersetzt durch die Armee. Alle vier Themen zielten damit auf die Grundfragen burgundischer Politik. Dies war einmal das komplizierte Verhältnis der herzoglichen Regierungsgewalt zu ihren Untertanen, das von einer hochentwickelten Verhandlungskultur (M. Boone) bestimmt wurde, und zum anderen das herzogliche Bestreben nach Regel und Ordnung. Weniger die tatsächliche Wirkung der normativen Texte war dabei von Bedeutung, als vielmehr ihre Aufgabe, den Herrscher im Diskurs mit den Untertanen als Garanten der Ordnung darzustellen.

Gerade angesichts eines komparatistischen Ansatzes verwies U. Chr. Ewert auf die Möglichkeit, die Funktion der Ordnung des Hofes wirtschaftstheoretisch zu fassen. Um das notwendige Ziel einer möglichst effektiven, d.h. ökonomisch sinnvollen Regierung und Integration der burgundischen Territorien durch den Hof zu erreichen, galt es diesen in effizienter Weise zu organisieren. Die Hofordonnanzen verdeutlichen dabei das Bewusstsein beider Seiten – des Fürsten wie der Höflinge – über die Machtverhältnisse am Hof und über das Ausmaß des Ordnungsbedarfs. M. Boone erinnerte daran, dass es Zeit sei, die immer noch von nationalstaatlichen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts geprägte Diskussion über einen zentralistischen Modernisierungswillen vs. provinzielle Beharrung, zu beenden. Es sei viel stärker auf die sich durchaus wandelnde Reaktion der urbanisierten, hochentwickelten Regionen auf die neuen herzoglichen Institutionen zu achten. Integrationskosten und Anpassungsgewinne einzelner Gruppen, aber auch die politische Kultur dieser Stadtlandschaft und ihre mögliche Veränderung durch Fürst und Hof verdienten Interesse. Als besonderer Ausdruck herzoglichen Ordnungswillens können die minutiös ausgearbeiteten Militärordonnanzen Karls des Kühnen gelten, die sich darüber hinaus auch für die Fragen nach Einfluss fremder Vorbilder und die Innovationskraft Burgunds erweisen (F. Viltart). Lassen sich einerseits deutlich italienische Anregungen und auch das Bestreben erkennen, Frankreich in der Formung eines stehenden Heers erreichten Vorsprung einzuholen, so sind doch gerade die neue Bedeutung der Infanterie und der Gefechtseinsatz der Artillerie innovativ und als Modell fortwirkend. Militärgeschichtlich besonders interessant dürfte die Frage sein, ob sich eine Armee, wie von Karl dem Kühnen unternommen, im Krieg erfolgreich reformieren lässt. Gerade, aber nicht allein im Hinblick auf die Militärordonnanzen Burgunds wie auch Frankreichs wurde nachdrücklich auf die Notwendigkeit zuverlässiger Texteditionen hingewiesen (J.-M. Cauchies, P. Contamine). Neue Ideen lassen sich bei aller Skepsis gegenüber ihrem langfristigen Erfolg auch der burgundischen Diplomatie nicht absprechen (A.-B. Spitzbarth). So gab es unter den herzoglichen Räten bereits weitgehend auf ihre Tätigkeit spezialisierte Diplomaten, bei denen sorgfältige Auswahl und Spezialisierung für bestimmte Verhandlungsmaterien ebenso wie der Einsatz eingespielter Zweier-Teams und die Verwendung fester, überpersönliche Kontinuität sichernder Dossiers auffallen. Neu war auch der Fortbestand diplomatischer Kontakte (zu den Königen von Frankreich und von England beispielsweise) über schwere politische Krisen hinweg, wobei sicherlich das Beispiel des mittlerweile burgundischen Flandern mit seinen nur selten abreißenden Handelsgesprächen mit England Schule gemacht hat. Fragwürdig ist allerdings, so M. Boone, ob gerade im Fall der burgundischen Staatenwelt eine Einschränkung von Diplomatie auf Außenbeziehungen angemessen sein kann. Und wie steht es um den Modellcharakter dieser neuen Formen der Diplomatie?

Table ronde 4 : Un État de noblesse et de chevalerie?

Was macht aber die Vorbildlichkeit, vielleicht die Modernität jenes Hofes aus, der zum Zufluchtsort einer in ihren Formen archaisierenden ritterlichen Adelskultur wurde? Welche Aufgabe kommt dem neuen Orden vom Goldenen Vlies zu, welche Rolle spielen die mächtigen und selbstbewussten Städte, in deren Mauern dieses ritterliche Milieu sich entfaltete?

Inwieweit formten nun Vorstellungen von Adel und Rittertum die Ideologie der herzoglichen Politik? (K. Oschema). Adel, der zumindest in der Theorie als durch Gerechtigkeit und magnificence zum Ausdruck gebrachter Tugendadel verstanden werden konnte, war in der Praxis Burgunds vom dynastischen Prinzip bedingter Abstammungsadel. Ritterliches Ideal aber erforderte die Verteidigung des Glaubens, in der sich Philipp der Gute denn auch als Kreuzzugsführer hervortun wollte, sowie den Mut in der Schlacht und die Liebe in ihrer Form als Brüderlichkeit der Ritter untereinander, in deren Namen dieser Herzog den Orden vom Goldenen Vlies gegründet hatte. Konzepte von Adel und Rittertum spielten also gewiss eine Rolle für die Begründung burgundischer Politik, aber keine ausschlaggebende. Selbst Philipp – stärker von der „zweiten Ritterrenaissance" geprägt als sein Sohn, dessen Helden vielmehr Caesar und Alexander hießen – ließ sich nicht von diesen Vorstellungen leiten. Es ist geradezu ein Kennzeichen dieses Burgunds der Valois-Herzöge und macht sein besonderes Interesse aus, wie hier vernunftbestimmte, man möchte fast sagen, 'moderne' Vorgehensweisen mit Normen einer als ideal verstandenen 'alten' Welt in enger Verbindung existierten. Deswegen sollte man sich davor hüten, den Orden vom Goldenen Vlies als eine rückwärtsgewandte Inszenierung misszuverstehen. Dienten die Ordensfeste auch tatsächlich der Feier als alt und unwandelbar angesehener ritterlicher Werte, so waren sie doch gleichzeitig ein Mittel, um die Einheit dieses auf Verteidigung des Glaubens und der Loyalität gegenüber seinem Herrn verpflichteten Kreises in der Öffentlichkeit zu manifestieren und sich als durchaus gegenwärtige Elite darzustellen. Andererseits war der Orden aber auch kein bloßes Kontroll- und Integrationsmittel des 'modernen' Fürsten für seine adligen Untertanen. Zwar war das einzelne Ordensmitglied durch die inquisitorischen Befragungen während der Kapitelsitzungen einer vom Ordensoberhaupt lenkbaren und instrumentell nutzbaren sozialen und auch politischen Kontrolle unterworfen (G. Melville). Aber gleichzeitig war dies als innere Seite untrennbar mit der nach außen so stolz gezeigten elitären Gemeinsamkeit verbunden und außerdem stand der Herzog eben nicht wie ein autokratischer Fürst neuen Stils außerhalb der Gemeinschaft, sondern unterwarf sich wie ein Gleicher unter Standesgenossen der Kritik des Kapitels. Vielleicht lässt sich eben in der auch hier wieder aufscheinenden Ambivalenz und Zwischenzeitlichkeit ein Charakteristikum des "Modells Burgund" erkennen.

Für jene beiden Institutionen, die geradezu Inbegriff ritterlicher Kultur sind, das ritterliche Turnier- und das Heroldswesen, hat sich der burgundische Hof eine unvergleichliche Reputation geschaffen. Aber waren die glänzenden pas d'arme_s, waren _Toison d'or, der berühmte burgundische Wappenkönig, und mit ihm die ganze Schar burgundischer Herolde so außergewöhnlich? Burgund expandierte in Regionen mit ausgeprägter Turniertradition, darüber hinaus wurden auch weitere Einflüsse aufgenommen, der pas d'armes z.B. kam aus Spanien. Andererseits wurde Toison d'or zum Vorbild für andere Ordensherolde, wobei das burgundische Heroldswesen in seiner zahlenmäßigen Größe unerreicht blieb. Die Rolle der Herolde, bspw. eines auch als Chronisten tätigen Toison d'Or, für die Entstehung und Verbreitung unseres Bildes burgundischer Überlegenheit in diesem Bereich bedarf noch weiterer Aufklärung (T. Hiltmann).

Lange Zeit von der Hofforschung völlig unbeachtet, haben die Städte mittlerweile begonnen, das Interesse auf sich zu ziehen. Aber sie waren mehr als nur Rahmen und Hintergrund fürstlicher Prachtentfaltung oder provozierender Antagonist, dem die höfische Kultur Burgunds ihre außerordentliche Lebendigkeit verdankte (E. Lecuppre-Desjardin). Vermittelt durch jene Hofleute, die beiden dieser Welten angehörten, entstanden Verbindungen. Nicht nur Schützengilden und Bognerkompanien, das gemeinsame Kunst- oder Modeinteresse, Turnier und Fest boten Gelegenheit zum Austausch. Die Stadt konnte zum Treffpunkt, vielleicht zum Schmelztiegel städtischer und höfischer Kultur werden, ohne dass die beiden Kulturen ihren spezifischen Charakter hätten verlieren müssen. Zwischen Übernahme und selbstbewusster, dann oft geradezu feindseliger Zurückweisung öffnet sich ein weites Feld möglicher Reaktionen.

Table ronde 5: Les beaux-arts: vers l’innovation?

Diese Suche nach dem 'burgundischen Stil' beschloss eine Gesprächsrunde zu den Künsten, also jenem Bereich, in dem man, möglicherweise von großen Ausstellungen und von der Kunstgeschichtsschreibung verleitet, die Existenz eines solchen – und dann auch modellhaft-vorbildlichen – Hofstils voraussetzen möchte. Diese Annahme, aber auch die Vorstellung des Hofes als bestimmendem Zentrum von Nachfrage und Produktion wurden schnell fragwürdig. So machte K. A. Wilson deutlich, dass selbst großformatige, opulente und teure Teppiche nicht allein Hofkunst waren. Bürgerliche Nachlassinventare u.a. der Städte Dijon und Douai zeigen den Besitz solcher Kunstwerke auch in bürgerlichen Kreisen. Sie verweisen damit nicht nur auf ein lebendiges und hochorganisiertes, auf den Hof ausgerichtetes Gewerbe, sondern lassen als Besitzergruppe Bürger erkennen, die sowohl in ihren Städten als auch am Herzogshof verankert waren und als Nachfrager dieser fürstlichen Kunst auftraten. Dort, wo der Kundenkreis so klar definiert ist wie bei den offiziellen Skulpturenaufträgen, lässt sich mit Gewinn die Frage nach dem typisch Burgundischen in dieser Hofkunst stellen. L. Nys kam hier zu Antworten, die unser Wissen über burgundische Skulptur insgesamt in Frage stellen. Der niederländische Realismus von Sluter, Marville und de Werve ist der Stil französisch gewordener Künstler, die in Dijon, Bourges und Paris gearbeitet haben und dadurch stark beeinflusst worden waren. Das Erbe dieser im Auftrag Philipps des Kühnen und Johanns Ohnefurcht tätigen Männer und ihrer Nachfolger wird in den Oberen Landen fortgeführt werden; burgundische Hofskulptur, wie für Philipp den Guten und Karl den Kühnen in den Niederen Landen geschaffen, sollte indes ganz anderen, graphischeren und im Kern aristokratischen Formen folgen. Ein 'burgundischer' Hofstil ist also durchaus zu erkennen, es ist nur nicht jener, den man bislang dafür hielt.

Das Vorhandensein einer eigenen französischsprachigen, aber 'burgundischen' Literatur am Hof wird seit Georges Doutrepont eingeräumt, aber wie ist sie zu definieren (T. van Hemelryck)? Auch hier zielten die Fragen darauf ab, inwieweit eigene Modelle entwickelt oder fremde integriert wurden. Allerdings können Antworten vom politischen Kontext des Hofes nicht absehen: Burgundische Literatur war eine 'littérature engagée', welche die neue burgundische Politik propagierte und feierte. Gerade im Bereich der Literaturgeschichte sind aber die Schatten nationalistischer Betrachtungsweisen von Doutrepont bis zu eigener Voreingenommenheit besonders lang. Einen 'burgundischen' Stil auf dem Feld der Handschriftenillumination (J. Wijsman) auszumachen scheint zunächst aussichtsreich – die Kunstgeschichte kennt ihn für das dritte Viertel des 15. Jahrhunderts. Ist diese Definition aber auch tragfähig angesichts der Mobilität der Künstler, der vorhandenen Vielfalt regionaler Stile in den von den Herzögen beherrschten niederländischen Territorien, im schnellen Wandel der Moden? Auch die Suche nach Schnittmengen mit der Verwendung 'burgundischer' Schrift oder der inhaltlichen Zugehörigkeit zum Kanon 'burgundischer' Bibliotheken jener Zeit bringt keine Eindeutigkeit. Weiterführend könnte es sein, sich den Auftraggebern zuzuwenden. Die 'bourgondisation' der niederländischen Territorien hat hier einen – im Gegensatz zu den mobilen Künstlern – ortsstabilen, sich vereinheitlichenden Geschmack, eine Mode zur Folge gehabt, die man noch am ehesten als 'burgundisch' definieren könnte. Außerordentlich gut – von einzigartig sollte man angesichts der relativierenden Bemerkungen zum Reichtum burgundischer Archive vielleicht nicht sprechen – ist die Überlieferung zur Kapelle des burgundischen Hofes. Und wenn auch nur Karl der Kühne ein persönliches Interesse an Musik gehabt zu haben scheint, gab es solch kontinuierliches Mäzenatentum wie das der Valois-Herzöge und ihrer Nachfolger nirgendwo sonst. Die Zentren dieser Musik, ihrer Pflege und Weitergabe, fanden sich von der Pikardie bis Amsterdam. Die Burgunderherzöge waren damit 'natürliche' Förderer eines von der Musikgeschichte definierten franko-flämischen Stils, sie unterhielten die beste Kapelle, beschäftigten die berühmtesten Kantoren. Zu einem burgundischen wird dieser Musikstil deswegen nicht.

Die folgende Diskussion erbrachte im Hinblick auf die Künste, aber darüber hinaus auf den ganzen Abschnitt, weiterführende Anregungen. So hätten auch die geistlich-spirituellen Strömungen am Hof, wie auch die Hofgeistlichkeit insgesamt, thematische Berücksichtigung finden können. Zur Kunstproduktion und ihrer Entwicklung stellen sich die teils hypothetischen, aber deswegen nicht müßigen Fragen, welche Rolle der Herzog in dieser kunstproduzierenden niederländischen Gesellschaft gespielt hat, wie sie ohne ihn funktioniert und was sie hervorgebracht hätte. Schließlich wird auf das immer wiederkehrende Problem von burgundischer, sogar über das Ende der Valois hinausweisender Kontinuität einerseits und der jeweils individuell von der einzelnen Herrscherpersönlichkeit geprägten Regierungszeit andererseits hingewiesen. Die Zäsur zwischen Philipp dem Guten und Karl dem Kühnen erscheint als von besonderer Deutlichkeit.

Présences, transferts, croisements: L’Europe et la cour de Bourgogne

Ablehnung, Skepsis, Relativierung, Bejahung. Die Antworten bei der Suche nach dem 'burgundischen' Modell fallen je nach Feld unterschiedlich genug aus. Wie aber stand es nun um die Modellhaftigkeit burgundischer Entwicklungen, gab es eine Rezeption? In einem umfangreichen Schlußabschnitt untersuchten vier Gesprächsrunden diese Frage für die wichtigsten oder doch vielversprechendsten europäischen Regionen: Frankreich, England, Schottland (P. Contamine / O. Mattéoni, M. Vale, G. Small), Italien (R. Fubini / L. Tanzini, G. Chittolini, G. Guerzoni, I. Lazzarini, G. Toscano), Iberische Halbinsel (A. Rucquoi / Á. Fernández De Córdova Miralles, R. Costa Gomes, M. Narbona Cárceles) und Reich, habsburgisches Spanien, Polen (H. Müller / C. Sieber-Lehmann, U. M. Zahnd, H. Noflatscher, J. Martínez Millán und R. Skowron [J. Millán und R. Skowron waren leider abwesend] sowie als Intervenient K.-H. Spiess) in einem ersten kursorischen Überblick.

Table ronde 6 : France, Angleterre, Écosse

Drei Königshöfe und ein Herzogshof – ist der Vergleich überhaupt statthaft? Und was soll dieser Vergleich umfassen: den in seiner Gesamtheit in den Blick genommenen burgundischen Hof einerseits und andererseits household und hôtel, als miteinander wiederum nicht kongruente Teilbereiche? Den erst zu Ende des 15. Jahrhunderts quellenmäßig besser zu fassenden und überhaupt erst dann den Rahmen eines größeren Adelshaushalts übertreffenden schottischen Königshof wird man wohl – ohne den Ergebnissen von G. Small Gewalt anzutun – aus dem Vergleich herausnehmen. Einflüsse werden hier zudem sicherlich eher aus Frankreich, wo zahlreiche, auch vornehme Schotten als Söldner dienten, und dann – vermittelt über die nordenglischen Adelshöfe – aus England gekommen sein. Ganz anders verhält es sich mit dem französischen Königshof, der Ursprung und – solange er existierte – Bezugspunkt des Hofs der burgundischen Herzöge war, und den in einem sozusagen virtuellen Wettstreit zu übertreffen, stets deren Ziel blieb. Zugleich fällt der Vergleich schwer, weil die Quellenlage – und dies gilt mit Ausnahme Savoyens und mit Einschränkungen für die Bretagne auch für die übrigen französischen Herzogshöfe – quantitativ-seriell eine sehr viel ungünstigere ist als im burgundischen Fall. Auch hat die Forschung bislang kunsthistorische und, unter dem Gesichtspunkt der Genese des modernen Staats, institutionengeschichtliche Fragestellungen bevorzugt, die zwar Finanzverwaltung und Parlament, kaum jedoch den Hof in seiner Gesamtheit in den Blick nahmen. Und schließlich fällt der Königshof über lange Zeit für einen direkten Vergleich aus. Nach seiner hohen Blütezeit um 1400, in der das königliche hôtel Modell der in Paris residierenden Herzöge (Berry, Orléans, Burgund, Bourbon) war, sorgten Bürgerkrieg und Krieg für eine Eklipse, die bis zum Ende der Regierungszeit Ludwigs XI. dauerte. Nach Modellübernahmen und gegenseitiger Beeinflussung ist daher eher auf der Ebene der französischen Fürstenhöfe zu suchen, die seit der Mitte des 15. Jahrhunderts einen neuen Aufschwung nahmen, wie der Hof des Réné von Anjou in Tarascon und Aix oder derjenige der Bourbonen in Moulins. Gerade am letztgenannten Fall lassen sich Übernahmen von Modellen, vermittelt durch Heiratsverbindungen und die Erziehung von Fürstenkindern an befreundeten Höfen, deutlich machen, bei denen es sich aber nicht um burgundische handeln musste (O. Mattéoni). Will man nicht von vornherein einen Vergleich zwischen einem altetablierten königlichen Hof und demjenigen fürstlicher Emporkömmlinge ausschließen, dann könnte derjenige mit dem englischen Königshof von besonderem Interesse sein. Denn anders als von der bisherigen Forschung vermutet, ist wohl weniger von englischer Nachahmung burgundischer Vorbilder als zumindest von einem gleichberechtigten Austauschverhältnis auszugehen, von einer auf beiden Seiten kreativen Rezeption (M. Vale). Spannender noch wird diese Gegenüberstellung, wenn man das englische 15. Jahrhundert etwas genauer in den Blick nimmt. Denn mit dem Tod Heinrichs V. geriet erst die englische Politik durch fortgesetzte militärische und diplomatische Niederlagen in die Krise und bald darauf das Königtum selbst. Nicht nur sind die Thronprätendenten ähnliche Aufsteiger wie die burgundischen Valois, auch dürfte ihr Streben nach Erfolg und Legitimität sie nicht nur für die englischen Traditionen besserer Tage, sondern auch für fremde, überlegene 'Modelle' offen gemacht haben. Zudem sollte man durchaus auch im englischen Herrschaftsbereich weitere Vergleichsmöglichkeiten suchen. Als relativ frühes Beispiel sei hier nur der Hof Herzog Johanns von Bedford genannt, der als Regent und Statthalter des minderjährigen Heinrich VI. im englisch besetzten Frankreich amtierte und mit Anna von Burgund, einer Schwester Philipps des Guten, verheiratet war. Im Rahmen der insgesamt noch jungen komparatistischen Hofforschung dürften die französischen und englischen Höfe in Hinsicht auf Burgund die Arbeit besonders lohnen.

Table ronde: L’Italie

R. Fubini betonte im Blick auf Italien und Burgund die Gemeinsamkeiten trotz räumlicher Entfernung. So war Burgund ebenso wie der florentinische Staat und das mailändische Herzogtum ein staatliches Gebilde ohne historische Tradition, das seinen Aufstieg der Auflösung traditioneller Legitimationsmuster in der Krise der alten politischen Mächte verdankte: Die Schwäche des Reiches wurde notorisch, Frankreich versank im Bürgerkrieg und war weder in seinen östlichen und südöstlichen Reichsteilen noch in Italien zur Intervention in der Lage, das Papsttum durch das Schisma ausgeschaltet. Zu direkten politischen Nord-Süd-Kontakten kam es nur vorübergehend, dann jedoch intensiv: Während sie bis 1406 mit Florenz bestanden, wurden die Beziehungen zu Mailand erst unter Karl dem Kühnen bedeutend. Von Dauer und großer Wichtigkeit war hingegen der wirtschaftliche Austausch, blieben gerade auch die finanziellen Beziehungen zwischen dem italienischen Norden, Florenz und Flandern. Die strukturellen Unterschiede zwischen den Kernregionen der Herzogtümer Mailand und Burgund hob dagegen G. Chittolini hervor. Während Flandern eine mannigfaltige Stadtlandschaft mit mehreren großen Zentren und einer Vielzahl kleinerer Städte vorweisen konnte, fanden sich im mailändischen Herrschaftsbereich nur drei bis vier als cittá bezeichnete Städte. Diese Bischofssitze – alle deutlich kleiner als Mailand – hatten vor ihrer Unterwerfung bereits eigene Herrschaftsbereiche ausgebildet und damit eine weitere Ebene etabliert, auf die ihr Unabhängigkeitsstreben rekurrieren konnte. Den großen flandrischen Städten gelang hingegen die Behauptung eines quartier nicht, ihre Stellung innerhalb der Grafschaft Flandern war vergleichsweise schwächer als diejenige ihrer lombardischen Schwestern. Ein ähnlicher Unterschied bestand auch zwischen Burgund und Florenz: Denn während die burgundische Expansion auf einen lehnsrechtlich integrierten Herrschaftsverband zielte, entstand dort fast zu gleicher Zeit ein von der Stadtrepublik unterworfener Territorialstaat, in den bspw. Pisa durch Annexion 'eingebunden' wurde. Daneben wies L. Tanzini aber auf wichtige Parallelen in der Herrschaftspraxis dieser neuen Staaten hin: Die Schriftlichkeit erhielt in der Finanzverwaltung, in der Diplomatie und bei der Dokumentation der Stadtrechte eine geradezu symbolhaft bedeutsame Rolle, die den Aufstieg des Kanzleramts (Salutati, Canard, Rolin) begründete. Kontinuierlicher wirtschaftlicher Austausch und zeitweise enge politische Beziehungen lassen sich konstatieren; einen Hof hingegen, dem Burgund als Vorbild hätte dienen können, kannte das republikanisch geprägte Florenz erst unter Lorenzo dem Prächtigen – zu einem Zeitpunkt, als das burgundische Modell bereits Geschichte zu werden begann. Der Beitrag von G. Guerzoni zum Hof oder besser den Höfen und Haushaltungen der Este in Modena und Ferrara untersuchte nicht den möglichen Einfluss des burgundischen Modells, sondern analysierte Entstehung, Bestand und Wandel bzw. Auflösung von Höfen und auch von Nebenhöfen einzelner Mitglieder der Dynastie. Von allgemeinem Interesse für die Leitfragen der Tagung waren aber seine Beobachtungen zu 'weiblichen' Nebenhöfen, weil sich an ihnen – wenn es sich denn um solche aus der Fremde stammender fürstlicher Ehefrauen handelte – ausländische Hofmitglieder und der von ihnen ausgehende ggf. burgundische Einfluss konzentrierten. Der anschließend von I. Lazzarini vorgestellte Fürstenhof der Gonzaga kannte nur episodischen Kontakt zum Hof Karls des Kühnen. Die politischen Verhältnisse diktierten in Mantua andere Regeln; zum Mittelpunkt wurde der Fürstenhof dort erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Auch ihre humanistischen Interessen verwiesen die Fürsten nicht auf Burgund – flämische Künstler waren in Mantua nicht zu finden. Einen Kontrapunkt zu diesem eher ernüchternden Italien-Überblick setzte dann aber G. Toscano. Für die Könige von Aragón, Alphons V. den Großmütigen und seinen Nachfolger Ferrante, und deren Hof in Neapel war Burgund ein konstanter Bezugspunkt. Stand bereits Alphons – erstes königliches Mitglied des Goldenen Vlieses und Erster einer sich schon im 15. Jahrhundert anschließenden Reihe aragonesischer Könige im Orden – in engen und dauernden diplomatischen Beziehungen zu Philipp dem Guten, so setzte sich diese Bindung auch in der Zeit Karls des Kühnen und Ferrantes fort, der seinen eigenen Sohn wiederum als Heiratskandidaten für Maria von Burgund nach Brüssel sandte. Mehr als bislang wahrgenommen und stärker als anderswo in Italien wurde aber auch die burgundische – oder eben doch die niederländische – Malerei zum hochgepriesenen Muster der regionalen Produktion. Jan van Eyck und Roger van der Weyden zählten in Neapel mit zu den besten Malern ihrer Zeit, die königliche Sammlung beherbergte bedeutende ihrer Werke, der Malernachwuchs wurde an burgundischen Beispielen geschult.

Table ronde 8: La péninsule ibérique

Der Beitrag über dieses wahrhaft mittelmeerische Königreich war nach der Zerstörung des Archivs von Neapel nur noch dank der Überlieferungen in Barcelona und Valencia möglich, womit denn tatsächlich schon der Sprung auf die Iberische Halbinsel getan ist. Neapel-Aragón, Kastilien, Portugal, Navarra: Ist es müßig, auch hier wieder nach der Zulässigkeit des Vergleichs mit Königreichen zu fragen? A. Rucquoi jedenfalls ließ ihn zu. Sie verwies auf die in den Beiträgen nachgewiesene Vielfalt der Kontakte, die durch antifranzösische Allianzen, künstlerischen und allgemein kulturellen Austausch durch Reisende in beiden Richtungen, durch fahrende Ritter und junge Verwandte auf früher Kavalierstour zustande kamen. Vergessen werden dürfen darüber nicht die lange Reihe der mit spanischer Wolle nach Flandern segelnden und nicht selten mit flämischer Kunst nach Spanien zurückkehrenden Schiffe und der stete Strom adliger, ja sogar fürstlicher Jakobspilger. Es handelte sich dabei jedoch niemals nur um bilateralen Austausch. Das Kastilien der Trastámara unterhielt zwar enge Verbindungen in die Niederlande (Wollhandel mit Flandern) und war zeitweise auch Frankreichs Bündnispartner, von besonderer Wichtigkeit waren jedoch die Bindungen an England. Dementsprechend finden sich am kastilischen Hof unterschiedlichste Einflüsse, nicht nur burgundische – wobei A. Fernandez de Córdova auch in diesem Zusammenhang auf definitorische Probleme mit diesem Begriff verwies, die noch durch die in den zeitgenössischen Quellen im Bereich der Kunst vorkommende synonyme Verwendung von 'burgundisch' und 'französisch' verstärkt werden. Bemerkenswert ist die gegenseitige Beeinflussung im Bereich des ritterlichen Turnierwesens (Übernahme des pas d'armes am burgundischen Hof) und des Hofzeremoniells, das allerdings burgundische Gäste aufgrund sehr ausgeprägter kastilischer Traditionen durchaus auch befremden konnte. Die Eheschließung Isabellas von Portugal mit Philipp dem Guten und die mittlerweile gut erforschte Kooperation im Bereich der Seefahrt und Kreuzzugspolitik verdecken, dass Portugal nicht erst mit dieser Allianz Anschluss an die Wege kulturellen Austauschs der Höfe auch jenseits der Iberischen Halbinsel gefunden hatte (R. Costa Gomes). Insbesondere der englische Königshof war hier wichtig, der – darauf sei nochmals verwiesen – auch als Konkurrent Burgunds intensives und differenzierteres Interesse verdiente. Gleichwohl ist natürlich die 'portugiesische Heirat' Ausgangspunkt für eine verstärkte gegenseitige Beeinflussung geworden, die allerdings aufgrund der teils sehr unterschiedlichen Strukturen dieser Höfe an Grenzen stieß. Die personelle Seite des Austauschs erhellen prosopographische Untersuchungen zu den Mitgliedern dieses burgundo-portugiesischen Personenkreises. Darüber hinaus ist dem Frühhumanismus am portugiesischen Hof Aufmerksamkeit zu schenken, weil sich hier ein Austauschdreieck Portugal - Burgund - Italien abzuzeichnen begann. Wiederum eine Heirat, diesmal diejenige der Agnes von Kleve, einer Nichte Philipps des Guten, mit dem Fürsten von Viana 1439, war Anlass, danach zu fragen, ob sich das seit Anfang des 15. Jahrhunderts bestehende politische Bündnis mit Navarra in dieser Glanzperiode des burgundischen Hofes zu einem kulturellen Austauschverhältnis weitete (M. Narbona Cárceles). Zwar wurde ein Heroldswesen nach burgundischem Muster aufgebaut, aber schon bei der Einführung des befristeten Hofdienstes folgte man möglicherweise dem älteren französischen Vorbild. Schließlich fand sich auch Ablehnung der Navarresen für die ihnen unverständlichen höfischen Verhaltensweisen Burgunds. Allerdings hat die Erforschung des navarresischen Hofes für diesen Zeitraum erst begonnen.

Table ronde 9: Le cas d’Empire, de l’Espagne habsbourgeoise et de Pologne : imitation, invention d’une tradition, refus?

Einen zeitlich und räumlich sehr ausgedehnten, thematisch heterogenen Gesprächskreis hatte H. Müller zu moderieren, der sich in seiner Zusammensetzung durch die Abwesenheit zweier Beiträger (J. Martínez Millán [habsburgisches Spanien], R. Skowron [Polen]) und die Mitwirkung von K.-H. Spieß (Reich) noch kurzfristig verändert hatte.

Erst nach dem Vertrag von Arras 1435 konnte sich die burgundische Politik unter Philipp dem Guten verstärkt dem Reich zuwenden, wo er bei Kaiser und Fürsten Unterstützung für seine Kreuzzugspläne suchte und möglicherweise die Chancen einer Königserhebung sondierte. Wenn sich die Kontakte unter Karl dem Kühnen auch verdichteten, hielt man auf deutscher Seite doch auf Distanz zu der fremden, streng reglementierten Welt dieses Herzogs; lediglich kleine, ehrgeizige Adlige aus dem Reichswesten traten in seine Dienste (C. Sieber-Lehmann). Selbst die ostentative Prachtentfaltung dieses militärischen 'Hofes' vor Neuss zog nur kaiserliche Söldner an; die Fürsten, ob nun aus Neid oder im Streben nach stolzer Abgrenzung, blieben fern. Was die Faszination Karls bis heute ausmachen könnte, auf sie wirkte es nicht. Denn präfigurierte dieser Herzog, so Sieber-Lehmann, mit seinem Politikstil nicht Macchiavellis principe, stand er mit seiner Kenntnis der neuen kulturellen Strömungen Italiens nicht am Beginn einer nordischen Renaissance? K.-H. Spieß wollte dieses fürstliche Desinteresse strukturell begründen. Sahen sich doch die Reichsfürsten als eine Genossenschaft mehr oder minder Gleicher, die solche Gemeinschaft auf Turnieren, Festen und beim gemeinsamen Reichstagsbesuch demonstrierte. Der unersättlich strebende Großfürst fand in dieser Welt keinen Platz. Selbst wenn, wie in den Briefen des Albrecht Achilles von Brandenburg, von Hofkultur die Rede ist, wird Burgund nicht erwähnt. Und Karls Geschenk eines kurzen Rockes an den verlegenen Friedrich den Siegreichen, so die Anekdote, führte am pfälzischen Hof nur zu sofortigem Verbot burgundischer Mode. Genauso eindeutig war auch die Ablehnung durch die von burgundischer Expansion am Oberrhein und den savoyischen Plänen Karls bedrohten Eidgenossen unter Führung des republikanischen Bern. Oder will uns das die zeitgenössische Chronistik nur glauben machen, fragte U. M. Zahnd. Denn tatsächlich waren die politischen Beziehungen vor 1470 geradezu freundschaftlich, Söhne vornehmer Schweizer Familien wurden im Bestreben, ihnen später den Zugang zum Herzogshof zu eröffnen, in adligen burgundischen Familien erzogen, das kulturelle Modell Burgund besaß Anziehungskraft. Die Eidgenossen und Burgund, das ist auch Wahrnehmungsgeschichte mit Grandson und Murten als Höhepunkt schweizerischer Geschichte: ein Geschichtsbild, das nicht zufällig mit dem gesellschaftlichen Wandel der 1960er/1970er-Jahre fragwürdig geworden ist. Korrekturen der älteren Forschung sind auch im Blick auf die austro-burgundische Rezeptionsgeschichte zu vermelden (H. Noflatscher). Wenn sich schon Maximilian I. in seiner Politik und in seinem Selbstverständnis nicht allein von burgundischen Einflüssen bestimmen ließ, so trat mit der Wendung der deutschen Habsburger nach Südosten selbst die Erinnerung an das burgundische 'Goldene Zeitalter' in den Hintergrund. Gilt dies für memoria und frühneuzeitliche Geschichtsschreibung, so sind auch für Hof und Herrschaftspraxis Einschränkungen zu machen. Zwar profitierten kaiserliche Herrscherpropaganda und heimische Finanzverwaltung von der Weitergabe überlegenen burgundischen Wissens, aber der 'österreichische' Hof Maximilians blieb im Vergleich zu dem des Teméraire recht bescheiden und beherbergte auch nur wenige Burgunder. Weder folgte der 1498 eingerichtete Hofrat burgundischem Muster, sondern wohl eher dem Vorbild des französischen Grand Conseil, noch wollte sich Maximilian dem rigiden burgundischen Hofzeremoniell beugen. Immerhin: In seiner Liebe für Inszenierung und Turnierwesen war Maximilian Burgunder, auch im Militär- und Waffenwesen wurden manche Reformen Karls des Kühnen aufgenommen – aber die entscheidenden Anregungen kamen hier direkt aus Norditalien. Mithin hat der Habsburger also kein zentrales Element seiner Hoforganisation burgundischen Modellen nachgeformt; sie werden erst im Verlauf des 16. Jahrhundert und dann über Spanien vermittelt am Kaiserhof Wirkung entfalten. Dort, in Spanien, ist J. Martínez Millán den Wegen der burgundischen Hofordnung bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts gefolgt. Philipp der Schöne und Karl V. hatten neben den bereits existierenden Höfen auch einen burgundischen einrichten lassen, der von Anfang an ein Übergewicht erhielt. Zudem ordnete Karl 1548 die Einführung des burgundischen Hofzeremoniells am Hof seines Sohnes, Philipps II., an. Dieser Hof – und dies hat J. Martínez Millán detailliert nachgezeichnet – bestand trotz ständiger fremdenfeindlicher Konflikte und trotz der seit Mitte des 17. Jahrhunderts permanenten Wirtschafts- und Finanzkrise der Monarchie bis in die Regierungszeit der Bourbonen weiter. Welche Bedeutung aber hatte dieser ominöse Begriff 'Burgund' im frühneuzeitlichen Spanien? Lag tatsächlich noch ein Rückbezug auf Karl den Kühnen vor oder meinte man Karl V.? Hofzeremoniell und Herrscherrepräsentation – untersucht von R. Skowron am Beispiel von Thronerhebung und Begräbnis – waren in Polen Ergebnis einer Verschmelzung heimischer und fremder Einflüsse, die im Laufe eines von ihm als Europäisierung bezeichneten Prozesses wichtiger wurden. Aber wie passten eventuell von den österreichischen Habsburgern vermittelte burgundische Formen zur polnischen Adelsrepublik – deren Königshof sich bei großen Gelegenheiten aber in glänzendster Weise eines gemeineuropäischen Zeremoniells zu bedienen wusste? Die Forschung, von einer schwierigen Quellenlage behindert, steht hier noch am Anfang.

Zusammenfassung

Diese Feststellung gilt, wenn auch nicht für manche Einzelfragen, so doch gewiss für den hier auf Burgund bezogenen Gesamtbereich vergleichender Hofforschung. Eine Summe zu ziehen, fiel daher nicht nur WIM BLOCKMANS in seinem Schlusswort schwer, auch hier soll es nicht versucht werden. Stattdessen seien abschließend einige der in den sehr lebhaft geführten Diskussionen vorgebrachten Anregungen gebündelt. Zum Teil zielten sie auf eine Ausweitung des Forschungsfeldes. Neben so vielen Höfen fehlte der lange Zeit bestorganisierte und durch permanenten Kontakt den anderen Höfen wohlbekannte, der vornehmste Hof Europas ¬– die päpstliche Kurie mit ihren zahlreichen kardinalizischen Nebenhöfen. P. Contamine wies wenigstens kurz auf den Papsthof hin, aber hätte ihm als auch für Burgund relevantem Modell im Bereich der Diplomatie, der Finanzen, der Musik nicht größere Aufmerksamkeit gebührt? Das geistliche Element, das die Höfe christlicher Fürsten doch wesentlich mitprägte, scheint der Hofforschung fast ganz aus dem Blick geraten. Bevor man sich allerdings in Gefahr begibt, auf der Suche nach einem burgundischen Modell spirituellen Interesses in neue Unwägbarkeiten zu geraten, wären vielleicht auch Themen wie Organisation und Rolle der Hofgeistlichkeit (so der Beichtväter und Almosenmeister), Fragen nach einer besonderen höfischen Liturgie, nach der Verehrung und Instrumentalisierung bestimmter Heiliger, nach der Nutzung kirchlicher Ressourcen für den Hof zu stellen.

Und wiederum von P. Contamine angesprochen: Wie steht es mit der Jagd, diesem exklusiv adligen Zeitvertreib in seiner Sonderform der höfischen Jagd? Man denke hier nur an Philipp den Kühnen, maître à nous tous qui sommes du métier de vénerie, wie Gaston Phoebus von ihm sagte, oder an das ephemere Jagd- und Lustschloss Hesdin als ersten Ansatzpunkt.

Daneben wären aber auch Vorhaben jüngerer Forscher nochmals hervorzuheben. So verdient das Projekt von Torsten Hiltmann, der seine Erfassung der „Herolde in burgundischen Quellen“ auf weitere Quellenbestände zunächst einmal Westeuropas ausweiten will, besonderes Interesse, weil mit dem Heroldswesen nicht nur eine für die ritterlich-adlige Kultur zentrale Institution in den Blick genommen wird, sondern weil wir es bei den Herolden mit wichtigen Protagonisten des Austauschs zwischen den Höfen zu tun haben. Franck Viltart zielt mit seinem Beitrag zu den Militärordonnanzen Karls des Kühnen ebenfalls in eine – so zeigten es Einzelfragen in den verschiedenen Beiträgen – auch als solche empfundene Forschungslücke. Die Interdependenz von Militärreformen im spätmittelalterlichen Europa wäre möglicherweise gerade an Burgund in besonders überzeugender Weise zu exemplifizieren.

'Burgund', 'burgundisch': Bei allem Willen zur Interdisziplinarität darf man sich kritisch fragen, ob dabei die Kunstgeschichte mit ihren eigenen definitorischen Problemen eine große Hilfe sein kann. Auf jeden Fall haben die Beiträge und die Diskussionen vielfältige Anregungen und erste Ergebnisse zu einer begriffsgeschichtlichen Klärung gebracht. Gerade mit Blick auf die Frühe Neuzeit sollte diese Arbeit fortgeführt werden.

Wenn am Pariser Institut eine Ära zu Ende gegangen ist, dann nicht ohne der europäischen Hofforschung mit dieser Tagung viele, lange weiterwirkende Anstöße gegeben zu haben.

Kurzübersicht:

Introduction: La fin du mythe bourguignon ?
(Werner Paravicini, Paris)
De belles archives, de grandes richesses, une historiographie hors pair ?

Table ronde 1 : Des archives incomparables ?

Rapporteur : Jean Richard, membre de l'Institut (Dijon)
- Les archives des ducs de Bourgogne: tradition, inventaires, publications
(Bertrand Schnerb, Lille/Paris)
- Les archives de l’hôtel de Bourgogne (Sébastien Hamel, Paris/Montréal)
- Les archives bourguignonnes, les plus riches d’Europe? (Pierre Cockshaw, Bruxelles)

Table ronde 2 : Richesse, historiographie, perception

Rapporteur : Claude Thiry (Louvain-la-Neuve)
- Le plus riche prince d'Occident ? (Jean François Lassalmonie, Paris)
- L’historiographie bourguignonne, une historiographie aveuglante ?
(Jean Devaux, Dunkerque)
- Une admiration sans faille ? La cour de Bourgogne vue de l’extérieur (récits de voyage, dépêches des ambassadeurs, correspondances) (Ludwig Vones, Cologne)

Y a-t-il un style bourguignon?

Table ronde 3 : Un État inventeur de formes d'organisation ?

Rapporteur : Jean-Marie Cauchies (Bruxelles)
- Organiser l’ordre : l’organisation curiale au bas Moyen Âge sous l’angle de la théorie économique (Ulrich Christian Ewert, Chemnitz)
- L’État bourguignon, un État inventeur où les limites de l’invention (Marc Boone, Gand)
- La garde et les ordonnances militaires de Charles le Téméraire, des modèles militaires ?
(Franck Viltart, Paris / Lille)
- Une diplomatie modèle ? (Anne-Brigitte Spitzbarth, Lille)

Table ronde 4 : Un État de noblesse et de chevalerie ?

Rapporteur : Jacques Paviot (Paris)
- Das mystère des Ordens vom Goldenen Vließ. Ein Symbol adeliger Elite und Instrument fürstlicher Macht im ausgehenden Mittelalter (Gert Melville, Dresde)
- Noblesse et chevalerie comme idéologie princière? (Klaus Oschema, Heidelberg)
- Tournois et héraudie: une avance bourguignonne? (Torsten Hiltmann, Paris)
- La ville: creuset des cultures urbaine et princière dans les anciens Pays-Bas bourguignons (Elodie Lecuppre-Desjardin, Lille)

Table ronde 5 : Les beaux-arts: vers l’innovation ?

Rapporteur : Anne-Marie Legaré (Lille)
- A Complex Product: Tapestry in the Burgundian Netherlands, c.1363–1450
(Katherine Anne Wilson, Glasgow)
- « En ramembrance de ses prédécesseurs » : tendances de la sculpture officielle sous Philippe le Bon et Charles le Téméraire (Ludovic Nys, Valenciennes)
- La littérature française à la cour de Bourgogne : une définition ?
(Tania van Hemelryck, Louvain-La-Neuve)
- Un style de manuscrits enluminés? (Hanno Wijsman, Leyde)
- Le mécénat musical bourguignon (David Fiala, Rouen)

Présences, transferts, croisements : l’Europe et la cour de Bourgogne

Table ronde 6: France, Angleterre, Écosse

Rapporteur : Philippe Contamine, membre de l'Institut (Paris)
- Les cours en France (fin XIVe - fin XVe siècle) (Olivier Mattéoni, Paris)
- England: simple imitation or fruitful reciprocity? (Malcolm Vale, Oxford)
- The Scottish court in the fifteenth century: the view from Burgundy
(Graeme Small, Glasgow)

Table ronde 7 : L’Italie

Rapporteur : Ricardo Fubini (Florence)
- Florence et la Bourgogne: relations et transformations de deux États
à la fin du Moyen Âge (Lorenzo Tanzini, Cagliari)
- Paysages urbains dans le comté de Flandre et le duché de Milan au XVe siècle
(Giorgio Chittolini, Milan)
- Familia, Corte, Casa. The Este case in the XV-XVIth centuries
(Guido Guerzoni, Milan/Venice)
- Mantoue (Isabella Lazzarini, Molise)
- Naples et le Nord à l’époque des rois d’Aragon (1442-1494)
(Gennaro Toscano, Lille III)

Table ronde 8 : La péninsule ibérique

Rapporteur : Adeline Rucquoi (Paris)
- L’impact de la Bourgogne à la cour castillane des Trastamare
(Alváro Fernández de Cordova Miralles, Pampelune)
- La cour du Portugal et la cour de Bourgogne au XVe siècle
(Rita Costa Gomes, Towson, Maryland)
- Agnès de Clèves et la cour de Navarre (María Narbona Carcéles, Pampelune)

Table ronde 9 : Les cas de l’Empire, de l’Espagne habsbourgeoise et de la Pologne : imitation, invention d’une tradition, refus ?

Rapporteur: Heribert Müller (Francfort-sur-le-Main)
- L’attraction bourguignonne dans l’Empire (Claudius Sieber-Lehmann, Bâle)
- Burgund und die Eidgenossen Nachbarn werden Gegner - Alltag und zeitgenössische Chronistik (Urs M. Zahnd, Berne)
De Maximilien à Philippe le Beau: le cas austro-bourguignon
(Heinz Noflatscher, Innsbruck)
The triumph of the house of Burgundy in the monarchy of Spain: From Philip the Handsome (1502) to Ferdinand VI (1749) (José Martínez Millán, Madrid)
Ceremonial – Etiquette – Residence. Europeanism and Indigienous Traditions of the Court of the Polish Kings (1370-1648) (Ryszard Skowron, Cracovie)

Le rayonnement et les limites d’un modèle culturel
par Wim Blockmans (Wassenaar)

Zitation
Tagungsbericht: La cour de Bourgogne et l’Europe. Le rayonnement et les limites d’un modèle culturel, 09.10.2007 – 11.10.2007 Paris, in: H-Soz-Kult, 18.11.2008, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2387>.