Mit Feder und Schwert. Militär und Wissenschaft - Wissenschaftler und Krieg

Ort
Berlin
Veranstalter
DFG-Schwerpunktprogramms 1143 "Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Deutschland im internationalen Zusammenhang im späten 19. und im 20. Jahrhundert. Personen, Institutionen, Diskurse"; Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften, Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
Datum
15.01.2009 - 17.01.2009
Von
Torsten Kahlert, Institut für Geschichtswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin

Im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Deutschland im internationalen Zusammenhang im späten 19. und im 20. Jahrhundert. Personen, Institutionen und Diskurse“ veranstaltete der Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin vom 15.-17. Januar 2009 in Berlin einen Workshop, der in sechs Sektionen das Verhältnis von Militär und Wissenschaft bzw. Wissenschaftlern und Krieg unter dem Titel „Mit Feder und Schwert“ behandelte. Die Organisatoren Matthias Berg, Jens Thiel und Peter Th. Walther betonten in ihrer Einleitung, dass vor allem strukturelle und habituelle Bezüge des Verhältnisses von Wissenschaft und Krieg zu erfragen sein werden und die Verschränkungen von wissenschaftlicher, kriegsrelevanter und militärischer Praxis im Mittelpunkt stehen soll.

Im einführenden Abendvortrag gab RÜDIGER HACHTMANN (Potsdam) einen weit ausgreifenden Überblick über die Militarisierung der Wissenschaften und die Verwissenschaftlichung des Militärischen. Als Schwelle für eine neuartige Verschränkung benannte er die Zeit der Hochindustrialisierung ab den 1880er-Jahren. Den eigentlichen Quantensprung der wissenschaftlichen Kriegsführung bildete der Erste Weltkrieg. Die NS-Zeit wie auch der Beginn des Zweiten Weltkrieges waren hingegen durch keinen Paradigmenwechsel gekennzeichnet. Vielmehr konnte auf bereits eingespielte Verfahrensweisen, Zusammenspiele und Praktiken zurückgegriffen werden, die nun aber jeweils noch intensiviert bzw. radikalisiert wurden. In seinem Fazit betonte Hachtmann, dass die zum gegenseitigen Vorteil gereichende Kooperation von Wissenschaft, Militär und NS-Institutionen nicht als Frage der individuellen Moral, sondern als strukturelles Problem verhandelt werden müsse. Wissenschaft sei prinzipiell mit jedem System kompatibel. Als einzige Lösung bliebe deshalb nur, jeglichem Krieg vorzubeugen.

Über den Rahmen des Schwerpunktprogramms hinausgehend hatten die Organisatoren den zeitlichen Horizont der Beiträge nicht auf die beiden Weltkriege beschränkt. Die erste Sektion setzte deshalb schon im frühen 19. Jahrhundert an. SVEN HAASE (Berlin) und KLAUS RIES (Jena) behandelten in ihren Vorträgen das „Kriegserlebnis 1813“. Haase ging in seinem Vortrag von der Frage aus, wie sich der neuhumanistisch-idealistische Gelehrte zum Krieg verhielt. In drei Teilen behandelte er Ereignis, Struktur und Literarisierung des „patriotischen Ernstfalls“ von 1813. Zum Ereignis wurde Fichtes letzte Vorlesung an der Berliner Universität am 19. Februar 1813, die dieser aus aktuellem Anlass änderte. Unter Umdeutung seiner eigenen Philosophie rief Fichte mehr oder weniger offen zur aktiven Teilnahme an den Befreiungskriegen aufrief, denn „wenn eine Gesellschaft sich befreie, stünden auch die Gebildeten in der Pflicht.“ Strukturell sah Haase neben den wenigen an der Front Beteiligten den wichtigsten Beitrag der Gelehrten darin, dass sie gleichsam die Feder selbst zum Schwert machen und zur ideologischen Unterfütterung sowie heilsgeschichtlichen und religiösen Ausdeutung beitrugen.

Die von Haase unter dem Punkt der Literarisierung erwähnte Konstruktion einer Kollektiverfahrung wurde im anschließenden Beitrag von Klaus Ries mit der „Bildung einer intergenerationellen Wertegemeinschaft aus dem Geiste des Freiheitskrieges“ auf einen Begriff gebracht. Ries betrachtete die kommunikativen und diskursiven Wirkungen des Krieges, in deren Zentrum er die Werteänderung von „Ehre“ und „Nation“ sah. Der Nationsbegriff, so Ries, wandelte sich in der kurzen Zeit zwischen 1806/07 und 1814/15 von einem defensiven zu einem offensiven Begriff und avancierte zum obersten Legitimationswert allen Denkens und Handelns der Kommunikationsgemeinschaft von politischer Professoren- und Studentenschaft. Eine ähnliche Entwicklung nahm die Bedeutung des Begriffs der Ehre, die nun nicht mehr an Standeswürde gebunden, sondern persönliches Menschenrecht geworden war und damit individualisiert wurde. Am Beispiel der Entstehung der ersten Burschenschaft in Jena 1815 vollzog Ries anschließend diese Nationsbildung im Kleinen nach.

In der zweiten Sektion wurde „Krieg als Chance“ thematisiert. CHRISTOPH ROOLF (Düsseldorf) fragte anhand des während des Ersten Weltkriegs am längsten besetzten Landes Belgien danach, was Wissenschaftler motivierte, in Belgien tätig zu werden und welche Auswirkungen diese Tätigkeit hatte. Zunächst charakterisierte Roolf den institutionellen Rahmen des besetzten Belgien im Anschluss an Hans-Ulrich Wehler als eine Reinform der autoritär verfassten deutschen Polykratie, mit fehlender Kontrolle durch eine Zivilgesellschaft und damit der Ermöglichung des unkontrollierten Aufstiegs von zweifelhaften Personen auch im Wissenschaftsbereich. Als Motivationen, in die besetzten Gebiete zu gehen, benannte Roolf „günstige Gelegenheiten“, Vermeidung von Fronteinsatz sowie Karriere- und Wohlstandsverbesserung. Vor allem auf die zahlenmäßig geringeren, länger verweilenden Wissenschaftler hatte der Aufenthalt in Belgien, nach Roolf, biografisch einflussreich gewirkt.

MATTHIAS BERG (Berlin) plädierte in seinem Vortrag dafür, die Betrachtung von Krieg und Frieden bezogen auf Wissenschaft stärker vom militärischen Status zu lösen. Am Beispiel der nationalsozialistischen „Judenforschung“ und der Erbeutung des Archivs des Bankhauses Rothschild in Paris zeigte er auf, wie die eigentliche physische Aneignung der Archivalien nach der Eroberung von Paris auf der lange zuvor vollzogenen wissenschaftlichen Kriegserklärung seitens der „Judenforschung“ basierte, die die Ausschließung des Gegners von den Ressourcen schon vor dem Krieg als Zielstellung postuliert hatte. Die „Judenforschung“, so Berg, war eine Wissenschaft, die den Kriegszustand als Normalzustand erreichen wollte. Insofern sei die Beschlagnahmung von Archivalien weniger Ausdruck einer günstigen Gelegenheit innerhalb der radikalisierten Situation des Krieges, sondern vielmehr Konsequenz einer „grundlegend zum Kriegerischen disponierten Wissenschaft“ gewesen. Als Frage im Raum verblieb, inwiefern dieses Wissenschaftsverständnis als generelles Merkmal nationalsozialistischer Wissenschaft Geltung erlangen könnte.

Die dritte Sektion widmete sich erneut einmal dem Ersten und einmal dem Zweiten Weltkrieg, nun aber mit Fokus auf wissenschaftliche Expertise für den Krieg. ARNE SCHIRRMACHER (Berlin) wandte sich in international vergleichender Perspektive der Frage nach den Wechselwirkungen von angewandter Kriegsforschung und moderner Physik in Deutschland, Frankreich und insbesondere England während des Ersten Weltkrieges zu. Dabei zeigte er auf, wie Kriegserkenntnisse der Schallortung von Geschützen oder der ballistischen Berechnung für neuartige Bedrohungen aus der Luft nach dem Krieg in die „normale“ Wissenschaft wanderten. Am Beispiel des Atom-Orbitals konnte Schirrmacher zeigen, dass die Grundidee der Berechnungen der Elektronenbahnen auf gleichartige Problemlösungen der kriegsrelevanten Berechnungen der Luftabwehr zurückgeführt werden kann.

SABINE SCHLEIERMACHER (Berlin) verdeutlichte in ihrem Vortrag am Beispiel des im Rahmen der Hygieneforschung und der Geomedizin während des Zweiten Weltkriegs entstandenen Seuchenatlas’ die Indienstnahme von medizinischer Forschung für den Krieg. Die Geomedizin wurde begrifflich, in Analogie zu Geopolitik, von Heinz Zeiss, dem späteren Herausgeber des Seuchenatlas Anfang der 1930er-Jahre als Wissenschaft von der raumbezogenen Medizin definiert. Während der NS-Zeit ließ sich die Geomedizin in radikalisierter Form reibungslos mit der rassistischen „Blut und Boden“ Ideologie und dem Postulat vom „Volk ohne Raum“ verbinden. Brisant wurde der ab 1942 herausgegebene Seuchenatlas vor allem deshalb, weil er mit seinen Daten die wissenschaftliche Legitimation für die Selektionen, Umsiedlungen und Vernichtungen von ganzen Bevölkerungsgruppen in den Ostgebieten lieferte. In einem letzten Schritt fragte Schleiermacher nach Fortbestand der Geomedizin nach dem Krieg. Begünstigt durch die wissenschaftliche Anerkennung der geomedizinischen Arbeit durch die Amerikaner, die ebenfalls geografisch-medizinische Forschungen betrieben hatten und unter Auslassung der Rasse- und NS-Geopolitik wurde die Arbeit fortgesetzt und führte zu einem Folgewerk, dem Weltseuchenatlas.

In einem Zusatzvortrag ergänzte FLORIAN SCHMALTZ (Frankfurt am Main) die Sektion um einen Beitrag, der erste Ergebnisse über die Arbeit der Außenstellen der Göttinger Aerodynamischen Versuchsanstalt präsentierte.

In der vierten Sektion stand der in einigen Beiträgen und Diskussionen schon gestreifte Begriff des Habitus des Gelehrten im Krieg im Mittelpunkt. UDO SCHAGEN (Berlin) vom medizinhistorischen Institut der Charité präsentierte einige thesenartige Ergebnisse auf Grundlage von autobiografischen Dokumenten zur habituellen Prägung von Stabs- und Oberstabsärzten im Ersten Weltkrieg, um von diesen aus zu Erklärungsansätzen für die nach wie vor relevante Frage zu kommen, wie Ärzte, die zum Heilen ausgebildet wurden, sich während des Nationalsozialismus an Menschenexperimenten beteiligen konnten. Als ein wichtiges Element für die widerstandslose Hinnahme und Teilnahme an derartigen Experimenten sah Schagen die praktischen Erfahrungen der Ärzte während des Ersten Weltkrieges an. Die dort ausgebildeten Hierarchien und Prägungen wanderten anschließend in das Verhalten im medizinischen Alltag und erschwerten so Diskussionsbereitschaft und Offenheit in Zeiten des Friedens.

Der anschließende Vortrag von JENS THIEL (Berlin) untersuchte die habituellen Veränderungen von jüngeren Wissenschaftlern hauptsächlich aus den Geisteswissenschaften während der NS-Zeit. In einem ersten Schritt verwies Thiel auf die bereits bekannte Militarisierung der Hochschullaufbahn nach 1933. Sichtbare Elemente dieser Militarisierung waren die Demonstration von Mitgliedschaften über das Tragen von Uniformen und Abzeichen sowie die Teilnahme an paramilitärischen Lagern. Leitbild und neuer Wissenschaftlertypus war der politische, kämpfende Soldat im Gegensatz zum traditionellen „Stubengelehrten“. Die habituelle Anpassung an diesen neuen Typus konnte trotz mangelnder Qualifikation zum Karrierefaktor werden, war aber nicht in jedem Fall ausschlaggebend. In einem zweiten Schritt thematisierte Thiel den Krieg als Karrierefaktor. Der Krieg führte in der Regel zu Hemmnissen, Unterbrechungen oder gar zum Abbruch von Karrieren. Für einige eröffnete er aber auch Chancen. Eine Kriegsteilnahme konnte beispielsweise politische Unzuverlässigkeit ausgleichen. Trotz aller Hemmnisse und Unterbrechungen, so Thiels Ausblick, konnte der Kriegseinsatz von Hochschullehrern unter Umständen auch nach Krieg noch von Vorteil sein, etwa wenn es gelang, die vorschriftsmäßig ruhende Parteimitgliedschaft in einen Parteiaustritt umzudeuten.

Der letzte Tag des Workshops begann mit einer Sektion zur Genese von Disziplinen in Krieg und Frieden. MARTIN WINTER (Berlin) befragte das 18. und frühe 19.Jahrhundert danach, ob innerhalb der Entwicklung wissenschaftlicher Bildungseinrichtungen im militärischen Kontext eine Militärwissenschaft oder eine militärische Wissenschaft entstanden sei. Seinen Ausführungen war zu entnehmen, dass es sich innerhalb dieses Zeitraums weniger um eine Disziplingenese einer Militärwissenschaft als vielmehr um eine Professionalisierung der militärischen Wissenschaften unter Beteiligung von Nicht-Militärs handelte.

Auch FRANK REICHHERZERs (Berlin) Vortrag zielte nicht im strengen Sinn auf die Genese einer Disziplin, sondern auf die inhaltliche Ausrichtung der Entstehung der Wehrwissenschaften in der Zwischenkriegszeit einschließlich ihrer Normierungs- und Institutionalisierungsbestrebungen. Die Wehrwissenschaften seien keine Disziplin im klassischen Sinne gewesen, sondern eher als ein wissenschaftliches Feld im Vorstadium einer Disziplinbildung zu begreifen. Sie füllten dabei die inhaltliche Lücke in der mangelnden Ausdeutung des Ersten Weltkrieges seitens des Militärs aus. Wie auch schon Hachtmann in seinem Eingangsvortrag bemühte Reichherzer den Begriff der Bellifizierung der Gesellschaft, um das Ziel der Wehrwissenschaftler zu beschreiben, den Krieg als verbindliche Leitkategorie gesamtgesellschaftlich zu etablieren. Bellifizierung, so Reichherzer, gehe damit weit über Militarisierung hinaus.

Der Vortrag von LEVKE HARDERS (Bielefeld) widmete sich der Entstehung einer Disziplin im Krieg am Beispiel der American Studies. Die American Studies wurden 1939/40 in den USA als interdisziplinäres Fach eingeführt. Harders fragte nach den Legitimationsstrategien für die Etablierung und wie diese das Fach strukturell geprägt haben. Sie betonte, dass insbesondere die Strategie der Legitimierung als ein mit einem gesellschaftlichen Auftrag versehenes Fach den Schlüssel zum Erfolg bildete. Zudem wurde das Studium in den American Studies als patriotischer Akt stilisiert und damit dem Kriegsdienst legitimatorisch gleichgestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es, so Harders, diese Legitimation in die Abwehr von Totalitarismus zu transformieren und somit das Fach zu erhalten.

Nach dem Vortrag von Harders standen in den beiden Vorträgen der letzten Sektion „Frontenwechsel: Exilanten als Experten an der neuen 'Heimatfront'“? erneut die Vereinigten Staaten im Mittelpunkt und zwar nun für die Zeit des Übergangs zum Kalten Krieg. Die Einflusschancen emigrierter Wissenschaftler untersuchte zunächst PETER TH. WALTHER (Berlin) anhand der New School of Social Research (NSSR) und den dort ausgearbeiteten Nachkriegsplanungen. Die NSSR war in Folge eines Protests gegen den Kriegseintritt der USA 1919 als unabhängige Schule gegründet worden. Ab den 1930er-Jahren wurde sie zu einer Auffanginstitution für Emigranten insbesondere aus Deutschland. Walther stellte heraus, dass sich die Nachkriegsplanungen der NSSR kaum von denen des Regierungsgeheimdienstes unterschieden. Trotz dieser Ähnlichkeit gab es offenbar keine Kontakte. Möglicherweise bildete, so Walther, das sozialdemokratisch-liberale Image der NSSR ein unüberbrückbares Hindernis für den militärisch organisierten Geheimdienst.

TIM B. MÜLLER (Berlin) fragte in seinem Vortrag danach, inwiefern und wie geheimdienstliche Expertenarbeit während des Zweiten Weltkrieges in spätere wissenschaftliche Arbeit eingeflossen ist. Müller vollzog am Beispiel einer kleinen, aber einflussreichen deutsch-amerikanischen Gelehrten-Intellektuellengruppe um Herbert Marcuse, Stuart Hughs und anderen nach, wie deren Arbeit beim Kriegsgeheimdienst, dem Office of Strategic Research, einige der wichtigsten Ideen der Nachkriegszeit erzeugte. Beispielsweise wurde das Totalitarismus-Paradigma, so Müller, schon vor seiner Etablierung in der akademischen Öffentlichkeit innerhalb dieser regierungsnahen Forschung für obsolet erklärt. Hingegen spielte schon früh der Begriff der Entspannung eine wichtige Rolle.

In seinem die Arbeitstagung abschließenden Kommentar verwies RÜDIGER VOM BRUCH (Berlin) unter anderem darauf, dass ihm die scheinbar widerspruchslose Verschränkung von angewandter Kriegsforschung und Grundlagenforschung, bzw. die Gleichzeitigkeit von hohem Patriotismus und internationaler Kollegialität weiterhin untersuchenswert erscheint. Dazu wäre auch eine intensivere Einbindung von internationalen Perspektiven notwendig, als bei den Vorträgen sichtbar wurde. Die stärkere Einbeziehung des 19. Jahrhunderts unterstützte vom Bruch, da der Beginn der Durchwissenschaftlichung und damit möglicherweise der Beginn der Wissens- bzw. Wissenschaftsgesellschaft eher hier als im 20. Jahrhundert zu suchen sei. Abschließend betonte vom Bruch, dass die den Workshop prägenden Fragestellungen sich als produktiv und anregend für eine Wissenschaftsgeschichtsschreibung erwiesen haben, die sich den Wechselbeziehungen von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft verpflichtet sieht.

Kurzübersicht

Abendvortrag:
Rüdiger Hachtmann, Potsdam - „Rauher Krieg“ und „friedliche Forschung“? Zur Militarisierung der Wissenschaften und Verwissenschaftlichung des Militärischen im 19. und 20. Jahrhundert

Begrüßung und Einführung (Matthias Berg/Jens Thiel/Peter Th. Walther)

1. Kriegserlebnis 1813 (Leitung: Jens Thiel, Berlin)

Sven Haase, Berlin
Der patriotische Ernstfall: Berliner Professoren & Studenten und die Befreiungskriege 1813

Klaus Ries, Jena
Ehre und Nation: Die Bildung einer intergenerationellen Wertegemeinschaft aus dem Geiste des Freiheitskrieges von 1813

2. Krieg als Chance – wissenschaftliche Ressourcen als Kriegsbeute (Leitung: Michael Grüttner, Berlin)

Christof Roolf, Düsseldorf
Eine „günstige Gelegenheit“? Deutsche Wissenschaftler im besetzten Belgien während des Ersten Weltkrieges (1914–1918)

Matthias Berg, Berlin
„Die 760 Kisten gehen übermorgen nach Frankfurt …“. Von der paradigmatischen zur physischen Aneignung von Archivalien durch die nationalsozialistische „Judenforschung“

3. Wissenschaftliche Expertise für den Krieg (Leitung: Annette Vogt, Berlin)

Arne Schirrmacher, Berlin
Von der Geschossbahn zum Atom-Orbital: Wechselwirkungen von "klassischer" Ballistik und "moderner" Physik durch die Kriegsbeteiligung von Wissenschaftlern im Ersten Weltkrieg

Sabine Schleiermacher, Berlin
Raumplanung und Seuchenbekämpfung: Geomedizin im Dienste der Kriegsführung

4. Vom Habitus des Gelehrten im Krieg (Leitung: Matthias Berg, Berlin)

Udo Schagen, Berlin
Stabsärzte und Oberstabsärzte. Der Erste Weltkrieg als biografische Station von Berliner Professoren der Medizin

Jens Thiel, Berlin
Der Dozent zieht in den Krieg. Militarisierung und Hochschulkarriere 1933-1945

5. Disziplingenese in Krieg und Frieden (Leitung: Helmuth Trischler, München)

Martin Winter, Berlin
Militärwissenschaft oder militärische Wissenschaft? Zur Entwicklung wissenschaftlicher Bildungseinrichtungen im militärischen Kontext im 18. und frühen 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum

Frank Reichherzer, Berlin
Wehrwissenschaften. Der Nexus von Krieg und Wissenschaften zwischen den Weltkriegen

Levke Harders, Bielefeld
„In the face of the national danger, we cannot afford to temporize.“ Disziplingenese und Krieg. American Studies im Zweiten Weltkrieg

6. Frontenwechsel: Exilanten als Experten an der neuen „Heimatfront“? (Leitung: Uta Gerhardt, Heidelberg)

Peter Th. Walther, Berlin
Nachkriegsplanungen an der New School for Social Research

Tim B. Müller, Berlin
Vom Geheimdienst zur Gegenkultur: Eine linksintellektuelle Konstellation im Kalten Krieg

Resümee
Rüdiger vom Bruch, Berlin

Zitation
Tagungsbericht: Mit Feder und Schwert. Militär und Wissenschaft - Wissenschaftler und Krieg, 15.01.2009 – 17.01.2009 Berlin, in: H-Soz-Kult, 02.02.2009, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2506>.