Die Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“. Erschließen – Historisieren – Aufgreifen. Ein Arbeitsgespräch

Ort
Konstanz/Kreuzlingen CH
Veranstalter
Forschungsprojekt „Poetik und Hermeneutik. Eine historische Epistemologie geisteswissenschaftlicher Forschung“ im Rahmen des Exzellenzclusters 16 „Kulturelle Grundlagen von Integration“ an der Universität Konstanz
Datum
29.11.2008 - 30.11.2008
Von
Christopher Möllmann, Konstanz; Alexander Schmitz, Konstanz Email:

Der bisher nicht durch zügellos zur Schau gestellte Exzentrik aufgefallene englische Historiker Mark Goldie hat vor einiger Zeit eine für den britischen Forschungskontext bemerkenswerte, bezogen auf die deutsche Geschichtswissenschaft der letzten Jahrzehnte jedoch komplett fehlgehende, oder aber – je nach Perspektive und Vorliebe – grundstürzend richtige Diagnose formuliert: „It is neither sociology, nor even hermeneutic philosophy, that has had“, behauptet Goldie, „greatest impact on how historians write, but rather literature. Historians of all kinds now think far more carefully about voice, genre, rhetoric and metaphor.“[1] Eine sich gegen Ende gerade einmal auf Bourdieus Kulturmarxismus einlassende historische Sozialwissenschaft Bielefelder Provenienz wäre, gemessen an dieser Diagnose, eher eine Randerscheinung im literarisch reflektierten Tableau geschichtswissenschaftlichen Forschens seit den sechziger Jahren gewesen. Dasselbe würde für weite Teile des sozial-, aber auch des politikgeschichtlichen Hauptstroms gelten. Anders dagegen verhielte es sich mit einer in ihren Erzählverfahren ambitiösen Alltagsgeschichte und historischen Anthropologie – verhielte es sich aber auch mit jener bundesrepublikanischen Verbindung, die Philosophie, Literatur- und Geschichtswissenschaft ab den später fünfziger Jahren eingingen und die sich mit dem ersten Kolloquium der Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“ im Jahre 1963 verfestigte.

Hier wäre ein epistemischer Ort der alten Bundesrepublik zu betreten, an dem die Geisteswissenschaften in der Auseinandersetzung mit literarischen Erzeugnissen der ästhetischen Moderne zueinander fanden und sich auch methodisch neu konsolidierten. Die frühe Phase der bis in die neunziger Jahre hinein fortbestehenden Gruppe „Poetik und Hermeneutik“ stand ganz im Zeichen einer sich intensivierenden Geschichtsreflexion im Medium ästhetischer Kategorien, die in dem von Reinhart Koselleck mitherausgegebenen Band „Geschichte – Ereignis und Erzählung“ zum fünften gemeinsamen Kolloquium ihren ersten publizistischen Kulminationspunkt finden sollte.[2]

Begonnen aber hatte dieses Unternehmen, wie MARGARITA KRANZ (Berlin) in ihrem Beitrag zu dem Konstanzer Arbeitsgespräch zuspitzend resümierte, als Gießener Sezession einer von Hans-Georg Gadamer verantworteten DFG-Senatskommission.[3] Zur bisher weitgehend unbekannten Vorgeschichte von „Poetik und Hermeneutik“ gehörte nämlich diese von Gadamer 1955 als Arbeitsrahmen für den interdisziplinären Dialog in den Geisteswissenschaften angeregte Kommission für begriffsgeschichtliche Forschung. Sie sah, so Kranz, ihre Hauptaufgabe in der Durchführung von Tagungen, auf denen ihre Mitglieder und andere als herausragend wahrgenommene Vertreter vor allem der Literaturwissenschaften, der Philosophie und der Geschichte Impulse für die einzelnen Fächer geben und gemeinsame Arbeitsfelder im Medium der Begriffsgeschichte abstecken sollten. „Es wird dabei erwartet,“ vermerkt der nach der Gründung der Kommission Anfang 1958 abgefasste Jahresbericht in einer zwischenzeitlich bedenklich abgeschliffenen Metaphorik, „dass gerade in der heutigen Zeit die Zusammenführung der verschiedenen Disziplinen auf dem Gebiete der Geisteswissenschaften, die von vielen Seiten immer wieder als dringend notwendig und wünschenswert bezeichnet worden ist, zu einer gegenseitigen Befruchtung führen kann und wird.“ Mit ihrer Einrichtung als einzige geisteswissenschaftliche von zehn Kommissionen wurden, so betonte Kranz, hohe Erwartungen verbunden – die freilich aus Sicht der verantwortlichen Geldgeber und einiger Beteiligter rasch enttäuscht wurden. Die Durchführung der Tagungen erfolgte weniger programmatisch als sporadisch. Die anfangs gehegte Absicht, die auf den Arbeitstagungen geführten Diskussionen zu dokumentieren sowie die Beiträge kursieren und überarbeiten zu lassen, um so das mündliche Gespräch zu einem konzertiert nachhallenden Faktor der formulierten „Ergebnisse“ zu machen, wurde nicht umgesetzt. Die Realität der Tagungen als bloße Gesprächsrunden (eines teilweise, wie Kranz nicht zu unterschlagen vergaß, untereinander recht gut bekannten Altherrenkreises) genügte weder der DFG, die aus diesem Grund die Kommission bereits 1966 wieder auflöste, noch den theoretisch ambitionierteren ‚Jüngeren’, zumal dem Philosophen Hans Blumenberg nicht. Gemeinsam mit dem Romanisten Hans Robert Jauß wollte er ab 1963 durch die Arbeitstagungen der neu gegründeten Gruppe „Poetik und Hermeneutik“, der sich weitere Teilnehmer der Tagungen der Senatskommission anschlossen, einen eigenen, nämlich wirklich konsequent verfolgten interdisziplinären Weg beschreiten.

Den von Kranz ausgelegten Faden nahm JULIA WAGNER (Konstanz) auf und stellte das Grundanliegen ihrer gerade entstehenden wissensgeschichtlichen Dissertation zur Frühphase von „Poetik und Hermeneutik“ (1960-1974) vor. Am Beispiel des Briefwechsels von Blumenberg und Jauß entwarf sie eine Perspektive auf die Wissensgeschichte der Geisteswissenschaften, der weniger an der Rekapitulation von Forschungsergebnissen gelegen ist als daran, in gut Latourscher Manier die Büchse der Pandora zu öffnen und die Hervorbringungsweisen von Wissen, gerade auch in ihren medialen Arrangements, minutiös zu verfolgen. Der Gang ins Archiv erhält seinen Reiz dann nicht nur durch die Bergung des Überraschenden, sondern vor allem dadurch, dass mit ihm die Materialität und die Textsortengebundenheit auch geisteswissenschaftlicher Forschungsprozesse systematisch offen gelegt werden können. Dies aber freilich nicht in der Absicht, Erkenntnisschübe von ihren Verlaufsformen abzuscheiden, sondern beide Dimensionen in ihrem konstitutiven Ineinander darzustellen. WALTER ERHART (Bielefeld) brachte dies auf den Punkt, indem er die im Bereich der Wissenschaftsgeschichte der Naturwissenschaften schon vor Jahren kollabierte Differenz von interner und externer Geschichte nochmals benannte und als regulative Idee verabschiedete. Er selbst widmete sich deshalb auch nicht zufällig einer in den Erkenntnisprozess von „Poetik und Hermeneutik“ durch die Beteiligten selbst hineingetragenen Laboratoriumsmetaphorik. Der Clou seiner Ausführungen lief darauf hinaus, die von Jauß und Wolfgang Iser als Provokation des Etablierten eingeführte Rezeptionsästhetik der späten sechziger Jahre als – um mit einem anderen Bielefelder zu sprechen – „defensive Modernisierung“ zu begreifen, die mit einer „Selbstimmunisierung gegen soziale Strukturfragen“ einherging. Die Gesellschaft als Totalität und – komplementär hierzu – soziologisch inspirierte Forschungsfragen konnten gewissermaßen draußen bleiben. Das Handwerkszeug des Literaturwissenschaftlers wurde vorsichtig ergänzt, blieb jedoch letztlich auf den Text zentriert. Erhart konnte eindrücklich aufzeigen, wie wenig die Impulse etwa des Gruppenmitglieds Siegfried Kracauer aufgenommen oder besser gesagt: wie sehr sie als Provokation der eigenen Wissensbestände erfahren und entsprechend defensiv eingehegt wurden.

Das hier schon anklingende Potenzial zum Zerwürfnis und seine Ausweitungen vor allem auch jenseits des Kreises von „Poetik und Hermeneutik“ wird PETRA BODEN (Berlin) verfolgen, die derzeit ein Projekt zur Kontroversengeschichte in der deutschen Geisteswissenschaft der Nachkriegszeit vorbereitet. Auch ihr war auf dem Konstanzer Treffen daran gelegen, im Bereich der Wissenschaftsforschung seit vielen Jahren etablierte Kategorien – wie zum Beispiel „Labor“ und „Experiment“ – für neuartige Rekonstruktionen geisteswissenschaftlicher Forschungsabläufe abzurufen und auf ihren heuristischen Wert hin zu befragen. Im engeren Kreis der Gruppe selbst, allerdings auch beim Zerwürfnis blieb DORIT KRUSCHE (Marbach). Zuständig für die Erschließung des Blumenberg-Nachlasses, beschäftigte sie sich in ihrem Beitrag mit der oft gestellten Frage nach den Gründen für das Ausscheiden Hans Blumenbergs aus der Forschungsgruppe. Blumenberg engagierte sich anfangs sowohl inhaltlich als auch organisatorisch in hohem Maße für das Unternehmen. Jedoch erschienen ihm der enorme Kraft- und Zeitaufwand zunehmend weniger berechtigt, da er das Projekt einer interdisziplinären Forschungsgruppe mit gemeinsamen Zielen bereits Anfang der siebziger Jahre als gescheitert betrachtete. Die einzelnen Disziplinen hielten an ihren spezifischen Sichtweisen fest, ein wirkliches Übergreifen kam nicht zustande, wobei Blumenberg besonders die Reaktionen auf seine eigenen Beiträge als minimal empfand. Hinzu kam, dass seine gezielt eingesetzten intellektuellen Provokationen mehr zu persönlichen und politischen Zuschreibungen als zu den gewünschten inhaltlichen Auseinandersetzungen führten. Durch die Vergrößerung der Arbeitsgruppe ging schließlich auch der von Blumenberg als konstitutiv erachtete Diskussionszusammenhang verloren; die spezifische Arbeitsweise der Gruppe, die in einem impulsgebenden Referat und seiner direkten Diskussion, der Dokumentation der einzelnen Beiträge durch Protokolle und der Möglichkeit einer späteren nochmaligen Replik bestand. „Poetik und Hermeneutik“ entwickelte sich mehr und mehr zu einer akademischen Tagungsreihe, die für Blumenberg den Charakter eines offenen und unverstellten Arbeitsgesprächs verloren hatte.

OLIVER MÜLLER (Freiburg) ging in seinem Beitrag der Frage nach, in welchem Verhältnis Literatur und Philosophie im Werk Blumenbergs stehen, um von dort eine Perspektive einerseits auf die Gründe für Blumenbergs Beteiligung an dem Projekt „Poetik und Hermeneutik“ (und – wie Krusche zuvor – für sein legendär gewordenes Ausscheiden) zu gewinnen, und andererseits die Bedeutung literaturtheoretischer Reflexionen für seine philosophische Theoriebildung zu skizzieren. Dafür stellte Müller drei verschiedene Phasen der Beschäftigung mit der Literatur im Werk Blumenbergs vor: Erstens die frühen essayistischen Rezensionen für „Hochland“, zweitens die Beiträge für „Poetik und Hermeneutik“ (insbesondere die programmatischen Texte für das erste und vierte Treffen), drittens schließlich das Literarischwerden der Philosophie Blumenbergs seit der Aufnahme seiner Bücher in die „Edition Suhrkamp“. Müller versuchte zu zeigen, dass das „Poetik und Hermeneutik“-Unternehmen in eine entscheidende philosophische Synthesephase fällt, in der Blumenberg anthropologische, phänomenologische, metaphorische, literarische und mythische Figurationen zu verbinden sucht. Insofern konnte er im Austausch mit der Forschergruppe Originäres entwickeln und Grundlegendes ausprobieren – so könnte man das Engagement für den Kreis als eine produktive Phase in Blumenbergs Schaffen bezeichnen, die er aber zugunsten eines eigenen Weges hinter sich ließ.

ALEXANDER SCHMITZ (Konstanz) kam nochmals auf einen Ausgangspunkt des Konstanzer Projekts (vgl. <http://www.exc16.de/cms/275.html>) zu sprechen und charakterisierte die frühe und mittlere Phase der Forschungsgruppe als im Wesentlichen abgeschlossene Formation bundesrepublikanischer Wissensbildung in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Dieser Befund erlaubt es im Grunde nicht, die Geschichte der Nach- und Fortwirkungen von „Poetik und Hermeneutik“ als die eines mehr oder weniger kontinuierlichen Modernisierungs- oder auch Verfallsprozesses in den Wissenschaften zu erzählen. Die legendenhafte Konstruktion eines dynamischen Anfangs mit ungewissen Zielhorizonten, auf die eine vergleichsweise unaufgeregte Ankunft in konsolidierten Verhältnissen folgte, wie Hans-Ulrich Gumbrecht sie bereits 1987 vorlegte, gehört eher auf die Seite einer „Faszinationsgeschichte“ [siehe unten], welche die komplexen Beziehungsgeflechte in lebensgeschichtliche Momentaufnahmen auflöst.[4] Dabei wäre zunächst einmal zu konstatieren, dass eine Vielzahl wissenschaftlicher Gruppen – etwa um Koselleck, Jacob Taubes oder Aleida und Jan Assmann – die Arbeitsweise der Forschungsgruppe nachbilden. Hinsichtlich der systematischen Anschlüsse legte Schmitz eine Perspektive nahe, die die forschungslogischen und theoriepolitischen Optionen innerhalb der Gruppe von der Situierung in gruppenübergreifenden Konstellationen unterschied. Aus dieser Trennung resultieren dann ganz unterschiedliche Sichtweisen auf den progressiven oder konservativen, kontinuierlichen oder idiosynkratischen Charakter der Wissensgeschichte von „Poetik und Hermeneutik“.

Der Ausgangspunkt des Vortrages von CARLOS SPOERHASE (Kiel), der eine Vielzahl zeitgenössischer Reaktionen auf „Poetik und Hermeneutik“ in Tagespresse und Fachzeitschriften recherchiert und aufbereitet hatte, war die Irritation, die sich einstellt, wenn man die über weite Strecken faktisch ausgebliebene wissenschaftliche Wirkungsgeschichte der Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“ mit der allgemeinen Faszinationskraft vergleicht, die die Gruppe bis in die Gegenwart innerhalb und außerhalb der Geisteswissenschaften ausübt. Während zeitnahe Berichte und Rezensionen den Beiträgen eher distanziert oder ratlos gegenüberstanden, konturiert sich so erst auf dem Hintergrund gegenwärtiger Rezeptionslagen eine glorreiche Vergangenheit geisteswissenschaftlicher Forschung. Spoerhase formulierte ausgehend von dieser Irritation erste systematische Überlegungen zu einer faszinationsgeschichtlichen Perspektive in der Wissensgeschichte und diskutierte mehrere mögliche Ursachen für die anhaltende Attraktivität der Forschungsgruppe.

Inwiefern die Erkundungen und Erkenntnisse des Kreises systematisch aufgegriffen werden könnten, versuchte DIRK WERLE (Leipzig) am Beispiel der Kategorien von Kontinuität und Diskontinuität zu zeigen. In seinem Beitrag wurde vorgeführt, dass die Diskussionen über die Begriffe „Ereignis“ und „Epochenschwelle“ auf dem fünften und zwölften Kolloquium, dessen Referate ebenfalls von Koselleck mit herausgegeben wurden, weiterhin überzeugende Befunde für die Theoriebildung in der Ideen- und Literaturgeschichtsschreibung bereitstellen können.[5] Die beiden Kolloquien hingen eng zusammen, insofern es jeweils darum ging, historischen Wandel zwischen Kontinuität und Diskontinuität adäquat zu erfassen, und zwar nicht im Sinne eines bloß ordnenden, ‚nominalistischen‘ Konzepts von Periodisierung, sondern im Sinne der ‚realistischen‘ Erfassung unumkehrbarer, entscheidender Veränderungen. Für eine adäquate Rekonstruktion des Diskussionszusammenhangs stellen die unterschiedlichen Fassungen der Einleitung zum vierten Teil von Blumenbergs „Legitimität der Neuzeit“ einen wichtigen Kontext dar: Die beiden Fassungen von 1966 und 1976 sowie die veröffentlichten „Poetik und Hermeneutik“-Diskussionen 1973 und 1987 müssen, so konnte Werle zeigen, im Sinne eines wechselseitigen Kommentars gelesen werden.

In eine ähnliche Richtung wiesen Vorschläge von CHRISTOPHER MÖLLMANN (Konstanz), dem es ebenfalls darum ging, jenseits der Fallstricke des Historisierens von „Poetik und Hermeneutik“ aktualisierungsfähige Potenziale zu bergen. Zunächst zeigte er vor allem an Blumenberg, Jauß und Odo Marquard, dass wichtige Angehörige des Kreises ihre Beiträge mit einer Parallelreflexion der Interaktionssituationen ausstatteten, in die hinein sie gesprochen wurden. Vor allem Blumenbergs Vorstellung einer durch philosophisches Sprechen konstituierten „Verständigungsgemeinschaft äußerster Instabilität“ schloss auch den Gruppenkontext selbst ein, in dem sein Referat Resonanzen erzeugen sollte. Wer also, so folgerte Möllmann, die Vollzugsformen der Erkenntnisbildung bei „Poetik und Hermeneutik“ nachzuzeichnen beabsichtigt, wird nicht umhin kommen, die kalkulierten Selbstinszenierungen der Beteiligten ihrerseits in den Sog einer Historisierung zu ziehen – statt sich von ihnen vereinnahmen zu lassen und sie als triftige Beschreibungen bloß noch nachzuvollziehen. Dessen ungeachtet lohne es sich aber, gerade die Debatten zum Zusammenhang von Ästhetik und Geschichte, wie sie innerhalb von „Poetik und Hermeneutik“ geführt wurden, als Episode der jüngsten Zeitgeschichte für deren Rekonstruktion nutzbar zu machen. Eine unter Historikern bislang vernachlässigte oder aber auf narrative Spielarten verengte Reflexion genuin ästhetischer Verfahrensweisen, die Darstellungsformen als konstitutiv für den historischen Erkenntnisprozess anerkennt, könnte die Zeitgeschichte bereichern, wie Möllmann anhand einer jüngeren, programmatischen Publikation auf diesem Feld nachzeichnete.[6]

Konferenzübersicht:

Christopher Möllmann, Konstanz
Einführung

I. Erschließen

Margarita Kranz, Berlin
Gescheiterte Kooperation: Die Tagungen der Senatskommission für Begriffsgeschichte
der DFG (1958-1966) als Vorläufer für die Tagungen von „Poetik und Hermeneutik“

Julia Wagner, Konstanz
„Fernkosmetik“ – Der Briefwechsel zwischen Hans Blumenberg und Hans Robert Jauß

Petra Boden, Berlin
Kontroversendenken als Differenzdenken

II. Historisieren

Christopher Möllmann, Konstanz
Einführung

Walter Erhart, Bielefeld
"Wahrscheinlich haben wir beide recht." Diskussion und Dissens unter "Laboratoriumsbedingungen" („Poetik und Hermeneutik“ 1963-1968)

Carlos Spoerhase, Kiel
„Bausteine für den babylonischen Turm“: Zur Faszinationsgeschichte der Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“

III. Aufgreifen

Alexander Schmitz, Konstanz
Einführung

Oliver Müller, Freiburg
Hans Blumenberg und die Literatur im Kontext von „Poetik und Hermeneutik“

Dirk Werle, Leipzig
Konzepte der Ideen- und Literaturgeschichtsschreibung nach „Poetik und Hermeneutik“

Abschlussdiskussion

Anmerkungen:
[1] Mark Goldie, The context of the Foundations, in: Annabel Brett / James Tully (Hrsg.), Rethinking the Foundations of Modern Political Thought, Cambridge 2006, S. 3-19, hier S. 6. Der Sammelband ist der Auseinandersetzung gewidmet mit: Quentin Skinner, The Foundations of Modern Political Thought, 2 Bde., Cambridge 1978.
[2] Reinhart Koselleck / Wolf-Dieter Stempel (Hrsg.), Geschichte – Ereignis und Erzählung [Poetik und Hermeneutik. Arbeitsergebnisse einer Forschungsgruppe V], München 1973.
[3] Für ein kurzes Exposé zu dem Arbeitsgespräch vgl. Christopher Möllmann, „Poetik und Hermeneutik“. Erschließen, Historisieren, Aufgreifen, in: Geschichte der Germanistik. Mitteilungen 33/34 (2008), S. 118-120.
[4] Hans Ulrich Gumbrecht, Moderne Sinnfülle. Vierundzwanzig Jahre „Poetik und Hermeneutik“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.1987.
[5] Reinhart Herzog / Reinhart Koselleck (Hrsg.), Epochenschwelle und Epochenbewusstsein [Poetik und Hermeneutik. Arbeitsergebnisse einer Forschungsgruppe XII], München 1987.
[6] Anselm Doering-Manteuffel / Lutz Raphael, Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008.

Zitation
Tagungsbericht: Die Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“. Erschließen – Historisieren – Aufgreifen. Ein Arbeitsgespräch, 29.11.2008 – 30.11.2008 Konstanz/Kreuzlingen CH, in: H-Soz-Kult, 16.04.2009, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2576>.
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Veröffentlicht am
16.04.2009
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