Politisch-soziale Schlüsselbegriffe in Russland (Petrinische Epoche bis 1914)

Ort
Moskau
Veranstalter
Deutsches Historisches Institut Moskau (DHI Moskau)
Datum
22.04.2010 - 24.04.2010
Von
Stefan Lehr, Historisches Seminar, Abteilung für Osteuropäische Geschichte, Universität Münster

Die russische Begriffsgeschichte zeigt in jüngster Zeit eine rege Aktivität. So finden in diesem Jahr gleich zwei große Konferenzen dazu in Moskau statt.[1] Zudem erschien kürzlich die russische Übersetzung des von Hans Erich Bödeker herausgegebenen Sammelbandes zur Begriffs-, Diskurs- und Metapherngeschichte.[2] Bereits vier Jahre zuvor hatten russische Historiker eine Anthologie zu historischen Begriffen vorgelegt.[3] Einig ist man sich jedoch, dass bei der Erforschung der russischen Begriffsgeschichte weiterhin Nachholbedarf besteht.[4]

So bezweckte die am Deutschen Historischen Institut (DHI) Moskau von Alexej Miller (Moskau) und Ingrid Schierle (Moskau) konzipierte Tagung, der russischen Begriffsgeschichte neue Impulse zu geben. In zehn verschiedenen Sektionen sprachen 28 Historiker/innen zum Thema „Politisch-soziale Schlüsselbegriffe in Russland vom 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts“. Hier kann nur eine Auswahl der Beiträge, die als Sammelband erscheinen sollen, vorgestellt werden.

Viele der Vorträge untersuchten Aspekte wie die Bedeutung, den Bedeutungswandel, die Verwendung und die Übernahme von Begriffen. Die Schwerpunkte lagen methodisch in der historischen Semantik und der Diskursanalyse, thematisch in der Erforschung des 18. Jahrhunderts, des Nationalismus und des Imperiums.

INGRID SCHIERLE erläuterte in ihrer Einführung die Entwicklung der Begriffsgeschichte und historischen Semantik in der deutschsprachigen Historiographie, ALEXEJ MILLER präsentierte kurz deren zeitliche und methodische Entwicklung im russischen Sprachraum.

RICARDA VULPIUS (Berlin/München) stellte aus ihren Arbeiten zum imperialen Bewusstsein der russischen Eliten im 18. Jahrhundert die Semantik der „Zivilisiertheit“ im Zusammenhang mit dem Gefühl der Überlegenheit über Ethnien an der südlichen und östlichen Peripherie des Russländischen Reiches vor. Dabei fragte sie danach, wie und seit wann sich eine imperiale Identität äußerte. Hierzu betrachtete sie die zeitgenössische Verwendung der Begriffe političnyj, ljudskost’, civilizovannost’ und prosveščenie – laut Vulpius Äquivalente von „zivilisiert“, „Zivilisiertheit“ und „Zivilisation“ –, sowie deren Antonyme dikij/dikost’ (wild/Wildheit) und varvar/varvarstvo (Barbar, Barbarei) in den Schriften und Akten der damaligen politischen Elite sowie in Wörterbüchern. Sie stellte einen fundamentalen Wandel sowohl in der eigenen als auch in der Wahrnehmung der fremden Völker, der Sprache, der Bedeutung und des politischen Denkens seit Peter I. fest. Sie sprach von einem imperialen russischen Überlegenheitsgefühl bzw. einer Zivilisationsmission gegenüber den südöstlichen Randvölkern des Reiches seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

MICHAIL VELIŽEV (Moskau) betrachtete die Rezeption des Zivilisationsbegriffs in Russland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Wörterbüchern und Periodika. Dabei erläuterte er zunächst die unterschiedliche Begriffsgeschichte in Frankreich, Deutschland und England und zeigte, dass der Begriff in Russland seit den 1830er-Jahren vor allem mit Bildung (obrazovanie, obrazovannost’) verbunden war. Erst Ende der 1850er-Jahre, also noch vor den Großen Reformen, erlebte er eine weitere Verbreitung. In einer Fallstudie analysierte Veližev die Vorstellungen des späteren Bildungsministers S. Uvarov in dessen Schrift über die Zivilisation aus dem Jahre 1829. Russland sollte sich zwar entsprechend den allgemeineuropäischen Werten entwickeln, aber seinen eigenen Weg gehen und die vorherrschende Trennung der Stände aufrechterhalten.

ALEXEJ MILLER ging in seinem Vortrag auf das semantische Feld der Nation (nacija, narod, narodnost’ (Nation, Volk, Nationalität/Volkstum)) ein und untersuchte die Evolution des Nationsbegriffs und dessen mehrmaligen Bedeutungswandel.[5] Zunächst sei der Begriff narod benutzt worden, bei nacija handele es sich um eine Übernahme aus dem Polnischen, die jedoch als fremd empfunden worden sei. Zudem stehe sie nicht für die ganze Nation, sondern nur die ständische Adelsnation. Erst mit der Französischen Revolution sei ein Bedeutungswandel des Begriffs eingetreten, der die Standesgrenzen aufgehoben habe. In der Zeit der Restauration unter Nikolaus I. habe man sich deswegen von dem Nationsbegriff distanziert, der zudem mit den konstitutionellen Projekten der liberalen frühen Regierungszeit Alexanders I. verbunden war, und propagierte den Begriff narodnost’. Zur Distanzierung vermieden liberale Vertreter in der Reformbewegung der 1860er-Jahre Letzteren dann wieder und präferierten erneut den Nationsbegriff.

MICHAIL KISELEV (Ekaterinburg) legte den Wandel in der Benutzung der Begriffe pravda und zakon dar, die auf unterschiedliche Weise das Wortfeld Gesetz abdecken. Der kirchlich konnotierte Begriff pravda, der mit der Zeit des Großfürstentums Moskau verbunden sei, habe seine Bedeutung auch im 17. Jahrhundert beibehalten. Erst im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts ließe sich eine Veränderung feststellen: Nun verdrängte der weltlich geprägte Begriff zakon den kirchlich-sakralen Terminus. Dieser Prozess habe sich unter Peter I. fortgesetzt und im Einklang mit seiner Politik der Verwestlichung gestanden.

Der Mediävist IGOR FILIPPOV (Moskau) analysierte den Begriff sobstvennost’ (Eigentum), der seit der Mitte des 18. Jahrhunderts und insbesondere unter Katharina II. benutzt wurde und vor allem in der rechtlichen und philosophischen Sphäre Anwendung fand. Zudem konstatierte er eine ungenaue Abgrenzung zum Begriff imuščestvo (Besitz).

SERGEJ POL’SKOJ (Samara) ging es um die Begriffe fundamental’nye zakony (Fundamentalgesetze) und konstitucija (Konstitution), ihre Bedeutung und ihren Bedeutungswandel. Hierzu betrachtete er in einem Exkurs die Entstehung und Entwicklung des Konstitutionsbegriffes in England und Frankreich und erläuterte dann seine Adaption im russischen Kontext, so wie sie sich unter anderem in Wörterbüchern zeigte. Er stellte einen Wandel in der Verwendung fest, der auch mit einem Generationswechsel der Staatsmänner zwischen Katharina II. und Alexander I. zusammenhinge. Zunächst habe man unter Konstitution die bestehende Herrschaftsform verstanden, ohne sie mit Bürgerrechten zu konnotieren. Während in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts „Fundamentalgesetze“ der bestimmende Begriff im politischen Diskurs gewesen sei, habe sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend „Konstitution“ durchgesetzt.

GALINA BABKOVA (Moskau) setzte sich in ihrer Fallstudie mit der Strafrechtsordnung Katharinas II. auseinander und stellte eine starke Beeinflussung durch das Werk W. Blackstones fest, die sich durch eine fast wörtliche Übersetzung äußert, wie ihr Vergleich zeigte. Darüber hinaus betonte sie, dass an dem Beispiel eine Stärkung des Individuums in der Rechtssprache deutlich werde.

Eine weitere Sektion war den Begriffen Gesellschaft und Öffentlichkeit gewidmet. ELENA MARASINOVA (Moskau) konstatierte bezüglich der Verwendung des Begriffs graždanin (Bürger), dass er vor allem im Nakaz (Instruktion) Katharinas II. für die gesetzgebende Kommission oft auftrete, jedoch in der Privatkorrespondenz und auch der Belletristik in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts nur äußerst sporadisch benutzt worden sei. DENIS SDVIŽKOV (Moskau) beschäftigte sich mit der Frage, wie sich die staatlich von „oben“ verordnete Gesellschaft (obščestvo) unter Katharina II. zur gebildeten Gesellschaft (obrazovannoe obščestvo), also der intelligencija wandelte. Hierzu verfolgte er die Verbreitung von Wissen (znanie) von einer kleinen Adelselite auf breitere Schichten und das Verhältnis zu den Begriffen Nation und Volk sowie die Bedeutung der Literatur in diesem Prozess.

In der Sektion zu den ethnischen Gruppen betrachtete VLADIMIR BOBROVNIKOV (Moskau) im Anschluss an Slocum[6] den Begriff der inorodcy (Fremdstämmige) in den östlichen Regionen des Russländischen Imperiums. Dabei ging er auf die unterschiedlichen Bezeichnungen wie inozemcy (Fremdländische), tuzemcy (Einheimische, Eingeborene) und inorodcy für die nichtrussischen Völker in Sibirien, Zentralasien und im Kaukasus ein, die bereits in das Russländische Reich inkorporiert waren. Der seit den 1820er-Jahren in den Gesetzen benutzte Begriff inorodcy habe zunächst keine pejorative Konnotation gehabt und diese erst zu einem späteren Zeitpunkt erhalten, als er verstärkt von russischen Nationalisten und der orthodoxen Geistlichkeit benutzt wurde. MICHAIL DOLBILOV (Moskau) untersuchte die Verwendung unterschiedlicher Begriffe zur Bezeichnung von Polen aus Sicht der russischen Beamten und stellte sie in den Kontext der russländischen imperialen Nationalitätenpolitik. SEMEN GOL’DINs (Jerusalem) Interesse weckte der staatliche Diskurs über Juden (evrej) seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, als Russland mit den Teilungen Polens erstmals eine zahlenmäßig starke jüdische Bevölkerung in sein Reich vereinnahmte. Während der Begriff bereits seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts negativ konnotiert gewesen sei, erhielt er erst seit den 1880er-Jahren eine äußerst negative und weit verbreitete Bedeutung, die in den Juden eine „fremde“ Gefahr und Bedrohung gesehen habe. Der Begriff sei inzwischen längst nicht nur von der Staatsmacht, sondern auch in den Medien massenhaft in diesem Sinne benutzt worden.

In der Sektion zu neuen „-ismen“ und Konzepten ordnete TAT’JANA CHRIPAČENKO (St. Petersburg) die Begriffe Föderalismus, Dezentralisierung und Autonomie unterschiedlichen liberalen und sozialistischen Vertretern bzw. Richtungen zu. Sie stellte die jeweiligen Diskurse dazu mit Schwerpunkt auf der Zeit von 1903-1914 vor. LJUBOV’ UL’JANOVA (Moskau) untersuchte differenziert, wie Konservative, Sozialisten und die politische Polizei über Liberale und den Liberalismus berichteten. Dabei entdeckte sie zahlreiche Übereinstimmungen, aber auch Unterschiede und hob, wie auch Chripačenko vor ihr, das Oktobermanifest 1905 als deutliches Umbruchereignis hervor.

ELENA SMILJANSKAJA (Moskau) lieferte eine Fallstudie, in der sie die Benutzung des Wortes poddanstvo (Untertanenschaft) im Zusammenhang mit Katharinas II. Bemühungen um Eroberungen im östlichen Mittelmeerraum betrachtete. ERIC LOHR (Washington) untersuchte denselben Begriff sowie den der Staatsbürgerschaft (graždanstvo) für das ausgehende Zarenreich. Letzteren haben überwiegend oppositionelle Kräfte verwendet. Während poddanstvo die vorherrschende Realität im Zarenreich beschrieb und im offiziellen Sprachgebrauch benutzt wurde, verbanden Liberale und Sozialisten mit dem Begriff graždanstvo Hoffnungen wie die Verwirklichung individueller Bürgerrechte und einer Zivilgesellschaft. 1917 löste der Terminus graždanstvo denjenigen des poddanstvo ab, freilich ohne dass die mit ihm verbundenen Erwartungen realisiert worden wären.

VERA TOLZ (Manchester) verfolgte den Rassendiskurs in Russland im ‚langen’ 19. Jahrhundert. Sie argumentierte überzeugend gegen die These eines russischen Sonderwegs bezüglich dieser Frage, die vielmehr im europäischen Kontext gesehen werden müsse. Der Behauptung, dass der Rassendiskurs in Russland keine besondere Rolle gespielt habe, widersprach sie anhand zahlreicher Beispiele aus dem gesamten politischen Spektrum und unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Auch KARL HALL (Budapest) widmete seine Aufmerksamkeit dem Wortfeld rasa (Rasse) in den Werken zahlreicher Geisteswissenschaftler und unterstrich dessen Bedeutung im wissenschaftlichen Diskurs.

INGRID SCHIERLE analysierte das semantische Begriffsfeld des „Dritten Standes“ unter der Herrschaft Katharinas II. und damit verbundene Wörter wie čin, rod, stan, soslovie, sostojanie, obščestvo (Rang, Stand, Gesellschaft und andere) sowie die Neuschöpfungen srednij und tretij čin (mittlerer und dritter Stand) zur Beschreibung sozialer Kategorien. Dabei fragte sie danach, wie sich die Vorstellungen des Staates über die soziale Ordnung in der Wortbenutzung in Manifesten und Gesetzestexten äußerten, und inwiefern es zu Wortübernahmen und der Schöpfung neuer Wörter kam. Ihre Analyseergebnisse interpretierte sie als Beleg für die sich verstärkende Tendenz zur Bildung von Gruppen- und Ordnungsbegriffen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (soslovie, obščestvo).

VOLODIMIR SKLOKIN (Charkiv) untersuchte den Sprach- und Begriffsgebrauch in der Sloboda-Ukraine in der Zeit sozialer Umwälzungen unter Katharina II., als die Autonomie aufgehoben wurde und die festere Integration in das Russländische Reich erfolgte. Während man in der Kosakenzeit den Begriff pospol’stvo zur Bezeichnung sowohl der Kosakenelite als auch der gewöhnlichen Kosaken benutzt habe, nannte man die restlichen bäuerlichen Bewohner, die ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten, pospolitye. Als unter Katharina II. die Kosakenelite in den Stand des Adels integriert wurde, habe sie zur Bezeichnung und Abgrenzung von der anderen Bevölkerung das Wort prostoljud (einfacher Mensch) verwendet.

OL’GA LEONT’EVA (Samara) fasste zunächst die Diskussion unter amerikanischen Historikern über den von G. Freeze publizierten Beitrag zum Ständeparadigma[7] in den 1980er-Jahren zusammen. Danach analysierte sie die Benutzung des Begriffs klass (Klasse) in den Werken von Geisteswissenschaftlern mit Schwerpunkt auf der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Zahlreiche Beiträge behandelten zum ersten Mal die Benutzung von zentralen Begriffen der russischen Geschichte. Die Konferenz zeigte das breite Potenzial der Begriffsgeschichte, wobei nicht jeder Beitrag sich explizit deren Methoden bediente und man einige eher zur Diskursanalyse rechnen könnte. Deutlich wurde auch die starke Beeinflussung durch die westliche Welt bei der Übernahme von Begriffen, die dann jedoch in Russland, wie auch anderswo, oft eine eigene Bedeutung entwickelten.

In der abschließenden Diskussion wurde unter anderem festgestellt, dass es wünschenswert wäre, mehr über die Bedeutung und den Einfluss der Zensoren im Hinblick auf den Sprachgebrauch zu erfahren. Mehrere Beiträge bestätigten Millers These von einem gesellschaftlichen Wandel, der bereits vor den Großen Reformen unter Alexander II. eingesetzt und sich im Sprachgebrauch geäußert habe.

Konferenzübersicht:

Alexej Miller (Moskau/Budapest), Ingrid Schierle (Moskau)
Eröffnung der Konferenz

Nation und Zivilisation

Ricarda Vulpius (München/Berlin): Das Begriffsfeld der Zivilisiertheit im 18. Jahrhundert

Michail Veližev (Moskau): Der Begriff „civilizacija“ in Russland (Ende 18. – erste Hälfte des 19. Jahrhunderts)

Alexej Miller (Moskau/Budapest): Der Nationsbegriff in Russland (18.-19. Jahrhundert)

Religion und Glauben

Aleksandr Polunov (Moskau): Die Begriffe „svoboda sovesti“ und „veroterpimost’“ im gesellschaftspolitischen Diskurs Ende des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts

Andrej Michajlov (Kazan’): Eine „Begriffsgeschichte“ der russischen Orthodoxie in der Synodalepoche – konkurrierende Sprachen der Beschreibung

Recht und Gesetz

Michail Kiselev (Ekaterinburg): Zum Wandel elementarer politisch-rechtlicher Kategorien im letzten Drittel des 17. - Anfang des 18. Jahrhunderts: von „pravda“ zu „zakon“

Galina Babkova (Moskau):„Persönliche“ Verbrechen im Strafrechtsprojekt Katharinas II. und in den Commentaries on the Laws of England von W. Blackstone: Zur Schaffung einer juristischen Terminologie in Russland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Igor Filippov (Moskau): Der Eigentumsbegriff in Russland vom 18. - Anfang des 20. Jahrhunderts

Verfassung

Sergej Pol’skoj (Samara):„Fundamentalgesetze“ und Verfassung im russischen politischen Diskurs des 18. Jahrhunderts

Dmitrij Badaljan (Sankt-Petersburg): Zur Geschichte des Begriffs „konstitucija“: „Krönung des Gebäudes“ und „Rechtsordnung“ in der russischen Publizistik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Andrej Meduševskij (Moskau): „Konstitucija“ als Rechtsbegriff

Gesellschaft und Öffentlichkeit

Elena Marasinova (Moskau): „Graždanskoe obščestvo“ in der Wahrnehmung des 18. Jahrhunderts

Denis Sdvižkov (Moskau): Von „obščestvo“ zu „intelligencija“. Geschichte von Grundbegriffen als Mentalitätsgeschichte

Ol’ga Malinova (Moskau): „Publika“, „obščestvo“, „obščestvennost’“ und „glasnost’“ in Russland Mitte des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts: Praktiken gesellschaftlicher Tätigkeit und öffentlicher Kommunikation in ihrer begrifflichen Fixierung

Ethnische Klassifizierung

Vladimir Bobrovnikov (Moskau)/Sergej Abašin (Moskau): „Inorodcy“ in den östlichen Regionen des Imperiums

Michail Dolbilov (Moskau): „Poljak“, „Lach“ und „eine Person polnischer Herkunft“: Definitionen des Polentums im imperialen Lexikon

Semen Gol’din (Jerusalem): „Evrej“ als Begriff in der Geschichte des imperialen Russland

Neue „-ismen“ und Konzepte

Tat’jana Chripačenko (St. Petersburg): „Federalizm“, „decentralizacija“, „avtonomija“ - historische Entwicklung und Einfluss ideologischer Strömungen auf die Auslegung der Begriffe (19. - Anfang des 20. Jahrhunderts)

Michail Kalašnikov (Saratov): Der Liberalismusbegriff im öffentlichen Diskurs des 19. Jahrhunderts von Alexander I. bis zu den „Großen Reformen“

Ljubov’ Ul’janova (Moskau): Der Liberalismusbegriff in der Rezeption der politischen Polizei (1880-1905)

Natal’ja Nikiforova (St. Petersburg): Nomination der Macht - das politische Potential des Technologiebegriffs und seine Stellung im politischen Diskurs der 1840er- bis 1920er-Jahre

Untertänigkeit und Staatsbürgerschaft

Elena Smiljanskaja (Moskau): „Poddanstvo“, „pokrovitel’stvo“ oder wie gestaltete sich die russische Präsenz im östlichen Mittelmeerraum in den 1770er-Jahren?

Eric Lohr (Washington): „Poddanstvo“ und „graždanstvo“. Eine Begriffsgeschichte

Volk und Rasse

Vera Tolz (Manchester): „Rasa“ im Diskurs der russischen Orientalisten

Karl Hall (Budapest):”Racial traits are rooted deeper in the nature of the human Organism“: The elusive race concept in imperial Russia

Soziale Gliederung

Ingrid Schierle (Moskau): „Dritter Stand“ – die Geschichte einer Begriffs- und Wortsuche im 18. Jahrhundert

Volodimir Sklokin (Charkiv): Von „pospol’stvo“ zu „prostoljud“: Zur Sprache sozialer Umwälzungen in der Sloboda–Ukraine (1760-1830)

Ol’ga Leont’eva (Samara): Der Klassenbegriff im russischen Denken (19. - Anfang des 20. Jahrhunderts)

Anmerkungen:
[1] Neben der hier besprochenen ist dies die vom 16.-18. September unter dem Titel „Conceptual History: Concepts, Metaphors and Discourses“ stattfindende „Thirteenth Annual Conference of the History of Political and Social Concepts Group“. Vgl. den Call for paper: <http://www.hpscg.org/node/2076> (23.08.2010).
[2] Istorija ponjatij, istorija diskursa, istorija metafor, Moskau 2010.
[3] Istoričeskie ponjatija i političeskie idei v Rossii XVI-XX veka, Sankt Petersburg 2006.
[4] Ebenda, S. 28; Peter Thiergen (Hrsg.), Russische Begriffsgeschichte der Neuzeit. Beiträge zu einem Forschungsdesiderat, Köln 2006, S. XXV.
[5] Vgl. Alexey Miller, Natsiia, Narod, Narodnost’ in Russia in the 19th Century: Some Introductory Remarks to the History of Concepts, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 56,3 (2008), S. 379-390.
[6] John Slocum, Who, and When, Where the Inorodtsy? The Evolution of the Category of “Aliens” in Imperial Russia, in: Russian Review 57,2 (1998), S. 173-190.
[7] Gregory Freeze, The Soslovie (Estate Paradigm) and Russian Social History, in: American Historical Review 91 (1986), S. 11-36.

Zitation
Tagungsbericht: Politisch-soziale Schlüsselbegriffe in Russland (Petrinische Epoche bis 1914), 22.04.2010 – 24.04.2010 Moskau, in: H-Soz-Kult, 03.09.2010, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3257>.
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Veröffentlicht am
03.09.2010
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