Vergemeinschaftung und Ausgrenzung. Neue Forschungen zur Geschichte der Waffen-SS

Ort
Dresden
Veranstalter
Jan Erik Schulte, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V., Technische Universität Dresden; Bernd Wegner, Professur für Neuere Geschichte unter Berücksichtigung Westeuropas, Helmut Schmidt Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg
Datum
02.12.2010 - 04.12.2011
Von
Stephan Dehn, Universität Leipzig; Michael Thoß, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung

Neue Veröffentlichungen und weitere Studien, die gegenwärtig vorbereitet werden, haben in jüngster Zeit die Forschung zur Geschichte der Waffen-SS auf eine breitere Basis gestellt. Im Rahmen eines internationalen Workshops in Dresden wurden diese neuen Forschungen zusammengeführt und gemeinsam diskutiert. Im Auftrag des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung (HAIT) und in Kooperation mit der Professur für Neuere Geschichte unter Berücksichtung Westeuropas an der Helmut Schmidt Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg hatten Bernd Wegner und Jan Erik Schulte zu der Tagung eingeladen. Einschließlich der Zuhörerinnen und Zuhörer waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Ländern der Einladung gefolgt.

Bereits publizierte Studien und weit fortgeschrittene Projekte wurden ebenso diskutiert wie übergreifende Fragenstellungen, die sich vor allem auf die Rekrutierung, Struktur und Motivation des Personals der Waffen-SS bezogen. Mit Bezug zur Frage nach „Vergemeinschaftung und Ausgrenzung“ erörterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl die Integration in die Waffen-SS als auch die Relevanz zentrifugaler Kräfte sowie nicht zuletzt die Beteiligung von Angehörigen der Waffen-SS an (Kriegs-)Verbrechen.

Die Referenten der ersten beiden Panels präsentierten Ergebnisse grundlegender Untersuchungen zur personellen Expansion und Rekrutierung sowie zur justiziellen Normsetzung und zeitgenössischen Rezeption der Waffen-SS. JEAN-LUC LELEU (Caen) machte drei Gründe für die Expansion der Waffen-SS aus. Erstens seien die bewaffneten Formationen der SS durchaus als Alternative zur Wehrmacht gedacht gewesen. Nach den militärischen Krisen vor allem ab Ende 1941 habe eine ideologisch gefestigte Truppe wie die Waffen-SS den Sieg herbeiführen sollen. Hitler selbst habe die SS-Verbände und deren Führung dadurch immer mehr in den Vordergrund gerückt. Zweitens sei die Waffen-SS zunehmend als Sozialmodell einer Gesellschaft im Krieg und als ideales Spiegelbild der Volksgemeinschaft erschienen. Als dritten Grund führte Leleu an, dass sich die Waffen-SS unter dem Druck der Ereignisse gezwungen sah, die ideologischen Hindernisse in der Rekrutierungspolitik zu überschreiten. So traten neben Reichsdeutschen so genannte „Volksdeutsche“, „germanische Freiwillige“ und „Fremdvölkische“ hinzu. Der Waffen-SS sei keine Alternative geblieben als sich unaufhörlich auszudehnen, um sowohl ihre Existenz als auch ihren Einfluss innerhalb des Regimes zu sichern. In der anschließenden Diskussion wurde vor allem über Vergleiche zu anderen Eliteeinheiten des „Dritten Reiches“ und die innere Kohärenz der Schutzstaffel debattiert. RENE ROHRKAMP (Koblenz) stellte die Rekrutierungspraxis der Waffen-SS als Instrument von Vergemeinschaftung und Ausgrenzung vor. Der Referent unterstrich, dass sich die Waffen-SS zunächst strenge normative Vorgaben für ihre Rekrutierungspraxis gesetzt habe. Freiwilligkeit und eine rassistische Auslese sollten zu einer Einstellung besonders zuverlässigen Personals führen. Habe die Waffen-SS bereits vor dem Krieg Probleme bei der Anwerbung gehabt, seien die eigenen Ansprüche bei der Rekrutierung ab 1940 zunehmend unterhöhlt worden.

CHRISTOPHER THEEL (Dresden) referierte über die SS- und Polizeigerichtsbarkeit. Ihre Aufgabe habe darin bestanden, die „Manneszucht“, also die Disziplin, und damit die Schlagkraft der Truppe aufrechtzuerhalten. SS- und Polizeigerichte hätten dabei nicht nur nach positivem Recht geurteilt, sondern auch nach einem Gesinnungsrecht. Theel hob hervor, dass die SS ihr Gesetz praktisch in sich getragen habe: „Recht war, was der Gemeinschaft diente“. Der Mord an Juden oder Partisanen sei demnach gesinnungsrechtlich gedeckt gewesen, ein Diebstahl von Kameradeneigentum dagegen bestraft worden. Himmler, als oberster Gerichtsherr, konnte Urteile, die seinen Ansichten nicht entsprachen, kurzerhand aufheben. In diesem Sinne handele es sich bei der SS-eigenen Gerichtsbarkeit nicht um eine „Lex SS“, sondern eher um eine „Lex Himmler"“. JOCHEN LEHNHARDT (Mainz) stellte Forschungsergebnisse zur Waffen-SS in der NS-Propaganda vor. Im Mittelpunkt seines Referats stand die Frage, wie die Waffen-SS in der Öffentlichkeit in den Ruf einer Elitetruppe kam. Lehnhardt betonte, dass ihr im Vergleich zum Heer überproportional viel Raum in der Presse eingeräumt worden sei. In der anschließenden Debatte wurde unter anderem die Frage nach dem Einfluss der Ästhetik der SS auf die damalige Jugend aufgeworfen.

Die folgenden Referate stellten ausgewählte Personengruppen und Einzelpersonen sowie nationale Kontingente in den Mittelpunkt. JENS WESTEMEIER (Geiselhöring) führte in seinem Vortrag über die SS-Junkerschulgeneration zwei zentrale Begriffe ein, die die weiteren Diskussionen strukturieren sollten: Elite und Netzwerk. Westemeier verneinte die Frage, ob es sich bei den Absolventen der SS-Junkerschulen um eine militärische Elite gehandelt habe. Die enge Vernetzung unter den Absolventen habe, wie der Referent betonte, dazu geführt, dass sich diese erfolgreich prestigeträchtige Positionen sichern konnten, so in unmittelbarer Nähe Himmlers und Hitlers. Generationell und ideologisch relativ homogen, entstammten dieser Gruppe eine Reihe von späteren Kriegsverbrechern wie Jochen Peiper, Walter Reder, Fritz Knöchlein. Auch nach Kriegsende blieb dieses Netzwerk durch Jahrgangstreffen sowie durch die Zusammenarbeit in der Kriegsverbrecherlobby und in der Führung der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS (HIAG), der Veteranenorganisation der Waffen-SS, bestehen. Mit ihren militärischen Chroniken habe diese Junkerschulgeneration nachhaltig das Bild der Waffen-SS in der Nachkriegszeit geprägt. JUTTA MÜHLENBERG (Hamburg) stellte Ausbildung und Einsatz der weiblichen Angehörigen in der Waffen-SS vor. Schätzungsweise 2.400 Frauen seien als Mitglieder des SS-Helferinnenkorps in der Schutzstaffel tätig gewesen. Die überwiegende Mehrheit der weiblichen Angehörigen habe im bürokratischen Apparat dieser Organisation gearbeitet. Himmlers Wunsch, auch Frauen innerhalb der Sippengemeinschaft zu rekrutieren, habe sich nicht erfüllt. Nur circa 20 Prozent der SS-Helferinnen hatten Angehörige in der Schutzstaffel.

Anhand der Lebensgeschichte des SS-Generals Max Simons zwischen Front, Konzentrationslager und Gerichtsaal stellte FRANZ JOSEF MERKL (Augsburg) heraus, dass die oft beschworene Trennung von KZ und Waffen-SS nicht haltbar sei, da beträchtliche Teile sowohl des einfachen Personals als auch der Waffen-SS-Führerschaft aus der Konzentrationslager-SS stammten. Grundelemente der Sozialisation der Lager-SS, beispielsweise Gewaltentgrenzung und Menschenverachtung, haben sich in der Kriegsführung von Waffen-SS-Einheiten wiedergefunden. Merkl hinterfragte zudem einen zweiten Nachkriegsmythos, das angeblich so gespannte Verhältnis zwischen Waffen-SS und Wehrmacht. Theodor Eicke und Max Simon seien im Gegenteil für die Wehrmachtsgeneralität gesuchte „Experten“ bei der Vernichtung von Juden und Partisanen gewesen. Diese Kameradschaft habe bis in die Nachkriegszeit gehalten. Verbrechen der Waffen-SS standen auch im Mittelpunkt des Referats von CARLO GENTILE (Köln). Exemplarisch stellte er die Kriegsverbrechen der 16. SS-Panzerdivision „Reichsführer-SS“ vor, die diese Einheit im Sommer und Herbst 1944 in Italien beging. Etwa 40 Prozent aller als Partisanen getöteten italienischen Zivilisten seien auf das Konto dieser Einheit gegangen. Die SS-Führer dieser Einheit entstammten zu knapp 50 Prozent der SS-Totenkopfdivision. Ein nicht unerheblicher Teil der Männer sei an der Niederschlagung des Warschauer Ghettoaufstandes im März/April 1943 beteiligt gewesen und habe hier prägende Gewalterfahrungen gemacht.

JAN ERIK SCHULTE (Dresden) eröffnete mit seinem Referat über das Trugbild von Freiwilligkeit und Kameradschaft bei den Waffen-SS-Angehörigen aus Südost- und Osteuropa das fünfte Panel, welches sich vor allem mit den volksdeutschen Soldaten in der Waffen-SS beschäftigte. Kameradschaft, als eines der wichtigsten Postulate der inneren Vergemeinschaftung innerhalb der SS, und Freiwilligkeit, als deren konstitutives Merkmal, wurden sowohl konzeptionell als auch auf der Ebene der praktischen Umsetzung innerhalb der Waffen-SS beleuchtet. Schulte führte aus, dass die Kameradschaft innerhalb der SS an das rassistische Weltbild der SS gekoppelt gewesen sei. Sie habe daher nicht nur vergemeinschaftend, sondern auch ausgrenzend gewirkt. Das rassistische Verständnis von Kameradschaft habe, mit Blick auf die zunehmende ethnische Inhomogenität der Organisation, die Distanz und die Diskriminierung verstärkt, anstatt zu einem größeren Zusammenhalt in der Waffen-SS beizutragen. Die Freiwilligkeit war nach Schultes Ansicht gegenüber dem rassistischen Auslesepostulat von sekundärer Bedeutung.

THOMAS CASAGRANDE (Frankfurt am Main) befasste sich in seinem Vortrag mit der 7. SS-Division „Prinz Eugen“ Diese Einheit kämpfte auf einem sehr eingegrenzten Gebiet in Jugoslawien. Die große Mehrzahl der Soldaten (etwa 85 Prozent) seien „Volksdeutsche“ gewesen, die im Einsatzgebiet oder den unmittelbar angrenzenden Regionen beheimatet waren. Casagrande stellte den Bezug zwischen der Vernichtung der Juden und der Enteignung der Partisanen im Banat, der Batschka und den anderen „volksdeutschen“ Siedlungsgebieten, von der vor allem Volksdeutsche profitiert hätten, und dem brutalen Militäreinsatz der „Prinz Eugen“ auf (reichs-)deutscher Seite her. Die Gründe für Deutsch-Rumänen, in die Waffen-SS einzutreten, seien vielfältig gewesen, wie PAUL MILATA (Carani, Rumänien) hervorhob. Ideologische Affinitäten zum Nationalsozialismus oder eine Bewunderung Hitlers hätten in erster Linie nicht dazu gehört. Vor allem die großrumänischen Tendenzen in der Vorkriegszeit hätten die Rumäniendeutschen, wie Milata argumentierte, vom rumänischen Staat entfremdet. Nicht zuletzt aus diesem Grund hätten zahlreiche junge Männer einer Einberufung in die rumänische Armee durch eine Freiwilligenmeldung bei der Waffen-SS entgehen wollen. Sowohl Casagrande als auch Milata zeigten in ihren Referaten, dass die erfolgreiche Integration der „volksdeutschen“ Soldaten weniger im Kriterium der Freiwilligkeit gelegen hat. Vielmehr war sie darin begründet, inwieweit die Waffen-SS die unterschiedlichen Interessen der „Volksdeutschen“ bedienen konnte. Gemeinsame Ziele und nicht der Eintrittsmodus schweißten die Einheiten zusammen.

Umfang und Motivation von „germanischen Freiwilligen“ sowie von estnischen Soldaten in der Waffen-SS wurden in den folgenden drei Vorträgen diskutiert. 4.500 Dänen dienten in Waffen-SS-Einheiten, berichtete NIELS BO POULSEN (Kopenhagen). Sie gehörten entweder zu der kleinen Gruppe organisierter Nationalsozialisten oder können, wie Poulsen ausführte, als Mitläufer der Bewegung charakterisiert werden. Als dänische Nationalisten hätten sie auf eine würdige Eingliederung Dänemarks in ein neues deutsch dominiertes Europa gehofft. Viele seien antibolschewistisch eingestellt gewesen. Die nationalsozialistische Rassenideologie habe ihnen zudem die Möglichkeit geboten, sich als Herrenrasse und in der SS einer Elite zugehörig zu fühlen. SIGURD SØRLIE (Oslo) referierte über die 5.000 „germanischen Freiwilligen“ aus Norwegen. Für die Rekrutierungen in Norwegen seien die rassistische SS-Ideologie und die Vision eines Großgermanischen Reiches entscheidend gewesen. Zudem hätten sich auch die norwegischen Freiwilligen als Antibolschewisten gesehen. Der Großteil der Männer habe für ein starkes und unabhängiges Norwegen innerhalb des „neuen Reiches“ gekämpft. Bei den norwegischen Freiwilligen habe zwar eine Übereinstimmung mit der rassistischen SS-Ideologie geherrscht, jedoch galt diese Zustimmung nur bedingt für die deutschen Kriegsziele. Anders als in den volksdeutschen Siedlungsgebieten verzichtete die deutsche Seite auf die Ausübung von Zwang bei der Rekrutierung, da man eine mögliche Massenflucht in das benachbarte, neutrale Schweden vermeiden wollte. Wie der Referent berichtete, hatten trotzdem viele unzufriedene norwegische Freiwillige bis Kriegsende versucht die Waffen-SS zu verlassen, da Versprechungen von deutscher Seite nicht eingehalten worden waren.

Mit den estnischen Verbänden der Waffen-SS befasste sich TOOMAS HIIO (Tallinn). Nach der sowjetischen Besatzung im Jahr 1940 wurden ganze Teile der estnischen Armee zwangsweise in die Rote Armee eingegliedert. Zahlreiche Esten seien daher beim Anrücken der deutschen Wehrmacht zu den Deutschen übergelaufen. Die Eintritte in die Waffen-SS seien nicht, wie bei den Dänen und Norwegern, rassistisch motiviert gewesen, vielmehr hätten viele Esten geglaubt, dass Estland durch entschiedenes Eintreten auf deutscher Seite nach einem deutschen Sieg seine Unabhängigkeit wiedererlangen könnte. Jedoch hätten sich bis 1943 nur etwa 1.000 Esten freiwillig für den Dienst in der Waffen-SS gemeldet, was allerdings weniger an der Unbeliebtheit der SS in Estland gelegen habe. Hiio betonte, dass viele Esten bereits in anderen deutschen Dienststellen dienten, daher sah sich die Waffen-SS gezwungen, mit so genannten „getarnten Rekrutierungen“ und Dienstverpflichtungen ihren Personalbedarf zu decken. Bis Kriegsende verrichteten insgesamt etwa 25.000 Esten ihren Dienst in der Waffen-SS. Die Mehrzahl kämpfte bis Kriegsende an verschiedenen Frontabschnitten. Etwa ein Drittel dieser Männer sei auch zur Partisanenbekämpfung herangezogen worden.

Zum Abschluss der Tagung referierte KARSTEN WILKE (Bielefeld) über die Organisationsgeschichte und Binnenintegration in der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit (HIAG). Im Zentrum des Beitrags stand die Frage nach dem Verhältnis der HIAG zu den früheren Mitgliedern der SS-Totenkopfverbände. Hier zeigt sich ein Konflikt zwischen der Führung und der Basis der HIAG. Wilke berichtete, dass die Führung der HIAG anfangs versuchte, die Integration von Angehörigen der Totenkopfverbände zu beschweigen und, in Reaktion auf die öffentliche Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen, sich halbherzig von ihnen zu distanzieren. Jedoch hätten einige Landesverbände keinen Hehl daraus gemacht, auch früheres KZ-Personal aufzunehmen. Ein expliziter Ausschluss früherer Angehöriger der Totenkopfverbände wäre ein klares Zeichen gewesen und hätte einen Bruch mit der Geschichte der SS bedeutet. Die HIAG-Führung entschied sich aber gegen diesen Schritt, da ihr klar gewesen sei, dass die Basis ihn nicht mitgetragen hätte.

In den lebhaften Debatten wurden immer wieder Beziehungen und Vergleiche zwischen den verschiedenen Referaten und Einzelstudien hergestellt. Ein wichtiges Ergebnis der Tagung war die Aufdeckung verschiedener Netzwerke, so zum Beispiel diejenigen der SS-Junkerschüler und der SS-Totenkopfverbände. Die Netzwerke dienten der Vergemeinschaftung, waren aber auch für das persönliche Fortkommen der einzelnen Mitglieder wichtig. Auf ihnen basierten die Außendarstellung und Legendenbildung schon während des Krieges. Die Tagung machte zudem deutlich, dass die Verbrechen der Waffen-SS nicht monokausal erklärt werden können. Weltanschauliche Indoktrination, rassistische Herrenmenschenallüren, Gewalterfahrung und -transfer sowie ökonomisch-politische Interessen bildeten einzeln oder in Kombination wichtige Motivstränge für die Beteiligung an Kriegs- und Menschheitsverbrechen. Die Motive für einen Eintritt in die Waffen-SS waren vielschichtig. Für die Gruppen, die außerhalb des Reichsgebietes rekrutiert wurden, scheinen die Gründe klarer zu Tage zu treten. Doch auch hier bleiben offene Fragen vor allem hinsichtlich der Rolle der ideologischen Faktoren. Es verwundert daher nicht, dass ein systematischer Vergleich der weltanschaulich-mentalen Voraussetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen weiterhin ein Desiderat darstellt. Überhaupt fehlen noch Studien zu vielen der nichtdeutschen Verbände und ethnischen Gruppen, die bei Kriegsende die Waffen-SS bildeten. Die Frage nach der militärischen Bedeutung der Waffen-SS, gerade auch im Vergleich zur Wehrmacht, wurde nur gestreift. Eine weitere Tagung zur Waffen-SS, die im Mai 2011 in Würzburg stattfindet, wird genau dieser Frage nachgehen. Der Workshop in Dresden fand in einer angenehm offenen Atmosphäre statt, die zu intensiven Diskussionen sowohl während als auch nicht zuletzt nach Abschluss der offiziellen Programmteile einlud.

Konferenzübersicht:

Begrüßung und Einleitung:
Günther Heydemann (Dresden)
Bernd Wegner (Hamburg)
Jan Erik Schulte (Dresden)

Panel 1
Leitung: Bernd Wegner (Hamburg)

René Rohrkamp (Koblenz): Die Rekrutierungspraxis der Waffen-SS als Instrument zur Vergemeinschaftung und Ausgrenzung

Jean-Luc Leleu (Caen): Jenseits der Grenzen: Anmerkungen zu den militärischen, politischen und ideologischen Gründen der Expansion der SS

Panel 2
Leitung: Sönke Neitzel (Mainz/Saarbrücken)

Jochen Lehnhardt (Mainz): Waffen-SS in der NS-Propaganda

Christopher Theel (Dresden): Die SS- und Polizeigerichtsbarkeit: „Militärjustiz oder Grundlegung einer SS-gemäßen Rechtsordnung?“

Panel 3
Leitung: Sönke Neitzel (Mainz/Saarbrücken)

Jens Westemeier (Geiselhöring): Die Junkerschulgeneration - eine militärische Elite?

Jutta Mühlenberg (Hamburg): Die weiblichen Angehörigen der Waffen-SS in Ausbildung und Einsatz

Panel 4
Leitung: Clemens Vollnhals (Dresden)

Franz Josef Merkl (Augsburg): Max Simon – Lebensgeschichten zwischen Konzentrationslager, Front und Gerichtssaal

Carlo Gentile (Köln): Waffen-SS und Kriegsverbrechen. Die SS-Division „Reichsführer-SS“ in Italien im Sommer und Herbst 1944

Panel 5
Leitung: Francesca Weil (Dresden)

Jan Erik Schulte (Dresden): Schimäre von Freiwilligkeit und Kameradschaft: Waffen-SS-Angehörige aus Südost- und Osteuropa

Thomas Casagrande (Frankfurt am Main): „Unser Gegner haben uns als Deutsche kennengelernt“ Die 7. SS-Division „Prinz Eugen“ –eine volksdeutsche Kampfformation als nationalsozialistisches Herrschaftsinstrument

Paul Milata (Carani): Waffen-SS: Die Eintrittsmotivation der Deutschen aus Rumänien

Panel 6
Leitung: Jan Erik Schulte (Dresden)

Niels Bo Poulsen (Kopenhagen): Danes in the Waffen-SS: Background, mentalities, war crimes and post war trials

Sigurd Sørlie (Oslo): The project „Norwegian volunteers in the Waffen-SS“: Perspectives and findings

Toomas Hiio (Tallinn): Estnische Verbände der Waffen-SS

Karsten Wilke (Bielefeld): Die Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit (HIAG). Organisationsgeschichte und Binnenintegration

Zitation
Tagungsbericht: Vergemeinschaftung und Ausgrenzung. Neue Forschungen zur Geschichte der Waffen-SS, 02.12.2010 – 04.12.2011 Dresden, in: H-Soz-Kult, 11.03.2011, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3573>.