Der Faktor Zeit im globalen Kontext. Theoretische und empirische Perspektiven für das 19. und 20. Jahrhundert

Ort
Heidelberg
Veranstalter
Katja Patzel-Mattern / Albrecht Franz, Professur für Wirtschafts-und Sozialgeschichte, Historisches Seminar, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Datum
29.04.2011 - 30.04.2011
Von
Julia Hoscislawski, Historisches Seminar, Universität Heidelberg

Historiker beschäftigen sich zwangsläufig mit Zeit – allerdings bleibt diese enge Verbindung von historischer Betrachtung und der zeitlichen Dimension überwiegend implizit. Als Kategorie der Erkenntnisgewinnung wird Zeit nur selten thematisiert. So waren in der Vergangenheit einzelne Phänomene wie Zeitmessung (zum Beispiel Uhren, Kalender) oder Zeitkonflikte (zum Beispiel Arbeitszeitkonflikte, Zeitdisziplin) Gegenstand geschichtswissenschaftlicher Reflexionen. Die Bedeutung von Zeitordnungen zur Erklärung vergangenen Geschehens blieb indessen unterbelichtet. Hier setzte der interdisziplinäre Workshop „Der Faktor Zeit im globalen Kontext. Theoretische und empirische Perspektiven für das 19. und 20. Jahrhundert” an. Sein Ziel war es, konzeptionelle Überlegungen und empirische Fallstudien rund um die Analysekategorie Zeit in historisch vergleichender Perspektive zu diskutieren.

In der Einführung skizzierten die Veranstalter KATJA PATZEL-MATTERN und ALBRECHT FRANZ (Heidelberg) die wesentlichen Perspektiven des Workshops: Zunächst plädierte Katja Patzel-Mattern für eine globale Zeitforschung. Diese habe drei wesentliche Erkenntnisinteressen zu verfolgen: Auf der konzeptionellen Ebene müsse sie erstens nach den Entstehungskontexten von Zeitordnungen sowie den sie tragenden Akteursgruppen und Institutionen fragen. Zweitens sollten Praktiken, die eine dominante Zeitordnung im alltäglichen Vollzug bestätigen und damit zugleich gesellschaftlich vermitteln, als Elemente der Zeitgestaltung berücksichtigt werden. In einer dritten Perspektive schließlich, seien auch Widerstände gegen hegemoniale Ansprüche in ihrem ideellen oder diskursiven Gehalt als eine produktive Variante des Umgangs mit Zeit zu thematisieren. Dabei sei es das erkenntnistheoretische Ziel, grundsätzlich zu reflektieren, inwieweit Erkenntnisse über Zeit durch die Verortung sowohl des Wissenschaftlers als auch des Untersuchungsgegenstandes innerhalb historischer Zeitregime präkonfiguriert werden. An diese Vorüberlegungen anschließend, schlüsselte Albrecht Franz die zentralen Fragekategorien des Workshops auf. Im ersten Panel „Zeit-Theorien” gelte es, Zeit als heuristische Kategorie zu fassen. Insbesondere müsse ihr Verhältnis zur Kategorie des Raumes bestimmt werden. Im zweiten Panel „Zeit-Konflikte” seien Auseinandersetzungen zwischen Zeitordnungssystemen zu diskutieren. Dabei stünde die Frage nach dem Umgang mit konkurrierenden Zeitregimen im Vordergrund, wie sie sich etwa auf literarischer und politischer Ebene fänden. Im dritten Panel, das sich der „Zeitwahrnehmung und -gestaltung” bzw. deren Veränderung widmete, werde die Frage nach der Wahrnehmung und Gestaltung von zeitlichen Ordnungen durch konkrete Akteure aus verschiedenen historischen Blickwinkeln behandelt.

Im ersten Panel „Zeit-Theorien” stellte die Soziologin ANDREA MAURER (München) einen institutionentheoretischen Zugang zum Thema vor: zeitliche Regelsysteme, die sich in Zeit-Institutionen manifestieren, wie der Sonntagsruhe oder der Normalarbeitszeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts, seien das Resultat eines Zusammenspiels von subjektivem und gesellschaftlichem Handeln. Dieses Wechselverhältnis beachtend, müsse die Frage nach der Entstehung von Zeitordnungen neu gestellt werden. Auch seien vor diesem Hintergrund die sozialen Effekte, wie beispielsweise der Rückgang der Streiktage in Unternehmen, die durch den Wandel von Zeitordnungen entstehen, alternativ zu diskutieren. Weitere Forschungsperspektiven ergeben sich in normativer und institutioneller Hinsicht. So sei danach zu fragen, welche Zeit-Institutionen möglich aber auch gesellschaftlich nötig und wünschenswert sind. Ausgehend von einer Rationalisierung der Zeit in den Bereichen Arbeit und Produktion komme der Untersuchung von Zeitregime-Standardisierungen mit Blick auf die Gegenwart eine besondere Bedeutung zu.

BENJAMIN STEINIGER (Wien) bezog sich in seinem Vortrag auf das Beispiel des Rohstoffs Erdöl, der die Moderne stark präge. Anhand des fossilen Naturproduktes verdeutlichte er die Möglichkeit, aus heutiger Sicht Vergangenes in seiner Vielzeitigkeit wahrzunehmen und zu untersuchen. Mit der Nutzung des Rohstoffes in der industrialisierten Moderne seien zugleich zeitliche Kategorien seiner Erfassung – Erdgeschichte, Entdeckungszyklen, Förderzeiten, Verarbeitungsdauern, Nutzungsintensitäten – verbunden. Im Ergebnis solcher zeitlicher Kategorisierungen stehe die Entstehung von Erdöl, die sich über eine lange Dauer von erdgeschichtlicher Dimension erstreckt, in einem krassen Missverhältnis zu seiner Verwendung in der raschen Taktung der modernen Lebenswelt. Damit zeigte Steiniger, wie der „Erdölkosmos”, das heißt die Ressource Erdöl in seiner facettenreichen Gesamtheit, als Konstruktion der Moderne in Form einer dichten Darstellung von Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit gestaltet sei.

SEBASTIAN DORSCH (Erfurt) stellte in seinem Vortrag Überlegungen zum Verhältnis von Raum und Zeit am Beispiel von São Paulo und der atlantischen Geschichte um 1900 an. Die atlantische bzw. transatlantische Geschichte sei bisher anhand von Raumfragen untersucht worden. Erkenntnisse über die Vernetzung geteilter Räume sowie das freiwillige bzw. unfreiwillige Zusammentreffen kultureller Räume seien dabei in den Blick gerückt. Gerade beim Betrachten des 19. Jahrhunderts, das durch Fortschrittsdenken und eine starke zeitliche Orientierung geprägt war, läge aber, so Dorsch, eine Untersuchung der zeitlichen Dimension nahe. Durch große Einwanderungsströme aus Europa entwickelte sich São Paulo zwischen 1867 und 1930 sehr dynamisch. In der Begegnung von Einwanderern und einheimischer Bevölkerung, also im Zusammentreffen mit dem „Anderen“ und dessen Zeitvorstellungen seien letztere erst bewusst wahrnehmbar geworden. In Dorschs Betrachtung wurde deutlich, dass das Potenzial einer solchen Zeitforschung in der expliziten Erschließung kultureller Zeitmuster liegt.

Im zweiten Panel „Zeit-Konflikte” wurde deutlich, dass sich Auseinandersetzungen um die Gestaltung von Zeit auf grundsätzlich verschiedenen Ebenen manifestieren. OLAF MORGENROTH (Hamburg) stellte die Zeit aus psychologischer Perspektive in den Mittelpunkt seines Vortrages. Er hielt fest, dass dabei die Betrachtung dominiere, Zeitkonflikte als Problem des einzelnen Individuums zu sehen. Zeit nehme der Einzelne immer auch in Bezug zu einer biologischen, psychologischen, soziokulturellen und kulturell-historischen Komponente wahr und werde durch diese Aspekte gleichzeitig geprägt. Zeit sei daher als etwas sozial Konstruiertes zu verstehen. Zeitkonflikte sind in diesem Sinne zunächst Differenzerfahrungen. Sie entstehen, so Morgenroth, beispielsweise dann, wenn sich individuelle Zeitwahrnehmung verändert. So habe etwa die sozio-kulturelle Veränderung, die mit dem Zusammenbruch der DDR einherging, die Zeitwahrnehmung ostdeutscher Bürger verändert und individuelle Zeitkonflikte geschaffen.

In seinem Vortrag befasste sich CHRISTOPH SENFT (Coimbra/Potsdam) mit Zeitkonflikten in literaturwissenschaftlicher Perspektive. Ausgehend von der Erzähltheorie ließe sich feststellen, dass schon die unterschiedlichen Konstruktionen von Erzählungen auf einen „Zeitkonflikt” hinweisen. Während in der klassischen Erzählung die narrative Struktur in zeitlicher Abfolge konstruiert werde und daraus beim Rezipienten eine Wahrnehmung zeitlicher Linearität entstehe, werde in der postmodernen Metafiktion stark reflektorisch gearbeitet. Das Durchbrechen logischer Handlungszusammenhänge und Diskontinuitäten in der Erzählstruktur führten dabei zur Auflösung linearer Zeitwahrnehmung beim Leser. Durch die Analyse von drei indisch-englischsprachigen Romanen wurde das Aufeinanderprallen von Zeitkonzeptionen zudem auch auf inhaltlicher Ebene deutlich. Aus dem Vermischen von realer und fiktionaler Vergangenheit, von indischer Mythologie und den realen Lebenswelten sowie aus der Konfrontation von zyklischem Denken der indischen Lebenswelt mit der modernen amerikanischen Lebenswelt resultiere in den vorgestellten Beispielen eine konfliktreiche Koexistenz zeitlicher Vorstellungen.

PIERRE-FRÉDÉRIC WEBER (Szczecin) führte in seinem Beitrag anhand ausgewählter Beispiele den Ost-West-Konflikt als Untersuchungsgegenstand ein. Die von Michail Bachtin eingeführte Analysekategorie des „Chronotops“, unter der dieser eine besondere Verdichtung von Raum und Zeit in der Erzählung versteht, erweiterte der Referent um die Dimension der Norm. Das so konzipierte Chronotop verstand er als einen sozial zu verortenden Raum, in dem Geschichte stattfindet. Anhand dieses analytischen Rahmens verfolgte Weber den Prozess der „Normalisierung“ der Ost-West-Beziehungen. Deutlich wurde in dieser Untersuchung auf Makroebene, dass sich der politische Konflikt stark durch Zeitschübe kennzeichnete. Ein Beispiel für solche Zeitschübe seien die Friedensbewegung des Ostens, die eine Verlangsamung der Temporalität der Beziehungen bedeute, sowie Ronald Reagans "Star Wars"-Programm, welches er im Gegensatz dazu als eine Beschleunigung der Temporalität verstand.

Zum Abschluss des zweiten Panels nahm SEBASTIAN SPRUTE (Berlin) eine frühe Hochphase der Globalisierung (1890-1930) in den Blick. Am Beispiel des Senegals legte er den Konflikt um konkurrierende zeitliche Ordnungssysteme im Amtsbereich der französischen Kolonialherrschaft dar. Dieser Konflikt entspann sich zwischen französischen Beamten und den vor Ort lebenden lokalen Eliten. Der Referent machte deutlich, dass der Prozess der Zeit-Standardisierung im Sinne der Kolonialmacht keinem kontinuierlichen Verlauf folgte, sondern heterogen gedacht werden muss. Die Übernahme und Aneignung einer ökonomischen Uhrzeit-Struktur bedeute in diesem Fall keineswegs die Vermittlung sogenannter weicher kultureller Werte. Vielmehr war für die lokalen Eliten im Alltäglichen die islamische Zeitordnung prägend. Die enge Verbindung von Zeitordnung und Machtstruktur wurde hier schlüssig als ein Aspekt von Zeitkonflikten verdeutlicht.

Das dritte Panel beschäftigte sich mit „Zeitwahrnehmung und -gestaltung”. Die Arbeitswissenschaftlerin IRENE RAEHLMANN (Bamberg) verdeutlichte in ihrem Vortrag, dass sich der Umgang mit dem Faktor Zeit, der seit Beginn der Industrialisierung die Organisation der Arbeits- und Lebenswelt nachhaltig präge, hin zu mehr Flexibilität entwickle. Einleitend verwies sie auf den Bedeutungszuwachs, den Zeit aufgrund der Arbeitsteilung in einem industriellen System erhalte, sowie auf die verschiedenen Akteure und Arenen, die an der Gestaltung industrieller Arbeitszeit beteiligt waren. Flexibilisierung von Zeit ging, so Raehlmann, einher mit der Einführung moderner Technologien, wie Elektrizität und Telekommunikation. Weitere Zäsuren seien aber etwa auch die Einführung der 35-Stunden-Woche in der Metallindustrie und die Ausweitung des Dienstleistungssektors im Handel gewesen.

MATHIAS MUTZ (Berlin) gab in seinem Vortrag Einblick in ein Forschungsprojekt zu Deutungen der Sommerzeit im 20. Jahrhundert in vergleichender Perspektive. Die Sommerzeit wurde in Deutschland und den USA zunächst im I. Weltkrieg und dann erneut in einer zweiten Phase in den 1970er- und 1980er-Jahren eingeführt. Mutz hielt fest, dass die erste Institutionalisierung der Sommerzeit im jeweiligen nationalen Rahmen zunächst als Rationalisierungsmaßnahme gesehen worden sei. Bei der zweiten Institutionalisierung sei dann auf Deutungsebene jedoch vielmehr der individuelle Freizeitwert der Maßnahme in den Vordergrund gerückt. Bei einer genaueren Betrachtung der beiden Länder im Vergleich wurde die Heterogenität der Argumentationen erkennbar. In Deutschland habe der Gedanke des Energiesparens eine Rolle gespielt, in den USA wurde stattdessen mit ökonomischen Interessen argumentiert. Die Vielfalt der Argumente verweise auf die Kontextabhängigkeit sozialer Praktiken, die zu unterschiedlichen Deutungen und Verwendungen führten.

ALBRECHT FRANZ (Heidelberg) arbeitete in seinem Vortrag die konkrete Verhandlungsebene der Arbeitszeitgestaltung am Beispiel von Unternehmen im Kaiserreich heraus, die im Gegensatz zur politischen Geschichte der Arbeitszeiten noch kaum untersucht wurde. Dabei konzentrierte er sich in seiner Analyse auf die internen Kommunikationsprozesse bei Siemens, Bayer und Zeiss. Er verwies auf die durchaus konsensualen Arbeitszeitsenkungen seit den 1890er-Jahren, die bis zum Ersten Weltkrieg allerdings mit zunehmender Häufigkeit in Konflikte umschlugen und nur verhältnismäßig langsam vorankamen. Ursächlich dafür sei das patricharchalische Ordnungsmodell der Unternehmer, das eine adäquate Interpretation der sich ändernden gesellschaftlichen Anforderungen an die Arbeitszeitgestaltung und somit einen konstruktiven Umgang mit der Arbeitszeitfrage nicht mehr zuließ. Albrecht Franz verdeutlichte damit die Bedeutung unternehmerischer Wahrnehmung für den Verlauf und das Ergebnis der Arbeitszeitgestaltung.

ROLAND WENZLHUEMER (Heidelberg) schloss das dritte Panel zu Zeitwahrnehmung und -gestaltung. In seinem Beitrag sprach er drei Ebenen an, auf denen sich die im 19. Jahrhundert neu entwickelte Technik der Telegrafie mit dem Faktor Zeit verband. An erster Stelle nannte er die Optimierung von Übertragungszeiten als zentrales Thema für Ingenieure und Planer. Zum zweiten ging er auf die Standardisierung der Zeitmessung ein, die durch die Telegrafie möglich wurde. Drittens thematisierte er das veränderte Zeitempfinden der Kommunikationsteilnehmer. Verkürzte Übertragungszeiten, welche die Zeitgenossen zunächst als „Überwindung der Zeit” interpretiert hatten, verliehen dieser letztendlich eine neue Dimension: Sie führten zu einer Beschleunigung der Kommunikation und evozierten damit Verhaltensmodifikationen. Diese eröffneten neue Ereignis- und Handlungsfenster. So konnten durch telegrafische Anbindungen Veränderungen von Zeitplänen beispielsweise an Verwaltungsbeamte im Außendienst kurzzeitig weitergegeben werden. Geschäftsmänner waren nun stets erreichbar und kommunizierten aktiv. Ihren Kommunikationspartnern gaben sie damit ebenfalls einen neuen Arbeits- und Zeitrhythmus vor.

In der von Katja Patzel-Mattern und Andrea Maurer geleiteten Abschlussdiskussion wurde deutlich, auf welch vielfältige Weise das Konzept der Zeit in kulturwissenschaftlicher Perspektive bearbeitet und zukünftig angewendet werden könnte. Zeit, so ein erster gemeinsamer Befund der interdisziplinären Betrachtungen, sei an sich nicht fassbar. Ihre Wahrnehmung erfolge stets relational und finde auch sprachlich in der Verwendung von Zeit-Komposita ihren Ausdruck. Auch über die Tatsache, dass Zeit die Gesellschaft über Zeitordnungen präge, bestand Konsens. Dabei würden kollektive Zeitvorstellungen auf die individuelle Wahrnehmung übergreifen und im Subjekt wirksam werden. Dies könne anhand verschiedener Aspekte verdeutlicht werden: Zeit übernehme eine gesellschaftliche Synchronisations- und Koordinationsfunktion und präge Denk- wie Erzählmuster, die wiederum in Wahrnehmung und Kommunikation erkennbar würden. Zudem würden Zeitvorstellungen in einem performativen Akt kontinuierlich weitergegeben und bestätigt. Gerade im Bezug auf Untersuchungen zum 19. und 20. Jahrhundert erarbeiteten die Teilnehmer des Workshops wichtige Ansätze. Hier müsse besonders dem politisch-ideologischen, dem wirtschaftlichen und technisch-industriellen Kontext Beachtung geschenkt werden. Damit verbunden seien Fragen nach der Bedeutung von Akteuren, Kultur und Gesellschaft als prägende Faktoren von Zeitordnungen. Auch die Ursachen des Wandels zeitlicher Ordnungen seien noch zu untersuchen, weshalb das Verhältnis von Brüchen und stabilen Strukturen in den Fokus rücken müsse. Das Vorhaben, die Analysekategorie Zeit in historisch vergleichender Perspektive zu diskutieren, und somit einen Beitrag zu einer globalen Zeitforschung zu leisten, darf als gelungen bezeichnet werden. Die genannten Ergebnisse stellen dabei den ersten Schritt eines interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Dialogs zum Thema Zeit dar und sind mögliche Anknüpfungspunkte für weitere Treffen.

Konferenzübersicht:

Panel I: Zeit-Theorien
Chair: Chair Andrea Maurer (München) / Katja Patzel-Mattern (Heidelberg)

Andrea Maurer (München): Zeit: eine soziale Institution

Benjamin Steininger (Wien): Perspektiven auf Zeitregime der Globalisierung

Sebastian Dorsch (Erfurt): Potenziale einer historischen Zeitforschung für eine atlantische Geschichte um 1900.

Panel II: Zeit-Konflikte
Chair: Thomas Maissen (Heidelberg)

Olaf Morgenroth (Hamburg): Zeitkonflikte – individuelle Herausforderung oder soziales Problem?

Christoph Senft (Coimbra/Potsdam): Transmoderne literarische Historiographie: lokale Vergangenheiten und globale Designs in indisch-englischsprachigen Romanen der Gegenwart

Pierre-Frédéric Weber (Szczecin): Zeit – Raum – Norm – Konflikt in den internationalen Beziehungen. Eine Definition des Chronotops an Beispielen aus dem Kalten Krieg

Sebastian Sprute (Berlin): “Uhrzeit-Regime”. Konkurrierende zeitliche Ordnungssysteme und Widerstand gegen die Vereinheitlichung der Zeit im kolonialen Senegal, 1890-1930

Panel III: Zeitwahrnehmung und –gestaltung
Chair: Julia Hoscislawski (Heidelberg)

Irene Raehlmann (Bamberg): Flexibilisierung von Zeit im globalen Kapitalismus

Mathias Mutz (Berlin): Der Mehrwert einer Stunde. Deutungen der Sommerzeit im 20. Jahrhundert im Vergleich

Albrecht Franz (Heidelberg): Betriebliche Aushandlungsprozesse um die Arbeitszeitverkürzung im Kaiserreich

Roland Wenzlhuemer (Heidelberg): Telegrafie und der Faktor Zeit

Abschlussdiskussion
Chair: Katja Patzel-Mattern (Heidelberg)

Zitation
Tagungsbericht: Der Faktor Zeit im globalen Kontext. Theoretische und empirische Perspektiven für das 19. und 20. Jahrhundert, 29.04.2011 – 30.04.2011 Heidelberg, in: H-Soz-Kult, 13.09.2011, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3799>.