811-2011. 1200 Jahre deutsch-dänische Grenze. Aspekte einer Nachbarschaft

Ort
Kiel
Veranstalter
Martin Krieger, Historisches Seminar, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Datum
13.05.2011 - 15.05.2011
Von
Thomas Eisentraut, Kiel

Unter dem Titel „811-2011. 1200 Jahre deutsch-dänisch Grenze. Aspekte einer Nachbarschaft“ fanden sich Historiker/innen, Naturwissenschaftler/innen, Psycholog/innen und wissenschaftlich interessierte Gäste im Internationalen Begegnungszentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zusammen. Ziel sollte eine Betrachtung der historischen Verhältnisse des deutsch-dänischen Grenzlandes werden. Doch gerade im Hinblick auf die gegenwärtige politische Veränderung in Dänemark (Wiedereinführung von Grenzkontrollen) bekam die Tagung eine brisant aktuelle Dimension.

Die Tagung wurde von GERHARD FOUQUET (Kiel) eröffnet, der in seiner Eröffnungsrede das neuartige Verständnis von Grenzen und deren Entwicklung im Mittelalter beleuchtete. Er kam zu dem Schluss, dass der Grenzbegriff vom Mittelalter bis in die Gegenwart hinein einem ständigen Wandel unterworfen war.

HANSJÖRG KÜSTER (Hannover) ging in seinem Vortrag auf die grundverschiedenen Bodentypen im schleswig-holsteinischen Grenzgebiet ein. Hierbei stellte er die drei unterschiedlichen Bodentypen, das Jungmorän im östlichen Landesteil, das Geestland im mittleren Schleswig-Holstein und das Marschland im westlichen Landesteil vor. Es wurde die Theorie angeführt, dass man anhand der Bodenqualität auch eine wirtschaftliche und finanzielle Grenze ziehen könne. Küster wies dahingegen die Annahme, dass Flüsse im Hinblick auf Mobilität eine trennende Rolle spielen würden, deutlich zurück. Entkräftend führte Küster hier die wirtschaftstragende Funktion von Flüssen (Elbhandel, Eiderkanal, Nordostseekanal) für den Handel an.

Auf ein Burgennetzwerk in Schleswig und Holstein machte indessen ULRICH MICHAEL (Kiel) aufmerksam. Hierbei konnte er herausarbeiten, dass sich ein Burgennetzwerk entlang der mittelalterlichen Handelswege etabliert hatte. Eine Auffälligkeit, die Michael hervorhob, ist die Tatsache, dass sich das Burgennetzwerk eng an den Verlauf des römischen Limes durch Schleswig und Holstein anlehnte. Grenzen, so Michael, stellten im Mittelalter die einander gegenüber liegenden fränkischen und slawischen Burgen dar.

ANKE FEILER-KRAMER (Kiel) versuchte anhand ausgewählter Quellen die Lokalisierung eines mittelalterlichen Verhandlungsortes durchzuführen. Laut den Quellen wurde „super fluvium Egidoram“ ein Friedensabkommen zwischen Dänen und Schleswig-Holsteinern im 9. Jahrhundert unterzeichnet. Mittels Recherche konnte Feiler-Kramer nachvollziehbar beweisen, dass nur der Ort „Fockbek“ bei Rendsburg für ein Treffen in Frage kam. Andere Orte entlang des Flusses Eider fielen aufgrund der schlechten Erreichbarkeit, so verhinderten etwa Geestgebiete das Erreichen des Flusses, aus.

THOMAS STEENSEN (Bredstedt) arbeitete in seinem Beitrag die problematische Stellung der Friesen heraus. Der friesische Gegensatz wurde durch das dänisch-deutsche Problem überlagert und erfuhr gerade im Hinblick auf die Grenzentscheidung von 1920, nur eine unzureichende Würdigung, so Steensen. Das friesische Bewusstsein geriet in Vergessenheit und konnte sich nur innerhalb der Sprache und der Tradition (Trachten) erhalten. Abschließend kam Steensen zu dem Fazit, dass sich die Situation grundlegend verändert habe. Aktuell unterstützen Dänemark und Deutschland die Friesen finanziell. Eine rechtliche Absicherung haben die Friesen ebenfalls erfahren, indem sie in Schleswig-Holstein als nationale Minderheit anerkannt worden.

Dass es sich bei dem Begriff „Grenze“ um ein von Menschen geschaffenes Konstrukt handelt, stellte ALEXANDER DROST (Greifswald) dar. Wichtig sei, so Drost, dass es sich bei der Grenze sowohl um ein Abbild der Ordnungsfunktion, als auch um ein Identitäten bestimmendes Element handele. Dass die Grenze kein starres Konstrukt sei, untermauerte Drost, indem er den Wandel von der mittelalterlichen „Frontier“ zu einer gegenwärtigen „Grenzzone“ beschrieb. Der Hinweis, dass der Begriff „Grenze“ einer erweiterten Definition bedarf, wurde ebenso dargestellt, so verwies etwa der Begriff „Eiserner Vorhang“ auf die Undurchdringlichkeit dieser Grenze.

OLIVER AUGE (Kiel) befasste sich mit den schriftlichen Überlieferungen von Grenzen im Mittelalter. Anschaulich stellte er die Funktion von Flüssen als Grenzen zwischen Dänemark und dessen südlichen Nachbarn dar. Hierbei wies er ausdrücklich daraufhin, dass die Flüsse sowohl trennende als auch verbindende Funktionen besaßen. Mittels verschiedener Chroniken konnte Auge letzten Endes einen Grenzsaum zwischen Eider und Schlei lokalisieren, der ständig weiter befestigt und umkämpft wurde. Erst ab 1125 konnte sich eine längerfristig stabile Grenze entlang der Flüsse Eider und Levensau etablieren, die Dänemark von dessen südlichen Nachbarn trennte.

Die Sonderstellung des Herzogtums Schleswig stellte NILS HYBEL (Kopenhagen) dar. Er führte die Berührungspunkte zwischen Dänen und Deutschen auf. Hybel wies auf die unzureichende Quellenlage hin, die gerade im Hinblick auf einen schleswigschen Markgrafen eine wichtige Rolle spielt. Interessant war zudem der Aspekt, dass das Herzogtum Schleswig eine Brücke zwischen internen Reichsangelegenheiten auf der einen Seite und dänischer Lehnshoheit auf der anderen Seite spielte. Zudem wurde mittels Heiratspolitik eine engere Verbindung zwischen dänischen und deutschen Adelshäusern angestrebt, die zu einer weitestgehenden Befriedung des Herzogtums beitrug.

BJØRN POULSEN (Aarhus) befasste sich in seinem Beitrag mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Schleswig und Holstein. Anhand von Quellen zeigte er, dass sich bereits relativ früh das Nationalbewusstsein der Dänen, Deutschen und Slawen etablierte. Zudem stellte Poulsen fest, dass auf deutscher Seite eine besondere Entwicklung von antidänischen und antijüdischen Elementen einsetzte. Anhand des unterschiedlichen Erbrechtes, so galt für das Herzogtum Holstein keineswegs die weibliche Erbfolge, wies Poulsen auf Problemfelder hin, die in der Vergangenheit eine durchaus wichtige Rolle gespielt hatten.

KURT VILLADS JENSEN (Odense) berichtete über das dänische Imperium. In seinem Vortrag hob er besonders die Voraussetzungen, wie etwa ein funktionsfähiges Kommunikationsnetzwerk oder ein (vereinheitlichtes) Rechtssystem, hervor. Erwähnenswert war in diesem Zusammenhang, dass innerhalb eines Imperiums keineswegs eine Spracheinheit vorherrschen müsse. Vereinende Elemente, so Jensen, seien die Aufgabe von Symbolen, Münzen, dem Militär oder der Herrschergestalt. Gerade im Hinblick auf die Symbolik verwies Jensen auf eine interessante Theorie, nachdem die dänischen Trelleburgen, der Form nach, möglicherweise eine Nachbildung des Heiligen Jerusalems der Apokalypse, entspräche.

Dass Dänemark keineswegs schon immer ein Kleinstaat gewesen sei, stellte MICHAEL BREGNSBO (Odense) auf anschauliche Art und Weise dar. Aus norddeutscher Perspektive zeichnete Bregnsbo das dänische Erscheinungsbild in der frühen Neuzeit nach. Hierbei konnte er nachweisen, dass Dänemark im norddeutschen Raum als eine, vor allem militärisch aktive regionale Großmacht agierte. Dies zeigten unter anderem die Verteidigungswerke Hamburgs, die eindeutig gegen Dänemark gerichtet waren. Das Dänemark eine so starke Präsenz in den norddeutschen Territorien einnehmen konnte, lag vor allem an der Peripherielage der Reichsgebiete. Erst mit der europäischen Isolation Dänemarks während der Napoleonischen Kriege und dem Verlust der dänischen Flotte (1801 und 1807) wandelte sich das dänische Selbstbild und Selbstverständnis, hin zu einem „Kleinstaat“-Verständnis, so Bregnsbo.

KLAUS-JOACHIM LORENZEN-SCHMIDT (Hamburg) beleuchtete die Lage und Situation der holsteinischen Landesstadt Hamburg auf ihrem Weg in die Reichsunmittelbarkeit. Hierbei wies er auf die offene und problematische Frage der Zugehörigkeit Hamburgs hin: War Hamburg dem Herzog von Schleswig und Holstein oder gar dem Kaiser persönlich unterstellt? Besaß der dänische König vielleicht sogar ein Anrecht auf die Stadt? Lorenzen-Schmidt wies nach, dass die Stadt sich einen Spielraum schaffen konnte, sodass sie schließlich selbst entschied wessen Untertan sie war.

Mit der doppelten Funktion von Grenzen befasste sich WOLFGANG BURGDORF (München), indem er zum einen auf die innenpolitische Funktion – Gesetze galten nur bis zur jeweiligen (Landes-)Grenze – und zum anderen auf die außenpolitische Schutzfunktion der Grenze hinwies. Aus der Tatsache, dass Grenzen bei Verträgen oder in Friedensschlüssen selten genannt wurden, zog Burgdorf den Schluss, dass diese allgemein bekannt waren und somit keiner Erwähnung bedurften. Die „Verfestigung“ der Reichsgrenzen erfolgte nach Burgdorf im Dreißigjährigen Krieg.

KARSTEN SKJOLD PETERSEN (Kopenhagen) stellt den Eiderstein von Rendsburg vor. Bei dem Eiderstein handelt es sich, um einen aus Sandstein bestehenden Grenzstein, der die Inschrift „Eidora romani Terminus Imperii“ trägt. Auffällig hierbei sei, dass der Grenzstein auf dänischer Seite stand und somit nicht den Beginn des dänischen sondern lediglich das Ende des Reichsgebietes markierte. Durch den Standort des Steines in Rendsburg, am Fluss Eider bedingt, vermutete Petersen eine Grenzziehung entlang des Flusses Eider.

Die handelspolitische Rolle des Eiderkanals stellte JAN SCHLÜRMANN (Kiel) in seinem Beitrag dar. Hierbei verdeutlichte er, dass die Eider neben einer Trennung von Norden und Süden auch eine verbindende Funktion zwischen Ost- und Nordsee besaß. Entlang der Eider konnte sich durch den Ausbau von Schleusen, Brücken und Packhäusern ein Binnenhandelsnetzwerk etablieren, was zugleich als Wirtschaftsmotor fungierte. Schlürmann wies gleichzeitig auf den Nachteil des Eiderkanals hin, der in den unberechenbaren Windverhältnissen gerade im Mündungsgebiet der Eider bestand. Somit war keineswegs eine dauerhaft optimale Nutzung des gesamten Eiderkanals möglich.

STEEN BO FRANDSEN (Sonderborg) zeichnete die Entwicklungslinien des dänischen Konglomeratstaates hin zum Nationalstaat nach. Frandsen zeigte hierbei auf, dass die Ideen, die zum Aufstand in Schleswig und Holstein 1848 führten keineswegs selbstentwickelte Gedanken waren, sondern aus anderen Gebieten (vorwiegend Frankreich und Süddeutschland) kamen. Ebenso konnte keine dauerhafte Feindschaft zwischen Deutschen und Dänen nachgewiesen werden, vielmehr, so betonte Frandsen führte die große Nähe und Ähnlichkeit zu Konflikten. Abschließend hob Frandsen die besondere übernationale Funktion der dänischen Südgrenze hervor. Diese besteht darin, dass es sich nicht lediglich um die Südgrenze eines Staates, sondern vielmehr um die Südgrenze ganz Skandinaviens handele.

Dass die Verhältnisse zwischen Deutschen und Dänen nicht immer nur negativ zu sehen sind, unterstrich FRANK LUBOWITZ (Apenrade) mit seinem Vortrag. Er sprach den im Grenzstreifen zwischen Eider und Königsau wohnenden Minderheiten eine kulturelle und grenzüberschreitende Brückenfunktion zu. Anhand des Wirkens von Hans Victor Clausen (1860-1937) führte Lubowitz auf die Grenzziehung von 1920 über. Aufbauend auf den Arbeiten von Clausen, lässt sich festhalten, so Lubowitz, dass die Zustände in den Jahren 1870 bis 1920 gleichbleibend gut waren, was vor allem durch die hervorragenden dänischen Förderungsmaßnahmen, in Form von Schulen- und Bibliotheksausbau, erreicht wurde. Somit kam es innerhalb dieser Jahre zu keiner veränderten Grenzziehung.

Im Rahmen seines Vortrages beschäftigte sich KARL-CHRISTIAN LAMMERS (Kopenhagen) mit der deutsch-dänischen Grenze zur Zeit des Dritten Reiches. Lammers bezeichnete die Grenze als eine „Versailles-Grenze“, die somit zum Streitpunkt und Erbe des Ersten Weltkrieges erhoben wurde. Betont wurde von Lammers die jeweilige Perspektive, der Länder. Hierbei wurde auffällig, dass auf beiden Seiten eine realpolitische Diplomatie verfolgt wurde. Ungewöhnlich hingegen sei, dass Hitler im Hinblick auf die Grenze von einer „befriedeten Grenze“ sprach und selbst nach der Besetzung Dänemarks im April 1940 keine Grenzrevision anstrebte. Mit den Bonn-Kopenhagener Verträgen von 1955 wurde letztendlich eine bis heute stabile Ausgangssituation geschaffen, so Lammers.

TORSTEN FRIED (Schwerin) stellte eine Propagandamedaille mit der Inschrift „CVI Futuro“ von 1711 vor, deren Prägung zwei Herrschern zugesprochen wird. Zum einen Kaiser Karl VI. und zum anderen dem dänischen Monarchen Christian VI. Fried stellte verschiedene Interpretationsansätze vor, von denen vor allem die Theorie nachdem die Medaille vom dänischen Thronfolger Christian (VI.) in Auftrag gegeben wurde, für Diskussion sorgte. Folgt man dieser Theorie, so würde die Medaille frühe Ansprüche Christians (VI.) auf den dänischen Thron und gleichzeitig eine Drohung gegenüber seinem Vater Friedrich IV. symbolisieren. Abschließend verwies Fried darauf, dass eine eindeutige Interpretation des Unikats bisher noch nicht möglich war.

INGE ADRIANSEN (Sonderburg) hob in ihrem Vortrag die Herausbildung, Pflege und Aktualität von dänisch-deutschen Erinnerungsorten hervor. Hierbei zeigte sie, dass Grenzen konstruiert werden und veränderlich sind. Neben Flüssen spielten weitere historisch aufgeladene Orte, wie etwa das Danewerk, eine herausragend politische Rolle, die sich zu meist propagandistisch nutzen ließ. Adriansen betonte zudem zwei wichtige Dinge. Erstens, dass die Erinnerungsfunktion von Orten nicht durch den Verlust von Territorien beeinflusst werden und zweitens, dass Symbole wie Staatswappen zum einen das Gefühl von Zusammengehörigkeit fördern sowie zum andern eine Abgrenzung gegenüber anderen erzwingen.

Das Konzept von historischen Kulturlandschaften wurde von KATRIN LEINEWEBER (Kiel) anhand der Eider-Landschaft dargestellt. Bei einer historischen Kulturlandschaft handle es sich um ein vom Menschen geschaffenes Konstrukt. Als juristische Grundlage gilt neben dem Bundesnaturschutzgesetz auch das schleswig-holsteinische Landesnaturgesetz von 1993. Eingegliedert in die historische Kulturlandschaft sind als wichtig erachtete historische Objekte, wie Steinbrücken, Schleusen, Wehre oder Überreste von Packhäusern. Leineweber wies abschließend in ihrem Vortrag daraufhin, dass das Konzept der historischen Kulturlandschaft einer infrastrukturellen und touristischen Erweiterung bedarf.

MANFRED BORNEWASSER (Greifswald) betrachtete aus psychologischer Sicht Grenzen im Hinblick auf trennende und verbindende Elemente. Hierbei zeigten sich größere Unterschied zwischen den Studien der polnisch-mecklenburgisch-vorpommerschen und der dänisch-schleswig-holsteinischen Region. Bornewasser konnte Mobilitätsströme über die Grenzen hinweg aufzeigen. Als wichtigste Voraussetzung für eine Kooperation über die Grenzen hinweg lokalisierte Bornewasser die Sprache, die ein gegenseitiges Verständnis erst ermöglicht. Zusammenfassend kam Bornewasser zu dem Schluss, dass mehr Kommunikation über die Grenze hinweg zu einem besseren Miteinander und somit zu einer verbesserten Umgangsform führen würde.

Dass es verschiedene grenzüberschreitende Regionen gibt, wurde abschließend von MARTIN KLATT (Sondernburg) vorgestellt. Auffällig hierbei war der transnationale Regionalismus, der sich vor allem in Schleswig-Holstein feststellen ließ. Klatt kritisierte hierbei eine seit dem Jahr 2010 einsetzende Entwicklung der „Re-bordering“. Hierbei spielen finanzielle Kürzungen im Schulwesen, sowie die Androhung und Wiedereinführung von Grenzkontrollen eine erhebliche Rolle. Für die Zukunft diagnostizierte Klatt, dass die historischen Grenzen durch neue grenzüberstreitende Projekte mit wirklichen „Synergieeffekten“ abgelöst werden würden.

Die historisch angelegte Tagung wurde durch die aktuellen politischen Vorgänge auf eine faszinierende Art belebt, indem sie zeigte, wie eng Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verknüpft sind. Festzuhalten bleibt, dass es sich bei einer Grenze, um ein von Menschen geschaffenes Konstrukt, handelt, dass weniger einer erstarrte Trennlinie zwischen zwei Ländern, sondern vielmehr einen sich ständig wandelnden übernationalen Grenzraum ähnelt. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass der Begriff „Grenze“ in Zeiten der Globalisierung und des Schengener Abkommens überholt ist. Dass dem nicht so ist, zeigt(e) leider die aktuelle Politik Dänemarks.

Konferenzübersicht:

Gerhard Fouquet (Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel): Eröffnung.

Martin Krieger (Kiel): Einführung in das Thema.

Natur und Archäologie an der Grenze

Ulrich Müller (Kiel): Grenzen, Grenzgänger, Grenzregionen: Die Archäologie des frühen Mittelalters zwischen Elbe und Kongeå.

Anke Feiler-Kramer (Kiel): Vor 1200 Jahren an der Grenzfurt bei Fockbek: „super fluvium Egidoram in loco qui vocatur …, … sacramentis pax confimartur“.

Hansjörg Küster (Hannover): Natürliche Grundlagen von Grenzen in Schleswig-Holstein.

Abendvortrag
Thomas Steensen (Bredstedt): Die Nordfriesen an der Grenze: Rück- und Ausblick.

Modell und Theorie

Alexander Drost (Greifswald): Historische Grenzräume und kognitive Grenzziehungen der Gegenwart.

Die Grenze im Mittelalter

Oliver Auge (Kiel): Konflikt und Koexistenz. Die Grenze zwischen dem Reich und Dänemark bis zur Schlacht von Bornhöved (1227) im Spiegel zeitgenössischer Quellen.

Nils Hybel (Kopenhagen): Danish Kings and German Emperors c. 800-1200.

Bjørn Poulsen (Aarhus): Was trennte Schleswig und Holstein im Spätmittelalter? Von frühem Nationalbewußtsein und Fürstentreue.

Die Grenze in der Frühen Neuzeit

Kurt Villads Jensen (Odense): Das dänische Imperium. Idee und Konzept.

Michael Bregnsbo (Odense): Das dänische Imperium der frühen Neuzeit aus norddeutscher, historiographischer Perspektive.

Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (Hamburg): Die holsteinische Landstadt Hamburg auf dem Weg in die Reichsunmittelbarkeit.

Karsten Skjold Petersen (Kopenhagen): The Eider-Stone and the Danish Fortress of Rendsburg.

Jan Schlürmann (Kiel): Eider und Eiderkanal im Wirtschaftsnetz des Gesamtstaates.

Wolfgang Burgdorf (München): Die Grenzen des Reiches in politischer und staatsrechtlicher Perspektive.

Die Grenze im 19. und 20. Jahrhundert

Steen Bo Frandsen (Sonderburg): Die deutsch-dänische Grenze im Zeitalter des nationalen Gegensatzes.

Frank Lubowitz (Apenrade): „Grenzland Schleswig“. Die Clausenlinie und die Grenzziehung 1920 zwischen Eider- und Königsaugrenze.

Karl-Christian Lammers (Kopenhagen): Die neue dänisch-deutsche Grenze als „Versailles-Grenze”? Die Grenze in den dänisch-deutschen Beziehungen 1933 bis 1955.

Podiumsdiskussion

Christoph Jessen (Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Kopenhagen): 1200 Jahre deutsch-dänische Grenze. Aus einer schwierigen Vergangenheit in eine gemeinsame Zukunft.

Henrik Becker-Christensen (Königlich Dänisches Generalkonsulat Flensburg): Minderheitenpolitik im deutsch-dänischen Grenzland. Von den Bonn-Kopenhagener Erklärungen bis heute.

Caroline Schwarz (Beauftragte für Minderheiten und Kultur des Landes Schleswig-Holstein): Licht und Schatten im deutschdänischen Grenzland.

Hinrich Jürgensen (Bund Deutscher Nordschleswiger, Hauptvorsitzender): Die deutsche Minderheit in Dänemark: Aktuelle Situation und Perspektiven.

Identität und Erinnerungskultur

Torsten Fried (Staatliches Museum Schwerin): Eine Propagandamedaille für zwei Herrscher: Karl VI. und Christian VI.

Lars Henningsen (Flensburg): Sprach-, Kirchen- und Identitätsgrenzen: Schleswig als komplizierter Fall.

Inge Adriansen (Sonderburg): Dänemark bis an die Eider! Die deutsch-dänischen Grenzen als Erinnerungsorte im 19. und 20. Jahrhundert.

Katrin Leineweber (Kiel): Die Eider als Kulturlandschaft. Von der Quelle bis zur Mündung.

Die deutsch-dänische Grenze heute

Manfred Bornewasser (Greifswald): Grenzen zwischen Trennung und Durchlässigkeit: Subjektive Einflussfaktoren auf die Bewertung der polizeilichen Zusammenarbeit.

Martin Klatt (Sonderburg): Euroregion Schleswig, Sønderjylland-Schleswig, Süddänemark – Schleswig-Holstein. Von der Grenze zur grenzüberschreitenden Region?

Zitation
Tagungsbericht: 811-2011. 1200 Jahre deutsch-dänische Grenze. Aspekte einer Nachbarschaft, 13.05.2011 – 15.05.2011 Kiel, in: H-Soz-Kult, 10.10.2011, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3856>.
Redaktion
Veröffentlicht am
10.10.2011