Die Mitte Europas. Kommunikation – Konstruktion – Kooperation. Zweite Tagung Deutsche Polenforschung

Ort
Mainz
Veranstalter
Deutsches Polen-Institut, Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Gießener Zentrum Östliches Europa, Universität Gießen; Herder-Institut Marburg
Datum
22.09.2011 - 24.09.2011
Von
Peter Römer, Historisches Seminar, Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Christian Schmidt-Rost, Osteuropa-Institut, Freie Universität Berlin

„Polen – die Mitte Europas. Konstruktion – Kommunikation – Kooperation“ lautete das Rahmenthema der Zweiten Tagung Deutsche Polenforschung, die das Deutsche Polen-Institut Darmstadt gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vom 22. bis 24. September 2011 in Mainz veranstaltete. Weit mehr als 200 deutschsprachige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen zusammen, um zu berichten und zu erfahren, was in Disziplinen wie Sprach- und Literaturwissenschaft, Geschichte und Soziologie, Ethnologie oder Kunstgeschichte derzeit zu Polen und den deutsch-polnischen Beziehungen geforscht wird. Der Kongress setzte die Erste Tagung Deutsche Polenforschung fort, die 2009 in Darmstadt stattgefunden hatte.[1]

Vielfach handelte es sich dabei um „polnische Lektionen“: Der Schriftsteller MARTIN POLLACK (Bocksdorf) hatte in seinem Festvortrag bei der Tagungseröffnung im Mainzer Landtag seinen persönlichen Weg zu Polen rekonstruiert, nicht frei von selbstkritischer Betrachtung seiner Jugend in der österreichischen Provinz: „Alle Geschichten müssen erzählt, keine Tragödie darf verschwiegen werden, ohne jedoch das Unrecht der einen Seite gegen die Leiden der anderen aufzurechnen. Unser Ziel muss es sein, den Anderen zu verstehen und ihn so zu akzeptieren, wie er ist, mit der ganzen Last seiner Geschichte.“

Eine Aufarbeitung von Geschichte führt zu Geschichten, zu Konstruktionen und Dekonstruktionen, zu Kommunikation und zu Kooperation. Auf das Rahmenthema der Tagung bezogen hatten die Tagungsorganisatoren gefragt: „Wie fand und findet Kommunikation zwischen Polen und dem Rest Europas statt, wie wanderten Vorstellungen und Menschen, wie war und ist Polen eingebunden in die Allianzen und Netzwerke des Kontinents? Wie europäisch ist Polen eigentlich? Und wie polnisch ist Europa?“[2]

Solche europäischen Lektionen in und mit Polen bildeten den Schwerpunkt der Tagungsinhalte. Dazu gehörten zunächst die Projektvorstellungen, die den zweiten Tagungstag in der Mainzer Universität eröffneten: In jeweils nur 150 Sekunden berichteten 30 Wissenschaftler, welche Fragen und Themen ihren laufenden Forschungsprojekten zu Grunde liegen. Auf diese Weise entstand ein buntes Kaleidoskop der aktuellen deutschsprachigen Beschäftigung mit Polen. Die Bandbreite reichte von einer Betrachtung weiblicher Heiliger im Mittelalter bis zur Entwicklung von Lehrmitteln für den Polnischunterricht. Das enge zeitliche Korsett funktionierte: Die Beiträge waren nicht so kurz, dass die Hauptinhalte nicht vermittelt werden konnten und nicht so lang, dass das sonstige Tagungsprogramm damit überlagert worden wäre. Die Vortragenden hatten beste Gelegenheit, sich im Anschluss an ihre Präsentationen gut zu vernetzen.

In den rund fünfzig, in neun Sektionen gegliederten Vorträgen ging es dann jedoch ausführlicher zu. Aufgrund des umfangreichen Tagungsprogramms können hier nur einige Ausschnitte dargestellt werden.

Die von Dieter Bingen (Darmstadt) geleitete Sektion „Identität, Region, Räume“ stellte verschiedene Zugänge zum Verhältnis von Raum und Identität nebeneinander. Der Historiker ANDRZEJ MICHALCZYK (Bochum) verglich, wie sich in den Abstimmungsgebieten in Schleswig und Oberschlesien, Politisierung, Nationalisierung und Entkirchlichung auf die Lebenswelt der „kleinen Leute“ auswirkte. Der Architekt MARKUS OTTO (Cottbus) wies anhand der identitätsrelevanten Bautätigkeit im deutschen wie polnischen Teil Oberschlesiens nach der Teilung von 1922 nach, dass sich trotz nationalistischer Begleitmusik die Architektur der Moderne durchsetzte. Diese Oberschlesischen Städte sind heute von negativem Wachstum betroffen. Die Soziologin ANNEGRET HAASE (Leipzig) zeigte Möglichkeiten auf, wie polnische Städte von westeuropäischen Strategien zum Umgang mit schrumpfenden Städten profitieren können. Fragen der Aushandlung von Identitäten im öffentlichen Raum untersuchten die beiden europäischen Ethnologen JENS ADAM am Beispiel der Kreuz-Demonstrationen in Warschau 2010 und HANNAH C. WADLE am Beispiel das Seglerdorfs Sztynort in den Masuren/Mazury.

Jan Kusber leitete die Sektion „Kommunikation über Grenzen“. JUSTYNA A. TURKOWSKA (Marburg) zeigte, dass in der Provinz Posen selbst der Kampf gegen Alkoholismus in der Lage war, die Grenzziehungen zwischen Polen und Deutschen zu verschärfen. Den Expertendialog im Ostseeraum über die Grenzen der Resource Holz stellte CHRISTIAN LOTZ (Marburg) vor. Wie sich der polnische Staat zwischen Ost und West verortete und welche Politiken daraus abzuleiten wären untersuchten STEFFI MARUNG (Leipzig) und BENJAMIN CONRAD (Mainz) jeweils für einen unterschiedlichen Zeitraum. Erstere präsentierte den Diskurs um die Suche Polens nach einem Ort in Europa zwischen dem Umbruch 1989 und dem Beitritt Polens zur EU. Letzterer stellte die Konzepte der polnischen Ostpolitik nach dem I. Weltkrieg vor. Kontakte zwischen Westdeutschen und Polen in den 1960er und 1970er Jahren analysierten LISA BICKNELL (Mainz) am Beispiel der Kontakte zwischen Mieczyslaw F. Rakowski und Marion Gräfin Dönhoff und HANS-CHRISTIAN PETERSEN (Mainz) am Beispiel der Lindenfelser Gespräche zwischen westdeutschen Polenexperten und polnischen Emigranten. Dabei griff er auf Materialien aus dem Nachlass von Gotthold Rhode zurück, der an der Universität Mainz aufbewahrt wird.

Die von Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen) geleitete Sektion „Polen und ‚der Osten’“ zeigte, wie sich über die Jahrhunderte hinweg Polen (und andere Nationen der Region) als „Bollwerk der Christenheit“ gegen den Osten abgrenzten – PAUL SRODECKI (Gießen) demonstrierte das im Vergleich mit Ungarn –, parallel aber eine Selbst-Orientalisierung der Adelsgesellschaft erfolgte, was SABINE JAGODZINSKI (Leipzig) aus kunsthistorischer Perspektive demonstrierte. Wenn ALEXANDRA SCHWEIGER (Marburg) sich mit den polnischen Ostkonzepten um 1900 beschäftigte oder CHRISTINE NORMANN (Trier) aus politikwissenschaftlicher Sicht mit der polnischen Ostpolitik im Rahmen der Östlichen Partnerschaft, so wurde deutlich, welche mentalitätsgeschichtlichen Kontinuitätslinien es bis in die Gegenwart gibt, wie sehr aber gerade in den letzten Jahren auch bewusst ein Traditionsbruch aufscheint: Hatten noch in den zwei Jahren der „Vierten Republik“ spätsarmatische Vorstellungen politisches Handeln bestimmt, so sind es in jüngster Zeit pragmatische sicherheitspolitische Überlegungen. Man mag es aber drehen und wenden wie man will – um eine diskursive Auseinandersetzung mit Europa und Europäizität handelt es sich hier wie dort.

Ein abendliches Journalistengespräch mit dem Thema „Polen vor den Wahlen“ bot Erholung von der „reinen“ Wissenschaft: Moderiert von MANFRED SAPPER (Berlin), Chefredakteur der Zeitschrift Osteuropa, diskutierten PIOTR BURAS (Berlin, Gazeta Wyborcza), GERHARD GNAUCK (Warschau, Die Welt) und STEFAN DIETRICH (Frankfurt am Main, FAZ) die Lage in Polen kurz vor den Parlamentswahlen: Sie zeichneten das Bild eines im Grunde erfolgreichen Landes, dessen Regierungsparteien letztlich aufgrund ihres Unvermögens, Erfolge dem Wahlvolk emotional zu „verkaufen“ noch einmal zittern mussten. Im Vergleich zu Stefan Dietrichs Polen-Erfahrungen um 1990 zeigte sich jedoch, wie schwierig es in Polen ist, bürgerschaftliches Engagement kontinuierlich aufrechtzuerhalten.

Verschiedene kleinere Diskussionen, etwa über die Rolle der jüdischen Geschichte in der Polenforschung, mit der sich KATRIN STEFFEN (Lüneburg) und FRANÇOIS GUESNET (London) auseinandersetzten, Buchvorstellungen sowie Präsentationen zahlreicher Verlage und Institutionen rundeten das Programm ab. Diskutiert wurde auch über das Publikationsprojekt „Deutsch-Polnische Geschichte“, das wegen des innovativen Ansatzes einerseits und der kontroversen Diskussion andererseits besonders herausstach. DIETER BINGEN (Darmstadt) und HANS-JÜRGEN BÖMELBURG (Gießen) stellten das Konzept des fünfbändigen Projektes vor, das vor allem aufgrund der Einbeziehung von transfer- und beziehungsgeschichtlicher Methoden ein Novum darstellt. Die beiden Referenten legten dar, wie die letzten 1000 Jahre deutscher und polnischer Geschichte in „Historikertandems“ erzählt und so das erste gelungene Beispiel einer Verflechtungsgeschichte über Jahrhunderte hinweg entstehen soll. Was folgte, demonstrierte die Sinnhaftigkeit der Bündelung deutscher Polenforschung in einer Tagung in besonderem Maße: Auf höchstem Niveau fragten und stritten die Zuhörer, gleich ob Lehrstuhlinhaber oder Nachwuchswissenschaftler, über Chancen und Risiken des Projekts.

Die Diskussion demonstrierte auf diese Weise beispielhaft, dass die Tagung ein höchst verdichtetes Forum deutschsprachiger Polen-Expertise war, das für neue Vernetzungen und Impulse der Forschung sorgen kann. Es war somit zu verschmerzen, dass mancher Sektionsbeitrag qualitativ hinter dem Niveau des übrigen Programms zurückblieb. Das Tagungsthema als Klammer funktionierte durch die Gliederung in Sektionen zumeist gut. Das Publikum konnte auf diese Weise verschiedenste Antworten auf die Ausgangsfragen erhalten, je nachdem, welche Panels verfolgt worden sind. Wünschenswert wäre für zukünftige Tagungen jedoch, die Sektionen von sechs auf drei bis vier Beiträge zu verkürzen und zu homogenisieren. Die Teilnehmer wären so in der Lage, das ganz persönliche Programm flexibler zu gestalten, ohne auf Beitragsdiskussionen verzichten zu müssen. Als am Ende der Tagung eine Bilanz gezogen wurde, stand jedoch eines nicht mehr in Frage: Hatte es noch zur Ersten Tagung Deutsche Polenforschung 2009 in Darmstadt vielfach Skepsis gegeben, ob eine Tagung zur deutschsprachigen Polenforschung sinnvoll sei, wurde diesmal nur noch diskutiert, wann und wo eine dritte Tagung stattfinden wird. Voraussichtlich im Frühjahr 2014 werden sich die Polenforscherinnen und -forscher deshalb wieder treffen, an einem demnächst festzulegenden Ort.[3]

Konferenzübersicht:

Begrüßung: Jan Kusber (Mainz)

Grußworte: Doris Ahnen (Mainz), Ingmar Jung (Wiesbaden), Mechthild Dreyer (Mainz), Dieter Bingen (Darmstadt), Magdalena Erdman (Berlin), Albrecht Lempp (Warschau), Witold Gnauck (Frankfurt an der Oder), Peter Haslinger (Marburg)

Festvortrag: Martin Pollack (Bocksdorf, Österreich): Polnische Lektionen

Einführung: Alfred Gall (Mainz)

Schlusswort: Peter Oliver Loew (Darmstadt)

Projektvorstellungen
Leitung: Peter Oliver Loew (Darmstadt)

Andrea Hauff (Tübingen): Weibliche Heilige im Mittelalter. Förderkreise und Netzwerke

Klaus Schneiderheinze (Leipzig): Sarmatismus: zur Frage der Einzigartigkeit der polnisch-litauischen Adelsrepublik

Juliette Désveaux (Paris/Wien): Die Bedeutung der polnischen Eliten in der Habsburger Politik

Tomaš Nenartovic (Marburg/Lahn): Territorialisierungsprojekte und Geopolitik in Nordosteuropa 1890-1939

Wolfgang Daniel Engeldinger (Rennes): Europäische Intellektuelle und Polen 1863-1939

Katharina Ute Mann (Köln): Die Funktion von nationalen Identifikationsfiguren im polnischen Symbolismus und ihre Vorbilder

Robert Spät(Freiburg i. Br.): Die öffentliche Diskussion über die »polnische Frage« im Deutschen Reich 1894–1918

Sabrina Lausen (Paderborn): Elitenbildung in studentischen Verbindungen Deutschlands und Polens im frühen 20. Jahrhundert (1918 – 1945)

Wojciech Pieniazek (Hannover): Einsatz akademischer Freiwilliger in irregulären Konflikten in Osteuropa nach dem Ersten Weltkrieg – ein deutsch-polnischer Vergleich

Pascale Mannert (Göttingen): Protestanten in Polen, 1918-1939: Loyal wem gegenüber? Bianca Hoenig (Basel): Das Gebirge als sozialistisches Labor? – Das Spannungsfeld von Naturschutz und Naturnutzung am Beispiel der Tatra, 1945-1989

Michael Zok (Marburg): Die Vernichtung der europäischen Juden im polnischen Fernsehen 1968-1989. Zwischen Marginalisierung und Wiederentdeckung

Gregor Feindt (Bonn): Die antikommunistische Opposition in Ostmitteleuropa und ihr Verhältnis zur Nation

Sebastian Borchers (Essen): Rhythmus und Klang. Grundlagen der transnationalen Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Polen in der Neuen Musik (1956 – 1989) Eiichi Kido (Osaka): Historische Parallelen? Japan-Korea und Deutschland-Polen

Filip Zielinski (Wien): Geschichte macht Politik. Vergegenwärtigungen der Zwischenkriegszeit in polnischen und bulgarischen Parlamentsreden (1989-2010)

Artur Kopka (Frankfurt/Oder): Gesellschaftliche und politische Effekte rechtspopulistischer Regierungspolitik in Polen nach 2005

Felicitas Söhner (Hagen/Bregenz): Das identitätsstiftende Moment von Multiethnizität und Erinnerungskultur in der Schlüsselregion Schlesien

Karoline Pietrzik (Mainz): Auf der Suche nach Heimat? – Generationsspezifische Identitätsmuster im mittelosteuropäischen Raum der Gegenwart

Tytus Jaskulowski (Dresden), Karolina Gil (Berlin): Zwanzig Jahre danach. Gespräche über den deutsch-polnischen Nachbar-schaftsvertrag

Dagmara Paciorek (Hamburg): Die »Polenisierung« der EU und der NATO

Peter Römer (Münster): Nach dem Staatssozialismus. Die Geschichtspolitik der Deutungseliten in Deutschland und Polen, 1989-2009. Ein beziehungsgeschichtlicher Diktaturaufarbeitungsvergleich

Bernadette Jonda (Halle): Normen- und Wertewandel bei Jugendlichen in Deutschland und Polen. Eine vergleichende deutsch-polnische Jugendstudie

Joanna Rzepa (Chemnitz): Polonia restituta? Aktuelle polnische Migration in Norddeutschland: soziale Netzwerke, Gruppenidentität und Traditionsbildung

Annegret Haase (Leipzig): Polnische und deutsche Großwohn-siedlungen gestern, heute und morgen. Zur Veränderung städte-baulicher Leitbilder und deren Akzeptanz, untersucht in Katowice und Leipzig

Frederic Wessel (Kassel): Der polnische Logistikmarkt im Wandel der Zeit – von der »Politik der gleichmäßigen Entwicklung« zum logistischen Tigerstaat des Ostens

Barbara Kowalski (Mainz): Nur Grass und Schlink? Zur Situation deutscher Gegenwartsbelletristik auf dem polnischen Buchmarkt nach der Wende

Sebastià Moranta Mas (Marburg/Lahn): Überblick anlässlich des Milosz-Jahres 2011 über die in Spanien erschienenen Werke von Czeslaw Milosz – Übersetzungsprojekt: Rodzinna Europa Miroslawa Zielinska (Breslau): Kanon und Gedächtnis ohne Berührungspunkte (?). Vermittlungsstrategien der Texte Tadeusz Rózewiczs

Ewa Krauss (Jena/Konstanz): Effektiver Grammatikunterricht: Vermittlung des Aspekts im Polnischen

Sektion 1: Internationalisierung: Kommunikation als Konstruktion von Internationalität
Leitung: Alfred Gall (Mainz)

Ewa Makarczyk-Schuster (Mainz), Karlheinz Schuster (Mainz): Wommparsjehs in astralen Soßen – Witkacys Spiel mit der Welt

Lukasz Neca (Mainz): Internationalisierung als erzwungene Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur am Beispiel von Gustaw Herling-Grudzinskis »Inny swiat. Zapiski sowieckie«

Alfred Gall (Mainz): Eine literarische Modellierung des Zweiten Weltkriegs: Die Überschreitung der polnischen Kulturtradition in Witold Gombrowiczs »Pornografia«

Severin Gawlitta (Remscheid): Einwanderung ins Königreich Polen im 19. Jahrhundert. Eine europäische Perspektive

Paulina Gulinska-Jurgiel (Potsdam): Eine diskursive »Rückkehr nach Europa«: parlamentarische Debatten im Transformationsprozess Polens nach 1989

Sektion 2: Identität, Regionen, Räume
Leitung: Dieter Bingen (Darmstadt)

Andrzej Michalczyk (Bochum): Europäische Grenzregionen im West-Ost-Vergleich. Schleswig und Oberschlesien im 19. und 20. Jahrhundert

Markus Otto (Cottbus): Identität und Moderne in Oberschlesien

Annegret Haase (Leipzig): Steuerung von Schrumpfung? Urbane Governance als (europäische) Herausforderung für polnische Großstädte

Jens Adam (Berlin): »Die symbolische Ordnung der sozialen Welt«- Kämpfe im Feld politischer Kommunikation in Polen zwischen Identitätspolitik(en) und Europäisierung

Hannah C. Wadle (Manchester): Segeln in Masuren. Navigation und Neuordnung einer Landschaft mit vielen Gesichtern. Eine ethnographische Studie.

Sektion 3: Biographien und Zeugnisse
Leitung: Schamma Schahadat (Tübingen)

Christoph Garstka (Heidelberg): Die erschriebene nationale Identität des »mieszaniec« – Der Roman Tozsamosc von Teodor Parnicki oder Theodor Parnitzki oder Фёдор Парницки

Marion Brandt (Danzig): Ost-West-Dichotomien in Alfred Döblins »Reise in Polen« (1925)

Anna Artwinska (Salzburg): Kulturelle Übersetzung als Medium der Sinngebung. Polnische Russlandbilder nach 1989

Jochen Hardt (Mainz); Katarzyna Schier (Warschau): Kindheit nach dem 2. Weltkrieg: Ein Vergleich zwischen Polen und Deutschland

„Zwischenzeiten I“: In der Mitte Europas? Zentralität und Exzentrik der polnisch-jüdischen Geschichte. Diskussion: François Guesnet (London), Katrin Steffen (Lüneburg)

Publikationsprojekte I: Deutsch-Polnische Erinnerungsorte. Kerstin Hinrichsen (Berlin)

Modi Memorandi: Interdisziplinäres Lexikon zum kollektiven Gedächtnis. Magdalena Saryusz-Wolska (Berlin)

Sektion 4: Kommunikation über Grenzen
Leitung: Jan Kusber (Mainz)

Justyna A. Turkowska (Marburg): »Auf gegen Alkohol« – deutsch-polnische Hygienepopularisierungsstrategien in der Provinz Posen am Beispiel der Alkoholproblematik

Steffi Marung (Leipzig): Neue und alte Grenzen, neue und alte Missionen: Die Suche Polens nach einem Ort in Europa

Christian Lotz (Marburg): Raum und Zeit als unberechenbare Variablen? Zukunftsplanungen zur Nutzung europäischer Holzressourcen unter dem Eindruck industrialisierter Beschleunigung und Entgrenzung (1870–1914)

Benjamin Conrad (Mainz): Polnische Ostpolitik in der Phase der schwebenden Grenzen 1918-1923

Lisa Bicknell (Mainz): Chefredakteure im Austausch. Mieczyslaw F. Rakowski und Marion Gräfin Dönhoff im Dialog über die deutsch-polnischen Beziehungen

Hans-Christian Petersen (Mainz): Wegbereiter der deutsch-polnischen Verständigung? Die Lindenfelser Gespräche 1964-1974

Sektion 5: Krieg und Frieden
Leitung: Peter Haslinger (Marburg)

Bernhard Bremberger (Berlin): Polnische Zwangsarbeiter, Patienten und Gefangene während des Zweiten Weltkriegs in Berlin-Neukölln. Kenntnisstand und Forschungsprobleme

Maren Röger (Warschau): (Außer-)Alltägliches in Kriegszeiten: Intime Beziehungen während der deutschen Besatzung Polens

Jens Boysen (Warschau): »Brüderliche Hilfe« gegen die »polnische Krankheit«: Bemühungen der DDR-Führung zur Rettung des sozialistischen Lagers in den 1980er Jahren

Martina E. Becker (Münster): Der deutsch-polnische Schüleraustausch als Kontakt- und Austauschebene im Spiegel des sozialökonomischen Wandels Europas

Stephan Lehnstaedt: (Warschau): Konzepte für die wirtschaftliche Ausplünderung Polens im Ersten Weltkrieg – Ein Vergleich der deutschen und österreichisch-ungarischen Besatzung

Sektion 6: Polnische transnationale Akteure im 19. und 20. Jahrhundert
Teil I
Leitung: Jörg Hackmann (Stettin)

Ruth Leiserowitz (Warschau): Warschauer Studenten des 19. Jahrhunderts und ihre Auslandsaufenthalte. Kommunikation – Vernetzung – Auswirkung

Sylwia Werner (Frankfurt am Main): Argonauten der polnischen Moderne. Epistemische Praktiken Ludwik Flecks und Bronislaw Malinowskis

Christian Prunitsch (Dresden): J.I. Kraszewski: Europäisch vernetzt zwischen Polen und Deutschland

Teil II
Leitung: Ruth Leiserowitz (Warschau)

Robert Brier (Warschau): Die Genese des »Wilsonian Moment«. Polnische Emigraten und die Transformation internationaler politischer Kultur

Iwona Dadej (Berlin): »Radikal, furchtlos und polemisch«. Mediale Öffentlichkeit der Frauenbewegung um 1900. Die frauenpolitische Presse in Polen als Fallbeispiel

Beata Dorota Lakeberg (Oldenburg): Polen und sein Platz in Europa in den Vorstellungen der polnischen Slavophilen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

„Zwischenzeiten II“
A Förderlandschaften
Vorstellung der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung, Witold Gnauck (Frankfurt/Oder)

B Gemeinsam die Zukunft gestalten
NRW und Polen im Dialog. Wissenschaftliche Veranstaltungsreihe zum Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr 2011/2012 am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), Annina Lottermann (Essen), Piotr Buras (Berlin)

»Zwischenzeiten III«: Publikationsprojekte II
Deutsch-Polnische Geschichte. Dieter Bingen (Darmstadt), Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen)

Journalistenrunde: Polen vor den Wahlen. Teilnehmer: Piotr Buras (Berlin), Gerhard Gnauck (Warschau), Stefan Dietrich (Frankfurt/Main). Moderation: Manfred Sapper (Osteuropa, Berlin)

Sektion 7: Sprache, Kommunikation, Übersetzung, Grenzen
Leitung: Thomas Daiber (Gießen)

Stefanie Hildebrandt (Rostock): Wie weit ist Polen von der deutsch-polnischen Grenze entfernt?

Barbara Janczak (Frankfurt/Oder): »Also es ist/ • • war viel Mauern da« – eine Vergleichsanalyse des Sprachgebrauchs in deutsch-polnischen Familien in Deutschland und in Polen

Agnieszka Gronek (Saarbrücken): Umgang mit verbalen Indirektheiten beim Diskursdolmetschen

Berthold Ladurner (Mainz): Emotionalität und Übersetzung: Interjektionen im Polnischen und Deutschen

Estelle Bunout (Nancy): Die Gestaltung der östlichen Außenpolitik – eine Gegenüberstellung westdeutscher und polnischer Diskussionen zu Osteuropa (1945-1989)

Sektion 8: Polen und »der Osten«
Leitung: Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen)

Paul Srodecki (Gießen): Nobilissimae Hungarorum et Polonorum gentes validissima semper Christianitatis propugnacula – Zur Entstehung der Bollwerksrhetorik in Ungarn und Polen im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit

Sabine Jagodzinski (Leipzig): Zwischen Antemurale Christianitatis und Selbstorientalisierung. Visuelle Kommemoration der Türkenkriege im Polen des 17. Jahrhunderts

Damien Tricoire (Halle): Polen als Vormauer der Christenheit: Eine religionshistorische Erklärung des Chiffres in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Burkhard Wöller (Wien): »Europa« als nationales Argument. Mentale Selbstverortungen polnischer und ukrainischer Historiker in Galizien

Alexandra Schweiger (Marburg): Polnische Ostkonzepte in den Jahren von 1890 bis 1918

Christine Normann (Trier): Kooperation, Konstruktion und Kommunikation polnischer Ostpolitik im Rahmen der Östlichen Partnerschaft

Sektion 9: Die Mitte Europas
Leitung: Eduard Mühle (Warschau)

Norbert Kersken (Warschau): Piastische Heiratspolitik – Polen und seine Nachbarn im Hochmittelalter

Grischa Vercamer (Warschau): Eigen und Fremd – Das Reich und Polen vom 10.-13. Jahrhundert im gegenseitigen Spiegel der Chronistik

Anna Rothkoegel (Potsdam): Die Mitte, das Andere und die Grenzen – Anthropologie des Mitteleuropadiskurses bei Czeslaw Milosz

Pierre-Frédéric Weber (Stettin): Polnische Diplomatie im Kalten Krieg oder: Vom Osten aus die Mitte wahren?

Renata Makarska (Tübingen): Die Mitte Europas als Asyl der alten und neuen Minderheiten: Von Czeslaw Milosz zu Wlodzimierz Nowak

Petr Heczko (München): Vilnius und die geographische Mitte Europas: zur symbolisch-ästhetischen Raum- und Identitätskonzeption einer Stadt mit wechselhafter Geschichte

Abschluss der Tagung:

Vorstellung der Ergebnisse der Sektionen

Klaus Ziemer (Trier): Resümee

Diskussion

Schlusswort der Veranstalter

Anmerkungen:
[1] Programm und Details: <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=10156> (2.11.2011) bzw. <http://www.polenforschung.de> (2.11.2011).
[2] Call for Papers: <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=14262> (02.11.2011).
[3] Die Tagung wurde gefördert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung.

Zitation
Tagungsbericht: Die Mitte Europas. Kommunikation – Konstruktion – Kooperation. Zweite Tagung Deutsche Polenforschung, 22.09.2011 – 24.09.2011 Mainz, in: H-Soz-Kult, 02.12.2011, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3914>.
Redaktion
Veröffentlicht am
02.12.2011
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