Gemeinschaftsdenken in Europa 1900-1938. Ursprünge des schwedischen „Volksheims“ im Vergleich

Ort
Berlin
Veranstalter
Paul-Löbe-Stiftung Weimarer Demokratie, Berlin
Datum
11.11.2011 - 12.11.2011
Von
Nadine Rossol, Department of History, University of Essex / Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin

Verschiedene Formen des Gemeinschaftsdenkens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren das Thema einer Tagung der Paul-Löbe-Stiftung Weimarer Demokratie am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität im November 2011. Schweden und das schwedische „Volksheim“ bildeten mit vier Vorträgen, den Schwerpunkt, wobei weitere Beiträge über Deutschland und die Schweiz Kontinuitäten und Brüche mit dem schwedischen Beispiel veranschaulichten. Schon die Ambivalenz und die politische Aufladung der Begriffe „Volksheim“ und „Volksgemeinschaft“ zeigen, wie wichtig eine genaue Klärung und Verortung war. Dazu kommen Vorstellungen, die Gemeinschaftsdenken in skandinavischen Ländern oft mit liberalen, toleranten und sozialen Gesellschaften verbinden, ohne zu hinterfragen, ob sich wirklich alle als Teil dieser Gesellschaften fühlen oder fühlen wollen. Vor solchem Hintergrund erschien eine historische Betrachtung an der Zeit, die sich für das Bezugsbeispiel Deutschland bemühte, den Volksgemeinschaftsbegriff nicht auf seine nationalsozialistische Anwendung zu reduzieren.

Nach der Eröffnung der Tagung durch DETLEF LEHNERT (Berlin) lieferte WOLFRAM PYTA (Stuttgart) ein erstes theoretisches Gerüst für die Definition und Interpretation von „Heimat“. Nachdem Pyta eine Renaissance des Heimatbegriffs, exemplarisch verortet in der Fußballfankultur und der Ökologiebewegung, festmachte, stellte er zwei Heimatdefinitionen vor. Die erste, vertreten unter anderem durch Heimatpfleger, verstehe Heimat als gegeben. In ihr sei Heimat territorial fixiert und nicht wähl- oder veränderbar. Davon grenzte Wolfram Pyta eine zweite Definition ab, die eine größere Anzahl von Bezugspunkten aufnahm: Heimat sei nicht nur ortsbezogen, sondern auch durch soziale Kontakte und kulturelle Bezügen bestimmt. In dieser zweiten Definition verstand Pyta Heimat als eine retrospektive Konstruktionsleistung, die z.B. durch gemeinsame Rituale, Festivitäten und Interaktion mit anderen entstehen könne – auch weit weg vom eigentlichen Heimatort. Für die historische Forschung bezog sich Wolfram Pyta auf die Arbeiten von Celia Applegate, die Heimatvorstellungen als „Vergemeinschaftungsofferte mittlerer Reichweite“ und damit als Bindeglied zwischen Dorf und Nation interpretiert. Die anschließenden Kommentare und Bemerkungen, die Raum für ein erstes gemeinsames Reflektieren boten, verwiesen auf die wichtigen sinnliche Eindrücke, mit welchen Heimatgefühle verbunden sind. Ebenso wurde auf die Konjunktur von Heimatbezügen aufmerksam gemacht, die immer dann besonders wichtig waren, wenn diese Heimat gefährdet erschien.

Im zweiten Vortrag gab VALESKA HENZE (Berlin) einen Einblick in das Denken der schwedischen Intellektuellen Ellen Key (1849-1926). Key publizierte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts über eine Vielzahl von Themen. So galt sie manchen als Frauenrechtlerin, als Reformpädagogin oder als eine Mischung aus beidem. Diese Elemente einbeziehend schlug Henze eine weitere Charakterisierung vor: Ellen Key als „Großmutter des Volksheims“. Henze betonte das Keys Nachdenken über das Zusammenleben von einer Vorstellung gesellschaftlicher Harmonie geprägt war, in welcher Kollektivität und Individualität verbunden sein sollten. Zu politischen Mitteln der Veränderung, wie Sozialreformen und allgemeines Wahlrecht, kam für Ellen Key, so Henze, noch ein Erziehungsprojekt, welches Erziehung aus der Sicht des Kindes verstand. Dieses Erziehungsprojekt erklärte Valeska Henze in folgender Weise: Ellen Key, die mit ihrem Buch „Das Jahrhundert des Kindes“ (1900) eine pädagogische Pionierarbeit vorlegte, konzentrierte sich besonders auf die Aufgabe der Frauen. Diese sollten ihre Kinder so erziehen, dass sich ihr Potenzial entfaltet und so die Jugend Träger von gesellschaftlichem Wandel werde konnten. Damit rückte das private „Heim“ in den Mittelpunkt von späteren Veränderungen. Auch wenn viele von Keys Ideen unspezifisch und theoretisch statt praxisorientiert blieben, wie Valeska Henze aufzeigte, war sie doch in ihren pädagogischen Arbeiten im damaligen Zeitkontext progressiv, was in der Diskussion betont wurde.

DETLEF LEHNERT (Berlin) verwies auf die Resonanz von Keys Schriften in Hamburgs Lehrerkreisen und leitete damit seinen Beitrag über das 1901 gegründete Hamburger „Volksheim“ ein. Die Gründungsidee, so erklärte Lehnert, war beeinflusst von der englischen Settlement-Bewegung. Mit Hilfe von gutgestellten Bürgern, die sich um die Arbeiter kümmerten, sollten diese in die Bürgerschaft integriert werden. Es kann kaum verwundern, dass diese Integration durch Bildungsangebote und sozialreformatorische Elemente voran gebracht werden sollte. Merkte man dieser Idee zu Beginn die Angst der liberalen Hamburger Bildungsbürger vor der Sozialdemokratie an, denn die Integration der Arbeiter war zugleich als ihre Loslösung von der Arbeiterbewegung gedacht, verschob sich der sozialpädagogische Auftrag in den 1920er-Jahren zu Bündnissen zwischen Liberalen und Sozialdemokraten. Lehnert zeigte, dass der „Volksheim“-Gedanke nicht nur von Lehrern aufgenommen wurde. Auch wenn die Reformen des Hamburger Schulwesens einen wichtigen Einfluss hatten, stellten andere Berufsgruppen ihre Expertise ebenso zur Verfügung. Wenn auch die Motive unterschiedlich waren, so war das Ziel, laut Lehnert, „die stadtbürgerliche Verbesserung des arbeitenden Volkes“. Der Beitrag von Detlef Lehnert veranschaulichte aber auch, dass sich das Hamburger „Volksheim“ nicht als ein Entwurf eines Großstadtkommunitarismus eignete. Dafür, so seine Schlussfolgerung, waren die Anknüpfungspunkte innerhalb der „Volksheim“-Bewegung zu gering.

Besonders die faszinierende Idee, ein Heimatkonzept in der Großstadt, mit lokalen und urbanen Bezügen, zu etablieren, stand im Zentrum der Diskussion. Peter Brandt zog die Verbindung mit Norwegen und einer Schulreform dort in den 1860er-Jahren, womit er die Bedeutung von Pädagogen in diesem Bereich unterstrich. Detlef Lehnert und Valeska Henze hatten auf die zentrale Rolle der Bildung und Erziehung, manchmal gepaart mit Sozialreformen, in verschiedenen Gemeinschaftsvorstellungen hingewiesen.

Im Mittelpunkt der Ausführungen von GEORG KREIS (Bern) über die Schweiz standen die innenpolitischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zum so genannten „Burgfrieden“ der 1930er-Jahre. Die Schweiz entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit, laut Kreis, von einer Dissens- zur Konsensgesellschaft. Wenn diese Verschiebung oft mit dem Verweis auf eine externe Bedrohung durch das Dritte Reich, dann verschärft mit dem „Anschluss“ Österreichs, erklärt wird, betonte Georg Kreis zugleich die innenpolitischen Entwicklungen, die dorthin führten. Das „Krisenmaximum“, wie er es nannte, bezogen auf wirtschaftliche und politische Probleme, war in der Schweiz Mitte der 1930-er Jahre erreicht und das Aufeinanderprallen verschiedener politischer Lager (Bürgerblock gegen Linksblock) verschärfte die Situation erheblich. Kreis Beitrag beschäftigte sich jedoch nicht nur mit den Problem der Schweiz, sondern hauptsächlich mit deren Lösungsversuchen. Ab 1935 versuchte besonders die linke Mitte, die politischen Lager zur Krisenlösung zusammen zu bringen. Dabei, so zeigte Kreis, war es nicht der Begriff der „Volksgemeinschaft“, der in der Schweiz eine zentrale Rolle spielte; vielmehr bezogen die Schweizer sich auf die „geistige Landesverteidigung“. Nach Georg Kreis Ausführungen waren es besonders wirtschaftspolitische und sozialpolitische Maßnahmen, die den Schweizer „Burgfrieden“ Ende der 1930er-Jahre prägten. Als ein Beispiel für diese Strategien zur Krisenbekämpfung bezog sich Kreis auf die Einigung auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zur sozialen Befriedung sowie auf Kredite für die militärische Landesverteidigung. Georg Kreis verdeutlichte in seinem Vortrag über die Schweiz, dass hier das Zusammenstehen als Reaktion auf externe Feinde nicht die Hauptrolle gespielt hatte. Wichtiger war eine politische Konsens- und Kompromissbereitschaft, mit welcher zunächst auf wirtschaftliche und soziale Probleme des Landes reagiert werden musste.

PETER BRANDTS (Hagen) Beitrag über die schwedische Arbeiterbewegung von 1917 bis 1932 brachte den Fokus zurück auf Schweden, blieb aber bei den Themen Konsens und Aushandeln. Mit Hilfe sozialdemokratischer Wahlplakate führte er vor Augen, wie schnell Klassenkampfsymbolik durch die Betonung einer vereinten Gesellschaft, die gemeinsam am „Volksheim“ arbeitete, ersetzt wurde. Brandt betonte, dass die schwedische Zwischenkriegszeit keineswegs von politischer Harmonie geprägt gewesen sei, dass aber der pragmatische und reformstrategische Kurs der Sozialdemokraten die Partei ab 1920 zu einer prägenden politischen Kraft gemacht habe. Schwedens Sozialdemokraten übernahmen politische Verantwortung durch Minderheitskabinette und bauten mit den Begriffen „Volk“ und „Volksheim“, so zeigte Peter Brandt, Brücken zu agraromantischen Positionen. Im Mai 1933 fruchteten diese Bemühungen, und die Bauernpartei konnte zur Beschaffung der parlamentarischen Mehrheit gewonnen werden. Laut Peter Brandt wurde der sozialdemokratische Anspruch, die Gesellschaft gerechter zu gestalten, aber nicht aufgegeben, sondern weiterhin als Ziel formuliert, welches durch Integration und Reformen verwirklicht werden sollte. Brandt machte deutlich, dass so eine demokratische Volksgemeinschaft, das „Volksheim“, zum anschlussfähigen Begriff werden konnte, welcher die Zivilgesellschaft, Reformen und sozialen Pflichtgedanken zusammen brachte. Auch wenn die Sozialdemokraten diesen Begriff nicht erfunden hatten, machten sie ihn populär und prägten einen gesellschaftlichen Entwurf, der Schwedens Sozialpolitik dominierte. In welcher Weise sozialutopischer Gestaltungswille mit dem schwedischen „Volksheim“-Begriff der Zwischenkriegszeit legitimiert werden konnte, wurde am zweiten Tagungstag detailreich erörtert.

In der anschließenden Debatte wies Wolfgang Hardtwig darauf hin, dass die schwedische Arbeiterbewegung offensichtlich Volk als Integrationsbegriff benutze, ohne dafür auf eigene Kriegserfahrung zurückgreifen zu müssen. Denn für Deutschland wurden Begriffe wie Nation und Volk erst durch den Krieg bei den Sozialdemokraten salonfähig. Daraus entwickelte sich eine angeregte Diskussion über die Wichtigkeit des Krieges für die Sozialdemokratie, in welcher Detlef Lehnert auf einen weiteren entscheidenden Unterschied aufmerksam machte: die geringere Spaltung der schwedischen Arbeiterbewegung in verschiedene politische Parteien, was auch für die Schweiz zutraf. Peter Brandt erklärte die Vorgehensweise der schwedischen Arbeiterbewegung als geprägt von Begriffsumdeutungen, damit die Anschlussfähigkeit ihrer Partei erweitert werden konnte.

Der zweite Konferenztag stand im Zeichen der Abgrenzung und Einordnung der Begriffe „Volksgemeinschaft“ und „Volksheim“. NORBERT GÖTZ (Stockholm) zeigte eindringlich, basierend auf seiner vergleichenden Arbeit zum „Volksheim“ in Schweden und der „Volksgemeinschaft“ im Dritten Reich, das beide Begriffe als vielfältige historiographische Projektionsfläche dienten und noch immer dienen. Dabei, so Götz, würde eine sprachliche und quellennahe Untersuchung ihre Benutzung viel spezifischer machen und dadurch trennschärfere Ergebnisse hervorbringen. Damit leistete er einen wichtigen konzeptionellen Beitrag, der nach Möglichkeit besser schon zu Beginn der Tagung platziert worden wäre. Nach einem kurzen Skizzieren schwedischer Entwicklungen in der Zwischenkriegszeit, die zwar nicht ohne Konflikte verliefen, aber sich doch durch eine hohe Bereitschaft zum Konsens ausgezeichneten, definierte Götz drei Elemente, die bei Diskussionen um das schwedische „Volksheim“ mitschwangen: paternalistisch (der Landesvater als Erzieher), fraternalistisch (alle sind Geschwister) und modernisierend (Bau der Zukunft). Das Stichwort Bau an Schwedens Zukunft konnte Thomas Etzemüller im letzten Vortrag der Tagung aufnehmen, als er Schwedens Weg in die Moderne aufzeigte.

Direkt an Norbert Götz anschließend forderte WOLFGANG HARDTWIG (Berlin) für den deutschen Fall ebenfalls ein genaueres Quellenstudium des Begriffs „Volksgemeinschaft“. Er richtete seine Kritik gegen „das Volksgemeinschaftssyndrom der Historiker“ und die oft überschnelle und explizite Verbindung zwischen Volksgemeinschaft und Nationalsozialismus. Hardtwig zeigte, durch Analyse der parteipolitischen Publikationen bis Mitte der 1920er Jahre, dass „Volksgemeinschaft“ ein Wort der demokratischen Mitte war, welches nicht gegen die Weimarer Republik gerichtet wurde. Laut Wolfgang Hardtwig spiele der Begriff bei Hitler lange keine Rolle. Einen wichtigen Punkt in Hardtwigs Überlegungen nahm die Verbindung von Volksgemeinschaft und Arbeitsgedanken ein. Er zeigte, dass diese Verbindung, die mit Überwindung der materiellen Notlage, Abbau des Klassenkampfes und Aufbau von Sozialreformen mit konkreten Inhalten gefüllt werden konnte, bei den demokratischen Kräften eine große Rolle spielte. Auch der „frühe“ Adolf Hitler knüpfte an diese sozialen Ideen an, jedoch unterschied sich sein Konzept der Volksgemeinschaft durch antisemitische Ausgrenzungen. Damit, so folgerte Hardtwig, pervertierte Hitler den demokratischen Volksgemeinschaftsgedanken der Weimarer Republik und reklamierte ihn für die Nationalsozialisten. In seinen Schlussbemerkungen erinnerte Wolfgang Hardtwig daran, dass sich die politische Konnotation der „Volksgemeinschaft“ ab Mitte der 1920er-Jahre änderte, so dass die demokratische Deutungshoheit des Begriffs nicht nur von den Nationalsozialisten angegriffen wurde.

Im abschließenden Beitrag skizzierte THOMAS ETZEMÜLLER (Oldenburg), wie Schwedens Weg in den modernen Sozialstaat aussah, als in anderen Teilen Europas autoritäre und totalitäre Regime auf dem Vormarsch waren. Neben politischen Entwicklungen betonte Etzemüller die Bedeutung von Sozialexperten, die durch Funktionalisierung in Architektur und Design und entsprechende Erziehung der Bevölkerung eine gerechte Gesellschaft schaffen wollten. Etzemüller führte aus, dass es dabei auch um die praktische Ausgestaltung des „Heims“ durch funktionale Trennung von verschiedenen Wohnbereichen ging. Es sollte nicht nur das Wohnen, sondern weitreichende Bereiche der Lebensführung beeinflusst werden, allerdings nicht durch Zwang. Verankert in lange geübten basisdemokratischen Prozessen, so Thomas Etzemüller, sollte die schwedische Gesellschaft aus sich heraus die rationalen Nützlichkeitsprinzipien annehmen, die zu einer gerechteren und harmonischen Gesellschaft führen sollten. Er erklärte das schwedische Konzept als eines, welches auf der freiwilligen Inklusion in die Gemeinschaft basieren sollte, wobei die „Volksheim“-Metapher das eigene Leben in Bezug mit gesellschaftlichen Utopien setzte. Dabei sahen, auch darauf ging Etzemüllers Beitrag ein, die von ihm thematisierten Sozialexperten Disziplinierungsversuche vor, die bei einer negativ ausfallenden Überprüfung einer „ordentlichen Lebensführung“ die Kürzung staatlicher Sozialleistungen anregten.

In der abschließenden Diskussion betonte Thomas Etzemüller, dass das schwedische Projekt der Moderne nicht so kohärent war, wie es erscheinen mag. Jedoch, so Etzemüller, vermied die auf Konsens, Kompromiss und Aushandeln ausgerichtete schwedische Gesellschaft die tiefen Brüche, die sich zum Beispiel in Deutschland während der Zwischenkriegszeit auftaten. Er verwies auf Schwedens Weg in die Moderne, welcher dem schwedischen Staat tief greifende Eingriffe in die Privatsphäre der Bürger erlaubte und diese nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Einbeziehung in die Gemeinschaft rechtfertigte.

Der Erkenntnisgewinn dieser Tagung war beträchtlich. Schwedens Rolle erschöpfte sich nicht in der eines sonst wenig beachteten skandinavischen Beispiels, sondern lud auch zu einem erneuten Hinterfragen von Vorstellungen über Deutschland ein. Europäisches Gemeinschaftsdenken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war vielschichtiger als die politischen Extreme dieser Zeit vermuten lassen. Die Totalität, mit welcher neue Gemeinschaften erdacht wurden, war in vielen Ländern ähnlich. Basierend auf Integration und Kontrolle, untermauert mit der Beschwörung einer alten Einheit, bot Schwedens Konzept wenig Raum für die, die nicht dazu gehören wollten oder konnten. Schwedens Weg in die Moderne des 20. Jahrhundert muss ernsthaft betrachtet werden, denn er nahm Disziplinierungsversuche auf, verband diese mit einer Faszination für die Ästhetik der funktionalen Moderne und legitimierte dies mit dem konsensstiftenden Begriff des „Volksheims“.

Konferenzübersicht:

Detlef Lehnert (Berlin): Eröffnung

Wolfram Pyta (Stuttgart): Heimatvorstellung und Gemeinschaftsbezüge

Valeska Henze (Berlin): Ellen Key: Tochter der europäischen Moderne – Mutter des schwedischen „Volksheims“?

Detlef Lehnert (Berlin): Das Hamburger „Volksheim“ als Mikrokosmos für Großstadt-Kommunitarismus?

Georg Kreis (Basel): Von konkurrierenden Interessen zum sozialen Burgfrieden in der Schweiz 1919-1937

Peter Brandt (Hagen): Schwedische Arbeiterbewegung im Umbruch: Solidargemeinschaft, Interessenvertretung, Bündnispolitik 1917-1932

Nobert Götz (Stockholm): Die Nation als „Volksheim“: Gemeinschaftsorientiertes Denken im Schweden der Zwischenkriegszeit

Wolfgang Hardtwig (Berlin): Die Nation als „Volksgemeinschaft“? Zur Kulturgeschichte der Krisen gesellschaftlicher und politischer Ordnung in Deutschland 1914-1933

Thomas Etzemüller (Oldenburg): Suchbewegung: Schweden 1930-1933

Zitation
Tagungsbericht: Gemeinschaftsdenken in Europa 1900-1938. Ursprünge des schwedischen „Volksheims“ im Vergleich, 11.11.2011 – 12.11.2011 Berlin, in: H-Soz-Kult, 17.01.2012, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4000>.