Gender im Pietismus – Netzwerke und Geschlechterkonstruktionen

Ort
Halle an der Saale
Veranstalter
Interdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Franckesche Stiftungen zu Halle; Ruth Albrecht; Ulrike Gleixner; Eva Kormann; Katja Lißmann
Datum
26.10.2011 - 29.10.2011
Von
Katja Lißmann, Institut für Pädagogik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Ruth Albrecht, Institut für Kirchen- und Dogmengeschichte, Universität Hamburg

Die durch die Fritz Thyssen Stiftung und die Universitätsleitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unterstützte Tagung fand in den Franckeschen Stiftungen zu Halle statt und widmete sich der bislang ausstehenden Integration von Netzwerkkonzept und Genderperspektiven in die Pietismusforschung. Der Fokus lag auf dem 17. und 18. Jahrhundert. In sechs Sektionen wurde von der Arbeitshypothese ausgegangen, dass pietistisches Netzwerkhandeln möglicherweise zur Ausbildung geschlechtsspezifischer pietistischer Identitäten führte, die unter Genderaspekten zu analysieren sind.[1]

Nach der Begrüßung durch den Direktor der Franckeschen Stiftungen Thomas Müller-Bahlke, den Rektor der Martin-Luther-Universität Udo Sträter und Pia Schmid, Geschäftsführende Direktorin des IZP, sprach die Historikerin ULRIKE GLEIXNER (Wolfenbüttel) über die „Potentiale eines Konzeptes ‘Pietismus als Netzwerk’ für die Genderforschung“. Der Netzwerkbegriff solle als „heuristisches Modell“ zur Untersuchung des Pietismus genutzt werden, um damit sowohl die „dynamische, expansive und grenzüberschreitende pietistische Praxis“ als auch die breite Beteiligung von Frauen und die Relevanz von Geschlechterkonstruktionen zu erfassen. Sie skizzierte den Forschungsbedarf hinsichtlich der sechs Sektionen der Tagung.

Die von der Germanistin Rita Wöbkemeier (Hamburg) geleitete Sektion widmete sich dem Komplex von Textproduktion und -rezeption im pietistischen Netzwerk. Die Historikerin ADELISA MALENA (Venedig) untersuchte die Rezeption weiblicher katholischer Mystik im Radikalpietismus als „Kulturtransfer“ und zeichnete nach, wie Gottfried Arnold (1666-1714) in seiner Biographiensammlung Das Leben der Gläubigen (1701) einen Katalog „erleuchteter Weibsbilder“ lieferte. Für Arnold wurde die innere Erfahrung Gottes zum zentralen Kriterium, das andere Aspekte wie katholische Herkunft oder Geschlechtszugehörigkeit vernachlässigbar machte. Hierin liegt ein Alternativkonzept religiös vermittelter Weiblichkeit.

Die Literaturwissenschaftlerin CORNELIA NIEKUS MOORE (Fairfax, USA) befasste sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Autorinnen religiöser Dichtung, ihren Werken und deren (meist männlichen) Herausgebern. Am Beispiel Charlotte Elisabeth Nebel-Rambachs (1727-1761) und Augusta Elisabeth von Posadowskys, Freiin von Postelwitz (1715-1739), untersuchte sie das Spannungsfeld zwischen Meditation und Andacht. Mehrere überarbeitete Auflagen von Nebel-Rambachs letzter Schrift Zum Heylsamen Gebrauch des Leidens und Sterbens unsers Herrn Jesu Christi (1761) bezeugen die anhaltende Popularität schriftlicher Jesusverehrung bis ins 19. Jahrhundert.

Die Hohelied-Auslegung (1688) der Jeanne Marie Guyon de Chesnoys (1648-1717) und deren Einfluss auf die Schriften Charles Hector de Marsays (1688-1753) untersuchte die (Kirchen-)Historikerin STEFANIA SALVADORI (Mainz). Sie verglich die in drei Stufen angelegte Wiedererlangung des göttlichen Ebenbildes in der unio mystica bei Guyon mit den Vorstellungen der „Geburt Christi im Zentrum der Seele“ bei Marsay. Marsay konzipierte die Vereinigung des Menschen mit Jesus als Geburt eines makrokosmischen und androgynen Neuen Menschen.

Die Germanstin ANDREA RESSEL (Rostock) untersuchte pietistische Weiblichkeitskonzepte in der Moralischen Wochenschrift Die alte Frau, die von 1771 bis 1774 in Leipzig erschien und sich explizit an einen weiblichen Leserkreis richtete. Die fiktive – männliche – Verfasserfigur entwarf eine eventuell als pietistisch zu bezeichnende Weiblichkeitsnorm.

Der Abendvortrag der Kirchengeschichtlerin RUTH ALBRECHT (Hamburg) nahm die in Gal 3,28 umschriebene Vision einer Aufhebung der Geschlechterdifferenz zum Ausgangspunkt, um nach theologischen Begründungszusammenhängen für Genderkonzepte zu fragen. Ein Blick auf die letzten Dezennien der kirchengeschichtlichen Pietismusforschung mündete in dem Postulat, die spezifisch theologischen Fragestellungen mit der Genderforschung zu verknüpfen.

Die Erziehungswissenschaftlerin PIA SCHMID (Halle) eröffnete die zweite, von der Erziehungswissenschaftlerin Juliane Jacobi (Potsdam) geleitete, Sektion zu Traditionsbildungsprozessen. Sie fragte nach Geschlechterkonstruktionen in Exempelgeschichten von Kindern, und zwar in dem Geistlichen Exempelbuch für Kinder (1700/ engl. 1671) von James Janeway und dem Erbaulichen Handbüchlein für Kinder (Gießen 1734) von Johann Jacob Rambach. Das fromme Leben und Sterben von Kindern lieferte „Modelle exemplarischer Kinderfrömmigkeit“ sowie ein „Set von wünschenswerten frommen Praktiken“. Fromm zu sein bedeutete ein umfassendes anstrengendes Programm, stellte aber auch eine Ressource dar. In den Biographien von Jungen sind Bildungs- und Lernprozesse stärker betont werden als bei den Mädchen, die meist in geringeren Aktionsradien agieren.

Die Historikerin XENIA VON TIPPELSKIRCH (Bochum) stellte „Die Gesellschaft der Kindheit Jesu-Genossen aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive“ vor. Die zwischen 1733 und 1742 auf Schloss Hayn bei Siegen nach Regeln der Mme. de Guyon lebende radikalpietistische Gruppierung unterhielt regelmäßige Kontakte mit Persönlichkeiten und Zentren des Pietismus und publizierte eigene Schriften. Die beteiligten Frauen und Männer setzten Familienmodelle zur Strukturierung ihrer spirituellen Beziehungen ein. Körperliche Erfahrungen wie beispielsweise Krankheiten wurden als Ausdruck innerer Zustände entziffert.

Die Politologin ELISABETH QUAST (Göttingen) eröffnete die dritte Sektion, unter dem Titel „Geschlecht, Adel und Netzwerke“ geleitet durch die Germanistin Helga Meise (Reims), mit einem Vortrag, der nach den Kooperationen von Adel und Pietismus fragte. Die Korrespondenzlisten aus dem ersten Jahrzehnt der Glauchischen Anstalten zeigen, dass die Angebote des Halleschen Pietismus von weiten Teilen der adligen Häuser „verstanden, aufgenommen und getragen“ wurden. Bereits der in Heraldik bewanderte Philipp Jakob Spener (1635-1705) wählte den „soziologisch interessanten“ Weg der Verbreitung pietistischer Ideen über die Adelshäuser und wandte sich gezielt an die Frauen. Auch August Hermann Francke (1663-1727) verbreitete seine Ideen unter ausgesuchten adligen Frauen, was zugleich der Erschließung eines „Stellenmarktes“ für die in Halle ausgebildeten Pietisten diente. Die zwischen 1701 und 1704 in den Glauchischen Anstalten nachweisbare, aus adligen Frauen bestehende, sogenannte „Frauenzimmermanufaktur“ unterstützte die Anstalten.

Der Kirchenhistoriker ULF LÜCKEL (Marburg) porträtierte Gräfin Hedwig Sophie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1669-1738), welche nach dem Tod ihres Mannes in vormundschaftlicher Regierung für ihren Sohn Casimir (1687-1741) im Jahr 1694 zur alleinigen Regentin des kleinen Immunitätsstaates Berleburg wurde, den sie zum „Anlaufzentrum“ des frühen Radikalpietismus ausbaute. Mit Berufung auf das in Hebr 13 (vgl. Gen 14, 18-20) formulierte Konzept des Melchisedekischen Priestertums wurden Ostern 1700 etwa fünfzig Personen zu Priesterinnen und Priestern eingesegnet. Den als skandalös empfundenen Zuständen wurde durch eine Armee unter Führung Graf Rudolfs zur Lippe-Brake ein Ende gesetzt. Ab 1712 regierte Casimir die verschuldete Grafschaft; Hedwig Sophie zog sich auf ihren Witwensitz zurück.

Die Literaturwissenschaftlerin BARBARA BECKER-CANTARINO (Columbus, USA) stellte das Netzwerk Sophie von La Roches (1730-1807) in den Kontext des empfindsamen Briefwechsels und fragte nach den Transformationen pietistischer Frömmigkeit in eine möglicherweise pietistisch geprägte „Tugendfrömmigkeit“. Der Briefwechsel von La Roche mit Elisabeth zu Solms-Laubach (1753-1829), aus dem etwa 360 Briefe von La Roche erhalten sind, sei weit mehr als ein lediglich „empfindsamer Briefwechsel“, sondern zeige beide Frauen als „Akteurinnen, Mäzenatinnen, Lehrende, Schreibende, Denkende und Erziehende“. Die Frage, ob La Roche eine Pietistin war, ließ Becker-Cantarino offen.

Im Rahmen der Eröffnung der bis zum 15. Januar 2012 in den Franckeschen Stiftungen zu Halle gastierenden Ausstellung „Friedrich Breckling (1629-1711). Prediger, „Wahrheitszeuge“ und Vermittler des Pietismus im niederländischen Exil“ charakterisierte der Kirchenhistoriker Anselm Steiger (Hamburg) Breckling als „Mystiker und Dissident des 17. Jahrhunderts“.

Der Theologe REINHARD LIESKE (Göttingen) sprach über „emblematische“ Hoheliedmotive in evangelischen Kirchenräumen des 17./18. Jahrhunderts und eröffnete die vierte, unter dem Titel „Geschlechterkonstruktionen“ stehende Sektion, die unter der Leitung des Kirchenhistorikers Wolfgang Breul (Mainz) stand. In evangelischen kirchlichen Bilderzyklen (1760) und Epitaphen (1677) wurde die Allegorik der Hoheliedmetaphorik als „Wechselspiel der Liebe“ zwischen Christus als himmlischem Bräutigam und der als Frau dargestellten Seele entfaltet.

Der Frage nach Männlichkeitskonzepten im Halleschen Pietismus und im Barock wandte sich der Historiker BENJAMIN MARSCHKE (Arcata, USA) zu. Ausgehend von Christopher M. Clarks[2] These einer kulturellen Revolution im frühen 18. Jahrhundert postulierte er eine „Krise der Männlichkeit“, für die der Pietismus anfangs eine Lösung zu bieten schien. Am Hofe Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1713-1740) kam ein neues Männlichkeitsbild in scharfem Kontrast zum barocken zum Tragen. Die sexuellen Konzepte der „neuen Männlichkeit“ des preußischen Hofs hätten zwar zunächst mit den pietistischen korrespondiert, aus dem inneren Kreis um Friedrich seien die Pietisten jedoch nicht aus standesspezifischen, sondern aus gender-praktischen Gründen ausgeschlossen geblieben.

Über „Weiblichkeit und Göttlichkeit bei Anna Maria van Schurmann (1607-1678)“ referierte die Kulturhistorikerin VIKTORIA FRANKE (Halle). Die in Utrecht aufgewachsene van Schurmann trat in jungen Jahren als gelehrte Frau mit umfassenden Sprachkenntnissen hervor und verfasste 1638 eine Dissertatio zu der Frage, inwiefern christliche Frauen sich wissenschaftlich profilieren dürften. 1669 schloss sie sich der Gemeinde Jean de Labadies an, die eine radikalisierte reformierte Frömmigkeit in einer Art von Haus- und Lebensgemeinschaft praktizierte. An Selbstporträts aus 37 Jahren lässt sich eine Veränderung aufzeigen, nach der van Schurmann sich selbst zunächst als Exempel einer Gelehrten, später als fromm und jungfräulich inszenierte.

Die fünfte Sektion, geleitet von der Germanistin Eva Kormann (Karlsruhe), widmete sich der Frage nach Geschlechterkonstruktionen in Gemeinschaften, insbesondere der Herrnhuter Brüdergemeine. Die Historikerin KATHERINE FAULL (Lewisburg, USA) fragte im Spannungsfeld von „space, race and sexuality“ nach der Dialektik der Männlichkeitskonstruktionen der Herrnhuter Missionare und denen der Irokesen in Pennsylvania. Anhand des von zehn Missionaren geführten Diariums von Shamoquin (Moravian Archives, Bethlehem, 1745-1755) zeigte sie, wie der Missionar David Zeißberger die Indianer als starke, schöne und große Männer schilderte. Dieser Männlichkeitsentwurf korrespondiere mit der in Herrnhut gepflegten „fluiden“ Männlichkeitsauffassung, bei der das Bild des verwundeten Jesus als paradigmatisches Modell fungierte.

Der Theologe PETER VOGT (Niesky) verfolgte in seinen Überlegungen zu „christologisch begründeten Gender-Konstruktionen in der Herrnhuter Brüdergemeine im 18. Jahrhundert“ die These einer dezidierten Betonung der Männlichkeit Jesu in der Brüdergemeine. Nach einem Abriss der neueren Debatte zum Thema zeigte er am Zinzendorfschen Konzept der Ehereligion genderrelevante Konsequenzen auf.

Den Abschluss dieser Sektion bildete der Vortrag des Germanisten MICHAEL TAYLOR (Calgary, Kanada), der nach den Potentialen der Queer Theory für die Historisierung des herrnhutischen Ehekonzepts fragte. Die Ehe, bei Zinzendorf aufgefasst als eine Form der Einheit mit Gott, müsse als wesentliches Element einer umfassenden Theologie und als Möglichkeit der Formulierung radikaler sozialer Positionen gelesen werden.

Die Schlusssektion widmete sich unter der Leitung der Volkskundlerin Christel Köhle-Hezinger (Jena) „Geschlechterpraktiken im Netzwerk“. Die Musikwissenschaftler BIRGIT ABELS und ANDREAS WACZKAT (Göttingen) referierten über die Handlungsräume von Missonarsfrauen im südindischen Tranquebar zu Beginn des 18. Jahrhunderts. In den Briefen Maria Dorothea Ziegenbalgs fanden sie Hinweise auf Handlungsspielräume in der dänischen Kolonie, die sich durch die üppige Ausstattung mit Haushaltsbediensteten auftaten. Ziegenbalgs Ehemann betonte das Einfühlungsvermögen seiner Frau für die zu Missionierenden als Chance. Abels verband die Etikettierung durch den Ehemann mit der aktuellen Empathietheorie des kognitivistischen Literaturwissenschaftlers Fritz Breithaupt. Waczkat deutete zeitgenössische Karten der Missionsstation und ihrer Umgebung als Dokumente eines Netzwerks von Handlungsräumen.

Die Erziehungswissenschaftlerin KATJA LISSMANN (Halle / Tübingen) führte das Muster einer gendersensiblen Netzwerkanalyse anhand der Quedlinburger Adligen und Stiftshauptmannsgattin Sophia Maria von Stammer (1657-1705) vor. Begünstigt durch ihre materiellen und zeitlichen Ressourcen knüpfte sie ein umfangreiches pietistisches Netzwerk, das sie gezielt mit Halle verband. Ihr Schreiben an Francke machte sie zum Ort der meditativen „Zubereitung“ zur „Neuen Kreatur“. Mit der in der traditionellen Pietismusgeschichtsschreibung stereotypisierten introvertierten weiblichen Frömmigkeit hat solches Netzwerkhandeln wenig zu tun.

Die Wirtschafts- und Sozialhistorikerin HEIDRUN HOMBURG (Freiburg) stellte unter dem Titel „Glauben – Arbeit – Geschlecht: Die Schwestern- und Witwenchöre in der Ökonomie der Herrnhuter Ortsgemeine“ einen Ausschnitt aus ihrem Forschungsprojekt „Frauen in der Ökonomie des Pietismus“ vor, dem eine statistikgestützte Makroperspektive zugrunde liegt. Die Gliederung der Gemeine in selbstverantwortlich und weitgehend autonom wirtschaftende Chöre war eine höchst funktionale Organisationsform, die es ermöglichte, die starke Expansion durch den Zuzug vieler Frauen ökonomisch und sozial zu bewältigen. Die Wirtschaftsstatistiken belegen das karge Leben der ledigen Schwestern. Ab 1740 war die Ökonomie der Chöre durch Professionalisierung und Spezialisierung geprägt. Frauen, oft aus dem Adel, übernahmen Unternehmerinnenrollen.

Die Theologin ELISABETH SCHNEIDER-BÖKLEN (München) ging Geschlechterkonstruktion und Amtsverständnis der blinden Herrnhuterin Marianna Ringold (1721-1796) nach, die hugenottischer Abstammung war.

Die Schlussdiskussion, eröffnet und geleitet von der Germanistin HELGA MEISE (Reims) und der Historikerin GISELA METTELE (Jena), bündelte die Ergebnisse. Geschlechterkategorien müssten mit anderen sozialen Kategorien wie Stand, Generation usw. unbedingt in Beziehung gesetzt werden. Vorschnelle geschlechterpolarisierende Zuschreibungen stellten eine simplifizierende Gefahr dar, sie seien nicht sachdienlich. Aus der Akteursperspektive lösten sich viele der traditionellen Grenzziehungen wie etwa zwischen radikalem und separatistischem versus gemäßigtem und kirchlichen Pietismus auf. Die Diversität von sexuellen Praktiken und Männlichkeitskonstrukte verdienten mehr Aufmerksamkeit in der Forschung. Die Beachtung der Schreib- und Lesepraktiken in den Netzwerken führe dazu, dass theologische, akademische Werke nicht mehr als uneingeschränkte Leittexte fungieren.

Die Tagung kann als „Aufbruch zu einer Geschlechtergeschichte des Pietismus“ bezeichnet werden, der weitere Forschungen folgen sollten.[3]

Der Journalist Gerd Brendel (Berlin; Deutschlandradio Kultur) berichtete in der Sendung „Religionen“ am 5. November 2011, 16 Uhr, über die Tagung.
Eine ausführliche Version dieses Tagungsberichts lesen Sie unter www.pietismus.uni-halle-de.

Konferenzübersicht:

Ulrike Gleixner (Wolfenbüttel): Potentiale eines Konzeptes „Pietismus als Netzwerk“ für die Genderforschung

Adelisa Malena (Venedig): „Gefährliche Nähe“. Die Rezeption der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen weiblichen Mystik im Radikalpietismus und in der antipietistischen Polemik

Cornelia Niekus Moore (Fairfax, USA): „Zur mehreren Erbauung“. Charlotte Elisabeth Nebel-Rambach und die Herausgeber ihrer Werke

Stefania Salvadori (Mainz): Mme de Guyons Hohelied-Auslegung und deren Einfluss auf Charles H. de Marsay

Andrea Ressel (Rostock): Pietistische Weiblichkeitskonzepte in der Moralischen Wochenschrift „Die alte Frau“

Ruth Albrecht (Hamburg): „alle einer in Christus“ – „alle eins in Christus“ (Gal 3,28). Theologisch begründete Geschlechterkonstruktionen im frühen Pietismus

Pia Schmid (Halle): Fromme Knaben – Fromme Mädchen. Geschlechterkonstruktionen in Exempelgeschichten?

Xenia von Tippelskirch (Bochum): Die Gesellschaft der Kindheit Jesu-Genossen aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive

Elisabeth Quast (Göttingen): Zugang durch das Frauen-Zimmer. Zur pietistischen Frequentierung adliger Häuser (Ende 17. bis Mitte 18. Jh.)

Ulf Lückel (Marburg): Die fromme Gräfin Hedwig Sophie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1669-1738) und ihr pietistischer Hof in Berleburg – ein Anlaufzentrum im frühen radikalen Pietismus

Barbara Becker-Cantarino (Columbus, USA): „Ihre Seele fühlt alles, was die meine denkt“. Das pietistische Netzwerk Sophie von La Roches (1730-1807)

Reinhard Lieske (Göttingen): Irdische Braut und himmlischer Bräutigam – Motive aus dem Hohelied Salomo im Bilderschmuck evangelisch-lutherischer Kirchenräume des 17./18. Jahrhunderts

Benjamin Marschke (Arcata, USA): Weder männlich noch weiblich: Der Hallesche Pietismus und die neue post-barocke Maskulinität im frühen 18. Jahrhundert

Viktoria Franke (Halle): Weiblichkeit und Göttlichkeit bei Anna Maria van Schurmann (1607-1678)

Katherine Faull (Lewisburg, USA): Space, Race and Sexuality: Gender construction in the 18th century Moravian Mission Field

Peter Vogt (Niesky): Jesus Christus – männlich, weiblich oder androgyn? Christologisch begründete gender-Konstruktionen in der Herrnhuter Brüdergemeine im 18. Jahrhundert

Michael Thomas Taylor (Calgary, Canada): Die Normativität der Ehe in der Brüdergemeine: Ein Versuch mit der Queer Theory

Birgit Abels/Andreas Waczkat (Göttingen): „Ich kan mich desto beßer auf solche Dinge appliciren, weil hier in Indien die Europaeischen Frauens Persohnen, wenig mit Hauß Wesen und Küchen-Sachen zu thun haben“. Handlungsräume von Missionarsfrauen in Tranquebar

Katja Lißmann (Halle / Tübingen): „das bündlein der lebendigen“: Die Netzwerkarbeit Sophia Maria von Stammers (1657-1705) im Quedlinburger frühen Pietismus zwischen Adel und schriftlicher ‘Arbeit an seiner Seelen’ (1692-1705)

Heidrun Homburg (Freiburg): Glauben – Arbeit – Geschlecht: Die Schwestern- und Witwenchöre in der Ökonomie der Herrnhuter Ortsgemeine

Elisabeth Schneider-Böklen (München): Geschlechterkonstruktion und Amtsverständnis bei der Herrnhuterin Marianna Ringold (1721-1796)

Helga Meise (Reims)/ Gisela Mettele (Jena): Schlussdiskussion

[1] Eine ausführliche Version dieses Tagungsberichts lesen Sie unter www.pietismus.uni-halle.de. Der Journalist Gerd Brendel (Berlin; Deutschlandradio Kultur) berichtete in der Sendung „Religionen“ am 5. November 2011, 16 Uhr, über die Tagung.
[2] Christopher M. Clark: Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600-1947, 2. Aufl. München 2007.
[3] Eine Anschlussveranstaltung ist vom 28.06.-01.07.2014 geplant.

Zitation
Tagungsbericht: Gender im Pietismus – Netzwerke und Geschlechterkonstruktionen, 26.10.2011 – 29.10.2011 Halle an der Saale, in: H-Soz-Kult, 18.02.2012, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4052>.