Strukturwandel war immer ... Branchen und Unternehmen

Ort
Bad Soden
Veranstalter
Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Goethe-Universität Frankfurt am Main; Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Datum
13.06.2012 - 15.06.2012
Von
Rüdiger Gerlach, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Die Tagung wurde vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Abteilung II des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam ausgerichtet und fand vom 13. bis 15. Juni 2012 in den Räumlichkeiten der Messer Group GmbH in Bad Soden statt.

Anliegen der Tagung war es, neuere Forschungen zum wirtschaftlichen Strukturwandel zusammenzuführen und zu diskutieren. Die Veranstalter der Tagung, Werner Plumpe (Frankfurt am Main) und André Steiner (Potsdam), wiesen einleitend auf die wissenschaftlichen Lücken hin, welche die Erforschung der Strukturveränderungen der 1970er- und 1980er-Jahre bis heute erschweren und leiteten damit unmittelbar in die erste Sektion über.

JAN HESSE (Bielefeld) zeigte die Unzulänglichkeiten des einflussreichen Drei-Sektoren-Modells von Fourastié auf, das zeitlich und räumlich nur sehr begrenzt anwendbar sei und für wesentliche Aspekte des Strukturwandels blind mache. Stattdessen sei es von Nutzen, andere Formen des Strukturwandels – besonders die Veränderung des Konsums, der Beschäftigungsverhältnisse sowie die Arbeitsteilung zwischen Unternehmen und Regionen (Outsourcing und Offshoring) – genauer zu untersuchen.

Auch MARK SPOERER (Regensburg) stellte das Drei-Sektoren-Modell auf den Prüfstand. Der deutliche Rückgang der Beschäftigtenzahlen im Agrarbereich in der Europäischen Union bestätige Fourastiés Modell auf den ersten Blick. In Laufe des Vortrags wurde allerdings deutlich, dass durchaus von einem „agrarian exceptionism“ zu sprechen ist. Der traditionelle Agrarprotektionismus der meisten europäischen Staaten sei durch die gemeinsame Agrarpolitik der EWG fortgeführt worden. Die Notwendigkeit, die Nahrungsmittelversorgung und zugleich die ländliche Bevölkerung sozial zu sichern, habe den Strukturwandel gedämpft und eine Überproduktion an Gütern sowie steigende Agrarexporte nach sich gezogen. Allerdings wandelte sich seit den 1990er-Jahren die Begründungssemantik für die Subventionen: An Stelle der Versorgungs- und Einkommenssicherung hätten Landschafts-, Umwelt- und Klimafragen an Bedeutung gewonnen.

In der anschließenden Diskussion stellte sich die Frage, ob staatliche Steuerungsversuche in ihrer Wirkung auf den Strukturwandel nicht näher zu untersuchen seien, woran STEFAN GRÜNER (Augsburg) anschließen konnte. Zunächst stellte er fest, dass die staatliche Ressourcenlenkung ungeachtet des markwirtschaftlichen Credos der BRD schon in den 1940er- und 1950er-Jahren von Bedeutung war. In der Ära der sozialliberalen Koalition versuchte der Bund, Strukturpolitik planerisch zu gestalten sowie regionale und sektorale Fördermaßnahmen zu koordinieren bzw. zu verknüpfen. Das Resultat sei eine komplexe Neudefinition von Trägern und Prozessen des Politikfeldes gewesen. Andererseits sei das Planungsparadigma in den Krisen der 1970er-Jahre schnell an seine wissenschaftlichen und politischen Grenzen gestoßen. Strukturpolitik habe zunehmend den Charakter eines politischen Interessenausgleichs getragen, was mit einer Erhöhung der Gesamtausgaben einhergegangen sei. Grüner schloss mit der ernüchternden Erkenntnis, dass sich mit der Strukturpolitik der 1970er- und 1980er-Jahre weniger die Hoffnung auf die Gestaltung der Zukunft als die Sorge verband, dass sich die Probleme der Zeit verstetigen würden.

ALFRED RECKENDREES (Kopenhagen) stellte umfangreiche statistische Auswertungen zum Strukturwandel des Konsums westdeutscher Haushalte vor. Trotz aller Quellenprobleme wurde deutlich, dass die Periode zwischen 1967 und 1978 als Zäsur für die Einkommens- und Konsumverhältnisse zu sehen ist. Die Ausgaben für lebensnotwendige Güter sanken, dienstleistungsintensive Bereiche gewannen an Bedeutung und die Konsummuster der beobachteten Gruppen begannen sich anzugleichen, so dass für die späten 1970er-Jahre von einer nivellierten Massenkonsumgesellschaft gesprochen werden kann. Der Wandel des Konsums sei eng mit steigenden Arbeitsentgelten, einer Umverteilung zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen, dem Sinken der Arbeitszeit, dem Übergang von Verkäufer- zu Käufermärkten, dem aufkommenden Markt für Marktforschung, der Auflösung sozialer Milieus, neuen Formen der Konsumfinanzierung und Phänomenen der Massenkultur verbunden gewesen, auf die in den folgenden Fallstudien der Tagung immer wieder zurückgekommen wurde.

RALF AHRENS (Potsdam) erweiterte die Perspektive auf den Strukturwandel um zwei Aspekte, in dem er den Wandel des Maschinenbaus im deutsch-deutschen Vergleich untersuchte und die technischen Herausforderungen der Branche in den Blick nahm. Die Einführung moderner Mikroelektronik und Steuerungstechnik habe dem westdeutschen Maschinenbau – der unter Wettbewerbsdruck aus Japan stand – eine Umstrukturierung hin zur diversifizierten Qualitätsproduktion ermöglicht, die als Erfolgsmodell zur Überwindung der strukturbedingten Probleme galt. Die DDR litt hingegen an systemtypischen Innovationsschwächen. Statt neue Produkte auf den Markt zu bringen, wurde auf die Rationalisierung der Produktion und die Schaffung von „economies of scale“ gesetzt. So scheint die diversifizierte Qualitätsproduktion in der BRD vor allem ein Anpassungsprozess an den steigenden internationalen Wettbewerb gewesen zu sein, der in der DDR weitgehend fehlte. In der Rückschau auf die 1990er-Jahre sei aber festzustellen, dass sich die Hoffnung, mit der diversifizierten Qualitätsproduktion das Beschäftigungsproblem zu lösen, als unberechtigt erwies.

An die Frage nach dem Zusammenhang von zunehmendem Wettbewerb und technischem Wandel konnte JULIA SCHNAUS (Frankfurt am Main) mit dem Fall des misslungenen Strukturwandels der Frank´schen Eisenwerke direkt anknüpfen. Das stark diversifizierte Familienunternehmen erwies sich aufgrund von Generationsproblemen im Management und zunehmenden Finanzierungsschwierigkeiten als kaum mehr anpassungsfähig und konnte gegenüber innovativeren und spezialisierteren Wettbewerbern nicht konkurrieren. Die Insolvenz der Eisenwerke stehe beispielhaft für das Sterben von Traditionsunternehmen in Folge des verschleppten Strukturwandels.

Auch boomende Branchen standen in den 1970er-Jahren unter zunehmendem Anpassungsdruck, wie CHRISTIAN MARX (Trier) am Beispiel der Internationalisierung der Chemieindustrie zeigte. Hinter der Verlagerung lohnintensiver Produkte ins Ausland, stärkerem intraindustriellen Handel mit Chemieprodukten und steigenden ausländischen Direktinvestitionen verbargen sich Erfolgsstrategien, die sich seit 1982 in steigenden Gewinnen der Unternehmen auszahlten. Der Strukturwandel erschien hier weniger als Bedrohung denn als Motivation, die Chancen der Internationalisierung zu nutzen. Die Fallstudien zu den Unternehmen Glanzstoff und Hoechst warfen aber grundsätzliche Fragen nach Motiven, Zeitpunkten und Formen der Internationalisierung auf. Veränderungen der internationalen Nachfrage, protektionistische Maßnahmen, neue Währungsrisiken nach dem Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods, der Wettbewerb auf Wachstumsmärkten, veränderte Transportbedingungen und der Zugang zu Rohstoffen haben sehr unterschiedliche Strategien erfordert, die es differenziert zu betrachten gilt.

KIM PRIEMEL (Berlin) zeigte am Beispiel der Druckindustrie, dass der Wertschöpfungsprozess in den Unternehmen einem enormen technikinduzierten Wandel unterlag, der Arbeitsformen und Arbeitsbeziehungen prägte. Mechanisierung, Digitalisierung, Virtualisierung und Computerisierung der Bereiche Druck und Schriftsetzung führten einerseits zu Produktivitätssteigerungen, aber andererseits zu einem Bedeutungsverlust spezifischer handwerklicher Fähigkeiten sowie zu einem hohen Umqualifizierungsbedarf der Beschäftigten. Priemels deutsch-amerikanisch-britischer Vergleich zeigte, wie unterschiedlich in den einzelnen Ländern mit technikbedingten personalpolitischen Problemen umgegangen wurde. Obwohl es den Gewerkschaften teilweise gelang, die Einführung von Technologien zu verzögern, bedrohte Arbeitsplätze zu sichern oder exklusive Benutzungsrechte neuer Anlagen durch die Stammbelegschaften auszuhandeln, setzten sich technische Neuerungen mit zeitlichen Verzögerungen durch. Priemel empfahl abschließend, den Wandel der Tätigkeiten der Arbeitnehmer genauer zu beobachten, welcher die technische Seite des Strukturwandels besser berücksichtige als das allgemeine Konzept der Deindustrialisierung.

Eine Alternative zur Deindustrialisierung und dem Verschwinden von Traditionsbetrieben untersuchte ANNE SUDROW (Potsdam). Werksbesetzungen und kooperatives Wirtschaften seien Reaktionen auf den Strukturwandel und die Krise der alten Wirtschaftsinstitutionen gewesen. Die selbstverwalteten Phoenixkooperativen, welche aus wirtschaftlich angeschlagenen Privatunternehmen entstanden, erlebten in den politisch aufgeladenen 1970er-Jahren eine Blütezeit und wurden mitunter staatlich gefördert. Der Fall der Glashütte Süßmuth zeige die Energie, mit der diese Projekte in der Anfangszeit betrieben und nach außen propagiert wurden, aber auch die Schwierigkeiten, welche letztlich zur Degeneration des basisdemokratischen Ansatzes führten. Mittelfristig wurden Arbeitsplätze gesichert. Probleme, ein professionelles Management einzurichten und Überschüsse zu erwirtschaften, haben aber zur Reprivatisierung der Glashütte und später zu ihrer Abwicklung geführt. So stelle sich einerseits die Frage, ob die Phoenixkooperativen nicht letztlich eine Fußnote des Strukturwandels waren? Andererseits seien sie Ausdruck des vielbeschworenen Wertewandels der 1970er-Jahre gewesen.

INGO KÖHLER (Göttingen) griff den Begriff des Wertewandels auf und provozierte bewusst mit der Frage, ob dieser nicht ein Konstrukt der Marktforschung sei. Am Beispiel der deutschen Automobilindustrie zeigte er die Evolution von rein quantitativen absatzorientierten Studien auf den Verkäufermärkten der 1950er- und 1960er-Jahre zur qualitativen Erforschung des Käuferverhaltens im Zeichen des angespannten Wettbewerbs seit den späten 1960er-Jahren. Der Strukturwandel und die Autokrisen der 1970er-Jahre hätten dazu geführt, dass die ersten Käufertypologien, Marktsegmentierungen und Imagestudien schnell überholt waren. Die zunehmende Implementierung sozialwissenschaftlich gestützter Analysemethoden sollte der Differenzierung der Kaufmotive Rechnung tragen. Mit Blick auf seine einleitende Frage stellte Köhler fest, dass die Marktforschung die Methoden der Sozialwissenschaften nicht unerheblich prägte und somit ihren Anteil an den Wertewandelshypothesen der Zeit hatte.

Auch für die von CHRISTIAN MÜLLER (Frankfurt am Main) untersuchte Tonträgerindustrie stellte der Strukturwandel eher ein Anpassungsproblem als eine Krise dar. In beiden deutschen Staaten boomte der Schallplattenmarkt in den 1970er-Jahren. Dabei hatten die Branchen sehr unterschiedliche Probleme zu bewältigen. In der BRD zwangen Kundenwünsche – vor allem nach englischsprachiger Musik – die Unternehmen, ihr Augenmerk auf die Beschaffung musikalischer Inhalte zu richten, die in den 1950er-Jahren noch überwiegend in eigener Regie produziert worden seien. Der Kauf von internationalen Musikproduktionen und der Abschluss von Vertriebsverträgen habe erhebliche Mehrkosten mit sich gebracht. Gleichzeitig drängten spezialisierte Anbieter und ausländische Konkurrenten auf den Markt. Der Wettbewerb auf den Musikbeschaffungs- und Absatzmärkten habe zu fallenden Margen geführt, die durch steigende Absatzmengen kompensiert worden seien. Für den Fall der DDR sei dieser Wettbewerb von untergeordnetem Interesse gewesen. Staatlich geforderte Rationalisierungen und chronische Materialengpässe hätten das Handeln bestimmt, so dass ein weitergehender deutsch-deutscher Vergleich kaum möglich sei.

Die westdeutsche Fernsehgeräteindustrie war ein Vorzeigesektor der Wirtschaftswunderzeit, der in den 1970er-Jahren weiter boomte. SEBASTIAN TEUPE (Bielefeld) zeigte, dass sie ihre Produktionskapazitäten erheblich ausbaute und Westdeutschland bis in die zweite Hälfte der 1980er-Jahre ein Nettoexporteur von Fernsehgeräten blieb. Wettbewerb und Kostendruck hätten zu einer stärkeren internationalen Arbeitsteilung bei der Komponentenherstellung geführt, wie er am Beispiel des Röhrenbaus zeigte. Die oft beschworene Invasion der Japaner sei aber ausgeblieben. Die Vertriebspolitik der boomenden Branche habe eine Ausweitung produktbezogener Dienstleistungen – insbesondere des Facheinzelhandels – nach sich gezogen.

Die im Anschluss diskutierte Frage nach dem Wandel der Dienstleistungen wurde in der folgenden Sektion weiter vertieft. HANNAH JONAS (Tübingen) zeigte die doppelte Bedeutung des Strukturwandels für den Vereinsfußball. Zum einen verstärkte die Krise der alten Industrie die – seit den 1970er-Jahren deutlich zutage getretenen – Probleme der Vereine. Zum anderen stellte sich die Frage, wie mit dem immer populäreren Medium Fernsehen umzugehen sei. Erst mit dem Kauf der Erstverwertungsrechte durch den Sender RTL im Jahre 1988 sei es zu einer Symbiose zwischen Fernsehen und Vereinen gekommen. Letztere seien zunehmend als „Fußballunternehmen“ gesehen worden, deren Kernbereich in der Vermarktung der Ware Fußball lag. Den Strukturwandel verdeutlichte Jonas am Beispiel des Ruhrgebietsfußballs. Die Vereine wanden sich zunehmend kaufkräftigeren Bevölkerungsgruppen zu und distanzierten sich von ihren Anhängern aus den Arbeitermilieus. Erst mit einer zeitlichen Verzögerung wurden Arbeitertraditionen als positiver Identifikationspunkt wiederentdeckt und für das Marketing nutzbar gemacht. Letztlich wandelte sich ein schichtspezifisches und nur bedingt kommerzielles Freizeitangebot zu einer massenkonsumtauglichen Ware.

Die technischen Probleme des Massenkonsums für die Dienstleistungssparte erörterte JÖRG LESCZENSKI (Frankfurt am Main) am Beispiel west- und ostdeutscher Reiseveranstalter. Der Einzug der elektronischen Datenverarbeitung habe es den westdeutschen Unternehmen ermöglicht, den Nachfrageboom nach Reisen zu bewältigen und den zunehmenden Preisdruck auf dem umkämpften Markt durch Rationalisierungen zu kompensieren. Die DDR-Betriebe waren Nachzügler dieser Entwicklung. Sie erkannten das Rationalisierungspotential der EDV für die Verwaltung – an dem Mangel attraktiver Reiseangebote änderte sich aber nichts. In den drei deutsch-deutschen Vergleichen der Tagung erschienen der Wettbewerb und die Veränderung auf den Nachfragemärkten als treibende Momente des Strukturwandels in der BRD. In der DDR vollzog sich der Strukturwandel überwiegend über staatlich verordnete Rationalisierungsmaßnahmen, die aber regelmäßig durch systemimmanente Probleme blockiert wurden.

Einen Wettbewerb anderer Art beobachtete ROMAN KÖSTER (München) mit Blick auf die westdeutsche Abfallwirtschaft. Hier handele es sich um eine „Privatisierung vor der Privatisierung[swelle]“. Neue Gesetze und die Einbeziehung ländlicher Regionen in die Abfallentsorgung ermöglichte es privaten Anbietern, die in den Städten nur schwer Fuß fassen konnten, marktfähige Angebote zu entwickeln. Diese waren nicht unbedingt innovativer, aber preisgünstiger und effizienter als die kommunalen Betriebe, so dass sie ihre Marktanteile in den 1970er-Jahren deutlich ausbauen konnten. So scheint es ratsam zu sein, auch die Outsourcingaktivitäten staatlicher Akteure im Kontext des Strukturwandels genauer zu untersuchen.

ANSELM DOERING-MANTEUFFEL (Tübingen) kam es in seinem Schlusswort zu, die wirtschafts- und unternehmenshistorischen Beiträge im zeitgeschichtlichen Kontext zu verorten. Die erste Hälfte der 1970er-Jahre beschrieb er als Phase der „Entriegelung“, in der sich traditionelle Bezugsrahmen – nationaler Staat und stationäre Produktion – in Auflösung befunden hätten. Der Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods, die Rückkehr des Monetarismus mit den Nobelpreisen für Hayeck und Friedman, die wachsende Macht der Banken und die Ölkrise waren eng mit politischen Entwicklungen der Zeit verschränkt. Er rief dazu auf, die während der Tagung thematisierten Phänomene des Strukturwandels genauer zu betrachten: Die Untersuchung der Deindustrialisierung, die mit dem Zusammenbruch traditioneller Lebenswelten und fundamentalen Veränderungen der Zukunftserwartungen verbunden war, ermögliche es, technische und anthropologische Komponenten des Wandels zusammen zu denken. Die Aspekte der Konsumentengesellschaft: Massenkonsum, Marktforschung, Wertewandelsdiskurse und Individualisierung seien hingegen nicht ohne die Wohlstandsgesellschaft, mit ihren steigenden Löhnen und sozialen Sicherungssystemen, zu verstehen. Letztlich böten die vorgestellten wirtschaftshistorischen Ansätze eine empirische Fundierung zu den Fragen des Strukturwandels, an der es den zahlreichen kulturalistisch geprägten Untersuchungen zu der Zeit oft mangele.

Konferenzübersicht:

André Steiner (Potsdam), Werner Plumpe (Frankfurt am Main): Eröffnung der Tagung

Sektion I: Strukturwandel – allgemeine Trends

Jan Hesse (Bielefeld): Was heißt „Strukturwandel“ in der „alten“ Bundesrepublik?

Mark Spoerer (Regensburg): Landwirtschaftlicher Strukturwandel (im EWG-Raum) im Zeichen der gemeinsamen (europäischen) Agrarpolitik

Stefan Grüner (Augsburg): Strukturpolitik in Westdeutschland während der 1970er- und 1980er-Jahre

Alfred Reckendrees (Kopenhagen): Strukturwandel des Konsums

Sektion II: Der sekundäre Sektor im Strukturwandel – Fallbeispiele (I)

Ralf Ahrens (Potsdam): „Diversifizierte Qualitätsproduktion“ im Strukturwandel: Der ost- und westdeutsche Maschinenbau nach dem Boom.

Julia Schnaus (Frankfurt am Main): Tod auf Raten - Krisenrezeption und Krisenmanagement der Frank’schen Eisenwerke AG in den 1970er und 1980er Jahren

Christian Marx (Trier): Internationalisierung der westdeutschen Chemieindustrie

Sektion III: Der sekundäre Sektor im Strukturwandel – Fallbeispiele (II)

Kim Priemel (Berlin): Jeder stirbt für sich allein. Transformationen von Berufsbildern in der Druckindustrie

Anne Sudrow (Potsdam): „Unternehmer wider Willen?“ Alternatives Wirtschaften als Weg aus der Strukturkrise der 70er und 80er Jahre"

Sektion IV: Branchen und Unternehmen zwischen Industrie- und Dienstleistungen

Ingo Köhler (Göttingen): Auf der Suche nach dem Wertewandel. Marktforschung in der deutschen Automobilindustrie seit den späten 1960er Jahren

Christian Müller (Frankfurt am Main): „Es war einfach, einfacher zu kaufen“. Wandel der Beschaffungsmärkte in der Tonträgerindustrie der 1970er-Jahre u West- und Ostdeutschland

Sebastian Teupe (Bielefeld): Krise eines „Wirtschaftswunders“? Die (west-)deutsche Fernsehgeräte-Industrie in den 1970er und 80er Jahren.

Sektion V: Dienstleistungen im Wandel

Hannah Jonas (Tübingen): Millionenspiel vor leeren Rängen - Die Krise des deutschen Vereinsfußballs zwischen ökonomischen Zwängen und neuen Konsumgewohnheiten, 1971-1989

Jörg Lesczenski (Frankfurt am Main): Rationalisierung und Technisierung als Schlüsselstrategien west- und ostdeutscher Reiseveranstalter im Strukturwandel, 1965-1989

Roman Köster (München): Auf der Schwelle zur Dominanz: Der Aufstieg der privaten Abfallwirtschaft seit den 1960er Jahren

Anselm Doering-Manteuffel (Tübingen): Abschlusskommentar

Zitation
Tagungsbericht: Strukturwandel war immer ... Branchen und Unternehmen, 13.06.2012 – 15.06.2012 Bad Soden, in: H-Soz-Kult, 17.07.2012, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4313>.
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Veröffentlicht am
17.07.2012
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