Marginalisierte Häftlingsgruppen in der historischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus. Einblicke in Theorie und Praxis

Ort
Dachau
Veranstalter
Nina Ritz / Steffen Jost, Max Mannheimer Studienzentrum, Dachau
Datum
11.11.2013 - 12.11.2013
Von
Julia Treindl, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität München; Korbinian Engelmann, Institut für Zeitgeschichte, München

Das zentrale Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz in der KZ-Gedenkstätte Dachau zeigt verschiedenfarbige, auf einer Kette angeordnete Dreiecke. Mittels dieser „Winkel“ kennzeichnete und unterschied die SS in den Konzentrationslagern einzelne Häftlingsgruppen voneinander. In der 1968 errichteten Installation sind allerdings nicht alle Opfergruppen vertreten. Rosafarbene Winkel für Homosexuelle, schwarze für „Asoziale“ und grüne für „Kriminelle“ fehlen. Bis heute zeugt dieses Denkmal von der mangelnden Anerkennung dieser Häftlingsgruppen – gerade auch innerhalb der Gemeinschaft der Überlebenden. Ebendiese „Leerstellen“ standen im Mittelpunkt der Tagung im nahegelegenen Max Mannheimer Studienzentrum in Dachau. Zwei Tage lang beschäftigten sich die Tagungsteilnehmer/innen hier mit marginalisierten Häftlingsgruppen in der historischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus.

In seiner Grußadresse verdeutlichte der Veranstalter der Tagung Steffen Jost die Notwendigkeit der historischen Beschäftigung mit marginalisierten Häftlingsgruppen und deren Leidensgeschichte über das Jahr 1945 hinaus. Im Rahmen der pädagogischen Arbeit müsse man sich angesichts des bereits vorhandenen Bildungsangebotes zu Konzentrationslagern darüber Rechenschaft ablegen, wie diese Arbeit sinnvoll zu gestalten sei. Die achtzehn Referenten/innen mit teils pädagogischem, teils historischem Hintergrund repräsentierten die Schnittstelle zwischen pädagogischer und historischer Forschung sowie praxisorientierter Gedenkstättenpädagogik. Die sehr gut besuchte Tagung war an beiden Tagen jeweils in zwei Vortragsphasen sowie eine Workshopphase unterteilt. Inhaltliche Schwerpunkte lagen auf der Auseinandersetzung mit sogenannten „Asozialen“, als „Zigeuner“ Verfolgten und Homosexuellen.

Im ersten Kurzvortrag betonte CHRISTA SCHIKORRA (Flossenbürg), Mitglied des Ausstellungsteams im Konzentrationslager Flossenbürg und Fachfrau für die „asozialen“ Häftlinge, die Kontinuitäten der Ausgrenzung marginalisierter Häftlingsgruppen bis in die Gegenwart: Sinti und Roma, „asozialen“, „homosexuellen“ sowie „kriminellen“ Häftlingen habe man mit der Begründung, sie hätten ihre Verfolgung selbst verschuldet, teils bis in die jüngste Vergangenheit hinein sowohl materielle Entschädigung wie auch die moralische Anerkennung des an ihnen begangenen Unrechts verweigert. Das Deutungsmonopol der Mehrheitsgesellschaft habe die nazionalsozialistische Stigmatisierung marginalisierter Häftlingsgruppen bis weit in die Zeit der Bundesrepublik fortgeführt. Beispielsweise verweigerte man „asozialen“ Häftlingen jegliche materielle Entschädigung, als „Zigeuner“ Verfolgte wurden unter Fortführung nationalsozialistischer Aktenbestände auch ohne Verdachtsmoment polizeilich vorerfasst. Im Rahmen der pädagogischen Bildungsarbeit müsse man, so Schikorra, diese „vergessenen Verfolgten“ ansprechen, auf die kontinuierliche Diskriminierung aufmerksam machen und vor allem fortgeführte Vorurteile dekonstruieren.

Daran anschließend thematisierte OLIVER PLESSOW (Kassel), Geschichtsdidaktiker an der Universität Kassel, die Problematik der Selektion bestimmter Häftlingsgruppen für die Bildungsarbeit. Konzentriere man sich nämlich auf eine Gruppe, so werde eine andere übergangen, vor allem im schulischen Kontext. Wie also sei mit der Konkurrenz der Häftlingsgruppen um das Gedenken in der Bildungsarbeit umzugehen? Plessow zufolge gelte es primär, sich über das Ziel der Bildungsarbeit zu verständigen, also etwa darüber, ob individuelles Gedenken oder eine generalisierende Erkenntnis vermittelt werden solle. In letzterem Fall stehe weniger eine individuelle Häftlingsgruppe, ja nicht einmal zwingend der Holocaust im Vordergrund, als vielmehr der grundsätzliche Charakter eines exemplarischen Unrechtsregimes. Kontinuitäten der Diskriminierung seien ebenso zu betonen wie die Notwendigkeit der Dekonstruktion der Vorurteile. Plessow gab zudem einen Überblick über verfügbare Bildungsmaterialen vor allem für die schulische Bildungsarbeit zu marginalisierten Häftlingsgruppen.

Im Anschluss daran fanden drei parallele Workshops statt. STEFFEN JOST (Dachau) stellte einen sehr positiv bewerteten Workshop zur Verfolgung von Sinti und Roma im Zusammenhang mit dem Konzentrationslager Dachau zur Diskussion, ausgelegt auf Schulgruppen ab der neunten Klasse. In Kleingruppen beschäftigten sich die Teilnehmer mit den umfangreichen biographischen und thematischen Materialien, etwa zu „Sinti und Roma in der BRD nach 1945“. In der anschließenden Präsentationsphase konnten je nach Fokus unterschiedliche Aspekte betont werden. Anhand jüngerer Zeitungsartikel ließ sich beispielsweise die Perpetuierung von Vorurteilen gegen Sinti und Roma demonstrieren, während die biographischen Einzelbeispiele Ansatzpunkte zur Dekonstruktion dieser Vorurteile boten. Die positive Rezeption des Workshops gründete sich vor allem auf die Materialvielfalt, da die zur Verfügung stehenden autobiographischen Texte, Zeitungsartikel, Täterquellen und Gesetze eine multiperspektivische Betrachtung ermöglichten.

Zeitgleich widmete sich CHRISTIAN KUCHLER (Aachen) in einer Arbeitsgruppe der „Euthanasie“-Propaganda im Kino. Ebenfalls parallel dazu stellten CHRISTINA BRÜNNING (Freiburg) und SELMAN ERKOVAN (Berlin) in ihrem gemeinsamen Workshop die Frage, wie historisches Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust in einer kulturell und religiös heterogenen Gruppe möglich sei. In Anbetracht der 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sei „unsere Geschichtskultur“ ein problematisches Feld und treffe, je nach Migrationskontext, auf alternative Sinnbildungsmuster. Die Referenten erläuterten am Beispiel des Einsatzes von Zeitzeugenvideos mögliche Fragestellungen und Anknüpfungspunkte für integratives Lernen in heterogenen Klassen. Dieser multiperspektivische Zugang sei besonders mit der Vermittelung von Rassismuskritik kombinierbar. Somit gingen politische Bildung und historisches Lernen Hand in Hand. Brünning präsentierte dazu das Angebot des Visual History Archive der Freien Universität Berlin sowie den möglichen Ablauf eines schulischen Projekttages.[1] Zum Abschluss fragten Brünning und Erkovan in einem simulierten Dialog danach, wie sinnvoll die Einteilung einzelner Personengruppen in Kategorien im pädagogischen Bereich sei. Die abschließende Diskussion konfrontierte die Teilnehmer mit einem Grundproblem der Geschichtsdidaktik: Einerseits sei die Bildung von Kategorien Grundlage wissenschaftlicher Forschung und maßgeblich für die Identifikation und Selbstverortung der Schüler. Aus pädagogischer Perspektive sei das Denken in Kategorien wie „Rasse“ oder „Kultur“ hingegen zu dekonstruieren.

Eine szenische Lesung aus dem Kooperationsprojekt „Aus den Akten auf die Bühne“ zwischen den Historikerinnen EVA SCHÖCK-QUINTEROS und FREDERIKE BUDA (beide Bremen) und PETER LÜCHINGER von der Bremer Shakespeare Company rundete den Abend ab. Sie findet hier besondere Erwähnung, da sie auf imponierende Weise demonstrierte, wie an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft selbst unbequeme Inhalte ein breiteres öffentliches Publikum erreichen können: Seit 2007 leitet Schöck-Quinteros Universitätsseminare, in deren Rahmen Studierende die Bremer Archive nach schauspieltauglichen Akten durchsuchen. Der im Rahmen der Tagung vorgeführte Ausschnitt aus dem Stück „Im Lager hat man auch mich zum Verbrecher gemacht“, inszenierte Protokolle aus dem Verhör des „asozialen“ Häftlings Margarete Ries, 1948 angeklagt wegen vierfachen Mordes an ihren Mitgefangenen im Dienste der SS. Eindrucksvoll dokumentierte die Lesung das „Nebeneinander und die Vermischung von Opfer- und Täter-Sein eines Funktionshäftlings“.

TOBIAS VON BORCKE (Berlin) veranschaulichte tags darauf in seinem Vortrag anhand aktueller Studien bestehende antiziganistische Tendenzen in unserer Gesellschaft; Stereotype zu Sinti und Roma seien nach wie vor virulent.[2] Selbst Gedenkstätten seien nicht davor gefeit, auf Ausstellungstafeln und in ihrem museumspädagogischen Angebot auf solche Stereotype zurückzugreifen. Um dies zu vermeiden, sollten sie sich daher auf die Kernkompetenz der Gedenkstättenarbeit, die Dokumentation und museale Aufbereitung der Verfolgung, konzentrieren. Von dem Versuch einer Darstellung der Sinti und Roma als homogene Gruppe – soweit eine solche überhaupt möglich sei – müsse man absehen. Der Referent machte auch auf die Problematik der Etikettierung aufmerksam: Nicht alle Gruppen, welche im Nationalsozialismus als „Zigeuner“ verfolgt worden seien, sähen sich selbst als Sinti oder Roma. Die Chance der Gedenkstättenpädagogik und der politischen Bildung, mit Kontinuitäten von Stereotypen zu brechen, liege von Borcke zufolge im biographischen Lernen. Den Verfolgten ein Gesicht zu geben, sie als Menschen darzustellen, das sei eine Möglichkeit, um „Ent-Fremdung“ und Anerkennung zu erwirken.

Anschließend präsentierten ANNE ALLEX und LOTHAR EBERHARD (beide Berlin) einen Projektbericht des Berliner Arbeitskreises „Marginalisierte – gestern und heute!“, der über die Verfolgung der „Asozialen“ im Nationalsozialismus aufklärt und Kontinuitäten der Diskriminierung kritisch untersucht. Ein zentrales Ergebnis des Arbeitskreises betraf den Terminus „asozial“, unter den die Mehrheitsgesellschaft im Nationalsozialismus „arbeitsscheue“ Menschen, alleinerziehende Mütter, Menschen nicht-heterosexueller Orientierung, „Zigeuner“, kurzum sämtliche nicht der Mehrheitsnorm entsprechende Menschen subsumierte. Dieser diffuse „Begriffsschirm“ unterlag einem Bedeutungswandel, doch der Begriff „asozial“ ist nach wie vor negativ belegt und bezeichnet eine vermeintliche soziale Devianz. Dies mag ein Grund dafür sein, warum die Auseinandersetzung mit den sogenannten „Asozialen“ in Gesellschaft und Forschung bisher relativ wenig Resonanz fand – und weshalb dieser Arbeitskreis umso mehr Wertschätzung verdient.

In der folgenden Workshopphase stellte DAGMAR LIESKE (Berlin) die Beschäftigung mit den sogenannten „Berufsverbrechern“ im Rahmen der Gedenkstättenpädagogik zur Diskussion. Zeitgleich dazu boten THOMAS RINK, KERSTIN SCHWENKE und FELIZITAS RAITH (alle München) einen Einblick in die pädagogische Arbeit des zukünftigen NS-Dokumentationszentrums München, dessen Eröffnung Ende 2014 geplant ist. Den Teilnehmern wurde ein ausgearbeitetes und bereits an Jugendlichen erprobtes Programm präsentiert und zur Diskussion gestellt. Die vorgestellte Einheit beschäftigte sich am Beispiel des Münchner Sinto Hugo Höllenreiner ebenfalls mit der Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland, deren Verfolgung während der NS-Zeit sowie dem Leben nach 1945. Ziel sei es, neben der inhaltlichen Vermittlung für aktuelle Diskriminierungstendenzen in unserer Gesellschaft zu sensibilisieren. Die Teilnehmer des Workshops erprobten und bewerteten eine Gruppenarbeit, welche anhand zahlreicher Bild- und Textdokumente das Schicksal des als „Zigeuner“ verfolgten Hugo Höllenreiner und seiner Familie thematisierte. Im Anschluss daran diskutierte die Gruppe Zeitungsartikel jüngeren Datums zu Sinti und Roma. Das Feedback der Teilnehmer fiel durchweg positiv aus.

ALBERT KNOLL (Dachau), Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau, referierte in seinem Vortrag über die Verfolgung von Homosexuellen und die Aufarbeitung nach 1945. Er hob dabei hervor, dass der Großteil unserer Erkenntnisse aus Täter- und Verfolgungsakten hervorgehe. Egodokumente sowie Zeitzeugenberichte seien – nicht zuletzt durch die Kontinuität der Diskriminierung und Verfolgung nach 1945 – äußerst rar. Knoll veranschaulichte durch die Geschichte des Paragraphen 175 des deutschen Strafgesetzbuches, dass es für Homosexuelle keine „Stunde Null“ gegeben habe: 1871 eingeführt, stellte das Gesetz sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. Als einziges Gesetz, das durch die Nationalsozialisten verschärft worden war, erfuhr es nach 1945 keine Milderung. Erst 1969 schränkte man den Paragraphen 175 maßgeblich ein, vollständig abgeschafft wurde er erst 1994. Seit der Großrazzia gegen Homosexuelle vom 20. Oktober 1934 wurden bis 1945 insgesamt etwa 500 Häftlinge mit dem rosafarbenen Winkel im KZ Dachau interniert. Das eingangs erwähnte, 1968 eingeweihte Mahnmal in Dachau ignoriert die rosafarbenen Winkel jedoch. 1985 versuchten Aktionist/innen, mit der Anbringung eines Gedenksteins auf homosexuelle Opfer aufmerksam zu machen. Doch der Stein fand erst 1995 nach Protestaktionen, Einzug in das Museum der Gedenkstätte. Für die Nachkriegszeit sei, so Knoll, ein teilweise bis heute geltendes „Schweigegebot“ hinsichtlich der von den Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen zu konstatieren – einmal mehr wird damit der Gegenwartsbezug zur Maxime der historischen Bildungsarbeit.

Im letzten Vortrag der Tagung stellte NINA WILKENS (Berlin) die Kunst als Grundlage für die Erinnerung an eine weitere stigmatisierte Häftlingsgruppe in den Vordergrund: Die Foto- und Textinstallation der Künstlerin Quintan Ana Wikswo, gegenwärtig zu sehen im Jüdischen Museum Berlin, thematisiert die sogenannten „Sonderbauten“, die zwischen 1942 und 1945 in Konzentrationslagern eingerichteten Lagerbordelle. Erst seit den 1990er-Jahren rückten die Frauen, die sich auf Befehl Himmlers in den Bordellen prostituieren mussten, in den Fokus der Forschung. 183 Frauen lassen sich trotz der dürftigen Quellenlage belegen. Die Fotografien sind mit subtiler Bedeutungskraft aufgeladen: Verwendet wurden alte Aqua-Kameras, welche KZ-Häftlinge hergestellt hatten. Unter Mehrfachbelichtung nahm die Künstlerin Motive auf, welche an das Dasein im Konzentrationslager anknüpfen. Die Bildeindrücke sind diffus, daraus resultiert eine intuitive Art der Interpretation. Die beigefügten Texte geben eine Deutungsrichtung vor, die von Bild zu Bild immer konkreter wird und auf die Lagerprostitution verweist, einer eindimensionalen Ausdeutung verweigert sich die Ausstellung jedoch. Nach einem forschungsgeschichtlichen Überblick und einer Interpretation des Kunstwerks verwies Wilkens auf die besonderen pädagogischen Möglichkeiten, die die Installation biete. So eröffne sie einen künstlerisch-intuitiven Zugang zu sensiblen Themen wie Zwangsprostitution, sexueller Gewalt und deren gesellschaftliche Tabuisierung.

Abschließend lassen sich folgende Forderungen aus den Vorträgen, Workshops und Diskussionen für die Bildungsarbeit zu marginalisierten Häftlingsgruppen im Nationalsozialismus ableiten: Ein Schwerpunkt der Vermittlung sollte auf den Kontinuitätslinien zwischen Nationalsozialismus und Gegenwart liegen. Dazu eignen sich insbesondere individuelle Schicksale, welche ganz unmittelbar fortgeführte Diskriminierungen nachvollziehbar machen. Gleichzeitig gilt es aber, die Einzelbiographien in übergeordneten Strukturen zu verorten, um die Balance zwischen Individualschicksal und allgemeiner Ereignisgeschichte zu wahren. Wiederholt wurde eine konsequente Sensibilisierung der Zielgruppen für Sprache, Deutungshoheiten und Begriffszuschreibungen im Zusammenhang mit Minoritäten postuliert. Besonderes Gewicht legte man auf die Dekonstruktion von Stereotypen im Rahmen der Bildungsarbeit. In der praktischen Jugendarbeit sollte diese Dekonstruktion allerdings nicht verabsolutiert werden, denn allzu sperrige Begriffsapparate behindern eine Vermittlung mehr als sie ihr nützen. Außerdem beinhaltet jede Rekategorisierung die Gefahr neuerlicher Stereotypenbildungen. Sinnvoll erschien der Vorschlag, beim thematischen Zuschnitt der Projekte einen integrativeren Blickwinkel zu wählen, um die Konkurrenz der Häftlingsgruppen um historische Würdigung auszuklammern. Man könne beispielsweise eher auf die Mechanismen von Exklusion und Marginalisierung seitens der Mehrheitsgesellschaft fokussieren und so das Gemeinsame der Häftlinge betonen.

Zuletzt ein bildungspolitischer Appell: Die hier präsentierten Bildungsmaterialien und Lösungsansätze zeichnen sich durch ihre hohe, erprobte historische und pädagogische Qualität aus. Dennoch werden sie gerade in den Schulen nur von wenigen Lehrkräften rezipiert – ein schmerzlicher Verlust! Es gilt zukünftig also nicht nur, inhaltlich an den Konzepten zu arbeiten, sondern vor allem, Wege zu finden, um mehr Pädagogen zu ihrer Umsetzung zu bewegen.

Konferenzübersicht:

Begrüßung:

Steffen Jost, Max Mannheimer Studienzentrum (Dachau)

I. Keynotes:

Christa Schikorra (Flossenbürg): Ausgegrenzt – Streit um Anerkennung bis heute

Oliver Plessow (Kassel): Ergänzung statt Konkurrenz? Marginalisierte Häftlingsgruppen in der schulischen und nicht-schulischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus

II. Workshopphase 1:

Steffen Jost (Dachau): Sinti und Roma im Konzentrationslager Dachau – Verfolgung, Vernichtung und der Kampf um Wiedergutmachung

Christian Kuchler (Aachen): „Euthanasie“-Propaganda im Kino: Der Spielfilm „Ich klage an“ und der kirchliche Protest gegen seine Inhalte

Christina Brünning (Freiburg) und Selman Erkovan (Berlin): Historisch-politische Bildung mit videografierten Zeitzeug/inneninterviews in (sozio-)kulturell sowie religiös heterogenen Lerngruppen und die theoretisch-praktischen Grenzen differenzierend-„migrantisierenden“ Lernens

III. Abendveranstaltung:

Eva Schöck-Quinteros, Peter Lüchinger, Frederike Buda (Bremen): „Margarete Ries: Vom ‚asozialen‘ Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz“ – Das Projekt „Aus den Akten auf die Bühne“: Arbeitsweise, Vermittlung, szenische Lesung

IV. Vortragsphase 1:

Tobias von Borcke (Berlin): An den Orten der Verfolgung über Sinti und Roma sprechen – aber wie? Gedenkstättenpädagogik als politische Bildungsarbeit gegen Antiziganismus

Anne Allex, Lothar Eberhardt (Berlin): Kein Mensch ist asozial

V. Workshopphase 2:

Dagmar Lieske (Berlin): „Berufsverbrecher“ als Opfergruppe im Nationalsozialismus. (K)ein Thema in der Gedenkstättenpädagogik?

Thomas Rink, Kerstin Schwenke, Felizitas Raith (München): „Weil wir Sinti sind…“ – Ein biografisches Seminar zu Hugo Höllenreiner

VI. Vortragsphase 2:

Albert Knoll (Dachau): Die Verfolgung von Homosexuellen – Forschung und Vermittlung

Nina Wilkens (Berlin): Erinnerung an ein Tabu. „Sonderbauten“ von Quintan Ana Wikswo

VII. Resümee:

Steffen Jost (Dachau)

Anmerkungen:
[1] <http://www.vha.fu-berlin.de/> (Zugriff am 27.12.13).
[2] Vgl.: Wilhelm Heitmeyer, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) in einem entsicherten Jahrzehnt, in: Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.), Deutsche Zustände, Berlin 2012, S. 15–41, hier S. 39–40.

Zitation
Tagungsbericht: Marginalisierte Häftlingsgruppen in der historischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus. Einblicke in Theorie und Praxis, 11.11.2013 – 12.11.2013 Dachau, in: H-Soz-Kult, 09.01.2014, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5171>.