Roma, Sinti und Jenische in Schule und Öffentlichkeit

Ort
Aarau
Veranstalter
Pädagogische Hochschule FHNW, Schweiz
Datum
25.01.2014
Von
Christina Brüning / Katrin Stritt, Institut für Politik- und Geschichtswissenschaft, Pädagogische Hochschule Freiburg

Die Tagung „Roma, Sinti und Jenische in Schule und Öffentlichkeit“ rückte auch 2014 erfreulicherweise wieder ein immer noch marginalisiertes Narrativ in den Vordergrund und schloss mit den geschichts- und politikdidaktischen und (unterrichts-)pragmatischen Schwerpunkten an die eher theoretischen Überlegungen der 2013er-Tagung „Zur Lage der Roma und anderer (ehemals) als ‚Zigeuner‘ diskriminierter Minderheiten in Europa. Perspektiven der Forschung. Impulse für den Geschichtsunterricht“ an.

VENANZ NOBEL (Basel), jenischer Schriftsteller und Historiker, wies in der Einführung auf die Diversität der verschiedenen Gruppen hin, die von der Mehrheitsgesellschaft mit dem Label der ‚anderen‘ versehen werden und unter Vortäuschung vermeintlicher Homogenität als ‚Roma‘ subsumiert werden.

Im ersten und zweiten Panel stellten Studierende und Lehrende der Fachhochschule Nordwestschweiz Unterrichtskonzepte vor, die im Nachgang zur Tagung 2013 in Seminaren entstanden. JÉRÔME SCHWYZER (Aarau) bspw. widmete sich in seiner Unterrichtsreihe dem Verein Pro Juventute und dem Projekt „Kinder der Landstraße“, von dem ca. 600 Kinder betroffen waren, die man in Heime und Pflegefamilien fremdplatzierte, da man die fahrende Kultur ihrer Familien als ‚nicht kindertauglich‘ abwertete. Erst 1986 gab es vom schweizerischen Bundesrat eine Entschuldigung für die Aktion „Kinder der Landstraße“. Die Studierende FABIENNE MEISTER (Aarau) erläuterte ihre Unterrichtseinheit „Das Leben der Jenischen heute“. Diese beinhaltete Lernaufgaben unter anderem mit den Fragestellungen: „Was ist eine Minderheit und wie leben Jenische ihre Kultur?“ Es sollten traditionelle und alternative Lebensformen dargestellt und gesellschaftlich produzierte Ungleichheiten reflektiert werden.

ISABELLE WÖLFLI (Aarau) widmete sich mit dem Thema „Verdingkinder“ einem ebenfalls Schweiz-spezifischen Thema. Problematisch wurden lediglich zwei Entwürfe der Studierenden gesehen, da in diesen Unterrichtsideen ein angeblicher ‚Wandertrieb‘ als ethnisch gegeben erschien und zu wenig auf die jahrhundertelange Verfolgung, die den Menschen der Rom-Gruppen festes Ansiedeln über weite Strecken unmöglich machte, eingegangen wurde.[1]

Auch einige der ausgestellten Schüler_innenprodukte aus den Unterrichtsvorhaben[2], die als Posterüberschriften die Worte Zigeuner in Europa (sic!) trugen und weder durch distanzierende Anführungszeichen noch eine andere sprachliche Differenzierung dem pejorativen Charakter des Begriffes Rechnung trugen, ließen die Frage aufkommen, ob hier – ein sicher gutgemeinter – Unterricht nicht eher rassistische Stereotype befördere.

Insgesamt wäre in diesem Panel deutlich mehr Zeit für die Problematisierung und die Reflexion der Lehr- und Lernanlässe sehr wünschenswert gewesen. Es gab in Teilen Fehlkonzepte und nicht dekonstruierte Stereotype bzw. es wurden Homogenisierungen vorgenommen, die – vielleicht auch nur durch die verknappte Darstellung – unkritisch und neorassistisch stehenblieben. Hier wurde auch von vielen Teilnehmer_innen eine offenere Moderation gefordert und der sehr enge Zeitplan bemängelt.

Anhand einer Studie von JOHANNES FRESE (Bad Hersfeld) und einem Schulprojekt von URSULA SPILLMANN (Schweiz) wurden im dritten Panel die Benachteiligung sowie Förderperspektiven von Sinti, Roma und Jenischen in der Schule beleuchtet und vorgestellt. Die Studie „Sinti und Schule – Woran Bildungskarrieren scheitern?“ von Johannes Frese beleuchtet die Schulsituation von Sinti in der hessischen Stadt Bad Hersfeld. Frese ist im Schuldienst als Förderschulkonrektor an einer Förderschule mit Schwerpunkt Lernen tätig und unterrichtet selbst Sinti. In Bad Hersfeld leben Sinti seit Generationen. Frese erkannte einen deutlich hohen Anteil der Sinti in der Förderschule und bemerkte, dass ihre Schulkarrieren deutlich erfolgloser verlaufen. Daraus ergab sich für ihn die Fragestellung: Wie verlaufen Schulkarrieren von Sinti an Hersfelder Schulen? Frese machte darauf aufmerksam, dass eine Wanderungsbewegung der Schüler_innen vom Gymnasium zur Hauptschule bis zur Förderschule stattfindet, weniger in die andere Richtung. Hier stand die Fragestellung im Raum, ob diese Erkenntnis ein Problem im Schulsystem aufzeigt. Weiter zeigte er anhand seiner Studie, dass schlechte Schulanfangsvorrausetzungen, eine hohe Fehltagequote, vorhandene Ängste und Misstrauen, überforderte Eltern und fehlende positive Schulbedeutung die schulische Integration erschweren und gleichsam zu weniger Schulerfolg führen können. Perspektiven um eine positive Veränderung zu erreichen und bestehende Diskrepanzen abzubauen sieht er unter anderem durch Kooperation und Projektarbeit und einer möglichen Schulreform durch Inklusion. Im Anschluss wurde aus dem Publikum ergänzt, dass bereits erfolgreich verlaufende Inklusion an verschiedenen Schulen stattfindet. Weiter wurde in Bezug auf die Ängste und das Misstrauen seitens einer Minderheit auf das historische Gedächtnis verwiesen. Aufarbeitung erfordert Geduld und gerade dadurch ist es heute zwingend notwendig, größtmögliches Verständnis und Sensibilisierung gegenüber Minderheiten aufzubringen. (Neo-)rassistisches Potential könnte man hier gegebenenfalls in der sehr defizitorientierten Herangehensweise und der Forschungsfrage sehen, die doch stark auf Fehltage der Kinder und Elternverhalten einging und den Schulstandort als „Ghetto“ bezeichnete.

Außerdem erläuterte in Panel drei URSULA SPILLMANN (Schweiz) das Konzept des Projekts „Schule auf Reisen“, das es jenischen Kindern aus fahrenden Familien ermöglicht, durch moderne Medien (e-learning, blended learning) dem Schulstoff zu folgen und durch Besuche einer Lehrperson vor Ort in regelmäßigen Abständen Feedback zu erhalten. Spillmann weist darauf hin, dass der Lebensalltag und die Kultur der Jenischen unterschiedlich sind und dringend Anerkennung finden müssen. Durch das Projekt könnten neue Lernvoraussetzungen geschaffen und die kulturellen Eigenheiten der fahrenden Jenischen bewahrt werden. Dieses Projekt wurde von vielen Anwesenden als beispielhaft eingestuft, da es Bildungschancen gerechter verteilt und spätere gesellschaftliche Teilhabe der jenischen Kinder in allen Berufsbildern gewährleistet.

Im Panel vier zeigte ANNE KLEIN (Köln) den Film „Purane Korakori“ (Alte Schritte) und schilderte werkstattberichtartig dessen Entstehung. Die interkulturell zusammengesetzte Gruppe der am Filmprojekt Beteiligten arbeitete insgesamt zwei Jahre gemeinsam: plante eine Bildungsreise nach Oświęcim, führte diese durch, drehte und erstellte den Film. Spannend war hier vor allem, dass der Dokumentarfilm viele Motive aufgriff, die in der geschichtsdidaktischen Forschung seit langem reflektiert werden, wie die Teilnehmer_innen des Panels in der Diskussion anmerkten. Bspw. das Motiv „Auschwitz als touristisches Ziel“, wie es Carlos Kölbl schon 2008 dargestellt hatte (Auschwitz ist ein Ort in Polen), wurde von den Akteur_innen des Films angesprochen, die sich freuten „in den Urlaub mitzukommen“. Des Weiteren kamen bei den nicht-deutschen Projektteilnehmer_innen Sinnbildungsmuster nach dem Auschwitzbesuch auf, die Viola Georgi in ihrer Studie „Entliehene Erinnerung. Geschichtsbilder junger Migranten in Deutschland“ ebenfalls herausgearbeitet hatte. So wurde in dem Film unter anderem geäußert, dass man nun Angst habe, selber Opfer der Deutschen zu werden oder nicht (mehr) in Deutschland leben zu wollen. Diskutiert wurde außerdem das sogenannte Eintrittsbillet-Theorem nach Borries, da gefragt wurde, warum die Gruppe von Roma und nicht-Roma Migrant_innen denn ausgerechnet nach Auschwitz fahren sollte und warum sie – im Gegensatz zu den nicht am Projekt Beteiligten, denen dieser Status verwehrt wurde – dafür Pässe mit Bleibetitel von der Stadt Köln bekamen. Sollen hier Menschen durch das Holocaust-Thema zwangsweise in die Erinnerungskultur der Mehrheitsgesellschaft assimiliert werden?

Die beiden weiteren parallelen Panels beschäftigten sich mit dem Thema „Zeitzeugen in Schule und Öffentlichkeit“ (5) sowie „Sinti und Roma in außerschulischen Projekten“ (6). Zunächst zeigte CHRISTINA BRÜNING (Freiburg im Breisgau) einen Ausschnitt aus dem videographierten, lebensgeschichtlichen Interview des Archivs Zwangsarbeit 1939-1945 mit dem deutschen Sinto Reinhard Florian. Anhand des Ausschnitts stellte sie die Arbeit mit digitalen Zeugnissen im Unterricht vor und verwies auf die Unterrepräsentiertheit des Porajmos in der unterrichtlichen Praxis, die sie im Rahmen ihrer Dissertation untersucht hat. Im Anschluss stellten SARA GALLE (Olten) und die Zeitzeugin USCHI WASER (Schweiz) das Konzept der Ausstellung „Die ‚Kinder der Landstraße‘ und ihre Akten“ vor. Der persönliche Bezug von Frau Waser, die sich als Präsidentin des Vereins „Stiftung Naschet-Jenische“ oft in der schulischen Bildungsarbeit als Zeitzeugin einbringt, war hier eine große Bereicherung. Sie konnte berichten, dass bei persönlicher Anwesenheit fast keine kritischen Nachfragen seitens der Schüler_innen kommen. Dies steht in spannender Diskrepanz zu den Wahrnehmungen von Frau Galle, die als Historikerin wiederholt davon berichtet, dass die Schüler_innen durchaus die Legitimität der Fremdplatzierung durch Pro Juventute (im Sinne eines vermeintlichen Kindeswohls) verteidigen und teilweise antiziganistisch argumentieren.[3] Hier scheint die auratische Wirksamkeit von Zeug_innenschaft ein sozial erwünschtes Verhalten zu produzieren.

Parallel zu Panel 5 fand unter dem Gesichtspunkt: „Sinti und Roma in außerschulischen Projekten“ das Panel 6 statt. KATHARINA MORAWEK (Zürich), Leiterin der Shedhalle in Zürich und der Künstler MUSTAFA ASAN alias RR MARKI (Zürich) veranschaulichten und erläuterten ihr Veranstaltungsprogramm „Die Schweiz ist keine Insel“, das in der Shedhalle Zürich zu sehen war. Dieses sollte anknüpfen an die derzeitige Geschichtspolitik in der Schweiz, die sich mit dem Thema Roma, Sinti und Jenische in der Schweiz und Europa beschäftigte. In der Kunsthalle wurden Projekte verschiedener Künstler ausgestellt, unter anderem das Projekt „Rromanistan“ von RR MARKI, das auf großes Interesse bei den Teilnehmenden der Tagung stieß. Die gesellschaftliche Ausgrenzung, Stigmatisierung und Verfolgung sowie die politische und kulturelle Selbstorganisation von Roma, Sinti und Jenischen in der Schweiz und in Europa wurden durch Videoinstallationen, Performances und Momentaufnahmen zum Ausdruck gebracht. Ziele waren unter anderem Normalität aus dem Leben der Roma zu zeigen, Begriffsklärung zu betreiben, um Diskriminierung im Alltag zu vermeiden und einen regionalen Bezug zur Schweiz herzustellen. Der Künstler RR MARKI wies hier noch einmal klar darauf hin, dass der Begriff „Zigeuner“ auf Deutsch eine Diskriminierung für 12 Millionen Roma sei. Desweiteren wurde ein Radio-Projekt vorgestellt (Radio Lena, Zürich) das das Ziel hat, jungen Roma ein Sprachrohr zu geben und ihre vorhandenen Ängste gegenüber der Öffentlichkeit zu überwinden. Allerdings war hier die Resonanz nicht groß. Es gab erhebliche Schwierigkeiten, junge Roma zu engagieren. Hier stand die Frage im Raum, warum das Engagement so gering war. Es bleibt zu hoffen, dass ein weiteres Radioprojekt mehr Anklang findet. Weiter wurde ein künstlerisches Projekt mit einer 10. Klasse vorgestellt, bei dem die Kunsthalle als Raum für einen außerschulischen Lernort genutzt wurde. Handlungsorientiertes Lernen im Sinne von Menschenrechtserziehung fand Ausdruck in einer Theaterinszenierung, bei der die Auseinandersetzung mit Diskriminierung im Alltag im Mittelpunkt stand.

Danach berichtete CORINA NOETZLI (Schweiz) über das Schulprojekt Miret Schweiz, das (analog zu Miret Tschechien und Miret Österreich) seit 2012 Aufklärungsarbeit gegen antiziganistische Stereotype bei Jugendlichen leistet unter anderem durch Workshops an Schulen und im Rahmen von Konzerten und Ausstellungen. Ziel der Arbeit des Vereins ist es, Stereotype und Vorurteile abzubauen und über Kultur und Herkunft der Roma zu informieren. Für MIRET beginnt Aufklärungsarbeit in der Schule und sie sehen die Notwendigkeit, die hier anzutreffende Bildungsarmut zu bekämpfen.

Die beiden Panels verdeutlichten, dass Kunst, verbunden mit außerschulischen Projekten, gute Möglichkeiten bietet, Kontakte, Information und Aufklärungsarbeit mit schulischem Unterricht zu verknüpfen. Lehrpersonen können aus diesen Quellen Materialien für den Unterricht verwenden, um damit zum Beispiel Stereotype aufzubrechen. Von den Vortragenden wurde bedauert, dass viele Kinder und Jugendliche der Sinti, Roma und Jenischen gegenwärtig Schwierigkeiten haben, sich öffentlich ihrer Herkunft zu stellen.

In der Abschlussdiskussion wurde, wie schon mehrmals an diesem Tag deutlich, wie brennend heiß und höchst kontrovers das Thema der gleichberechtigten Anerkennung der Jenischen in der Schweiz ist: Eine Gruppe fahrender Jenischer, die zur Tagung dazustieß, befürchtete, man verhandle erneut sie und ihre Lebensweise, und rede über sie statt mit ihnen. Sie brachten sich daher höchst engagiert und emotional in die Diskussion ein. RETO MOSER (Schweiz) aus dem Vorstand des Vereins „Jenische Bewegung“ äußerte sich in einer von den Organisator_innen spontan eingeräumten Podiumsphase zu den Schikanen, die seitens der Behörden geeignet seien, um den Lebensstil der fahrenden Schweizer_innen zu zerstören. Problematisch kann man hier sehen, dass seitens der fahrenden Jenischen ein gewisser Antiromaismus in der Initiative zu Tage tritt: So fordert die Broschüre des Vereins bspw. „Keine Plätze mehr mit Roma Gruppen teilen“ zu müssen. Auch der Satz eines anwesenden Jenischen, der auf die Frage nach der Vereinbarkeit von schulischer Bildung und fahrendem Leben sagte, dass die „Söhne lernen, was der Vater macht“ und dass auch der Sohn dann „Korbflechter“ werde, rief bei einigen der anwesenden Lehrer_innen Kopfschütteln hervor. Letztendlich einigte man sich auf die Sicht Venanz Nobels, der sich wünschte, dass dank der modernen Technik irgendwann auch jenische Professor_innen, Anwält_innen und Lehrer_innen ihrem Beruf vom Wohnwagen aus nachgehen könnten.

Zum Abschluss bekräftigten Marko Demantowsky (Aarau) und Dominik Sauerländer (Aarau) noch einmal die Wichtigkeit des produktiven Austausches über die Thematik. Aufklärung in der Schule sei notwendig, gerade im Rückblick der Tagung und deren Ergebnisse aus den Panels. Zudem wäre es erstrebenswert, dass die Schlüsselproblematik „Umgang mit Minderheiten“ und eine damit verbundene Wertebildung der Schüler_innen einen festen Platz im Curriculum bekommen. Weitere Überlegungen zu Methoden und Möglichkeiten das Thema zu bearbeiten und im respektvollen Austausch und Kommunikation zu bleiben, stehen an.

Mit einem Lob von Venanz Nobel (Basel), dass die FHNW „ihre Hausaufgaben“ seit 2013 gemacht habe und er sehr froh sei, dass diesmal deutlich mehr Beiträge aus einer Innenperspektive stammten und nicht eine ‚weiße‘ Mehrheitsgesellschaft über ‚betroffene Objekte‘ verhandle, kam die Tagung dann zu einem versöhnlichen Ende.

Die Tagung brachte Referenten_innen und Teilnehmende aus verschiedensten fachlichen Richtungen, die sich mit dem weiten Bereich der Bildungsarbeit beschäftigen, zusammen, sodass ein Überblick über die aktuellen Bemühungen und Möglichkeiten hinsichtlich der Thematik gegeben war. Die Einbindung besonders vieler Praktiker_innen, auch aus der außerschulischen Bildung, führte zu hands-on-Berichten und Anregungen für die weitere Arbeit und ermöglichte einen Blick weit außerhalb des Elfenbeinturms der Wissenschaft. Die angenehme Diskussionskultur der Teilnehmer_innen und die Anerkennung der Innenperspektive sind, da diese bei vielen Veranstaltungen fehlen, besonders positiv hervorzuheben. Deutlich wurde im Rückblick auf die Vorträge, dass weiterhin Aufklärungsarbeit nötig ist und Vorurteile auf allen Seiten abgebaut werden müssen, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern gerade auch an den Pädagogischen Hochschulen und Universitäten um Unterrichtseinheiten und Bildungsprojekte angemessen umsetzen können.

Konferenzübersicht:

Eröffnung:
Béatrice Ziegler (PH FHNW, IFE Aarau) / Venanz Nobel (Schäft quant, Basel) / Marko Demantowsky (PH FHNW, Aarau) / Dominik Sauerländer (PH FHNW, Aarau)

Panel 1 und 2: Lernaufgaben und Unterrichtseinheiten von Studierenden der PH FHNW: Konzepte und Erfahrungsberichte

Annette Junker / Jonathan Janousch / Tamara Walde / Stefan Hanke / Fabienne Meister / Jérôme Schwyzer / Isabelle Wölfli (Studierende der PH FHNW, Aarau), Materialien und Umsetzungserfahrungen zu Sinti und Roma in Europa und Aktion Kinder der Landstraße und Verdingkinder, Situation der Jenischen und der Roma heute in der Schweiz

Panel 3: Benachteiligung und Förderungsperspektiven von Sinti und Jenischen in der Schule

Johannes Frese (Förderschule, Bad Hersfeld), Sinti und Schule – Woran Bildungskarrieren scheitern. Ergebnisse einer Studie zur Schulsituation von Sinti.

Ursula Spillmann (Schweiz), „Schule auf Reisen“ ein Projekt zur ganzjährigen Beschulung fahrender, jenischer Kinder

Panel 4: Roma-Identität und Erinnerungskultur

Anne Klein (Universität Köln), Purane Korakori. Roma-Identität und Erinnerungskultur

Panel 5: Zeitzeugen in Schule und Öffentlichkeit

Christina Brüning (PH Freiburg), „Wir leben in der Vergangenheit weiter“ – Schüler_innen analysieren Lebenswege deutscher Sinti und Roma anhand von Zeitzeugeninterviews aus dem Visual History Archive

Sara Galle (Universität Zürich) / Uschi Waser (Schweiz), Zeitzeugen in Schule und Öffentlichkeit.

Panel 6: Sinti und Roma in außerschulischen Projekten

Can Gülcü / Katharina Morawek / Mustafa Asan alias RR MARKI (alle Shedhalle Zürich): DIE SCHWEIZ IST KEINE INSEL, Institutionelle Rahmenbedingungen für die politische und künstlerische Selbstartikulation von Roma, Sinti und Jenischen

Corina Noetzli (Verein Miret Schweiz), Erfahrungsbericht über die Aufklärungsarbeit von Miret Schweiz

Reporting und Schlussdiskussion

Anmerkungen:
[1] Aufgrund der großen Heterogenität der verschiedenen Gruppierungen, die von der Mehrheitsgesellschaft unter pejorativen und etymologisch falsch hergeleiteten Begriffen wie ‚Zigeuner‘,‚gypsies‘,‚travellers‘ oder ähnlichen subsumiert werden und als sogenannte ‚Zigeuner‘ im Nationalsozialismus ermordet wurden, werde ich im Folgenden von Rom-Gruppen sprechen, um durch die sprachliche Offenheit auf die verschiedenen Erfahrungshintergründe aufmerksam zu machen, die bei diesem Thema zu reflektieren sind.
[2] In diesem Bericht wird der sogenannte gender-gap verwendet. Jedes Stolpern beim Lesen ist erwünscht und Teil der Bewusstseinsbildung für die Pluralität von gender-Konzepten. Diese Lücke und die Öffnung dieses ‚Raums‘ nach oben soll ihn als anzueignenden Freiraum begreifbar machen für alle Menschen, die sich nicht innerhalb der heteronormativen Dichotomie von Männlichkeit versus Weiblichkeit verorten möchten.
[3] Ich bin mir bewusst, dass der Begriff Antiziganismus durch das Aufgreifen des pejorativen und etymologisch falschen Herleitungen (‚Zigeuner‘ etwa frühneuzeitlich von ‚umherziehender Gauner‘) problembehaftet ist, habe mich aber aufgrund des bisher in der Forschung noch nicht durchgesetzten Begriffs Antiromaismus auf diesen zurückgegriffen.

Zitation
Tagungsbericht: Roma, Sinti und Jenische in Schule und Öffentlichkeit, 25.01.2014 Aarau, in: H-Soz-Kult, 13.04.2014, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5340>.