Zwischen Aufklärung und Reaktion: Adel, Kirche und Konfession in Südwestdeutschland 1780-1820

Ort
Weingarten
Veranstalter
Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart; Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart; Prof. Dr. Dietmar Schiersner, Professur für (Spät-)Mittelalter und Frühe Neuzeit, Pädagogischen Hochschule Weingarten
Datum
13.03.2014 - 15.03.2014
Von
Maria E. Gründig, Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Adel und Kirche wirkten im Alten Reich auf vielfältigen Ebenen zusammen, so führte Tagungsleiter DIETMAR SCHIERSNER (Weingarten), der die Studientagung für den Geschichtsverein und die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart konzipiert hatte, in seinem einleitenden Referat aus.[1] Französische Revolution, Säkularisation und Mediatisierung wandelten die Herrschafts- und Machtverhältnisse grundlegend. Adlige waren vor 1800 weltliche oder geistliche Herrschaftsträger und zudem in vielen kirchlichen Verwaltungen tätig. Zusammen mit bürgerlichen Beamten bildeten sie die Trägerschicht der Aufklärung in den Territorien, nicht zuletzt in den Hochstiften. Als mit der Säkularisation die Adelskirche endete, hatte sich besonders der Stiftsadel – jene Familien, die Zugang zu den Domkapiteln und vergleichbaren geistlichen Einrichtungen hatten – ökonomisch und mental-kulturell neu zu orientieren. Die Tagung habe das Ziel, so führte der Tagungsleiter weiter aus, dem zwischen 1780 und 1820 geschehenen Wandel nachzugehen und für den deutschen Südwesten das Verhältnis zwischen Adel, Regierungen und Kirche zu klären. Auszuloten sei, wo die wesentlichsten Brüche zwischen Adel, Kirche und Konfession stattfanden und wo es Kontinuitäten gab. Zu klären sei, was der Wandel für Kirche und Adel in den nachfolgenden Jahrzehnten bedeutete und ob bzw. wo es für Adelige und Kirchenvertreter neue Partizipationschancen gab.

HARM KLUETING (Köln/Freiburg im Üechtland) fragte nach dem gesamtgesellschaftlichen Wandel während der Säkularisation, nach dem Wandel religiöser Praxis bis 1820 und zeigte hierzu Parallelen in Frankreich auf. Beispielhaft erläuterte der Kirchenhistoriker aufgeklärte Denkmuster bei Petrarca, von Hontheim, Joseph II., Ignaz H. von Wessenberg und Georg Hermes. Diesen sei eine Kleriker- und Laiengeneration gefolgt, die sich vom aufgeklärten Katholizismus ab- und Rom zugewandt habe (Joseph Görres, Clemens Brentano oder Clemens von Droste-Vischering). An beiden Personengruppen zeige sich eine „Polarität zweier Richtungen“: In weiten Teilen der Gesellschaft und im Klerus blieben bis 1840 aufgeklärte Denkmuster bestimmend, während eine ultramontane, konfessionell denkende Generation nachwuchs. In beiden Gruppen agierten Adelige – zum Teil überaus einflussreich.

MICHAEL SIKORA (Münster) beleuchtete das Verhältnis von Adel und Aufklärung und stellte zunächst fest, dass die aufgeklärte Öffentlichkeit dem Adel nicht wohlgesonnen war. Der Adel galt (ähnlich wie die Orden) als unproduktiv, als Gegner aufklärerischer Grundprinzipien. Privilegien, Habitus und Legitimationen wurden um 1800 kritisiert und demontiert. Allerdings sei „der Adel“ keine homogene Einheit gewesen, sondern habe zwischen Alt-und Hochadel, nobilitiertem oder Hof- und Landadel unterschieden. Entsprechend heterogen war seine Haltung gegenüber aufgeklärten Grundprinzipien, die aus dem „konkreten Kontext“ erschossen werden müsse: Gegenüber der Bildungswelt war der Adel offen, auch wenn er paternalistisch blieb. Offenheit zeigte er auch gegenüber aufgeklärten Kommunikationsmethoden – etwa Lesegesellschaften – und gegenüber aufgeklärten Denkstrukturen nichtadeliger Kreise. Er habe neue Optionen erkannt und genutzt – ohne aber von der adeligen Tradition abzuweichen. Auf einen wesentlichen Unterscheid zu den nichtadeligen Eliten wies der Neuzeithistoriker hin: Das entstehende Bürgertum hatte mehr und weitergehende Optionen als der Adel, konnte neue Lebensentwürfe leichter realisieren und eine tragfähige Kultur entwickeln.

GEORG ECKERT (Wuppertal) behandelte den katholischen Adel im jungen Königreich Württemberg. Dieser habe spätestens mit dem Tübinger Vertrag (1514) seine Funktionen an die bürgerliche „Ehrbarkeit“ abgegeben. Folglich verfing in Württemberg um 1803 aufklärerische Adelskritik gleich doppelt, als die Mediatisierung zahlreiche Adelige unter württembergische Hoheit stellte. Friedrich II. genoss vielfältige Unterstützung, als er die ehemals selbstständigen Adeligen zu politischen Randexistenzen herabzudrücken versuchte. Noch 1815 suchte der Verfassungsoktroi adeligen Restaurationsbemühungen entgegenzuwirken. Mit der Verfassung von 1819 sei es König Wilhelm I. gelungen, den Adel über die Erste Kammer in den württembergischen Staat einzubinden.

MICHAEL SCHWARTZ (Berlin/München) referierte über kirchliche Karrieren zwischen 1750 und 1850. 1648 zählte das Alte Reich 720 zumeist von Katholiken besetzte Domherrenstellen, die familienintern weitervererbt wurden. Bürgerliche wurden in den folgenden Jahrzehnten fast völlig aus diesen Ämtern gedrängt. Während der Aufklärung geriet der Adel unter Legitimationsdruck und war gezwungen, sein Handeln als gesellschaftlich relevant darzustellen und mehr Energie in theologische Bildung zu investieren. Doch niemals habe es nur von reichen Pfründen lebende „vornehme Müßiggänger“ gegeben wie die bürgerlich-evangelische Geschichtsschreibung meinte, sondern viele aufs Gemeinwohl bedachte religiös motivierte Domherren, wie etwa Ignaz H. von Wessenberg. Mit der Säkularisation wurden Domherrenstellen für den Adel uninteressant; Staat und Heer boten neue Aufgaben. In den folgenden Jahrzehnten habe sich der adelige Habitus reduziert; Der Hermelin verschwand aus den Gemälden. Ketteler wird zum bescheidenen „Arbeiterbischof“. Die Orientierung an „bürgerlichen“ Standards wuchs – in Klerus und Adel: Für den Adel wird ein Abschluss an einem Gymnasium und einer Universität wichtig, für den Klerus zur Pflicht. Nicht mehr adelige Herkunft prädestiniert zu einem Amt, sondern Qualifikation.

Am Beispiel des Malteserordens exemplifizierte CARL ALEXANDER KRETHLOW (Bern) den Wandel der während der Kreuzzüge entstandenen „Geistlichen Ritterorden“ nach 1789. Damals galt der Malteserorden als ein zu säkularisierendes feudales Relikt, das luxusverwöhnte katholische Adelige aus ganz Europa versorge. Während der napoleonischen Neuordnung verlor der transnational ausgerichtete Orden wichtige Besitzungen (Rhodos, Malta), Herrschaftsrechte und seine militärischen Aufgaben im Mittelmeer. Der Orden reagierte mit Rationalisierung der Verwaltung und übernahm sozialkaritative Aufgaben. Der Rückgriff auf mittelalterliche Werte wie Ehre und Ritterlichkeit und der „Clan“-Gedanke gab der Gemeinschaft, die bis heute streng hierarchisch strukturiert ist und in der katholische Adelsfamilien vorherrschend blieben, neue Identität und Zusammenhalt. Um 1850 sind die Mitglieder in Deutschland konservativ, ultramontan und antipreußisch. Seit 1918 konnten vereinzelt auch Bürgerliche und Frauen in den niederen Rängen Mitglied werden, doch blieb der Orden eine internationale Korporation des männlichen katholischen Hochadels. Seinen ausgewählten Mitgliedern gibt er Gelegenheit, adeligen Habitus auszuleben und innerhalb eines Prestigeobjekts aktiv zu sein. Die gesellschaftliche Aufgabe des Malteserordens blieb die Organisation karitativer Aufgaben. Beide Aufgaben sicherten seit 1789 das Überleben des Malteserordens.

SYLVIA SCHRAUT (München) beschäftigte sich mit dem Selbstverständnis und den Handlungsspielräumen adeliger katholischer Frauen während der Übergangszeit um 1800. Adelige Damen waren vor der Säkularisierung in vier Aktionsräumen aktiv: Sie hatten Anteil an der Herrschaft in den reichskirchlichen Territorien, z.B. als Äbtissinnen in den Reichsstiften. Innerhalb der Ordensgemeinschaften besetzten sie alle Funktionsstellen und in den Lehrorden – etwa der Ursulinen – waren sie als Lehrerinnen tätig. Im katholischen Adelsmilieu übernahmen sie die Erziehung der weiblichen Jugend. Als katholische Adelige bildeten sie eigene Lebensstile und Formen privater Religiosität aus. Säkularisierung, Mediatisierung und die daraus folgende Neuordnung der politischen Herrschaft verhinderten deren Arbeit vollkommen oder schränkten ihre Handlungsspielräume massiv ein. Der Verlust weltlicher Herrschaft in der Reichskirche ließ keine weibliche (Grund-)Herrschaft mehr zu und versperrte den Zugang zu höheren geistlichen Ämtern und Lebenswegen. Die zum Teil flächendeckende Auflösung der Frauenklöster entfernte einen sozialen Stand fast vollständig. Die Verbürgerlichung adeliger Mädchenerziehung und der Statusverlust klösterlicher erzieherischer Berufstätigkeit ließ weibliche Denk- und Verhaltensmuster verschwinden. (Adelige) Frauen sollten nun „angemessen schweigen“. Die Aufgaben in Politik, Gesellschaft und Kirche übernahmen Männer. Nahezu vollständig verhindert wurde eine Repräsentation weiblicher Adeliger als dezidiert katholisch.

Aus Sicht des katholischen Adels zerstörte nach 1800 vor allem die Säkularisation die reichskirchlichen Aufstiegsmöglichkeiten und Lebenswelten der bisherigen adeligen Standes- und Funktionseliten in den geistlichen Staaten. WINFRIED ROMBERG (Würzburg) stimmt dem zu, differenziert aber: In den meisten Fällen sei den „gebrochenen Karrieren“ eine berufliche und mentale Neuorientierung gefolgt. Zudem zeigten Domherren wie Theodor von Dalberg oder Friedrich von Stadion, dass sie um 1800 schon fest in aufgeklärt-katholischen Vorstellungen verwurzelt waren und auf den Umbruch mit Anpassung und Aktivität reagierten. Die Folgegeneration habe sich um 1840 restaurativen Gedanken wie dem Ultramontanismus zugewandt, ohne aber die Traditionen der Aufklärung völlig zu verlassen.

WOLFGANG WÜST (Erlangen) stellte fest, dass der Landadel nach einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Entmachtung in den neu entstandenen Flächenstaaten Bayern, Württemberg oder Baden zwischen 1848 und 1918 als Standesherren in die Staatsapparate integriert war. Am Beispiel der Rechberg (Donzdorf) und der Fürstenberg (Donaueschingen) konnte der Referent zeigen, wie sich die Adelshäuser konkret mit der neuen Situation arrangierten und dass sie systemtragende Rollen spielten. Der Referent erinnerte zudem daran, dass der Adel bis 1848 viele Rechte behalten habe und im Besitz der Ländereien geblieben sei. Er merkte an, dass sich viele adelige Familien mit Eigentum in Württemberg in einer unüberbrückbaren Gegnerschaft zu Württemberg gesehen und berufliche Chancen in benachbarten Ländern, vor allem in Bayern, wahrgenommen hätten. Durch den Zuzug adeliger Familien und Nobilitierungen habe sich eine neue gesellschaftliche Adelselite gebildet, die zwar den alten Adel in den Hintergrund habe treten lassen, die aber tragende Aufgaben in den neuen Regierungen übernahmen und somit vom Wandel profitierten; Das kulturelle, soziale und symbolische Kapital des Adels habe die Modernisierung vorangetrieben.

GABRIELE VON TRAUCHBURG (Gingen an der Fils) zeigte Veränderungen im Religionsverständnis und in der kirchenpolitischen Haltung am Beispiel von drei Rechberger Adeligen und drei historischen Epochen auf. Graf Maximilian Emanuel (1736–1819) stehe für das Ancien Régime. Er durchlief ein Universitätsstudium und war Hofbeamter in München. Als Rechberger Patronatsherr setzte er sich für Volksbildung und bessere medizinische Versorgung ein. Mit Pfarrer Joseph Rink setzte er einen aufgeklärten Geistlichen ein, der die Aufgaben vor Ort realisierte. Graf Aloys (1766-1849) stehe für die Napoleonische Zeit und die Reaktion. Er arbeitete als bayerischer Außenminister das Konkordat aus, war konfessionell liberal und führte eine konfessionsgemischte Ehe. Graf Albert (1803-1885) stehe für die Zeit von der 1848er-Revolution bis zur Reichsgründung 1871. Er studierte Philosophie, war Hauslehrer und seit 1842 im Württembergischen Landtag aktiv, wo er sich für die „katholische Sache“ und gegen evangelische Dominanz einsetzte. Mit ihm geschah ein konfessioneller Umbruch, denn er unterstützt Geistliche, die einen konfessionellen, romtreuen Kurs fuhren – die „Donzdorfer Fakultät“. Die Familie der Grafen von Rechberg stehe, wie die Historikerin und Adelsforscherin betont, bis in die Gegenwart für ein enges Verhältnis zur katholischen Kirche – was je nach historischer Epoche jedoch Verschiedenes bedeutet habe.

DIETMAR SCHIERSNER (Weingarten) stellte mit Johanna von Falkenstein (1743-1800) eine adelige Stiftsdame vor, die nicht nur für sich Vorstellungen der Aufklärung folgte, sondern sie nachweislich in ihrem Umfeld aktiv, sogar konspirativ, und teils mit Erfolg umsetzte. 1762 im freiweltlich-adeligen Damenstift St. Stephan in Augsburg aufgenommen, war sie eine eigenwillige und selbstbewusste Mitkapitularin. Den aufgeklärten Tendenzen des ausgehenden 18. Jahrhunderts stand sie nicht passiv und gleichgültig gegenüber; Sie war nicht ‚unschuldiges‘ Opfer einer letztlich in die Säkularisation des Stiftes mündenden Entwicklung: Sie beteiligte sich 1789 maßgeblich am Sturz ihrer Äbtissin, an der darauffolgenden Neuformulierung der Stiftsstatuten und verweigerte in egalisierender Absicht der neu gewählten Äbtissin die übliche Anrede. Offen gegenüber utilitaristischem Denken, ordnete sie im Todesfalle ihre medizinische Obduktion an, verfügte eine unaufwändige Beisetzung im Friedhof vor der Stadt und eine Trauermesse ohne jede Prachtentfaltung. Mit diesen und anderen aufgeklärten Ansichten sei sie nicht allein gestanden. Ihre männlichen Verwandten, z.B. in den ebenfalls reichsritterschaftlich bestimmten Domkapiteln von Konstanz oder Augsburg, hätten ihre – je nach Standpunkt zwischen religiösem Reformanliegen und entkirchlichender Säkularisierung einzuordnenden – Anliegen geteilt. Mit einigen der Augsburger ‚Reformbürokraten‘ stand sie dabei in enger Verbindung.

BERND MAIER (Wolfegg) fragte danach, wie Adelsfamilien Katholizität erinnerten. Für den Kunsthistoriker bietet der Bildbestand im Hause Waldburg-Wolfegg die Möglichkeit, diese „memoriale Konstruktion adeliger Katholizität“ beispielhaft aufzuzeigen. Gemälde und Druckgraphiken vom 13. bis zum 20. Jahrhundert lassen den Eindruck entstehen, dass die Familie jahrhundertelang eine besondere Nähe zur Reichskirche und zur Katholischen Kirche des 19. und 20. Jahrhunderts gepflegt und dass „kein Adel ohne Kirche“ existiert habe. Die Vielzahl der Abbildungen und Drucke aus dem Umfeld der Gesellschaft Jesu scheinen zu belegen, dass Waldburg seit dem 16. Jahrhundert eine dauerhafte und enge Verbindung zu den Jesuiten pflegte. Gleichzeitig scheint das Fürstenhaus neuen theologischen oder religionspraktischen Denkmustern gefolgt zu sein. Die anlässlich der Trauung von Friedrich Erbgraf von Waldburg-Wolfegg und Waldsee gedruckte Graphik von 1832 zeigt, dass das schlichte Bildprogramm der Aufklärung rezipiert, aber auch aufgeklärte Formen der Religiosität realisiert wurden.

Die Podiumsdiskussion zwischen Adeligen aus dem deutschen Südwesten behandelte vor allem die Frage, wie der heutige Adel seine Beziehungen zur Kirche sieht. Befragt nach ihrer konfessionellen Prägung wurde große Übereinstimmung deutlich: Alle verstehen sich als „katholisch“ und pflegten eine große persönliche Nähe, auch ihrer Familien, zur katholischen Kirche. Dies schlage sich sichtbar in aktivem Engagement in den jeweiligen Kirchengemeinden oder in karitativen Aktivitäten nieder. Gleichzeitig sei in ihren Familien eine große konfessionelle Offenheit vorhanden. Wie Ihren Vorfahren sei ihnen die Realisierung und Weitergabe christliche Werte wichtig: Dies sei ihnen bislang gelungen.

Die in Weingarten vorgetragenen Referate machten deutlich, dass der gesamtgesellschaftliche Umbruch zwischen 1780 und 1820 bzw. 1850 Adel(sgruppen) und Kirchenaktive in unterschiedlicher Weise betraf. Der Umbruch führte in Kirche und Adel zu teilweisen großen Verlusten, der adlige Amtsträgerinnen in den Damenstiften und viele Frauen aus den aufgehobenen Frauenkonventen besonders traf. Der Umbruch brachte andererseits vielfältige Chancen für Neuorientierung und Neubeginn, die meist erfolgreich realisiert wurden. Die Mehrheit der Angehörigen in Kirche und Adel waren nicht passiv Ausgelieferte und Feinde der sich wandelnden Zeit. Sie waren vielmehr vorbereitend tätig gewesen und Träger des Neubeginns im Zeitalter der Aufklärung. Adelige zeigten nach 1800 eine auffallende Ambivalenz und fungierten „als Indikatoren des allgemeinen sozial-gesellschaftlichen Wandels“ und der mit ihnen „verbundenen Anpassungsprozesse“ (Schiersner). Der Adel sieht sich heute, wie in den vergangenen Jahrhunderten, eng mit der katholischen Kirche verbunden und engagiert sich, wenn auch in anderen Formen als um 1800, in Kirche und Caritas. Die Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist für Band 34 des Rottenburger Jahrbuchs für Kirchengeschichte (RJKG) vorgesehen.

Konferenzübersicht:

Einführung
Dietmar Schiersner (Weingarten), Der Adel und seine Kirche – die Kirche und ihr Adel. Konstanten und Verwerfungen ihres Verhältnisses zwischen 1780 und 1820 im katholischen Deutschland

Sektion 1: Hintergründe: theologisch – gesellschaftlich – politisch
Moderation: Dietmar Schiersner

Harm Klueting (Köln/Freiburg im Üechtland), Katholische Aufklärung nach 1803? Theologie und Kirche unter dem Eindruck des Umbruchs

Michael Sikora (Münster), Adel und Aufklärung, Adlige und Aufklärungen

Georg Eckert (Wuppertal), Politische Randexistenzen? Katholischer Adel im jungen Königreich Württemberg

Sektion 2: (Um-) Brüche
Moderation: Dietmar Schiersner

Michael Schwartz (Berlin/München), Kirchliche Karrieren im Umbruch. Der Adel und das Ende der Adelskirche 1750-1850

Carl Alexander Krethlow (Bern), Geistliche Ritterorden. Chancen und Herausforderungen transnationaler Strukturen

Sylvia Schraut (München), Katholisch, weiblich, adelig – geistliche Lebenswege und weibliche Religiosität vor und nach der Säkularisation

Sektion 3: Biographische Annäherungen
Moderation: Maria E. Gründig

Winfried Romberg (Würzburg), Adelige Standes- und Funktionseliten in den geistlichen Staaten zwischen Aufklärung und Revolution. Geistig-politische Kontinuitäten und Umorientierungen am Beispiel rheinischer und fränkischer Domherren

Wolfgang Wüst (Erlangen), Oberschwäbischer Adel. Ämter und Karrieren zwischen Aufklärung und Reaktion

Gabriele von Trauchburg (Gingen an der Fils), Von Maximilian Emanuel zu Albert von Rechberg: Kehrtwende oder Korrektur?

Dietmar Schiersner (Weingarten), Johanna von Falkenstein (1743-1800), eine aufgeklärte Stiftsdame

Sektion 4: Erinnerung und Kultur
Moderation: Maria E. Gründig

Bernd Mayer (Wolfegg), Memoriale Konstruktion adeliger Katholizität: Beispiele aus Historiographie und Ikonographie des oberschwäbischen Adelshauses derer zu Waldburg

Podiumsdiskussion
Moderation: Rolf Waldvogel

„Katholisch vor allem? Kirche und Konfession im adligen Selbstverständnis des 21. Jahrhunderts.“

Erbgraf Karl-Eugen von Neipperg, P. Hubertus Freiherr von Freyberg, Albert Graf Fugger von Glött und Franz Freiherr von Ulm zu Erbach im Gespräch mit dem Journalisten Rolf Waldvogel.

Anmerkung:
[1] Homepage zur Tagung: <http://gv-drs.de> (4.6.2014).

Zitation
Tagungsbericht: Zwischen Aufklärung und Reaktion: Adel, Kirche und Konfession in Südwestdeutschland 1780-1820, 13.03.2014 – 15.03.2014 Weingarten, in: H-Soz-Kult, 17.06.2014, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5428>.
Redaktion
Veröffentlicht am
17.06.2014