Auf dem Weg zu einer transnationalen Erinnerungskultur? Konvergenzen, Interferenzen und Differenzen der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg im Jubiläumsjahr 2014

Ort
Potsdam
Veranstalter
Universität Potsdam; Universität Erfurt
Datum
07.10.2014 - 08.10.2014
Von
Daniel Hilgert, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Das Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat 2014 eine „Erinnerungslawine“ losgetreten. Eine Flut literarischer Neuerscheinungen, TV-Features, Zeitungsartikel und Ausstellungseröffnungen in ganz Europa flankierten die offiziellen nationalen Gedenkfeiern. Noch am 50. Jahrestag im Jahre 1964 schien das Interesse in den am Krieg beteiligten Nationen stark voneinander abzuweichen. Während sich Fritz Fischer mit Kontrahenten auf dem Berliner Historikertag Redeschlachten lieferte und in Westdeutschland und Westeuropa das Interesse am Ersten Weltkrieg groß war, blieb er etwa in Osteuropa aus der Erinnerung verdrängt. Aber selbst in Westeuropa trennte eine unüberbrückbare Kluft die verschiedenen nationalen Erinnerungskulturen, wie die unterschiedlichen Begrifflichkeiten zwischen „Erster Weltkrieg“ und „La Grande Guerre“ verdeutlichen. Angesichts der fortschreitenden europäischen Integration und dem derzeitigen Erinnerungsboom bleibt zu fragen, ob allmählich die Herausbildung einer transnationalen Erinnerungskultur zu beobachten ist? Diese Frage stand im Zentrum der Tagung in Potsdam, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, eine erste Bilanz zu ziehen und die laufenden Debatten in Europa in einen größeren theoretischen Rahmen kollektiver Gedächtnisbildung einzuordnen.

Nach einem Grußwort der damaligen Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Martina Münch, stellte CHRISTIANE KULLER (Erfurt) in einem einführenden Vortrag die Leitfragen der Konferenz vor und gab Impulse für die folgenden Debatten. Neben der Frage nach einer transnationalen Erinnerungskultur wies sie auf die Ungleichzeitigkeit der Erinnerungsbildung hin. Lange sei der Erste Weltkrieg in Deutschland unter den dicken Erinnerungsschichten des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust „verschüttet“ gewesen. Die aktuelle Verschiebung der Aufmerksamkeit zum Ersten Weltkrieg gelte es daher zu deuten und mögliche Rückwirkungen auf eine europäische Erinnerungskultur zu überprüfen. Einen weiteren wichtigen Impuls für die Debatte verortete Kuller in der Ästhetisierung des Krieges. Neben Bild-, Film- und Tonaufnahmen spielten Zeitzeugen eine zentrale Rolle, um einen vermeintlich authentischen Zugang zur Vergangenheit zu eröffnen. Dies präge das heutige Bild des Ersten Weltkrieges in der Öffentlichkeit und könne für das historische Narrativ nicht ohne Folgen bleiben.

Zum Auftakt der ersten Sektion „Aktuelle Forschungskontroversen“ überprüfte MARIE-JANINE CALIC (München) aus osteuropäischer Perspektive das Heranwachsen einer transnationalen europäischen Erinnerungskultur. In ihrem Vortrag skizzierte Calic die Stellung des Ersten Weltkrieges in den Erinnerungsbildern des ehemaligen Jugoslawien und betonte dabei, dass sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart eine einheitliche osteuropäische Erinnerungskultur nicht existiert habe. Der Krieg habe sowohl Sieger als auch Verlierer unter den Jugoslawen hervorgebracht und damit – ähnlich wie in Westeuropa – unterschiedliche Erinnerungsdiskurse und -kulturen generiert. Besonders an Bosnien-Herzegowina und am konfliktträchtigen Heldenkult um Gavrilo Princip, dem Attentäter des österreichisch-ungarischen Thronfolgers, seien das Aufeinanderprallen der Erinnerungskulturen und ihre nationalistischen Färbungen gut ablesbar. Da die verschiedenen Erinnerungsbilder auch Metaphern der nationalen Identitäten versinnbildlichten, zeigte sich Calic der Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur gegenüber skeptisch.

Ähnlich zurückhaltend zeigte sich auch ERNST PIPER (Potsdam). Unterschiedliche Erfahrungen und Erinnerungsorte sowie nationale geschichtliche Entwicklungen hätten eine zentralere Rolle im jeweiligen kollektiven Gedächtnis eingenommen. Anstelle einer Rückbesinnung auf die Diplomatiegeschichte sei es daher fruchtbarer, sich neuen Fragestellungen zuzuwenden und darin verbindende Elemente zu finden. Fragen zu Imperialismus, Gewaltdiskursen, nationalen Feindbildern und ihrer Wirkmacht oder zum Ersten Weltkrieg als Medienkrieg könnten diese Funktion einnehmen. Neue transnationale Erinnerungsorte wie Verdun leisteten als Formen internationaler Verständigung hierzu einen wichtigen Beitrag.

Die Sektion „Nationale Erinnerungskulturen“ eröffnete MONIKA FENN (Potsdam) mit einem kritischen Blick auf die bisherigen Planungen und Durchführungen des diesjährigen Gedenkjahres in Deutschland. Die deutsche Bundesregierung habe sich zunächst überraschend unvorbereitet gezeigt und auf die Teilnahme an offiziellen Gedenkveranstaltungen im Ausland oder die reine Verlinkung von Veranstaltungen geschichtsvermittelter Institutionen beschränkt. Verharrend in einer monologischen Erinnerungskultur, die vorwiegend auf die nationale Perspektive rekurriere, sei es nicht gelungen, mit den europäischen Erinnerungsnarrativen in einen Dialog zu treten. Im Gegensatz zu regionalen und lokalen Initiativen wie grenzüberschreitenden Ausstellungsprojekten habe die Bundesregierung es versäumt, einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer transnationalen Erinnerungskultur zu leisten.

ANN-MARIE EINHAUS (Newcastle) war via Online-Video Übertragung zugeschaltet und berichtete über den Stellenwert des Ersten Weltkrieges in der britischen Erinnerungskultur. Anders als in Deutschland sei die Erinnerung an „The Great War“ in Großbritannien tief im Alltagsleben verankert. Diese Popularität zeige sich beispielsweise bei der Organisation von Radtouren oder Schulklassenfahrten zu den Schlachtfeldern sowie bei den literarischen Verkaufserfolgen. Gleichzeitig schärfte Einhaus den Blick auf die Vielfalt der britischen Erinnerungskultur und hob ihren patriotisch-militärischen sowie ihren pazifistischen Pol heraus. Trotz unterschiedlicher Motivlagen einten sich beide Pole durch ihren Aufruf zum Erinnern und im Gedenken an die Opfer für das Land oder für den Frieden. In einem kurzen Überblick über die britische Ausstellungslandschaft im Gedenkjahr betonte sie das neue Interesse an den bisher „vergessenen“ Akteuren wie den Sikhs und anderen Kolonialtruppen.

PETER GAUTSCHI (Luzern) legte den Fokus auf die Dekonstruktion verschiedener Geschichtsbilder in der Schweiz, die durch ihre identitätsstiftende und handlungsleitende Dimension politische Brisanz erhielten. Neben weiteren Geschichtsbildern zeige sich am Beispiel der Schweiz als Friedensinsel, aus der wie Sonnenstrahlen das Gute in die Welt leuchtete, das Missverhältnis zwischen Metaphorik und Wirklichkeit. Engste Verflechtungen wirtschaftlicher und sozialer Art mit den im Krieg befindlichen Nachbarländern würden an diesem Bild rütteln. In einem großen Ausmaß hätten etwa der Schweizer Banken- und Versicherungssektor, die Uhren-, Maschinen- oder Schokoladenindustrie vom Ersten Weltkrieg profitiert – die sozialen Bedingungen der arbeitenden Bevölkerung hingegen seien von diesem wirtschaftlichen Aufschwung unberührt geblieben. Die anschließende Diskussion beleuchtete das Dilemma der Reproduktion dieser Geschichtsbilder: Sie würden häufig Schülerinnen und Schüler – sogar im Geschichtsunterricht – präsentiert. Daher müssten sie dringend dekonstruiert werden, ein Ziel, das sich ein Projekt von Peter Gautschi setzt. Gautschi bekräftigte, dass der einzige Weg, um zur dialogischen Konstruktion von Erinnerungskulturen zu gelangen, durch die eingehende Auseinandersetzung mit diesen fehlerhaften Metaphern führe.

Das österreichische Erinnern im Jubiläumsjahr stand im Zentrum des Vortrags von CHRISTOPH KÜHBERGER (Salzburg), der dortige Museen als Seismographen für eine zu nationalfixierte Ausrichtung der Geschichtskultur in Österreich heranzog. Eine sich anbietende transnationale und transkulturelle Perspektive auf die Rolle des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg sei bisher nicht aufgegriffen worden. Die Flucht in eine Habsburger Nostalgie, ein Quellenkorpus, der früh in einer stark nationalen Perspektive angelegt worden sei, die kulturgeschichtlichen Forschungsinteressen beispielsweise für zivile Opfer oder Frauen sowie ein fehlendes transkulturelles Basisnarrativ würden transnationale Perspektiven bei der Konzipierung musealer Ausstellungen in Österreich erschweren.

Als Abschluss der Sektion stellte ARND BAUERKÄMPER (Berlin) die Frage nach der Konvergenz der Erinnerungen in Europa. Auch 2014 habe sich keine gemeinsame und verbindliche Erinnerungskultur herausgebildet. Allerdings sei eine Konvergenz im Hinblick auf ein verbindendes Opfergedächtnis, welches das zuvor vorherrschende Heldennarrativ verdrängt habe, erkennbar. Dieser Wandel wurzle sowohl in der Universalisierung der Erinnerung an den Holocaust als auch im zunehmenden Einfluss der Menschenrechte. Die Unvereinbarkeit der Erinnerungen, die an die jeweiligen Erfahrungen des Krieges in den europäischen Ländern gebunden seien, müsse letztlich akzeptiert werden. Das Gedächtnis des Ersten Weltkrieges in Europa sei daneben in unterschiedlichem Ausmaß und in differenten Formen von den Erinnerungen an vorangegangene und nachfolgende Ereignisse und Prozesse überschichtet worden. Der Krieg könne daher im kommunikativen und kulturellen Gedächtnis nicht isoliert betrachtet, sondern müsse vielmehr bewusst auf angrenzende Prozesse bezogen werden. Da die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg stets von den Bedürfnissen der jeweiligen Generation geprägt seien, gelte es, die Funktionen der Sinnbildung und Legitimation, die für zum Teil konträre Erinnerungen gesorgt haben, hervorzuheben.

Die letzte Sektion lenkte den Blick von den klassischen Medien der Erinnerung hin zu neuen, populärwissenschaftlichen Formen der Erinnerungskultur. CHRISTINE GUNDERMANN (Köln) überprüfte die Darstellung des Ersten Weltkrieges im Comic und fragte nach möglichen transnationalen Befunden. Die Graphic Novel „Tagebuch 14-18“ beispielsweise sei mit ihren Geschichten von deutschen und französischen Protagonisten als transnationales Werk gepriesen worden. Ob die schematische, nationalzentrierte Darstellung der Ereignisse dem eigenen transnationalen Anspruch gerecht geworden sei, bleibe fraglich. CHRISTIAN BUNNENBERG (Duisburg) stellte den Film als ein weiteres massenwirksames Medium der Erinnerungskultur in den Vordergrund. Nur in Einzelfällen sei es gelungen, eine nationalfixierte Perspektive zu überwinden. So sei beispielsweise der Film „Merry Christmas“ (2005), der den lang verdrängten „Weihnachtsfrieden“ des Dezembers 1914 thematisierte, trotz zahlreicher historischer Fehldarstellungen ein konkretes Angebot für eine transnationale Erinnerung sowie die Aufhebung der Ungleichzeitigkeit der Erinnerung an dieses Ereignis. Die 2014 ausgestrahlte, international produzierte Serie „14 – Tagebücher des Ersten Weltkrieges“ hingegen wirke mit den verschiedenen Erzählungen der einzelnen nationalen Vertreter additiv und verstärke beim Zuschauer bereits bestehende national verengte Geschichtsbilder. ANGELA SCHWARZ (Siegen) wandte sich den Computerspielen als wesentliches Medium der heutigen Unterhaltungs- und Medienlandschaft, aber auch der Geschichtskultur zu. Da dieses Medium aufgrund seiner Kommerzialität ein möglichst breites und grenzüberschreitendes Publikum anspreche, setze es die Entwicklung eines weltweit abrufbaren Sets globaler Abbreviaturen voraus. Besonders neuere Spiele zum Ersten Weltkrieg ließen vereinzelt transnationale Ausrichtungen erkennen. Letztendlich gehe es vielen Spielen aber nicht darum, erinnerungsrelevante Geschichtsbilder zu transportieren, vielmehr spiele das Gamedesign eine übergeordnete Rolle. Die anschließende Diskussion entzündete sich insbesondere an der Frage nach der Rolle des Historikers, der beim massiven Popularitätsgewinn dieser Medien das führende Wort zunehmend verliere. Auch die Tatsache, dass durch die verbesserten Darstellungsmöglichkeiten die Ästhetisierung Authentizität in diesen Medien schaffe, sei eine bittere Erkenntnis für den Historiker.

FRANZISKA DUNKEL (Stuttgart) reflektierte in ihrem Beitrag eigene Erfahrungen als Ausstellungskuratorin und plädierte dafür, gegenwärtige Forschungstrends wie den „spatial turn“ sowie alltags-, biographie- und emotionsgeschichtliche Aspekte stärker in die Ausstellungen zu integrieren. Die Ermöglichung unmittelbarer Sinneserfahrungen und der Einsatz neuer Technologien in einer hohen didaktischen Qualität stellten die Ausstellungsmacher vor große Herausforderungen. Um die Gefahr der Inszenierung eines „Pseudorealismus“ vorzubeugen, sei es daher wichtig, den inszenatorischen Charakter aufzuzeigen. Während regionale und lokale Museen bereits erfolgreich grenzüberschreitende Erfahrungsräume zum Bestandteil ihrer Ausstellungen gemacht haben, musste Dunkel in der Frage der Transnationalität für die großen deutschen Museen sowie für die eigene Ausstellung Nachholbedarf einräumen.

Dass jedes Wochenende aufs Neue Menschen in Deutschland in den Krieg ziehen und ganze Landstriche zu Kriegsschauplätzen werden, mag zunächst ungewohnt klingen. „Reenactment“, die möglichst authentische Neuinszenierung geschichtlicher Ereignisse, scheint sich jedoch zunehmend als ein weitverbreitetes Hobby für Freizeitsoldaten und Militariafans etabliert zu haben. Auch die Geschichtswissenschaft hat sich diesem Phänomen genähert. STEFANIE SAMIDA (Potsdam) wies auf den Einfluss der nationalen Erinnerungsregime hin. Während „Reenactments“ in Großbritannien, Frankreich und den USA bereits auf eine längere Tradition zurückblickten, handelte es sich in Deutschland aufgrund des ausgeprägten Pazifismus um ein vergleichbar junges Phänomen. Samida betonte, dass in der Suche nach einem „friedlichen Krieg“ die Teilnehmer versuchten, Gewalt und Tod zu neutralisieren. Wie bei emotionsgeschichtlichen Ansätzen von Computerspielen und Ausstellungen zeige sich auch hier die Gefahr im Bestreben, eine kritische Distanz zu den Ereignissen zu verlieren.

Nach der Übertragung der feierlichen Eröffnung der Online-Enzyklopädie „1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War“ in Brüssel, fragte die Abschlussdiskussion zwischen FRANK BÖSCH (Potsdam) und MARTIN LÜCKE (Berlin), moderiert von Harald Asel (RBB), nach den Konflikten zwischen Historikern und Medien im Wettbewerb um die erinnerungskulturelle Deutungshoheit. Das gestiegene Interesse der breiten Öffentlichkeit am Ersten Weltkrieg verortete Frank Bösch nach der langen Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg zum einen in der visuellen Neuentdeckung dieser Epoche. Kolorierte Amateuraufnahmen etwa seien in ihren Motiven von verwüsteten Städten und in ihrer Ästhetik visuell an die Bilder vom Zweiten Weltkrieg anschlussfähig. Gleichzeitig befeuere auch die derzeitige politische Lage und die Neupositionierung Deutschlands gegenüber einem stärkeren militärischen Engagement das Interesse am Ersten Weltkrieg. In einer ersten Bilanz hob Martin Lücke hervor, dass insbesondere die Public History eine qualitative Konjunktur erfahren habe, während die Geschichtswissenschaft lediglich eine quantitative Konjunktur verzeichnen konnte. Das Gedenkjahr 2014 weise keine innovativen methodischen Ansätze wie die Einflechtung geschlechterspezifischer und sozialgeschichtlicher Ansätze auf. Bösch wies in einem weiteren Punkt auf das grundsätzliche Spannungsverhältnis zwischen Ästhetisierung und Authentizität sowie auf die Schwierigkeit hin, den von den Medien geschaffenen (Geschichts-) Bildern wieder zu entfliehen. So sei beispielsweise die Zeit vor 1914 medial als eine heile Welt des Kaiserreichs verklärt und dabei die vielschichtigen sozialen Konflikte ausgeblendet worden.

Die Vorträge und Diskussionen förderten neue Fragestellungen und vorläufige Ergebnisse des Jubiläumsjahres 2014 zu Tage. Die Globalisierung der Perspektiven hat die geschichtswissenschaftliche Untersuchung des Ersten Weltkrieges bereichert und die Vernetzungen und Verflechtungen über die Nationengrenzen hinweg aufgezeigt. Eine durchgreifende Transnationalisierung der Erinnerungskulturen in der Öffentlichkeit haben die wissenschaftlichen Ansätze nicht herbeiführen können. Das zeigen die divergierenden und oftmals in sich heterogenen nationalen Erzählungen vom Ersten Weltkrieg – nicht nur in Europa. Auch der Blick etwa auf die Türkei, wo der Völkermord an den Armeniern aus der offiziellen Erinnerungskultur verbannt ist, oder auf die ehemaligen europäischen Kolonien, deren Erinnerungen an den Weltkrieg durch den kolonialen Befreiungskampf besetzt sind, bestätigen dies. Hinweise auf konvergierende Tendenzen wie die Entwicklung vom Helden- zum Opfernarrativ gaben jedoch auf der Tagung Grund zur Hoffnung.

Konferenzübersicht:

Begrüßung
Martina Münch (Ministerin für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg)/Monika Fenn (Potsdam)/Christiane Kuller (Erfurt)

Sektion 1: Aktuelle Forschungskontroversen

Marie-Janine Calic (München), Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten

Ernst Piper (Potsdam), Der Erste Weltkrieg – ein europäisches Ereignis?

Sektion 2: Nationale Erinnerungskulturen

Monika Fenn (Potsdam), 1914 in der deutschen Geschichtskultur
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Ann-Marie Einhaus (Newcastle), Der Erste Weltkrieg in der britischen Erinnerungskultur: Mediendiskurse, Museen und Literatur zum Centenary

Sektion 2: Nationale Erinnerungskulturen II

Peter Gautschi (Luzern), Friedensinsel, Kriegsgewinnler, Röstigraben? Schweizer Geschichtsbilder zum Ersten Weltkrieg

Christoph Kühberger (Salzburg), Zur geschichtskulturellen Verarbeitung des Ersten Weltkrieges 2014 in Österreich

Arnd Bauerkämper (Berlin), Konvergenz von Erinnerungen zum Ersten Weltkrieg in Europa? Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die Erfahrung des Zweiten Weltkrieges als aufgelagertes Gedächtnis

Sektion 3: (Neue) Medien der Erinnerung

Christine Gundermann (Köln), Der Erste Weltkrieg im Comic

Christian Bunnenberg (Duisburg), Zwischen nationaler Nabelschau und transnationaler Erinnerung – der Erste Weltkrieg als ‚Urkatastrophe‘ des 20. Jahrhunderts im Film

Angela Schwarz (Siegen), Tapferkeit transnational? Die etwas andere Erinnerung an den Ersten Weltkrieg im Computerspiel

Franziska Dunkel (Stuttgart), ‚Fastnacht der Hölle‘ – transnationale Tendenzen in einer Landesausstellung?

Stefanie Samida (Potsdam), Zwischen ‚Vatermörder‘ und Feldgrau: Living History-Darstellungen zum Ersten Weltkrieg

Zuschaltung zur Online-Eröffnung von „1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War
Oliver Janz (Berlin)

Abschlussdiskussion:
Historiker und Medien

Frank Bösch (Potsdam)/Martin Lücke (Berlin)/Harald Asel (Berlin)

Zitation
Tagungsbericht: Auf dem Weg zu einer transnationalen Erinnerungskultur? Konvergenzen, Interferenzen und Differenzen der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg im Jubiläumsjahr 2014, 07.10.2014 – 08.10.2014 Potsdam, in: H-Soz-Kult, 07.04.2015, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5912>.