Rekonstruktive Wissensbildung. Historische und gegenwärtige Perspektiven einer gegenstandsbezogenen Theorie der Sozialen Arbeit

Ort
Münster
Veranstalter
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster
Datum
27.11.2014 - 29.11.2014
Von
Dayana Lau, Institut für Pädagogik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Vom 27. bis 29. November 2014 fand an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster, die Tagung „Rekonstruktive Wissensbildung. Historische und gegenwärtige Perspektiven auf eine gegenstandsbezogene Theorie der Sozialen Arbeit“ statt, die von Walburga Hoff, Birgit Bender-Junker und Klaus Kraimer geleitet wurde. In insgesamt zweiundzwanzig Vorträgen und zwei Workshops ging es im Wesentlichen darum, die zunehmende Relevanz rekonstruktiver Forschungsansätze in der Sozialen Arbeit für die Weiterentwicklung von Profession und Disziplin auszuleuchten. Mit durchschnittlich 120 Gästen aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz war die Veranstaltung an allen drei Tagen außerordentlich gut besucht.

Ausgehend vom Begriff der „rekonstruktiven Wissensbildung“ als sinnerschließender Form empirischer Wissensproduktion zeigte WALBURGA HOFF (Münster) in ihrem Eröffnungsvortrag zunächst die Affinität dieses methodischen Erkenntniszugangs zur professionellen Handlungspraxis Sozialer Arbeit auf, die den Fall und sein Verstehen in den Mittelpunkt der Intervention rückt. Unter Einbeziehung einer historischen Perspektive verdeutlichte sie, dass sich Soziale Arbeit nicht nur rekonstruktiver Forschungsmethoden bediene, sondern diese angesichts der professionellen Herausforderungen mitentwickelt habe. Allerdings sei diese der fallbezogenen Logik Sozialer Arbeit entsprechende Erkenntnisform bislang kaum mit Theoriebildung in Verbindung gebracht worden, auch wenn bereits die Protagonistinnen des frühen amerikanischen Social Work erste Ansätze dazu entwickelten hätten. Vor diesem Hintergrund entfaltete Hoff die Intention der Tagung, rekonstruktive Wissenszugänge und Möglichkeiten der Theoriebildung zusammenzudenken. Ein solches gegenstandsbezogenes Theorieprogramm, das seinen Ausgangspunkt in der methodischen Erschließung fallbezogener Problemkonstellationen nimmt und in eine gegenstandbezogene Modellbildung mündet, beinhalte zum einen – so die These – die Option einer genuinen Erkenntnisbildung. Zum anderen sei eine gegenstandsbezogene Theoriebildung dazu in der Lage, das Erklärungspotenzial der „großen“ Theorieentwürfe, die angesichts einer beschleunigten Modernisierung immer mehr an ihre Grenzen gerieten, zu komplettieren.

CHRISTIAN NIEMEYER (Dresden) diskutierte in seinem Beitrag das (sozial)pädagogische Verstehen als „Schlüsselproblem Sozialer Arbeit“. In Anlehnung an Hermann Nohl definierte er Verstehen als Form der Aufschlüsselung latenter Zusammenhänge hinter dem eigentlichen Geschehen und als sine qua non sozialpädagogischer Professionalität. Unter Berufung auf zahlreiche Beispiele aus der gegenwärtigen öffentlichen Debatte, die sich gegenüber pädagogischen Wissensbeständen resistent verhalte, konstatierte er ein deutliches Zurückdrängen (sozial)pädagogischen Verstehens. Als eine der wesentlichen Ursachen dafür machte er den „Niedergang der Sozialpädagogik“ geltend, die sich kaum mehr auf ihre hermeneutischen Traditionen berufe. Deshalb seien die Disziplin und die Profession dazu aufgerufen – so Niemeyer – das sozialpädagogische Verstehen erneut zu kultivieren.

WERNER THOLE (Kassel) näherte sich dem Tagungsthema, indem er die bisherige Theorieentwicklung der Sozialen Arbeit würdigte, zugleich aber die offene Frage nach einer der sozialpädagogischen Aufgabe angemessenen Theorie in den Raum stellte. In dieser Hinsicht machte er auf die „Entgrenzung sozialpädagogischer Theoriebildung“ aufmerksam, da Soziale Arbeit sowohl auf die Wissensbestände anderer erziehungswissenschaftlicher Teildisziplinen als auch auf das theoretische Wissen der Nachbardisziplinen angewiesen sei. Vor diesem Hintergrund und unter Rekurs auf den theoretischen Rahmen der Praxistheorie argumentierte er im Sinne Bourdieus für eine empirisch fundierte Theorieentwicklung, die sich auf die Rekonstruktion von Praxen in unterschiedlichen Erkenntnisfeldern Sozialer Arbeit beziehe.

CARSTEN MÜLLER (Emden) eröffnete den zweiten Tagungstag mit einem rückblickenden Kommentar. Dabei unterstrich Müller die historische Fokussierung der Tagung und definierte Historiografie als Rekonstruktion, die notwendige Folien zur Verfügung stelle, gegenwärtige Konstruktionen zu reflektieren. Damit leitete er die folgenden vier Beiträge ein, die im Kontext der historischen Entwicklung von Profession und Disziplin jeweils die Bedeutung rekonstruktiver Wissenszugänge aufzeigten.

BIRGIT BENDER-JUNKER (Darmstadt) widmete sich in ihrem Referat der sozialpädagogischen Theoriebildung in der Weimarer Republik am Beispiel von Carl Mennicke. Dieser habe Sozialpädagogik als Aufgabe entworfen, Erfahrungsräume von Freiheit in einer pluralen Gesellschaft zu schaffen und Individuen zur Autonomie zu befähigen. Von daher konstituiere sich sozialpädagogische Theoriebildung für Mennicke durch die Verbindung zweier Wissenszugänge, die er mit den Denkfiguren des Inscendierens und des Transcendierens kategorisiere. Inscendieren umfasse die mikroskopische Erforschung komplexer Wirklichkeiten, während Transcendieren durch eine normative Reflexion der Freiheit Orientierungen für die Gestaltung der erforschten Wirklichkeiten eröffne. Damit gelang es der Referentin zu zeigen, welchen Stellenwert rekonstruktive Wissensbildung einschließlich ihrer soziologischen Fundierung bereits in der frühen deutschen Sozialpädagogik eingenommen hat.

Mit dem Vortrag von RITA BRACHES-CHYREK (Bamberg) rückten die Beiträge der drei frühen Protagonistinnen Jane Addams, Mary Richmond und Alice Salomon zur Entfaltung Sozialer Arbeit als Wissenschaft und als Profession in den Mittelpunkt. In Form einer vergleichenden Werkanalyse, die die jeweiligen Entwürfe Sozialer Arbeit in ihre soziokulturellen und biografischen Kontexte einordnete und auf ihre Wirkung hin analysierte, zeichnete Braches-Chyrek das Bild einer jungen Profession, die darum bemüht ist, sich auch als Wissenschaft zu etablieren. Neben professionspolitischen und theoretischen Perspektiven sowie den religiösen und säkularen Deutungsmustern, die für die einzelnen Theoriepionierinnen bezeichnend sind, ermöglichte die Vergleichsperspektive ein genaueres Nachvollziehen der jeweiligen nationalen Entwicklung, bei der nicht zuletzt die Auswirkungen des transatlantischen Wissensaustauschs verdeutlicht werden konnten.

Der Blick auf die Professions- und Theoriegeschichte des Social Work in den Vereinigten Staaten wurde durch den anschließenden Beitrag von DAYANA LAU (Halle) vertieft. Anhand der Herausbildung des „social case work“ stellte Lau dar, wie mit der Entwicklung von Handlungsmethoden immer schon Ansätze einer theoretischen Wissensbildung einhergingen. Dabei wurde das Anfertigen sogenannter Fallgeschichten, die als wesentliches Element des social case work galten – so Lau – systematisch begründet und ausformuliert, während diese Darstellungen zugleich als sozialsozialwissenschaftliche Erkenntnisquelle und als Grundlage für die Theoriebildung dienten. Neben dem Konzept der Fallanalyse von Mary Richmond präsentierte die Referentin mit Ada Sheffield eine noch kaum rezipierte Protagonistin, bei der sich nicht nur eine ausgefeilte hermeneutische Interpretationstechnik von Fallmaterialien finden lässt, sondern auch deren analytische Verdichtung in Form einer sozialwissenschaftlichen Typenbildung als Grundlage einer gegenstandsbezogenen Theorie Sozialer Arbeit.

Auch GISELA HAUSS (Olten/Schweiz) ging es in ihrem Beitrag darum, Prozesse professioneller Wissensbildung zu rekonstruieren, wobei ihr spezifisches Erkenntnisinteresse auf die Konstruktion von Wissensbeständen zielte, wie sie in Schulen für Heimerziehung in den 1970er-Jahren ausgehandelt worden sind. Angesichts des doppelten Bezugs der Schulen zur alltäglichen Praxis in den Heimen einerseits sowie auf fachliches Wissen andererseits wurde dabei eine Wissenskonzeption zugrunde gelegt, die sowohl die in sozialen Kontexten situierten und handelnden Akteure als auch diskursive Verflechtungen in den Blick nahm. Die Analyse von Personaldossiers einer ausgewählten Schule zeigte, dass Wissen nicht ausschließlich in der Ausbildung erworben worden ist, sondern dass sich bereits in den Prozessen der Bewerbungsverfahren ein Gesamthabitus ausformte, mit dem spezifisches Wissen für die Heimerziehung nutzbar gemacht wurde.

Den Schwerpunkt des zweiten Tagungstages leitete INGRID MIETHE (Gießen) mit einem resümierenden Kommentar zu den historischen Beiträgen sowie einem Plädoyer zur unabdingbaren Relevanz historiografischer Forschung für die Theoriebildung der Sozialen Arbeit ein.

Den thematischen Schwerpunkt „Rekonstruktive Wissensbildung und Theorieentwicklung in der Sozialen Arbeit“ eröffnete PETER SOMMERFELD (Olten/Schweiz). Darin bilanzierte er zunächst die weit verbreitete Etablierung rekonstruktiver Forschungsmethoden in der Sozialen Arbeit, während deren theoriebildendes Potenzial bislang ungenutzt bliebe. Daraus leitete er das Erkenntnisinteresse ab, wie man von explorativen und in diesem Sinne singulären Studien zu Theorien mittlerer Reichweite gelangen kann, die schließlich in einer allgemeinen Theorie der Sozialen Arbeit gebündelt werden können. Diese Frage beantwortete Sommerfeld, indem er einen solchen Prozess der Wissenskonsolidierung am Beispiel eines eigenen Forschungsprojektes zu Reformvorhaben in der Psychiatrie vorstellte.

Im Unterschied dazu zielte der Beitrag von FRITZ SCHÜTZE (Magdeburg) auf die Wissensbildung der professionellen Praxis. Er arbeitete die Logik der Sozialarbeitsberatung, die er als „erkenntnisgenerierende Beratung“ bezeichnete, kontrastierend zur medizinischen Praxis heraus und diskutierte auf dieser Folie den Wissenschaftscharakter Sozialer Arbeit, die als Handlungswissenschaft auf interdisziplinäre Wissensgrundlagen angewiesen sei. Zugleich hob er das wissenschaftliche Analysepotential einer „umsichtigen Fallanalyse und Fallarbeit“ hervor, die unverzichtbare Erkenntnisimpulse für Forschung und Theoriebildung liefere.

GERHARD RIEMANN (Nürnberg) problematisierte in seinem Vortrag die Vermittlung von Theorien der Sozialen Arbeit innerhalb der Hochschule einschließlich des dabei transportierten Verständnisses von ihrer Anwendung in der Praxis. Gegenüber einem solchen deduktiven Theorieverständnis votierte er für einen anderen Theoriebegriff, bei dem gleichsam Sozialarbeiter_innen ihre eigene Praxis beforschen und im Sinne der Entwicklung von „grounded theories“ sich gewissermaßen an einer Theoriebildung beteiligen, die die Problemstellungen der Praxis aufgreift.

KLAUS KRAIMER (Saarbrücken) widmete sich einer systematischen Reflexion von verschiedenen Ansätzen einer fallrekonstruktiven Sozialen Arbeit. Er zeichnete die Traditionslinien der Hermeneutik und der Phänomenologie nach und skizzierte, in welcher Weise diese Eingang in die Sozialarbeit und Sozialpädagogik gefunden haben. Neben historischen Perspektiven beschäftigte sich der Vortrag mit zentralen Ansätzen sozialwissenschaftlicher Hermeneutik sowie der soziolinguistischen Prozessanalyse und deren Anknüpfungsmöglichkeiten für eine theoretisch modellierte professionelle Praxis sowie für die Ausgestaltung einer empirisch forschenden Disziplin.

Mit ihrem Kommentar zum dritten Tagungsschwerpunkt brachte ULRIKE NAGEL (Magdeburg) den Stellenwert rekonstruktiver Sozialforschung für die Profession und die Disziplin Sozialer Arbeit beeindruckend auf den Punkt. Sie thematisierte zunächst die wissenschaftstheoretische Bedeutung interpretativer Forschungszugänge, die eine neue Möglichkeit des Weltverständnisses in der empirischen Sozialforschung eröffneten und damit eine Alternative zum vorherrschenden normativen Paradigma geschaffen hätten. Der Verdienst rekonstruktiver Methoden sei vor allem, den Fall und dessen implizierte Erfahrungsbestände als rekonstruierbare Theoriequelle zu entdecken und damit den schon existierenden Wissenskanon durch vorbewusste Wissensbestände zu erweitern. In Bezug auf die Soziale Arbeit werde über die Rekonstruktion der Praxis sowohl ein berufsimmanentes Kritikpotenzial aktiviert als auch die Erzeugung autonomer Wissensbestände, die nicht aus den Leit- oder Fundierungswissenschaften stammten. Auf diesem Wege – so Nagel – rücke das für die Praxis relevante Wissen näher an die Disziplin.

In der Sektion I „Theoriebildung und Disziplinentwicklung“ stellte BETTINA VÖLTER (Berlin) „Rekonstruktive Soziale Arbeit als Konzept“ zur Diskussion, das sie in den Kanon der grundlegenden theoretischen Ansätze Sozialer Arbeit einordnete. NINA WYSSEN-KAUFMANN (Bern/Schweiz) vertiefte mit ihrem Beitrag diese Perspektive, indem sie anhand einer Studie über Erstgespräche zwischen SozialarbeiterInnen und KlientInnen im Kontext der Erwachsenenpsychiatrie die Verknüpfung zwischen fallrekonstruktiver Wissensbildung und einer gegenstandsbezogenen Theoriebildung verdeutlichte.

In der Sektion II „Methoden professionellen Handelns“ demonstrierten zwei Beiträge, wie eine rekonstruktiv-kasuistische Methodenlehre im Rahmen der Hochschulausbildung verortet werden kann. In ihrem Referat stellte REGINA RÄTZ (Berlin) am Beispiel der Kinder- und Jugendhilfe ein Modell vor, bei dem Studierende alltägliche Arbeitsaufgaben der Fallbearbeitung mit rekonstruktiven Zugängen umsetzen. MICHAEL APPEL (Nürnberg) warf in seinem Beitrag die Frage auf, wie innerhalb der Lehre ein vertiefter Zugang zu den epistemischen Prinzipien der ethnografischen Sichtweise geschaffen werden könne. Dies diskutierte er anhand eines Seminarsettings zu den Anforderungen an die professionelle Arbeit im ASD. Schließlich lenkte BERTRAM RITTER (Siegburg) in seinem Vortrag am Beispiel der Objektiven Hermeneutik den Fokus erneut auf das methodische Fallverstehen, das er in der Begriffstrias „Diagnostik, Intervention, Supervision“ auffächerte. Diese Sichtweise zeigt vor allem, dass eine pädagogische Diagnostik die kollegiale Analyse des eigenen beruflichen Handelns voraussetzt. Professionalisierung der Sozialpädagogik vollziehe sich – so Ritter – demnach als „Lehranalyse on the job“.

Die Sektion III „Rekonstruktive Wissensbildung und Fallrekonstruktion“ bot den Teilnehmer_innen und Gästen der Tagung in Form von zwei Workshops ausreichend Gelegenheit, die Vorgehensweise rekonstruktiver Methoden anhand von ausgesuchten Fallmaterialien einzuüben.

Die Tagung endete mit einem abschließenden Resümee, das von ANDREAS HANSES (Dresden) und SYLKE BARTMANN (Emden) gezogen wurde. Bartmann hob zunächst die anregende Verbindung der vielfältigen Perspektiven hervor, bei der die gegenseitige Ergänzung disziplin- und professionsgeschichtlicher, systematischer sowie methodischer und methodologischer Zugänge den Stellenwert rekonstruktiver Wissensbildung in der Sozialen Arbeit umfassend verdeutlicht und zugleich wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Profession und Disziplin gegeben habe. Zudem unterstrich sie, dass die Tagung in der Debatte um das Potenzial interpretativer Sozialforschung für die Theoriebildung der Sozialen Arbeit – nicht zuletzt auch durch die Relevanz des historischen Teils – neue Akzente gesetzt habe. Darüber hinaus konstatierte Hanses, dass die Tagung eine Konsolidierung rekonstruktiver Forschungsmethoden in der Wissenschaftslandschaft dokumentiere, die es erst ermöglicht habe, eine solchen souveränen und für die Soziale Arbeit wesentlichen Diskurs zu führen. Dennoch gab er zu bedenken, ob die erreichte Akzeptanz rekonstruktiver Wissensbildung ausreichend sei, um die Disziplinentwicklung voranzutreiben. Diese Frage stelle sich – so Hanses – vor allem mit Blick auf die Institutionen und Organisationen der Praxis sowie deren Wirklichkeitsordnungen, die angesichts von Ökonomisierung und Effizienzdruck oftmals auf andere Arrangements setzen. Von daher schließe der Diskurs um rekonstruktive Wissensbildung immer auch eine politische Dimension ein, die mit der Tagung aktualisiert worden sei und die es in Zukunft noch stärker zu diskutieren gelte.

Konferenzübersicht:

Einführung: Zum Potenzial rekonstruktiver Wissensbildung für die Theorieentwicklung in der Sozialen Arbeit

Walburga Hoff (Münster), Rekonstruktive Wissensbildung – Historische und gegenwärtige Perspektiven einer gegenstandsbezogenen Sozialen Arbeit.

1. Block: Rekonstruktive Wissensbildung in der historischen Sozialpädagogik - und Sozialarbeitsforschung

Christian Niemeyer (Dresden), Vom Verfall des Verstehens – oder: warum Hermann Nohls Frage nach den Schwierigkeiten, „die das Kind hat“, heute kaum noch jemanden zu interessieren scheint.

Werner Thole (Kassel), Theorie der Empirie – Historische Vergewisserungen und Überlegungen zu einer forschungsbasierten Theoriebildung in der Sozialen Arbeit.

Carsten Müller (Emden), Kommentar zum ersten Tagungstag.

Birgit Bender-Junker (Darmstadt), Sozialpädagogisches Denken und Normativität. Rückblicke auf die Soziale Arbeit als Disziplin bei Carl Mennicke.

Rita Braches-Chyrek (Bamberg), Jane Addams, Mary Richmond und Alice Salomon: theoriesystematische Zusammenhänge.

Dayana Lau (Halle), Empirische Forschung und Theoriebildung in der sozialen Arbeit am Beispiel des frühen Social Case Work in den USA (1900-1930).

Gisela Hauss (Olten/Schweiz), Die Konstruktion von Heim, Erziehung und Profession. Verhandlungen zur Heimerziehung in Ausbildung und Fachdiskursen in der Schweiz (1950-1990).

2. Block: Rekonstruktive Wissensbildung und Theorieentwicklung in der Sozialen Arbeit

Ingrid Miethe (Gießen), Kommentar zur Historischen Sozialpädagogik- und Sozialarbeitsforschung.

Peter Sommerfeld (Olten/Schweiz), Theoriebildung zwischen Exploration und Konsolidierung.

Fritz Schütze (Magdeburg), Erkenntnisgenerierung in der Sozialarbeitsberatung im Vergleich zur medizinischen Beratung.

Gerhard Riemann (Nürnberg), Theorien der Sozialarbeit(er_innen) – Fragen und Anmerkungen aus der Perspektive einer rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung.

Klaus Kraimer (Saarbrücken), Fallrekonstruktive Soziale Arbeit. Ansätze – Methoden – Optionen.

3. Block: Rekonstruktive Wissensbildung in der Disziplin und der Profession Sozialer Arbeit (Sektionen I-III)

Ulrike Nagel (Magdeburg), Kommentar zur „Rekonstruktiven Wissensbildung und Theorieentwicklung“.

Sektion I: Theoriebildung und Disziplinentwicklung

Bettina Völter (Berlin), Rekonstruktive Soziale Arbeit als Konzept.

Nina Wyssen-Kaufmann (Bern/Schweiz), Rekonstruktive Beratungsforschung und Theoriebildung.

Sektion II: Methoden professionellen Handelns

Regina Rätz (Berlin), Zur Bedeutung rekonstruktiver Methoden für die professionelle Handlungspraxis.

Bertram Ritter (Siegburg), Die Bedeutung einer objektiv-hermeneutischen pädagogischen Diagnostik im gegenwärtigen Prozess der Professionalisierung der Sozialpädagogik.

Michael Appel (Nürnberg), Ethnografische Zugänge im Rahmen des forschenden Lernens.

Sektion III: Rekonstruktive Wissensbildung und Fallrekonstruktion

Interpretationsworkshop A: „Fallrekonstruktive Soziale Arbeit“ – Zum methodischen Umgang mit Protokollen aus der professionalisierten Praxis (Klaus Kraimer/Lena Altmeyer/Svenja Marks).

Interpretationsworkshop B: Fallrekonstruktion und Generalisierung in der soziolinguistischen Prozessanalyse. Beispiele aus aktuellen Forschungsprojekten (Anja Wildhagen).

Abschluss
Andreas Hanses (Dresden)/Sylke Bartmann (Emden), Resümee der Tagung.

Zitation
Tagungsbericht: Rekonstruktive Wissensbildung. Historische und gegenwärtige Perspektiven einer gegenstandsbezogenen Theorie der Sozialen Arbeit, 27.11.2014 – 29.11.2014 Münster, in: H-Soz-Kult, 13.04.2015, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5918>.