Globale Verflechtungen – Europa neu denken. 11. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Frühe Neuzeit

Ort
Heidelberg
Veranstalter
Susan Richter, Historisches Seminar, Universität Heidelberg
Datum
17.09.2015 - 19.09.2015
Von
Pascal Firges / Regine Maritz, Deutsches Historisches Institut Paris

Das Thema „Globale Verflechtungen. Europa neu denken“ stand im Fokus der vom 17. bis 19. September 2015 in Heidelberg veranstalteten 11. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Frühe Neuzeit. Die Kohärenz und Qualität der verschiedenen Sektionen machten deutlich, wie breit die Frühneuzeitforschung inzwischen auf dem Gebiet der europäisch-außereuropäischen Beziehungen sowie der globalen Kontakte und Austauschprozesse aufgestellt ist und wie groß das Interesse an dieser Thematik ist. Konzipiert als Werkschau und Bestandsaufnahme aktueller Forschungstendenzen, war die Arbeitstagung auch Ausdruck der fachlichen und internationalen Öffnung des Forschungsfelds; so waren an fast allen Sektionen Historikerinnen und Historiker von Universitäten außerhalb Deutschlands beteiligt und viele Beiträge stammten von Forschenden mit außereuropäischem Forschungsschwerpunkt sowie aus Nachbardisziplinen. Bemerkenswert war außerdem die durchdachte Organisation der Tagung, die vom Nahverkehrsticket bis hin zur Kinderbetreuung ganz auf die Gewährleistung des intensiven wissenschaftlichen Austauschs ausgelegt war.

Nach einer Begrüßung der Teilnehmer durch den Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg kontextualisierte der Altphilologe GERRIT KLOSS (Heidelberg) die Debatte zum Konzept Europas treffend, indem er aufzeigte, dass bereits Herodot eine klare Abgrenzung von Afrika, Europa und Byzanz aufgrund der verwobenen Geschichte dieser Regionen infrage stellte. Die Veranstalterin SUSAN RICHTER (Heidelberg) wies darauf hin, dass auch angesichts der Gegenwartsprobleme Europas das Thema der Tagung dazu anrege, in die Vergangenheit zu schauen und nach dem Phänomen Europa im Kontext globaler Verflechtungen zu fragen. So könnten im Rahmen der Tagung sowohl heimische als auch fremde Europabilder reflektiert werden, um auf diese Weise Europa historisch neu zu denken und bestehende Selbstbilder und Narrative aufzubrechen und zu hinterfragen.

Die Sektion Ia war neuen Perspektiven zum provinziellen Europa aus globalgeschichtlicher Perspektive gewidmet. FREDRIK ALBRITTON JONSSON (Chicago) stellte seine Arbeit zu Pehr Kalm, einem schwedischen Kameralisten, vor. Kalm reiste während des 18. Jahrhunderts durch Nordamerika und suchte nach lokalem Wissen zu Faktoren, die Veränderungen des Klimas hervorrufen können. RENAUD MORIEUX (Cambridge) reflektierte den Status von Halbinseln in der Rechtsprechung des 17. Jahrhunderts und argumentierte, dass ein Fokus auf diese zeitgenössischen Diskurse Verzahnungen von sozialen und legalen Bedürfnissen sichtbar machen kann. MARK SOMOS (Harvard) analysierte den Diskurs um den „State of Nature“ in seiner Anwendung auf real existierende Orte im Kontext der Amerikanischen Revolution. Damit fügte sich sein Beitrag hervorragend in ein Panel ein, welches die Bedeutung der Verbindung von globaler und lokaler Perspektive – gerade im Bereich der Ideengeschichte – herausstellte.

Die parallel stattfindende Sektion Ib wurde von KIM SIEBENHÜNER (Bern) eingeführt, die darauf hinwies, dass globale Verflechtungen europäische Konsumentenkulturen aktiv mitgestalteten, obgleich sich die akademische Diskussion zu diesem Thema oftmals mit den ‚Konsumrevolutionen‘ in Großbritannien und in den Niederlanden erschöpfe. CHRISTINE FERTIG (Münster) diskutierte, wie Wissen über Pflanzen und Gewürze, welches über den Hamburger Hafen einen Weg nach Europa fand, zunehmend in Enzyklopädien und kaufmännischen Unterlagen systematisiert wurde. Anschließend präsentierte JOHN JORDAN (Bern) seine Umsetzung methodischer Ansätze zur Erforschung von Konsumrevolutionen in England in Bezug auf die Untersuchung der materiellen Kultur von Bürgern aus Bern. Dabei kam er zu dem provisorischen Ergebnis, dass auch Bern eine Konsumrevolution durchlief, wenngleich diese später einsetzte und weniger weitreichend war als jene in England oder in den Niederlanden. KIM SIEBENHÜNER (Bern) zeigte in ihrem Vortrag auf, wie europäische Textilproduzenten selektiv Technologien zum Bedrucken und Färben von Stoffen aus Indien importierten. Adaptionen dieser Technologien waren nötig, da in Europa Rohstoffe oftmals nicht vorhanden und die Produktionskosten bedeutend höher waren, während fehlende Expertise nur durch einen experimentellen Zugang aufgewogen werden konnte. BRUNO BLONDÉ (Antwerpen) gab einen Kommentar zu diesen Vorträgen, welche er alle als Beispiele lokalen Handelns und globalen Denkens las. Er betonte, dass solche Aneignungen von externen Gütern und Techniken vor allem eine Bereitschaft zur Übernahme benötigten, deren Existenz darüber entschied, ob und wann sich eine bestimmte Innovation in Europa etablierte.

Die Sektion IIa trug den Titel „Indigene Christenheit: Variationen in der religiösen Praxis des frühneuzeitlichen Katholizismus“ und beschäftigte sich mit den vielfältigen Adaptionen von christlichen Traditionen im Kontext der globalen Missionierung. NADINE AMSLER (Bern) diskutierte, wie Jesuiten in China ihre Taufpraxis lokalen Begebenheiten anpassten, um jedwede körperliche Berührung mit chinesischen Frauen zu vermeiden, da dies von der Bevölkerung als anrüchig betrachtet wurde. Obwohl die lokale Taufpraxis nicht den tridentinischen Vorschriften entsprach, wurde sie von der Kurie toleriert, da ein solcher Kompromiss dem Einstellen der prestigeträchtigen Chinamission vorgezogen wurde. CESARE SANTUS (Pisa/Paris) zeigte eine ähnliche Dynamik im Zusammenhang mit der Communicatio in Sacris von Christen im Osmanischen Reich auf. Obwohl die katholische Kirche vielen Traditionen der orthodoxen Christen ablehnend gegenüberstand, war es schlussendlich besser, einem orthodoxen Gottesdienst beizuwohnen, als darauf vollständig zu verzichten. Der Vortrag von CECILIA CRISTELLON (Frankfurt am Main) befasste sich mit katholisch-protestantisch gemischten Ehen. Hier zeigte sich Rom ebenfalls flexibel, wenngleich nur auf Grund der Befürchtung, betroffene Paare würden sich andernfalls protestantischen Vertretern zur Eheschließung zuwenden. INES ZUPANOV (Paris) lieferte einen stimulierenden Kommentar zu den Vorträgen, indem sie betonte, dass diese akteurszentrierten Zugänge ein Kräftemessen zwischen Peripherie und Zentrum sichtbar machten, in welchem die Edikte aus Rom nie als absolut anzusehen seien. Laut ZUPANOV handelte es sich bei der katholischen Expansion durchaus um eine Form von Imperialismus, der auf sozialer, kultureller, politischer und sogar wirtschaftlicher Ebene funktionierte.

Sektion IIb beschäftigte sich mit der Frage, ob frühmoderne kriegerische Auseinandersetzungen globalisierende Effekte haben konnten. Während MARIAN FÜSSEL (Göttingen) sich dafür aussprach, solche frühmodernen Konflikte als „global geführte Kriege“ zu bezeichnen, argumentierte SVEN EXTERNBRINK (Heidelberg), mit dem Siebenjährigen Krieg habe bereits ein frühmoderner Weltkrieg stattgefunden, der über dynastische Kriegsführung hinauswuchs und in dem lokale mit regionalen Konflikten zu globaler Reichweite agglomerierten. TIM NEU (Göttingen) eröffnete eine finanzielle Perspektive auf Großbritannien während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und argumentierte, dass hier eine Art „Kriegskapitalismus“ zu beobachten sei, der globale Verflechtungen stärke. In seinem Kommentar hinterfragte CHRISTOPH KAMPMANN (Marburg), ob Krieg wirklich globale Verflechtungen vorantrieb, da die kriegführenden Parteien einander letztlich zu zerstören suchten. Er rief dazu auf, an einer neuen Typologisierung frühmoderner Kriege zu arbeiten.

Sektion IIIa widmete sich den Zusammenhängen von Wissen und europäischer Expansion. BENJAMIN STEINER (Erfurt) sprach darüber, dass Erkenntnisse über Afrika in den Prozess der Staatsbildung im Frankreich des 17. Jahrhunderts integriert wurden. Wissen und Nichtwissen spielte laut SUSANNE FRIEDRICH (München) auch in der Expansion der Niederländischen Ostindien-Kompanie eine bedeutende Rolle, wobei viel Gewicht auf Experten gelegt wurde, die Informationen über unbekannte Territorien sammelten. Im letzten Vortrag untersuchte JORUN POETTERING (München) schließlich, wie Portugal Informationen und Wissen über seine amerikanischen Kolonien bezog. ARNDT BRENDECKE (München) lieferte einen Kommentar zu den Vorträgen, in dem er anmerkte, dass diese ähnlichen Fälle von Überseeexpansion dennoch auf unterschiedliche Weise zur Wissensverdichtung führten. Er betonte außerdem, wie schwierig es sei, das – immer auch politische – Konzept des Wissens zu definieren.

In der Sektion IIIb wurde sowohl Raewyn Connell’s Konzept hegemonialer Männlichkeit, als auch die Fragilität dieser sozialen Konstruktion thematisiert. SUSANNA BURGHARTZ (Basel) zeigte in ihrem Beitrag, dass die männlichen Eroberer in Südamerika sich nicht nur gegen die indigenen Männer abzugrenzen suchten, sondern ebenso gegen andere europäische Männlichkeiten. So präsentierte sich beispielsweise der Engländer Walter Raleigh im Vergleich mit Spaniern, welche der Verführung des Exotischen nicht widerstehen könnten, als tugendhafter. Die Befürchtung dem Fremdartigen zu verfallen wurde auch im Vortrag von CLAUDIA OPITZ (Basel) zum deutschen Forschungsreisenden Carsten Niebuhr angesprochen. Niebuhr betonte die Bedeutung von Kleidung in der Kommunikation nationaler und geschlechtlicher Identitäten. ANNA DI CAPRIO (Basel) widmete sich der bedrohten Männlichkeit des Johann Wild, der im langen Türkenkrieg im osmanischen Reich als Sklave gefangengenommen wurde, und für den der Verlust seiner Freiheit und seines sozialen Ranges einer Art Entmannung gleichkam. ANNA BECKER (Basel) widmete sich Garcilaso de la Vega, der aus einer Verbindung zwischen einer Inkafrau und einem spanischen Eroberer stammte, und der in seiner „Geschichte des Inkareichs“ sowohl seine eigene, vielschichtige Männlichkeit diskutierte, wie auch Genderaspekte einer idealen Regierung thematisierte. In ihrem Kommentar zeigte CLAUDIA ULBRICH (Berlin) auf, dass alle diese Arbeiten darauf hinweisen, wie gründlich Geschlechterdifferenzen herausgearbeitet werden müssen, da auch Ideale von hegemonialer Männlichkeit nie auf alle Männer in gleichem Maße zutreffen. BURGHARTZ merkte in der anschließenden Diskussion an, dass Männlichkeiten noch nicht einmal immer an reale Männer gebunden sein müssen.

Der zweite Konferenztag wurde mit der Sektion IVa zur materiellen Kultur der Diplomatie eröffnet. HARRIET RUDOLPH (Regensburg) betonte in ihrer Einführung, dass materielle Objekte in der Geschichte der Diplomatie immer noch viel zu wenig Beachtung fänden, obwohl sie in diesem Zusammenhang oft von großem symbolischen und politischem Wert seien. GEORG METZIG (Regensburg) beschäftigte sich mit der Interaktion von Portugiesen mit indigenen Bewohnern in Benin im 16. Jahrhundert, wobei er zeigte, wie europäische Symbole und Materialien in einheimische Objekte verarbeitet wurden. SONAL SINGH (Delhi) und MICHAEL TALBOT (Greenwich) diskutierten Geschenke als integrativen Bestandteil diplomatischer Aushandlungen in Indien beziehungsweise im Osmanischen Reich. In beiden Fällen sahen die Eliten solche Geschenke als wichtiges Element diplomatischer Praxis, welches Hierarchien und andere politische Realitäten sichtbar machen konnte. Die britischen Teilnehmer in diesem Austausch hatten oftmals andere Vorstellungen von der quantitativen Nutzung und der qualitativen Handhabung diplomatischer Geschenke, was zu beträchtlichen Missverständnissen führen konnte. VOLKER DEPKAT (Regensburg) präsentierte eine Analyse von Friedensmedaillen, die im 19. Jahrhundert von weißen Unterhändlern an amerikanische Ureinwohner bei der Unterzeichnung von Friedensverträgen übergeben wurden. Von indianischer Seite waren diese Objekte oft wichtiger als der eigentliche Vertrag, denn die Ureinwohner lasen an diesen Geschenken ihre Gleichstellung mit weißen Akteuren ab. Diese ambivalente Lesart von diplomatischen Geschenken wurde auch in der Diskussion hervorgehoben mit der Betonung, dass dennoch beide Parteien jeweils einen Bezug zum Akt des Schenkens hatten, der einen bestimmten Zweck erfüllte oder zu erfüllen schien.

Die Sektion IVb beleuchtete die Problematik um europäische Meistererzählungen durch Perspektiven aus „peripheren“ Gebieten wie Russland und dem Osmanischen Reich. INKEN SCHMIDT-VOGES (Osnabrück) zeigte, wie der schwedische Katholik Olaus Magnus in seinem römischen Exil versuchte, Schweden entgegen dem klassischen Antikendiskurs in Europa zu positionieren und das Land sogar als Grenzpuffer des christlichen Europas zu konstruieren. ARINA LASAREWA (Moskau) argumentierte, dass Russland sich selbst nicht als Peripherie, sondern als imperiale Macht mit antiken Wurzeln sah, wobei Moskau als „drittes Rom“ stilisiert wurde. Demgegenüber erlebte das Osmanische Reich, so MARKUS KOLLER (Bochum), am Ende der Frühen Neuzeit eine drastische Abnahme an Selbstbewusstsein, die mit einem internen Diskurs über den administrativen und militärischen Zerfall seit dem „Goldenen Zeitalter“ Mitte des 16. Jahrhunderts zusammenhing. Dies führte schließlich am Ende des 18. Jahrhunderts zu einem gesteigerten Interesse an Reformansätzen nach europäischem Muster.

Die Sektion Va wählte einen weiteren innovativen Zugang, um Vorstellungen europäischer Hegemonie zu überdenken. Die Vortragenden widmeten sich unerwarteten Praktiken, Akteuren, und Objekten frühmoderner Naturgeschichte. ANDRES PRIETO (Boulder) zeigte die Verflechtungen von Peripherien und Zentren (er sieht hier eine Pluralität) im Spannungsfeld naturgeschichtlicher Forschung auf, indem er sich mit einem Jesuiten beschäftigte, der in Peru astronomische Untersuchungen mit Hilfe von Instrumenten unternahm, die ursprünglich aus Europa stammten, aber später von lokalen Handwerkern nachgebaut wurden. Seemänner wurden von ANNE MARISS (Tübingen) als weitere, bisher wenig beachtete Mitwirkende beim Schreiben von Naturgeschichte präsentiert, die zum Beispiel James Cook mit ihrem umfangreichen Wissen zu Wasser- und Eiskonditionen in der arktischen See unterstützten. ALIX COOPER (Stony Brooks) zeigte eindrucksvoll, dass Frauen und Töchter von bekannten Forschern oft sehr stark in deren Arbeit eingebunden waren oder auch – wie im Fall von Maria Sibylla Merian - selbständig neue Gebiete erforschten. SARAH EASTERBY-SMITH (St Andrews) kritisierte schließlich den Gebrauch einer „Akteur-Netzwerk“-Theorie, um Wissensproduktion zu beschreiben, da dies die Vorstellung eines zielgerichteten Prozesses erwecken könne und gleichzeitig den beträchtlichen Einfluss von Zufall, Glück und Unglück negiere. Sie demonstrierte diese Überlegungen an einer Fallstudie zweier königlicher französischer Gärtner, die um 1788 mit europäischen Pflanzen dem Sultan von Mysore übersandt wurden und deren Position als Experten stark von ihrer Umgebung und dem Funktionieren der Briefwege beeinflusst wurde. ULRIKE STRASSER (San Diego) gab einen inspirierenden Kommentar zu dieser Sektion, in dem sie dafür plädierte, auch materielle Objekte in diese Art von Geschichtsschreibung einzubinden sowie verstärkt danach zu fragen, was genau an historisch verstandenen Wissenschaften europäisch sei. Dies sei bis heute noch nicht zufriedenstellend beantwortet.

Die Sektion Vb analysierte die Diskursmacht der aufklärerischen Dichotomie von Barbarei und Zivilisation in ihren verschiedensten Ausprägungen. ANDREAS PEČAR (Halle) erklärte in seiner Einführung, dass es darum gehe, die (Selbst-)Bilder zu überdenken, welche durch solche Unterscheidungen in der Vergangenheit konstruiert wurden. KARSTEN HOLSTE (Halle) zeigte, wie polnisch-litauische Eliten sowohl Selbst- als auch Fremdexotisierung als Strategie verwendeten, um politische Reformen entweder zu unterstützen oder abzulehnen. Die Habsburger wandten ähnliche Diskurse an, als sie Galizien als eine Binnenkolonie definierten, die von ihnen durch Reformen zivilisiert wurde, was im Vortrag von KLEMENS KAPS (Sevilla) deutlich wurde. DAMIEN TRICOIRE (Halle) dagegen verwies auf eine Form von Selbstzivilisierung, mit der die philosophes versuchten, die vermeintliche barbarische Vergangenheit Frankreichs durch aufklärerisches Gedankengut aufzuwiegen und zu korrigieren. Der letzte Beitrag zu dieser Sektion kam von MORITZ BAUMSTARK (Halle) und zeigte, wie schottische Aufklärer den Topos der ‚englischen Barbarei‘ benutzten, um so Schottlands Überlegenheit in verschiedensten Kontexten zu signalisieren. Insgesamt wurde überzeugend argumentiert, wie die rhetorische Gegenüberstellung von „Barbarei“ und „Zivilisation“ in ganz unterschiedlichen Situationen zur mentalen Grenzziehung benutzt wurde.

Die Sektion VIa beschäftigte sich mit der Entstehungsgeschichte der Diplomatie jenseits der italienischen Renaissance. Wie FLORIAN KÜHNEL (Berlin) bereits in seiner Einführung erörterte, gibt es einen unauflösbaren Zusammenhang zwischen der Entwicklung der europäischen Diplomatie und außereuropäischen Kontakten. Entsprechend wichtig sei eine ‚Provinzialisierung‘ der europäischen Diplomatie. JAN HENNINGS (Istanbul) erklärte, dass Russland zwar einerseits, spätestens seit Peter dem Großen, Teil des europäischen diplomatischen Systems war, Europa andererseits jedoch nur eine Region von mehreren war, mit der Russland diplomatische Beziehungen unterhielt. ANTJE FLÜCHTER (Bielefeld) verdeutlichte am Beispiel europäischer Diplomaten am Mogulhof, dass die Durchsetzung bestimmter Privilegien durch diese Diplomaten nicht mit erfolgreicher Diplomatie gleichzusetzen ist. ANDRÉ KRISCHER (Münster) beschäftigte sich damit, wie es der britischen Diplomatie erst nach jahrzehntelangen Misserfolgen gelang, unterschiedliche politisch-kulturelle Deutungssysteme zu überbrücken und einen Freundschaftsvertrag mit dem Sultan von Marokko zu schließen. In seinem Abschlusskommentar betonte CHRISTIAN WINDLER (Bern) schließlich, es komme darauf an, die Eigenlogiken verschiedener diplomatischer Praktiken zu analysieren und zueinander in Beziehung zu setzen.

In Sektion VIb setzten sich die Teilnehmer mit historischen Regionen auseinander, die heute zur Ukraine gehören und die, wie es JAN KUSBER (Mainz) in seiner Einführung darstellte, eine Randzone für verschiedene frühneuzeitliche Territorien waren. Nichtsdestotrotz verdeutlichte CHRISTINE ROLL (Aachen), dass man im übrigen Europa gut über diese Regionen informiert sein konnte. Darüber hinaus behandelte der Beitrag von KERSTIN JOBST (Wien) die Krim im Lichte ihrer mythischen Bedeutung für das russisch-orthodoxe Christentum.

Die von LOTHAR SCHILLING (Augsburg) geleitete Sektion VIIa befasste sich mit der Rolle außereuropäischen Wissens für die europäischen Diskurse über technische Innovation im 17. und 18. Jahrhundert. MARCUS POPPLOW (Berlin) widmete sich hierbei dem Thema des ingenieurstechnischen Wissens und zeigte die methodischen Herausforderungen auf, die in diesem Kontext bei der Untersuchung außereuropäischer Einflüsse entstehen. JAKOB VOGELs (Paris) Beitrag präsentierte den lateinamerikanischen Bergbau am Ende des 18. Jahrhunderts aus der Sicht europäischer Bergbauexperten. Der Vortrag von REGINA DAUSER (Augsburg) zeigte schließlich auf, welche Bedeutung amerikanisches Wissen für den lokalen Tabakanbau in der Kurpfalz in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte.

Orient-Okkzident-Diskurse während der Frühen Neuzeit waren das Thema der Sektion VIIb. CHARLOTTE COLDING SMITH (Melbourne/ Mannheim) sprach über Turcica und ihre Klassifikation in verschiedenen Kunstkammern Europas. HIRAM KÜMPER (Mannheim) beschäftigte sich mit christlichen Diskursen über osmanisches Wirtschaften und zeigte auf, dass ab dem 16. Jahrhundert Wucher gegenüber Andersgläubigen mit einem ähnlichen Deutungsmuster wie der ‚gerechte Krieg‘ gegen die ‚Feinde der Christenheit‘ gerechtfertigt wurde. In seinem Vortrag zu französischen Gesandtschafts- und Reiseberichten verdeutlichte ERICH PELZER (Mannheim), dass sich bereits im 16. Jahrhundert ein Kanon von Topoi über das Osmanische Reich etabliert hatte, der für die folgenden Jahrhunderte das Genre dominierte. Hierbei spielte interessanterweise die sogenannte ‚Türkengefahr‘, wie sie in der zeitgenössischen Publizistik des Reichs allgegenwärtig war, im französischen Kontext keine bedeutende Rolle. MARTIN WREDE (Grenoble) zeigte anschließend auf, wie sich im Zuge der gescheiterten osmanischen Belagerung Wiens (1683) die ‚Türkenfurcht‘ zum ‚Türkenspott‘ wandelte.

Sektion VIIc war der Frage nach den Transfers, Aneignungen und Adaptionen gewidmet, welche durch die Migration von überseeischen Menschen, Tieren, Pflanzen und Objekten zustande kamen. So beschäftigte sich MARK HÄBERLEIN (Bamberg) mit der siamesischen Gesandtschaft an den Hof Ludwigs XIV. und mit dem Empfang von ‚vier indischen Königen‘ durch Königin Anne von England. ALAN ROSS (Berlin/ Paris) zeigte auf, wie sich das Halten von Affen als Haustieren im Verlauf des 16. Jahrhunderts in Europa verbreitete. MICHAELA SCHMÖLZ-HÄBERLEIN (Bamberg) sprach über die Einführung von Pflanzen der neuen Welt, die sich in zeitgenössischen Stillleben wiederspiegelte und EVA STRÖBER (Leeuwarden) berichtete darüber, wie chinesisches Porzellan zu einem wertvollen Objekt der materiellen Kultur der europäischen Diplomatie wurde.

Der zweite Konferenztag endete mit einer Podiumsdiskussion zwischen dem Europahistoriker THOMAS MAISSEN (Paris/ Heidelberg) und der Sinologin BARBARA MITTLER (Heidelberg) unter dem Titel „Why China did not have a ‚Renaissance‘ and why that matters“ über die transkulturelle Aneignung von historischen Periodisierungen. Maissen argumentierte, dass das historische Konzept der Renaissance den Großteil seiner Bedeutungsinhalte verlieren würde, wenn man es auf andere historische Kontexte anwende als diejenigen, in denen es entstanden ist. Der Begriff Renaissance sei im 16. Jahrhundert in Italien geprägt worden, im Zusammenhang mit einem neuen Zeitverständnis, durch welches sich der zeitgenössische Humanismus von dem ‚dunklen‘ Mittelalter abzugrenzen und an die klassische Antike anzuknüpfen suchte. China, so Maissen, hatte eine solche Renaissance nicht – und es brauchte sie auch nicht. Demgegenüber zeigte Mittler auf, wie im Kontext der Bewegung des 4. Mai in China, Anfang des 20. Jahrhunderts, chinesische Intellektuelle den Begriff ‚Renaissance‘ unter direkter Bezugnahme auf die europäische Historiographie, als Bezeichnung für die eigene aktuelle Zeitperiode verwendeten. Mittler argumentierte, dass ein Begriff wie ‚Renaissance‘– wie auch andere Periodisierungskonzepte – durchaus auf unterschiedliche historische und kulturelle Kontexte angewandt werden könne, solange man sich dessen bewusst sei, dass es sich hierbei dann um generische Konzepte handele, die sehr verschiedene Ausprägungen annehmen können. Kommentiert wurde die Diskussion von dem Kunsthistoriker HENRY KEAZOR (Heidelberg), der betonte, dass man Periodisierungskonzepte als heuristische Werkzeuge ansehen müsse, die zwar notwendig seien, deren historischer Konstruiertheit man sich allerdings bewusst sein müsse.

Sektion VIIIa, zu Beginn des dritten Konferenztages, beschäftigte sich mit Diplomatie, Herrschaft und Kommunikation in Südost- und Ostasien, insbesondere während des 16. und 17. Jahrhunderts. ANTONIO VASCONCELOS DE SALDANHA (Macau) zeigte auf, wie europäischen Seefahrern Kredenzbriefe mit unbestimmtem Empfänger mitgegeben wurden, die am Reiseziel an lokale Herrscher Ostasiens übergeben werden sollten. Gleichzeitig versuchten die Seefahrer, örtliche Hierarchien und politische Zusammenhänge zu verstehen und in den Rahmen europäischer Standeshierarchien vergleichend und erklärend einzuordnen. Von den Schwierigkeiten hierarchischer Einordnung handelte auch PETER BORSCHBERGS (Singapur) Vortrag über Übersetzungsversuche und Selbstrepräsentation im Zusammenhang mit niederländisch-ostasiatischen diplomatischen Kontakten. So wurde der Statthalter in der diplomatischen Korrespondenz zum „König von Holland“ aufgewertet, um das Problem zu umgehen, die Regierungsform der Republik näher beschreiben zu müssen. ALEXANDER BORST (Greifswald) sprach über Grenzziehungspraktiken der Niederländer in Südostasien im 17. Jahrhundert, die im Zusammenhang mit zeitgleichen Territorialisierungsprozessen in Europa zu sehen sind. Die Korrespondenz von molukkischen Herrschern während des 16. Jahrhunderts war das Thema von MANUEL LOBATO (Lissabon). Die sich in verschiedenen iberischen Sammlungen befindlichen Dokumente erlauben vielfältige Einblicke in die zeitgenössische Diplomatie und Übersetzungspraxis.

Die Rechtsvielfalt in Kontaktzonen zwischen verschiedenen normativen Ordnungen war das zentrale Thema von Sektion VIIIb. In ihrer Einführung betonten ANTJE FLÜCHTER (Bielefeld) und CHRISTINA BRAUNER (Bielefeld), dass Rechtsvielfalt sowohl im Kontext der frühneuzeitlichen kolonialen Expansion als auch innerhalb Europas ein häufiges Phänomen war, welches es nun aus einer transkulturellen Perspektive zu untersuchen gilt. Vor diesem Hintergrund beleuchtete ULRIKE LUDWIG (Dresden) die Rechtssetzung in Bezug auf Duelle im 17. Jahrhundert im Reich als einen Rechtstransfer aus Frankreich. WOLFGANG KAISER (Paris) beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den gerichtlichen Konsequenzen der großen Rechtsvielfalt im Handelsrecht des Mittelmeerraumes. THOMAS DUVE (Frankfurt am Main) widmete seinen Beitrag dem Spannungsverhältnis zwischen der Gesetzgebung der Krone und den rechtlichen Verhältnissen in den spanischen Kolonien Amerikas.

Die von DAGMAR FREIST (Oldenburg) geleitete und eingeführte Sektion IXa beschäftigte sich mit der methodischen Herausforderung, globalgeschichtliche Phänomene aus mikrohistorischer Perspektive zu analysieren. LUCAS HAASIS (Oldenburg) und ANNIKA RAAPKE (Oldenburg) zeigten am Beispiel der Korrespondenzpraxis und dem Briefwesen des 18. Jahrhunderts einen wichtigen Aspekt der zeitgenössischen Globalisierungsprozesse auf. MARGARET HUNT (Uppsala) gab ein konkretes Anwendungsbeispiel für den Nutzen mikrohistorischer Studien bei der Dekonstruktion makrohistorischer Narrative, indem sie die Bedeutung der Belagerung Bombays 1689 durch Mogultruppen für die Geschichte der Englischen Ostindienkompanie beleuchtete. Der verlesene Beitrag von FRANCESCA TRIVELLATO (Yale) präsentierte einen historiographischen Überblick und forderte eine globale Mikrohistorie, die Mikro- und Makroebenen der Analyse miteinander in Verbindung bringt. In seinem abschließenden Kommentar unterstrich HANS MEDICK (Göttingen) das Potenzial einer Mikrogeschichte mit globaler Ausrichtung bzw. einer „bottom-up“-Perspektive auf historische Prozesse.

Die Sektion IXb befasste sich mit dem Verhältnis Europas zu Amerika und Russland im 18. Jahrhundert. In diesem Kontext unterstrich SIMON KARSTENS (Trier) anhand diplomatischer Quellen die Bedeutung von Inklusion und Exklusion für die diskursive Konzeption Europas. MICHAEL HOCHGESCHWENDER (München) zeigte auf, dass die völkerrechtliche Anerkennung der USA aufgrund ihrer peripheren Position kaum als Problem für die europäische Mächtebalance wahrgenommen wurde. HENNER KROPP (Regensburg) stellte dar, wie die Anerkennung Russlands als Akteur im europäischen Mächtesystem hingegen von einem Diskurs über eine kulturelle Andersartigkeit Russlands begleitet wurde. Alteritätsdiskurse spielten eine wichtige Rolle bei der Konstruktion von Vorstellungen über Europa, die über den rein geographischen Begriff hinausgingen, wie HELGA SCHNABEL-SCHÜLE (Trier) in ihrem Kommentar darlegte.

In ihrem Schlusskommentar zur Tagung lobte RENATE DÜRR (Tübingen), dass es in vielen Sektionen gelungen sei, die Meistererzählung von „the West and the rest“ infrage zu stellen. Es gelte, die Rolle Europas während der Frühen Neuzeit stärker in den zeitgenössischen globalen Kontext einzubetten. Hierbei spielten Fallstudien, welche die globale Dimension des Lokalen berücksichtigen, eine wichtige Rolle. Darüber hinaus zeichne sich die Tagung durch ihre hohe Reflexivität in Bezug auf Begrifflichkeiten und Konzepte aus. HILLARD VON THIESSEN (Rostock) hob die besondere Rolle hervor, welche das Thema Außenbeziehungen während der Tagung gespielt habe. Hierbei sei das alte Narrativ von einer europäischen Diplomatie, die allein aus sich selbst heraus entstanden sei, abgelöst worden durch das Bild einer polyzentrischen Welt verschiedener diplomatischer Kulturen, in der Europa nur eines dieser Zentren darstelle. THOMAS MAISSEN (Paris/ Heidelberg) sah in der geographischen Ausweitung frühneuzeitbezogener Forschung über Europa hinaus ebenfalls eine wichtige Neuerung innerhalb des Faches. Dabei sei die Einbeziehung verschiedener Untersuchungsebenen von großer Bedeutung; die Lokalgeschichte kann globale Phänomene und Prozesse nicht außer Acht lassen, ebenso wie Globalgeschichte nicht ohne lokale Studien auskomme. Allerdings stelle sich bei der Erweiterung des Forschungshorizonts über Europa hinaus das Problem der fehlenden Kenntnis besonders außereuropäischer Sprachen. Ein wichtiger Lösungsansatz hierfür sei die verstärkte Zusammenarbeit mit Spezialisten der sogenannten Area Studies. Positiv hervorgehoben wurde von allen drei Schlussrednern die verstärkte Internationalisierung des Frühneuzeittags, die Qualität des wissenschaftlichen Austausches sowie die hervorragende Organisation der gesamten Veranstaltung.

Konferenzübersicht:

Eröffnungsreden von Eckart Würzner (Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg), Gerrit Kloss (Heidelberg, Dekan der Philosophischen Fakultät), Arndt Brendecke (München, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Frühe Neuzeit), Susan Richter (Heidelberg, Veranstalterin und Hauptorganisatorin der 11. Arbeitstagung)

Sektion Ia: Provincial Europe and Global History in the Early Modern Period: Toward New Perspectives
Leitung: James Livesey (Dundee, in Abwesenheit)

Fredrik Albritton Jonsson (Chicago), Pehr Kalm’s Atlantic: Climate Change and History in Swedish Cameralism

Renaux Morieux (Cambridge), (Pen)insular Perspectives on 17th and 18th Century Europe

Mark Somos (Harvard), The States of Nature, 1651–1816

Sektion Ib: Globale Güter – verflochtene Konsumkulturen: Europas materielle Kultur im Wandel
Leitung: Kim Siebenhüner (Bern)

Kim Siebenhüner (Bern), Einführung

Christine Fertig (Münster), Globale Waren, lokales Wissen – Gewürze und Drogen in der europäischen Körperkultur

John Jordan (Bern), Baumwolle, Kaffee, Tee und Tabak: Ein Boom der globalen Güter im frühneuzeitlichen Bern?

Kim Siebenhühner (Bern), Bedrucktes Zeug: Wissenstransfer zwischen Indien und Europa und Produktinnovation in der Alten Schweiz

Bruno Blondé (Antwerpen), Kommentar

Sektion IIa: Performing Indigenized Christianity: Adaptations of Catholic Sacraments between Tridentine Reform and Global Expansion
Leitung: Christian Windler (Bern) / Nadine Amsler (Bern)

Christian Windler (Bern), Einführung

Nadine Amsler (Bern), Contested Contacts: The Jesuits’ Administration of Baptism to Chinese Women between Confucian Gender Norms and Catholic Sacramental Debates

Cesare Santus (Pisa/Paris), The Practice of Communication in Sacris among the Eastern Christians of the Ottoman Empire

Cecilia Cristellon (Frankfurt am Main, in Abwesenheit), Roman Congregations and Adaptations of Sacraments in the European Missions: The Case of Mixed Marriages

Ines Zupanov (Paris), Kommentar

Sektion IIb: Der Krieg als Motor der Verflechtung? Globale Konflikte der Frühen Neuzeit
Leitung: Marian Füssel (Göttingen)

Marian Füssel (Göttingen), Die Gewalt der Verflechtung: Zur Emergenz globaler Konflikte im langen 18. Jahrhundert

Sven Externbrink (Heidelberg): Ein „Erster Weltkrieg“? Versuch über den globalen Charakter des Siebenjährigen Krieges

Tim Neu (Göttingen), Raum und Zeit verklammern. Globalisierungseffekte europäischer Kriegsfinanzierung im langen 18. Jahrhundert

Christoph Kampmann (Marburg), Kommentar

Sektion IIIa: Wissen und europäische Expansion. Das epistemische Setting global agierender Institutionen in der Frühen Neuzeit
Leitung: Susanne Friedrich (München) / Benjamin Steiner (Erfurt)

Susanne Friedrich (München), Einführung

Benjamin Steiner (Erfurt), Der unwissende Kontinent: Afrika in der Geschichte der Staatsbildung im Frankreich Ludwigs XIV.

Jorun Poettering (München), Vom Paradies zum Rohstoffproduzenten: Wissen über Naturressourcen im portugiesischen Amerika

Arndt Brendecke (München), Kommentar

Sektion IIIb: Entdecker, Eroberer, Diplomaten und Sklaven: Hegemoniale und fragile Männlichkeiten an den Grenzen des frühneuzeitlichen Europa
Leitung: Claudia Opitz-Belakhal (Basel)

Claudia Opitz-Belakhal (Basel), Einführung

Susanna Burghartz (Basel), Überlegene Männlichkeit? Koloniale Positionierungskämpfe von Engländern und Niederländern um 1600

Claudia Opitz-Belakhal (Basel), Carsten Niebuhrs Reise nach Arabien und die Männlichkeit des Orient-Forschers

Anna di Caprio (Basel), Gefangenschaft als Entmannung? Die Berichte christlicher Gefangener aus dem Osmanischen Reich (17. und 18. Jahrhundert)

Anna Becker (Basel), Der spanische Inka Garcilaso de la Vega und seine “Geschichte des Inkareichs” zwischen europäischer Wissenstradition und kolumbianischer Selbstbehauptung (Anfang 17. Jahrhundert)

Claudia Ulbrich (Berlin), Kommentar

Sektion IVa: Entangled Objects and Hybrid Practices? The Material Culture of Transcultural Diplomacy (1500–1900)
Leitung: Harriet Rudolph (Regensburg)

Harriet Rudolph (Regensburg), Lost in Translation? Material Culture Studies and the History of Diplomacy

Gregor Metzig (Regensburg), In the Kingdom of the Leopard: Commodities in Transcultural Interactions between Edo and Portuguese in Benin

Sonal Singh (Delhi), When is Gift? Circulation of Objects in Political Negotiations between the English East India Company and the Indian Rulers in the Late Eighteenth Century

Michael Talbot (Greenwich), Gift-Giving in British-Ottoman Diplomacy in the Long 18th Century

Volker Depkat (Regensburg), The Use of Artefacts in Indian–White Diplomacy in Nineteenth-Century North America

Sektion IVb: Blick von außen? Europäische Peripherie und europäisches Zentrum in neuer Perspektive
Leitung: Christoph Kampmann (Marburg) / Arina Lasarewa (Moskau)

Christoph Kampmann (Marburg) und Arina Lasarewa (Moscow), Einführung

Inken Schmidt-Voges (Osnabrück), “Et nos homines”: Die kulturelle Geographie Europas in der schwedischen Reichsgeschichte (Schwerpunkt 16. Jahrhundert)

Arina Lasarewa (Moscow), Ein Reich in der Peripherie? Europäischer Wahrnehmungskontext in russischen Quellen des 17. Jahrhunderts

Markus Koller (Bochum), Die christliche Staatenwelt in den Berichten osmanischer Gesandter (Schwerpunkt 18. Jahrhundert)

Sektion Va: Entangled in Global Networks: Practices, Actors, and Objects in Natural History
Leitung: Renate Dürr (Tübingen) / Anne Mariss (Tübingen)

Renate Dürr (Tübingen), Einführung

Andres Prieto (Boulder), Local and Global Knowledge: Studying the 1664 Comet in Colonial Spanish South America

Anne Mariss (Tübingen), Seamen as Actors of Natural History: Collaborative Knowledge Production on board the Resolution and Early Modern Networks of Exchange

Alix Cooper (Stony Brooks), Family Networks in a Global Era: Women and Gender in Early Modern Natural History

Sarah Easterby-Smith (St Andrews), Knowledge Networks and the Structure of Early Modern Science

Ulrike Strasser (San Diego), Kommentar

Sektion Vb: Zonen der Barbarei in einem aufgeklärten Europa? Mapping Europe in der Aufklärungszeit
Leitung: Andreas Pečar (Halle)

Andreas Pečar (Halle), Einführung: Mapping Europe

Karsten Holste (Halle), Das Wechselspiel von Fremd- und Selbstexotisierung polnisch-litauischer Eliten im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts

Klemens Kaps (Sevilla), Mikro-Orientalisierung oder: Von der Erfindung des Binnenkolonialismus: Reformdiskurse der josefinischen Bürokratie im habsburgischen Galizien im ausgehenden 18. Jahrhundert

Damien Tricoire (Halle), Die “Selbstkolonisierung Frankreichs” – die Angst vor der französischen Barbarei bei Aufklärern

Moritz Baumstark (Halle), “Barbarians on the banks of the Thames” – Die Perspektive schottischer Aufklärer auf “English barbarism” in der Revolutionszeit

Sektion VIa: Provincializing European Diplomacy: Die globale Entstehung der Diplomatie
Leitung: Jan Hennings (Istanbul) / Florian Kühnel (Berlin)

Florian Kühnel (Berlin), Einführung: Provincializing European Diplomacy

Jan Hennings (Istanbul), Die Augen des Zaren. Russisch-Europäische Diplomatie und ihre Praktiken

Antje Flüchter (Bielefeld), Alterität oder vertraute Spielregeln? „Europäische Diplomatie“ am indischen Mogulhof

André Krischer (Münster, in Abwesenheit), Britische Konsuln in Marokko am Ende des 18. Jahrhunderts

Christian Windler (Bern), Kommentar

Sektion VIb: “U Kraina” – “am Rande”: Zu Kontinuitäten und Brüchen an der östlichen Peripherie Europas in der Frühen Neuzeit und was wir “aus der Geschichte lernen” können
Leitung: Christine Roll (Aachen) / Jan Kusber (Mainz)

Jan Kusber (Mainz), Einführung: Kontinuität und Bruch: Von der Relevanz der “U kraina” für Europa

Kerstin Jobst (Wien), “Sammlung der Länder der Rus” und Russländischer Imperialismus – warum Kiev, warum die Krim?

Christine Roll (Aachen), Was wussten die Europäer von der Ukraine? Reiseberichte, Karten und gelehrte Diskurse der Frühen Neuzeit

Sektion VIIa: Globalisierung des Wissens? Außereuropäisches Wissen und europäische “Innovationskultur” im 17./18. Jahrhundert
Leitung: Lothar Schilling (Augsburg)

Lothar Schilling (Augsburg), Einführung: Globalisierung des Wissens? Außereuropäisches Wissen und europäische “Innovationskultur” im 17./18. Jahrhundert

Marcus Popplow (Berlin), Ingenieurtechnisches Wissen im globalen Kontext – kein Thema innerhalb frühneuzeitlicher “Innovationskulturen”?

Jakob Vogel (Paris), Eine fremde Welt? Lateinamerika im Blick europäischer Bergbauexperten des späten 18. Jahrhunderts

Regina Dauser (Augsburg), Zwischen globalem Informationsaustausch und lokalem Wissen: Tabakanbau in der Kurpfalz

Sektion VIIb: Orient-Okzident-Diskurse in der Frühen Neuzeit: Probleme und Chancen eines transkulturellen historischen Vergleichs
Leitung: Erich Pelzer (Mannheim)

Charlotte Colding Smith (Melbourne/Mannheim), Turcica in nord- und mitteleuropäischen Bibliotheken und Kunstkammern

Hiram Kümper (Mannheim), “Ein Wucherer als ein Osman”: Okzidentale Blicke auf osmanisches Wirtschaften

Erich Pelzer (Mannheim), Das “Türkenbild” in französischen Reise- und Gesandtschaftsberichten im 16. und 17. Jahrhundert

Martin Wrede (Grenoble), Furcht, Triumph und Ungewissheit: Das Reich und die Osmanen nach 1683

Sektion VIIc: Außereuropäische Menschen, Tiere, Pflanzen und Objekte im frühneuzeitlichen Europa: Transfers, Aneignungen und Adaptionen
Leitung: Mark Häberlein (Bamberg) / Michaela Schmölz-Häberlein (Bamberg)

Michaela Schmölz-Häberlein (Bamberg), Einführung

Mark Häberlein (Bamberg), Außereuropäische Gesandtschaften im frühneuzeitlichen Europa

Alan Ross (Paris/Berlin), Affen und Menschen im Europa der Renaissance

Michaela Schmölz-Häberlein (Bamberg), Mittel- und südamerikanische Zierpflanzen in europäischen Gärten

Eva Ströber (Leeuwarden), Für Sultane, Großherzöge und deutsche Fürsten: Chinesisches Porzellan im diplomatischen Geschenkverkehr

Abendveranstaltung: Chronologics: Why China did not have a “Renaissance” and why that matters. An interdisciplinary dialogue

Nikolas Jaspert, Einführung

Thomas Maissen (Paris/Heidelberg) und Barbara Mittler (Heidelberg), Diskussion

Henry Keazor (Heidelberg), Kommentar

Sektion VIIIa: Languages of Communication: Southeast and East Asian Rulers in Treatises and Epistolary Communications (c. 1500-1750)
Leitung: Peter Borschberg (Singapur)

Antonio Vasconcelos de Saldanha (Macau), Caprices de Cérémonial: Forms of Addressing as Political Ranking in Early Modern Asian Diplomacy

Peter Borschberg (Singapur), Lost in Translation? Property, Republican Liberty and Sovereignty in the Languages of Early Modern European Diplomacy with Southeast Asia (16th and 17th Centuries)

Alexander Drost (Greifswald), Fencing the “Raja”: Bordering beyond Territoriality in Southeast Asia in the 17th Century

Manuel Lobato (Lissabon), Retrieving Diplomacy and Political Plotting in Letters from the Moluccan Rulers Kept in Portuguese and Spanish Collections (Early 16th–Early 17th Centuries)

Sektion VIIIb: Ordnung und Diversität: Umgang mit Rechtsvielfalt in europäischen und außereuropäischen Kontaktzonen der Frühen Neuzeit
Leitung: Antje Flüchter (Bielefeld) / Christina Brauner (Bielefeld)
Chair: Isabelle Deflers (Freiburg)

Antje Flüchter (Bielefeld) and Christina Brauner (Bielefeld), Einführung

Ulrike Ludwig (Dresden), Rechtstransfer und Umdeutung: Das Duell der Neu-Etikettierung alter Ordnungsmuster

Wolfgang Kaiser (Paris), Kommerzielle Gerichtsverfahren, cross-cultural Handelsbeziehungen und legal pluralism im Mittelmeerraum (15.–19. Jahrhundert)

Thomas Duve (Frankfurt am Main), Multinormativität und frühneuzeitliche Rechtsgeschichte Hispanoamerikas

Sektion IXa: Europe in the Perspective of a Global Microhistory
Leitung: Dagmar Freist (Oldenburg)

Dagmar Freist (Oldenburg), Einführung

Lucas Haasis (Oldenburg) and Annika Raapke (Oldenburg), All the World(s) in a Postbag: Reflections on a Global Microhistory

Margaret Hunt (Uppsala), The English East India Company and the 1689 Mughal Siege of Bombay: Microhistory and Macro-narratives

Francesca Trivellato (Yale, in Abwesenheit), Global Microhistories: Promises, Perils, Paradoxes

Hans Medick (Göttingen), Kommentar: Going Global? Microhistory in Extension

Sektion IXb: Europäisches Amerika – Außereuropäisches Russland? Die völkerrechtliche Anerkennung der USA und Russlands Status als europäische Großmacht im Europa des 18. Jahrhunderts
Leitung: Helga Schnabel-Schüle (Trier) / Simon Karstens (Trier)

Simon Karstens (Trier), Einführung

Michael Hochgeschwender (München), Legitimierung des Transfers von Souveränitätsrechten: Die völkerrechtliche Anerkennung der USA

Henner Kropp (Regensburg), Russland: Eine Großmacht auf drei Kontinenten und ihre Anerkennung als politischer Akteur in Europa

Helga Schnabel-Schüle (Trier), Kommentar

Abschlusskommentar von Renate Dürr (Tübingen), Hillard von Thiessen (Rostock) und Thomas Maissen (Paris/Heidelberg)

Zitation
Tagungsbericht: Globale Verflechtungen – Europa neu denken. 11. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Frühe Neuzeit, 17.09.2015 – 19.09.2015 Heidelberg, in: H-Soz-Kult, 30.01.2016, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6362>.