„Orte des Alters und der Pflege – Hospitäler, Heime und Krankenhäuser.“ Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit. Jahrestagung 2016 des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin

Ort
Bad Radkersburg
Veranstalter
Elisabeth Lobenwein / Sarah Pichlkastner / Martin Scheutz / Beatrix Vreča / Carlos Watzka / Alfred Stefan Weiß, Verein für Sozialgeschichte der Medizin; Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg; Institut für Österreichische Geschichtsforschung; Stadtgemeinde Bad Radkersburg
Datum
19.05.2016 - 21.05.2016
Von
Marina Hilber, Hall in Tirol

Der Verein für Sozialgeschichte der Medizin begab sich im Rahmen seiner Jahrestagung zum wiederholten Male auf die Spuren der „Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit“ und widmete sich im Mai 2016 den institutionalisierten Räumen des Alter(n)s und der Pflege in historischer Perspektive, ohne dabei aktuelle sozialpolitische Entwicklungen außer Acht zu lassen. Das Themenfeld wurde explizit offen gestaltet, um den intensiven Forschungen im Bereich der Hospital- und Krankenhausgeschichte sowie der Pflegegeschichte gerecht werden zu können. Zeitlich erstreckten sich die präsentierten Beiträge vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert und schlossen somit die grundlegenden Entwicklungen und Wandlungsprozesse von den multifunktionalen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Spitälern hin zu den auf medizinische Versorgung spezialisierten und sich immer stärker differenzierenden Krankenhäusern des 19. und 20. Jahrhunderts auf der einen, sowie den Altersheimen und modernen Seniorenresidenzen, auf der anderen Seite, mit ein. In insgesamt sechs chronologisch organisierten Sektionen gewährte die internationale Tagung Einblick in die aktuellen Forschungen von insgesamt 24 Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland. Eine Podiumsdiskussion zu brennenden Fragen der Gesundheitsversorgung in der Gastregion Steiermark sowie eine Exkursion zum ehemaligen Spital im benachbarten Gornja Radgona (Oberradkersburg, Slowenien) rundeten das dichte Tagungsprogramm ab.

Die zeitliche Chronologie und thematische Organisation der Panels wird im Folgenden aufgebrochen, um den im Tagungsverlauf sich herauskristallisierenden Argumentationslinien besser gerecht werden zu können. Einen Schwerpunkt stellte die Beschäftigung mit den im institutionalisierten Raum lebenden Personengruppen dar. Bereits in der ersten Sektion zu den Versorgungsinstitutionen des Mittelalters führte FRITZ DROSS (Erlangen) das Publikum anhand mehrerer beispielhafter Schicksale in die Lebenswelt der Insassinnen und Insassen der vier Nürnberger Leprosorien ein. Dross betonte, dass das Leprosorium generell keinen zwanghaften Internierungscharakter besaß, indem es den Leprösen erlaubt war im Umland und in der Stadt Nürnberg zu Betteln. Außerdem konnte der Eintritt in ein Leprosorium eine temporäre Versorgungsmöglichkeit darstellen, bis sich alternative ökonomische Versorgungsoptionen etwa in Form einer Verehelichung auftaten. Anhand eines reichhaltigen Korpus an normativen Quellen (Spitalsordnungen) erstellte MARTIN SCHEUTZ (Wien) eine Typologie administrativer Hierarchien im frühneuzeitlichen Spital und zeigte eine durch die oftmals eklatante Misswirtschaft evozierte Intensivierung von personellen Kontrollinstanzen auf. Die Hospitäler der Frühen Neuzeit waren, Scheutz zufolge, in erster Linie Wirtschaftsbetriebe, die ihre pflegerische Bedeutung hintanstellten. Das zahlenmäßig und biographisch schwer fassbare Pflegepersonal rekrutierte sich nach Bedarf vielfach aus dem Pool der Insassinnen und Insassen. Diesen Befund stützte auch SARAH PICHLKASTNER (Wien) am Beispiel des Wiener Bürgerspitals. Pichlkastner wies den Einsatz von außerordentlichem Personal, etwa zum Pflegedienst verurteilten Straftäterinnen nach und stellte eine allmähliche Verschiebung vom Wirtschafts- hin zum Pflegepersonal fest. Zudem zeigten die von ihr analysierten Besoldungslisten bereits in der Frühen Neuzeit einen gender-pay-gap. Auch die sich in der semantischen Änderung vom „Siechen-Knecht“ hin zum „Krankenwärter“ widerspiegelnde Professionalisierung wurde erst mit Verspätung auf weibliche Pflegende ausgedehnt. EDWIN HAMBERGER (Mühldorf am Inn) widmete sich dem Mühldorfer Heiliggeistspital, welches als Pfründnerhaus geführt wurde und bis 1821 weder Arme noch Kranke aufnahm. Mit ihrem Eintritt unterwarfen sich die ledigen oder verwitweten Pfründner einer strikten Hausordnung, die Arbeitsleistungen und einen sittlichen Lebenswandel voraussetzte. Die soziale Hierarchisierung im Spital manifestierte sich in unterschiedlicher Unterbringung und Kost. Hamberger thematisierte auch Krankheit im Alter, die im konkreten Fall zur Exklusion und zur Unterbringung in einer geeigneten Versorgungseinrichtung führte. Die Transferierungspraxis fand auch bei NATALIE LORENZ (Innsbruck) Erwähnung, die erste Ergebnisse ihrer Dissertation zum Innsbrucker Stadtspital präsentierte. Über die systematische Auswertung der Rechnungsbücher gelang es der Referentin eine deutliche Zunahme der Pfründe ab dem 17. Jahrhundert zu rekonstruieren. Doch zählten zu den typischen Pfründnerinnen und Pfründnern nicht nur alte, verwitwete, sondern auch geistig beeinträchtigte Personen, darunter etliche Kinder, die lebenslang im Spital verblieben. CHRISTINA VANJAs (Kassel) Vortrag widmete sich den hessischen Hohen Hospitälern, die vorrangig alte Menschen aufnahmen und diesen auch medizinische Versorgung angedeihen ließen. Auf der Basis von Supplikationen verdeutlichte Vanja die sozialen Lebensumstände der um Aufnahme ansuchenden Personen. Die Nachfrage nach einer sicheren Versorgung im Alter stieg stetig an und im 18. Jahrhundert existierten – wohl auch aufgrund des relativ hohen Lebensstandards – bereits lange Wartelisten. Auf prolongierte Wartezeiten von über fünf Jahren verwies auch ALFRED STEFAN WEISS (Salzburg) in seinem Beitrag zur lokalen Versorgungsinstitution am Tagungsort Bad Radkersburg. Ungewöhnlich nannte er in diesem Zusammenhang das Phänomen einer späten Verlegung der Lokalität aus dem Zentrum in die Peripherie der Stadt. Das Spital konzentrierte sich auf die Pflege armer alter Menschen, die offenbar auch bei Krankheit im Spital verblieben und ihren Lebensabend vorrangig mit Gebet verbrachten.

CARLOS WATZKA (Graz) analysierte die Krankenpflege in den Hospitälern der Barmherzigen Brüder als soziale Praxis und rekonstruierte ihre Verbreitung in Österreich im 17. und 18. Jahrhundert. Die Laienbruderschaft konzentrierte sich nicht auf die Pflege der Alten, sondern auf heilbare männliche Patienten, was sich in kurzen Aufenthalten und moderater Mortalitätsrate (10-20 Prozent) niederschlug. Die medizinische und pflegerische Versorgung wurde als ausgesprochen gut bezeichnet, Inventare belegen zudem beeindruckende Arzneimittel-Sortimente. Einen zeithistorischen Beitrag lieferte FELICITAS SÖHNER (Ulm) mit ihren Untersuchungen zur psychiatrischen Versorgung alter Menschen in Bayerisch-Schwaben nach der „Aktion T4“. Dieser waren zwar relativ wenige alte Menschen zum Opfer gefallen, doch nach 1941 verschlechterte sich die Versorgungssituation zusehends. Arbeitswille und Arbeitsleistung wurden auch bei älteren Versorgten zur zentralen Kategorie, die das Überleben sichern konnte. DANIELA WAGNERs (Graz) Beitrag führte in die Gegenwart und diskutierte auf der Basis von Interviews die ambivalente Stellung österreichischer Alten- und Pflegeheime zwischen medizinischer Pflege und Ansprüchen der Lebensweltorientierung. Wagner kritisierte den starken Krankenhausbezug, die Hierarchien der Pflege sowie das fehlende Engagement der Politik und plädierte für einen intensivierten pädagogischen Blick auf die Altersheime. WOLFGANG WILHELM (Wien) problematisierte den Umgang mit sexueller Orientierung im Alter und berichtete über Wünsche von älteren homosexuellen Menschen, die sich keine Ghettoisierung, sondern Akzeptanz und einen Austausch mit Gleichgesinnten wünschen würden. Wilhelm sprach sich für eine Sensibilisierung der Pflege und eine Integration von Biographiearbeit in die individuellen Pflegebeziehungen aus. Die Amerikanistin ULLA KRIEBERNEGG (Graz) näherte sich dem Altersheim über die Analyse von nordamerikanischen „care home narratives“ in zeitgenössischer Literatur und Film an. Altersheime dienten dabei als Projektionsflächen gesellschaftlicher Ängste, so die Referentin, doch gerade diesen bedrohlichen Geschichten läge ein bewusstseinsbildendes Potential zu Grunde. Die Fiktionalität der Erzählungen könne Empathie generieren und so zu Erkenntnissen und Lösungsansätzen im Umgang mit dem Alter führen.

Neben jenen Beiträgen, die sich intensiv mit den Akteuren und ihren Lebenswelten auseinandersetzten, verfolgten andere Beiträge einen stärker institutionengeschichtlich geprägten Zugang. GUSTAV SCHÄFER (Wien) versuchte über einen architekturhistorischen Zugriff der Ausgestaltung der Infirmerien und ihrer Bedeutung im Kontext medizinisch-pflegerischer Behandlung im mittelalterlichen Kloster nachzugehen. Schäfer berief sich zum einen auf die Regula Benedicti als Grundlage für die materielle Ausgestaltung des pflegerischen Raumes, zum anderen würden auch architektonische Pläne (Klosterplan St. Gallen) interessante Aufschlüsse hinsichtlich der Bedeutung und Situierung medikaler Räume im Kloster liefern. Im Panel zu den Versorgungsleistungen von Verwahr- und Krankenhauseinrichtungen der Sattelzeit legte etwa ELKE SCHLENKRICH (Frankfurt an der Oder) ihren Fokus auf die Interaktion der drei behandelten Häuser der Leipziger Armenfürsorge und deren institutionelle Entwicklung von multifunktionalen hin zu spezialisierten Versorgungseinrichtungen mit differenzierten Funktionsprofilen. Schlenkrich betonte, dass am Leipziger Beispiel der innereuropäische Ideentransfer nachvollziehbar würde, indem Spitals-Neubauten nach bewährten Vorbildern realisiert worden waren und die Implementierung eines obstetrischen Unterrichts in den 1760ern nach Straßburger Beispiel erfolgte. Schlenkrich regte an den Topos der medizinischen und pflegerischen Unterversorgung in der Frühen Neuzeit zu überdenken, da das Leipziger Beispiel diese Befunde keineswegs stützen würde. Gänzlich konträr stellte sich die Situation in den von ALEXANDRA KATHRIN STANISLAW-KEMENAH (Dresden) vorgestellten Dresdner Fürsorgeeinrichtungen des 18. und 19. Jahrhunderts dar. Diese hatten stets mit finanziellen und politischen Abhängigkeiten sowie mit Unterversorgung zu kämpfen. Um 1750 zählten Überbelegung, Ungeziefer, fehlende Reinigung und mangelhafte Krankenwartung zu den drängenden Problemen. Auch im 1797 zum Krankenhaus erhobenen Lazarett entsprach die ärztliche Versorgung aus Gründen der Unterfinanzierung keineswegs medizinischen Mindestanforderungen. Ähnliche Problemlagen stellte auch ELKE HAMMER-LUZA (Graz) in ihrem Vortrag zur medizinisch-pflegerischen Versorgung in den Grazer Straf- und Zwangsanstalten fest. Trotz hoher Morbiditätsraten ließ sich besonders im 18. Jahrhundert eine Unterversorgung der Insassinnen und Insassen feststellen. Eigene Krankenzimmer waren nicht selbstverständlich und Pläne zur Separierung der Kranken wurden vielfach von der herrschenden Raumnot konterkariert. Hammer-Luza wies auf die Ambivalenz der Quellen und Probleme mit Simulanten hin. Erst im 19. Jahrhundert konnte eine Verbesserung der Versorgungssituation beobachtet werden. Das Streben nach einer Verbesserung individueller Versorgungssituationen in einem ethnischen Kontext stand im Zentrum von NATHALIE PATRICIA SOURSOS (Wien) Beitrag, die über die Bettenstiftungen der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinden in Wien (1770–1918) referierte. Soursos stellte die Stifterpersönlichkeiten und die Motive ihres sozialen Engagements (z.B. Kinderlosigkeit, Weitergabe des Namens) vor. Die Bettenstiftungen im Wiener Allgemeinen Krankenhaus und bei den Barmherzigen Brüdern sowie in Krankenhäusern in der griechischen Heimat sollten armen Landsleuten zugute kommen, die tatsächliche Inanspruchnahme und der dadurch begünstigte Patientenkreis könne jedoch nicht umfassend rekonstruiert werden, so die Referentin. EBERHARD GABRIEL (Wien) stellte im Anschluss ein Phasenmodell der Entwicklung psychiatrischer Institutionen im 19. Jahrhundert vor. Am Beispiel Niederösterreichs wurde ausgeführt, dass es zu einer Ausdehnung der Kapazitäten und Standorte, mit einer Konzentration auf die Metropole Wien kam. Zudem zeigte sich auch im Bereich der Psychiatrie die zunehmende Medikalisierung und Professionalisierung mit einer Abkehr von reinen Verwahranstalten. Dennoch konstatierte Gabriel weiterhin Nutzungsüberschneidungen mit anderen Versorgungseinrichtungen. ANDERS MØLLER (Kopenhagen) zeigte am Beispiel Kopenhagens ebenfalls eine in Phasen ablaufende Entwicklung städtischer Altersversorgung im 20. Jahrhundert. Am Beginn stünde, so Møller, die Absonderung der Alten von anderen Empfängern öffentlicher Armenfürsorge. Daran schloss ein Prozess intensiver Bautätigkeit zur Etablierung moderner Altenheime, der bald schon in eine Phase der räumlichen Erweiterung und verstärkten Hospitalisierung überging und in der „Stadt der Alten“ mündete. Ab den 1930er-Jahren bemühte man sich zusehends um eine (räumliche) Individualisierung der Pflege.

Im Rahmen der Tagung fanden jedoch nicht nur Beiträge zu institutionalisierten Pflegeräumen Platz, einige Beiträge widmeten sich dezidiert dezentralen, ambulanten Pflegeperspektiven. JANA MADLEN SCHÜTTE (Stuttgart) problematisierte am Beispiel der 1493 durchgeführten Beinamputation an Kaiser Friedrich III. einen solchen außerinstitutionellen Versorgungsraum und verdeutlichte am adeligen Exempel die Dimensionen von Repräsentation am Krankenbett. Auf der Grundlage des Berichts des ausführenden Wundarztes Hans Seyff gelang Schütte eine multiperspektivische Rekonstruktion der historischen Ereignisse, der handlungsleitenden Motive der beteiligten Akteure sowie eine Einschätzung hinsichtlich des tatsächlichen Repräsentationsgehaltes öffentlicher Krankenlager. CAROLIN KOLLEWE (Heidelberg) präsentierte assistive Technologien, die ein Altern im eigenen Heim in Selbständigkeit und Selbstbestimmung ermöglichen könnten. Kollewe berichtete über die Erprobung erweiterter Hausnotrufsysteme, die im Spannungsfeld von sinnvoller Präventionsarbeit und digitaler Überwachung angesiedelt seien. Kollewe argumentierte, dass es aktuell nicht mehr vorrangig um VERsorgung gehe, sondern um die Ermöglichung von SELBSTsorge. JUDITH BAUER (Vallendar) berichtete ebenfalls aus einem laufenden Forschungsprojekt, dessen Ziel es ist, der katholischen Glaubensgemeinschaft der Pallottiner einen Leitfaden zur Pflege ihrer alternden Ordensangehörigen an die Hand zu geben. Dabei stehen Aspekte der dezentralen, ambulanten Pflege und die Erarbeitung von pädagogischen Beschäftigungsangeboten für alte Ordensleute im Zentrum.

Einen weiteren Schwerpunkt stellten objektbezogene Forschungen im Kontext der Pflegegeschichte dar. Neben Carolin Kollewe referierte auch ISABEL ATZL (Berlin) zum Potential materieller Quellen. Dabei standen in ihrem Vortrag konkrete Veränderungsprozesse in der Krankenpflege der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zentrum. Insbesondere die Überantwortung genuin medizinischer Tätigkeiten, respektive medizinischer Instrumentarien, an die Pflegenden (Fiebermesser, subkutane Spritzen, etc.) wurde thematisiert. MARIA KEIL (Berlin) verfolgte ebenfalls einen materiellen Zugang, indem sie den virulenten Diskurs rund um die Notwendigkeit von Bettgittern in der Altenpflege analysierte. Anhand zeitgenössischen Werbematerials illustrierte die Referentin den Siegeszug dieser wirkmächtigen Kleinigkeit im institutionalisierten Alltag alternder Menschen seit den 1950er-Jahren. Ab dem Millennium schließlich sei die Kritik an den Fixierungen jedoch unüberhörbar geworden, so Keil, die abschließend alternative Pflegestrategien wie die bodennahe Pflege skizzierte.

Die diesjährige Tagung des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin bestach nicht nur durch ihre hochkarätige und internationale Besetzung, sondern insbesondere durch die Vielfalt der Beiträge, die unterschiedlichste Facetten der Hospital- und Krankenhausforschung ausleuchteten. Sarah Pichlkastner (Wien) führte abschließend die zentralen Diskussionspunkte vor Augen und betonte vor dem Hintergrund der verwendeten Terminologie, der beforschten Räume, der handelnden Akteure und relevanten medizinisch-pflegerischen Tätigkeiten, das hohe Potential gegenwärtiger Forschungen, wies allerdings auch auf Ambivalenzen und Desiderate hin, die Thema zukünftiger Forschungsarbeiten sein könnten.

Konferenzübersicht:

Sektion 1: Institutionen und Versorgungsleistungen im Mittelalter

Gustav Schäfer (Wien), Infirmerie und medizinisch-pflegerische Behandlung im mittelalterlichen Kloster

Jana Madlen Schütte (Stuttgart), Repräsentation am Krankenbett? Der spätmittelalterliche Patient, seine Heiler und ihr Wissen

Fritz Dross (Erlangen), Leprosorien in Nürnberg als Versorgungsstätten

Sektion 2: Institutionelle Versorgungsleistung in der Frühen Neuzeit

Martin Scheutz (Wien), Das Bodenpersonal der Versorgung von Insassen in österreichischen Spitälern der Frühen Neuzeit

Sarah Pichlkastner (Wien), Vom Physikus über den Medizin-Ausspeiser bis zur Krankenwarterin. Medizinische und pflegerische Versorgung im Wiener Bürgerspital und seinen Filialen in der Frühen Neuzeit

Edwin Hamberger (Mühldorf am Inn), Alltag und Pflege im Heiliggeistspital Mühldorf von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

Sektion 3: Versorgungsleistungen von Verwahr- und Krankenhauseinrichtungen der Sattelzeit

Elke Schlenkrich (Frankfurt a. d. Oder), Erste Schritte bei der Umsetzung spezialisierter medizinisch-pflegerischer Versorgungskonzepte in geschlossenen Einrichtungen der Leipziger Armenfürsorge (17.–19. Jahrhundert)

Alexandra Kathrin Stanislaw-Kemenah (Dresden), „Wenn nur wenigstens die Einrichtung im Lazareth so wäre wie im Armenhaus …“. Dresdner Fürsorgeeinrichtungen des 18. und 19. Jahrhunderts im Spannungsfeld von Versorgung und Ökonomisierung

Sektion 3: Versorgungsleistungen von Verwahr- und Krankenhauseinrichtungen der Sattelzeit

Carlos Watzka (Graz), Krankenpflege als soziale Praxis in den Hospitälern der Barmherzigen Brüder in Österreich im 17. und 18. Jahrhundert – was wir darüber wissen, und was nicht

Elke Hammer-Luza (Graz), Medizinische Versorgung und Krankenpflege in Grazer Straf- und Zwangsanstalten (1750–1850)

Nathalie Patricia Soursos (Wien), Die Bettenstiftungen der Wiener Griechen im 18. und 19. Jahrhundert

Sektion 4: Das Alter als Herausforderung der Versorgungsleistung

Natalie Lorenz (Innsbruck), Das Spital als Altersrefugium. Alltag und Konflikte alternder Spitalsbewohner/innen im Innsbrucker Stadtspital in der Frühen Neuzeit

Christina Vanja (Kassel), Die Aufnahme alter Menschen in die hessischen Hohen Hospitäler der Frühen Neuzeit

Sektion 5: Medizinische und pflegerische Versorgung in der Moderne

Isabel Atzl (Berlin), „Der Arzt überlässt die Ausführungen solcher Einspritzungen zuweilen einem Pfleger, zu dem er besonderes Vertrauen hat.“ Die Übergabe medizinischer Tätigkeiten in pflegerische Hände in Krankenanstalten um 1900

Eberhard Gabriel (Wien), Die typologische Entwicklung psychiatrischer Einrichtungen im Erzherzogtum unter der Enns (Niederösterreich) im 19. Jahrhundert

Alfred Stefan Weiß (Salzburg), Das Spital vor Ort. Die Institution in Radkersburg als Ort des Alterns?

Sektion 6: Formen der Altersversorgung im 20./21. Jahrhundert

Felicitas Söhner (Ulm), Psychiatrische Versorgung älterer Patienten nach der „Aktion T4“ in Bayerisch-Schwaben

Anders Møller (Kopenhagen), Transforming the Old Age Home

Daniela Wagner (Graz), Alten- und Pflegeheime zwischen Ansprüchen medizinischer Pflege und Lebensweltorientierung

Sektion 6: Formen der Altersversorgung im 20./21. Jahrhundert

Maria Keil (Berlin), Die Entfesselung der Alten. Bettgitter in den Sicherheitsdispositiven der Pflege

Carolin Kollewe (Heidelberg), Alter(n) im eigenen Heim: Assistive Technologien und ihre Rolle in der gegenwärtigen Unterstützung und Pflege alter Menschen

Ulla Kriebernegg (Graz), Putting Age in Its Place: Representations of Institutional Eldercare in Contemporary North American Film and Fiction

Sarah Pichlkastner (Wien), Institutionalierte Räume der Pflege. Von „Verwahrung“ bis hin zu „Lebensweltorientierung“ – Schlussdiskussion

Zitation
Tagungsbericht: „Orte des Alters und der Pflege – Hospitäler, Heime und Krankenhäuser.“ Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit. Jahrestagung 2016 des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin, 19.05.2016 – 21.05.2016 Bad Radkersburg, in: H-Soz-Kult, 22.07.2016, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6620>.
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22.07.2016
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