„Naturgetreue Objekte?“ – Moulagen und Modelle im Spannungsfeld von Wissenschaft und Ästhetik

Ort
Hamburg
Veranstalter
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Medizinhistorisches Museum Hamburg
Datum
04.03.2016 - 05.03.2016
Von
Anna von Villiez, Hamburg

Das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hatte gemeinsam mit dem angegliederten Medizinhistorischen Museum im März zur internationalen Tagung „Naturgetreute Objekte“ eingeladen, um die Geschichte der eigenen Moulagensammlung, eine der wichtigsten in Deutschland, zu reflektieren.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erfreuten sich die Moulage in der medizinischen Wissenschaft zunehmender Beliebtheit, um Krankheitsbilder dreidimensional und lebensecht abbilden zu können. Die kolorierten Wachsgüsse wurden zum Mittel der Wahl in der medizinischen Lehre, besonders eben in der Dermatologie und Venerologie, da sie es ermöglichen, Krankheitsbilder in den verschiedenen Stadien zu dokumentieren und zu fixieren. Das noch junge Fach der Dermatologie erlebte zu jener Zeit einen Professionalisierungsschub, ausgelöst durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten. Geradezu sinnbildlich führen die Moulagen dabei den Paradigmenwechsel von der ganzheitlichen Betrachtung von Hautkrankheiten hin zur modernen Zellularpathologie vor. Die Moulage zeigt fast immer nur einzelne Körperteile, in standardisierter Form auf ein Holzbrett montiert und meist durch ein Tuch eingerahmt, sodass der Betrachter sich ohne Ablenkung auf das zu untersuchende Symptom konzentrieren kann. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Sammlungsgeschichte der Moulagen ermöglicht so den Blick in die Entstehungsphase der akademischen Dermatologie.

Mit der Venerologie als Teilgebiet gehören auch die Geschlechtskrankheiten zur Dermatologie. Moulagensammlungen sind deshalb auch im Kontext der entstehenden Sozialhygiene und der Sexualaufklärung wichtige Quellen. Waren die Moulagensammlungen meist den Wissenschaftlern vorbehalten, kamen Moulagen auch in öffentlichen, pädagogisch motivierten Ausstellung zum Einsatz. Populärwissenschaftliche Ausstellungen zogen große Besucherzahlen an. Moulagen als ein Objekttyp in der Darstellung von Körpern und Körperteilen, Anatomie, Krankheit und Sexualität lassen sich also innerhalb einer Kulturgeschichte der Medizin kontextualisieren.

Die Wachsmodelle faszinieren, weil sie nicht nur die Krankheiten abbilden, sondern auch die Patienten. Sie zeigen en Passant Gesichter und Körper und erzählen quasi beiläufig etwas zum Arzt-Patient-Verhältnis ihrer Zeit. Wachsmoulagen sind auch deshalb so interessant, weil sie am Vorabend des Siegeszuges der ersten Massenmedien wie der Fotografie, mediale Objekte darstellen. Sie stellen Werkzeuge der medizinischen Wissensvermittlung dar und sind darum auch in ihrer Entstehungs-, Anwendungs- und Rezeptionsgeschichte bedeutungsvoll.

Während die Sammlung als Lehr- und Anschauungsobjekte ihre Funktion an den meisten Orten vollständig verloren haben, hat sie die Medizingeschichte etwas seit der Jahrtausendwende als zeitgenössische Sammlungen selbst in den Blick der Forschung genommen. Dies ist sicher im Zusammenhang mit dem derzeitigen Trend zu sehen, wissenschaftliche Sammlungen allgemein stärker zu beforschen und als wissenschaftshistorische Quellen wahrzunehmen. Die Tagung ist darum im Kontext dieser Renaissance materieller Dinge zu sehen, die nun als Deutungsobjekte und Zeitzeugnisse wiederentdeckt werden.

Als epistemologische Objekte ihrer Zeit verraten medizinische Modelle viel über das Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Staat. PHILIPP OSTEN (Hamburg) sprach in seiner Begrüßung von Moulagen als „Vexierbilder“, die möglichst plastisch seien und gleichzeitig Ikonencharakter hätten. Moulagen seien „Zeichen“. HEINZ-PETER SCHMIEDEBACH (Berlin / Hamburg) stellte das rahmengebende Forschungsprojekt vor. Die Hamburger Moulagensammlung geht auf eine Schenkung des Berliner Dermatologen und Hygienikers Oskar Lassars zurück. Diesen Sammlungsteil ergänzt heute die von Paul Mulzer seit 1924 an der Universitäts-Hautklinik Eppendorf angelegte Moulagensammlung. Ziel des Projektes sei die Kontextualisierung der Moulagen als Statusobjekt der Dermatologie im Zeitraum der Professionalisierung der Dermatologie als Fachgebiet. Bildeten die Wachsmodelle einerseits Speicher medizinischen Wissens, führten sie auch gleichzeitig zu den zeitgenössischen Körperbildern. Moulagen bildeten gleichzeitig Modelle als auch Individuen ab.

Dass die Präsentation von Moulagen nicht nur in öffentlichen Ausstellungen eine wichtige Rolle spielte, zeigte THOMAS SCHNALKE (Berlin) überzeugend in seinem Vortrag zur „Topographie des Wachsbildes“. Die zeitgenössischen Raum- und Präsentationskonzepte auch innerhalb der universitären Sphäre inszenierten die Moulagen mal als Protagonisten im Hörsaal – als „faktischen Ersatz des Patienten“ –, mal als „lebendige Lehrbücher“ in Vitrinen. Die Untersuchung der unterschiedlichen Inszenierungen machte deutlich, dass die große Zeit der Moulagensammlungen in eine intensive „Findungsphase“ der Dermatologie als Wissenschaft fiel und sich so in den Präsentationen das jeweilige Selbstbild der Profession spiegelte.

In drei Sektionen (Moulagen und Modell in der Medizin, Moulagen und Ästhetik und die Moulagen in der Öffentlichkeit) umkreisten anschließend MedizinhistorikerInnen, ÄrztInnen und AnthropologInnen aus England, Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz und den USA das Kernthema.

Moulagen und Wissenschaftsgeschichte

SAM ALBERTI (London) und ELIZABETH HALLAM (Oxford) setzten anatomische Gipsabdrücke und anatomische Modelle in den Kontext medizinischer Objekte als epistemische Objekte. Sie stellten eine Sammlung von Totenmasken und Schädelabdrücken aus dem Royal College of Surgeons vor. Dabei bezogen sie in ihre Betrachtung auch spätere bzw. zeitgenössische Silikonplastiken von David Tompsett, einem Pionier in endokranialen Plastiken, ein. Sie stellten die Objekte in Beziehung zu Begriffspaaren wie „Oberfläche und Tiefe“, „innen und außen“, Künstlichkeit und Naturgetreue“, „lebensecht oder totengleich“ bzw. „die Lebenden und die Toten“. Schließlich stellten Alberti und Hallam einen Wandel hin zu einer immer lebensechteren („lifelike“) Darstellung in medizinischen Modellen fest.

VICTORIA ASSCHENFELDT (Hamburg) stellte vor, wie sie anhand von Methoden der materiellen Kulturforschung Wesen, Funktionen und Bedeutungen der Moulagen(sammlungen) in ihren unterschiedlichen Kontexten untersucht. Sie konstatierte unter anderem, dass die einzelne Moulage weniger „naturgetreues Abbild“ als analoges Modell für den Patienten in Lehre und Forschung angesehen werden kann und in der Sammlung zum Modell eines Krankheitsbildes wird. Den Hauptgrund für ihren Bedeutungsverlust zugunsten der modernen Farbfotografie als Medium nach dem Zweiten Weltkrieg sieht Asschenfeldt nicht in abbildungstechnischen, sondern vor allem ökonomischen Gründen.

HENRIK EßLER (Hamburg) sprach zur Moulagenbildnerei als Beruf und zeigte auf, dass Moulageure wie Theodor Niehues und August Leonhardt gefragte Spezialisten waren, deren Rolle in der „Konstruktion einer Krankheit“ anhand von modellhaften Darstellungen nicht unterschätzt werden sollte. Gleichzeitig stellte Eßler fest, dass die Position der zeitweise als „Künstler“ wahrgenommenen Moulageure in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend schwächer wurde, während Tendenzen erkennbar wurden, ihre Tätigkeit als medizinisch-technischen Hilfsberuf zu etablieren.

Der „Project Slam“ mit Kurzvorträgen machte deutlich, wie unterschiedlich neue Konzepte zur Wahrung, Nutzung und Präsentation der historischen Moulagensammlungen sein können. Sei es durch einen kunsthistorischen Zugriff bei einer Ausstellung von Moulagen in einer Kunstausstellung in Ingolstadt oder die Wiedereinführung in die medizinische Lehre in Wien – Moulagensammlung erfahren an vielen europäischen Standorten eine Wiederentdeckung und Neunutzung.

Moulagen und Ästhetik

MECHTHILD FEND (London) präsentierte Ergebnisse zu einer Untersuchung von Fotografien von Moulagen, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts für dermatologische Lehrbücher angefertigt wurden. Moulagen fungierten als Patientenersatz sogar in der Fachliteratur. In diesem gedoppelten Abbildungsverfahren stehen die Moulagen selber Modell für eine Erkrankung und werden laut Fend zum „lebenden Krankheitsbild“.

LISELOTTE HERMES DA FONSECA (Lüneburg / Hamburg) schlug den Bogen von den berühmten anatomischen Wachsmodellen der Specola in Florenz aus dem 18. Jahrhundert zu späteren medizinischen Wachsabdrücken. Sie nahm eine Einordnung der Wachsmoulagen in eine Kulturgeschichte der Anatomie vor. Während die frühen anatomischen Modelle noch einer religiös aufgeladenen Ästhetik folgten und in ihrer Zeit einen Tabubruch darstellten, da sie das Innere des Körpers öffentlich zeigten, verstanden die Dermatologen des späten 19. Jahrhunderts ihre Moulagen als Objekte der Wissenschaft. Emotionalität sollte keine Rolle spielen. Interessant für eine kunstgeschichtliche Betrachtung dieser Objekte waren ihre Ausführung zu Wachs als Werkstoff und seine zeitgenössische Bewertung. So wurden Wachsmodelle als „zu real“ in der Kunst eher verpönt.

Moulagen und Öffentlichkeit

Die dritte und letzte Sektion beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Moulagen und Öffentlichkeit. Waren die meisten Moulagensammlungen für die medizinische Wissenschaft zugänglich, stehen Moulagen doch im weiteren Sinne im Kontext anatomischer Ausstellungen. ANGELIKA FRIEDERICI (Berlin) präsentierte Ergebnisse ihres Forschungsprojektes zu “Castan’s Panopticum“ in Berlin. Friedrici zeigte die Verbindung wichtiger kommerzieller Betriebe, die sich auf die Herstellung anatomischer Produkte spezialisiert hatten, sowohl in die akademische Anthropologie und Wissenschaft wie auch zu den populärwissenschaftlichen Panoptiken und „Allesschauen“. Sichtbar wurde auch die Verbindung zu kolonial geprägten Netzwerken um Hagenbeck, Umlauff etc., in denen sich ein reger Handel mit epistemisch aufgeladenen Objekten wie Ethnologica, Anthropologica und eben auch Gipsmasken entwickelte.

PETER McISAACs (Michigan) Beitrag untersuchte die Kontextualisierung von Moulagen in öffentlichen Präsentationen. So konnten dieselben Objekte je nach Ausstellungskonzeption vom Publikum als wissenschaftlich-aufklärend oder stark obszön wahrgenommen werden. Moulagen, die ja oft Geschlechtskrankheiten dokumentierten, spielten eine große Rolle in der Sexualaufklärung der Zeit. Hier wurden oft noch tabuisierte Themen wie Geschlechtlichkeit, Erotik und Sexualität öffentlich gemacht. Ausführliche Regelkataloge zum Ausstellungsbesuch spiegeln die gesellschaftliche Skepsis sowie gleichzeitig die Faszination wider. So war in späteren Beispielen ein Besuch nur nach den Geschlechtern getrennt erlaubt, was McIsaac als zusätzliche erotische Aufladung der Objekte interpretiert. Die reißerischen, erotisierenden Ausstellungen der Panoptiken wurden später abgelöst durch Ausstellungen im Kontext der aufblühenden „Sozialhygiene“, die sich einen bewusst nüchternen, wissenschaftlichen Anstrich geben wollten.

JULIA RADTKE (Dresden) stellte die singuläre Sammlung von Moulagen zu Kriegs- und Strahlenverletzungen vor, die im Dresdener Hygienemuseum 1960/61 entstand. Diese Moulagensammlung stellt eine Besonderheit durch ihre späte Entstehung nach 1945 dar und durch die inhaltliche Ausrichtung, die offensichtlich durch den Kalten Krieg geprägt war. Sie zeigen Nachbildungen (nicht Abdrücke) von Strahlenopfern und Föten mit Fehlbildungen, wie sie durrch den Einsatz von Atomwaffen entstehen können. Die Moulagen sollten als Lehrmaterial in Luftschutz- und Zivilverteidigungsorganisationen dienen und gerieten so zu wichtigen Objekten einer von der sowjetischen Wehrdoktorin geprägten Pädagogik.

Diskussion und Fazit

Die Tagung machte deutlich, welches Potential Moulagen sowie historisch-medizinische Sammlungen insgesamt bieten. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Zugänge zu derartigen Sammlungen (wissenschaftshistorisch, ästhetisch-kunsthistorisch, kulturgeschichtlich), wie sie in der Gliederung der Tagung bereits abgebildet waren, wurden in den durchweg fundierten Vorträgen mit Inhalten gefüllt.

Ein abschließender Tagungsteil lotete die Nutzung von Moulagen aus Wachs oder Silikon heute in Wissenschaft und Lehre aus. So stellt NAVENA WIDULIN (Berlin) mit modernen Hilfsmitteln wie Silikon neue Wachsmoulagen her. Der Herstellungsprozess bindet die PatientInnen teilweise aktiv ein, was ein Novum gegenüber der traditionellen Produktion darstellt. MICHAEL GEIGES (Zürich), befürwortete den Einsatz historischer Moulagen in der Lehre am Beispiel des Moulagenmuseums in Zürich, aber auch die Herstellung neuer Objekte in Kooperation mit der Dermatologischen Universitätsklinik Pretoria (Südafrika).

Die Abschlussdiskussion war von sammlungspädagogischen Aspekten dominiert. CORNELIA WEBER (Berlin) regte die Schaffung einer internationalen Plattform für Moulagen an. Einen Grundstock hat hier bereits die Charité mit der Webseite http://www.moulagen.de gelegt, auf dem sich inzwischen Sammlungen aus zehn Ländern präsentieren. In der Sammlungspraxis stellt sich die Frage nach der weiteren didaktischen Nutzung der Objekte versus fachgerechte Konservierung. Hierzu wurden unterschiedliche Standpunkt diskutiert.

Etwas zu kurz kamen Fragen zur wissenschaftspolitischen Dimension sowie zu Genderthemen. Der Nationalsozialismus als Zäsur, der ja die jüdischen Dermatologen der Verfolgung aussetzte, war selten Thema. Dabei fand gerade in der Dermatologie als einem Fachgebiet mit einem extrem hohen jüdischen Anteil die antisemitische Politik und Verfolgung nach 1933 einen heftigen Niederschlag. Auch Oskar Lassar, der mit seiner Schenkung den Grundstock für die Hamburger Sammlung gelegt hat, war Jude. Er verstarb 1906 und war so nicht mehr von Verfolgung betroffen. Sein Schaffen, das ja durch starkes sozialhygienisches und gesellschaftspolitisches Engagement geprägt war, fiel in eine Phase, in der sich jüdische Ärzte verstärkt gerade dort einbrachten, wo Medizin in die Gesellschaft strahlte, um ihre Rolle als Teil der bürgerlichen, säkularen Gesellschaft zu festigen.[1] Man könnte seine Schenkung von 1800 Moulagen an seine Geburtsstadt in diesem Kontext deuten. Paul Mulzer dagegen, der in Hamburg die Sammlung von Lassar ausbaute, ist eine zentrale Figur in der Nazifizierung des medizinischen Lehrkörpers in Hamburg gewesen.[2]

Nicht nur durch die Beschäftigung mit Geschlechtskrankheiten rührt die Dermatologie auch an Themen wie Prostitution, Sexualaufklärung, Fortpflanzungsdiskurse und Rollenbilder. Hier wäre eine stärker genderhistorische Betrachtung der Professionalisierung medizinischer Eliten denkbar gewesen. Dass etwa wie Henrik Eßler aufzeigte, Frauen in die Produktion von Moulagen erst zunehmend eingebunden wurden, als die Tätigkeit eine Abwertung zum medizinisch-technischen Hilfsberuf erfahren hatte, führte nicht zu einer breiteren Diskussion von genderspezifischen Themen. Kaum diskutiert wurden zudem genderhistorische Aspekte die Schaulust und damit verknüpft Themen wie Nacktheit und Sexualität betreffend. Will die Moulage in ihrer Ausschnitthaftigkeit gerade das Symptom abstrahieren und den (in dieser Zeit weit mehrheitlich männlichen) Blick weg lenken von der Körperlichkeit des Patienten, so fällt doch die dazu paradoxe Überzahl an weiblichen Moulagen auf. Hier stoßen das zeitgenössische Ringen um „Wissenschaftlichkeit“ und „Objektivität“ mit chauvinistischen Strukturen in der Medizin und eine nicht thematisierte Emotionalität in der akademischen Medizin aufeinander.

Insgesamt gelang es den Organisationen jedoch die wichtigen AkteurInnen der laufenden Forschungsprojekte zu Moulagensammlungen zu versammeln und die Relevanz der Beforschung dieser besonderen Sammlungsgattung sehr überzeugend zu demonstrieren.

Konferenzübersicht:

Sektion: Einführung

Heinz-Peter Schmiedebach (Hamburg / Berlin): „Naturgetreue Objekte“: medizin-, kultur- und wissenschaftshistorische Dimensionen eines Forschungsprojektes
Thomas Schnalke (Berlin): Moulagen im Raum. Annäherungen an eine Topographie des medizinischen Wachsbildes

Sektion: Epistemische Objekte: Moulagen und Modelle in der Medizin

Sam Alberti / Elizabeth Hallam (London): Plaster and plastics: anatomical casting as 3D modelling, 1890–2015
Victoria Asschenfeldt (Hamburg): Die Sammlung als Modell. Zur Epistemologie der Moulage in der medizinischen Praxis
Henrik Eßler (Hamburg): Konstrukteure der Krankheit: Moulagenbildnerei als Beruf?

Sektion: „Project Slam“

Marion Ruisinger (Ingolstadt): Adolf Fleischmann – Ein Ausstellungsprojekt zwischen Kunst und Medizin
Roxane Fuschetto (Lausanne): A minor spot? Investigating the dermatological moulages collections in Lausanne
Martina Simkin / Peter Moos (Tübingen): Die Moulagen des DIFÄM und das Projekt MAM|MUT der Universität Tübingen
Eduard Winter (Wien): Moulagen als Unterrichtsmittel einst und heute in Wien

Sektion: Artefakt und Ästhetik

Mechthild Fend (London): Doppelt getreue Reproduktionen –Photographien von Wachsmoulagen
Lieselotte Hermes de Fonseca (Lüneburg): Politische, religiöse und ästhetische Eindrücke – Von anatomischen Wachsmodellen
Alexa Seewald (Hamburg). Zur Raumgestaltung und Inszenierung der Moulagen im Medizinhistorischen Museum Hamburg

Sektion: Vor aller Augen? Moulagen in der Öffentlichkeit

Angelika Friederici (Berlin): Moulagen aus Gips, kolorierte Lebendmasken und anatomische Wachsporträts: Serielle Produktionen aus dem Atelier von Castan´s Berliner Panopticum, 1869 bis 1922
Peter McIsaac (Michigan): Besucherumgebung und medialer Kontext als performative Faktoren bei der Wahrnehmung von anatomischen Zurschaustellungen zwischen 1890 bis 1930
Julia Radtke (Dresden): Moulagen zu chemischen Kampfstoff en und ionisierender Strahlung am Deutschen Hygiene-Museum Dresden

Statements und Abschlussdiskussion: Zum aktuellen Nutzen der Moulage

Michael Geiges (Zürich) zur Herstellung neuer Moulagen für die Lehre
Navena Widulin (Berlin) zur Anfertigung neuer Moulagen für das Museum
Cornelia Weber (Berlin) zum vernetzten Arbeiten bei der Erschließung von Moulagen
Sabina Carraro / Katja Friese / Brian von Gunten (Zürich / Bern) zu Technik und Nutzen der 3D Reproduktion von Moulagen

Anmerkungen:
[1] Vgl. zur Rolle jüdischer Ärzte in der medizinischen Professionalisierung im 19. Jhd. Eberhard Wolff, Medizin und Ärzte im deutschen Judentum der Reformära: Die Architektur einer modernen jüdischen Identität, Göttingen 2014.
[2] Zur Biografie von Paul Mulzer vgl: Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main 2007, S. 425 und Hendrik van den Bussche / Angela Bottin, Die Hamburger Universitätsmedizin im Nationalsozialismus: Forschung, Lehre, Krankenversorgung. Berlin 2014, S. 43-45, 68. 78. 108, 350-352.

Zitation
Tagungsbericht: „Naturgetreue Objekte?“ – Moulagen und Modelle im Spannungsfeld von Wissenschaft und Ästhetik, 04.03.2016 – 05.03.2016 Hamburg, in: H-Soz-Kult, 18.10.2016, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6730>.
Redaktion
Veröffentlicht am
18.10.2016
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