New Approaches to Mission History

Ort
Fribourg
Veranstalter
Karolin Wetjen, Georg August Universität Göttingen; Linda Ratschiller, Universität Fribourg
Datum
17.06.2016 - 18.06.2016
Von
Simone Bleuer, Departement für Historische Wissenschaften, Zeitgeschichte, Universität Fribourg (Schweiz)

Missionen avancierten in den letzten Jahren zu einem gefragten Forschungsfeld an der Schnittstelle von Geschichte, Afrikanistik, Theologie und Anthropologie. Die transnational stark vernetzten Akteure werden in der aktuellen Forschung als integraler Bestandteil von Globalisierungs- und Kulturtransferprozessen, von Imperialismus, Kolonialismus und Dekolonisation sowie von Identitäts- und Alteritätskonstruktionen untersucht. Der von KAROLIN WETJEN (Göttingen) und LINDA RATSCHILLER (Fribourg) organisierte Workshop „New Approaches to Mission History“, welcher im Juni 2016 in Fribourg stattfand, ging den Chancen und Grenzen neuer inhaltlicher, methodischer wie theoretischer Zugänge nach: Wie begegnet die Missionsforschung aktuellen geistes- und kulturwissenschaftlichen Debatten, auf welche Art kann mit der Komplexität der Quellenbestände und den diversen Verflechtungen von Missionen produktiv umgegangen werden, und wie vermögen Forschende die Akteurschaft der Missionierten zu erfassen? Diese Fragen stellten die beiden Veranstalterinnen ins Zentrum des interdisziplinären und internationalen Austauschs.

Zeitlich erstreckten sich die Beiträge vom Beginn des 18. bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und vermochten es demnach, grundlegende Entwicklungen europäischer wie nordamerikanischer Missionen in Afrika, Asien und Südamerika offenzulegen. Der Facettenreichtum des Gegenstandes spiegelte sich allerdings nicht nur im breiten räumlichen wie zeitlichen Spektrum, sondern ebenso in der disziplinären Bandbreite der Referierenden, deren Quellen, Fragestellungen, Methoden und untersuchten Konfessionen, sodass die forschungspraktischen Themen der Tagung multiperspektivisch ausgeleuchtet werden konnten. Während ein erster Teil dieses Berichts auf die anregenden Präsentationen der Doktorierenden und Post-Docs eingeht, werden in einem zweiten Teil die Ergebnisse der lebendigen Diskussionen sowie der wertvollen Impulse ausgewiesener Expertinnen und Experten zusammengetragen.

Organisiert waren die zwei Tage in fünf Panels, wobei das erste die vielschichtigen Entanglements der Missionen in den Blick nahm. Als Auftakt erläuterte MATTHÄUS FEIGK (Basel) die Komplexität eines solch transnationalen Netzwerks am Beispiel der Basler Mission von 1910 bis 1925. Zwischen den diametral verlaufenden Stimmungen eines internationalen Missionsoptimismus und der Katastrophe des Ersten Weltkrieges sei der Basler Mission in der neutralen Schweiz eine besondere Rolle zugekommen. Feigk zeigte einerseits, wie Loyalitäten im Spannungsverhältnis von nationalen und konfessionellen Zugehörigkeiten ausgehandelt wurden, andererseits, welch zentrale Rolle den Basler Missionaren beim Wiederaufbau eines christlichen Internationalismus in der unmittelbaren Nachkriegszeit zukam.

Auch CHRISTINE EGGER (Passau) rekonstruierte in ihrem Beitrag zur Benediktinermission von St. Ottilien in Tanganjika transnationale Räume zwischen 1922 und 1965. Sie machte nicht nur den Spatial Turn für die Missionsgeschichtsschreibung fruchtbar, sondern verband ebenso historische, kultur- und sozialwissenschaftliche Methoden mit biografischen Ansätzen, um Handlungsspielräume der Missionare herauszuarbeiten. Egger konnte aufzeigen, dass Missionsgebiete als neue Sozialstrukturen zur kollektiven Identitätskonstruktion beitrugen, wobei der Spielraum für spezifische Biografien offen blieb. Die Missionare hätten indes geografische, soziale sowie wirtschaftliche Räume zueinander in Beziehung gesetzt und dadurch neue, transnationale generiert.

Als Einstieg ins zweite, kulturhistorische Panel fokussierte SIMONE LAQUA-O’DONNELL (Birmingham) die vielfältige Bedeutung von Kindern für deutsche und englische Missionen. Sie erörterte, wie den Kindern der Missionare eine spezifische Form der Sozialisierung gemeinsam war, die Kinder der sogenannten Heiden die wichtigste Adressatengruppe repräsentierten und diejenigen in der Heimat zentrale Akteure im Sammeln von Spenden waren. Laqua-O’Donnell fragte nach den nicht-europäischen Auffassungen von Kindheit und deren Konfrontationen mit den christlichen Äquivalenten, wobei die intergenerationelle Dynamik von sozial konstruierten Kindheitsauffassungen berücksichtigt werden müsse.

Wie Missionare beim Export ihrer christlichen Ordnungen immer wieder auf Widerstand in den einheimischen Strukturen stiessen, legte DOROTHEE REMPFER (Hagen) am Beispiel der Transformation von Genderkonstruktionen durch die (Aus-)Bildungsangebote der Rheinischen Missionsgesellschaft in Südwestafrika und Sumatra dar. Über den methodischen Zugang des Vergleichs veranschaulichte die Referentin, wie die von äußeren Faktoren abhängige Etablierung christlicher Weiblichkeits- wie Männlichkeitsmodelle keine reine Erfolgsgeschichte darstellte: Teilweise hätten die Bemühungen der Missionare im Gegenteil zur Verfestigung bestehender Rollenbilder und Verhaltensmuster geführt.

Ein Plädoyer für eine kulturtheoretische Grundlegung der Missionsgeschichte von PHILIPP SEITZ (Leipzig) bildete den Abschluss des zweiten Panels. Aus kulturphilosophischer Perspektive ging er der für die Missionsgeschichte problematischen Frage nach, welcher Kulturbegriff sich forschungspraktisch operationalisieren lässt, ohne dass einerseits die Vielfältigkeit des Kulturellen unterschlagen wird, andererseits Aspekte von Kulturalität nicht essentialisiert werden. Basierend auf einem Verständnis von Missionen als Transkulturationsprozesse, stellt sich nach Seitz vielmehr die Frage nach den Übersetzungsprozessen als nach dem Übersetzten selbst. Fokussiert werde so der Kontakt und die Konkurrenz kultureller Ausdrucksformen, deren Verhandlung, Übersetzung und Aneignung in Diskursen.

Auf diese Vermittlungs- und Übersetzungsprozesse wurde im dritten Panel anhand der Analyse visueller Medien eingegangen. Über die Rolle der Missionare für die geografische Erschliessung der Welt und für die Verlagsproduktion referierte RENÉ SMOLARSKI (Erfurt) anhand kartografischer Produkte der Gothaer Verlagsanstalt Justus Perthes. Dabei stellte er Fragen nach dem Wissenschaftlichkeitsanspruch von Missionaren, ihren Bildungswegen, ihren Funktionen als Laien in einer wissenschaftlichen Arena sowie dem Spannungsverhältnis zwischen Missionsauftrag und Wissenschaft ins Zentrum. Smolarski erläuterte zudem das für ihn relevante Verständnis von Karten im Sinne einer Critical Cartography, in welchem diese nicht als authentische Abbilder der Wirklichkeit, sondern wie jede Form von Wissen als konstruiert und damit historisch wie kulturell bestimmt begriffen werden.

Dieselbe Prämisse liegt dem methodischen Umgang mit Fotografien zu Grunde, wie die Forschungsarbeit von MICHAELA UNTERHOLZNER (Leipzig) zeigte. Sie konzentrierte sich bei der Analyse der Fotografien der Herrnhuter Mission in Ostafrika (1891–1900) auf deren Entstehungszusammenhänge. Um diese herzuleiten, untersuchte Unterholzner die gesendeten Bilder unter Rückbezug auf deren schriftlichen Kontext innerhalb der Korrespondenzen und konnte so Beispiele dafür liefern, wie einerseits Praxen des Fotografierens, andererseits Handlungsspielräume der Abgebildeten strukturiert waren.

BARBARA SCHUMACHER (Fribourg) schloss das Panel mit filmisch vermitteltem Wissen ab. Ihre Analyse der Filme der Bethlehem Mission Immensee aus den 1950er- und 1960er-Jahren führte in die Wirkungsmächtigkeit audiovisueller Medien als Erziehungsmittel, Spendengeneratoren und Auslöser für missionarisches Engagement ein. Schumacher konnte veranschaulichen, wie sich die ästhetischen und narrativen Strategien der Fremd- und Selbstinszenierung vor dem Hintergrund der Konkurrenz zu der sich etablierenden nicht-konfessionellen Entwicklungshilfe verschoben haben.

Den Interferenzen von missionarischen und kolonialen Akteuren widmete sich das vierte Panel. JENNA GIBBS (Stanford / Miami) untersuchte diesen Zusammenhang anhand einer Familien- und Generationengeschichte der transnational vernetzten Missionars-Familie Latrobe. Sie zeigte, dass Missionare oft in konfliktreiche Spannungen mit ihren persönlichen Wert- und Weltvorstellungen gerieten. Die finanziellen und strukturellen Abhängigkeiten von kolonialen Organisationen führten nach Gibbs unter anderem dazu, dass Missionare trotz ihres aufgeklärten Geistes dem Sklavenhandel lange unkritisch gegenübergestanden hätten.

Diesen Überlappungen von Missions- und Kolonialgeschichte ging ebenso JAKOB ZOLLMANN (Berlin) in seinem Projekt über missionarische Aushandlungen zwischen 1880 und 1919 an der portugiesisch-deutschen Grenze im südlichen Afrika nach. Er betonte, dass es sich bei Missionsgeschichte über weite Phasen um eine Geschichte der Migration und Integration in eine Gesellschaft, um Inklusion wie Exklusion und somit um oft konfliktreiche Aushandlungen zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen gehandelt habe. Nach Zollmann kann afrikanische Missionsgeschichte demnach als Geschichte des Wettkampfs um Seelen und Territorien verstanden werden; Kolonial- und Missionsgeschichte seien folglich nicht auseinanderdividierbar.

Die Beobachtung, dass das Apartheid-Thema zwischen 1948 und 1960 entgegen dem Mainstream keinen Eingang in die Publikationen der schwedischen Missionsgesellschaften fand, veranlasste HANS NICKLASSON (Uppsala) zum Schluss des Panels dazu, Überlegungen zum Konzept Silence anzustellen. Stille fasste er dabei als positiven Inhalt auf, der als Antonym zur Kategorie des Sagbaren begriffen werden könne. Die Frage nach Begründungen für „Schweigen“ führt laut Nicklasson zu Erkenntnissen über die spannungsreichen Konfrontationen zwischen missionarischen und nicht-missionarischen Weltanschauungen in der Heimat und im Missionsgebiet.

Im Zentrum des fünften und letzten Panels stand der Material Turn in der Missionsgeschichtsschreibung. Zur ethnologischen Sammelpraxis in den Missionen referierte REGINA SARREITER (Berlin), indem sie sich mit dem Verhältnis von Missionsarbeit und ethnologischer Forschung sowie dem Nachleben von Sammlungen auseinandersetzte. Sie präsentierte das Konzept von Sammlungen als web of relationships sowie den Ansatz, Biografien von Objekten zu rekonstruieren. Sarreiter stellte dabei Fragen nach der Funktion von denselben für die Wahrnehmung anderer Gesellschaften, nach dem Einfluss von Missionarinnen und Missionaren auf die ethnologische Wissensproduktion sowie nach der sich verändernden Rolle von Objekten in verschiedenen Kontexten.

REBECCA LODER-NEUHOLD (Uppsala) ging anschließend auf die Räumlichkeiten ein, in welchen diese Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Sie legte dar, wie missionsethnografische Museen in Deutschland, Österreich und der Schweiz als spezifische Orte fungierten, in denen die Bevölkerung die Missionstätigkeiten mitverfolgen und ihre Neugierde an fremden Kulturen befriedigen konnten. Dabei seien auch hier die einzelnen Museen als Akteure in einem komplexen Netzwerk zu verstehen.

Anhand der völkerkundlichen Wanderausstellung der Rheinischen Mission von 1913/1914 präsentierte ANNIKA DÖRNER (Göttingen) zum Abschluss die Ausgestaltung, ästhetische Wirkung und mediale Rezeption der Zurschaustellung von Objekten aus den Missionsgebieten als regelrechte Massenereignisse. Die Inszenierungen hätten von einem permanenten Spannungsverhältnis auf funktionaler Ebene gezeugt: Im Gegensatz zu den rein völkerkundlichen Ausstellungen, welche in erster Linie kulturelle Alterität konstruierten, mussten die missionarischen Veranstaltungen zusätzlich zum exotisierenden Moment Wert auf die Stiftung von Identifikation und Empathie legen.

Die lebhaften, konstruktiven und teilweise kontrovers geführten Diskussionen wurden schließlich durch den öffentlichen Keynote-Vortrag der Afrikawissenschaftlerin KIRSTEN RÜTHER (Wien) „Boomende Missionsgeschichte: Gibt’s denn da was Neues?“ angereichert, in welchem sie für eine Öffnung des Forschungsfeldes plädierte. Dies bedeute auch, den Begriff der Mission als religiöse Konversion durch ein Verständnis von Mission als religiöse Transformation zu ersetzen. Die Herausforderung und die Qualität der Missionsforschung situierte Rüther darin, verschiedene Geschichten zusammen zu schreiben. Zudem liege der Untersuchung von religiösen Transformationen das Potenzial der historischen Breite wie Tiefe zu Grunde. Die Perspektive der longue durée eröffne demnach eine Palette von Möglichkeiten, neue und bekannte Gegenstände in innovativen wie althergebrachten Weisen zu beleuchten, Verbindungen zwischen Lokalem und Globalem, von Nationalem und Transnationalem zu eruieren, religiösen Transformationen in Aushandlungen mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nachzugehen oder Kontinuitäten und Brüche von Religion als zentrale Alltagserfahrung in Migrations- und Aneignungsprozessen aufzudecken.

Auf der Tagung gelang es, neue Zugänge zur Missionsgeschichte vielschichtig herauszuarbeiten und zu diskutieren, so dass für die aktuelle wissenschaftliche Beschäftigung wegweisende Impulse hervorgingen. Der forschungspraktische Umgang mit diversen Fragestellungen, Methoden, Theorien und Quellen wurde facettenreich und differenziert beleuchtet, wobei einige Bereiche wiederholt herausstachen. So zeigten die Projekte der Teilnehmenden, dass die Beschäftigung mit bisher kaum beachteten Quellen wie Fotografien, Filmen, Karten, Objekten, Sammlungen, Ausstellungen und Museen viele neue Zugänge zur Missionsgeschichte eröffnet.

Die Globalhistorikerin JULIA HAUSER (Kassel) plädierte in diesem Kontext dafür, vermehrt ikonografische und kunsthistorische Ansätze zu integrieren. Werden weiter über Missionen transferierte Quellen mit kolonialen, wissenschaftlichen oder solchen aus der Entwicklungshilfe kontrastiert und transnationale Kontinuitäten und Brüche herausgearbeitet, könnten die jeweils missionarischen, nationalen, konfessionellen oder akteurtypischen Spezifika offengelegt werden. Der Historiker SIEGFRIED WEICHLEIN (Fribourg) wies zudem darauf hin, wie die Aufarbeitung von Allianzen säkularer und religiöser Akteure Horizonte von Fragen eröffnet, wodurch insbesondere Erkenntnisse über das Politische im Religiösen und über das Religiöse im Politischen gewonnen werden könnten.

Soll eine das Außereuropäische objektivierende Reproduktion eurozentrischer Geschichtsschreibung umgangen werden, müsse auch der Stimme der Missionierten Rechnung getragen werden. Diesbezüglich stach die Reflexion über Silence als fruchtbarer Zugang heraus, um das Verhältnis von Stimmlosigkeit zu Macht, von Stille zum Sagbaren und vom Unsichtbaren zum Gezeigten herauszuarbeiten und zu interpretieren. Der komparative Religionsforscher HELMUT ZANDER (Fribourg) mahnte in diesem Kontext speziell im Umgang mit klassischen gesellschaftlichen Strukturen in den Missionsgebieten zur Vorsicht, da sich auch diese rein durch die Brille des Missionspersonals erfassen lassen. Weiter betonte der Kirchenhistoriker MARIANO DELGADO (Fribourg), dass die bedienten theoretischen und methodischen Zugänge stets danach befragt werden müssen, ob sie die Quellen nicht in ein Korsett zwängen und so das Heute zu sehr in das Vergangene legen würden.

Zur Debatte standen ebenfalls Netzwerk-Ansätze. Die Historikerin REBEKKA HABERMAS (Göttingen) hielt fest, dass Netzwerktheorien ein probates Hilfsmittel zur Bewahrung des Überblicks seien. Ein rein positivistisches Aufzählen von Netzwerken vermöge Faktoren wie zum Beispiel Macht jedoch nicht zu erfassen, weshalb Netzwerktheorien methodischer Ergänzung bedürften. Bezüglich der komplexen Entanglements gewann an der Tagung zudem die räumliche Wende an Profil, also ein Verständnis eines aus Handlung und Kommunikation hergestellten Raumes.

Es kristallisierte sich ferner verschiedentlich heraus, dass angesichts eines Missionsverständnisses jenseits von „Mission als Konversion“ Missionsforschung auch jenseits der Missionsarchive praktiziert werden müsse. Allianzen, Interdependenzen und Konkurrenzsituationen zwischen verschiedenen Interessensgruppen können dadurch offengelegt und Wechselwirkungen wie Spannungen zwischen Entwicklungen in der Heimat und jenen in den Missionsgebieten aufgearbeitet werden. Besonders in Bezug auf die Forschungspraxis bedeute transnationale Geschichtsschreibung folglich auch transnationale Forschungszusammenarbeit.

Missionsgeschichte als Verflechtung von verschiedenen Geschichten schreibe sich auch in die allgemeine Geschichte ein. Siegfried Weichlein stellte daher zum Schluss einerseits die Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal der Missionsgeschichte, andererseits danach, was bei allem „institutionellen Innovationszwang“ nebst dem kreativ Zerstörten nicht voreilig über Bord geworfen werden dürfe und könne. Beide Fragen mündeten in der kontrovers beurteilten Bedeutung des Religiösen. Die Expertinnen und Experten waren sich einig, dass Mission und Religion nicht auseinanderdividiert werden können. Vielmehr lasse sich gerade am Gegenstand der Mission untersuchen, wie Globalisierung, Modernisierung, Säkularisierung und Religion ausgehandelt wurden.

„Das Neue“ an der Missionsgeschichte ist nicht zuletzt der an dieser Tagung entstandene Eindruck, dass die verschiedensten Forschungsrichtungen offen für das interdisziplinäre Gespräch sind, damit all jene Perspektiven zusammengebracht werden können, die der Gegenstand erfordert. Insofern vermochte der fruchtbare Austausch auf dem Workshop eine intensivere und komplexere Beschäftigung mit Missionen anzuregen, zu der auch die Veröffentlichung der Ergebnisse in einem Sammelband beim Böhlau Verlag 2017 beitragen wird.

Konferenzübersicht:

Begrüssung
Karolin Wetjen (Göttingen) & Linda Ratschiller (Fribourg): New Approaches to Mission History. Eine Einführung

Panel 1: Entangled Histories
Chair: Julia Hauser (Kassel)
Kommentar: Mariano Delgado (Fribourg)

Matthäus Feigk (Basel): The „Supranationality of Mission“? The Basel Mission and its International Entanglements During the First World War

Christine Egger (Passau): Die Missionsbenediktiner von St. Ottilien in Tanganjika (1922– 1965). Eine transnationale Geschichte

Panel 2: Cultural History
Chair: Helmut Zander (Fribourg)
Kommentar: Kirsten Rüther (Wien)

Simone Laqua-O'Donnell (Birmingham): The Church Mission Society and its Children. A Case Study Examining the Way Historians Approach Mission and Children

Dorothee Rempfer (Hagen): „The Making of Christian Men and Women“. Transformation von Genderkonstruktionen durch missionarische (Aus-)Bildungsangebote in Südwestafrika und Sumatra im Vergleich

Philipp Seitz (Leipzig): Ein Plädoyer für eine kulturtheoretische Grundlegung der Missionsgeschichte

Panel 3: History of Knowledge
Chair: Rebekka Habermas (Göttingen)
Kommentar: Julia Hauser (Kassel)

René Smolarski (Erfurt): Missionskartographie in Gotha. Die Bedeutung missionskartographischer Arbeiten für die Geographische Verlagsanstalt Justus Perthes

Michaela Unterholzner (Leipzig): Begegnungen auf Reisen. Produktion von Bildwissen in Reisefotografien der Herrnhuter Mission aus Ostafrika, ca. 1891–1916

Barbara Schumacher (Fribourg): „Und schon stehen wir im heißen Alltag der Missionare“. Filme der Bethlehem Mission Immensee als Form der missionarischen Vermittlung und Popularisierung von Wissen in den 1950er- und 1960er-Jahren

Öffentlicher Keynote-Vortrag „Boomende Missionsgeschichte. Gibt's denn da was Neues?“
Kirsten Rüther (Wien)

Panel 4: Colonial Histories
Chair: Linda Ratschiller (Fribourg)
Kommentar: Siegfried Weichlein (Fribourg)

Jenna Gibbs (Stanford / Miami): Christian Latrobe’s Journey to South Africa, 1814–1815: Moravian Missions, Enslaved Africans, and the Khoi San Indigenous Peoples in the Western Cape

Jakob Zollmann (Berlin): Us and They? Missionaries, Nationality, and the Colonial State. Scenes from the Luso-German Border Region in Southern Africa, ca. 1880 to 1919

Hans Nicklasson (Uppsala) Swedish Missionaries and Apartheid. An Introduction to the Organisations

Panel 5: Material Culture
Chair: Karolin Wetjen (Göttingen)
Kommentar: Rebekka Habermas (Göttingen)

Regina Sarreiter (Berlin), From Natal to Bavaria. Zur Materialität ethnologischer Sammelpraxis in der Mission

Rebecca Loder-Neuhold (Uppsala): Annäherung an Missionsmuseen. Fokus auf das „Missions-Ethnographische Museum“ in St. Gabriel, Mödling

Annika Dörner, (Göttingen): „Von einer seltsamen Missionsreise“. Die völkerkundlichen Ausstellungen der Rheinischen Mission

Round Table & Abschlussdiskussion

Zitation
Tagungsbericht: New Approaches to Mission History, 17.06.2016 – 18.06.2016 Fribourg, in: H-Soz-Kult, 17.10.2016, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6747>.