Generations and Transfer of Knowledge. German History and Literature between Israel and Germany

Ort
Frankfurt am Main
Veranstalter
Fritz Bauer Institut; Van Leer Jerusalem Institute; Franz Rosenzweig Minerva Research Center, Jerusalem
Datum
18.07.2016 - 19.07.2016
Von
Laura Soréna Tittel, Fritz Bauer Institut Frankfurt am Main

Der Wandel von Motivation, Perspektiven und Interessen der Geisteswissenschaftler/innen und Institutionen, welche innerhalb der letzten Jahrzehnte an deutsch-israelischen Kooperationen beteiligt waren, stand im Fokus der zweitägigen Tagung in Frankfurt am Main. Sie fand im Rahmen des seit 2014/15 laufenden Forschungsprojekts „Deutsch-israelische Beziehungen in den Geisteswissenschaften zwischen 1970 und 2000. Studie zu Wissenschaft und Bilateralität“ statt. Bei dem Projekt handelt es sich um eine durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Kooperation zwischen dem in Frankfurt am Main angesiedelten Fritz Bauer Institut, dem Van Leer Jerusalem Institut und dem Franz Rosenzweig Minerva Forschungszentrum in Jerusalem. Die wissenschaftliche Leitung des Gesamtprojekts haben Yfaat Weiss (Jerusalem) und Gabriel Motzkin (Jerusalem) inne.

Entsprechend der Ausrichtung des Forschungsprojekts standen die Disziplinen Geschichte und Literaturwissenschaft im Fokus der Auseinandersetzung. Dabei ging es darum, die Entwicklung und den Wandel dieser beiden Disziplinen im jeweiligen nationalen Kontext sowie im bilateralen Austausch zu verstehen und einen angemessenen Rahmen zu deren Beschreibung zu finden. Das im Tagungstitel vorgeschlagene Narrativ der „Generation“ war keineswegs unumstritten und stand stets in Konkurrenz zu anderen biografischen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren wie Geschlecht, Religion oder Weltanschauung. Ebenso wurden Vor- und Nachteile dieser jeweils verallgemeinernden Kategorien gegenüber einer Geschichtsschreibung, welche die Betrachtung individueller Biografien zur Grundlage nimmt, diskutiert. Gerade diese Spannungslinien, die inhaltliche mit methodologischen Fragen verknüpften, gaben tiefe Einblicke in die Herausforderung, über deutsch-israelische Wissenschaftsbeziehungen zu forschen.

Der erste Tag war der Geschichtswissenschaft gewidmet. Auf dem Podium versammelten sich unter Moderation von JOHANNES BECKE (Heidelberg) drei Generationen israelischer Historiker und trugen unterschiedliche Thesen über die Motivation von Israelis zu deutscher Geschichte zu forschen vor. Einigkeit bestand darüber, dass sich Geschichtsschreibung ebenso wie die Themenwahl mit der Zeit verändert habe und jeweils durch den Kontext des/der Historiker/in geprägt sei. DORON AVRAHAM (Ramat Gan) leitete seinen Vortrag über israelische Geschichtswissenschaft, die sich mit Deutschland beschäftigt, mit dem abgewandelten Nipperdey-Zitat „Am Anfang war Hitler“ (im Original: „Am Anfang war Napoleon“) ein. Damit wollte er unterstreichen, dass sich israelische geschichtswissenschaftliche Forschung in den meisten Fällen um den Holocaust bewege oder durch diesen motiviert sei. Er stellte die Nationalität als entscheidenden Faktor für den Blickwinkel auf deutsch-jüdische Geschichte heraus. Während israelische Forschende über jüdische Geschichte aus einer „Ingroup“-Perspektive schreiben könnten, blieben deutsche Wissenschaftler/innen stets in einer „Outgroup“-Perspektive verhaftet. Dies bedeute, dass sie von der deutschen Mehrheitsgesellschaft ausgingen und die deutsch-jüdische Bevölkerung als Minderheitengruppe betrachteten. Dadurch, so Avraham, unterscheide sich die deutsch-jüdische Geschichte, die in Israel geschrieben wird, grundlegend von der deutschen Historiographie.

Diesen Ansichten widersprach MOSHE ZIMMERMANN (Jerusalem) und legte in seinem Vortrag die These dar, dass deutsch-jüdische Geschichte eine Teildisziplin innerhalb der deutschen Geschichte, wie beispielsweise auch die Sport- oder Arbeitergeschichte, sei. Er vertrat die Position, dass sich das israelische Interesse an deutscher Geschichte nicht erschöpfend durch die Shoah erklären lasse. Insbesondere die jüngere Generation interessiere sich für Themen wie die Probleme der Demokratie in der Weimarer Republik. Diese böten sich aus Sicht einiger Historiker/innen für einen Vergleich mit der aktuellen Lage der Demokratie in Israel an und seien deshalb auch für eine breitere Öffentlichkeit interessant.

Der Nachwuchswissenschaftler YONATAN SHILOH-DAYAN (Jerusalem) bereicherte die Debatte mit dem Fallbeispiel des israelischen Historikers Shlomo Na’aman. Letzterer war im Jahre 1932 im Alter von 20 Jahren von Deutschland nach Palästina emigriert und promovierte erst rund 30 Jahre später in Jerusalem. Thema seiner Dissertation war mit Ferdinand Lassalle einer der führenden Köpfe der frühen Arbeiterbewegung im Deutschland des 19. Jahrhunderts, womit Zimmermanns These, dass längst nicht nur die Shoah im Mittelpunkt stände, gestärkt wurde. Sichtbar wurde an diesem biographischen Beispiel auch, dass Faktoren wie die – in diesem Fall sozialistische – Weltanschauung eine ebenso zentrale Rolle bei der individuellen Auswahl der Forschungsthemen spielen wie die generationelle Erfahrung der Emigration.

Wenngleich die Grenzen zwischen den Generationen an unterschiedlichen Stellen gezogen wurden, kristallisierte sich im ersten Panel folgende grobe Einteilung heraus: Geisteswissenschaftler/innen, die im deutschsprachigen Teil Europas sowohl aufgewachsen als auch wissenschaftlich ausgebildet wurden, können zur ersten Generation gezählt werden. Die zweite Generation wurde zwar noch in Europa geboren, erhielt ihre universitäre Ausbildung jedoch erst in Israel. Davon abgegrenzt werden muss schließlich die dritte Generation, die komplett in Israel aufgewachsen ist. Spätestens bei letzterer stellt sich jedoch die Frage, inwiefern überhaupt noch von einer „Generation“ gesprochen werden kann, da die zuvor gegebene verbindende Ähnlichkeit in der Biographie weitestgehend fehlt. Dies zeigt sich auch deutlich in diversifizierten Forschungsinteressen.

Das zweite Panel wandte sich unter Leitung von KAREN SCHÖNWÄLDER (Göttingen) der deutschen Perspektive auf deutsch-israelische Kooperationsprojekte zu. Im Fokus standen Institutionen und Akteure in Hamburg, Göttingen und Trier. Insbesondere Hamburg und Göttingen spielten aufgrund ihrer einzigartigen Dispositionen eine besondere Rolle in der Beziehungsgeschichte: Hamburg beherbergte drei wichtige Einrichtungen zur Erforschung von deutsch-jüdischer Geschichte, und zwar seit 1960 die Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg (1997 umbenannt in Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg), seit 1966 das Institut für die Geschichte der deutschen Juden und das umfangreiche Archiv der jüdischen Gemeinde Hamburg; Göttingen aufgrund des Max Planck Instituts für Geschichte, der Nähe zur niedersächsischen VolkswagenStiftung und der Georg-August-Universität, die Mitte der 1970er-Jahre durch den jungen Historiker Rudolf von Thadden geleitet wurde. ARNO HERZIG (Hamburg) berichtete aus seiner Hamburger Perspektive über die Rückwirkungen der deutsch-israelischen Wissenschaftsbeziehungen und deren Schwierigkeiten. Einer seiner eigenen Forschungsschwerpunkte innerhalb der Geschichte der Frühen Neuzeit ist die deutsch-jüdische Geschichte. Im deutsch-israelischen Verhältnis stellte er die Konkurrenzsituation zwischen der Tel Aviver und der Jerusalemer Universität als besondere Schwierigkeit heraus. So sei 1972 ein groß angelegtes DFG-Projekt abgesagt worden, das zunächst als Kooperation zwischen Hamburg und Jerusalem geplant gewesen sei, da die Universität Tel Aviv einen thematisch ähnlichen Forschungsantrag gestellt habe und eine Zusammenführung der beiden Projekte gescheitert sei.

NORBERT FREI (Jena) vertrat in seinem Vortrag die These, dass im Bereich der Holocaustforschung israelische Historiker/innen zwar vereinzelt schon vorher in der Bundesrepublik publiziert hätten, eine wirkliche Forschungkooperation zwischen den beiden Ländern aber erst in den 1980er-Jahren eingesetzt habe. Parallel dazu habe sich die bundesdeutsche Zeitgeschichtsforschung stärker der Nachkriegsgeschichte zugewandt. Interessanterweise habe das 1971 gegründete Institut für deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv zunächst gerade keine zeitgeschichtliche Forschung betrieben, und auch in Jerusalem sei erst unter Zimmermann, nachdem dieser 1986 Direktor des Richard Koebner Zentrums für deutsche Geschichte geworden war, mit Forschungen zur deutschen Nachkriegsgeschichte begonnen worden.

Anhand des Arye Maimon-Instituts in Trier vollzog JENNY HESTERMANN (Frankfurt am Main) nach, wie aus der persönlichen Beziehung zwischen dem israelischen Historiker Arye Maimon und dem deutschen Mittelalterhistoriker Alfred Haverkamp eine institutionalisierte Wissenschaftsbeziehung in Form des Maimon gewidmeten Instituts erwachsen ist. Ziel Haverkamps sei es gewesen, die Mittelalterforschung zum Judentum in Deutschland zu verfestigen. Hestermann rückte das Stichwort „Vergangenheitsbewältigung“ ins Zentrum der Suche nach der Motivation der Forschenden, die sich mit deutsch-jüdischer Geschichte befassten. Kritisch stellte sie die Frage in den Raum, inwiefern hier persönliche Motive der Suche nach eigener Identität nach dem Holocaust in die Suche nach einer "gemeinsamen Geschichte" im vermeintlich neutralen Feld der Mittelalterforschung mündeten.

Der zweite Tag begann mit einem Panel unter Moderation von MORITZ EPPLE (Frankfurt am Main) zur Bewegung deutscher Literatur und dem Aufbau einer Germanistik in Israel. Über die materielle Basis aller Literaturwissenschaftler/innen, die Bücher, sprach CAROLINE JESSEN (Marbach). Die deutsch-jüdische Literatur musste während des Nationalsozialismus aus Deutschland gerettet werden und wurde als Sicherheitsmaßnahme auf verschiedene Standorte in Israel verteilt– eine zentrale Lagerung hätte die Zerstörung aller Bücher begünstigen können. Jessen zeigte die paradoxe Situation auf, dass mehrere Forschungsbibliotheken in Israel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert wurden, während zeitgleich private Buchhändler/innen in Israel aus finanziellen Gründen wertvolle Sammelexemplare an die zahlungskräftigeren Kund/innen in Deutschland verkauften. Gerade diese Rückwanderung von Exilliteratur und Auflösung von Sammlungen manifestiere das Ende einer deutsch-jüdischen Symbiose in der Literatur, die vielleicht nur innerhalb der jeweiligen Exilsammlungen jemals existiert habe.

Der Referent GÜNTER OESTERLE (Gießen) ist durch seine langjährige Beteiligung an Kooperationen und Gastaufenthalten in Israel selbst Zeitzeuge der deutsch-israelischen Wissenschaftsbeziehungen. Er ging der Leitfrage nach, warum die Germanistik in Israel gescheitert sei und zeichnete detailliert die Entwicklung der Abteilung für deutsche Sprache und Literatur in Jerusalem nach. Bereits bei der Gründung in den 1970er-Jahren habe der damalige Ordinarius Gershom Scholem wenig Begeisterung für die Förderung aus Deutschland gezeigt. Aus pragmatischen Gründen habe er jedoch schließlich eingelenkt und den Weg zur Gründung einer „kleinen“ Abteilung mit drei Lehrstühlen aus Geldern der VolkswagenStiftung geebnet. Beinahe zeitgleich habe Scholem jedoch eine erneute Auflage seines offenen Briefs „Wider den Mythos des deutsch-jüdischen Gesprächs“[1] von 1964 publiziert – laut Oesterle ein wertvolles Dokument zum Verständnis der Diskussion um Aufgabe und Funktion der deutschen Sprache und Literatur im sich kulturpolitisch neu ausrichtenden Israel. In der germanistischen Abteilung der Hebräischen Universität Jerusalem seien schließlich Ablehnungen von Berufungen, Konflikte zwischen deutscher und israelischer Seite, eine kurzzeitige Vergrößerung auf vier Lehrstühle und seit 2000 wieder eine fortschreitende Verkleinerung gefolgt.

Das vierte und abschließende Panel brachte die aus israelischer Sicht bestehenden Konflikte um deutsche Geschichte mit denen der Literaturwissenschaften zusammen und wurde vom ehemaligen Leiter des Fritz Bauer Instituts RAPHAEL GROSS (Leipzig) moderiert. IRENE AUE-BEN-DAVID (Jerusalem) konzentrierte sich auf die Anfänge der beiden Disziplinen an der Hebräischen Universität Jerusalem. Während das Interesse an deutscher Geschichte bis heute ein stetiges Wachstum zu verzeichnen habe, sei die Germanistik aus israelischer Sicht gescheitert. Letzteres könne man an den niedrigen Zahlen von Studierenden und Promovierenden ablesen. Aue-Ben-David verdeutlichte in ihrem Vortrag, dass es bereits vor der Förderung aus Deutschland zahlreiche Lehrveranstaltungen gegeben habe, die deutsche Geschichte berührt oder sich mit der Literatur von Rilke, Kafka, Thomas Mann, Kleist, Dürrenmatt, Frisch und anderen auseinandergesetzt hätten. Ein systematisches Lehrangebot sowie Überblicksveranstaltungen hätten jedoch erst mit der Etablierung der aus Deutschland geförderten Forschungseinrichtungen stattgefunden. Angesichts des ausbleibenden Erfolgs der Germanistik in Israel stellte Aue-Ben-David die Frage, ob es besser gewesen wäre, auf die deutsche Förderung zu verzichten und keine Abteilung für deutsche Sprache und Literatur zu gründen. Diese Frage scheint im Hinblick auf die mit den israelischen Interessen nicht zu vereinbarenden Ziele der VolkswagenStiftung berechtigt. Letztere wollte einerseits deutsche Forscher/innen im internationalen Umfeld etablieren und andererseits die „ausländische Forschung über Deutschland“ anregen, wie Aue-Ben-David zitierte. Die israelische Seite habe hingegen keinen Austausch zu deutschen Literaturwissenschaftler/innen gesucht. Letztlich wäre es der Hebräischen Universität jedoch nicht gelungen, die Germanistik ohne finanzielle Unterstützung auszubauen.

An die Frage nach unterschiedlichen Erwartungen von deutscher und israelischer Seite schloss SHARON LIVNE (Jerusalem) in ihrem Vortrag an. Hierzu wählte sie das Beispiel des 1990 an der Hebräischen Universität Jerusalem gegründeten Franz Rosenzweig Minerva Forschungszentrum für deutsch-jüdische Literatur und Kulturgeschichte. Während der Verhandlungen für dieses Zentrum hätten sich die Konflikte zeitweise soweit zugespitzt, dass der israelische Germanist Stéphane Mosès in einem Brief vom 27. August 1984 an den deutschen Kollegen Jürgen Stenzel von einem „deutschen Protektorat“ in Israel gesprochen habe. Ähnlich wie bereits im Konflikt mit der VolkswagenStiftung in den 1970er-Jahren, habe sich die deutsche Seite auch bei der Gründung des Rosenzweig Zentrums eine intensive Zusammenarbeit vorgestellt, während die israelischen Wissenschaftler/innen dazu aus Sicht Livnes nicht bereit gewesen seien. Weiteres Streitpotential bot die Frage, welche Sprache auf Veranstaltungen des Zentrums gesprochen werden sollte. Zur ersten Beiratssitzung sei der Vorsitzende der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Hebräischen Universität eingeladen worden. Dieser habe kein Deutsch gesprochen und Englisch als Verhandlungssprache gefordert, aber der Beiratsvorsitzende Wilhelm Voßkamp habe an Deutsch festgehalten. Als Begründung habe er angegeben, dass nur Hebräisch und nicht Englisch die offizielle Sprache der Hebräischen Universität sei, und es somit keinen Grund gebe, die englische der deutschen Sprache vorzuziehen, berichtete Livne aus ihren Quellen. Die Emotionalität dieser Debatte zeige, wie wenig es um pragmatische Lösungen gegangen sei.

An der Konferenzteilnahme verhindert war SIGRID WEIGEL (Berlin). Ihr Vortrag über Stéphane Mosès, den langjährigen Leiter der Abteilung für deutsche Sprache und Literatur sowie Gründungsdirektor des Rosenzweig Zentrums, wurde in leicht gekürzter Fassung verlesen. Thema des Papers war Mosès‘ schwieriges Verhältnis zur deutschen Sprache sowie seine Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition in einer säkularen Kultur. In Berlin geboren, war er nach Exil in Marokko und Studium in Paris 1969 nach Jerusalem gekommen, wo er sich nur langsam den deutschsprachigen Geisteswissenschaften zugewandt habe. Weigel argumentierte, dass Mosès in seinen Arbeiten die religiösen Schriften des Judentums ebenso wie deutsch-jüdische Texte für eine interdisziplinäre Kulturwissenschaft erschlossen habe. Die volle Entfaltung der Wirkungsgeschichte von Mosès‘ Werk läge noch in der Zukunft.

Insgesamt bot die Konferenz einen weitreichenden Einblick in die Motive und Interessenlagen, die hinter den geisteswissenschaftlichen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland standen. Auf der Ebene der Forschenden scheinen die Interessen zwischen deutschen und israelischen Historiker/innen trotz aller Konflikte teilweise auf seltsame Weise zu harmonieren, ohne dass die gleichen Motivationen im Hintergrund stehen: dann nämlich, wenn von israelischer Seite bevorzugt über die eigene Geschichte geschrieben wird, von deutscher Seite hingegen über fremde Geschichte, und das Ergebnis gemeinsame Forschung an deutsch-jüdischen Themen ist. So lässt sich mindestens über die frühen Kooperationen sagen, dass es bei den Entscheidungen für oder gegen die Zusammenarbeit sowohl in Israel als auch in Deutschland um tiefliegende Identitätskonflikte ging, die den Status des Holocaust sowie die Gründung Israels bzw. den Wiederaufbau Deutschlands tangierten. Es wurde jedoch auch deutlich, dass für eine differenzierte Betrachtungsweise letztendlich nicht nur in deutsche und israelische Interessen unterteilt werden muss. Ebenso müssen die Linien, die zwischen verschiedenen Interessengruppen wie der Universitätsleitung, den Fakultäten, den Forschenden und den Geldgeber/innen verlaufen, berücksichtigt werden.

Konferenzübersicht:

Eröffnung
Werner Konitzer (Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main), Gabriel Motzkin (Van Leer Jerusalem Institute) und Yfaat Weiss (Franz Rosenzweig Minerva Research Center, Jerusalem)

Panel 1: Deutsche Geschichte in Israel
Chair: Johannes Becke (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg)

Doron Avraham (Bar-Ilan University, Ramat Gan): Israeli Historians: Do they also write German history?

Moshe Zimmermann (Hebrew University of Jerusalem): Deutsche Geschichte als israelische Geschichte

Yonatan Shiloh-Dayan (Van Leer Jerusalem Institute/Franz Rosenzweig Minerva Research Center, Jerusalem): In search of Lassalle: Shlomo Na’aman and the heritage of German-Jewish scholarship on the German Workers’ Movement

Panel 2: Deutsch-Israelische Beziehungen in den Geschichtswissenschaften
Chair: Karen Schönwälder (Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, Göttingen)

Arno Herzig (Universität Hamburg): Deutsch-israelische Wissenschaftlerkontakte in den Geschichtswissenschaften

Norbert Frei (Friedrich-Schiller-Universität Jena): Gemeinsame Geschichte(n)? Beobachtungen aus drei Jahrzehnten deutsch-israelischer Historiker(innen)kooperation

Jenny Hestermann (Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main): Die Entstehungsgeschichte des Arye Maimon-Instituts Trier

Panel 3: Deutsche Literatur zwischen Deutschland und Israel
Chair: Moritz Epple (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Caroline Jessen (Deutsches Literaturarchiv Marbach): Dealing with books: The role of émigré collections for research in Israel and Germany after 1945

Günter Oesterle (Justus-Liebig-Universität Gießen): Kleine Erfolge und große Hindernisse beim Aufbau der Germanistik in Israel

Panel 4: Die Erforschung deutscher Themen an der Hebräischen Universität
Chair: Raphael Gross (Simon-Dubnow-Institut, Leipzig)

Irene Aue-Ben-David (Franz Rosenzweig Minerva Research Center, Jerusalem/Van Leer Jerusalem Institute/Leo Baeck Institute Jerusalem): Disciplinary questions – the “German topics” at the Hebrew University (1960-1980)

Sharon Livne (Franz Rosenzweig Minerva Research Center, Jerusalem/Van Leer Jerusalem Institute/University of Haifa): Overt Dialogue about Covert Dialogue: The Beginning of the Rosenzweig Center

Sigrid Weigel (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin): „Jüdisches Denken in einer Welt ohne Gott“ – Stéphane Mosès’ Anregungen für die deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft

Anmerkung:
[1] Gershom Scholem, Judaica II, 5. Tsd. Frankfurt am Main 1977, S. 7–11.

Zitation
Tagungsbericht: Generations and Transfer of Knowledge. German History and Literature between Israel and Germany, 18.07.2016 – 19.07.2016 Frankfurt am Main, in: H-Soz-Kult, 07.11.2016, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6792>.
Redaktion
Veröffentlicht am
07.11.2016