Bedrohte Ordnungen III: Bedroht sein. Gesellschaften unter Stress im Vergleich

Ort
Tübingen
Veranstalter
Sonderforschungsbereich 923 „Bedrohte Ordnungen“, Eberhard Karls Universität Tübingen
Datum
28.09.2016 - 30.09.2016
Von
Dennis Schmidt, Sonderforschungsbereich 923 „Bedrohte Ordnungen“, Eberhard Karls Universität Tübingen

Bedrohung matters – sowohl für die heutigen Sozial- und Kulturwissenschaften als auch für Menschen in Bedrohten Ordnungen. Die Alarmierung erfolgt aus der Ordnung heraus, den Akteuren erscheinen Routinen und Handlungsoptionen plötzlich unsicher und fraglich. Die Akteure werden mit der Bedrohungsdiagnose zugleich inkludierend und exkludierend zur Identifikation aufgefordert, der Raum für Neutralität wird kleiner. Auf diesen zentralen Überlegungen aufbauend, veranstaltete der Tübinger Sonderforschungsbereich 923 seine dritte Konferenz, in der die Analyse von Phasen des „Bedroht seins“ auf der Agenda stand.

Hierfür macht der Sonderforschungsbereich mit seinem Modell des re-ordering – eine vereinfachende Operationalisierung des Prozesses selbst – ein Angebot, das als Zusammenspiel von Bedrohungsdiagnose, Bewältigungspraxis, Mobilisierung und Reflexion konzipiert ist. Die Dynamik zwischen Diagnose und Praxis – Bewältigungspraxis führt selten einfach zur Beseitigung der Bedrohung, sondern häufig wie eine „Drehtür“ zurück zur Bedrohungsdiagnose – ist dabei durch zwei Begleitprozesse beeinflusst: Erstens die Mobilisierung von materiellen wie immateriellen Ressourcen und Menschen sowie zweitens die Reflexion über das Selbstverständnis von Akteuren und Ordnungen. Der in dieser Wechselwirkung entstehende Kommunikations- und Aktionsraum ist nicht leer und frei gestaltbar, sondern strukturiert durch das Vorhandensein von Lebewesen, Objekten und Phänomenen sowie das Fortwirken von Traditionen, kulturellen Mustern, Routinen und Handlungsskripten Kommunikationen und Aktionen. Auf der Tagung wurde dieses für die zweite Phase des Tübinger Sonderforschungsbereichs maßgebliche Modell einem Praxistest unterzogen.

Den Anfang machte als Keynote-Speaker DIRK VAN LAAK (Gießen). Ausgehend von Überlegungen zur Fernsehserie Twin Peaks, die er als das „Eindringen des Bedrohlichen“ in eine vermeintliche Sicherheit interpretierte, stellte er Überlegungen aus dem SFB/TTR 138 „Dynamiken der Sicherheit“ vor und setzte sie in Beziehung zu Bedrohten Ordnungen. Dabei dienten ihm Filmproduktionen – „Fühlerthermometer kollektiven Sicherheitsempfindens“ – als Aufhänger. Die intensivierte wissenschaftliche Beschäftigung mit Bedrohung und Sicherheit fuße auf dem verlorenen klaren Sehepunkt der Geschichtswissenschaft. Was in Tübingen als Bedrohungskommunikation aufgefasst werde, verstehe man in Gießen/Marburg als die Versicherheitlichung eines Problems. Einen besonderen Fokus richtete van Laak auf „Sicherheitsräume“, eine Kombination zweier relationaler Kategorien, die an historische Zeiten und soziale Ordnungen gebunden seien. Ob hierbei ein grundlegender Unterschied zwischen „Vormoderne“ und „Moderne“ – eine für den Tübinger Sonderforschungsbereich besonders virulente Frage – auszumachen sei, könne bisher nicht eindeutig beantwortet werden.

In der ersten Session („Threat!“) ging es um die Bedrohungsdiagnosen und deren Hegemonialisierung sowie die daraus erwachsenden Konsequenzen. WERNER SCHIFFAUER (Frankfurt an der Oder) sah die Kategorisierung verschiedener islamischer Richtungen durch staatliche Organe als Grundlage eines Mechanismus, der über Inklusions- und Exklusionsprozesse zu einer verstärkten Radikalisierung, vor allem im Grenzbereich von akzeptiert/nicht akzeptiert, führe. Das folge zwangsläufig aus dem Anrufen des Staates, der auf Grund seiner Rechtsbindung kategorisieren müsse. Eine als Rhizom und netzwerkartig gedachte Gesellschaft könne hier flexibler reagieren und so weniger radikalisierend wirken. Schiffauers Vortrag stellt den Sonderforschungsbereich vor die Aufgabe, die spezifische Wirkung obrigkeitlichen Handelns – damit von Recht – in Bedrohungssituationen verstärkt in den Blick zu nehmen.

Die Frage nach Hegemonie, Hegemonialisierung und hegemonialem Projekt (von Gramsci bis Butler) bildete den theoretischen Rahmen der Überlegungen von IRENE POCZKA (Tübingen), die zwei Phasen (1950er- und 1990er-Jahre) der Diskussion über Antibiotikaresistenz miteinander verglich. Zwar wiesen beide Debatten eine große Ähnlichkeit auf, jedoch unterschieden sich Folgen und öffentliche Wahrnehmung erheblich. Dies begründete Poczka mit einer in den 1990er-Jahren allgemein größeren Unsicherheit hinsichtlich der technischen Bewältigung der Zukunft. So sei die Infragestellung der bisherigen Wissensordnung zum hegemonialen Projekt geworden, das die Bedrohung nicht mehr gänzlich beseitigen wollte, sondern sie als Teil des Alltags verstand. Damit sei die Bedrohung in der Phase der Hegemonialisierung zum Ausgangspunkt einer neuen Ordnung geworden – das re-ordering damit quasi zur diskursiven Einhegung der Bedrohung.

UTE DANIEL (Braunschweig) verglich die Diskurse um die Einführung des kommerziellen Fernsehens in Großbritannien und der BRD. Sie zeigte auf, dass in beiden Fällen eine Konkurrenz gegensätzlicher Ordnungsvorstellungen bestand, die jeweils auf unterschiedlichen Wegen behandelt wurde. Die gefundenen Lösungen seien als inkrementell zu charakterisieren, da die „ordnungspolitische Dimension“ ungelöst geblieben sei. In der BRD entschieden die Gerichte, in Großbritannien kam es zum politischen Kompromiss – entscheidend für den inkrementellen Lösungsweg seien die „akzidentellen Kontextbedingungen“ gewesen. Daniel verwies so auf die Notwendigkeit, sich stärker mit dem Kontext – im Modell des re-ordering die vorhandenen strukturierenden Elemente innerhalb des entstehenden Kommunikations- und Aktionsraums – und dessen Theoretisierung zu beschäftigen.

In seinem die Session beschließenden Kommentar verwies MISCHA MEIER (Tübingen) darauf, dass alle Referenten schnell auf die Akteursebene gekommen seien – eine Bestätigung des akteursbezogenen Zugangs des Tübinger Sonderforschungsbereichs (Selbstalarmierung). Als wichtige Arbeitsfelder markierte Meier die Theoretisierung der Hegemonialisierung und der Einbeziehung von Kontextbedingungen. Hinsichtlich des vermeintlichen Gegensatzes von Vormoderne und Moderne sei zu überprüfen, ob es in Bezug auf den Ruf nach dem Staat relevante Unterschiede gebe.

Die Vorträge der zweiten Session („Me?“) hatten vor allem die Prozesse der Reflexion und die Möglichkeiten zur Mobilisierung zum Inhalt. Die These, dass in Phasen Bedrohter Ordnung die Erinnerungen an die Praxis der Vergangenheit („Geschichte“) und deren normativen Ordnungen („Recht“) als nützliche Ressourcen des re-ordering mobilisiert werden könnten, bildete das Zentrum der Überlegungen von STEFFEN PATZOLD (Tübingen). Als Fallbeispiel diente ihm eine Textsammlung Hinkmars von Reims aus dessen später Lebensphase (um 880), in der dieser stark auf die Vergangenheit und deren Umgang mit Krisensituationen rekurrierte. Patzold zeigte daran, dass die Ressourcen „Geschichte“ und „Recht“ nicht einfach da sind, sondern der Herstellung bedürfen. Dabei müssten Historizität, Medialität und Materialität von Kommunikation – als Grundvoraussetzung der Mobilisierung – stärker systematisch berücksichtigt werden. Darüber hinaus sei zu klären, was mit Ordnungen geschehe, in denen gerade die Praktiken des re-ordering nicht mehr funktionierten.

Mit Reformationstheatern des Berner Künstlers Nikolaus Manuel setzte sich KLAUS RIDDER (Tübingen) auseinander, die er als Bedrohungstheater – greifbar auf der historischen wie der dramatischen Ebene – klassifizierte. Manuel war ein zentraler Proponent des reformatorischen Bekenntnisses in Bern und Verfasser anti-päpstlicher Fastnachtsspiele, die exemplarisch für die erste Phase des Reformationstheaters (bis 1526) gewesen seien. Sie hätten die Schaffung einer neuen kollektiven Identität zum Ziel gehabt, was sich in vier Charakteristika zeige: erstens der Erzeugung einer antagonistischen Struktur, zweitens der Konstituierung einer neuen Gemeinschaft, drittens der Darstellung der Gegenwart als Entscheidungssituation sowie viertens dem Evozieren einer besonderen Stimmung.

CHRISTOPH DARTMANN (Hamburg) wandte sich anschließend dem italienischen Hochmittelalter zu. Dabei arbeitete er vier Punkte heraus: Erstens sei das Mittelalter von der Moderne (kontrafaktisch) als Zeit der Ordnung und bewusster Gegenentwurf zur eigenen Gegenwart gedeutet worden. Zweitens sei die mittelalterliche soziale Praxis durch das Fehlen systematischer Ordnungsentwürfe geprägt gewesen, weshalb schon allein die Bestimmung der Ordnung ein Problem darstelle. Drittens sei die mittelalterliche Bedrohungskommunikation wegen des Fehlens von „Primärquellen der Bedrohungskommunikation“ schwer nachzuvollziehen. Viertens sei das Verhältnis von Bedrohungskommunikation bzw. re-ordering und Prozessen, die sich gleichsam hinter dem Rücken der Akteure („sleepwalking“) abspielten, spannend. Dartmann stellte damit die für den Sonderforschungsbereich wichtigen Fragen nach dem Unintendierten und Unbeobachteten sowie dem Verhältnis von Akteurs- und Beobachterperspektive.

Daran knüpfte ASTRID FRANKE (Tübingen) in ihrem Kommentar an und stellte die Frage, ob Schlafwandel als besondere Form sozialen Wandels verstanden werden könne. Da die Selbstalarmierung aus der Ordnung heraus fehle, sei das jedoch keine Bedrohte Ordnung im Sinne des Sonderforschungsbereichs. Insgesamt hob sie die Wichtigkeit des Trends zu praxeologischen Ansätzen hervor, der sich auch im Sonderforschungsbereich gezeigt habe; re-ordering sei damit als Versuch zur Neugestaltung und des Kittens von Handlungsketten zu verstehen.

Die drei althistorischen Referenten der dritten Session („Action!“) beschäftigen sich intensiv mit dem Wechselspiel von Diagnose und Praxis. SEBASTIAN SCHMIDT-HOFNER (Tübingen) trug seine Überlegungen über die Funktion des Textes „Über die Landwirtschaft“ des spätrömischen Autors Palladius Aemilianus vor. Es handle sich dabei nur auf den ersten Blick um einen technischen Ratgebertext, denn tatsächlich habe er nur einen geringen praktischen Wert gehabt. Eingebettet in den Zeitkontext, der durch Konkurrenz um Arbeitskräfte und Land als Folge von Wirtschaftswachstum geprägt war, stelle sich das Buch als Darstellung des standesgemäßen Lebens einer bedrohten Elite heraus. Er könne als mobilisierendes Bewältigungshandeln verstanden werden, in dem das Rollenmodel des aristokratischen Landwirts in paränetischer Weise vermittelt wurde.

Mit dem langen Zeitraum von 218-88 v. Chr. beschäftigte sich BERNHARD LINKE (Bochum); den Schwerpunkt bildete aber die Phase nach der verlorenen Schlacht von Cannae (216 v. Chr.). Der um zwei Drittel reduzierte Senat habe daran anschließend zwanghaft versucht, Normalität herzustellen, die Bedrohung so bewusst negiert. Der Vorschlag, eine auf Repräsentation der Latiner-Gemeinden beruhende Senatsreform durchzuführen, stieß im Senat auf entschiedene Ablehnung, bot doch der verkleinerte Senat seinen noch lebenden Mitgliedern eine große Machtbasis – eine kleine Gruppe alter Männer habe in der Folge die Politik bestimmen können. In Verbindung mit einem „Problemstau an der Peripherie“ habe das die folgenden120 Jahre geprägt. Linke betonte grundsätzlich, dass Bedrohungsszenarien plural und dezentral ablaufen könnten sowie dass auf der Mikro- und Mesoebene entstehende Bedrohungen teilweise erst sekundär auf die Makroebene einwirkten.

Einem klassischen Thema nahm sich ALOYS WINTERLING (Berlin) an: Julius Cäsar und die Bedrohung der Republik. Deren Ordnung sei auf die systematische Verhinderung von Einzelherrschaft orientiert gewesen, unter Caesar habe sich in der auf Rang und Ehre basierenden Ordnung jedoch ein paradoxer Zustand ergeben: Caesar wie auch der Senat verloren die Kontrolle über die Deutung ihres Handelns. Sah der Senat sich zu immer neuen Ehrungen gezwungen, musste Caesar diese annehmen, um nicht als hochmütig zu gelten, obwohl damit die Gefahr verbunden war, dass er so an die verhasste Königsherrschaft erinnerte. Die Ordnung sei durch die Inflationierung der Ehrungen bedroht gewesen, habe dadurch jedoch auch zugleich Stabilisierung erfahren. Caesars Herrschaft sei deshalb nicht einfach als Zerstörung der republikanischen Ordnung, sondern als Involution zu interpretieren.

In seinem Sektionskommentar stellte BORIS NIESWAND (Tübingen) das Verhältnis von Stabilisierung und Destabilisierung von Ordnungen in den Mittelpunkt. Ordnungen seien als Geflecht von Relationen zu verstehen, wobei überepochal verglichen werden könne, welche Relationen leichter und welche schwerer veränderbar sind. Für den Sonderforschungsbereich stelle sich nach dieser Session auch die Frage, welche Folgen Wachstum und Inflationierung hinsichtlich der Destabilisierung von Ordnungen haben können.

Den Auftakt zur letzten Session („Join – Us!“), in der die Bewältigungspraxis und die darin mobilisierten Ressourcen im Mittelpunkt standen, machten GABRIELE ALEX und TANJA GRANZOW (Tübingen). Sie zeigten am Beispiel der humanitären Hilfe die Bedeutung der Hoffnung für Prozesse des re-ordering auf. Die Konzentration der humanitären Hilfe auf das „biologische Leben“ lasse den Wunsch der Betroffenen nach „biografischem Leben“ (Einheit aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) vielfach unberücksichtigt. Damit Menschen aber ein Modell für die Zukunft entwickeln können, sei die Hoffnung von elementarer Bedeutung. Insofern sei zu klären, was passiere, wenn Menschen die wichtige Ressource Hoffnung fehle – bleibt dann in einer Bedrohungssituation das re-ordering aus?

Mit der Rolle der Ressource und Praxis „Recht“ setzte sich JOCHEN VON BERNSTORFF (Tübingen) auseinander. Ausgehend von der These, dass Gesellschaften in einer Krisensituation auf ihre Wurzeln, damit auch das Recht, blickten, erläuterte er in einem ersten Teil die rechtliche Dimension des Ordnungsbegriffes: Recht habe eine konservative sowie eine emanzipatorische Funktion. In einem zweiten Schritt analysierte er Bewältigungshandeln durch Recht, das er als immaterielle Ressource im Prozess des re-ordering einordnete, die zugleich selbst an Ressourcen (z.B. Geld) gebunden sei. Zugleich könne Recht aber auch selbst bedrohend wirken, was von Bernstorff am Beispiel des Land Grabbing exemplifizierte.

Im letzten Vortrag wandte sich WINFRIED SPEITKAMP (Kassel) „Gewaltgemeinschaften im östlichen Afrika“ zu. In dem von kleinteiligen Gesellschaften bevölkerten Raum zwischen Küste und Viktoriasee seien generationelle Einheiten und mit Gewalt verbundene Initiationsrituale von zentraler Bedeutung gewesen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts habe sich jedoch die Sozialstruktur fundamental verändert – der Kriegszustand war keine Lebensphase mehr, sondern es bildete sich ein Söldnerstand (Kriegergruppen, Ruga-Ruga genannt) heraus. Unter einem Anführer wie „Mirambo“ sei diesen sogar kurzfristig die Erlangung eines Territoriums gelungen. Speitkamps Beispiele machten die Gleichzeitigkeit von Ordnungen sowie die Routinen im Umgang mit Bedrohungen deutlich, die sich in diesem Raum entwickelten.

BASTIAN VOLLMER (Oxford) betonte in seinem Kommentar die Bedeutung der Hoffnung, verwies allerdings auf den Unterschied eines unbestimmten „hoffnungsvoll sein“ und eines bestimmten „hoffen auf“. Mit der Hoffnung kämen die für den Sonderforschungsbereich wichtigen Zeitkategorien und Zukunftsvorstellungen ins Blickfeld. Zuletzt stellte Vollmer die Frage nach dem Unterschied interner und externer Bedrohungen hinsichtlich der Bewältigungspraxis und der Mobilisierung.

In der Schlussdiskussion umriss EWALD FRIE (Tübingen) drei zentrale Arbeitsfelder, die sich für den Sonderforschungsbereich auf der Tagung herauskristallisierten: Erstens müsse der auch intern offensichtliche Trend zur Praxeologie in einem präzisierten Ordnungsbegriff seinen Niederschlag finden. Zweitens müssten die Kosten, die aus der Komplexitätsreduktion des Modells erwachsen, klar benannt werden. Und drittens sei die Bildung von Typen bedrohter Ordnungen erforderlich.

Die Beantwortung dieser offenen Fragen ist nur auf Basis interdisziplinärer epochenübergreifender Vergleiche möglich. Auf der Tagung wurde das in Ansätzen unternommen, wobei deutlich wurde, dass das re-ordering-Modell des Sonderforschungsbereichs zum Verständnis von Verlaufsdynamiken von Bedrohten Ordnungen als spezifischen Typus sozialen Wandels beitragen kann. Hier könnte für die Zukunft ein stärkerer Fokus auf das „Davor“ und „Danach“ bedrohter Ordnungen hilfreich sein. Die Beschäftigung mit Wegen, die aus Phasen der Bedrohung herausführen, scheint mit dieser Tagung jedenfalls stärker aufs Tapet gebracht.

Konferenzübersicht:

Keynote Lecture

Dirk van Laak (Gießen): Twin Peaks: Sicherheit und Bedrohung in historischer Perspektive

Session 1: Threat!
Moderation: Reinhard Johler (Tübingen)

Werner Schiffauer (Frankfurt an der Oder): Die Bedrohung der freiheitlich demokratischen Grundordnung durch den Islamismus. Zu Selbstverstärkungsmechanismen bei der Gefahrenabwehr. Das Beispiel Verfassungsschutz

Irene Poczka (Tübingen): Hegemonialisierung von Bedrohungsdiagnosen am Beispiel Antibiotikaresistenz

Ute Daniel (Braunschweig): Bedrohte Ordnung – bedrohliche Unordnung: Die Auseinandersetzungen über die Einführung des kommerziellen Fernsehens in Großbritannien und der Bundesrepublik

Mischa Meier (Tübingen): Kommentar

Session 2: Me?
Moderation: Renate Dürr (Tübingen)

Steffen Patzold (Tübingen): Bedrohte Ordnung im Frankenreich der 880er Jahre: Diagnosen, Reflexion, Mobilisierung

Klaus Ridder: Bedrohungstheater: Die protestantischen Fastnachtsspiele des Nikolaus Manuel

Christoph Dartmann: Von Schlafwandlern und Ordnungshütern. Zur Wahrnehmung und Interpretation kultureller Dynamik im italienischen Hochmittelalter

Astrid Franke (Tübingen): Kommentar

Session 3: Action!
Moderation. Irmgard Männlein-Robert (Tübingen)

Sebastian Schmidt-Hofner (Tübingen): Spätrömische Agrarschriftstellerei und die Ressourcenkonkurrenz landbesitzender Eliten im Imperium Romanum um 400 n. Chr.

Bernhard Linke (Bochum): Die Konzentration des Politischen und die Dezentralisierung der Bedrohung. Die Entwicklung der römischen Innenpolitik vom 2. Punischen Krieg bis zum Bundesgenossenkrieg (218 - 88 v. Chr.)

Aloys Winterling (Berlin): Caesar und die Bedrohung der Ordnung der römischen Republik

Session 4: Join – Us!
Moderation: Boris Nieswand

Gabriele Alex/Tanja Granzow (Tübingen): Die Brüche zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heilen: Hoffnung als sine qua non der Ordnungsherstellung

Jochen von Bernstorff (Tübingen): Ordnung – Bedrohung – Recht

Winfried Speitkamp (Kassel): Bedrohliche Unordnung. Gewaltgemeinschaften im östlichen Afrika des 19. Jahrhunderts

Bastian Vollmer (Oxford): Kommentar

Schlussdiskussion
Moderation: Ewald Frie

Zitation
Tagungsbericht: Bedrohte Ordnungen III: Bedroht sein. Gesellschaften unter Stress im Vergleich, 28.09.2016 – 30.09.2016 Tübingen, in: H-Soz-Kult, 12.12.2016, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6876>.