Erster Mitteldeutscher Südasientag

Ort
Leipzig
Veranstalter
Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften, Universität Leipzig; Südasien-Seminar, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Datum
02.06.2016 - 03.06.2016
Von
Thomas A. Borlik, Leipzig

Am 2. und 3. Juni 2016 veranstaltete das Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften der Universität Leipzig gemeinsam mit dem Südasien-Seminar der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit dem Arbeitskreis Neuzeitliches Südasien der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde e.V. (DGA) erstmals eine Tagung unter dem Titel „Mitteldeutscher Südasientag“. Das Ziel der Konferenz war es, sowohl dem akademischen Nachwuchs als auch etablierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus dem deutschsprachigen Raum, die zu Südasien forschen, eine Möglichkeit zu bieten, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren und in einen interdisziplinären Dialog zu treten. Gleichzeitig soll diese Initiative dazu dienen, die südasienbezogenen Fächer der beiden Universitäten stärker zu vernetzen.

Bereits am Vorabend der Konferenz gab es bei einem Empfang im Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig nach der Keynote von HANS HARDER (Heidelberg) die Gelegenheit, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Der Auftakt der Konferenz wurde zudem durch ein Konzert der bengalischen Musiker Sahana Bajpaie und Samantak Sinha begleitet sowie in den Räumen einer Fotoausstellung zu „Protestkulturen in Südasien“ realisiert. Am folgenden Tag wurden insgesamt 21 Vorträge – aufgeteilt in acht Panels, von denen jeweils zwei parallel liefen – zu verschiedenen Themen der Südasienforschung gehalten. Hierbei kamen Vortragende von Universitäten aus Deutschland, Großbritannien, Bangladesch, der Schweiz und den USA aus unterschiedlichen Disziplinen wie z.B. den Religions-, Kultur- und Politikwissenschaften sowie aus der klassischen Indologie und der Geschichtsforschung zusammen.

Der Schwerpunkt des ersten Panels lag zunächst auf klassisch indologischer Literaturforschung (GUDRUN BÜHNEMANN, Wisconsin-Madison; FRANK KÖHLER, Tübingen) und umfasste dabei auch den Forschungszweig der klassischen Tamil-Literatur (JONAS BUCHHOLZ, Hamburg). Daran schlossen sich Vorträge zur Religionsforschung an, welche sich mit dem Hinduismus (PAULINE SCHUSTER-LÖHLAU, Würzburg) und dem Sikhismus (MICHAEL BRUNNER, Zürich) in Indien beschäftigten. Im weiteren Verlauf wurden zwei Forschungsarbeiten präsentiert, welche sich mit der Auswirkung neuer Technologien und moderner Medien auf die Gesellschaft und deren Traditionen auseinandersetzten (KATJA MÜLLER, Halle; SONJA WENGOBORSKI, Mainz). Zum Abschluss beschäftigte sich ein gesamtes Panel mit historischen Betrachtungen zu Nepal im 19. Jahrhundert (MANIK BAJRACHARYA, Heidelberg; SIMON CUBELIC, Heidelberg) und bezog hierbei auch diplomatische Beziehungen zwischen Nepal und Britisch-Indien mit ein (RAJAN KHATIWODA, Heidelberg).

Die Themen der parallelen Reihe von Panels waren ähnlich divers, hatten jedoch zumeist einen stärkeren Gegenwartsbezug. Während sich der erste Vortrag mit Religion und sozialer Ungleichheit in Indien beschäftigte (GERNOT SAALMANN, Freiburg), legten die folgenden Präsentationen einen klaren Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung Indiens bzw. Bangladeschs und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Auswirkungen (KLARA FELDES, Berlin; ARNO DOHMEN, Hamburg; ELISABETH FINK, Frankfurt am Main). Daran schloss sich ein weiterer Vortrag mit einem aktuellen – diesmal politisch geprägten – Thema an (ARNE HARMS, Leipzig), bevor mehrere Beiträge eine historische Einschätzung zu verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen und Ereignissen in Indien gaben (PHILIPP ZEHMISCH, München; NEDA SAGHAEE, Erfurt; RAPHAEL SUSEWIND, Oxford). Wie auch in der ersten Panelreihe stand die abschließende Session unter einem gemeinsamen Thema: Die Vorträge beschäftigten sich mit dem Islam in Südasien, wobei sich zwei der Präsentationen aktuellen Phänomenen der islamischen Religionsausübung und deren gesellschaftlichen Auswirkungen in Bangladesch widmeten (MASCHA SCHULZ, Zürich; AINOON NAHER, Dhaka) und der dritte Vortrag dieser Reihe eher einen kritisch-theoretischen Ansatz in Bezug auf den Islam in den sozialen Medien verfolgte (BILAL RANA, Erfurt).

Durch die Vielfalt der Themen und disziplinären Perspektiven vor allem auf das neuzeitliche Südasien wurde der Südasientag von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen sowie dem Organisationsteam als großer Erfolg in Hinblick auf inhaltlichen Austausch und Vernetzung in einem überregionalen und überfachlichen Rahmen begrüßt.

Aufgrund der durchweg positiven Resonanz gegenüber des Ersten Mitteldeutschen Südasientags, werden das Südasien-Seminar der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Arbeitskreis Neuzeitliches Südasien der DGA einen weiteren Südasientag organisieren, der am 2. Juni 2017 in Halle/Saale stattfinden wird. Sollte das Interesse an dieser interdisziplinären Veranstaltung weiterhin so groß bleiben, so wird sie ab 2019 alle zwei Jahre – dann als Deutscher Südasientag – in einem größeren Rahmen auch in anderen Regionen Deutschlands stattfinden.

Konferenzübersicht:

Gudrun Bühnemann (University of Wisconsin-Madison). „Zur Rolle und Ikonographie des Patañjali im modernen Yoga“

Frank Köhler (Universität Tübingen): „Dhṛṣṭadyumna im Mahābhārata“

Jonas Buchholz (Universität Hamburg): „Klassische Tamil-Literatur im 19. Jahrhundert: Wiederentdeckung oder Kontinuität?“

Pauline Schuster-Löhlau (Universität Würzburg): „Siri – eine weibliche Gottheit im Wandel der Zeit“

Michael Brunner (ETH Zürich): „Manly Sikhs & loyal citizens: Das Khalsa College, Amritsar, koloniale Bildung und die Formation von Religion und Männlichkeit in Britisch-Indien“

Katja Müller (MLU Halle): „Von 0 und 1 zum Koraj Hill. Digitalisiertes Erbe in Ahnenverehrung und Erinnerung“

Neda Saghaee (Universität Erfurt): „India: Homeland of Muhammadiyya“

Sonja Wengoborski (Universität Mainz): „Auf dem Schirm: Literatur und Kritik in Zeiten der Medienkonvergenz - ein Blick in das Online-Leben der singhalesischsprachigen Literatur Sri Lankas“

Manik Bajracharya (Heidelberger Akademie der Wissenschaften): „Scribal Elites of the Nineteenth Century Nepal“

Simon Cubelic (Universität Heidelberg): „Configurations of Economic Order in Rāṇā Nepal: The Market-Square of Asan, c. 1900“

Rajan Khatiwoda (Universität Heidelberg): „Foreign Correspondences as a Mirror of Diplomacy of 19th Century Nepal: Lokaramaṇa Upādhayāya, a Nepalese Envoy in Colonial India“

Gernot Saalmann (Universität Freiburg / Duale Hochschule Baden-Württemberg)
„Religion und soziale Ungleichheit in Indien. Von Dumont zu Bourdieu“

Klara Feldes (HU Berlin): „Versprechen von 'Fortschritt': Das indische 'River Interlinking Projekt'“

Arno Dohmen (Universität Hamburg): „EU-Indien Freihandelsabkommen: Wissenschaftlicher Diskurs und vergleichende Medienberichterstattung in Indien und Europa“

Elisabeth Fink (Goethe-Universität Frankfurt): „Transnationalisierung als (Re-) Vitalisierungsstrategie? Konflikt und Kooperation zwischen TNGOs und Gewerkschaften im Bekleidungssektor Bangladeschs“

Arne Harms (Universität Leipzig): „Von Erosionen, Deichen und Listen: Zur Materialität des Politischen in den indischen Sundarbans“

Philipp Zehmisch (LMU München): „Antagonistische Souveränität – Eine grenzübergreifende Ethnographie der Beziehungen zwischen Indien und Pakistan“

Raphael Susewind (CSASP Oxford): „Rifah-e-Aam: Politics and poetics in India’s changing public sphere since 1857“

Mascha Schulz (Universität Zürich): „Contested Secularism(s) in Bangladesh“

Ainoon Naher (Jahangirnagar University Savar, Dhaka): „Recent trends among young women in urban Bangladesh“

Bilal Rana (Universität Erfurt): „Islam in Social Media: Towards a critical Theoretical Framework“

Zitation
Tagungsbericht: Erster Mitteldeutscher Südasientag, 02.06.2016 – 03.06.2016 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 07.12.2016, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6881>.