Assessment of Significance. Deuten – Bedeuten – Umdeuten

Ort
Berlin
Veranstalter
Deutsches Historisches Museum
Datum
11.05.2017 - 13.05.2017
Von
Brenda Spiesbach, Stiftung Stadtmuseum Berlin

Die Tagung „Deuten – Bedeuten – Umdeuten“ im Deutschen Historischen Museum (DHM) nahm Ebenen der Bewertung und Bedeutung im Museumsraum für Objekte, Sammlungen, Ausstellungen und Sprechakte in den Blick. Anlass war die Ehrung von Rosmarie Beier-de Haan für ihre Arbeit am DHM sowie ihren Einfluss auf die musealen Diskurse in den vergangenen 30 Jahren. Eine weitere grundlegende Motivation für die Konzeption der Tagung machte der Initiator und Sammlungsdirektor Marc Fehlmann deutlich, der in seiner Tätigkeit für das DHM den Bedeutungsverlust und die zunehmenden Einflussnahmen in die Sammlungstätigkeit feststellen musste.

Die Tagung wurde vom neuen Präsidenten der Stiftung Deutsches Historisches Museum RAPHAEL GROSS (Berlin) eröffnet, der auf die Sammlung als wichtiges Fundament und Ausgangspunkt für die museale Arbeit verwies.

In der Keynote von SARAH KENDERDINE (Sydney/Melbourne) erweiterte sich der museale in den digitalen Raum. Kenderdine stellte anhand verschiedener Projekte die unterschiedlichen Möglichkeiten digitaler Medientechnik vor. Inhalt ihrer Präsentation war das Kreieren illusionistischer Raumerfahrungen (Immersion), die Sichtbarmachung gefährdeten Kulturguts und die Schaffung von Zugängen und Beteiligungsformaten. Sie zeigte zukünftige Visualisierungsformate auf, die gegenwärtig für einen Großteil der Museen noch unerschwinglich sind.

JÖRG MORRÉ (Berlin) gab in seinem Vortrag Einblicke in den Prozess zur Erweiterung der Dauerausstellung im Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst. Ausgehend von den Implikationen der Museumsgründung wurden über die Bedeutungsschichten am historischen Ort die verschiedenen Geschichtsdeutungsansätze und –perspektiven exemplarisch an einem Ausstellungsobjekt verdeutlicht. Die unterschiedlichen Lesarten des Zweiten Weltkriegs sowie die deutsch-deutschen Beziehungen zur Sowjetunion sind Themenkomplexe, die Herausforderungen für eine museale Erzählweise im Raum bilden. Eine alternative Herangehensweise läge darin die verschiedenen Bedeutungszusammenhänge nebeneinander zu stellen, um dem Objekt gerecht zu werden. Gerade durch die Veränderungen politischer Konstellationen der vergangenen Jahre scheint die Einigung auf eine Erzählung immer schwieriger. Das Museum wird zum Vermittler und Aushandlungsort sich wandelnder transnationaler geschichtspolitischer Sichtweisen.

Der Vortrag von KIRSTEN JOHN-STUCKE (Büren) stellte die Grundgedanken der Dauerausstellung vom Kreismuseum Wewelsburg vor. Die Herausforderung liegt darin, an ein- und demselben Ort die Geschichten von Tätern, der SS als Organisation und einzelner Mitglieder, zu erzählen und zugleich Gedenkstätte für die Opfer des SS-Terrors zu sein. Über Präsentationsweisen und Inszenierungen wurde gegen den Ort und zum Teil auch gegen die Objekte aus SS-Familien angearbeitet. Einzelne Strategien, wie das Prinzip „verdecken aber nicht verstecken“, oder die Entauratisierung von Originalen, indem man ihnen eine Replik zu Seite stellt, wurden kontrovers aufgenommen.

MARIE-LOUISE VON PLESSEN (Berlin/St. Firmin sur Loire) blickte auf eine Auswahl der Exponate ihrer Ausstellung zum Rhein, die in der Bonner Kunsthalle zu sehen war. Anhand der einzelnen Objekte, die unterschiedliche epochale wie politische Dimensionen abdeckten, ging es ihr um die Verdichtung und Verschärfung der politischen Dimension. Auffallend in der Objektauswahl war die fortwährende Vereinnahmung des Grenzflusses, sodass über den Rhein mehr Trennendes als Verbindendes transportiert wurde.

Das Panel beschloss die Leiterin des Altonaer Museums in Hamburg, ANJA DAUSCHEK (Hamburg), mit ersten Annäherungen an ihren neuen Arbeitsort. Sie forderte ein verändertes Rollenverständnis von Stadtmuseen ein, die nun nicht mehr Orte der Identitätsstiftung oder -vergewisserung seien, sondern vielmehr Moderatoren von Stadtakteuren sein sollten. Am Beispiel der 17 Bauernstuben des Museums formulierte sie die These, dass das bildungsbürgerliche Interesse an der ruralen Kultur proportional zum Anstieg der Arbeiterschaft in Hamburg wuchs und die Einrichtung von immer mehr Bauernstuben auch als eine Verweigerungshaltung gegenüber sich wandelnder gesellschaftlicher Realitäten gelesen werden kann.

Der zweite Tagungstag nahm das Feld des „BE-DEUTENs“ in den Blick und wurde von SHARON MACDONALD (Berlin) eröffnet. Sie zeigte in ihrer Keynote die Bedeutungszuweisung für Museen als Sinnstifter und nicht mehr nur bewahrende Institutionen auf. Der Einzug des Managements in die Sammlung lässt sich anhand von Verbandsveröffentlichungen festmachen und führt bis zum „Assessing the Assessment“. Relevant waren zudem sich verändernde Schwerpunktsetzungen in der Geschichtsschreibung seit den 1980er-Jahren, wobei interessant wäre, inwieweit sich Themen der Sozial- und Mikrogeschichte bis hin zu den Kategorien class und gender in die musealen Sammlungen eingeschrieben haben. Abschließend blieb der Blick aus der Gegenwart in die Zukunft – was sammeln wir heute? Wichtig war Macdonald, dass dokumentiert und begründet wird warum etwas gesammelt wurde, um im Nachhinein die Motivation, Intention und ein mögliches Sammlungsprofil herausfinden zu können.

Die begriffliche Unterscheidung von Bedeutung und Relevanz zu schärfen, war das Anliegen von MARC FEHLMANNs (Berlin) Beitrag, der an unterschiedlichen Stellen der Tagung immer wieder deutlich machte, dass Museen keine Behörden sein sollten und ihr Auftrag nicht durch bürokratische Verfahren überdeckt werden sollte.

Das Gemälde „Die letzte Handgranate“ von Elk Eber war das Beispielobjekt MONIKA FLACKES (Berlin), um die sich wandelnden Bedeutungszuschreibungen anhand der Objektgeschichte, seiner Präsentationskontexte, wie auch der inhärenten Bild- und Motivtradition explizit zu machen.

BÉATRICE DE CHANCEL-BARDELOT (Paris) sprach über das Bekanntwerden und den Popularitätszuwachs des Wandteppichs „Die Dame mit dem Einhorn“ aus Boussac durch die Rezeption im 19. Jahrhundert. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es erneut zu einer enormen Popularitätssteigerung, die sich an die weiterhin nicht eindeutig lesbare Motivik und an neue Formen der musealen Präsentation bis hin zur erweiterten Produktpalette im heutigen Museumsshop knüpft.

Es folgte das Panel „UM-DEUTEN“. Der Vortrag von MARY-ELIZABETH ANDREWS (Sydney) beschäftigte sich mit der Bewertung von Sammlungsobjekten des Zeughauses in unterschiedlichen Zeitabschnitten. Exemplarisch stellte sie Objekte vor, die eine relativ klare Zuschreibung erfahren haben und als Belegstücke einer Zeit immer wieder auftauchen, wie Napoleons Hut oder Bismarcks Uniform. Bei diesen Objekten spielte interessanterweise die Authentizität keine große Rolle, dennoch wurden sie in der Sammlung immer gegenüber den Alltagsobjekten bevorzugt behandelt. Zu Schlüsselobjekten wurden solche, die nicht vieldeutig lesbar sind.

HANNES HEER (Hamburg) rekapitulierte die Beweggründe der Planung der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944“ von 1995 und schilderte die langjährigen Kontroversen – von den Bemühungen politisch darauf Einfluss zu nehmen, dem Ausstellungsboykott in München bis hin zu einem Bombenanschlag in Saarbrücken. Diese enorme öffentliche Gegenwehr zu der These, dass auch Wehrmachtssoldaten am Vernichtungskrieg aktiv beteiligt waren, lenkte den Blick auf blinde Flecken in der historischen Selbstwahrnehmung. Die damalige Kritik an der falschen Betitelung von Bildmaterial, die zur Umarbeitung der Ausstellung führte, löste zudem eine breite Auseinandersetzung von Historiker/innen und Bildwissenschaftler/innen zum Umgang mit Bildquellen und insbesondere mit Fotografien aus.

REGINE FALKENBERG (Berlin) zeigte anhand eines preußischen Bildteppichs nicht nur die unterschiedliche Zuschreibung in Bedeutung und Datierung des Objekts, sondern beschrieb ihre kontinuierliche Recherchearbeit zu Datierung und Bildprogrammatik und schilderte die Erkenntnisse einer ausdauernden musealen Forschung am Objekt.

MICHAEL DORRMANN (Berlin) näherte sich im Panel „NICHT-DEUTEN“ dem Phänomen des Nicht-Deutens über die Grenzen musealer Arbeit und setzte „das Museum als unentrinnbaren Bedeutungsrahmen“[1] voraus. Deutlich wurde diese Rahmung beim Smithsonian National Air and Space Museum in Washington D.C., als dort 1994 der Bomber Enola Gay im Kontext des Atombombenabwurfs und dessen Folgen thematisiert werden sollte. Der Vorwurf der (Fehl)Deutung der Geschichte verwies das Technikmuseum in seine ihm zugeschriebene Rolle als Ort, an dem technische Entwicklung und Fortschritt im Mittelpunkt stehen und die Objekte in der Tradition des Kunstmuseums präsentiert werden. Das Nicht-Deuten wurde zum Teil des Deutungsprozesses. Dorrmann wies ebenso daraufhin, dass Rahmenbedingungen für Besucher/innen oft nicht transparent gemacht werden oder Museumsmitarbeiter/innen als Logopäden missverstanden werden, die die Objekte zum Sprechen bringen können. Als Orte der musealen Nicht-Deutung macht er unter anderem die 300 Zeichen von Objekttexten wie auch die Verwendung von Objekten als Belegstücke aus.

ANDREAS LUDWIG (Potsdam) thematisierte das Nicht-Deuten in Bezug auf die museale Sammlung und benannte das Depot als Transitzone, in der die Bedeutungszuschreibungen der Objekte neu ausgehandelt werden. Obwohl dort jedes Objekt eines unter gleichen scheint[2], schreiben sich institutionelle Sammlungslogiken ein, die sich zum Teil an den Gründungszusammenhängen ablesen lassen. Als Formen oder Strategien des Nicht-Deutens greift Ludwig die Abkehr vom Normativen auf, indem man sich entschließt zu sammeln und erst später zu deuten. Als Beispiel dafür diente ihm das Alltagssammeln, dem das Nichtdeuten für eine spätere Aushandlung inhärent sei. Fragen und Forschungsinteressen an den Objekten verändern sich, so kann zum Beispiel serielles Vorhandensein von Objekten für Materialforscher ein Glücksfall sein, erläuterte Ludwig. Die Sammlungskurator/innen sollten, in Anlehnung an Clifford Geertz „Thick Description“, durch die Interpretation und Kommentierung kultureller Phänomene und Zeugnisse[3] mehr Feldforschung betreiben.

JOACHIM BAUR (Berlin) fasste Museen als Orte der Identitätskonstruktion, moderne Apparate zur Herstellung von Wissen mit epistemischem Trick, die eine Narration als logische Abfolge präsentieren.[4] Von verschiedenen Kritikern sei seit den 1980er-Jahren Deutungsvielfalt eingefordert worden und nichtsdestotrotz hat sich ein Unbehagen an wissenschaftlicher Deutung etabliert über Vorurteile, Fakten, Argumente und Objektivität. Um die Diskrepanz zwischen hegemonialer Museumswissenschaft und „post-truth museum“ aufzulösen seien drei Wege denkbar: zur Position der Wahrheit zurückzukehren, den Kampf um die Hegemonie führen (im Sinne Antonio Gramscis) oder von der Repräsentation zur Kommunikation (Jürgen Habermas) und Performanz wechseln und damit eine Wiederverzauberung des Museums bewirken.

DIRK HEISIG (Emden) sprach im Panel „UN-BE-DEUTEN“ über das Entsammeln als eine Möglichkeit die Sammlungsqualität zu steigern. Dazu systematisierte er mögliche Ausgangssituationen von Sammlungsmotiven, Handlungsmustern, der Sammlungsdokumentation, von Bewahrungszuständen und Entsammlungsstrategien. Durch ein gezieltes Evaluieren und Nachdenken über die hauseigenen Sammlungszusammenhänge und die Formulierung eines Sammlungskonzeptes wird planvolleres Agieren ermöglicht. BRIGITTE REINEKE (Berlin) hinterfragte als Leiterin der Zentralen Dokumentation (DHM) Möglichkeiten digitaler Visualisierung vor dem Hintergrund fehlender Kontexte.
Das Panel „DEUTUNGSHOHEIT“ eröffnete ROSMARIE BEIER-DE HAAN (Berlin) und blickte auf drei, von ihr mitverantwortete, Ausstellungsprojekte der letzten 30 Jahre. „Leibesvisitationen. Blicke auf den Körper in fünf Jahrhunderten“ in Dresden verwies einerseits auf die Objektbegeisterung der Kurator/innen und auf die unterschiedlichen Lesarten der Objekte. Beier-de Haan zufolge entwickelten sich in der Rezeption der Ausstellung unintendierte Bedeutungsebenen bei den Besucher/innen, die das Zwischen-den-Zeilen-lesen gewohnt waren. Als die Ausstellung „Prometheus. Menschenbilder und Schöpfungsträume in fünf Jahrhunderten“ (1998) nach Tel Aviv ging, stellte sich die Frage: Sollte sich eine Ausstellung ihrem Umgebungskontext anpassen? Als letztes Beispiel diente die Ausstellung „Fremde? Bilder von den »Anderen« in Deutschland und Frankreich seit 1871“ und die dortig erfolgte politische Einflussnahme des Ministeriums für Kultur und Medien 2009. Eine zuerst kritische Betrachtung der EU-Einwanderungspolitik, gipfelnd in dem Satz „Die ,Festung Europa‘ soll Flüchtlingen verschlossen bleiben“, heißt es nun im Tonfall einer Regierungsbroschüre: „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert staatlicherseits die Integration von Zuwanderern in Deutschland.“[5]

KATJA PROTTE (Dresden) stellte die Frage nach Deutungsmacht und Eigensinn für das Militärhistorische Museum der Bundeswehr. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf das Prinzip der inneren Führung und auf eine Vitrine zum sogenannten Karfreitagsgefecht von Kundus 2010. Eine großformatige Fotografie zeigte das Gedenken der Bundeswehrsoldaten an ihre toten Kolleg/innen, und zwar mit einem Wehrmachtszitat:[6] ein weiterer Beleg für eine Traditionslinie, die mit dem Staatsbürger in Uniform nichts gemein hat.[7] Nach den jüngsten Meldungen aus den Kasernen blieben weiterführende Diskussionen leider aus.

JAMES TAYLOR (London) stellte die neugestalteten Galerien der Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg im Imperial War Museum London vor und zeigte Mut zur Inszenierung und Emotionalisierung in Ausstellungen auch für Kriegsthemen. Deutlich wurde das Ziel einer anderen Ansprache der Besucher/innen, jedoch zugleich blieb man mit Skepsis zurück aufgrund der visuellen Überfülle. JÜRGEN MATTHÄUS (Washington D.C.) schlug zum Abschluss den Bogen nochmal zurück in die Geschichtswissenschaft und zeigte am Beispiel der sogenannten Tischgespräche von Gerhard Ritter, dass die Revision und Quellenkritik auch tradierter Ausgaben notwendig und lohnenswert ist.

Die von Sharon Macdonald in Bezug auf die Sammlungsarbeit eingeforderte Dokumentation und Darlegung von Motiven wurde von den Tagungsorganisator/innen umfassend berücksichtigt. Zudem wird es einen Tagungsband geben mit den soeben angerissenen Sammlungseinblicken vom DHM sowie den internationalen Aus- und Rückblicken. Als aktueller Anstoß bleibt die Frage nach der institutionellen Haltung zur sowie der Einbindung der Sammlung in alle weiteren Bereiche musealer Arbeit. Eine weiter zu führende Diskussion über die Rolle und Mitsprache der Sammlungsleiter/innen für eine kuratorische Zusammenarbeit auf Augenhöhe wird nicht nur das DHM weiterhin begleiten.

Konferenzübersicht:

Eröffnung: Raphael Gross (DHM, Berlin)

Keynote
Prosthetic architectures and digital archives, Sarah Kenderdine (Sydney, Melbourne)

Panel I Deuten

Liebt der Russe Birken? Sammeln für eine Erweiterung des Deutsch-Russischen Museums, Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst)

(Un)Möglich? Von der Herausforderung im Museum, Objekte aus dem Umfeld der NS-Täter zu deuten, Kirsten John-Stucke (Kreismuseum Wewelsburg, Büren)

Von Irrtümern der Aufklärung zur Europäischen Integration. Deutungswandel an Exponatbeispielen der Ausstellung „Der Rhein – Eine europäische Flussbiografie“, Marie-Louise von Plessen (Berlin/St. Firmin sur Loire)

Stadtraum – Museumsraum – Deutungsraum, Anja Dauschek (Altonaer Museum, Hamburg)

Keynote
„How can we know the future?“ Uncertainty, transformation and magical techniques in museum collecting, Sharon Macdonald (HU, Berlin)

Panel II Be-Deuten

Bedeutung und Relevanz, Marc Fehlmann (DHM, Berlin)

Paradigmenwechsel. Bilder des Nationalsozialismus vor und nach 1945, Monika Flacke (DHM, Berlin)

The Tapestry of the Lady and the Unicorn. Its Reception and Aura, Béatrice de Chancel-Bardelot (Musée de Cluny, Paris)

Panel III Um-Deuten

„Totally irreplaceable Objects“. Tracing Value and Meaning in Collections across time, Mary-Elizabeth Andrews (Australian National Maritime Museum, Sydney)

Aufbruch. Abbruch. Umbruch. Das Ende der Legende von der „sauberen Wehrmacht“ und die neuen Legenden, Hannes Heer (Hamburg)

Preußisches Lehrstück. Wie es gelang, einem fürstlichen Bilderreigen seinen Kontext zu stehlen und zurückzugeben, Regine Falkenberg (DHM, Berlin)

Panel IV Nicht-Deuten

Nichtdeutung als Wille und Verstellung. Versuch einer Phänomenologie, Michael Dorrmann (JMB)

Nichtdeuten – Eine vorläufige Behauptung. Sammeln als latente Verhandlung über Gesellschaft und ihre „Sachausstattung“, Andreas Ludwig (ZZF, Potsdam)

Keynote
Krise der Repräsentationskritik? Über Deutungsmacht im postfaktischen Museum, Joachim Baur (Die Exponauten, Berlin)

Panel V Un-Be-Deuten

EntSammeln. Wege zur Steigerung der Sammlungsqualität, Dirk Heisig (Museumsakademie MUSEALOG, Emden)

Zur Bedeutung des Digitalen. Chancen und Herausforderungen für die Rezeption von Objekten, Brigitte Reineke (DHM, Berlin)

Panel VI Deutungshoheit

Wessen Stimme? Zum Verhältnis von Objekt, Kurator*in und Institution, Rosmarie Beier-de Haan (DHM, Berlin)

Deutungsmacht und Eigensinn. Ein Militärhistorisches Museum für Staatsbürger*innen in Zivil und Uniform, Katja Protte (Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden)

Making Meaning of the First World War. A Study in Interpretation, James Taylor (Imperial War Museum, London)

Schlüsseldokumente der NS-Geschichte. Anmerkungen zur Transformation einer Deutungskategorie, Jürgen Matthäus (United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C.)

Anmerkungen:
[1] Dorrmann verwies auf diese zu oft ausgesparte Selbstverortung in Ausstellung, die jedoch prägt und den Besucher/innen immer wieder offen gelegt werden sollte.
[2] Krzysztof Pomian, Der Ursprung des Museums. Vom Sammeln, Berlin 1998, S. 38-54.
[3] Clifford Geertz, Thick description: Toward an interpretive theory of culture, in: The Interpretation of Culture. Selected Essays, New York 1973.
[4] Bruno Latour, Elend der Kritik. Vom Krieg um Fakten zu Dingen von Belang, Zürich 2007.
[5] Bernhard Schulz, Selbst ist die Zensur. Wie unabhängig ist das Deutsche Historische Museum Berlin? Ein kleiner Ausstellungstext und seine große Wirkung, in: Der Tagesspiegel, 18.11.2009.
[6] Der Wahlspruch „Treue um Treue“ war vor allem bei Fallschirmjägern (auch in der Wehrmacht) in Gebrauch und ist in der Bundeswehr seit 2014 verboten.
[7] Das Programm „Kunst und Panzer“ soll künstlerisch und kreativ die ausschließliche Technikbegeisterung mancher Besucher/innen unterlaufen. Im Militärhistorischen Museum wurde ein Teil der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ integriert.

Zitation
Tagungsbericht: Assessment of Significance. Deuten – Bedeuten – Umdeuten, 11.05.2017 – 13.05.2017 Berlin, in: H-Soz-Kult, 06.07.2017, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7234>.