Falsche Prinzessinnen, Scharlatane und selbsternannte Experten. Hochstapler in neuzeitlichen Gesellschaften

Ort
Gotha
Veranstalter
Martin Mulsow / Iris Schröder, Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Datum
10.07.2017 - 12.07.2017
Von
Kirsten Eppler / Verena Bunkus, Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Hochstapler (und seltener auch Hochstaplerinnen) sind ein wahrscheinlich in fast allen historischen Epochen vorkommendes Phänomen, in dem schlaglichtartig die impliziten handlungs- und verhaltensleitenden Normen, Regeln und Erwartungshaltungen einer jeweiligen Gesellschaft sichtbar werden. Dies lässt es reizvoll erscheinen, sich diesem Phänomen aus dem Blickwinkel verschiedener historischer Epochen und unterschiedlicher Disziplinen zu nähern, und gab somit das passende Thema für das 3. Alumnitreffen des internationalen Herzog-Ernst-Stipendienprogramms der Fritz Thyssen Stiftung vor, zu dem sich im Juli rund ein Dutzend ehemalige StipendiatInnen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Ländern sowie einige auswärtige ExpertInnen in Gotha zusammenfanden.

Eröffnet wurde die Tagung von IRINA PODGORNY (Buenos Aires / Berlin) mit einem Abendvortrag über „Scharlatan-Netzwerke“ im 19. Jahrhundert in Lateinamerika. Podgorny stellte dabei das Wirken des reisenden Arztes, Museums- und Krankenhausgründers Guido Bennati vor, der sich durch Zertifikate und Qualifikationen jedes Verdachts der Scharlatanerie zu entheben hoffte. Allerdings erwiesen sich diese selbst als gefälscht oder mindestens dubios. So legitimierte sich Bennati durch den Besitz einer Medaille als Mitglied eines Ordens, der von der angeblichen indischen Prinzessin Alina Deldir gegründet worden war, die Jahrzehnte vorher am französischen Hof gelebt hatte und sich aus heutiger Sicht ebenfalls als Hochstaplerin darstellt. Bild- und faktenreich wies Podgorny nach, dass sich das Leben der Scharlatane des 19. Jahrhunderts auf einer Parallelebene des Wissens abspielte, ohne dass die Unterscheidung zwischen Fakt und Fiktion immer deutlich würde. Scharlatane trugen damit maßgeblich zur Popularisierung der Wissenschaften bei. Sie machten gesellschaftliche Spielregeln des wissenschaftlichen Renommees sichtbar und waren Agenten der Zirkulation der Dinge und des Wissens, die regelmäßig in Grauzonen der Seriosität agierten.

Die erste Sektion setzte sich im Anschluss an die Einführung von MARKUS MEUMANN (Gotha) und IRIS SCHRÖDER (Gotha / Erfurt), in der diese die Aktualität des Themas „Hochstapler“ betonten und das Tagungskonzept erläuterten, mit Hochstapelei als sozialer, politischer und intellektueller Praxis in der Frühen Neuzeit auseinander. Am Beispiel des Exulanten Georg Holík aus Böhmen ging MARIE RYANTOVÁ (České Budějovice) dem zeitgenössischen Verdacht der religiösen Hochstapelei nach. Dass Holík, der aus einer im Zuge des Dreißigjährigen Krieges zwangsweise rekatholisierten Familie stammte, sich im Erwachsenenalter erst dem Dominikanerorden anschloss, dann aber zum evangelischen Glauben (re-)konvertierte, machte ihn für seine Zeitgenossen verdächtig. So erregte der als Prediger wirkende Holík in seinem neuen protestantischen Umfeld nicht zuletzt auch durch seine publizistischen Aktivitäten, denen man katholische Tendenzen nachsagte, Aufsehen. Nach Konflikten mit dem sächsischen Herzog reiste er mit seiner Familie nach Schweden, wo er in weiteren Publikationen verfolgte böhmische Protestanten zu Märtyrern stilisierte. Die 1680er-Jahre markierten eine weitere abrupte Wende in Holíks Biographie, die ihn nach Königsberg und Riga führte und zum Autor von Gartenbüchern werden ließ.

Anschließend analysierte REINHARD MARKNER (Innsbruck) die Entstehung der 1781 anonym erschienenen Schrift „Ein paar Tröpflein aus dem Brunnen der Wahrheit“, die in Briefform einen Angriff auf die Figur des Cagliostro, vorgeblicher Graf, Scharlatan und gleichzeitig hochrangiges Mitglied der Freimaurer, enthielt. Der Referent konnte darlegen, dass es sich bei dem anonymen Autor um den Braunschweiger Freimaurer Johann Joachim Christoph Bode (1731-1793) handelte. Eine weitere zentrale Figur im Zusammenhang mit diesem Text war Ernst Traugott von Kortum (1742-1811), der Bode bereits vor dessen Textveröffentlichung in Wolfenbüttel getroffen hatte. Die weitreichenden Beobachtungen von Cagliostros vermeintlichen Wundertaten auf dessen Reisen durch Europa von Warschau bis Straßburg stammten hauptsächlich aus Kortums Feder. Bode und Kortum ging es bei der Aufdeckung von Cagliostros wahrer Identität, so Markner, jedoch mehr um seine Rolle in der Freimaurerei als um seine generelle Entlarvung als Hochstapler bzw. Scharlatan.

Im folgenden Vortrag sprach PABLO TORIBIO PÉREZ (Madrid) über das vermeintlich gefälschte klandestine Manuskript „Origo et fundamenta religionis christianae“ des schlesischen Theologen Martin Seidel. Der antitrinitarisch und auch sozinianisch beeinflusste Seidel stellte darin seinen heterodoxen Standpunkt heraus. So galt ihm Christus lediglich als moralische, nicht aber als göttliche Instanz. Die These, Seidels Text könnte eine Fälschung aus dem 18. Jahrhundert sein, widerlegte der Referent anhand eines Briefs von Seidel, in dem dieser seine theologische Prägung aus dem mosaischen Dekalog herleitete. Dass Seidel dem Christentum Betrug vorwarf, lässt sich Toribio zufolge zurückführen auf seine Zweifel am Argument, Christus sei ein direkter Nachfahre König Davids gewesen. Die einzige zu seiner Zeit belastbare Quelle bezüglich dieser Frage hatte indes keine antike Grundlage, sondern stützte sich auf Annius von Viterbos „Auctores vetustissimi sive commentarii super auctores de antiquitate loquentibus“ aus dem Jahre 1498, wobei seit Anfang des 16. Jahrhunderts bereits bekannt war, dass Annius’ Text auf Fälschungen antiker Quellen beruhte. Trotzdem dienten die offenkundig falschen „Antiquitates“ Martin Seidel zur Untermauerung seiner Kritik am Christentum.

Die Konstruktion der schwedischen Frühgeschichte im Kontext früher nationaler Identitätsbildung war Gegenstand von BERNHARD SCHIRGS (Berlin / Gotha) Beitrag. In seiner „Atlantica“ (1679-1702) stellte der schwedische Gelehrte Olof Rudbeck Schweden – analog zur Situation des ausgehenden 17. Jahrhunderts – als bereits antike Großmacht dar. Rudbeck war dabei bestrebt, mythologische Texte durch empirische Untersuchungen zu belegen, wozu er materielle Quellen der schwedischen Antike wie astrologische Runenkalender oder Runensteine nutzte. So interpretierte er Zeichnungen eines vorgeschichtlichen heidnischen Tempels in Uppsala als Vorbild für klassische griechische Tempelbauten und den Tempel Salomos. In diesem Zusammenhang spielten gezielte Fälschungen – sowohl in literarischer Form, wie etwa Sagas, als auch in materieller Gestalt, wie zum Beispiel im Falle einer eine Inschrift tragenden Alabastervase – eine zentrale Rolle, um das nationale Narrativ im Kampf um die Hegemonie im Ostseeraum zu stärken.

Die zweite Sektion wandte sich exotischen Hochstaplern der Frühen Neuzeit zu, die sich als fremde Potentaten ausgaben, aber auch als betrügerische Bettler entpuppen konnten. STEFANO SARACINO (Hamburg / Wien) zeichnete die Aktivitäten griechischer Almosenfahrer aus dem Osmanischen Reich zwischen 1660 und 1740 im Heiligen Römischen Reich nach. Er zeigte auf, wie diese entweder als Wohltäter, Wissensvermittler oder Hochstapler beschrieben wurden. Obwohl es sich zumeist nicht um gelehrte Personen handelte, trugen die Almosenfahrer dennoch zur interkulturellen Wissensvermittlung bei. In manchen Fällen wurden sie gar als „lebende Wörterbücher“ betrachtet und systematisch zu verschiedenen theologischen Begriffen befragt. Andererseits standen griechische Almosenfahrer oft auch unter dem Verdacht der Hochstapelei. Als Beispiel dafür führte Saracino einen Artikel aus Wilhelm Ernst Tentzels „Monatlichen Unterredungen“ (1693) über den Besuch des Archimandriten Metrophanes Tzitzilianos am Gothaer Hof an. Dieser wird darin als unbeständiger Zeitgenosse geschildert, der sowohl Lutheranern als auch Reformierten „nach dem Mund“ redete.

Passend zum Tagungsort spielte auch im Beitrag von TOBIAS MÖRIKE (Erfurt / Gotha) eine Begegnung am Gothaer Hof eine zentrale Rolle. Im Februar 1725 hielt sich ein gewisser Spaada Habaisci, angeblicher Prinz vom Berg Libanon, in Gotha auf. Er bat um Lösegeld für seine von den Türken entführte christliche Familie und wurde vom Herzog freundlich empfangen. Ob es sich um einen Prinzen im Sinne eines zukünftigen souveränen Staatsoberhaupts handelte, ist jedoch fraglich. Laut dem Referenten stehe es aber außer Frage, dass Spaada Habaisci einer feudalen Familie entstammte. Die wahren Gründe für seine Reise seien jedoch schwer zu eruieren. Habaisci war zu seiner Zeit nur ein reisender maronitischer Prinz unter vielen. Mörike stellte solche Prinzen weniger als übelwollende Betrüger dar, sondern hob ihre Rolle als Wissensvermittler in den Vordergrund: Im höfischen Milieu wurden sie gerne als Schrift- und Sprachexperten zur Pflege orientalischer Sammlungsbestände oder zur Entzifferung arabischer Dichtkunst herangezogen. Im Anschluss an den Vortrag wurde diskutiert, ob es sich um Wissenstransfer handelte oder um eine Form der Unterhaltung und europäischer Wissensbestätigung, für die man gerne auch von „falschen“ Prinzen Gebrauch machte.

LIONEL LABORIE (Leiden) und OLAF SIMONS (Gotha) schlossen die Sektion mit ihrem Vortrag über zwei Akteure, die Betrügerei mit radikalen religiös-politischen Projekten verbanden. Einer der Protagonisten, Philippe de Gentil, Marquis de Langallerie, der in zahlreichen, ganz unterschiedlichen militärischen Dienstverhältnissen gestanden hatte, verfolgte angesichts naher Endzeiterwartungen das Ziel, das Papsttum auf militärischem Wege zu beseitigen. Dabei erhielt er durch einen gewissen Prince de Linange Unterstützung. Zusammen gründeten die beiden eine theokratisch anmutende Organisation, die halb religiöser Orden, halb Aktiengesellschaft war. Von Amsterdam aus versuchten sie, Madagaskar zum Standort einer Handelskompanie, ähnlich der Niederländischen Ostindienkompanie (VOC), zu machen, um von dort mit einer Flotte und Armee den Papst in Rom zu stürzen. Das abenteuerliche Unterfangen scheiterte schließlich 1716 mit ihrer Verhaftung. Der Vortrag warf zudem neues Licht auf die Herkunft und den Lebenslauf von Linange, der, obwohl er aus einer adeligen katholischen Familie stammte, schon in jungen Jahren Pläne hegte, eine hugenottische Republik in Südfrankreich zu errichten. Die Referenten stellten neue Quellen zur Familiengeschichte Linanges vor und konnten zeigen, dass sich dieser bei der Konstitution der eigenen Identität seiner Familie abhanden gekommener Titel und familieninterner Biographien bediente.

Die dritte Sektion widmete sich der Aufdeckung von falschen Forschern, selbsternannten Entdeckern und Scharlatanen im 19. und 20. Jahrhundert. MICHAEL PESEK (Hamburg) referierte über das Verhältnis von Geographen und Forschungsreisenden im 19. Jahrhundert. Expeditionen stellten die wichtigste Form geographischer Wissensproduktion dar, die immer mehr von der Empirie und dem Verständnis der Geographie als Wissenschaft geprägt waren. Forschungsreisende wurden in geographischen Zeitschriften bejubelt und konnten zu Vermögen gelangen, was verständlicherweise Hochstapler anzog. Doch auch die wissenschaftliche Erschließungspraxis europäischer Expeditionsreisender war stets mit Spekulationen und waghalsigen Einschätzungen verbunden. Eine Disziplinierung der Forschungsreisenden setzte Anfang des 19. Jahrhunderts mit Reiseratgebern und der Etablierung von Universitätsfächern ein, sodass es ab den 1890er-Jahren immer schwerer wurde, Reisen und deren Ergebnisse vorzutäuschen.

Am Beispiel eines 1879 zur Veröffentlichung eingesandten Reiseberichtes für „Petermanns Geographische Mitteilungen“ fragte INES EBEN VON RACKNITZ (Nanjing / Berlin), welche Strategien die neu entstehende akademische ‚community‘ des 19. Jahrhunderts verwendete, um Hochstapelei zu entlarven. Das Genre des Reiseberichtes erfuhr zu dieser Zeit eine schärfere Trennung zwischen Unterhaltung und Wissenschaftlichkeit. Experten wurden nur noch dann anerkannt, wenn sie eine spezifische Ausbildung genossen hatten und sich aus Netzwerken wie Staats- und Militärdienst sowie geographischen Forschungsgesellschaften rekrutierten; zugleich entwickelten sie Methoden, um Wissen exklusiv zu erhalten. Hochstapeleien ließen sich durch die untereinander bestehenden Informationsnetzwerke und mittels zahlreicher Dokumentationen schnell aufdecken.

BRICE KOUAKAP NDJEUTCHAM (Dschang, Kamerun) verhandelte anhand der heutigen Pfingstkirchenbewegung in Kamerun die Frage, wie diese Täuschungen nutzbar macht und wie die kamerunische Gesellschaft auf Hochstapelei reagiert. Dafür untersuchte er diskursanalytisch zwei Dokumentationen über selbsternannte Pfarrer und Propheten in der Bewegung. Erscheinungsformen der Hochstapelei wie Betrug, Einmischung in die Angelegenheiten der Gläubigen und die Selbsternennung zu Pfarrer, Prophet und Doktor ohne jede Ausbildung lösten dabei unterschiedliche Reaktionen aus: Die Mitglieder der Bewegung nähmen den Wohlstand ihrer „Propheten“ nicht als Hinweis auf Korruption und Machtmissbrauch wahr, sondern sähen darin eine Bestätigung der Kraft Gottes und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Gegner der Pfingstkirchen dagegen betrachteten diese „Propheten“ als Geschäftemacher und Diebe; die Regierung schließlich lasse gelegentlich Kirchen in Reaktion auf derartige Vorfälle schließen.

In der letzten Sektion zum Thema „Hochstapelei in Literatur und Theorie“ referierte zunächst TILMAN VENZL (Stuttgart) anhand von Carl Zuckmayers 1931 erschienenem Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“ über die Deutung der Hochstapelei in militärischer Uniform. Dabei ging er der Frage nach, welche Rolle der viel diskutierte preußische Militarismus in dem Stück spielt, das häufig als militarismuskritisch gedeutet wurde. Anders als es der Forschungsbegriff des Militarismus nahelegen würde, stelle dieser in dem Drama jedoch keine Gewaltinstitution dar, sondern werde als integraler, wichtiger Bestandteil der Gesellschaft ausgewiesen. Daher sei das Werk keine Satire auf den preußischen Militarismus, sondern zeige eher einen Folkloremilitarismus, der die kriegerische Zweckbestimmung in der Zivilgesellschaft ausblende.

IVETA LEITANE (Riga) erprobte in ihrem Vortrag, wie sich die Kultursemiotik der Tartu-Schule, die sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts im Umkreis Juri Lotmans formierte, für eine Konzeptualisierung des Phänomens der „Hochstapelei“ fruchtbar machen lässt. Leitanes Blick fiel hier auf Überlegungen zum Kartenspiel und zum „samozvančestvo“, dem Wahlverfahren des zaristischen Russlands, das Anfang des 16. Jahrhunderts in den Wirren um die drei Pseudo-Dimitris (von Polen in einem Akt der Hochstapelei lancierte „falsche“ Thronerben) Anwendung fand. Leitanes Überlegungen galten zentral der Frage nach der Struktur, die Vergleichsfälle in der Modellbildung aufweisen müssten. Das gelingende Modell müsse im komplexeren Raum zusammengesetzt werden, so das methodologische Diktum.

Zum Abschluss fassten IRIS SCHRÖDER (Erfurt / Gotha) und MARKUS MEUMANN (Gotha) in Diskussion mit den ReferentInnen die Tagung zusammen. Sie stellten heraus, dass nicht nur menschliche, sondern auch nicht-menschliche Akteure eine wichtige Rolle bei Scharlatanerie und Hochstapelei spielten: Zur Validierung der Legenden wurden immer wieder Objekte eingesetzt. Die Grenzüberschreitungen der Akteure wurden in den Medien und in der Öffentlichkeit aufgegriffen, weshalb die Akteursbezeichnungen zumeist Fremdattributierungen darstellten. Die Beiträge hätten die Spannbreite gesellschaftlicher Reaktionen und staatlicher Sanktionen verdeutlicht, wobei die juristische Perspektive auf Scharlatane und Hochstapler weitere gewinnbringende Aufschlüsse bringen könnte.

Konferenzübersicht:

Begrüßung

Martin Mulsow / Iris Schröder (Forschungszentrum Gotha) / Kathrin Paasch (Forschungsbibliothek Gotha)
Knut Kreuch (Oberbürgermeister der Stadt Gotha): Grußwort

Eröffnungsvortrag

Irina Podgorny (Buenos Aires / Berlin): Scharlatan-Netzwerke: Die unglaubliche Geschichte von der einfältigen Sultanin Deldir und ihrem Commandatore Bennati

Iris Schröder (Erfurt / Gotha) / Markus Meumann (Gotha): Einführung in das Tagungsthema

Sektion 1: Hochstapeln als soziale, politische und intellektuelle Praxis in der Frühen Neuzeit
Moderation: Markus Meumann (Gotha) / Olaf Simons (Gotha)

Marie Ryantová (České Budějovice): Der Exulant Georg Holík: Dominikaner, Konvertit, Prediger, Gärtner – und auch Hochstapler?
Reinhard Markner (Innsbruck): Ein paar Tröpflein aus dem Brunnen der Wahrheit (1781). Eine Schrift gegen Cagliostro und ihre Autoren
Pablo Toribio Pérez (Madrid): Radical Receptions of Forgery: the last descendant of David, Annio da Viterbo and Martin Seidel
Bernhard Schirg (Berlin / Gotha): Convenient discoveries – Forgeries of manuscripts and artifacts in the service of the Swedish Empire (c. 1650-1720)

Sektion 2: Fremde Potentaten oder betrügerische Bettler? Exotische Hochstapler in der Frühen Neuzeit
Moderation: Markus Meumann (Gotha)

Stefano Saracino (Hamburg / Wien): Griechisch-orthodoxe Almosenfahrer aus dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich (1660-1740): Wissensquellen, Wohltäter, Betrüger
Tobias Mörike (Erfurt / Gotha): Der Prinz vom Berg Libanon. Die Reise des Spaada Habaisci (1725-1728) als Wissensgeschichte einer Höflichkeitslüge
Lionel Laborie (Leiden) / Olaf Simons (Gotha): The resourceful “Count de Linange”: King of Madagaskar, Grand Admiral of the Theocracy and global trading strategist

Sektion 3: Falsche Forscher, selbsternannte Entdecker und Scharlatane im 19. und 20. Jahrhundert
Moderation: Iris Schröder (Erfurt / Gotha)

Michael Pesek (Hamburg): Unter Verdacht. Das Verhältnis von Geografen und Forschungsreisenden im 19. Jahrhundert
Ines Eben v. Racknitz (Berlin / Nanjing): Die Erforschung der Erde in der Hochstapelei: Phantasiebericht und Wissenschaftlichkeit am Beispiel des Theodor Mundt-Lauff
Brice Kouakap Ndjeutcham (Dschang, Kamerun): Vom Christentum zur Hochstapelei: Falsche Pfarrer und Propheten in Afrika im 20. Jahrhundert. Der Fall Kamerun

Sektion 4: Hochstapelei in Literatur und Theorie
Moderation: Kai Merten (Erfurt)

Tilman Venzl (Stuttgart): (K)ein militärischer Hochstapler! Zu Carl Zuckmayers Hauptmann von Köpenick
Iveta Leitane (Riga / Tallinn): Semiotische Modelle der Hochstapelei aus der Sicht der Tartu-Schule

Iris Schröder (Erfurt / Gotha) / Markus Meumann (Gotha): Schlussdiskussion

Zitation
Tagungsbericht: Falsche Prinzessinnen, Scharlatane und selbsternannte Experten. Hochstapler in neuzeitlichen Gesellschaften, 10.07.2017 – 12.07.2017 Gotha, in: H-Soz-Kult, 01.11.2017, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7379>.