Wahrnehmungen im Widerstreit. Umstrittene Organisationen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts

Ort
Bochum
Veranstalter
Marcus Böick / Marcel Schmeer, Ruhr-Universität Bochum
Datum
17.11.2017 - 18.11.2017
Von
Marie-Christin Schönstädt / Nina Szidat, Historisches Institut, Universität Duisburg-Essen

„Was tun Historikerinnen und Historiker eigentlich, wenn sie zu Organisationen forschen?“ So kann die Leitfrage der Tagung „Wahrnehmungen im Widerstreit. Umstrittene Organisationen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts“, die vom 17. bis 18. November 2017 an der Ruhruniversität Bochum stattfand, auf den Punkt gebracht werden. Organisationen stehen seit einiger Zeit vermehrt im Fokus (zeit-)geschichtlicher Untersuchungen, nicht nur, aber auch aufgrund der momentan boomenden Auftrags- und Behördenforschung. Ziel der Veranstalter Marcus Böick und Marcel Schmeer (beide Bochum) war es, eine erweiterte Perspektive in die Organisationsforschung einzubringen, die methodische und theoretische Reflexionen stärker berücksichtigt, da dies bislang vernachlässigt wurde. Dieses Desiderat war Gegenstand der Tagung und sollte über die Beiträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln ausgeleuchtet werden.

MARCUS BÖICK und MARCEL SCHMEER benannten in ihrer Einführung verschiedene Aspekte, die Historiker/innen stärker reflektieren müssten: zum einen den Begriff der „Organisation“, zweitens den Zugang zu Quellen und die Quellentypen selbst, drittens das Verhältnis von Organisation und Gesellschaft und möglicherweise konkurrierende Narrative, und viertens die Frage nach der Beziehung von Individuen und Kollektiven in organisationalen Gebilden.

Diese einführenden Überlegungen wurden im ersten Panel nahtlos aufgegriffen, das sich auf verschiedenen Ebenen den methodischen und theoretischen Herausforderungen der Organisationsgeschichtsschreibung zuwandte. SÖREN EDEN und HENRY MARX (beide Berlin) verdeutlichten anhand ihrer Teilprojekte im Rahmen der Arbeit der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Reichsarbeitsministeriums 1933-45 den Erkenntnisgewinn organisationssoziologischer Konzepte für die historische Forschung. So gibt es neben den offiziellen Regeln und Strukturen jeder Organisation auch eine informale Seite mit „ungeschriebenen Gesetzen“. Durch eine genauere Kenntnis der verschiedenen Ebenen des Ministeriums können Handlungsspielräume bzw. -zwänge identifiziert werden, um dann die Handlungen der Mitarbeiter differenzierter bewerten zu können.

Ging es im ersten Vortrag noch um die konkrete Arbeit einer Historikerkommission, wandte sich CHRISTIAN MENTEL (Potsdam) in seinem Beitrag generell der Behördenaufarbeitung zu. Aus der neuen Rolle des „Historikers als Aufarbeitungsdienstleister“ ergeben sich danach drei Problemfelder: erstens leide das Selbstverständnis der beteiligten Historiker/innen unter dem Beschäftigungsverhältnis; zweitens sei das Verhältnis zum Geldgeber durch eine intransparente Vergabepraxis sowie durch den begrenzten Zugang zu Quellen gekennzeichnet, drittens bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Historikerkommissionen und Mitarbeitern. Diese Probleme machte Mentel jedoch nicht nur für die Organisations-, sondern ebenso für die Unternehmensgeschichte aus.

Den Abschluss des Panels bildete der Vortrag von RENA SCHWARTING (Bielefeld). Die Soziologin erweiterte den Fokus nochmals und machte auf allgemeine „Methodische und theoretische Herausforderungen bei der Erforschung historischer Organisationen“ aufmerksam. Dabei stand immer wieder das Verhältnis von Organisation und Gesellschaft im Vordergrund, so beispielsweise im Kontext der Organisationsbildung. Organisationen können entweder aus einem gesellschaftlichen Entscheidungsbedarf heraus entstehen oder infolge organisatorischer Folgeprobleme bereits bestehender Einrichtungen. In der Diskussion wurde das Verhältnis von Empirie und Theorie aufgegriffen, wobei letztlich das Vetorecht der Quellen ernst genommen werden müsse.

Die Vortragenden des zweiten Panels stellten staatliche und militärische Organisationen vor und diskutierten die Frage nach dem Verhältnis von Organisation und Individuum. Den ersten Vortrag hielt PETER BECKER (Wien), der über die staatliche Verwaltungsstruktur der Habsburgermonarchie referierte. Der österreichische Kaiser strebte eine Reform der Verwaltung an, um dysfunktionale Strukturen zu verbessern, die 1912 zu der Gründung einer Enquete-Kommission führte. Aus Beckers Sicht sei besonders die heterogene Zusammensetzung der Kommission interessant, die Akteure aus Ökonomie, Politik und Gesellschaft abdeckte, die jeweils ihre spezifische Sichtweise auf die Verwaltungsstruktur einbrachten.

LUTZ BUDRASS (Bochum) betrachtete in seinem Beitrag die Lufthansa als eine unternehmerische Organisationsform. Zwischen 1929 und 1933 kam es zu einer Koalition zwischen Hermann Göring und der Lufthansa (damals noch „Luft Hansa“ geschrieben), die als „Weimarer Vorzeigeprojekt“ galt. In seinen Ausführungen zeichnete Budraß die Komplexität von Handeln und dessen vorder- und hintergründige Motiven nach.

REINER FENSKE (Dresden) sprach über die „Neuerfindung“ kolonialer deutscher Organisationen von 1918 bis 1936. Während Europa sich bis zum Ersten Weltkrieg als Kulturträger verstanden hatte, sei die Zeit nach 1918 in der Weimarer Republik von einer „erzwungenen Dekolonialisierung“ gekennzeichnet gewesen. Die kolonialen Nachwehen ließen sich anhand des Romans „Volk ohne Raum“ nachzeichnen, der bis in die 1970er-Jahre neuaufgelegt wurde. Als zentralen Akteur hob Fenske die Deutsche Kolonialgesellschaft (DKG) hervor, die er als Organisation mit ausgeprägtem Rassismus und Führerorientierung charakterisierte.

Den letzten Vortrag des Panels hielt MARTIN PLATT (Köln), der das deutsche Militär und insbesondere die Oberste Heeresleitung (OHL) als zentralen politischen Akteur zwischen Erstem Weltkrieg und der Weimarer Republik herausstellte. Die OHL fasste Platt als organisationales Gefüge, das über seine militärische Funktion hinaus gesellschaftliche Aufgaben übernommen habe. Im Fokus der Untersuchung stehen die Novemberrevolution 1918/1919 und die Frage, wie sich das Militär in der Weimarer Republik veränderte bzw., wie es Weimar mitgestaltete. In der anschließenden Diskussion wurde das Verhältnis von Organisation und Individuum als entscheidend für die Frage herausgestellt, wie sich Handeln erklären lasse. Ob soziales Handeln von einzelnen Akteuren ausgeht oder Organisationen in ihrer institutionellen Beschaffenheit als Kollektiv handeln, stand im Zentrum der Debatte.

Der Abendvortrag thematisierte die Frage nach dem Verhältnis von (Zeit-)Geschichte und Soziologie, mit der sich der Organisationssoziologe STEFAN KÜHL (Bielefeld) befasste. Mit der Ankündigung, dies werde „der kürzeste Vortrag der Welt“ präsentierte Kühl seine These: „Geschichte und Soziologie könnten von ihren Disziplinkulturen kaum unterschiedlicher sein, aber vom Forschungsgegenstand gibt es keinerlei Berechtigung für zwei getrennte Disziplinen.“ Damit eröffnete und beendete er den Vortrag und lud das Publikum zur Diskussion ein. Eine einvernehmliche Bewertung der Aussage wurde nicht erreicht, dafür konnten viele offene Fragen mit ins gemeinsame Abendessen genommen werden.

Der zweite Konferenztag begann mit einem Eröffnungsvortrag von WOLFGANG SEIBEL (Konstanz), der soziologische Zugänge zur Organisationsforschung darlegte und den Begriff der „Umstrittenheit“ schärfte. Anhand von Fallbeispielen präsentierte Seibel „umstrittene“ Organisationen, wozu er u.a. die Treuhandanstalt zählte. Der Grad der Umstrittenheit hänge stark von der Leistungs- und Durchsetzungsfähigkeit ab, aber auch von der ethischen Verwerflichkeit und den Machtverhältnissen. In der darauffolgenden Diskussion wurde Klarheit darüber hergestellt, dass der Umstrittenheits-Begriff immer auf die zeitgenössische Perspektive gemünzt würde und nicht als Maßstab der heutigen Bewertung dienen dürfe.

Das dritte Panel der Tagung verband Beiträge zu den Themen „Kulturen und Ideen“ und fächerte noch einmal auf, wie vielschichtig Organisationsforschung ist und welche unterschiedlichen Zugänge sich darunter fassen lassen. GUNNAR MERTZ (Wien) stellte den österreichischen Alpenverein bis 1945 vor und charakterisierte ihn in seiner Argumentation als Wegbereiter des NS, der den „Anschluss“ Österreichs bejubelt habe. Mehrere Versuche die rechtsgesinnte und als staatsfeindlich eingestufte Organisation nach dem Zweiten Weltkrieg aufzulösen, waren gescheitert.

JÜRGEN MITTAG (Köln) präsentierte die internationale Fußballorganisation FIFA, die heute von Skandalen und Korruption gekennzeichnet ist und stellte den Wandel des Verbandes seit den 1970er- und 1980er-Jahren dar. Seither habe sie sich stark kommerzialisiert und eine Monopolstellung mit enormen Machtressourcen erlangt.

Über die Deutsche Jugend des Ostens (DJO) sprach ANNE-CHRISTIN HAMEL (Leipzig) und beleuchtete damit einen Organisationstyp, der in der deutschen Nachkriegsgesellschaft gegründet auf seine kulturellen Traditionen als Heimatvertriebene setzte. In ihrem Beitrag diskutierte Hamel die These, dass es Mitte der 1970er-Jahre zu einer Neuausrichtung gekommen sei, die mit einem Generationenwandel erklärt werden könne: die zweite Generation der DJO habe die Ostpolitik neu gedeutet und andere Vorstellungen über die Zukunft der Organisation haben sich aufgetan.

Um eine im eigentlichen Sinne Nicht-Organisation ging es im Vortrag von VOJIN SAŠA VUKADINOVIĆ (Zürich). Er stellte die New Yorker Objektivisten als Ideen-Gemeinschaft vor, die sich als Gruppe radikaler Kapitalisten konstituierte und von der Vorstellung bestimmt war, einzig der Kapitalismus könne die Gesellschaft zusammenhalten. Die Gruppe bezeichnete sich selbst als „Kollektiv“ und erreichte noch nach ihrer Auflösung 1968 große Wirksamkeit und Sympathie.

In der darauffolgenden Diskussion wurde das Verhältnis von Organisation und Umwelt thematisiert, das stark von der Art der Organisation und ihrer Reichweite in die Gesellschaft abhängt. Der Grad an Individualität der Akteure und ihre Machtressourcen können als Nuancierung der Organisationsstruktur sowie ihres Wandels gedeutet werden.

Im vierten Panel standen Organisationen und ihr Verhältnis zu Sicherheit und Risiko im Mittelpunkt, wobei sich grundsätzlich zwei Szenarien unterscheiden lassen: einerseits Risiken, die von außen an Organisationen herangetragen werden; andererseits Organisationen, die sich selbst mit Risiken befassen. CHRISTOPH WEHNER (Bochum) knüpfte an letztere an und thematisierte den Umgang der Versicherungswirtschaft mit den Risiken der Atomenergie im Spannungsfeld zwischen Politik und Öffentlichkeit. Während der Risikodiskurs in den 1950er-Jahren noch weitgehend unter Experten der Assekuranz geführt wurde, wanderte er in den 1970er-Jahren durch den im Zuge der Ölkrise erfolgten Ausbau der Kernenergie sowie die sich daraufhin formierende Umweltbewegung zunehmend in breitere Gesellschaftsschichten. Durch die von Atomgegnern verursachten Demonstrationsschäden an Kernreaktoren wurde die Gesellschaft selbst zunehmend zum Risiko, auf das die Versicherungswirtschaft reagieren musste.

Versicherungen standen auch im Zentrum des zweiten Vortrags, in dem DANIEL TRABALSKI (Bochum) anhand der Unfallversicherung im Bergbau der Frage nachging, wem die Entscheidungsgewalt in Organisationen und somit gewissermaßen auch die Organisation selbst gehöre. Zwischen 1946 und 1951 wurde gegen den Willen der in der Bergbauberufsgenossenschaft organisierten Unternehmervertreter um die Partizipation der versicherten Bergleute in der Selbstverwaltung der Sozialversicherungen gerungen.

Im letzten Vortrag des Panels präsentierte MARCEL SCHMEER mit der Westberliner Polizeireform zwischen 1971 und 1976 ein Beispiel dafür, wie Organisationen auf die an sie herangetragene Umstrittenheit reagieren. Infolge der deutlichen Kritik an der Sicherheitsbehörde im Zuge des Tods Benno Ohnesorgs wurden massive Reformen zur umfassenden Demokratisierung der Behörde vorangetrieben. Dass eine stärkere Bürgernähe der „neuen“ Polizei von der 68er-Bewegung als „Überwachungsstaat vor Ort“ angesehen wurde, zeigt, dass auch die Reformen wiederum umstritten waren. Zwei Aspekte prägten die anschließende Diskussion, darunter erneut das Verhältnis von Organisation und Umwelt sowie die Bedeutung von Experten beim Umgang mit Umstrittenheit.

Im letzten Panel, dessen Vorträge sich mit „Transformationen“ und Konflikten beschäftigten, wurden Organisationen und deren Mechanismen in Momenten des Umbruchs und spezifischer Konstellationen vorgestellt. CHRISTOPH LORKE (Münster) machte den Auftakt mit seinem Vortrag über Sozialstaatsdebatten und einer damit verknüpften Krisenrhetorik in den 1980er-Jahren. Dabei habe sich ein Wechsel in der Diskursstrategie vollzogen, der sich in dem „Schlussmachen“ mit sozialstaatlicher Generosität zeige. Den Konnex zur Thematik der Konferenz zog Lorke aus einem erweiterten, abstrakten Organisationsbegriff, unter dem sich auch der Sozialstaat als Organisation begreifen lasse.

MARCUS BÖICK referierte zur Treuhandanstalt als umstrittener Organisation. Er kennzeichnete sie als „simuliertes Unternehmen“ zwischen Plan und Markt, das einerseits staatliche Verwaltungsorganisation war, gleichzeitig aber von Ökonomen als Treuhandmanagern geführt wurde. Geprägt von einer starken Ost- West-Asymmetrie in der Führungsriege, stand die Organisation von Anfang an unter scharfer und kritischer Beobachtung.

In den beiden darauffolgenden Beiträgen ging es um die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU). MARCUS GOLDBECK (Münster) hob vor allem den moralischen und realpolitischen Anspruch der BStU sowie ihrer Bedeutung als Institution der Aufarbeitung hervor. Unterschiedliche Deutungen der DDR-Vergangenheit führten dazu, dass die BStU zum „Kompromissprodukt“ wurde und ähnlich wie die Treuhand als Sündenbock galt, allerdings gestärkt aus den Konflikten hervorging.

Die Kulturwissenschaftlerin MYRIAM NAUMANN (Berlin) setzte den Fokus auf ein besonderes Paradoxon der Stasi-Unterlagen-Behörde, nämlich die ehemaligen Mitarbeiter des MfS. Als Erklärungsmuster, warum ehemalige Mitarbeiter der Staatssicherheit in der Aufarbeitungsstelle eben dieser Einrichtung eine Anstellung finden konnten, führte Naumann ein Changieren zwischen Wissen und nicht-Wissen sowie fehlende Kenntnis über das MfS an, das bei der Besetzung der Stellen vorherrschend war. In der Diskussion wurden daraufhin zentrale Handlungsmuster von Organisationen in singulären Situationen thematisiert. Als Anknüpfungspunkt wurde angeregt, die deutschen Beispiele stärker in die Transformationsforschung anderer europäischer Länder einzuordnen.

Die Abschlussdiskussion eröffnete MARCUS BÖICK mit einem kurzen Schlusswort, in dem er die begriffliche Dimension der Organisationsforschung betonte. So habe sich während der Diskussionen der vergangenen beiden Tage gezeigt, dass Begriffe wie „Umstrittenheit“, „Gesellschaft“ oder „Umwelt“ mitunter auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt waren und dass auch diese einer grundlegenden und systematischen Begriffsbestimmung bedürfen.

Insgesamt hat die Tagung gezeigt, dass die historische Organisationsforschung sehr vielfältig ist und sich zahlreiche Anknüpfungspunkte in der soziologischen Forschung anbieten, beispielsweise was die Frage der Legitimation von Organisationen betrifft, die in den Beiträgen auf der Tagung jedoch nur bedingt angewandt wurden.

Konferenzübersicht:

MARCEL SCHMEER / MARCUS BÖICK (Bochum): Begrüßung

I. Organisationstheorie und Geschichtswissenschaft

SÖREN EDEN / HENRY MARX (Berlin): „Beamtenherz“ und „Verwaltungsmaschine“. Individuelle Spielräume in Organisationen
CHRISTIAN MENTEL (Potsdam): Historiker als Aufarbeitungsdienstleister. Kritische Anmerkungen zur aktuellen Behördenforschung
RENA SCHWARTING (Bielefeld): Methodische und theoretische Herausforderungen bei der Erforschung historischer Organisationen

II. Staat und Militär

PETER BECKER (Wien): Staatliche Verwaltung auf dem Prüfstand. Die Enquete von 1912 und die Verwaltung der Habsburgermonarchie
LUTZ BUDRASS (Bochum): Wie organisiert man die schwarze Luftwaffe? Die Entstehung der Koalition von Hermann Göring und Lufthansa, 1929-1933
REINER FENSKE (Dresden): Vom globalen Imperialismus zum Siedlungskolonialismus eines „Volkes ohne Raum“. Die „Neuerfindung“ kolonialer deutscher Organisationen 1918-1936
MARTIN PLATT (Köln): Davonrennen oder Vogel-Strauß? Militär und Militärs zwischen Weltkrieg und Weimar

STEFAN KÜHL (Bielefeld): Perspektiven der historischen Organisationsforschung – Möglichkeiten und Grenzen soziologischer Zugänge

WOLFGANG SEIBEL (Konstanz): Umstrittene Organisationen – Theoriekonzepte, Falltypologien und interdisziplinäre Forschung

III. Kultur und Ideen

GUNNAR MERTZ (Wien): Umstrittene Berge. Der Konflikt um die Nachfolge des nationalsozialistischen Alpenvereins in Österreich
JÜRGEN MITTAG (Köln): Wahrnehmungsprozesse von Sport-/Fußballverbänden im 20. Jahrhundert im Wandel. Zwischen Respekt, Bewunderung und Verspottung
ANNE-CHRISTINE HAMEL (Leipzig): Die „Deutsche Jugend des Ostens“ (DJO) als Gegenstand gesellschaftspolitischer Kontroversen der deutschen Nachkriegszeit
VOJIN SAŠA VUKADINOVIĆ (Zürich): Radikale für den Kapitalismus. Die Objektivisten in New York City, 1962-1968

IV. Sicherheit und Risiko

CHRISTOPH WEHNER (Bochum): Umstrittene Risikopolitik. Die Versicherungswirtschaft in den Spannungslinien des bundesdeutschen Atomkonflikts
DANIEL TRABALSKI (Bochum): Von der Konfrontation zur Partizipation – Zum Verhältnis von Unternehmern und Versicherten in der Unfallversicherung der Bonner Republik
MARCEL SCHMEER (Bochum): Produzenten innerer (Un-)Sicherheit? Bundesdeutsche Sicherheitsbehörden im Fokus öffentlicher Gegenbeobachtung

V. „Transformationen“ und Konflikte

CHRISTOPH LORKE (Münster): Sozialstaatsdebatten: Krisenrhetorik und Diskursstrategien seit den 1980er Jahren
MARCUS BÖICK (Bochum): Eine Gemeinschaft entsteht im Kreuzfeuer der Kritik? Die Treuhandanstalt als umstrittene Organisation
MARKUS GOLDBECK (Münster): Zwischen Moral- und Realpolitik: Die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) als Gegenstand und Akteur in der Auseinandersetzung um die DDR-Vergangenheit
MYRIAM NAUMANN (Berlin): Institutionalisierte Paradoxie: Über die ehemaligen MfS-Arbeiter in der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU)

MARCUS BÖICK: Abschlussdiskussion

Zitation
Tagungsbericht: Wahrnehmungen im Widerstreit. Umstrittene Organisationen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, 17.11.2017 – 18.11.2017 Bochum, in: H-Soz-Kult, 23.01.2018, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7511>.