Liberalismus und Nationalsozialismus – Eine Beziehungsgeschichte

Ort
München
Veranstalter
Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
Datum
14.09.2017 - 15.09.2017
Von
Anna Ullrich, Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte, München

„Liberalismus und Nationalsozialismus – eine Beziehungsgeschichte“ – am 14. und 15. September 2017 gingen Forscherinnen und Forscher dem ambivalenten Verhältnis des deutschen und europäischen Liberalismus zum Nationalsozialismus nach. Die Veranstaltung ging aus einer Kooperation zwischen der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, dem Institut für Zeitgeschichte und seinem Zentrum für Holocaust-Studien hervor. Zugleich bildete dieses Kolloquium den Abschluss des Schwerpunkts „Liberalismus im 20. Jahrhundert“, den die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus seit 2013 in mehreren Tagungen verfolgte.

In ihrer Einführung machte ELKE SEEFRIED (München) das Erkenntnisinteresse der Veranstaltung deutlich. Sie verwies auf die in der Forschung lange vorherrschende Meinung, dass sich Liberalismus und Nationalsozialismus aufgrund ihrer politischen und weltanschaulichen Differenzen konträr gegenüber standen. Im Gegensatz dazu gehe die Konferenz davon aus, dass das Verhältnis weitaus ambivalenter gewesen sei, als liberale Narrative nach 1945 glauben machen wollten. Deshalb lote die Tagung das breite Spektrum liberaler Wahrnehmungen, Denkmuster und Praktiken in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus aus und frage damit auch nach Schnittmengen und Kontinuitäten, um das Verhältnis in einem differenzierten Licht betrachten zu können. Seefried verlieh gleichsam der Erwartung Ausdruck, dass sich über die Sonde des Verhältnisses zum Nationalsozialismus neue Zugänge, Fragen und Ansätze für die Liberalismusforschung ergeben könnten.

Im ersten Panel standen Abgrenzungen und Anknüpfungen zwischen Liberalismus und völkisch-nationalistischer Ideologie während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik im Mittelpunkt. ODED HEILBRONNER (Jerusalem) eröffnete die Sektion mit einer Regionalstudie über Großschwaben. Am Beispiel von Wahlergebnissen und Berichten aus dem Gesellschafts- und Vereinsleben zeigte er ein zunehmendes Abwandern gerade der kleinstädtischen und ländlichen Mittel- und Oberschicht von liberalen hin zu nationalsozialistischen Parteien und Vereinen. Aus diesen Beobachtungen leitete Heilbronner die These ab, dass gerade in diesen Regionen die NSDAP als jene Partei wahrgenommen worden sei, die in der Tradition eines populären wie radikalen Liberalismus stand und sich in diesen Gebieten überzeugend als Gegenkraft zu der zunehmenden Machtzentralisierung in Berlin präsentiert habe.

ULRIKE JUREIT (Hamburg) verwies in ihrem Vortrag auf Differenzen, Ähnlichkeiten und Interdependenzen liberaler und nationalsozialistischer Raumvorstellungen. Am Beispiel von Friedrich Naumanns imperialem Mitteleuropa-Konzept und Carl Schmitts Großraumtheorie zeigte sie, dass beide zwar auf völkische „Blut und Boden“ Rhetorik verzichteten. Trotzdem seien auch die imperialen Vorstellungen Naumanns wie Schmitts, die sich nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend auf den europäischen Kontinent konzentrierten, von sozialdarwinistischen Ideen und der Überzeugung geprägt gewesen, dass Deutschland in sämtlichen dieser Konzepte die Vormachtstellung gebühre.

Anschließend wandte sich THOMAS VORDERMAYER (München) der ideologischen „Kehrtwende“ des völkischen Publizisten Wilhelm Stapel zu. Vor und während des Ersten Weltkrieges als Journalist für die Fortschrittliche Volkspartei in Stuttgart und für den „Kunstwart“ tätig, galt Stapel als ein Verehrer Naumanns, der sich für eine verstärkte Kooperation zwischen Linksliberalen und Sozialdemokraten einsetzte. Wenngleich er das Ende der deutschen Monarchie 1918 begrüßte, lehnte er die parlamentarische Demokratie als unvereinbar mit dem deutschen „Volkscharakter“ ab. Bereits zehn Jahre später, der Volksbegriff hatte in seiner Rhetorik längst den Staatsbegriff ersetzt, forderte Stapel die „Ausrottung“ des Liberalismus. Vordermayers Ausführungen zeigten, dass die biographische Methode einen wichtigen Zugang für die Erforschung des Verhältnisses zwischen Liberalismus und Nationalsozialismus darstellt – eine Beobachtung, die sich im weiteren Verlauf der Tagung bestätigen sollte.

Im Mittelpunkt des zweiten Panels stand die Frage nach Wahrnehmung und Interaktion zwischen Liberalismus und Nationalsozialismus. FRANK BAJOHR (München) analysierte die Sicht führender Nationalsozialisten auf den Liberalismus, die zumeist – so deutete es bereits der Vortragstitel an – zwischen „Gegnerschaft, Geringschätzung und Nichtbeachtung“ variiert habe. Während sich liberale Kräfte zum Teil intensiv mit der nationalsozialistischen Bewegung auseinandergesetzt hätten, war der Liberalismus, so Bajohrs These, in der Wahrnehmung der Nationalsozialisten ein kaum ernst genommener weltanschaulicher Gegner. Widersprüchliche Begriffspaarungen („liberal-marxistisch“, „jüdisch-liberalistisch“) deutete Bajohr als Beleg für die Wahllosigkeit, mit der Nationalsozialisten ihre Gegner diffamierten, wobei ab 1933 der Vorwurf, „liberalistische“ Einstellungen zu vertreten, vor allem für regimeinterne Machtkämpfe funktionalisiert worden sei.

Die anschließenden Vorträge untersuchten, wie Gruppierungen, Parteien und Verbände mit –unterschiedlich stark ausgeprägten – liberalen Einstellungen und Traditionen den Nationalsozialismus wahrnahmen und einschätzten. ERIC KURLANDER (DeLand, USA) analysierte die ambivalente Haltung von „liberal women“. Am Beispiel von Gertrud Bäumer und anderen Vertreterinnen des „Bunds deutscher Frauenvereine“ verdeutlichte er ihre Ablehnung nationalsozialistischer Politik, Gewalt und Hetze. Gleichzeitig knüpften sie Hoffnungen an eine außen- wie innenpolitische Stärkung Deutschlands durch das NS-Regime. Vor diesem Hintergrund lehnten sie auch die Idee der Volksgemeinschaft und die damit verbundenen sozialen Reformen nicht grundsätzlich ab. Zumindest in den ersten Jahren des Regimes wurde so auch liberal eingestellten Frauen eine Integration in die Diktatur möglich.

Von kürzerer Dauer, dafür wesentlich konkreter, war die Kooperationsbereitschaft der 1919 gegründeten Minderheitenpartei Deutsche Demokratische Freiheitspartei (DDFP) in der Tschechoslowakei, die IRIS NACHUM (Jerusalem) in ihrem Vortrag untersuchte. Obgleich die Partei in der Tradition der deutsch-liberalen Parteien stand und christliche wie jüdische Vertreter des sudetendeutschen Großbürgertums zu ihren Mitgliedern zählte, erwog sie anlässlich der tschechoslowakischen Parlamentswahlen 1935 ein Wahlbündnis mit der Sudetendeutschen Partei (SdP). Bereits zu diesem Zeitpunkt galt die von Konrad Henlein gegründete SdP als dem NS-Regime eng verbunden. Dieser Umstand hielt die liberale DDFP nicht von einer Annäherung an die SdP ab. Nachum deutete dies als Beleg dafür, dass dem Ziel einer starken politischen Repräsentation der Sudetendeutschen sämtliche andere Aspekte – wie ein mögliches Verprellen jüdischer Wähler – zumindest vorübergehend untergeordnet wurden.

Anschließend konstatierte PHILIPP MÜLLER (Hamburg) in seinem Referat über Unternehmensvertreter in der Internationalen Handelskammer (IHK) während der 1930er-Jahre erstaunliche Überschneidungen zwischen Wirtschaftsliberalismus und Nationalsozialismus. Diese ergaben sich nicht zuletzt aus dem gemeinsamen Ziel, den deutschen Warenverkehr auszuweiten. Das NS-Regime nutzte die internationalen Unternehmerkontakte der IHK, um wirtschaftliche Beziehungen, insbesondere nach Westeuropa, zu etablieren und zu festigen. Innerhalb der IHK wiederum wurde die Diktatur als Chance gesehen, unternehmerische Reformen herbeizuführen, die Selbstverwaltung und nationale Wirtschaftskoordination zuließen. In den Freiheiten, die das Regime Unternehmen zugestand, zeigten sich, so Müller, zentrale Eigenschaften eines embedded liberalism (John Ruggie), von dem sowohl wirtschaftliche Vertreter als auch politische Machthaber profitierten.

Auf wirtschaftliche Aspekte ging auch JOACHIM SCHOLTYSECK (Bonn) ein. In seinem thesenreichen Vortrag analysierte er die Arisierungsbestrebungen deutscher Unternehmer, die während der Weimarer Republik liberalen Parteien angehört hatten. Sein Fokus lag dabei auf den zahlreichen Graustufen, die sich innerhalb der Arisierungsprozesse feststellen ließen. In den von ihm untersuchten Beispielen sah er die These bestätigt, dass gerade junge Nachwuchsunternehmer die Arisierung als Chance zur Etablierung wahrgenommen hätten und dass ferner eine liberale Haltung die persönliche Bereicherung durch Arisierung nicht verhindert, zumindest aber ein gewisses Maß an Skrupeln zugelassen habe.

In seinem öffentlichen Abendvortrag unterstrich JÖRN LEONHARD (Freiburg im Breisgau) die zentrale Bedeutung und die tiefgreifenden Folgen, die der Erste Weltkrieg nicht nur für den deutschen, sondern den europäischen Liberalismus hatte. Erst der Erfahrungsbruch des Weltkrieges – und, insbesondere im Falle Deutschlands, des Kriegsendes – habe neue Varianten des liberalen Paradigmas ermöglicht, aus denen sich schließlich auch vermehrt Berührungspunkte zwischen Liberalismus und Nationalsozialismus ergeben hätten.

Im Gegensatz zu den von Leonhard aufgezeigten großen historischen Entwicklungslinien stand im dritten Panel das Agieren liberaler Personen und Netzwerke im Nationalsozialismus sowie im Exil im Mittelpunkt. Sämtliche Beiträge belegten dabei nicht nur die zeitlich variierenden Einstellungen, die gegenüber dem Nationalsozialismus vertreten wurden, sondern auch die Vielfalt des liberalen Selbstverständnisses. So hatte der von BEATE MEYER (Hamburg) porträtierte Werner Stephan als führendes Mitglied und langjähriger Reichsgeschäftsführer der DDP noch 1930 eine Broschüre veröffentlicht, die vor den Gefahren des Nationalsozialismus warnte. Dennoch bekleidete er von 1933 bis 1945 verschiedene, durchaus bedeutende Funktionen im Reichspropagandaministerium, bis er schließlich nach 1945 unter anderem als Bundesgeschäftsführer der FDP wieder im Spektrum des politischen Liberalismus tätig war.

Auch die Herausgeber der kulturprotestantischen Zeitschrift „Christliche Welt“, die in CHRISTOPHER KÖNIGS (Bochum) Referat im Mittelpunkt standen, hatten in den frühen 1930er-Jahren vermehrt kritische Artikel über den Nationalsozialismus publiziert und die Leser zum Schutz von Demokratie und Parlamentarismus aufgerufen. Nach 1933 zeichneten sich die Artikel des Blattes dagegen durch eine Kombination aus Anpassung, Selbstzensur und sporadischer Kritik aus. So wurden neben Aufrufen zur Mitarbeit am „nationalen Neubau“ vereinzelt Leserbriefe abgedruckt, die ein Einstehen zumindest für getaufte Juden forderten.

MANUEL LIMBACH (Bonn) begab sich in seinem Vortrag auf die Suche nach einem Bayerischen Liberalismus im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Am Beispiel der vormaligen DDP-Politiker Otto Geßler und Eduard Hamm zeigte er, welche Hoffnungen und Erwartungen sich innerhalb der oppositionellen Gruppe um Franz Sperr mit einem – wenngleich nicht absehbaren – Ende des NS-Regimes für Bayern und Deutschland verbanden. Zugleich wurde auch in diesem Referat deutlich, wie sehr und wie lange sich auch Liberale von den vermeintlichen außenpolitischen Erfolgen Hitlers beeindrucken ließen. Hinzu kamen ein starker liberaler Etatismus, aber auch Opportunismus, Angst und Prestigedenken, die einen konkreten, zentral koordinierten Widerstand verhinderten.

Dass auch jene Liberale, die sich zur Emigration gedrängt sahen, dies nicht notwendigerweise aufgrund einer Fundamentalopposition zum neuen Regime taten, zeigte HELKE RAUSCH (Freiburg im Breisgau) am Beispiel von Ernst Jäckh, der bis zum Frühjahr 1933 das Amt des Präsidenten an der Deutschen Hochschule für Politik innegehabt hatte. Trotz sprachlicher Anpassungen und organisatorischer Zugeständnisse, die Jäckh vermutlich auch während einer Begegnung mit Hitler im April 1933 signalisiert hatte, ließ sich die Gleichschaltung der Hochschule nicht verhindern. In der Folge emigrierte Jäckh nach Großbritannien, später in die Vereinigten Staaten, wo er auf Netzwerke philanthropischer Stiftungen zurückgreifen konnte und sich in unterschiedlichen Funktionen der Abwehr des Kommunismus widmete.

Wie sehr persönliche Liberalismuskonzeptionen mit den weltpolitischen Entwicklungen und, zumindest indirekt, auch mit den eigenen Erfahrungen verbunden waren, wurde insbesondere in ERNST WOLFGANG BECKERS (Stuttgart) Vortrag über Gustav Stolper deutlich. Als Ökonom und Journalist – sowie, während des Kolloquiums, einziger liberaler Vertreter mit jüdischen Wurzeln – hatte Stolper seit Mitte der 1920er-Jahre die wirtschaftspolitische Zeitschrift „Der Deutsche Volkswirt“ herausgegeben, bevor er 1933 in die Vereinigten Staaten emigrierte. Noch in der Weimarer Republik erkannte er die Rolle des Staates als Hüter des sozialen Ausgleichs an und begrüßte in der Emigration zumindest zeitweise das New Deal-Wirtschaftsprogramm Roosevelts. Während des Krieges unternahm Stolper eine universalistische Deutung des Nationalsozialismus, die es im Zuge der Totalitarismustheorie erlaubte, die liberale Feindbeschreibung umstandslos auf den Kommunismus zu übertragen. Becker sah in Stolper letztlich den Vertreter einer skeptischen Wende des Liberalismus, der ideologisch überformten Zukunftsentwürfen generell ablehnend gegenüberstand.

Das vierte Panel fokussierte sich, einem Ausblick gleich, auf liberale Parteien nach 1945 und deren Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in Österreich und der Bundesrepublik. Zu Beginn ihres Vortrages über den österreichischen Verband der Unabhängigen (VdU) und die FPÖ verwies MARGIT REITER (Wien) auf die Tatsache, dass bereits 1918 faktisch keine liberale Partei mehr in Österreich existierte, an dessen Traditionslinie der VdU hätte anknüpfen können. Trotzdem sei das liberale Erbe von den Gründungsmitgliedern immer wieder beschworen worden. Forderungen des VdU nach der Rehabilitierung ehemaliger Nationalsozialisten und die bereitwillige Aufnahme vormaliger NS-Funktionäre hätten frühzeitig zu einer Dominanz deutschnationaler und rechtsextremer Parteimitglieder geführt. Dennoch habe die Überführung des VdU in die FPÖ 1956 noch keine grundsätzliche Abkehr von sämtlichen liberalen Positionen bedeutet. Das endgültige Ende des „liberalen Experiments“ in Österreich sei erst mit Jörg Haiders Wahl zum Parteivorsitzenden erfolgt.

Demgegenüber zeigte KRISTIAN BUCHNA (Stuttgart) in seinem Vortrag, dass in weiten Teilen der FDP ein Anknüpfen an liberale Parteitraditionen zunächst weder möglich noch erwünscht war. Die liberale Zukunftsorientierung der Partei zog in Verbindung mit einer gezielten Klientelpolitik und einer betont nationalen Programmatik zahlreiche, zum Teil ranghohe ehemalige Nationalsozialisten an. Erst die sozialliberale Koalition hätte wie ein liberaler Filter gewirkt. Die Folge sei eine Austrittswelle von rechten Kräften und eine Profilschärfung gewesen, für die die FDP nun auch auf historische Traditionslinien zurückgreifen konnte.

In der Abschlussdiskussion führten die Veranstalter zentrale Aspekte zusammen, die in den verschiedenen Vorträgen und Diskussionen immer wieder aufgegriffen wurden, und identifizierten Untersuchungskomplexe, für die eine genauere Analyse wünschenswert wäre. So sei man zunächst stärker von einer Orientierung an liberalen Parteienzuschreibungen ausgegangen, während sich im Verlauf des Kolloquiums deutlich gezeigt habe, dass der Liberalismus, erstens, als offenes Weltanschauungsfeld nicht an Parteien gebunden gewesen sei und auch jenseits des Naumann-Kreises verortet werden müsse. Zweitens sei es für die Analyse des deutschen Liberalismus nach 1933 unerlässlich, die prägenden Erfahrungen des Weltkriegs und der Weimarer Republik miteinzubeziehen, auch um, drittens, die Frage nach spezifisch liberalen Denk- und Handlungsmustern in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu stellen: War die utopieaverse, abwägende, kompromissbereite und pragmatische Haltung inhärentes Merkmal des Liberalismus? Welche Rolle spielte eine liberale – oder generationelle – Prägung für das Ausnutzen von Handlungsspielräume zwischen Arrangement mit oder Widerstand gegen das NS-Regime? Eine deutlichere Strukturierung dieser Reaktionsmöglichkeiten würde es, viertens, erlauben, die Bedeutung liberaler Netzwerke während des NS-Regimes weiter auszuloten. Fünftens habe es sich auch für die Nachgeschichte als lohnenswert erwiesen, der fortgesetzten Wirkmacht des Nationalsozialismus auf den Liberalismus nachzuspüren, hierbei aber auch transatlantische Einflüsse und Globalisierungsprozesse zu berücksichtigen. Mit diesen Fragen, Schwerpunktsetzungen und Perspektiven bildete das Theodor-Heuss-Kolloquium somit den Auftakt für die weitere Untersuchung der facettenreichen Beziehungsgeschichte zwischen Liberalismus und Nationalsozialismus. Die Beiträge zur Tagung können über die online-Plattform "heuss-forum" nachgelesen und kommentiert werden: http://www.stiftung-heuss-haus.de/heuss-forum_thk2017

Konferenzübersicht:

Elke Seefried (München / Augsburg) / Ernst Wolfgang Becker: Begrüßung und Einführung

I. Völkisch-nationalistisches Ideenreservoir: Abgrenzungen und Anknüpfungen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik
Moderation: Elke Seefried (München / Augsburg)

Oded Heilbronner (Jerusalem): From Popular Liberalism to National Socialism

Ulrike Jureit (Hamburg): Liberaler Imperialismus? Interdependenzen zwischen Imperialität, Großraumdenken und Lebensraumideologie

Thomas Vordermayer (München): Die Kehrtwende des Wilhelm Stapel. Von den liberalen Anfängen eines völkischen Publizisten und ihrer national(sozial)istischen Revision nach 1918

II. Liberalismus und Nationalsozialismus: Wahrnehmung und Interaktion
Moderation: Gudrun Kruip (Stuttgart)

Frank Bajohr (München): Zwischen Gegnerschaft, Geringschätzung und Nichtbeachtung: Der Liberalismus aus Sicht führender Nationalsozialisten

Eric Kurlander (DeLand, USA): Liberal Women and National Socialism. (Dis)continuities in Conceptions of Race, Space, and Social Policy, 1930-1939

Iris Nachum (Jerusalem): Die Deutschdemokratische Freiheitspartei in der Tschechoslowakei

Philipp Müller (Hamburg): Selbstverwaltung und Wirtschaftskoordination. Liberalismus in der Internationalen Handelskammer während des NS-Regimes

Joachim Scholtyseck (Bonn): Liberale und „Arisierungen“: Einige Fallbeispiele und ein Ausblick

Öffentlicher Abendvortrag
Jörn Leonhard (Freiburg im Breisgau): Bürgerliche Moderne im Zeitalter der Extreme: Der europäische Liberalismus nach 1918

III. Liberale im Nationalsozialismus und im Exil: Personen und Netzwerke
Moderation: Johannes Hürter (München)

Beate Meyer (Hamburg): Liberale in der NS-Administration: Werner Stephan

Manuel Limbach (Bonn): Bayerische Liberale im Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Otto Geßler und Eduard Hamm

Christopher König (Bochum): „Die Fronten sind andere geworden…“ Liberale Kulturprotestanten und der Nationalsozialismus am Beispiel der Zeitschrift „Die Christliche Welt“

Helke Rausch (Freiburg im Breisgau): Liberaler Phoenix, Grenzgänger und atlantischer „Zivilapostel“: Ernst Jäckh

Ernst Wolfgang Becker (Stuttgart): Liberale Läuterung? Der Wirtschaftspublizist Gustav Stolper und seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

IV. Liberale und die nationalsozialistische Vergangenheit nach 1945
Moderation Thomas Hertfelder (Stuttgart)

Margit Reiter (Wien): „Liberal“ versus „national“: Politische Konfliktlinien und Deutungskämpfe im Verband der Unabhängigen (VdU) und in der FPÖ

Kristian Buchna (Stuttgart): „Liberale“ Vergangenheitspolitik. Die FDP und ihr Umgang mit dem Nationalsozialismus

Zitation
Tagungsbericht: Liberalismus und Nationalsozialismus – Eine Beziehungsgeschichte, 14.09.2017 – 15.09.2017 München, in: H-Soz-Kult, 21.02.2018, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7564>.
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21.02.2018
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