Appropriation of Jewish Property in Yugoslavia 1940/1941-1945 – Perspectives on Research

Ort
Belgrad
Veranstalter
Philosophische Universität, Belgrad
Datum
20.04.2018
Von
Milan Radovanovic, Kraljevo (Serbien)

Der dritte und letzte Workshop zum Thema „Appropriation of Jewish Property in Yugoslavia 1940/1941-1945 – Perspectives on Research” wurde im Rahmen des DFG-Netzwerkeprojektes “Raub jüdischen Eigentums in Jugoslawien 1940-1945” organisiert. Nachdem im ersten Workshop insbesondere die existierende Forschungsliteratur sowie die Quellen und im zweiten Workshop die Erinnerung an den Raub in Jugoslawien nach 1945[1] im Zentrum der Diskussionen standen, waren die Teilnehmer/innen nun darauf fokussiert – entlang des aktuellen Forschungsstandes zur Enteignung jüdischen Eigentums in Jugoslawien zwischen 1940 und 1945 die künftigen Forschungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet auszuloten.

Nach der Begrüßung durch MILAN RISTOVIĆ (Belgrad) und MICHAEL WILDT (Berlin) eröffnete CAROLINE MEZGER (München) den Workshop mit einem Beitrag zur Erweiterung theoretischer Grundlagen der Erforschung von Expropriation und Plünderung jüdischen Eigentums im besetzten Jugoslawien. Sie verwies auf die potenziellen Vorteile einer umfangreichen Untersuchung der Prozesse auf einer Midi- und Mikroebene. Besonders bedeutend seien dabei die Interaktionen zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb der jugoslawischen Gesellschaft, wie etwa die Position der Besatzer. Potenziell könnte dabei auch jüdisches Eigentum als Zeitzeuge einer longue durée-Entwicklung betrachtet werden.

Es folgte HARIS DAJČ (Belgrad), der sich auf das Gesetz zur Restitution jüdischen Eigentums in Serbien aus dem Jahr 2016 konzentrierte. Nach einer kurzen Zusammenfassung serbischer Staatspolitik zur Frage der Restitution zwischen 2006 und 2016 erläuterte er den aktuellen legislativen Prozess. Als zentrales Problem betonte er die Differenzierung zwischen geplündertem Eigentum und jenem, das nach dem Krieg kollektiviert wurde.

Den ersten Teil des Workshops schloss SANJA PETROVIĆ-TODOSIJEVIĆ (Belgrad) ab, die sich mit der Einstellung städtischer Behörden in Šabac gegenüber lokalen Juden sowie den Juden des Kladovo-Transports zwischen 1941 und 1944 auseinandersetzte. Am Beispiel der lokalen Gemeinde analysierte sie die Enteignungsmechanismen, die im besetzten Serbien durch die kollaborierende serbische Verwaltung mit implementiert wurden. Dabei betonte sie auch, wie der Enteignungsprozess zur Lösung sowohl alltäglicher als auch speziell durch den Krieg bedingter Probleme, wie jenes der in Serbien massenweise ankommenden Flüchtlinge, benutzt wurde.

In der darauffolgenden Diskussion setzten sich die Teilnehmer mit dem Problem regionaler Unterschiede zwischen verschiedenen Besetzungsgebieten des besetzten jugoslawischen Königreiches auseinander. Es wurde die Brauchbarkeit des Terminus ‚Arisierung‘ im Falle Jugoslawiens in Frage gestellt und die Folgen der Prozesse von Raub und Enteignung während des Krieges, beziehungsweise Kollektivierung, Nationalisierung und Restitution in der Nachkriegszeit für die jüdische Gemeinde Jugoslawiens eingeschätzt und verglichen.

Im zweiten Teil des Workshops stellten CHRISTIAN SCHÖLZEL und SANELA SCHMID (beide Berlin) neue Forschungsperspektiven zum genannten Thema vor. Sie schlugen einen transnationalen Vergleich der Raubpraxis im Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) und dem besetzten Serbien vor. Um die Praktiken des Raubs und die multiethnischen Akteure besser greifen zu können, sollte der Vergleich jedoch nicht flächendeckend erfolgen, sondern bestimmte, besonders aussagekräftige Städte beziehungsweise Regionen umfassen. So könnte für den NDH etwa die multikonfessionelle Stadt Sarajevo in Verbindung mit der multinationalen Stadt Osijek untersucht werden, während sich für Serbien die Hauptstadt Belgrad in Verbindung mit einer oder zwei weiteren Regionalstädten anböte. Die Diskussion, die dem Beitrag folgte, knüpfte an das bereits eingeführte Thema regionaler Unterschiede zwischen verschiedenen Teilen des besetzten Jugoslawiens an. Einzelne Teilnehmer wiesen darauf hin, dass nicht ausschließlich Juden Opfer der Expropriationen waren, beziehungsweise dass nicht nur die Besatzer an der Enteignung und am Raub teilnahmen. Dementsprechend wurde auch der Fokus des Projektes neu bewertet und eventuelle Alternativen zum vorgeschlagenen Vergleich zwischen der Expropriation und Raub jüdischen Eigentums im Unabhängigen Staat Kroatien und dem besetzten Serbien betrachtet.

Schlüsse, zu denen die Teilnehmer des Workshops in Belgrad gekommen sind, können auf einige allgemeine Ideen zurückgeführt werden. Eine umfangreiche Analyse der Enteignung jüdischen Eigentums in Jugoslawien zwischen 1941 und 1945 muss – auch wenn als Komparativstudie definiert – im weitaus komplexeren thematischen Kontext des besetzten jugoslawischen Staates angesiedelt werden.

Konferenzübersicht:

Milan Ristović (Universität Belgrad) / Michael Wildt (Humboldt-Universität zu Berlin): Begrüßung

Caroline Mezger (IfZ, München): The Expropriation and Plunder of Jewish Property in Occupied Yugoslavia: Theoretical Approaches

Haris Dajč (Universität Belgrad): The Law on the Restitution of Jewish Property in Serbia 2016

Sanja Petrović-Todosijević (Institut für Neuere Geschichte Serbiens, Belgrad): The Attitude of the Municipal Authorities in Šabac towards the Property of the Jewish People from Šabac and from the Kladovo Transport 1941-1944

Christian Schoelzel (Culture and more, Berlin) / Sanela Schmid (HU, Berlin): Suggested perspectives in research on the Appropriation of Jewish property

Diskussion:
Frank Bajohr (IfZ, München), Haris Dajč (Universität Belgrad), Milan Koljanin (Institut für Neueste Geschichte, Belgrad), Alexander Korb (Leicester University), Caroline Mezger (IfZ, München), Sanja Petrović-Todosijević (Institut für Neuere Geschichte Serbiens, Belgrad), Olga Manojlović-Pintar (Institut für Neuere Geschichte Serbiens, Belgrad), Milovan Pisarri (Centre for Holocaust Research and Education, Belgrad), Milan Radovanović (Kraljevo), Milan Ristović (Universität Belgrad), Christian Schölzel (Culture and more, Berlin), Sanela Schmid (HU, Berlin), Davor Stipić, (Universität Belgrad), Isidora Stojanović (Stadtarchiv Belgrad), Michael Wildt (HU, Berlin)

Anmerkung:
[1] Tagungsbericht: Raub jüdischen Eigentums in Jugoslawien 1940-1945, 14.07.2017 Berlin, in: H-Soz-Kult, 02.10.2017, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7340>.

Zitation
Tagungsbericht: Appropriation of Jewish Property in Yugoslavia 1940/1941-1945 – Perspectives on Research, 20.04.2018 Belgrad, in: H-Soz-Kult, 19.06.2018, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7753>.