Der komplexe Faden der Herkunft: Provenienz

Ort
Berlin
Veranstalter
Forschungsverbund der Bibliotheken Marbach Weimar Wolfenbüttel; Wissenschaftskolleg zu Berlin
Datum
13.12.2017 - 15.12.2017
Von
Yong-Mi Rauch, Historische Sammlungen, Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

In keinem Land sei in den vergangenen Jahren so viel über Provenienzforschung gesprochen worden wie in Deutschland, hob BÉNÉDICTE SAVOY (Berlin / Paris) im Abendvortrag der Tagung hervor. Savoy ist für die Hintergründe, welche die Berliner Kulturinstitutionen und besonders das Humboldt-Forum zum Brennpunkt für Provenienzfragen werden lässt, gewissermaßen eine Augenzeugin. Während lange die Kulturgüter aus jüdischem Vorbesitz im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen, die durch die Auswirkungen der NS-Diktatur geraubt und verstreut wurden, sind in jüngster Zeit die in der Kolonialzeit angeeigneten Kunstwerke in den politischen und medialen Fokus gerückt: Die Tagungsgäste standen noch unter dem Eindruck der überraschenden Zusage François Macrons in Burkina Faso, Kulturgüter binnen fünf Jahren an die Ursprungsländer zu restituieren, womit er völlig mit der kulturpolitischen Ausrichtung der letzten Jahrzehnte in Frankreich bricht und, gemessen an den deutschen Erfahrungen zur Klärung von Rechts- und Eigentumsverhältnissen, ein atemberaubendes Tempo vorgibt. Savoys Vortrag illustrierte, wie die dunklen Herkunftswege von enteigneten Kunstwerken im öffentlichen Diskurs über eine Generation totgeschwiegen wurden. Mit einem Rückblick auf den Napoleonischen Kunstraub vollzog sie dann einen erhellenden Perspektivenwechsel: In der kontroversen historischen Debatte über eine Restitution der Kunstwerke nach Napoleons Sturz fielen Argumente, die aus der aktuellen Diskussion um die koloniale Kunst in europäischen Sammlungen vertraut scheinen, nur das an der Stelle Ägyptens oder Benins deutsche Territorien standen: Seien die Kunstwerke nicht im Louvre der Welt einfacher zugänglich, kompetenter ausgestellt und besser konserviert als an ihren Herkunftsorten?

Sicher ist die Frage, woher die Kulturgüter in öffentlichen Sammlungen stammen und worauf sich ihr Eigentum gründet, ein berechtigter Zweck, deren Provenienz zu studieren. Ein anderes Ziel ist es, wie LUCA GIULIANI (Berlin) erläuterte, Hausherr des Wissenschaftskollegs, archäologische Objekte wissenschaftlich zu deuten, wozu Kenntnisse über den Fundort den Schlüssel darstellen – Kontexte, die durch Raubgrabungen zerstört werden. Die Tagung widmete sich neben diesen Themenfeldern aber vorrangig einem neuen, bislang kaum systematisch erschlossenen Aspekt. Provenienz wurde nicht als Hilfsmittel zur Klärung übergeordneter Fragen, sondern als eigene geisteswissenschaftliche Kategorie betrachtet: Inwiefern eröffnen Objekte und Sammlungen eine neue Perspektive auf geistesgeschichtliche Prozesse? Wieweit lässt sich der materialbezogene Provenienzbegriff auf die Herkunft von Werken, Texten und Ideen anwenden, und welche Beziehungen entstehen zwischen Objekt- und Ideengeschichte? Bei einer großen interdisziplinären Breite von philosophischen, historischen, kunst- und literaturgeschichtlichen Beiträgen bildeten, der inhaltlichen Ausrichtung der Veranstalter entsprechend, Autorenbibliotheken den Schwerpunkt.

Umfassend kam trotzdem die Provenienzforschung zu Wort, welche die in der NS-Zeit zerstreuten Sammlungen untersucht. UTE HAUG (Hamburg) und EMILY D. BILSKI (Berlin / Jerusalem) beschäftigten sich mit der Darstellung von Provenienz bei Ausstellungsobjekten. Zwar werde Provenienz beispielsweise in Themenausstellungen prominent präsentiert, so Haug, doch konkurriere das komplexe Thema im Museumsalltag mit anderen Anforderungen wie der Kunstvermittlung an ein breites Publikum. Bilski veranschaulichte am Beispiel der Kunstsammlungen von Alfred Pringsheim, Schwiegervater von Thomas Mann, dass die Hintergründe der Objekte dem Ausstellungsbesucher oft verborgen blieben. Pringsheims Majolika-Sammlung von Weltrang wurde 1939 weit unter Wert zwangsversteigert und der Erlös größtenteils als »Reichsfluchtsteuer« erpresst. Teilweise lässt sich der Weg einzelner Objekte in neue Privatsammlungen und Museen weiterverfolgen. Der Herkunftshinweis »München« verschleiert den historischen Hergang, während eine Angabe wie »Alfred Israel Pringsheim«, die den 1938 zwangsweise angenommenen jüdischen Namen mitführt, das geschehene Unrecht nicht reflektiert. Provenienz, so Bilski, solle systematisch als inhaltlicher Bestandteil der Objekte akzeptiert werden. JULIA VOSS (Lüneburg) lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass bei zeitgenössischer Kunst Privatsammler mit scheinbar großzügigen Schenkungen an öffentliche Einrichtungen mit illustren Provenienzangaben spekulieren, um den Marktwert der eigenen Sammlungen zu steigern – mit langfristigen Folgen für die Qualität und Ressourcen der Museen.

Für die Provenienz von Büchern ist der sich wandelnde Kontext von Korpora und Bibliotheken oft entscheidend. RÜDIGER HAUFE (Weimar) führte eindrucksvoll vor Augen, dass die Rekonstruktion auch bei scheinbar einheitlichen Provenienzen wie der Sammlung des Berliner Journalisten Gotthilf Weisstein komplex ist. Zwar verstarb Weisstein bereits 1907, seine Bibliothek befand sich aber bis 1933 als Depositum der Angehörigen in der Berliner Staatsbibliothek und wurde, vermutlich unter antisemitischen Repressionen, an den jüdischen Antiquar Breslauer verkauft, der wiederum 1937 emigrierte. Objekte der Provenienz gelangten zu unterschiedlichen Zeiten in die Einrichtungen der Klassik Stiftung Weimar, noch nach 1945 über jüngere Privatsammlungen und selbst als Ersatzexemplare für Titel, die 2004 im Bibliotheksbrand zerstört wurden – jedes Objekt kann eine individuelle Geschichte haben.

Wechselspiel von Objekten und Ideen
Dem Hauptanliegen der Tagung, materielle und ideelle Provenienz in Beziehung zu setzen, widmeten sich mehrere philosophische und literaturwissenschaftliche Vorträge. Üblicherweise beschäftige sich die Philosophie mit der Geschichte von Ideen, nicht mit deren materiellen Trägern, schickte THOMAS MEYER (Hamburg) voraus. Doch auch wissenschaftliche Ideen, schon gar Editionsprojekte hinterlassen Provenienzspuren. Meyer belegte dies anhand der 1929 in Berlin begonnenen Moses-Mendelssohn-Ausgabe und des Schicksals der zugehörigen Mitarbeiter. Die Rohdrucke der Edition wurden verstreut, nachdem die Geschäftsstelle 1936 aufgelöst worden war, ebenso die Mitarbeiter, die im Exil am Projekt weiterarbeiteten. Einen weiteren Denkanstoß gebe die Ausleihkarte in einem Exemplar von Julius Guttmanns einflussreicher »Philosophie des Judentums« von 1933, das sich in der Regenstein Library in Chicago befindet: Sowohl Guttmanns erster Übersetzer David W. Silverman als auch Leo Strauss, Guttmanns früherer Mitarbeiter und Kritiker, sind dort als Entleiher eingetragen. Das konkrete Exemplar, so Meyer, füge Inhalt, Akteure und Rezeption in einem neuen Kontext zusammen.

Provenienzspuren von Texten verfolgt NICOLA ZAMBON (Berlin) im Werk von Hans Blumenberg, welche der Philosoph in seinem akribisch geordneten Nachlass in Marbach quasi für die Nachwelt aufbereitet zu haben scheine. Textpassagen sind auf Karteikarten notiert, auf denen auch auf die Stellen im Werk verwiesen wird, wo diese verarbeitet sind. Während des Schreibprozesses werden sie verkürzt, neu verknüpft und nahezu hermetisch verdichtet. ULRICH JOHANNES SCHNEIDER (Leipzig) wie auch HELMUTH ZEDELMEIER (München) stellten dar, dass die Bücher in ihrer historischen Wanderung durch Sammlungen und Bibliotheken immer neue Ideen- und Rezeptionskontexte bilden, wobei Aufnahme und Wertungen der Leser durch Annotationen, Tilgungen und Zensuren greifbar werden, die Bücher aber auch in Interaktion mit den benachbarten Büchern und Texten treten.

CLÉMENT FRADIN (Nantes) stellte in seinem Vortrag zu Paul Celan die Entstehung eines Gedichts aus der historischen und biographischen Situation, aus Lektüreeindrücken und im Schreibprozess überzeugend als poetische Provenienzgeschichte dar. Rezeptionsspuren in Celans Bibliothek, die Lektüren und Relektüren anzeigen, offenbaren die Herkunft von Wörtern und Versen sowie ihre Deutung – für Celan, der von Claire Goll ungerechtfertigt als Plagiator diskreditiert wurde, sei dies ein hochreflektierter Prozess.

Wanderung von Bibliotheken und Exilgeschichte

Besondere Aussagekraft gewinnt die Provenienz von Bibliotheken für die kulturhistorischen Brüche durch Verfolgung und Emigration im 20. Jahrhundert. Abgebrochene schöpferische Prozesse finden ihre Entsprechung in der Desintegration, Verlagerung und Neuordnung von Sammlungen. CAROLINE JESSEN (Marbach) belegte dies am Beispiel von Karl Wolfskehl: Der Dichter habe diesen Zusammenhang gleichsam vorausgeahnt, als er sich 1929 heftig gegen die Versteigerung des Nachlasses Bettine von Armins wandte, bezeichnet als »Zerreißen der Erinnerung«. Als Wolfskehl 1933 emigrierte, wurde seine Bibliothek in Teilen nach Jerusalem verlagert und im Exil neu aufgebaut. Vergleichbare Brüche weisen die Bibliothek(en) Thomas Manns auf, die in einem Projekt an der ETH erschlossen werden, dargestellt von ANKE JASPERS (Zürich): Die Münchener Bibliothek wurde 1933 enteignet, die des Kalifornischen Exils größtenteils veräußert. Die letzte Schicht der Autorenbibliothek aus dem Schweizer Exil wird heute an der ETH museal präsentiert. Die innige Verbindung zwischen Sammler, Sammlung und wissenschaftlicher Arbeit wurde in MAIKE WERNERS (Nashville) Vortrag zur Geschichte des Jean-Paul-Spezialisten Eduard Berend und seiner Forschungsbibliothek greifbar. Noch bis 1938 arbeitete Berend im Auftrag der Preußischen Akademie an einer Jean Paul-Gesamtausgabe, bis er eilig in die Schweiz emigrieren musste. Das ins Auge gefasste Exil in den Vereinigten Staaten erreichte der Wissenschaftler nicht, da er seine Bibliothek hätte zurücklassen müssen. 1957 folgte Berend schließlich der Einladung der Schiller-Gesellschaft nach Marbach. Die ursprüngliche Absicht, dort ein Zentrum der Jean-Paul-Forschung zu begründen, erfüllte sich nicht, vielmehr bildete sich im Literaturarchiv der Schwerpunkt heraus, Exilbibliotheken zu sammeln und zu erforschen.

SUSANNA BROGI (Marbach) zeigte anhand eines Neuzugangs in der Porträtsammlung des Literaturarchivs, wie Provenienz in den Kontext mehrerer Nachlässe treten kann und deren Gefüge strukturiert: Das Gemälde von Elias Canettis Geliebter Marie-Louise Moteciszky, einer Meisterschülerin Beckmanns, zeigt Canetti beim »Gespräch in der Bibliothek« mit dem Ethnologen Franz Baermann Steiner, dessen Nachlass sich ebenfalls in Marbach befindet. Auf den ersten Blick erscheint die dargestellte Bibliothek Hintergrunddekor zu sein, im historisch-biographischen Kontext wird das Motiv jedoch zum Bildschlüssel: Motecisky, Canetti und Steiner befanden sich alle drei im Londoner Exil. Der Briefwechsel der Männer belegt ihre geteilte Leidenschaft für Bücher. Steiner hatte seine Bibliothek zurücklassen müssen und einem weiteren Korrespondenten anvertraut, H.G. Adler, ebenfalls ein Marbacher Nachlass. Canetti dagegen hatte im Exil seine Bücher in der Wohnung Moteciskys untergebracht. Die Bibliothek verbinde also, so Brogi, die Malerin und Canetti und sei gleichzeitig konstitutiv für die Freundschaft der Dargestellten. Das Motiv versinnbildliche überdies einen neuralgischen Punkt der Exilgeschichte, nämlich den Kontext von Verlagerung, Zerstreuung und Verlust von privatem Buchbesitz.

Provenienz als Bedeutungsträger für Bibliothekssammlungen

Ein zentraler Gegenstand der Tagung war die Geschichte von Privat- und Autorenbibliotheken selbst, aber nicht in ihrer Funktion als Schreibwerkstatt oder Speicher gelesener Texte. Die Bibliotheken, deren Wertung sich im geschichtlichen Verlauf wandelt, haben selbst quasi Objektcharakter. JÖRN MÜNKNER stellte die überwältigende Vielfalt der Verzeichnisse und Kataloge in der Herzog-August-Bibliothek vor, mit deren Hilfe Privatsammlungen rekonstruiert werden können, während PETRA FEUERSTEIN-HERTZ (Wolfenbüttel) diese Bibliothek als sammelnde Institution in den Blick nahm, die im zeitlichen Verlauf unterschiedliche »Sammlungs-Logiken« verfolgt – vom Ankauf kompletter, geschlossen aufgestellter Herkunftseinheiten in früherer Zeit zur selektiven Erwerbung und Neuordnung der Provenienzen späterhin. Über längere Zeit wurde der Provenienz von Büchern kaum Aufmerksamkeit geschenkt, was beispielsweise zur Aussonderung von Dubletten ohne Rücksicht auf den Sammlungskontext führte.

Als historische Autorenbibliothek, die weitgehend unverändert an ihrem Standort verblieben ist, ist die Privatbibliothek Goethes eine große Ausnahme. STEFAN HÖPPNER (Weimar / Freiburg) zeichnete den Weg von Dichterhaus und Sammlungen als Gegenstand der nationalen kulturellen Identitätsfindung nach: Bereits Goethe veränderte in seinen Testamenten die Haltung zu den Sammlungen. 1831 verfügte er im Gegensatz zu 1797, seinen Nachlass, sein Haus und seine Sammlungen für die Nachwelt zu bewahren, da diese für Weimar, ja ganz Deutschland geistige Bedeutung hätten. Bald nach seinem Tod entstand das Anliegen, das Haus am Frauenplan in Weimar als Pilgerstätte oder Museum zu erhalten. In dieser Frage kam Goethes Bibliothek, heute Forschungsgegenstand, innerhalb des Nachlasses keine hervorgehobene Bedeutung zu. Das Dichterhaus wurde schließlich 1885 als nationale öffentliche Gedenkstätte eingerichtet. Ein Gegenstück zur hohen Authentizität der Weimarer Sammlung bildet eine weitere Goethe-Bibliothek, nämlich die im Frankfurter Elternhaus. Das Haus wurde 1797 verkauft, die Bibliothek des Kaiserlichen Rats Johann Caspar Goethes auktioniert. An Stelle des im 2. Weltkrieg zerstörten Hauses steht ein Nachbau. Von der musealen Rekonstruktion der Intérieurs und der Bibliothek berichtete JOACHIM SENG (Frankfurt). Die im Auktionskatalog dokumentierten Werke werden vom Hochstift sukzessive neu in anderen Exemplaren erworben und aufgestellt – im Rahmen der musealen Inszenierung entsteht ein artifizielles Ensemble gefühlter Authentizität.

Die Grenzen des während der Tagung erarbeiteten »alternativen« Provenienzbegriffs zur Forschung, wie sie heute in Kultureinrichtungen etabliert ist, zeichneten sich deutlich ab. Während auf der einen Seite die Provenienz zum Teil des ideengeschichtlichen Gefüges wird, steht auf der anderen Seite die Absicht, historische Abläufe zu dokumentieren und den ethisch-rechtlichen Kontext aufzuklären. Wenig wurde dagegen während der Vorträge und Diskussionen reflektiert, wieweit sich insbesondere die experimentellen Ansätze zur geisteswissenschaftlichen Provenienzforschung anderen Methoden annähern oder davon abgrenzen, wobei sich etwa die Critique génétique, Rezeptionsgeschichte oder Intertextualität anbieten. Unklar blieb gleichfalls, an welcher Stelle die Übertragung des Provenienzbegriffs auf Texte, Wörter und Ideen ihren Objektbezug verlor und zur reinen Metapher wurde. Denn allein im Wechselspiel zwischen Objekten und Ideen, so legten viele überzeugende Vorträge nahe, entfaltet Provenienz als geisteswissenschaftliche Kategorie ihre strukturierende Kraft. Bei der überaus anregenden Breite des Programms von europäischen Handelswegen der Renaissance über zeitgenössische Kunstvermittlung bis zu textgenetischen Prozessen hätte eine methodische Diskussion der Orientierung gedient. Die Herkunftsgeschichte oder »Biographie« von Büchern und Sammlungen, so ergaben insgesamt die vielfältigen Beiträge der Tagung, eröffnen einen neuen Blick auf geistesgeschichtliche Fragen, die sich mit Hilfe der Objekte ordnen, veranschaulichen und deuten lassen. Besonders in der Exilgeschichte des 20. Jahrhunderts spiegeln die in Bewegung geratenen Sammlungen die kulturelle Desintegration der Zeit. Die Zielrichtung der Forschungsbibliotheken in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel, Autorenbibliotheken als geisteswissenschaftlichen Gegenstand in den Mittelpunkt zu rücken, fand während der drei Tage in Berlin ihre volle Bestätigung.

Konferenzübersicht:

Begrüßung / Einführung

Sonja Asal (Berlin)
Ulrich Raulff (Marbach)
Stefan Höppner (Weimar)
Caroline Jessen (Marbach)

Provenienz: Herkunft als Bedeutungsschicht

Moderation: Elisabeth Gallas (Leipzig)

Emily Bilski (Berlin / Jerusalem): Beyond Possession. The Lives of Objects

Ute Haug (Hamburg): Ästhetik versus Information oder geht doch beides? Wie können Provenienz-Informationen im Museum erfahrbar gemacht werden?

Julia Voss (Lüneburg): Against Formalism. Welchen Unterschied es macht, wo ein Werk hängt und wieviel es kostet

Abendvortrag

Begrüßung Luca Giuliani (Berlin)

Bénédicte Savoy (Berlin / Paris): Warum und zu welchem Zweck studiert man Provenienz?

Funde: Geschichten von / in Sammlungen
Moderation: Stefan Höppner (Weimar)

Meike Werner (Nashville): Fluchtgepäck. Eduard Berends Jean-Paul-Sammlung im Exil

Thomas Meyer (Hamburg): »Der Expertenkader der Wissenschaft des Judentums«. Bücher und ihre Schicksale in Berlin, Prag, Jerusalem und Chicago

Rüdiger Haufe (Weimar): Der weite Blick der Provenienzforschung. Bestandsübergreifende Recherchen zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern in der Klassik Stiftung Weimar

Bezugssysteme: Provenienz als strukturierende Kraft

Moderation: Caroline Jessen (Marbach)

Helmut Zedelmaier (München): Provenienz braucht Referenz. Das Beispiel der Marienbibliothek in Halle an der Saale

Philipp Messner (Zürich): Ursprung, Entstehung, Herkunft. Der Provenienzgedanke im archivischen Denken

Susanna Brogi (Marbach): Provenienz als dynamisierende Kraft. Marie-Louise von Motesiczkys »Gespräch in der Bibliothek«

Transfer: Wege von Dingen und Ideen

Moderation: Jan Eike Dunkhase (Marbach)

Bettina Pfotenhauer (München): Luxuswaren und Wissensobjekte. Nürnberg und die europäische Diffusion venezianischer Frühdrucke

Ulrich Johannes Schneider (Leipzig): Zeitbombe Spinoza oder Die Vergangenheit der Zukunft der Bücher

Materialspur: Buch-Fährten, Werklabyrinthe

Moderation: Sonja Asal (Berlin)

Nicola Zambon (Berlin): Das Rhapsodische und das Manische. Denk- und Schreibstil bei Hans Blumenberg und Edmund Husserl am Beispiel der Nachlässe

Clément Fradin (Nantes): Woher die ganzen Wörter? Celans »Begegnungen« in seiner Bibliothek

Caroline Jessen (Marbach): Der gerissene Faden. Karl Wolfskehl und die Romantik

Herkunft und Zirkulation: Zur Beziehung von Handel und Forschung

Moderation: Reinhard Laube (Weimar)

Jörn Münkner (Wolfenbüttel): So weit der Faden reicht. Mit Listen und Katalogen zur Herkunft von Büchern

Marie-Elisabeth Fischer (Berlin): »Wanderung und Schwund der Bilder«. Beobachtungen zur Rolle des Kunsthandels in einem Artikel des Kunsthändlers Eduard Plietzsch (1886–1961)

Petra Feuerstein-Herz (Wolfenbüttel): Konfigurationen einer Bibliothek. Herkunft und Migration im Kontext historischer Sammlungslogiken

Rekonstruktion: Präsenz von Vergangenheit?

Moderation: Jörn Münkner (Wolfenbüttel)

Joachim Seng (Frankfurt am Main): »Denn das Falsche kann echt werden«. Die Bibliothek Johann Caspar Goethes

Anke Jaspers (Zürich): Stempel, Schilder, Signaturen. Provenienz und Konstruktion der Nachlassbibliothek von Thomas Mann

Stefan Höppner (Weimar): Vom Arbeitsraum vom Schaustück. Dimensionen des Erbes anhand von Goethes Bibliothek

Zitation
Tagungsbericht: Der komplexe Faden der Herkunft: Provenienz, 13.12.2017 – 15.12.2017 Berlin, in: H-Soz-Kult, 20.08.2018, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7812>.