Der Pfälzerwald in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Kulturlandschaft im Wandel

Ort
Johanniskreuz / Trippstadt
Veranstalter
Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde; Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen (beide Bezirksverband Pfalz); Landesforsten Rheinland-Pfalz
Datum
08.06.2018 - 09.06.2018
Von
Christian Decker, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde Kaiserslautern

Der Pfälzerwald als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Deutschlands definiert von jeher einen bedeutenden Teil der Region Pfalz als Kulturlandschaft. Als Rohstofflieferant, Arbeits- und Kulturraum prägt er bis heute den menschlichen Alltag, unterliegt aber seinerseits anthropogenen Veränderungen. Er stellt mithin in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine sich in ihrer sozioökonomischen Bedeutung und Nutzung wandelnde Ressource dar. Exakt jenes Wandlungsmoment stand im Zentrum der vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen (jeweils Bezirksverband Pfalz) und den Landesforsten Rheinland-Pfalz ausgerichteten Tagung am 8. Juni 2018 im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz bei Trippstadt, ergänzt durch Exkursionen am 9. Juni. Den vielfältigen Fragen, welche das gewählte Thema aufwirft – z.B. nach der verbleibenden „Natürlichkeit“ des Waldes angesichts konstanter menschlicher Kultivierung – entsprach der interdisziplinäre Hintergrund der Referentinnen und Referenten: von der Forstwissenschaft bis zur Forstgeschichte, von der Kulturgeschichte bis zur Umweltpolitik. Unabhängig davon rahmten drei Jubiläen die Veranstaltung historisch ein: 175 Jahre erstmalige Prägung der Landschaftsbezeichnung „Pfälzerwald“ 1843, 60 Jahre Bestehen des Naturparks Pfälzerwald, der 1958 ins Leben gerufen wurde und letztlich die im Jahr 2017 erreichten 25 Jahre Biosphärenreservat Pfälzerwald.

Den ersten Konferenztag eröffnete UTE FENKNER-GIES (Kaiserslautern) mit ihrem Vortrag über die 1843 in Johanniskreuz erlassene „Forstlich-charakteristische Skizze“ als Waldbaurichtlinie des Pfälzerwaldes. Mit ihrem Erlass knüpfte der bayerische Staat in der Pfalz an die bereits in der „Franzosenzeit“ etablierte Praxis der Waldverstaatlichung und zentralistisch-repressiven Strukturpolitik an. Hauptziele der Richtlinie waren die praxistaugliche Kategorisierung des Waldes, besonders aber der effektive Holzschlag. Dieser ließ sich langfristig allerdings nicht ohne ökologisch nachhaltigen Umgang mit den begrenzten Baumbeständen erreichen. Deshalb fanden in den Bestimmungen erste Ansätze modernen Naturschutzes Eingang – z.B. beim Erhalt seltener Baumarten (Birke und Aspe). Aufschlussreich war der Hinweis, dass der Waldfrevel in der Richtlinie zwar beschrieben, im Wissen um die materielle Not breiter Bevölkerungskreise aber nicht stigmatisiert wurde.

Der Aspekt der Holznot leitete über zum Beitrag von BERND-STEFAN GREWE (Tübingen), der als Auftakt zur ersten Sektion über die Waldressourcenkrise der Pfalz im 19. Jahrhundert sprach. Holz stellte für die damaligen Pfälzer den lebenswichtigsten Brenn- und Werkstoff dar, ebenso unverzichtbar war die Waldweidenutzung, wegen des unzureichenden Ertrags kleinteiliger Parzellen für eine wachsende Bevölkerung. Da die Holzerträge niedrig ausfielen und Importe geographisch erschwert waren, reagierte die bayerische Regierung mit einer strikten Waldnutzungsreglementierung zwecks Steigerung der Holzproduktion. Allerdings müsse man sich fragen, ob nicht bei manchem Entscheidungsträger aus politischem Eigeninteresse lediglich eine „Holznot im Kopf“ existierte, welche der Realität nicht immer entsprach. Jene Forstpolitik führte u.a. zu einer reduzierten Agrarnutzfläche und exzessivem Holzfrevel wegen überhöhter Preise – es kam realiter zu einer „totalen Waldsperre“ für die breite Masse. Das Fazit: Zwar retteten die staatlichen Maßnahmen den Pfälzerwald im 19. Jahrhundert ökologisch, taten dies ökonomisch aber auf Kosten der verarmten Unterschichten. In der Folgediskussion wurde die Behauptung einer allgemeinen imaginären Holznot angezweifelt. Hiervon wollte Grewe auch pauschal nicht ausgehen, bekräftigte aber die von der bayerischen Politik intendierten Erziehungseffekte und erheblichen finanziellen Gewinne. Letztlich verwies er in einer treffenden Analogie auf die aktuelle Verlagerung der Ressourcenproblematik auf die globale Ebene.

Mit der heutigen gesellschaftlichen Bedeutung des Waldes befasste sich MATTHIAS NOACK (Berlin) und erweiterte dabei die forstwirtschaftliche um die ökologisch-kulturelle Perspektive mit der These: Wald ist mehr als nur ein Wirtschaftsgut! Gleichwohl spielt er (der Wald) für die Wirtschaft eine essentielle Rolle. Der mitteleuropäische Wald, dessen Erschließung erst seit dem 18. Jahrhundert unter dem Nachhaltigkeitsgedanken vonstattengeht, bietet in der Bundesrepublik ca. 1,1 Millionen Arbeitnehmern Beschäftigung. Doch als Ökosystem übernimmt er noch andere Funktionen für den Menschen: die einer „grünen Lunge“, ebenso die eines Wasserspeichers und damit auch Garanten fruchtbarer Böden. Schützt der Forst weiterhin vor Bodenerosion und Gebirgslawinen, dient er ebenso als Freizeitraum, ist Kunstmotiv und volkskundlicher, respektive kulturanthropologischer Forschungsgegenstand. Abschließend sei eine gesicherte Klimaplastizität als zentrale forstwissenschaftliche Zukunftsherausforderung anzusehen, was im Klimawandel die Kultivierung eines anpassungsfähigen Mischwalds bedeute. Dies aufgreifend, wurde in der Aussprache kritisiert, die deutsche Forstwirtschaft sei mit ihrer Expertise nicht ausreichend in der Klimapolitik der Bundesregierung präsent.

Die zweite Sektion eröffnete JOHANNES ZECHNER (Berlin). Er befasste sich mit der literarischen Entwicklung bzw. politischen Instrumentalisierung des Mythos „Deutscher Wald“ und fragte, in welcher Form der Wald jeweils eine soziokulturelle Projektionsfläche verkörperte. Zunächst wurde die Konstruktion einer alten deutschen Waldtradition innerhalb der Romantik durch eine kleine Minderheit von Intellektuellen und Lyrikern angesprochen. Einer davon war Ludwig Tieck, der 1839 den Begriff der „Waldeinsamkeit“ prägte, welcher allerdings später von ihm selbst persifliert wurde. Eine politische Konnotation erhielt die Forststilisierung bereits in den Befreiungskriegen, der „Geburtsstunde des deutschen Waldnationalismus“. In den „Zeitgedichten“ sprach Joseph von Eichendorff vom „Land der Eichen“, was Ernst Moritz Arndt im propagierten Kampf gegen Napoleon zum martialischen „Eichen und Leichen“ umdichtete. Arndts radikaler Nationalismus bediente sich neben antifranzösischen auch antisemitischer Stereotype. Vor diesem Hintergrund überrascht seine Rezeption während des Nationalsozialismus nicht, der den Begriff „Deutscher Wald“ ganz in den Dienst seiner Rasseideologie stellte und zur Rechtfertigung seiner kriegerischen Expansionspolitik nutzte. So befahl Reichsforstmeister Göring im besetzten Polen in Umsetzung des sogenannten „Generalplans Ost“ die Waldpflanzung für die dort vorgesehenen deutschen Kolonisten, nach der Deportation und Ermordung der ursprünglich ansässigen Bevölkerung. Diesem Vorgehen den geistigen Boden bereitet hatten Propagandisten wie Alfred Rosenberg mit seinem Kulturfilm „Ewiger Wald“ (1939). Die NS-Ideologie stellte den Deutschen als höherwertiges, waldaffines Volk das Feindbild der Juden und Slawen als waldfeindliche, materialistisch eingestellte Völker gegenüber. Auch in der Nachkriegszeit lebten, nicht zuletzt anfänglicher personeller Kontinuitäten wegen, manche NS-Topoi fort – etwa in der öffentlichen Kritik am „blutleeren“, naturfernen Großstadtmenschen. Zusammengefasst wurde der Waldmythos als geistiges Produkt der Romantik identifiziert, welches bereits zu seiner Entstehungszeit nur wenig mit der empirischen Realität gemein gehabt haben dürfte. Angesichts der Frage, wo in dem vorgestellten ideengeschichtlichen Spektrum die Wandervogelbewegung einzuordnen sei, warnte Zechner davor, diese wegen ihrer inhaltlichen Vielschichtigkeit auf den Nationalismus zu reduzieren.

ULRICH SCHRAML (Freiburg) widmete sich einem wieder aktuellen Gesellschaftsphänomen: Fake News, die bundesrepublikanischen Wälder betreffend. Gerade bei auf Lokalebene emotional besetzten Themen operierten Vertreter jeweiliger Interessengruppen in der Diskussion, falls zweckmäßig, auch mit „alternativen Fakten“. Ein Beispiel hierfür sei die Kontroverse um die mittlerweile ebenso im Pfälzerwald erfolgte Wiederansiedelung des Wolfs. In solchen Konflikten biete es sich zur Durchsetzung eigener Ziele an, tradierte Waldklischees und dramatische Bilder auszunutzen. Denn letztere stoßen meist auf größere öffentliche Resonanz als komplexe Erklärungen. Ein weiteres Beispiel sei die westdeutsche Berichterstattung zum Waldsterben in den 1980er-Jahren (Schlagzeilen im Stil von „Die deutsche Eiche ist todkrank!“). Die mit Wörtern wie „Wald“ oder „Wurzel“ verbundenen Bilder eigneten sich exzellent zur öffentlichen Mobilisierung, da sie gut verständlich und effizient einsetzbar seien. Hier spiele die Vorstellung des Waldes als solidarische, auf gegenseitiger Vernetzung fußende Sozialutopie eine große Rolle. In jenem Kontext kam auch der landespolitische Streit um Stuttgart 21 zur Sprache. Letztlich wurden aufgrund des hohen Assoziationspotentials der Idee „Wald“ ähnlich wie bei Zechner ihre ambivalenten Instrumentalisierungsmöglichkeiten betont. Die Frage nach dem Sinn einer auf den jeweiligen Adressaten abgestimmten „Wald-Kommunikation“ zur ökologischen Bewusstseinsbildung bejahte Schraml: Derartiges sei essentiell, da heute viele nichts mehr mit einem romantischen Waldmythos anfangen könnten.

Die dritte Sektion begann mit UWE E. SCHMIDT (Freiburg), der Elemente einer allgemeinen Naturschutzgeschichte des Waldes mit einer Fokussierung auf den linksrheinischen Raum verband. Als ideengeschichtliche Basis der Naturethik skizzierte er zwei Ansätze: den physiozentrischen (Natur als Eigenwert) und den anthropozentrischen (Wert der Natur für den Menschen). In den bis in die Antike gesichteten Quellen finden sich erst ab dem 19. Jahrhundert Belege für moderne Naturschutzmaßnahmen, zuvor dominiert eher eine Naturwahrnehmung. Diese war bei den griechischen Philosophen (z.B. Chrysippos) physiozentrisch, bei den Römern (Tacitus) setzte sich dann die Einstellung der Naturzurückdrängung zwecks Ressourcengewinns durch. Überwiegende Waldfeindlichkeit wurde in den ab dem Mittelalter betrachteten Beispielen deutlich, hier symbolisiert der Wald einen Zivilisationsgegenpol (Albrecht Altdorfers Gemälde „Laubwald mit dem Heiligen Georg“, 1510). Gleichwohl gab es bereits im 14. Jahrhundert Ansätze für anthropozentrischen Naturschutz (Schweiz), eine Tendenz die sich im linksrheinischen Raum fortsetzen sollte (Wildbann des Kaiserslauterer Lutra-Forstes, Waldordnung Nassau-Saarbrücken 1603: Erhalt der Bachvegetation).

Einen Quantensprung für die Entwicklung nachhaltiger Forstwirtschaft stellte 1774 die Gründung der „Kameral-Hohen-Schule“ Kaiserslautern dar, wo man erstmals versuchte, Ökologie und Ökonomie zu verbinden. Staatlich verordneter Waldschutz dominierte im Pfälzerwald die bayerische Politik schließlich im 19. Jahrhundert. Mit Blick auf Grewe wurde auch hier auf diverse Forstverwaltungsreformen eingegangen – deren primäre Zielsetzung darin bestand, den Pfälzerwald als effektive „Holzfabrik“ zu optimieren. Gleichwohl habe die Gründung des Pfälzerwald-Vereins 1902/03 den Naturschutz entscheidend vorangebracht, in der NS-Zeit wurden mit dem Reichsnaturschutzgesetz 1935 erstmals Landschaftsschutzgebiete geschaffen. Diese ökologische Regulierungstendenz setzte sich von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart fort – mit der Gründung des Naturparks Pfälzerwald 1958, seiner Aufwertung zum 12. UNESCO-Biosphärenreservat 1992 und seit 2017 dem Verbot der rheinland-pfälzischen Landesregierung, dort weitere Windräder aufzustellen.

Das Tagungsprogramm beschlossen die Überlegungen von ULRICH MATTHES (Trippstadt) zum aktuellen Waldnaturschutzstatus des Pfälzerwaldes. Effektiver Naturschutz benötige stets große Landschaftsräume, deren Biodiversität in allen Facetten gesichert werden müsse. Diesen integrativen Ansatz verfolgten die Landesforsten auch im Pfälzerwald, bei dem es sich nicht mehr um einen Primärwald, sondern eine Kulturlandschaft handele. Zwar sei die Buche dort aktuell noch häufigste Baumart, müsse aber künftig zugunsten der widerstandsfähigeren Eiche zurückgedrängt werden. Als historisches Kulturlandschaftselement wurde der Erhalt von bis zu 1.000 Woogen und Triftbächen beschlossen. Der Klimawandel steht im Zentrum künftiger Forstverwaltung. Seit 1881 beobachtete man im Pfälzerwald einen Temperaturanstieg von 1,7 °C und in jüngerer Zeit die Ausbreitung invasiver Arten (z.B. Indisches Springkraut). Die erfolgversprechendste Zukunftsstrategie liege in einer Balance aus Bewahrung und Veränderung. Die Abschlussdiskussion klärte zunächst die Erhebungskompetenz für die Baumartenstatistik (die Landeswaldinventur). Weiterhin wurde für ein ganzheitliches forstwissenschaftliches Konzept hinsichtlich der bisher getrennt analysierten Bereiche Wald und Offenland plädiert. Zur klima- wie menschheitsgeschichtlichen Frage, ob Naturphänomene wie die „Kleine Eiszeit“ (13. Jh.) oder vergangene Überschwemmungen auch ohne humane Einflussnahme erklärt werden könnten, sagte Matthes, dies sei bis zu einem gewissen Punkt sicher zutreffend, nur müsse man den seit der Industrialisierung anhaltenden menschengemachten Klimawandel in die Gleichung einbeziehen.

Den ersten Veranstaltungstag rundete der Abendvortrag von ANNETTE REICH, Kuratorin am Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, über den Pfälzerwald als Malereimotiv kunsthistorisch ab. Nach Würdigung einiger, für die Landschaftsdarstellung stilbildender Werke wie Konrad Wirtz‘ „Der wunderbare Fischzug“ (1444) oder der „Einsame Baum“ Kaspar David Friedrichs (1822), wurde für die Pfalz zunächst Heinrich Jakob Frieds „Blick auf die Madenburg“ (1831) betrachtet. Fried gilt als wichtiger regionaler Romantiker, der auf ähnliche Licht-und-Schatten-Experimente setzte wie Friedrich. Max Slevogt, einer der bedeutendsten deutschen Impressionisten, war mehrfach vertreten, u.a. mit „Der blaue Tag – Jäger am Abhang“ (1903) oder der „Winterlandschaft bei Neukastel“ (1920) – exemplarisch für Weite und Helligkeit als typische Elemente seiner atmosphärischen Malerei. Zum Abschluss ging Reich auch auf abstrakte Gegenwartskunst ein – u.a. Sigrid Schewiors Fotoarbeit „Pfälzerwald“ (2014).

Am zweiten Veranstaltungstag starteten zwei Exkursionen vom Trippstadter Schloss aus – nach einer kurzen Einführung in dessen Geschichte und die Arbeit der dort residierenden Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft des Landes Rheinland-Pfalz. Eine Exkursion führte ins Elmsteiner Tal, um dort die historische Landschaftsprägung durch die Forst- und Waldwirtschaft aus erster Hand zu studieren. Die andere bewegte sich südlich von Kaiserslautern durch drei aneinandergrenzende Forstabschnitte mit jeweils distinkter Verwaltungsgeschichte: den Reichswald, den ehemaligen Stiftswald der Prämonstratenser und den Stadtwald.

Resümierend ist es der Tagung sicherlich gelungen, die Vielschichtigkeit des Forschungsgegenstands Pfälzerwald panoramaartig abzubilden. Hierbei konnten eine Reihe von Erkenntnissen gewonnen werden. So zeigt die Geschichte der Forstpolitik in der bayerischen Pfalz, dass für die Entwicklung des modernen Naturschutzes eher dessen anthropozentrische als physiozentrische Wurzeln ausschlaggebend gewesen sein dürften. Ohne das fiskalisch motivierte Ziel einer effizienten wirtschaftlichen Nutzung des Waldes von Staats wegen hätte auch der damit verbundene Nachhaltigkeits- und Schutzgedanke keine breitere soziale Akzeptanz gefunden. Die trotz historischen Wandels konstante Fundamentalbedeutung der Zentralressource Wald für den Menschen und die hier ohne Polemik geäußerte Erkenntnis, dass eine zu einseitige Struktur- und Umweltpolitik schlimmstenfalls zu existentiellen sozialen Verwerfungen führt – all das konnte durch die methodische Verzahnung der jeweiligen Zeitebenen verdeutlicht werden.

Was den Mythos „Deutscher Wald“ betrifft, hat dieser einen langen, ideologisch belasteten Weg zurückgelegt. Heute lebt er in sozialen Nischen, zunächst unpolitischen Subkulturen und rechtsextremen Kreisen weiter. Der Tenor einiger Beiträge deutet andererseits darauf hin, dass seine Bedeutung in einer globalisierten, stärker multikulturellen Industriegesellschaft, in der romantische Ideen nicht mehr zwingend mehrheitsfähig sind, spürbar geschwunden ist. Unabhängig davon sehen sich die Forstbehörden im Pfälzerwald und in Restdeutschland der Kardinalherausforderung des Klimawandels gegenüber.

Konferenzübersicht:

Einführung

Hermann Bolz (Direktor Zentralstelle der Forstverwaltung) / Theo Wieder (Vorsitzender Bezirkstag Pfalz) / Jens Jacob (Leiter Landesforsten Rheinland-Pfalz), Sabine Klapp (Direktorin Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)

Ute Fenkner-Gies (Kaiserslautern): „Forstlich-charakteristische Skizze“ von 1843 – erste Beschreibung des Biosphärenreservats?

Sektion 1: Wie steht es um die Zentralressource Wald?

Bernd-Stefan Grewe (Tübingen): Die Steuerung der Holznot – Die Waldressourcenkrise des 19. Jahrhunderts in der Pfalz

Matthias Noack (Berlin): WALD - Wir alle leben davon

Sektion 2: Was ist dran am Mythos „Deutscher Wald“?

Johannes Zechner (Berlin): Der „Deutsche Wald“ zwischen romantischem Denkmuster und nationalsozialistischer Ideologie

Ulrich Schraml (Freiburg): Fake News im Wald? Bäume als Katalysatoren der politischen Debatte

Sektion 3: Der Pfälzerwald: Natürlich künstlich?

Uwe E. Schmidt (Freiburg): Frühe Naturschutzgeschichte des Waldes unter besonderer Berücksichtigung „linksrheinischer Waldgebiete“

Ulrich Matthes (Trippstadt): Waldnaturschutz und Waldentwicklung zwischen Natur- und Kulturlandschaft

Abendvortrag

Annette Reich (Kaiserslautern): Der Pfälzerwald - Malerisches Motiv in der Kunst von einst und heute

Zitation
Tagungsbericht: Der Pfälzerwald in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Kulturlandschaft im Wandel, 08.06.2018 – 09.06.2018 Johanniskreuz / Trippstadt, in: H-Soz-Kult, 03.08.2018, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7828>.