Aller guten Dinge sind… Raubkunst, Kulturgut, Nationales Eigentum? Objekte zwischen Macht und Moral

Ort
Tutzing
Veranstalter
Evangelische Akademie in Schloss Tutzing in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte München
Datum
08.02.2019 - 10.02.2019
Von
Ilse von zur Mühlen, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München

In Schloss Tutzing, selbst Schauplatz verzweigter Geschichten der Verfolgung durch den Nationalsozialismus[1], fand zum zweiten Mal eine Tagung zum Thema Provenienzforschung statt.[2] Veranstalter war die Evangelische Akademie Tutzing. Das Konzept stammt von Studienleiterin Ulrike Haerendel in Zusammenarbeit mit Christian Fuhrmeister, Stephan Klingen und Meike Hopp. Die historische Belastung des Tagungsorts wurde bei dieser Veranstaltung nicht thematisiert, der Titel der Tagung rief ein breites Themenspektrum mit deutlich ethischem Impetus auf. Wer angesichts der Begriffe Kulturgut und Nationales Eigentum eine Debatte um das neue Kulturgüter-Schutzgesetz erwartete, war fehl am Platz. Hingegen versuchte die Tagung die großen Themen von NS-Raubkunst und Kolonialem Raub unter gemeinsamen Fragestellungen zu behandeln.

Der vergleichende Ansatz beider Themenfelder war gleichfalls ein zweiter Versuch. Im April 2017 fand im Museum Fünf Kontinente in München die Tagung „Provenienzforschung zu Ethnologischen Sammlungen der Kolonialzeit“ zur Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Forschungsfeldern statt.[3] Missverständnisse unter den Wissenschaftlern, die mit den Forschungsmethoden und -feldern der jeweils anderen Fachrichtung nicht vertraut waren, verhärtete Standpunkte aufgrund fehlender Finanzierungen und prekärer Arbeitsverhältnisse und auch fehlende politische Unterstützung für beide Felder verhinderten bei jener Tagung mehr als Kontaktaufnahme.[4] Tutzing bot hier in kleinerem Kreis eine gut genutzte zweite Chance, die sich durch ein gut aufeinander abgestimmtes Programm und zumeist gute Vorträge hervortat.

Anwesend waren sowohl Ethnologen, darunter als Vertreter eines Herkunftslandes der Anthropologe und Historiker Bertram Mapunda aus Tansania, sowie mit NS-Provenienzforschung beschäftigte Kunsthistoriker sowie Historiker und Vertreter des Kunsthandels. Ebenso anwesend waren Vertreter der evangelischen Kirche und der Jewish Claims Conference sowie ein gebildetes und interessiertes Laienpublikum. Nicht anwesend waren bis auf wenige Ausnahmen MuseumsdirektorInnen und PolitikerInnen sowie die Presse. JÖRG HÄNTZSCHEL (München) von der Süddeutschen Zeitung (Redaktion Feuilleton) bildete als provokanter Teilnehmer der ersten Podiumsdiskussion die Ausnahme.

Die drei Tage gliederten sich in vier Sektionen, darunter einer, die sich mit „Fluchtgut“ und verwandten Themen beschäftigte. Eingebettet waren die Themen zwischen die Forderungen nach „gerechten und fairen“ Lösungen auf moralischer Grundlage (Washingtoner Prinzipien) und die Forderung nach rechtlichen Grundlagen, also einem zu schaffenden Restitutionsgesetz (Sophie Schönberger und Hans-Jürgen Papier). Die Sektionen waren von den Veranstaltern mit viel Raum für Diskussion geplant und wurden von Ulrike Haerendel, Meike Hopp und Christian Fuhrmeister für das Laienpublikum jeweils nochmal zusammengefasst.

Raubkunst – eine globale Verantwortung? So lautete die Fragestellung des Einleitungsabends. Die Frage nach dem richtigen Umgang mit Erwerbungen der Kolonialzeit wurde der Verstrickung der Schweiz in den NS-Kunstraub gegenübergestellt. MATTHIAS FREHNER (Bern) verwies zugleich mit einem Vergleich der Sammlungsstrategien Emil Bührles und Oskar Reinhardts auf die bedingte Reichweite der Washingtoner Prinzipien auf lediglich öffentliche Sammlungen. Die Problematik privater Sammlungen wurde am Folgetag durch das Thema der Sammlung Gurlitt von AGNIESZKA LULINSKA (Bonn) nochmals aufgegriffen. Der einleitende Vortrag von Meike Hoffmann fiel aus.

Die erste Hälfte der Veranstaltung beherrschte die seit dem Bericht von Bénédicte Savoy und Felwine Sarr für den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron[5] heftig diskutierte Frage nach dem Raub in – und den notwendigen Restitutionen an die ehemaligen Kolonialstaaten, die Macron durch seine Offensive zur Rückgabe kolonialen Kulturguts[6] befeuerte.[7]

Drei Vorträge zu afrikanischen kolonialzeitlich geraubten Objekten von FELICITY BODENSTEIN, LILY REYELS (beide Berlin) und BERTRAM MAPUNDA (Morogoro) fragten nach dem richtigen wissenschaftlichen, rechtlichen und politischen Umgang mit den Objekten und mit der Vergangenheit. Die Redner erläuterten, dass die Vorstellungen vom richtigen Umgang mit den aus Afrika nach Deutschland verbrachten Objekten auf afrikanischer Seite anders aussehen, als in Europa, illustriert wurde dies durch Beispiele aus Benin und Tansania, dort insbesondere während des Maji-Maji-Kriegs geraubt. Mapunda stellte unterschiedliche Ansichten aus Tansania vor, die von der Ablehnung von Rückgaben, über eine Rückgabe unter allen Umständen sowie die Befürwortung von Restitutionen, aber erst nach Schaffung guter Bedingungen für die Aufbewahrung reichen. Ein vierter Standpunkt betont die finanzielle Mitverantwortung der ehemaligen Kolonialherren. Ernüchternd war sein Bericht über leerstehende afrikanische Museen. Als positives Beispiel stellte Lily Reyels das Programm des Humboldt Lab Tanzania Projekts vor, das in einem gemeinsam mit tansanischen und deutschen Repräsentanten realisierten Ausstellungsprojekt im Gedenkmuseum Songea/Tansania Living Inside the Story gipfelte, bei dem tansanische Künstler die Erinnerung an den Maji-Maji Krieg und seine Opfer und Helden hinterfragten. Der Reflexionsprozess beflügele das nation building in Tansania.

HILKE THODE-ARORA (München) erweiterte das Spektrum um Beispiele der Ozeanien-Sammlung des Museums Fünf Kontinente in München. Sie beschrieb historische Kontexte, die von Raub bei Strafexpeditionen über „stillen Tausch“ bis zu Win-Win Situationen z. B. von Geschenken samoanischer Teilnehmer anlässlich der Völkerschauen in Berlin reichten.[8] Sie betonte die Notwendigkeit, kulturelle und rituelle Vorstellungen zu berücksichtigen, z. B. bei mit Mana behafteten Objekten, die prinzipiell für den falschen Ansprechpartner gefährlich sind. An die breit angelegte Vorstellung von Fallbeispielen knüpften sich Gedanken zu verschiedenen Möglichkeiten des richtigen Umgangs mit den Objekten und den Vertretern der Herkunftsgesellschaften. Thode-Arora wies wie die VorrednerInnen darauf hin, dass die Herkunftsgesellschaften die Objekte oft besser einordnen könnten, aber auch andere Rechtsauffassungen verträten. Rituale könnten Unrechtszustände heilen und neue Verträge besiegeln. Es käme, so hoben alle Ethnologen hervor, auf ein Gespräch und Lösungen auf Augenhöhe an. Wichtig sei, dass Projekte zu Ausstellungen, Rückgaben und Kooperationen nicht durch die Europäer und ehemaligen Kolonisatoren allein gedacht werden dürften, sondern gerade die Vorstellungen der Herkunftsgesellschaften mit einbezogen werden müssten.

Thode-Arora betonte, dass die (post)-koloniale Provenienzforschung ganzen Familien ihre Geschichte zurückgebe[9], woraus neue Aspekte der Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften erwüchsen. Anlässlich der Tagungen zu 20 Jahre Washingtoner Konferenz[10] hatten verschiedene Vorträge zur NS-Provenienzforschung übrigens gleichfalls herausgearbeitet, dass Fund und Rückgaben Menschen, die heute aufgrund der Verfolgung nichts über ihre Familie zwischen 1933 und 1945 wissen, einen Teil ihrer Identität zurückgeben kann. Diese Gemeinsamkeit wurde in der Diskussion von Meike Hopp hervorgehoben.

Die Vorträge von EMILY LÖFFLER (Mainz) und JOHANNES GRAMLICH (München) behandelten den Raub und die Verwertung jüdischen Eigentums. Während Emily Löffler eindringlich Forschungsmethoden bei fehlender Aktenlage (ein Grundproblem auch der Kolonial-Provenienzforschung) und am Beispiel des Besitzes von Felix Ganz den Ablauf der Enteignung insbesondere von Alltagsgegenständen schilderte, stellte Johannes Gramlich das Geschehen vor den Hintergrund der durch den NS-Staat erlassenen Gesetze, die die Enteignung scheinbar legalisierten. Die Zusammenstellung dieser Daten in ihrer dichten zeitlichen Reihenfolge, illustriert durch das von Löffler vorgetragene Beispiel, das sie ohne das Zusammenwirken mit Adam Ganz, einem Nachfahren des Geschädigten wohl nicht so hätte darbieten können, ließen diesen Teil eindringlich gelingen. AGNIESZKA LULINSKA zeigte anhand der Gurlitt-Ausstellungen Möglichkeiten, wie Fallbeispiele ausgestellt werden können.

Löffler hob die Traumatisierung der Opfer – und so sei hier hinzugefügt – auch der nachfolgenden Generationen [11] – nicht nur durch das Geschehen während des Nationalsozialismus, sondern auch durch die „Wiedergutmachung“ hervor, die den Opfern die bürokratisch aufwendig und emotional belastende Beweislast auferlegte. Die in die Gegenwart reichenden emotionalen Aspekte für die betroffenen Herkunftsgesellschaften wie für die Nachkommen der NS-Opfer stellen eine weitere Gemeinsamkeit dar, die Museen, die entsprechende Bestände halten, berücksichtigen sollten.

SEBASTIAN SCHLEGEL (Weimar) thematisierte den Umgang mit „Fluchtgut“, also jenen Werken, die von Emigranten ins nicht besetzte Ausland mitgenommen werden konnten, aber dort zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten veräußert werden mussten - eine in Deutschland bislang nicht zu Ende diskutierte Frage. Noch komplizierter stellte sich der Fall der Sammlung Dittmayer dar, den BARBARA HAUBOLD (Tutzing) schilderte. Obwohl der Sammler selbst nicht jüdisch war, galt er wegen seiner jüdischen Ehefrau als „jüdisch versippt“. Die Kinder mussten als „Halbjuden“ in Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten, Ehefau Stephanie sollte in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert werden. Die Familie überlebte, anerkannt als Opfer des Nationalsozialismus, in Prag, und geriet dort aufs Neue ins Visier. Mit der Ausweisung aus der Tschechoslowakei verlor Dittmayer seine Kunstsammlung, soweit sie dort den Krieg überstanden hatte. Restitutionsforderungen werden bislang zumeist abgelehnt.[12]

SOPHIE SCHÖNBERGER (Düsseldorf) prangerte an, dass bislang sowohl ein Bekenntnis des Bundestags zur Rückgabe kolonialzeitlich geraubter Objekte wie von NS-Raubkunst fehle. Den meist falschen Anschuldigungen der Presse zur Arbeit der Beratenden Kommission hielt deren Vorsitzender HANS-JÜRGEN PAPIER (Tutzing) entgegen, dass diese bislang nur auf beiderseitige Anrufung reagieren könne. Ihre Rolle bei einseitiger Anrufung, wie sie jüngst diskutiert werde, sei rechtlich nicht abgedeckt. Hingegen forderte er – wie auch Schönberger – die Ablösung der Beratenden Kommission durch ein Restitutionsgesetz.[13] Schönberger sah darin eine Möglichkeit, den Antragstellern eine Verfahrensposition auf Augenhöhe einzuräumen. Papier hingegen warnte, dass eine Verrechtlichung auch zu Ungunsten der Antragsteller ausgehen könne und manche großzügigere Lösung verhindern werde. Bedauerlicherweise nahm er weder die Fragenstellungen zum Fluchtgut noch zum kolonialzeitlichen Raubgut in seine Diskussionsbeiträge auf.

Wichtiger Bestandteil der Tagung waren die Diskussionen auf dem Podium sowie mit dem Publikum. Kontrovers wurden Begrifflichkeiten betrachtet. So missfiel Bertram Mapunda der „Kunst“-Begriff für aus Afrika stammende Objekte. Durch diesen gingen u. a. rituelle Bedeutungen verloren. Er bevorzugte den Begriff „heritage“, der Kultur- wie Naturerbe umfasse. So waren in den Vorträgen neben Kunstwerken wie Benin-Bronzen auch Beutel mit medizinischen Objekten, die während des Maji-Maji Krieges in Tansania geraubt wurden, ein Dinosaurier, und selbst Beispiele für Human Remains vorgestellt worden. Allerdings war der Kunst-Begriff von den Ethnologen erst spät von den Kunstmuseen übernommen worden, um in der Öffentlichkeit und von den Trägern der Museen besser wahrgenommen zu werden. Dass auch die Nationalsozialisten neben Kunstwerken Alltags- und Ritualgegenstände geraubt haben, hatte Emily Löffler dargelegt: Mit dem Deportationsbefehl mussten Juden eine letzte Vermögensaufstellung des noch vorhandenen Hausrats machen. Diese Aussage fand allerdings nicht ihren Weg in die übergreifende Diskussion.

Die vergleichende Erörterung gemeinsamer Fragestellungen der Provenienzforschung zu kolonialzeitlichem und NS-Raub kam auch bei dieser Tagung zu kurz. Vergleichbar zu der Breite der Positionen zum Thema „Restitution“ und den Befindlichkeiten beispielsweise in Afrika sind, und dies wurde nur von Sophie Schönberger bemerkt, die Gefühle noch lebender Erben, die Objekte aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr entgegennehmen wollen. Auch unter den NS-Geschädigten gibt es zahlreiche Standpunkte und Meinungen, die sich nicht summarisch auf eine Position festschreiben lassen.

Der Begriff „Stolpersteine“ – aus der Diskussion zur Erinnerung an NS-Opfer in vielen Städten Deutschlands bekannt – wurde während der Tagung für Objekte, über die beispielsweise Afrikaner in Europa „stolpern“, wenn sie Gegenstände aus ihrer Heimat sehen, verwendet. Auch an die Herkunftsgesellschaften zurückgegebene Objekte können wie „Stolpersteine“ funktionieren und nun Identität stiften. Nicht thematisiert wurde die historische (rassistische) Gedankengrundlage für beide durch Deutsche verursachten Vernichtungs- und Enteignungsvorgänge. Ein Vergleich der jeweiligen „legalen Voraussetzungen“ für den Raub und die jeweiligen Überschreitungen gegenüber der eigenen Gesetzgebung wurde spätestens nach dem dichten Vortrag von Johannes Gramlich ein Desiderat.

Nur am Rande kam zur Sprache, dass auch Objektgeschichten Verknüpfungen beider Entzugskontexte besitzen können. Meike Hopp stellte Benin-Glocken vor, die in die Sammlung Gurlitt gelangten. Doch obwohl Vertreter der Jewish Claims Conference anwesend waren, entwickelte sich keine Diskussion über die Problematik eines zeitlich aufeinander folgenden multiplen Entzugs.

Was sind gerechte Lösungen? Jede einzelne muss von Fall zu Fall in Abstimmung mit den Anspruchstellern erarbeitet werden – im Gespräch auf Augenhöhe. Ethnologen und NS-bezogen forschende Historiker und Kunsthistoriker können noch viel voneinander lernen. Auf einen dritten Versuch!

Konferenzübersicht:
Begrüßung
PD Dr. Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte) und Dr. Ulrike Haerendel (Evangelische Akademie Tutzing)

I. Raubkunst: eine globale Fragestellung

Dr. Matthias Frehner (ehemals Kunstmuseum Bern, Schweiz): Museen und Raubkunst: eine lange Geschichte mit offenem Ende?

Dr. Felicity Bodenstein (Technische Universität Berlin): Die Debatte um den Entzug von Kulturgütern in der Kolonialzeit und ihre Restitution

Vergleich von Unvergleichlichem? NS-Raubkunst und Kulturgut aus den Kolonien
Moderation: Dr. Ulrike Haerendel

Podiumsdiskussion mit Dr. Felicity Bodenstein, Dr. Matthias Frehner, Jörg Häntzschel, Dr. Hilke Thode-Arora

II. Das Erbe des Kolonialismus

Prof. Dr. Bertram Mapunda (Jordan University College, Tansania): Tanzanian Perspectives on Cultural Heritage from the Colonial Past

Dr. Lili Reyels (Deutsches Historisches Museum Berlin): Postkoloniale Provenienzforschung und künstlerische Praxis im deutsch-tansanischen Dialog: Das „Humboldt Lab Tanzania“

Dr. Hilke Thode-Arora (Museum Fünf Kontinente, München): Provenienzforschung an den Objekten der Ozeanien-Sammlung im Museum Fünf Kontinente

PD Dr. Christian Fuhrmeister: Kommentar und Gespräch mit den Referierenden

III. Kunstraub und Kunstverwertung im Nationalsozialismus

Emily Löffler, M.A. (Landesmuseum Mainz): Verfolgung – Verlust – Vernichtung: Jüdische Familien und der Raub ihrer Habe

Dr. Johannes Gramlich (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München): Kunst und Geld: Dimensionen von Raub und Verwertung durch die Nationalsozialisten

Dr. Meike Hoffmann (Freie Universität Berlin): Hildebrand Gurlitt – Kunstbesessener ohne Moral?

Dr. Meike Hopp (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München): Kommentar und Gespräch mit den Referierenden

Dr. Agnieszka Lulinska (Bundeskunsthalle Bonn): Die Ausstellungen „Bestandsaufnahme Gurlitt“ in der Bundeskunsthalle und im Gropius Bau

IV. Die lange Nachkriegszeit

Dr. Sebastian Schlegel (Klassik Stiftung Weimar): Herausforderung Fluchtgut – ein Sonderfeld der Provenienzforschung

Dr. Barbara Haubold (Van Ham Kunstauktionen, Tutzing): Der Fall Dittmayer

Prof. Dr. Sophie Schönberger (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf): Warum wir ein neues Recht brauchen

Podiumsdiskussion: Recht und Moral – Besitz und Verantwortung
Moderation: PD Dr. Christian Fuhrmeister und Dr. Ulrike Haerendel

Teilnehmer: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Papier, Prof. Dr. Sophie Schönberger, Dr. Stephan Klingen

Anmerkungen:
[1] Ilse von zur Mühlen, Schloss Tutzing – Ein Ort, zwei Sammlungen und viele Fragen. Ein Zwischenbericht aus der Provenienzforschung, in: NS-Kunstraub lokal und europäisch. Eine Zwischenbilanz der Provenienzforschung in Celle, Celler Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs und des Bomann-Museums (Bd. 48), Hrsg. Jochen Meiners / Christopher Galler, Celle 2018, S. 94–121.
[2] Tagung Raubkunst – Kunstwerke im langen Schatten der Vergangenheit, 25. - 27. September 2015.
[3] Vgl. Regina Wonisch, Tagungsbericht: Provenienzforschung zu ethnologischen Sammlungen der Kolonialzeit, 07.04.2017 – 08.04.2017 München, in: H-Soz-Kult, 15.12.2017, http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7462 (26.04.2019).
[4] Annette Rein, Wie muss heutige koloniale Provenienzforschung aussehen. Ein Tagungsbericht, in: Museum aktuell. Die aktuelle Fachzeitschrift für die deutschsprachige Museumswelt, Nr. 241, 2017, S. 26–33.
[5] Felwine Sarr / Bénédicte Savoy, Rapport sur la restitution du patrimoine culturel africain. Vers une nouvelle éthique relationnelle, November 2018.
[6] Macron kündigte Rückgaben von Kolonialraubkunst bereits während seiner Kandidatur für das höchste Staatsamt in Frankreich an. Vgl. https://www.epochtimes.de/politik/europa/praesidentschaftskandidat-macron-nennt-frankreichs-kolonisierung-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit-a2050276.html (10.03.2019). 2017 berief er nach einer Konferenz in einer Uni-Aula in Ouagadougou (Burkina Faso) das Autorenteam, das seinen Bericht im November 2018 vorlegte. Im Nachgang kündigte Macron in einer Presseerklärung an, er habe „entschieden, unverzüglich die 26 von der Regierung des Benin geforderten Werke zurückzugeben, die General Dodds nach den blutigen Schlachten von 1892 als Kriegsbeute aus dem Palast Béhanzins entwendet hat.“ Vgl. https://www.welt.de/kultur/article185006486/Kulturwandel-in-Frankreich-Macron-gibt-koloniale-Raubkunst-zurueck.html (10.3.2019).
[7] Eine Zusammenfassung der Diskussion in Deutschland beispielsweise: Stuart Braun, Afrikanische Kunst in Deutschland. Kolonialismus: Gibt es den politischen Willen zur Restitution?, 5.1.2019 unter https://www.dw.com/de/kolonialismus-gibt-es-den-politischen-willen-zur-restitution/a-46963206 (10.3.2019).
[8] Hilke Thode-Arora, Alles nur geklaut? Provenienzforschung zu ethnografischen Objekten aus kolonialen Kontexten – einige Überlegungen zur aktuellen Diskussion am Beispiel von Sammlungen aus Ozeanien, in: Searching the Key. Die Suche nach einer Lösung. Festschrift für Brigitte Templin, Leiterin der Völkerkundesammlung der Stadt Lübeck von 1996 bis 2018, Norderstedt 2018, S.89–103.
[9] From Samoa with Love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich – eine Spurensuche, Hrsg. Hilke Thode-Arora, München 2014.
[10] Arbeitskreis für Provenienzforschung, Jahres-Treffen 2018: 20 Jahre Washington – Ein (Rück)-Blick auf die 11 Washingtoner Prinzipien, 12.–14. November 2018 sowie Tagung des Deutschen Zentrum Kulturgutverluste: 20 Jahre Washingtoner Prinzipien. Wege in die Zukunft, 26.–28. November 2018.
[11] Vgl. Eva Umlauf, Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen. Erinnerungen, Hamburg 2016.
[12] Georg Kreis / Esther Tisa Francini / Anja Heuss, Fluchtgut – Raubgut. Der Transfer von Kulturgütern in und über die Schweiz 1933–1945 und die Frage der Restitution. Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg – Commission Indépendante d'Experts Suisse – Seconde Guerre Mondiale, Band 1, Zürich 2001. Thomas Buomberger / Guido Magnaguagno (Hrsg.), Schwarzbuch Bührle. Raubkunst für das Kunsthaus Zürich?, Zürich 2015. Vgl. auch die Tagung am 31.8.2015 Museum Oskar Reinhart, Winterthur, FLUCHTGUT II: Zwischen Fairness und Gerechtigkeit für Nachkommen und heutige Besitzer.
[1] In der Süddeutschen Zeitung vom 20.2.2019 erläuterte Papier seine Forderung, vgl. https://www.sueddeutsche.de/kultur/limbach-kommission-raubkunst-1.4336496?reduced=true (28.4.2019).

Zitation
Tagungsbericht: Aller guten Dinge sind… Raubkunst, Kulturgut, Nationales Eigentum? Objekte zwischen Macht und Moral, 08.02.2019 – 10.02.2019 Tutzing, in: H-Soz-Kult, 07.05.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8257>.