Herrschaftsnorm und Herrschaftspraxis im Kurfürstentum Köln im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

Ort
Bonn
Veranstalter
Alheydis Plassmann / Michael Rohrschneider / Andrea Stieldorf, Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn (Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte, Abteilung für Historische Grundwissenschaften und Archivkunde); Verein für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande; Centre d'Études Internationales sur la Romanité de l‘Université La Rochelle; Histrhen. Rheinische Geschichte wissenschaftlich bloggen; Sonderforschungsbereich 1167 „Macht und Herrschaft“
Datum
23.09.2019 - 24.09.2019
Von
Alexander Gerber, Max Weber Stiftung Bonn / Tobias Weller, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft

Die traditionelle, vom Bonner LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte geförderte Herbsttagung der Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte des Bonner Instituts für Geschichtswissenschaft widmete sich dem Spannungsverhältnis zwischen Herrschaftsnorm und Herrschaftspraxis im Kurfürstentum Köln. Kurköln bietet sich aufgrund seiner janusköpfigen Herrschaftsstruktur in besonderer Weise an, dieses Verhältnis mit Tiefenschärfe auszuloten: Der Kölner Erzbischof war in einer Person geistlicher Oberhirte und weltlicher Herrschaftsträger. Zudem war sein Kurfürstentum disparat im Zuschnitt und heterogen in der Zusammensetzung (Rheinisches Erzstift, Herzogtum Westfalen, Vest Recklinghausen). Insofern stand die Herrschaftspraxis in Kurköln über die Zeitläufte hinweg sowohl nach innen wie nach außen vor vielfältigen Herausforderungen und war nach Möglichkeit in Einklang zu bringen mit normativen Vorgaben und zeittypischen Vorstellungen von good governance. Aus den Wechselwirkungen von Reichspolitik und Landesherrschaft, aus den Beziehungen zu anderen Territorialherren, den Ambitionen des regionalen Adels, dem Verhältnis zu bischöflichen Amtskollegen und zum Papsttum resultierten für den Kurfürsten multiple Rollen, Interessen und Konfliktfelder.

Die einleitende Sektion I Akteure und personelle Praktiken richtete den Blick nach innen. FABIAN SCHMITT (Bonn) behandelte die Rolle der Ministerialen unter Erzbischof Engelbert von Berg (1216-1225). Anhand der Volmarsteiner und Padberger konnte er veranschaulichen, wie die Ministerialen gezielt zur Reorganisation der Kölner Herrschaftspositionen nach den Fährnissen des Deutschen Thronstreits heranzogen wurden. Gerade auf dem Feld der Klosterschutz- und Klosterförderungspolitik lässt sich ein erzbischöflich-ministerialisches Zusammenwirken zum beiderseitigen Vorteil aufzeigen. Dabei bildeten Ministerialen hinsichtlich ihres Prestiges und Handlungsspielraums keine in sich homogene Gruppe. Zudem wäre es unzutreffend, in ihnen „bedingungslos loyale Stützen“ des Erzbischofs zu sehen. Offene Konflikte traten schon unter Engelberts unmittelbarem Amtsnachfolger auf.

Anschließend gab PHILIPP GATZEN (Bonn) einen Einblick in sein laufendes Dissertationsprojekt zu den Statthaltern des Kurfürsten Clemens August im Erzstift Köln. Der durch häufige Reisen in die unterschiedlichen Territorien seines composite state sowie zu den bayerischen Verwandten beanspruchte Kurfürst konnte in vielen Situationen nicht persönlich die Herrschaft ausüben, weshalb er zahlreiche Statthalter einsetzte, die stellvertretend die Regierungsgeschäfte im Erzstift übernahmen und so zu unverzichtbaren Akteuren im Kurfürstentum wurden. Sie entstammten zumeist einflussreichen Familien und waren zudem oftmals Domdignitäre, wodurch der Kurfürst den Anspruch des Domkapitels auf Mitregentschaft erfüllen, dabei aber gleichzeitig dessen Einfluss beschränken konnte. Trotz ihrer vielfältigen Aufgaben und zusätzlichen Ämter besaßen die Statthalter nur wenig Ermessensspielraum und waren in den meisten Fällen an die Rücksprache mit dem Kurfürsten gebunden, auch wenn sie über die gezielte Kanalisierung von Nachrichten und den Aufbau eines Klientelnetzwerkes Eigeninteressen verfolgen konnten.

MICHAEL ROHRSCHNEIDER (Bonn) betrachtete die Herrschaftspraxis während der Regierungszeit Kurfürst Clemens Augusts im Spiegel der Arbeiten des Bonner Historikers Max Braubach (1899-1975). Diese historiographischen Betrachtungen wurden durch einen Blick auf Braubachs Biographie und seine vielfältigen Forschungsschwerpunkte kontextualisiert. Der Referent führte aus, wie Braubachs grundlegende Arbeiten das bis heute weit verbreitete ambivalente Bild des Kölner Kurfürsten prägen, das sich durch ein Spannungsverhältnis zwischen Kunstsinn und Mäzenatentum auf der einen sowie politischer Unfähigkeit und persönlicher Schwäche auf der anderen Seite kennzeichnen lässt. Braubach folgte bei der Bewertung Clemens Augusts einem stärker personalen, teils anekdotenhaften Ansatz und fand so zu seinen Urteilen, welche die fehlende Rationalität und Effizienz des Kurfürsten betonten, wohingegen die moderne, sich an Braubachs Deutungen „abarbeitende“ Forschung den Wittelsbacher vielmehr als einen „Meister des politischen Lavierens“ betrachtet. Weil er aber die Zeitbedingtheit des kurfürstlichen Handelns in seinen Darstellungen berücksichtigte und die Ambivalenzen von Clemens Augusts Persönlichkeit nicht homogenisierte, ist Braubachs Darstellung des Kurfürsten auch heute noch mit Gewinn zu lesen.

In Abgrenzung zur traditionellen staatszentrierten Perspektive beleuchtete Sektion II verschiedene Aspekte der Kölner Außenbeziehungen. ALHEYDIS PLASSMANN (Bonn) lenkte den Blick auf die Reichsebene und analysierte das reichspolitische Engagement der Kölner Erzbischöfe des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts vor der Matrix divergierender Erwartungshaltungen, die sich aus der Doppelfunktion als geistlicher und weltlicher Herr ergaben. Im Spannungsfeld zwischen Bischofsideal und Reichsfürstenstatus setzten die einzelnen Amtsträger sehr unterschiedliche Schwerpunkte. Teils wies das Verhältnis zum Königshof auch innerhalb desselben Pontifikates sehr unterschiedliche Konturen auf. Die gesamte Palette an Erwartungen konnte kein Bischof bedienen. Auch lässt sich der Nutzen des Engagements auf Reichsebene für die eigene fürstliche Herrschaftsstellung in dem betrachteten Zeitraum nur sehr unzureichend ermessen.

Angesichts des Komposit-Charakters des Kölner Territoriums, das zudem noch von anderen Herrschaftsrechten durchsetzt war, ging MANFRED GROTEN (Bonn) der eigentümlichen Wechselwirkung von Rang und Raum nach. Am Beispiel des Kölner Kurfürsten Heinrich von Virneburg (1304-1332) legte er plastisch dar, wie sich Rangbewusstsein und Raumwahrnehmung in der Wahl der Verhandlungsorte niederschlugen, konkret: wie weit und aus welchen Motiven heraus der Erzbischof seinen auswärtigen Verhandlungspartnern auch räumlich entgegenkam. Einen Sonderfall bildet die Stadt Köln, die für viele Akteure als „Ausgleichsraum“ in Frage kam, zum einen weil die Hoheit des Erzbischofs über die Stadt sehr stark eingeschränkt war, aber auch weil hier viele Fürsten und Grafen eigene Höfe besaßen.

PHILIPPE STURMEL (La Rochelle) beleuchtete die Beziehungen zwischen dem Kurfürstentum Köln und dem französischen Hof im 18. Jahrhundert. Das Kurfürstentum Köln wurde von Frankreich als wichtiger Partner und nicht zuletzt als mögliche „Pufferzone“ gegen den Kaiser wahrgenommen, was sich in intensiven Beziehungen der beiden Höfe niederschlug. Schwer zu definieren blieben für Frankreich dabei der Charakter des Kurfürstentums sowie die Festlegung von Rang und Vorrang zwischen den Kurfürsten, dem Reich und Frankreich. Schon zeitgenössisch wurden diese Fragen als die schwierigste Materie des öffentlichen Rechts bezeichnet und im diplomatischen Verkehr deshalb größtenteils improvisiert. Trotz der engen Verbindungen mit dem Kurfürstentum Köln war in Frankreich aber auch stets eine gewisse Skepsis bezüglich der Stabilität der geschlossenen Bündnisse vorhanden, wurde Clemens August im französischen diplomatischen Verkehr intern doch als „gieriger und schwacher“ sowie „oberflächlicher und unzuverlässiger“ Partner charakterisiert. Dennoch zeugen die französischen Briefe an Clemens August von einer deutlich zum Ausdruck gebrachten Wertschätzung und dem Bemühen um ein gutes Verhältnis zum Wittelsbacher.

In ihrem Abendvortrag akzentuierte CLAUDIA GARNIER (Vechta) die räumliche Dimension fürstlicher Herrschaft. In Abkehr vom Territorialstaats-Paradigma verortete sie den Kölner Erzbischof als politischen Akteur in einer regionalen Gemengelage, die von Kooperation und Konkurrenz geprägt war, und in einer Zeit, in der Waffengänge einen elementaren Bestandteil der Konfliktpraxis darstellten und nicht als dysfunktionale Begleiterscheinung landesherrlicher Ordnungsstrukturen gelten können. Indem der Erzbischof Landfriedensbündnisse einging oder selbst initiierte, schuf und sicherte er exklusive – weil Nichtmitglieder ausschließende – „Friedensräume“, die über die Grenzen seines Territoriums hinausgriffen. Durch Allianzen begegnete er auswärtigen Bedrohungen und etablierte Kontakträume der Freundschaft. Als Beteiligter von Schiedsverfahren trug er bei zur Einhegung von gewaltsamen Auseinandersetzungen. Besondere Beachtung verdient in diesem Zusammenhang die dem Erzbischof gegebene Möglichkeit, kirchliche Sanktionen zu verhängen. Exkommunikation und Interdikt entwickelten sich in dieser Hinsicht zunehmend zu Interventionsmitteln auch in weltlichen Angelegenheiten. Dabei ließ sich der Publikationsgrad ihrer Veröffentlichung graduell steigern, was die Erzbischöfe faktisch zu Herren eines „(Ex-)Kommunikationsraumes“ machte.

Der zweite Konferenztag begann mit der aus Kurzvorträgen zusammengestellten Sektion III, die – das Hauptthema der Tagung ausklammernd – unter dem Leitmotiv „Rheinische Landesgeschichte in Bericht und Kritik“ vier aktuellen Forschungsprojekten Raum zur Vorstellung bot. OLIVER MÜLLER (Bonn) gab einen Einblick in das DFG-Projekt „Partizipative Entwicklung ländlicher Regionen“ und stellte dabei am Beispiel eines Driesch, einer ackerbaulich (vorübergehend) ungenutzten Fläche, die Möglichkeiten zur Rekonstruktion einer rheinischen Kulturlandschaft vor. Mithilfe der Unterstützung durch das EU-Entwicklungsprogramm LEADER gelang es hier, mittels einer engen Einbindung der lokalen Bevölkerung den Driesch als eine halboffene Auenlandschaft wiederherzustellen und dabei identitätsstiftende Raumbilder für die Bevölkerung zu entwerfen.

Im Anschluss daran stellte ANSGAR KLEIN (Bonn) das vom Rhein-Sieg-Kreis initiierte Projekt „NS-Medizingeschichte im Rhein-Sieg-Kreis 1933-1945“ vor, dessen Forschungsarbeiten seit November 2017 durch das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte durchgeführt werden. Die untersuchten Medizinverbrechen lassen sich schwerpunktmäßig den Bereichen Zwangssterilisation und „Euthanasie“ zuordnen. Aufbauend auf einer durch den Erhalt der Akten zu den NS-Erbgesundheitsverfahren im Siegburger Kreisarchiv äußerst guten Quellenlage können so konkrete Aussagen über Umfang und Verlauf der Verfahren im Rhein-Sieg-Kreis gemacht werden, die nach einer Entscheidung des zuständigen Gesundheitsamtes zu einer Zwangssterilisation führen konnten. Bei der teilweise dezentralen und nichtöffentlichen „Euthanasie“ ist der Aktenbestand dahingegen zu großen Teilen nicht erhalten, weshalb sich die Forschungsarbeit hierzu wesentlich komplizierter gestaltet.

Anschließend stellte LISA GLAREMIN (Bonn) in einem zweigeteilten Vortrag sowohl das Projekt „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland“ als auch ihr Dissertationsprojekt „Prosodische Charakteristika des Ruhrdeutschen“ vor. Das auf den Zeitraum von 2016 bis 2032 ausgelegte Projekt des Dialektatlas will sprachliche Varietäten zweier Sprechergenerationen im Raum des mittleren Westdeutschlands mittels umfangreicher Fragebögen über nach einem Kriterienkatalog ausgewählte Probandengruppen erfassen und die Ergebnisse auswerten und interpretieren. Daran methodisch anknüpfend geht das Dissertationsprojekt der Frage nach, ob die Verbreitung des Ruhrdeutschen, eine jüngere Varietät des mittleren Bereichs zwischen Standardsprache und Dialekt, einen sprachlich homogenen Raum bildet.

Die abschließende Sektion IV nahm die Rollenpluralität der Kölner Erzbischöfe als geistliche Oberhirten und Territorialfürsten in den Blick. ANDREA STIELDORF (Bonn) ging der Frage nach, inwiefern sich beide Dimensionen in den erzbischöflichen Siegel- und Münzbildern niedergeschlagen haben und welche Herrschaftskonzeptionen hier visualisiert wurden. Auf den Hauptsiegeln sollte die deutliche Hervorhebung geistlicher Attribute – liturgische Gewandung, Pallium, Krummstab, Evangelienbuch, seit der Mitte des 12. Jahrhunderts auch die Mitra – offenkundig einen „Mehrwert“ des geistlichen Fürstentums gegenüber weltlichen (Kur-)Fürsten signalisieren. Neuerungen in der Bildkonzeption gingen vor allem von den Münzbildern und den Nebensiegeln aus, und hier kamen auch weltliche Aspekte zum Tragen, wie die Darstellung des Erzbischofs mit Banner auf Münzen Philipps von Heinsberg (1167-1191), die auf seine herzogliche Stellung im Rheinland und in Westfalen anspielt. Die zunächst bei den Nebensiegeln auftauchenden Wappendarstellungen wurden zu Beginn des 14. Jahrhunderts auch in die Hauptsiegel übernommen, und zwar sowohl das erzstiftische Wappen als auch das Familienwappen des Amtsinhabers.

NINA GALLION (Kiel) zeichnete den in der Zeit des Reformpapsttums eingeleiteten Prozess nach, der im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts zu einer faktischen Aushöhlung der Metropolitanstellung der Kölner Erzbischöfe führte: Die Durchsetzung des päpstlichen Primats ermöglichte es Suffraganen, sich unter Umgehung des Metropoliten direkt an die Kurie zu wenden. Auch die Mitwirkung bei Bischofserhebungen büßten die Erzbischöfe mehr und mehr ein: Die Bestätigung von Elekten wurde weitgehend ein „Recht von des Papstes Gnaden“, bis sie durch die päpstliche Generalreservation grundsätzlich obsolet wurde. Die vom Metropoliten anberaumten Provinzialsynoden erhielten Konkurrenz durch Synoden, die von päpstlichen Legaten einberufen wurden, und fanden zunehmend seltener statt. Zudem setzten andere Akteure (Domkapitel, Kardinäle) der erzbischöflichen Machtentfaltung Grenzen. Allerdings hat es immer wieder Versuche gegeben, die Kölner Metropolitanrechte in bestimmten Situationen zur Geltung zu bringen – freilich mit unterschiedlichem Erfolg.

FREDERIEKE MARIA SCHNACK (Kiel) ging der dynastischen Dimension geistlicher Fürstenherrschaft am Beispiel der Grafen von Moers nach. Der als Nachfolger seines Onkels auf den Kölner Erzstuhl gelangte Dietrich von Moers (1414-1463) erwies sich während seines Pontifikates als tatkräftiger Förderer der geistlichen Karrieren seiner Brüder. 1424 betrieb er die Erhebung des Bruders Heinrich zum Bischof von Münster, später (1441) dessen Bestellung zum Administrator der Osnabrücker Kirche. Im Gegenzug durfte er auf Heinrichs Hilfe in der Soester Fehde rechnen. Der zweimal unternommene Versuch, den anderen Bruder Walram in Utrecht zu lancieren, endete freilich in einem langjährigen Bistumsschisma. Auch der von Erzbischof Dietrich verfolgte Plan, Walram als Nachfolger Heinrichs in Münster zu installieren, stieß auf Widerstände und hatte die Münsteraner Stiftsfehde zur Folge; ungeteilte Anerkennung fand Walram in seinem westfälischen Bistum nie. Ungeachtet dieser insgesamt gemischten Erfolgsbilanz lässt sich anhand der „Familienpolitik“ Erzbischof Dietrichs sehr anschaulich nachvollziehen, wie kirchenfürstliche Herrschaft des Spätmittelalters in die personalen Netzwerke und adligen Familienkonflikte der Zeit eingebettet war.

Die Tagung wurde durch eine Podiumsdiskussion beschlossen, bei der die Probleme und Potenziale eines Handbuchs des Kurfürstentums Köln kritisch diskutiert wurden. Der Moderator der Diskussion und Initiator der Idee, Michael Rohrschneider, wies in einer kurzen Einführung auf das Fehlen eines solchen, dem aktuellen Forschungsstand genügenden Handbuchs hin und gab den DiskussionsteilnehmerInnen dann die Gelegenheit, ihre Sicht auf diese Projektidee in einem verdichteten Statement darzustellen. Als Bilanz blieb die Idee eines Kompendiums als gebündeltes Nachschlagewerk für Studierende und eine interessierte Öffentlichkeit, das auch den Kompositcharakter des Territoriums Kurköln betonen sollte. In der weiteren Diskussion, in die auch das Tagungspublikum eingebunden wurde, blieben die Themen des Adressatenkreises, der digitalen Komponente und des inhaltlichen Zuschnitts eines solchen Kompendiums zentrale Elemente.

Konferenzübersicht:

Alheydis Plassmann, Michael Rohrschneider, Andrea Stieldorf (alle Bonn): Einführung

Sektion I: Akteure und personelle Praktiken

Fabian Schmitt (Bonn): Die Ministerialen im Herrschaftskonzept des Kölner Erzbischofs Engelbert von Berg

Philipp Gatzen (Bonn): Die Statthalter Kurfürst Clemens Augusts im Erzstift Köln

Michael Rohrschneider (Bonn): Die Herrschaftspraxis während der Regierungszeit Kurfürst Clemens Augusts im Spiegel der Arbeiten Max Braubachs

Sektion II: Herrschaft und Außenbeziehungen

Alheydis Plassmann (Bonn): Die Kölner Erzbischöfe und das Reich – Nutzen und Schaden des Engagements im Reich

Manfred Groten (Bonn): Herrschaft auf den Punkt gebracht – Wo verhandelte man im Spätmittelalter mit dem Kölner Erzbischof?

Philippe Sturmel (La Rochelle): Die Beziehungen zwischen dem Kurfürstentum Köln und dem französischen Hof im 18. Jahrhundert: Die Frage des „pouvoir“

Abendvortrag

Claudia Garnier (Vechta): Von Freundschaften und Fehden. Herrschaft und Konflikt im spätmittelalterlichen Kurfürstentum Köln

Sektion III: Rheinische Landesgeschichte in Bericht und Kritik

Oliver Müller (Bonn): Die Rekonstruktion einer rheinischen Kulturlandschaft: Einblicke in das DFG-Projekt „Partizipative Entwicklung ländlicher Regionen“

Ansgar Klein (Bonn): NS-Medizinverbrechen im Rhein-Sieg-Kreis

Lisa Glaremin (Bonn): Projektvorstellung „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)“ und „Prosodische Charakteristika des Ruhrdeutschen“

Sektion IV: Zur Rollenpluralität der Erzbischöfe und Kurfürsten von Köln

Andrea Stieldorf (Bonn): Mitra, Thron und Krummstab. Siegel und Münzen als Quellen für Herrschaftsvorstellungen der Kölner Erzbischöfe des Hoch- und Spätmittelalters

Nina Gallion (Kiel): Reine Formsache? Der Kölner Erzbischof als Metropolit im 13. und 14. Jahrhunderts

Frederieke Maria Schnack (Kiel): Dynastiepolitik im Zeichen der Erzbischofswürde. Das Streben der Grafen von Moers nach Kölner Suffraganbistümern im 15. Jahrhundert

Podiumsdiskussion
Handbuch des Kurfürstentums Köln: Potenziale und Probleme
Moderation: Michael Rohrschneider (Bonn)
DiskussionsteilnehmerInnen: Claudia Garnier (Vechta), Stefan Gorißen (Bielefeld), Michael Kaiser (Köln/Bonn), Stephan Laux (Trier), Georg Mölich (Bonn), Joachim Oepen (Köln), Andrea Stieldorf (Bonn)

Zitation
Tagungsbericht: Herrschaftsnorm und Herrschaftspraxis im Kurfürstentum Köln im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, 23.09.2019 – 24.09.2019 Bonn, in: H-Soz-Kult, 29.10.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8492>.