Wahrnehmung und Darstellung von Grenzen und Grenzräumen in der Vormoderne (9.–18. Jahrhundert) / Perceptions et représentations des frontières et des espaces frontaliers au Moyen Âge et à l’époque moderne (IXe–XVIIIe siècles)

Ort
Paris
Veranstalter
Robert Friedrich / Rolf Große, Paris; Maximilian Groß, Saarbrücken; Sven Jaros / Marie Jaros, Leipzig: Christophe Duhamelle, Paris
Datum
21.05.2019 - 24.05.2019
Von
Jan-Luca Albrecht, Universität Erfurt; Christina Ehemann, Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Sommeruniversität des Deutschen Historischen Instituts Paris knüpfte dieses Jahr an aktuelle Forschungen zu Grenzraumfragen an. Die viertägige internationale Konferenz für Nachwuchswissenschaftler/innen untersuchte die Wahrnehmung und Darstellung von Grenzen und Grenzräumen in der Vormoderne (9.–18. Jahrhundert) unter zwei wesentlichen Gesichtspunkten: Nicht nur setzten sich die 14 Doktorandinnen, Doktoranden, Postdocs und Masterstudierende kritisch mit Grenzen in zeitgenössischen Quellen auseinander, sondern kontextualisierten gleichermaßen Grenzräume in ihren jeweiligen regionalen Verflechtungen.

Neben den Vorträgen hielten SUSANNE RAU (Erfurt) [1] und LÉONARD DAUPHANT (Metz) [2] zwei Einführungsvorträge zur Grenzraumforschung in Deutschland und Frankreich. Im Rahmen der Reihe „Les Jeudis de l’IHA“ hielt DAVID ABULAFIA (Cambridge) einen öffentlichen Abendvortrag zum Thema „Maritime Spaces. Historical and Methodological Reflections“. Die Sommeruniversität wurde mit einer von ANDREAS RUTZ (Köln / Düsseldorf) [3] moderierten Abschlussdiskussion sowie durch einen Besuch der Kartensammlung der Archives nationales geschlossen. Die sehr aufschlussreiche und interessante Führung von Nadine Gastaldi, Leiterin dieser Sammlung, bot den Teilnehmenden die Möglichkeiten, über vormoderne Grenzdarstellungen an topografischen Quellen zu reflektieren. Auch die strukturelle Besonderheit der „Tandem-Sektionen“, in denen die Teilnehmenden im Vorfeld der Sommeruniversität einen Kommentar vorbereiteten, brach die reine Konferenzvortragsstruktur auf und bereicherte die wissenschaftliche Diskussion.

Angesichts der methodischen und thematischen Bandbreite an Arbeiten, die in zwanzigminütigen Vorträgen präsentiert wurden, bot eine Lektüresitzung zu Beginn der Tagung Raum für eine methodologische und konzeptionelle Einarbeitung in die Grenzraumforschung. Moderiert von SVEN JAROS (Leipzig) und JENS SCHNEIDER (Paris) wurden in Gruppenarbeit Grundlagentexte der deutschen und französischen Grenzraumforschung von Nikolas Jaspert [4] und Geneviève Bührer-Thierry [5] bearbeitet.

Die Vorträge von ROMAIN WAROQUIER (Louvain) und LARS WOLFRAM (Paderborn) bildeten mit ihrem Fokus auf frühmittelalterliche Grenzräume die erste Sektion. Waroquiers mikroperspektivische Studie zur Grafschaft Vermandois skizziert die Veränderung des Grenzverständnisses und der Grenzziehung vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. Die von Waroquier vorgenommene Rekonstruktion der Entwicklung Vermandois’ zeigt unter Berücksichtigung der Quellenlage, dass sich aus dem anfänglichen Zusammenschluss von drei Staaten im 12. Jahrhundert ein kohärentes Ganzes entwickelte, um sich machtpolitisch in Nordfrankreich behaupten zu können. Die Grenzziehung habe weniger der Ausdehnung, als vielmehr der Sicherung des Status quo gegolten. Lars Wolfram legte die Schwierigkeiten der frühmittelalterlichen Grenzziehung im Raum Venetien dar. Sein komparatistischer Ansatz im Umgang mit frühmittelalterlichen Quellengattungen (diplomatische und historiographische Quellen), ließ ihn beobachten, dass deren Darstellung und Wahrnehmung von Grenzen stark voneinander abweichen. Während die Kaiserpakta im Hinblick auf den Grenzverlauf unpräzise blieben, ließen die erzählenden Quellen nie einen Zweifel an der territorialen Integrität der Stadt übrig. Wolfram widerlegte die gängige Forschungsmeinung, die Vorstellung der Ausbildung klar markierter Grenzen sei Teil eines langen Prozesses der Territorialisierung im Spätmittelalter gewesen. Er argumentierte, dass aufgrund der politisch wie geografisch besonderen Situation Venedigs bereits früh eine deutliche Meinung über Grenzen und territoriale Zugehörigkeit entwickelt worden sei.

SERGIO IBÁÑEZ (Paris) und SANDRA SCHIEWECK (Heidelberg) eröffneten die zweite Sektion mit einem Blick auf die Iberische Halbinsel. Ibáñez unternahm mit seinem Vortrag über die Rolle der islamisch-christlichen lokalen Behörden in den Grenzbeziehungen zwischen Kastilien und der „Marche Moyenne“ des 10. bis Mitte des 11. Jahrhunderts den Versuch, eine Forschungslücke in der Auseinandersetzung mit der Frage nach Grenzkonflikten aus einer Perspektive des „Kampfes der Kulturen“ zu schließen. Die Spannungen, aber auch die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Behörden und ihren jeweiligen Zentralbehörden rückten dabei in sein näheres Forschungsinteresse. In seiner Auseinandersetzung mit lateinischen und arabischen Quellentexten sowie unter Heranziehung von Beiträgen aus der Archäologie und Toponomastik wies er nach, dass die Idee einer kastilischen Grenze differenzierter zu betrachten sei, als es bislang in der Forschung der Fall gewesen sei. Bei der Wende der 1030er-Jahre in Kastilien handele es sich weniger um einen Kampf um Grenzen und Territorien, als vielmehr um einen Kampf der Ressourcen. Sandra Schieweck schloss mit einer Studie über die Genese der binnenchristlichen kastilisch-navarresischen Grenze im Spätmittelalter an. Auf der methodischen Grundlage neuerer soziologischer und kulturwissenschaftlicher Raumforschung und unter Beachtung (vertrags-)urkundlicher Quellen und chronikaler Belege setzte sie ihr Augenmerk auf den hervorgehobenen Kulturcharakter von Räumen. Am Beispiel des Verhältnisses der Krone Kastilien zu Navarra im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts zeigte sie auf, wie sich der Raum als Analysekategorie für die Untersuchung mittelalterlicher Herrschaften nutzbar machen lasse.

ALEXANDRE RUELLE (Paris) und HENRIK SCHWANITZ (Dresden) beschäftigten sich anschließend mit dem Konzept natürlicher Grenzen. In der Tradition der Geschichtsschreibung einer „longue durée“ untersuchte Ruelle die Rhône als Objekt einer „Grenzdiplomatie“ zwischen Frankreich und Savoyen-Piemont. Die Wahrnehmung der Grenze in der Frühen Neuzeit habe sich mit der Entwicklung des Kräfteverhältnisses zwischen zwei antagonistischen Staaten verändert. Auch wenn die Begrifflichkeiten „frontière“, „Grenze“, „limite (naturelle)“ und „barrière“ in den Quellen oft synonym und willkürlich eingesetzt wurden, gaben sie Ruelle Aufschluss über die Konstruktion der „Rhône-Grenze“ in den Verträgen von Lyon (1601), der Gex-Grenzkonferenzen (1605/06) und von Turin (1760). Sei der Strom Anfang des 17. Jahrhunderts noch als „Barriere“ wahrgenommen worden, so gälte die Rhône 1760 bereits als „natürliche Grenze“ zwischen Frankreich und Savoyen. Einen eher ideengeschichtlichen Ansatz verfolgte Henrik Schwanitz mit seinem Vortrag über die Konstruktion der Idee der „natürlichen Grenze“ in der Chronique du mois des Aufklärers Louis-Sébastien Mercier (1740–1814). Unter der Betonung landschaftlicher Merkmale als Begrenzung von Staaten entwickelte sich die Grenzvorstellung in der Epoche der europäischen Aufklärung zu einem viel diskutierten Gegenstand. Mercier sprach dem Zusammenhang von Politik und Geografie eine enorme Bedeutung zu – natürliche Grenzen wurden zu „idealen“ Grenzen stilisiert, da die Geografie als rationale Wissenschaft im Hintergrund die Chance habe, umstrittene Grenzabschnitte dauerhaft zu befrieden. Dabei wurde ihnen vor allem Sichtbarkeit, Dauerhaftigkeit und Unveränderlichkeit zugeschrieben. Natürliche Grenzen seien allerdings, so schloss Schwanitz seinen Vortrag, immer nur Konstrukte. Es sei der Mensch, der Flüsse und Gebirge erst zu Grenzen mache: Die Erfindung der Sprachgrenze unter Napoleon, die völlige Konstruierung eines imaginären Flusses als „natürliche Grenze“ zwischen Russland und Schweden wurden unter anderem als Beispiele genannt.

Den zweiten Konferenztag eröffneten die Beiträge von ANASTASIJA ROPA (Riga) und STEFAN MAGNUSSEN (Leipzig). Diese erste Sektion enthielt zwei Vorträge, die sich geografisch auf kleinere Grenzregionen bezogen: Livland und die Orkneyinseln. Ropa gab Einblick in die widersprüchlichen Grenzdarstellungen des mittelalterlichen Livlands (13. – 16. Jahrhundert). Unter Verwendung dreier Chroniken sowie kartografischer Quellen beobachtete Ropa, dass, obwohl frühere Karten tendenziell präzise und fixe Grenzlinien aufzeigten, die Textquellen die geografische Grenze keineswegs als eine durchgängige Grenzlinie darstellten. Politische Grenzen seien von Natur aus mehrdeutig; geografische, religiöse, kulturelle, ethnische und sprachliche Charakteristika brächten weitere Grenzen hervor, die mit den auf Karten dargestellten politischen Grenzen nicht zwangsläufig übereinstimmten. Stefan Magnussen lieferte mit seinem Vortrag über die zu Norwegen gehörenden Orkneyinseln, die aufgrund ihrer geografischen Nähe zur schottischen Küste zum unmittelbaren Grenz- und Kontaktraum der Königreiche Norwegen und Schottland wurden, einen überzeugenden Beitrag zu einem differenzierten Verständnis von peripheren Grenzräumen als Machtzentren von Herrschaftsmediatoren. Aus einer akteursbezogenen Perspektive heraus nahm Magnussen die Handlungsspielräume der letzten Grafen von Orkney in den Blick und deutete die zunächst peripher erscheinende Grenzregion als Zentrum dynastischen Handelns und somit als Sprungbrett der schottischen Grafen für den eigenen Aufstieg in den norwegischen Hochadel.

SABINE HYNEK (Hagen) und GRÉGOIRE BINOIS (Paris) bildeten die fünfte Sektion mit thematischem Blick auf die Bedeutung von Grenzen in der Regionalkartografie. Zunächst untersuchte Hynek eine Karte des Kartografen Arnold Mercator. Diese zeigt die Grenze des Amtes Windeck, einem Verwaltungsbereich des Herzogtums Berg und der Herrschaft Homburg im Jahr 1575. Es handelt sich um eine Auftragsarbeit des Herzogs von Berg, die ihm als Beweis für Besitzansprüche im Grenzstreit mit Homburg dienen sollte. Zwar ließen sich aus der Karte keine rechtlichen Verbindlichkeiten ableiten, dennoch wurde sie im Gerichtsprozess neben Zeugenbefragungen eingebracht. Die Mercator’sche Karte verdeutliche exemplarisch die im 16. Jahrhundert zunehmende Bedeutung kartografierter Grenzverläufe im Zusammenhang mit politischen Rechtssprüchen. Im Anschluss daran untersuchte Grégoire Binois in seinem Beitrag Frankreichs Grenzdarstellungen in der militärischen Kartografie des 18. Jahrhunderts. Die Überlagerung von Grenzen auf verschiedenen „Grenzebenen”, die Visualisierung von Pluralität an Grenzverläufen und Grenzräumen innerhalb einer Karte, so akzentuiert Binois, habe dazu geführt, militärische Karten stets dem Medium Text vorzuziehen.

PAULINE SPYCHALA (Paris) und THORSTEN BUSCH (Tübingen) diskutierten in ihren Vorträgen ein abstrakteres Konzept des Untersuchungsgegenstandes: imaginäre Grenzen. Spychala durchleuchtete, wie Universitäten im ausgehenden Mittelalter intellektuelle Trennungslinien schufen. Beobachtbar sei nicht nur eine zunehmende Organisationsstruktur nach geografischer Herkunft der Studenten, sondern gleichermaßen die Tendenz der Universitäten, kulturelle Unterschiede, etwa die Sprache, keineswegs zu übergehen, sondern regelrecht auf diese aufzubauen. Der universitäre Anspruch auf Universalität habe dermaßen abgenommen, dass die Frage des intellektuellen Kampfes nicht unberührt von geografischen, politischen oder religiösen Grenzen geblieben sei. Thorsten Busch hinterfragte die soziale, administrative und imaginäre Trennungsgeschichte der Sanitätskordons im Ancien Régime. Als „Grenzen auf Zeit“ stellten diese ein gutes Beispiel für den über das gesamte Forschungsatelier hindurch betonten Konstruktionscharakter von Grenzen und Räumen dar. Im Vordergrund seines Forschungsinteresses standen dabei die Wahrnehmungen des seuchenpolizeilichen Denkens und Handelns, welche er auf der Grundlage von Verwaltungsschriften, kartografischen wie materiellen Quellen (Pestmauern) analysierte. Bei den Sanitätskordons handele es sich um den besonderen Extremfall einer Grenze zwischen „Diesseits“ und „Jenseits“. Zwar trete der schwarze Tod einerseits als geschlossene Grenze zwischen Krank und Gesund auf, doch betonte Busch auch die damit einhergehende Schaffung neuer Räume und Verbindungslinien, etwa unternommene Fluchtversuche, Pestbriefe als eine Vorform der Reisepässe, Waren- und Wissenstransfer.

Die zwei Vorträge der siebenten und abschließenden Sektion nahmen konfessionelle Grenzen des 18. Jahrhunderts in den Blick. ULRICH STOBERs (Tübingen) Beitrag thematisierte die Darstellung und Funktion von Grenzen im Reisebericht des Missionars Florian Paucke. Dieser, für den europäischen Leser verfasst, berichtete von seiner Missionstätigkeit in der bolivianischen Jesuitenreduktion San Javier. Stober beobachtete, dass Paucke zumeist Naturbeschreibungen (Tiergeräusche, Regen) nutzte, um die Grenzüberschreitung von der nahegelegenen Stadt Santa Fé in die Reduktion – und vice versa – zu konnotieren. Diese Konstruktion von subjektiven Räumen vermittle dem Leser nicht nur einen Eindruck seiner räumlich-konfessionellen Grenzüberschreitung während der Mission, sondern stelle auch Pauckes imaginierte Räume nach der Missionstätigkeit dar, als dieser den Reisebericht 20 Jahre später verfasste. KILIAN HARRER (Madison, Wisconsin) thematisierte die Homogenisierungs- und Vereinheitlichungsbestrebungen politischer wie religiöser Grenzen und Territorien am Ende des 18. Jahrhunderts. In seiner mikrohistorischen Studie untersuchte Harrer die Pfarrei Kyllburg, die unter zwei politischen Verwaltungen stand. Er zeigte auf, dass die Bevölkerung der Region die (politische) Landesgrenze stärker wahrnahm, als die Einheit der Pfarrei Kyllburg. In Folge der napoleonischen Neuordnung wurde in Mallberg eine eigene Pfarrei gegründet, wobei Rechtsstreitigkeiten um die religiöse Grenze fortbestanden. Das Beispiel verdeutliche, so Harrer, dass die Aufklärung und die Revolution den sakralen Raum zwar nivellierten, dieser Umstand jedoch bei der lokalen Wahrnehmung noch lange bis in die napoleonische Zeit hinein umstritten gewesen sei.

Andreas Rutz fasste die Ergebnisse der Sommeruniversität prägnant und reflektiert zusammen, indem er die Ambivalenz der Grenzdarstellungen und -wahrnehmungen betonte: Grenzen seien immer auch Verbindungsmöglichkeiten zu jeder Zeit und in verschiedenen Stufen – keineswegs statische Linien, sondern dynamische Zonen. Die Teilnehmenden der Tagung konnten selbst eine Grenzerfahrung machen, litt die Diskussion besonders zu Beginn der Tagung trotz des eindeutig deutsch-französisch ausgelegten Charakters unter mangelnder gemeinsamer Sprachkompetenzen. Glücklicherweise konnte die Grenze der Sprachbarriere letzten Endes durch die beachtliche Diversität an anregendem Quellenmaterial durchbrochen werden: von arabischer und lateinischer Geschichtsschreibung über diplomatische Quellen, Verwaltungsschriftgut, Reiseberichte, Chartas bis hin zu archäologischem und topografischem Quellenmaterial. Die Quellennähe in allen vorgestellten wissenschaftlichen Projekten vermied es, das Konzept „Grenzraum“ ahistorisch und anachronistisch zu konstruieren und löste es aus starren Zentrum-Peripherie-Modellen. Die Veranstaltung leistete einen gelungenen Beitrag zur historischen Verortung von Grenzen, Grenzräumen, deren Darstellung und Wahrnehmung, indem sie ein Bewusstsein für den Konstruktionscharakter von zeitgenössischen wie heutigen Grenzkonzepten schuf.

Konferenzübersicht:

Rolf Große (Paris): Eröffnung

David Capitant (Paris): Begrüßung

Robert Friedrich (Paris): Einführung. Les frontières au Moyen Âge et à l’époque moderne

Susanne Rau (Erfurt): Grenzen und Grenzräume in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft

Léonard Dauphant (Metz): Historiographie des frontières et des espaces frontaliers d’une perspective française

David Abulafia (Cambridge): Öffentlicher Abendvortrag im Rahmen der „Les jeudis de l’IHA”: Maritime Spaces. Historical and Methodological Reflections

Sektion 1

Romain Waroquier (Louvain): Pour une spatialisation du comté de Vermandois au XIIe siècle
Kommentar: Sergio Ibáñez (Paris)

Lars Wolfram (Paderborn): „Siquidem Venetie due sunt” – Was ist und wo liegt eigentlich Venedig im frühen Mittelalter?
Kommentar: Sandra Schieweck (Heidelberg)

Sektion 2

Sergio Ibáñez (Paris): Le rôle des pouvoirs locaux islamo-chrétiens dans les relations frontalières entre la Castille et la Marche Moyenne (milieu Xe–milieu XIe siècle)
Kommentar: Romain Waroquier (Louvain)

Sandra Schieweck (Heidelberg): Iberische Grenzregime des Spätmittelalters – Die kastilisch-navarresische Grenze in ihrer Genese
Kommentar: Lars Wolfram (Paderborn)

Sektion 3

Alexandre Ruelle (Paris): De la barrière à la frontière „naturelle”, le Rhône entre France et Savoie (1601–1760)
Kommentar: Grégoire Binois (Paris)

Henrik Schwanitz (Dresden): „Die Länder sollten von der Natur, und nicht von der Abtheilung der Menschen gebildet seyn” – Die Konstruktion der Idee der „natürlichen Grenzen“ in der Aufklärung
Kommentar: Sabine Hynek (Hagen)

Sektion 4
Anastasija Ropa (Riga): Ambiguous Frontiers of Medieval Livonia from the Thirteenth to the Sixteenth Centuries
Kommentar: Stefan Magnussen (Leipzig)

Stefan Magnussen (Leipzig): Power Center between two Kingdoms? The Agency of the Counts of Orkney during the 14th and 15th Century
Kommentar: Anastasija Ropa (Riga)

Sektion 5

Sabine Hynek (Hagen): Arnold Mercator: Die Grenzen des Bergischen Amtes Windeck und der Herrschaft Homburg 1575
Kommentar: Henrik Schwanitz (Dresden)

Grégoire Binois (Paris): La cartographie militaire des frontìeres au XVIIIe siècle: une pratique spécifique
Kommentar: Alexandre Ruelle (Paris)

Sektion 6

Pauline Spychala (Paris): Les universitaires et la frontière à la fin du Moyen Âge: entre universalisme et régionalisme
Kommentar: Thorsten Busch (Tübingen)

Thorsten Busch (Tübingen): Zwischen Diesseits und Jenseits: Sanitätskordons als administrative, soziale und imaginäre Grenzen. Eine Trennungsgeschichte aus der Frühen Neuzeit (17.–18. Jahrhundert)
Kommentar: Pauline Spychala (Paris)

Sektion 7

Ulrich Stober (Tübingen): Über-setzung in die Reduktion. Darstellung und Funktion von Grenzen im Bericht des Florian Paucke SJ (1719–1780)
Kommentar: Kilian Harrer (Madison, Wisconsin)

Kilian Harrer (Madison, Wisconsin): Eine Pfarrei, zwei Territorien, zwei Marienbilder. Eine Fallstudie zu Aufklärung und Grenzverwirrung – Trier/Luxemburg, ca. 1770–1800
Kommentar: Ulrich Stober (Tübingen)

Anmerkungen:
[1] Susanne Rau, Räume. Konzepte, Wahrnehmungen, Nutzungen (=Historische Einführungen, Bd. 14), 2. Aufl., Frankfurt am Main 2017.
[2] Léonard Dauphant, Le Royaume des quatre rivières. L’espace politique français (1380–1515), Seyssel 2012; ders., Géographies. Ce qu’ils savaient de la France (1100–1600), Seyssel 2018.
[3] Andreas Rutz, Die Beschreibung des Raums. Territoriale Grenzziehungen im Heiligen Römischen Reich (=Norm und Struktur, Bd. 47), Köln 2018.
[4] Nikolas Jaspert, Grenzen und Grenzräume im Mittelalter. Forschungen, Konzepte und Begriffe, in: Klaus Herbert/Nicolas Jaspert (Hrsg.), Grenzräume und Grenzüberschreitungen im Vergleich. Der Osten und der Westen (=Europa im Mittelalter, Bd. 7), Berlin 2007, S. 42–72.
[5] Geneviève Bührer-Thierry, Des évêques sur la frontière. Christianisation et sociétés de frontière sur les marches du monde germanique aux Xe–XIe siècle, in: Andrzej Janeczek, Frontiers and Borderlands (=Quaestiones medii aevi novae, Bd. 16), Warschau 2011, S. 61–79.

Zitation
Tagungsbericht: Wahrnehmung und Darstellung von Grenzen und Grenzräumen in der Vormoderne (9.–18. Jahrhundert) / Perceptions et représentations des frontières et des espaces frontaliers au Moyen Âge et à l’époque moderne (IXe–XVIIIe siècles), 21.05.2019 – 24.05.2019 Paris, in: H-Soz-Kult, 12.11.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8508>.