Herausforderung der Zeit: der Aufstieg zentralisierter Staaten in Ost- und Westeuropa vom späten 15. bis zum 17. Jahrhundert

Ort
Kaluga
Veranstalter
Russländische Akademie der Wissenschaft
Datum
08.10.2019 - 11.10.2019
Von
Angela Rustemeyer, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Die Tagung der Russländischen Akademie der Wissenschaft führte mehrheitlich einheimische Historiker/innen zusammen, aber auch einige internationale Gäste. Vorgestellt wurden Arbeiten zur Souveränität von Herrschern und Staaten in ihren verschiedenen Wirkungsgraden und Repräsentationen sowie ihren institutionellen, räumlichen und sozialen Grenzen, mit besonderem Augenmerk auf Religion und Kirche. Vertreten waren auch wirtschaftsgeschichtliche Forschungen und solche zur Vielfalt städtischer Formationen. Kaum explizit thematisiert, aber dennoch präsent war das Moskauer Reich als Imperium.

Ambivalente Eindrücke hinterließen in der einführenden Plenarsitzung zwei Beiträge zum Heiligen Römischen Reich. IGOR KĄKOLEWSKI (Berlin) beschrieb die Spannung zwischen der theoretischen Begründung staatlicher Kontinuität, beginnend mit dem Modell der zwei Körper des Königs, und der Erfahrung des Niedergangs von Staaten. Staaten "verschwanden" in Unionen mit anderen Staaten, um in den europäischen Separatismen des frühen 21. Jahrhunderts wieder zu erwachen. Eine Form der Reflexion wie auch der Instrumentalisierung des Niedergangs von Staaten war, so der Referent, die Vorstellung von einer translatio imperii. Diese betrachtete Kąkolewski als Gegenstand neuzeitlicher Staatstheorie, bezogen auf das Heilige Römische Reich. Eine translatio suggerierte er aber auch im Hinblick auf die EU als perzipierte Nachfolgerin des Reiches: Nicht umsonst habe die EU ihren Preis für Völkerverständigung nach Karl dem Großen benannt – unter Ausblendung des brutalen Vorgehens Karls gegen die Sachsen. Auch JURIJ IVONIN (Smolensk) betrachtete in seinem Beitrag das Heilige Römische Reich als politisches Problem der Gegenwart. Deutsche und österreichische Historiker/innen, die sich mit dem Reich befassen, sah er teils noch in der Abwehr der Diffamierung des Reiches durch die Nazihistoriographie, teils in konfessionellen Banden befangen.

Die meisten Tagungsbeiträge waren deutlicher fokussiert. Viele von ihnen nahmen symbolisches Herrschaftshandeln und die Durchsetzung herrscherlicher Souveränität gegenüber Eliten in den Blick. ÉLODIE LECUPPRE-DESJARDIN (Lille) zeigte anhand von drei Rebellionen gegen den französischen König im 15. Jahrhundert, wie Krisen an der Schwelle zur Neuzeit nicht mehr als Anlass für reformatives Herrschaftshandeln, sondern als Impuls für Erneuerung aufgefasst wurden. MARIE-HÉLÈNE MÉRESSE (Lille) untersuchte, wie der Herzog von Burgund und der französische König in den 1460er- und 1470er-Jahren ihre Macht mit Gewaltexzessen im Krieg und der drakonischen Bestrafung von Adligen ausreizten. Die strategisch eingesetzte Grausamkeit sollte Souveränität demonstrieren und so den Herrscher als legitim ausweisen. Zum schillernden Spektrum der Begründungen für die Exzesse durch zeitgenössische Autoren zählten neuartige Konstrukte wie der "geheime Wille" des Herrschers, die Nützlichkeit und sogar das Gemeinwohl – Letzteres ein zweischneidiges Argument, weil es nicht nur extreme Handlungen begründen, sondern auch für die Einforderung von Gesetzen zu ihrer Beschränkung genutzt werden konnte.

Die Schritte auf dem Weg zur Souveränität des Herrschers im Staat brachten einen gegenüber traditionalen Loyalitätsforderungen gesteigerten Anspruch des Herrschers mit sich. Dieser konkurrierte mit den Ansprüchen anderer Herrscher, denen der Kirche, dem Autonomiebegehren von Adligen, den divergierenden Interessen in der herrschenden Dynastie selbst. Letztere konnten eine Teilung von Souveränität erfordern. So bedurfte es, wie VLADISLAV NAZAROV (Moskau) zeigte, für die Durchsetzung des Herrschaftsanspruchs einer Linie innerhalb der Herrschersippe im Moskauer Reich situativ der Einsetzung des vom Herrscher favorisierten Nachfolgers als Mitregent, ein Verfahren, dem institutioneller Status zukomme.

Dass das Wachstum des Moskauer Adels und damit des Personals für die Staatsbildung zum Teil auf Kosten der Souveränitätsansprüche benachbarter Herrscher gegenüber ihren Adligen ging, ist bekannt. Dabei waren die Motive für den Wechsel Adliger aus dem Dienst eines Herrschers in den eines anderen nicht unbedingt weltanschaulicher Natur. MICHAIL BENCIANOV (Ekaterinburg) zeigte, dass der Wechsel aus dem Dienst des litauischen Großfürsten in den des Moskauers Teil adliger Familienpolitik und einer Rollenverteilung zwischen älteren und jüngeren Brüdern sein konnte: Der Eine ging, der Andere blieb.

Über das Thema Kommunikation näherte sich OL’GA NOVOCHVATKO (Moskau) der Elite im Moskauer Reich des 17. Jahrhunderts. Sie analysierte die informelle, persönliche Korrespondenz über Fragen von Krieg und Staatsverwaltung in einer zeremonialisierten Ordnung. Der persönliche Briefwechsel über Themen dieser Tragweite stellte in einem Umfeld, das die Kategorien "privat" und "öffentlich" nicht kannte, offenbar kein Problem dar, während gleichzeitig jeder Anschein von Herrscherkritik heftige Sanktionen provozierte. Zweifellos stabilisierte, ja konstituierte die beschriebene Korrespondenz die Netzwerke der staatstragenden Elite. Dabei wirft sie viele Fragen auf: War der administrative Diskurs in den Moskauer Zentralämtern gegenüber der informellen Kommunikation normbildend oder umgekehrt? Gibt es Kontinuitätslinien ins 18. Jahrhundert? Zu denken ist etwa an den personalisierten administrativen Diskurs hoher Staatsbeamter in der Zeit Katharinas II., in dem diese ihre Rolle zwischen Herrscherin und Untertanen definieren.

Partner wie Gegner im Ausbau herrscherlicher Souveränität konnten die geistlichen Eliten sein – ein thematischer Schwerpunkt in der religions- und kirchengeschichtlichen Tagungssektion. Konfessionalisierung, in einigen Beiträgen vor allem verstanden als staatliche Übernahme von Regulierungskompetenz, ließ dem Klerus letztlich nicht die Wahl zwischen diesen beiden Rollen. Bei genauerer Betrachtung, wie sie in MARTIN BERNTSONS (Gothenburg) Beitrag über die Reformation in Schweden erfolgt, erweist sich Konfessionalisierung jedoch als zäher Prozess.

Das frühneuzeitliche Schweden gilt vielen als jener musterhafte "military-fiscal state" protestantischer Prägung, als den auch Peter der Große den Nachbarn wahrnahm. Berntson lenkte den Blick zurück ins 16. Jahrhundert, auf eine eher sachte Reformation und eine inkomplette Konfessionalisierung mit später formeller Übernahme des Luthertums. Die Reformation war für den schwedischen König eine interessante Option, weil sie nach der Unabhängigkeit von Dänemark die Chancen des Machtausbaus, insbesondere gegenüber dem hohen Klerus, steigerte. Aber es erfolgte keine komplette Überführung der Gottesdienste in die Volkssprache, der Heiligenkult existierte weiter, Ordensgemeinschaften wurden nach dem Verbot des Bettelns von der Krone unterstützt. Die schwedische Reformation unterschied sich zwar deutlich von der in Polen-Litauen, aber nicht minder von der stringenten Kirchenreform und Konfessionalisierung in Heinz Schillings modellhaften Fällen aus den Niederlanden und Deutschland.

Von einer Konfessionalisierung ohne Reformation geht ELENA BELJAKOVA (Moskau) aus, die die Nutzung der byzantinischen Idee von einer „Symphonie“ im Moskauer Reich bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts untersuchte. An einer Raum greifenden Konfessionalisierung sei Patriarch Nikon mit seinem Versuch gescheitert, "Symphonie" im Sinne eines Primats des Patriarchen gegenüber dem Zaren zu deuten und die Kirche als Staat im Staate zu etablieren. Etwas unvermittelt wandte sich Beljakova dann dem historischen Hintergrund der kirchenpolitischen Entwicklung in der Ukraine im Jahr 2018 zu. Die Unterstellung der ukrainischen orthodoxen Kirche unter den Moskauer Patriarchen 1685 erklärte sie mit dem „cuius regio, eius religio“ des konfessionellen Zeitalters. Angemerkt sei, dass dieser Akt von ukrainischer Seite als imperialistischer Übergriff gedeutet wird, aufgehoben durch die 2018 erreichte Autokephalie der ukrainischen orthodoxen Kirche.

Wie gestaltete sich die Beziehung zwischen Staat und Kirche im Zeichen von Expansion und konfessioneller Abgrenzung im äußersten Süden des Moskauer Reiches, der an die Ukraine und das Einflussgebiet des Krimkhanats grenzte? Mit dieser durchaus konzeptionellen Frage verwies ANDREJ PAPKOVS (Belgorod) Beitrag in der Sektion über Grenzgebiete auf Perspektiven für die Forschung zu der Region. Angemerkt sei, dass diese einerseits stark positivistisch ausgerichtet, andererseits vom Narrativ einer russischen Variante des „Frontier“ geprägt ist. Ein Bestandteil dieses Narrativs ist der Sog der Steppe, Evergreen russischer nationaler Historiographie seit dem 19. Jahrhundert. Eine weitere Komponente ist die Vision einer alternativen, freieren Variante der Moskauer politischen und sozialen Ordnung an einer staatsfernen Peripherie, die der Historiker Vladimir Zagorovskij 1969 entwarf[1]. Papkov sieht demgegenüber in dieser Region eine frühe Verstaatlichung der Kirche. Generell hätten Kirche und Staat im Moskauer Reich mit Blick auf die „katholisch-unierte Expansion“ und die muslimische Präsenz im Süden eine „Politik der reinen Orthodoxie“ betrieben (für welche der Autor übrigens Sympathie zeigt). Am Südrand des Reiches hätten die Herrscher daher Klöster und Geistliche angesiedelt und deren schlechte Chancen auf Land aufgrund der erdrückenden Konkurrenz der militärischen Dienstleute finanziell kompensiert. Fraglich ist, ob eine Politik konfessioneller „Reinheit“ mit Neutaufen bereits in Polen-Litauen getaufter orthodoxer Zuwanderer und einer abhängigen Kirche im Grenzgebiet tatsächlich realisiert werden konnte. Wurde die Orthodoxie hier nicht doch "westlicher", wie später unter Peter dem Großen infolge ukrainischen Einflusses auf höchster kirchlicher Ebene?

Verwandt mit dem Frontier-Narrativ ist das vom russischen Bauern als Kolonisator aus innerem Antrieb, der ohne staatliche Initiative ins Neuland vordrang. Die Forschung NATAL‘JA SOKOLOVAS (Moskau) zu den russischen Beutnern im Gebiet von Nižnij Novgorod trägt zur Dekonstruktion dieses Narrativs bei. Sokolova bezweifelt, dass es sich bei diesen Kolonisatoren im späten 16. Jahrhundert überhaupt um Bauern handelte. Für das frühe 17. Jahrhundert kann sie die Identität der Beutner als zarische Dienstleute nachweisen.

Wie die Souveränität des Moskauer Großfürsten/Zaren in der ethnisch heterogenen Region an der Mittleren Wolga praktiziert wurde, zeigt ANDREJ BELJAKOV (Moskau) für das kleine tatarische Fürstentum Temnikov. Der Moskauer Großfürst forderte uneingeschränkte Anerkennung seiner Souveränität. Ansonsten bestanden hier Verhältnisse, die mit kolonialgeschichtlichen Begriffen wie „direkte“ oder „indirekte Herrschaft“ nicht zu fassen sind. Über die finnougrische Bevölkerungsmehrheit herrschte ein tatarischer Dienstfürst des Moskauer Herrschers aus einer ehemaligen Fürstenfamilie der Goldenen Horde. Dieser war auch Oberhaupt des führenden Clans. Ihm flossen reiche, anderswo herrscherliche Einnahmen zu. Der tatarische Fürst hatte offenbar ähnliches Gewicht wie der Vertreter Moskaus (Voevode) in der Region.

Anders als die Expansion des Moskauer Reiches im Wolgagebiet ist die vor Peter dem Großen nicht vollzogene, wohl aber angestrebte Ausbreitung nach Nordwesten angesichts der Spannungen zwischen Russland und den baltischen Staaten heute ein beinahe ebenso brisantes Thema wie die Expansion in die Ukraine. Es machte daher Sinn, dass zur Nordwestregion des Moskauer Reiches neben den oben genannten Studien über adlige Grenzgänger eine klassische beziehungsgeschichtliche Studie präsentiert wurde. ANDREJ BARANOV (Berlin) sieht für die 1480er-Jahre, die frühe Herrschaftsperiode des expansionsorientierten Ivan III., in der Historiographie eine Überbewertung der konfrontativen bzw. kriegerischen Elemente. Baranov betont stattdessen die pragmatische Linie im Verhältnis zwischen dem Ordensmeister und dem Moskauer Großfürsten.

Weitere Vorträge waren der Begründung und der Mediatisierung wachsender herrscherlicher Souveränitätsansprüche gewidmet. Diese speisten sich nicht nur aus indigenen Quellen. Mehrere Beiträge in den der Herrschaftsrepräsentation gewidmeten Sektionen legten nahe, dass Fürsten der Vormoderne nirgends so auf das sonst gerne perhorreszierte Fremde angewiesen wie bei der Legitimation der eigenen Herrschaft. Das galt für den Moskauer Großfürsten ebenfalls wie für den konkurrierenden Großfürsten Boris Aleksandrovič von Tver‘, dessen Selbstverständnis und Selbstdarstellung ELENA KONJAVSKAJA (Moskau) unter italienischem Einfluss sieht.

Für spätere Jahrhunderte untersuchten JURIJ ZARECKIJ und OL’GA KOŠELEVA (beide Moskau) Transfer, aber auch Abgrenzung eher im Hinblick auf Nations- denn auf Staatsbildung. Zareckij beschrieb die Prägung eines "westlich" ausgerichteten Bildes der Weltgeschichte in Russland durch die Rezeption westeuropäischer Autoren in Redaktionen der "chronografy" ab 1617. Košeleva wertete Korrekturen und Ergänzungen von Moscovitern zu den Ausführungen über Kirche und Religion im Moskauer Reich in der russischen Übersetzung von Mercators Atlas (1637) aus. Ein wertvoller Quellenfund ist die radikale Überarbeitung und inhaltliche Umkehrung des mercatorschen Textes durch eine nicht der adligen Elite, sondern den Kaufleuten zuzurechnende Person.

Produkte kulturellen Transfers waren auch Bilder als zentrales Medium der Herrscherrepräsentation. TATJANA LOŠČILOVA und EKATERINA NOSOVA (Moskau) zeigten die propagandistische Begleitung des Dynastiewechsels von den Valois zu den Bourbonen im Spiegel von Münzen. Sie beobachten die Ablösung christlicher Symbolik des ausgehenden 15. Jahrhunderts durch antike Symbolik in der Renaissance und dann die Synthese christlicher und antiker Bilder unter Ludwig XIII. Zwei weitere Beiträge präsentierten Zeugnisse einer gemeinsamen Bildsprache im Moskauer Reich und in Westeuropa. DMITRIJ VOLODICHIN (Moskau) führte das am weitesten verbreitete Münzmotiv unter Ivan IV. und eines der „bekanntesten russländischen Staatsymbole“, einen berittenen Lanzenträger, auf westeuropäische Darstellungen des Hl. Georg zurück. TAT’JANA MATASOVA (Moskau) verfolgte die Ursprünge eines Säulenornaments in Delphingestalt aus dem Palast Ivans III. bis nach Mantua und Ferrara.

Architektonische Elemente der Herrschaftsrepräsentation in einem ganz anderen Zusammenhang analysierte NIKOLAJ VOLKOV (Minsk): Er untersuchte die repräsentativen Funktionen festungsartiger Magnatenschlösser in Polen-Litauen in einer Epoche der Etablierung privater „Quasi-Staaten“ sowie der Annahme der Reformation durch Angehörige dieser eigentlichen Machtinhaber in der Adelsrepublik.

ANDREJ USAČEV (Moskau) hingegen betrachtete die Konjunktur des Bauens – hier wiederum in Bezug auf das Moskauer Reich – im Abgleich mit der Verbreitung von Büchern als Indikator für wirtschaftliche Entwicklung. Mit dem Hinweis auf eine starke Konjunktur in den 1590er-Jahren entkräftete er die Vorstellung von einem geraden Weg von der wirtschaftlich verheerenden zweiten Phase der Herrschaft Ivans IV. in die schwere Krise Anfang des 17. Jahrhunderts.

Vorgestellt wurden außerdem wirtschafts- und sozialgeschichtliche (Mikro)studien zur Stadtgeschichte wie die von ANNA GUSLISTOVA (Vologda) über die Ursprünge der Kaufleutedynastien in Vologda oder die von ANNA ANISIMOVA (Moskau) über Klosterstädte im England der Reformation. Eine beziehungsreiche Städtestudie präsentierte ANNA MAJZLIŠ (Moskau). Ihr Forschungsgegenstand, die Tuchregion Flandern, war bekanntlich von zentraler Bedeutung auch für die Wirtschaft in Osteuropa: als Getreideabnehmer und bis Ende des 15. Jahrhunderts als dominierender Tuchlieferant an der Ostküste der Ostsee. Majzliš zeigte die Region mit ihren urbanen Riesen und Zwergen im Jahrhundert der Krise der spätmittelalterlichen Textilproduktion. Der Beitrag zeugte von den Vorteilen der Vielfalt und der Vitalität der Kleinen. Poperinge, eine unbefestigte Klosterstadt, produzierte mit Erfolg diversifiziert – auch die zukunftsträchtige Massenware.

Hinter einem von vielen Historiker/innen demonstrierten nationalen Konsens bleibt die russländische historische Forschung zur Vormoderne methodisch und weltanschaulich differenziert. Die Organisatoren dieser auf internationalen Austausch ausgerichteten Konferenzreihe, Vladislav Nazarov und Pavel Uvarov (beide Moskau), tragen dazu bei.

Konferenzübersicht:

Igor Kąkolewski (Berlin): Souveränität, Union und translatio: die langen Schatten spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Staatenunionen in Europa

Andrej Doronin (Moskau): Die Genese der modernen Nationen als Mission der Renaissance

Elodie Lecuppre-Desjardin (Lille): Innovate at risk of revolt: the reception of reforms in the Kingdom of France from the Praguerie to the Mad War

Vladislav Nazarov (Moskau): Koregentschaft und die Entstehung der Autokratie in Russland

Hieronim Grala (Warschau): The unfulfilled empire? Poland-Lithuania in
the 16th – 17th centuries

Dmitrij Lisejcev (Moskau): Der posad von Kaluga im Moskauer Staat in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Sektion “Monarch und Kirche, Kirche und Glaube

Jean-Philippe Genet (Paris): State and symbolic power: the participation of the clergy in the administration of the kingdom in France and in England in the late 15th – early 16th century. A comparative study

Valerij Sanžarov (Doneck): Ein neues Paradigma der Beziehung zwischen Staat und Kirche: Monarchentopos und Ungewissheit in der Kirchenpolitik Ludwigs XI.

Aleksej Alekseev (St. Petersburg), Die Anhänger des Joseph von Volokolamsk und ihre Gegner (die “Besitzlosen”) 1502–1515: Frontlinien und vorläufige Ergebnisse der Debatte

Elena Beljakova (Moskau), Über den Gebrauch des Terminus “Symphonie” im politischen Konflikt im Russland des 16. und 17. Jahrhunderts

Martin Berntson (Gothenburg): Confessionalization without a confession? The early Reformation in Sweden and the force of the tradition

Pavel Uvarov (Moskau): Der König als Superintendent der Kirche: ein Projekt aus der Zeit Heinrichs II. (1556)

Arkadij Tarasov (Moskau): Regeln für die Wahl und die Einsetzung von Bischöfen und die Rolle des Zaren bei der Bischofsweihe im 16. und 17. Jahrhundert

Olga Ivanova (Smolensk): Der Widerstand gegen die Kirchenreformen in der Zeit der frühen königlichen Reformation in England (1530–1550)

Michail Dmitriev (Moskau): Das orthodoxe Reich von Kreuz und Halbmond: Wie ist die Integration von Muslimen in den Moskauer Staat des 16. und 17. Jahrhunderts zu erklären?

Irina Ustinova (Moskau): Strafprozesse gegen russische Erzbischöfe im 17. Jahrhundert

Serge Brunet (Montpellier): Calvinistische Konsistorien und Munizipalitäten im Süden Frankreichs zu Beginn der Religionskriege (1559–1662)

Ol’ga Košeleva (Moskau): Glaube und Kirchenadministration im russischen Staat: eine Kontroverse zwischen russischen Gelehrten und den Texten westeuropäischer Kosmographien

Tat’jana Oparina (Novosibirsk): Patriarch Filarets Haltung zur westlichen Christenheit: die Sicht eines Kirchenführers und Mitherrschers

Ekaterina Rybina (Moskau): Das Gesandtenamt und Westeuropa in der Epoche der Konfessionalisierung: der religiöse Faktor in rhetorischen Strategien

Artem Nosov (Moskau): Maljuta Skuratovs Besuch beim Heiligen Philipp (Kolyčev) im Jahr 1569

Sektion “Bild des Landes, Bilder der Macht: historiographische Konzepte, Einschätzungen von Zeitgenossen, Artefakte“

Anna Kalinowska (Warschau): State, power, religion — similarities and differences. Muscovy, Poland-Lithuania and the Ottoman Empire in English travel accounts, geographical and historical publications of the late 16th and early 17th c.

Arina Lazar‘eva (Moskau): Auf dem Weg zum Nationalstaat? „Nationalismus“ im Heiligen Römischen Reich in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648)

Jurij Zareckij (Moskau): Zwischen Ost und West: der Wandel in der Konzeption der Weltgeschichte im Russland des 17. Jahrhunderts

Jurij Ivonin (Smolensk): Universalismus und Territorialismus in der Politik des Heiligen Römischen Reiches in der Frühen Neuzeit

Elena Konjavskaja (Moskau): Ein „aufgeklärter Herrscher“: Boris Aleksandrovič von Tver‘

Michail Pojcev (Moskau): Das Grab des Kaisers als Basis der Dynastie

Nikolaj Volkov (Minsk): Es den Monarchen gleichtun: die Symbolik von Magnatenresidenzen im Großfürstentum Litauen vom Ende des 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts

Sergej Černov (Moskau): Waisendasein. Reflexionen über die nationale Idee im Moskauer Staat in der zweiten Hälfte des 15. und im 16. Jahrhundert

Evgenij Pčelov (Moskau): Reale und fiktive Heraldik des russischen Staates im Prozess seiner Entstehung: ein Blick aus Europa

Dmitrij Volodichin (Moskau): Ursprünge des “Moskauer Reiters”, eines der Symbole des russischen Staates

Andrej Beljakov (Moskau): Temnikov im 15. bis 17. Jahrhundert: eine Stadt mit Sonderstatus

Tat’jana Matasova (Moskau): Säulen aus weißem Stein in der Sammlung des Staatlichen Historischen Museums

Tat’jana Lošilova / Ekaterina Nosova (Moskau): Bilder der Macht auf Medaillen der späten Valois und der frühen Bourbonen

Sektion “Herrscher, Hof, Institutionen”

Ljudmila Pimenova (Moskau): Die Entwicklung der Institutionen der französischen Monarchie im späten 15. bis frühen 17. Jahrhundert aus der Sicht von Juristen am Ende des Ancien régime

Tat’jana Gusarova (Moskau): Zwischen Monarch und Ständen. Die Institution des nádor im Königreich Ungarn im 15. und frühen 16. Jahrhundert

Marie-Hélène Méresse (Lille): Princes’ reasons, Reason of State. A justification for the prince’s cruelty at the end of the Middle Ages?

Susanna Caturova (Moskau): Vorspiel zum Absolutismus. Die Korrespondenz Ludwigs XI. mit den höchsten Ämtern der französischen Krone

Igor’ Tjumencev (Volgograd): Militärisch-administrative Funktionen des Herrscherhofes während des Interregnums von 1610 bis 1613

Andrej Pavlov (St. Petersburg): Der Zarenhof in der Zeit des ersten Romanov-Herrschers (1613–1645) als Forschungsproblem

Ivan Poljakov (St. Petersburg): Praktiken des mestničestvo als Aufstiegsweg für russische Aristokraten am Hof im 17. Jahrhundert am Beispiel der Fürsten Romodanovskie

Jurij Ėskin (Moskau): Der Neffe Požarskijs an der Peripherie des Krieges um Smolensk

Vjačeslav Cyvaty (Kyїv): Europäische Herrscher und ihr politisches und diplomatisches Umfeld. Außenpolitischer Wandel und Prinzipien des Verhandlungsprozesses im institutionellen Diskurs

Aleksandr Baranov (Berlin): Die Rolle des Deutschen Ordens in Livland in der “großen europäischen“ Politik des Großfürstentums Moskaus 1480–1483

Igor’ Dubrovskij (Moskau): Der Konflikt zwischen Zar und Zarensohn im Bewusstsein der Bevölkerung gegen Ende der Herrschaft Ivans IV. im Spiegel neuer Quellen

Natal’ja Majorova (Kaluga): Parlament und König im England des 15. Jahrhunderts

Michail Beljaev (Mytiši): Macht und Verwaltung in Brandenburg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Dmitrij Gordienko (Samara): “Stützen der Krone”: die englische Königliche Garde im 17. Jahrhundert. Versuch einer Institutionengeschichte

Angelina Kalašnikova (St. Petersburg): Die Umsetzung des Gesetzbuchs von 1497 in der Rechtsprechung. Wie genau wurden die Rechtsnormen angewandt?

Nikita Bašnin (St. Petersburg): Der Grundbesitz des Bischöflichen Hauses der Heiligen Sophia von Vologda in der Gegend um Moskau vom Ende des 16. bis ins 18. Jahrhundert

Marina Koroleva (Moskau): Der Eid als politisches und ideologisches Instrument in Russland in der “Zeit der Wirren” Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts

Oleg Nozdrin (Moskau): Immigranten mit adligem Status im Russland des 16. und 17. Jahrhunderts

Aleksandr Malov (Moskau): Die militärische Organisation der Gesellschaft in der Zeit der Wiedererrichtung des russischen Staates 1613-1620

Ol’ga Novochatko (Moskau): Kommunikation als administrative Ressource im Russland des 17. Jahrhunderts

Sektion “Stadt, Städter, Institutionen, Wirtschaftsleben”

Vladimir Vedjuškin (Moskau): Madrid in der Zeit Philipps II.: eine Hauptstadt für die spanische Monarchie?

Marina Vinokurova (Moskau): Besonderheiten der “manorial towns” im England der Frühen Neuzeit

Anna Anisimova (Moskau): Englischer Klosterstädte nach der Auflösung der Klöster

Anna Majzliš (Moskau): Jenseits der Hauptstädte und Großstädte: Urbanisierung im südlichen Flandern im Spätmittelalter

Andrej Usačov (Moskau): Die Wirtschaftslage in Russland Ende des 16. Jahrhunderts im Spiegel von Buch- und Architekturgeschichte

Anatoloj Grjaznov (Vologda): Die Verwaltung der posad-Gemeinde von Vologda in der ersten Hälfte und Mitte des 17. Jahrhunderts

Angela Rustemeyer (Düsseldorf): Waffenverbote in den Städten des Moskauer Reiches im 17. Jahrhundert

Anna Guslistova (Vologda): Die Ursprünge der Handelsgesellschaften von Vologda im 17. Jahrhundert

Sektion “Grenzregionen. Mobilität der Bevölkerung, Herrschaftsinstitutionen, zwischenstaatliche Konflikte”

Aleksandr Tolstikov (Petrozavodsk): Der russische frühmoderne Staat und das Konzept der Grenze: zur Problemstellung

Aleksandr Bel’cer (Samara): Die angelsächsischen Grenzregionen und die Monarchie unter den ersten Tudors: die Suche nach einem optimalen Verwaltungsmodell

Aleksandr Šekov (Moskau): Über die hohen Adligen, die Anfang 1509 mit den Fürsten Glinskie nach Moskau immigrierten

Michail Bencianov (Ekaterinburg): Immigranten aus dem Großfürstentum Litauen als Dienstleute in Moskau im 15. und 16. Jahrhundert

Nikolaj Mininkov (Rostov am Don): Zwei Konzepte der Ursprünge des Donkosakentums: Ideen und Menschen

Natal’ja Sokolova (Moskau): „Beutner im Dienst (bortniki služilye)”: Leute des Herrschers oder des Staates? Zur Erforschung des Wandels im sozialen Gefüge in Russland im 16. und im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts

Pavel Čečenkov (Nižnij Novgorod): Angehörige der regionalen Elite im 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts am Beispiel Nižnij Novgorods

Andrej Papkov (Belgorod): Staat und Kirche im südlichen Grenzland Russlands nach dem Ende der Wirrenzeit

Anmerkung:
[1] Vladimir Zagorovskij, Belgorodskaja čerta, Voronež 1969.

Zitation
Tagungsbericht: Herausforderung der Zeit: der Aufstieg zentralisierter Staaten in Ost- und Westeuropa vom späten 15. bis zum 17. Jahrhundert, 08.10.2019 – 11.10.2019 Kaluga, in: H-Soz-Kult, 21.01.2020, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8597>.