Model Rome – International Capital Cities of Science and Arts in the 20th Century

Ort
Rom
Veranstalter
Deutsches Historisches Institut in Rom; Deutsches Archäologisches Institut/Abteilung Rom; Institutum Romanum Finlandiae; Unione internazionale degli istituti di Archeologia, Storia e Storia dell'Arte in Roma[1]
Datum
22.10.2019 - 24.10.2019
Von
Eric Müller, Freie Universität Berlin

Mit seinem einzigartigen historischen und kulturellen Erbe, mit der Vielzahl historischer Monumente, an Kunstwerken, Archiven, Bibliotheken und Museen zog Rom seit der Frühmoderne bis weit ins 20. Jahrhundert Gelehrte und KünstlerInnen aus zahlreichen Ländern an, die sich in der Ewigen Stadt niederließen und den kosmopolitischen Charakter der römischen Forschungslandschaft und Künstlerkreise prägten. Durch ihr Wirken verwandelte sich Rom in ein Zentrum der europäischen Geisteswissenschaften und wurde zu einem Dreh- und Angelpunkt kulturellen Austausches und transnationaler Kooperation. Untermauert wurde der herausragende Status des Forschungsstandorts Roms durch die Gründung einer wachsenden Zahl ausländischer und italienischer Institute und Akademien.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung widmete sich die internationale Tagung der Frage nach dem Vorbildcharakter Roms als internationale Wissenschaftsmetropole und seiner Entwicklung im 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt standen einerseits die konkreten Formen und Maßnahmen der Kooperation und gegenseitigen Unterstützung zwischen den nationalen Auslandsinstituten und individuellen Akteuren. Andererseits wurde der Blick auf Formen und Dynamiken nationaler Rivalität und Konkurrenz gerichtet und gefragt, inwiefern Rom als Beispiel und Modell einer frühen „Internationalisierung“ der Geisteswissenschaften gelten kann.

Die Tagung wurde von den Fragestellungen angeregt, die die Zeithistorikerinnen Franziska Rohloff und Dorothea Wohlfarth im Rahmen des Kooperationsprojekts „Geschichte der in Rom angesiedelten Forschungs- und Kulturinstitute im 20. Jahrhundert“ in ihren eigenen Forschungsvorhaben verfolgen. Das vom Deutschen Archäologischen Institut, dem Deutschen Historischen Institut, der Bibliotheca Hertziana–Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte und der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo angestoßene Kooperationsprojekt untersucht erstmals im Verbund die Institutsgeschichten der vier genannten Einrichtungen [2]. Es wird vom Auswärtigen Amt und der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland gefördert und partizipiert am Forschungscluster 5 „Geschichte der Archäologie“ des Deutschen Archäologischen Instituts [3].

Eröffnet wurde die Tagung mit einem Abendvortrag von COREY BRENNAN (New Jersey), der anhand einer Fallstudie zur American Academy of Rome den beschwerlichen Weg und das Streben eines Auslandsinstituts nach Attraktivität und Anerkennung sowohl im Gast- als auch im Heimatland mit reichem Bildmaterial präsentierte. Auf die zahlreichen Widerstände und Kritiken, mit denen sich die 1894 gegründete amerikanische Akademie in ihrer langjährigen Geschichte wiederholt konfrontiert sah, reagierte sie strategisch mit dem Aufbau enger politischer Beziehungen zu den Regierungen in Rom und Washington, einer kontinuierlichen medialen Präsenz und der geschickten Adaptation des bewährten französischen Vorbilds, der 1875 gegründeten École française de Rome, sowie nicht zuletzt mit Kultur- und Wissenschaftsangeboten an die römische Öffentlichkeit. Pünktlich zum 125-jährigen Bestehen könne daher für die American Academy of Rome eine positive Bilanz hinsichtlich der für alle Auslandsinstitute geltenden „quest for acceptance“ gezogen werden.

Die erste Sektion der Tagung widmete sich der Stadt Rom als Ort internationalen Austauschs und wissenschaftlicher Zusammenarbeit. FREDERICK WHITLING (Stockholm) erläuterte dazu am Beispiel des 1829 auf dem Kapitol gegründeten Instituto di Corrispondenza Archeologica, in welchem institutionellen Rahmen internationale Vernetzung und gemeinsame Forschung in Rom ab dem 19. Jahrhundert stattfinden konnte und inwieweit diese wiederum von nationalen Interessen und politischen Zielen beeinflusst wurde. Die Umwandlung des anfangs multinational ausgerichteten Instituts in ein deutsches Reichsinstitut 1871 veranlasste andere Nationen in Rom zur Gründung eigener Institute und beendete vorerst die internationale Zusammenarbeit unter einem gemeinsamen Dach. Die Basis für eine dauerhaft institutionalisierte Kooperation konnte erst 1946 mit dem Zusammenschluss italienischer und ausländischer Forschungseinrichtungen zur Unione internazionale degli istituti di Archeologia, Storia e Storia dell'Arte [1] geschaffen werden.

Nicht zuletzt aufgrund der hohen Anzahl ausländischer Akademien, Forschungs- und Kulturinstitute galt Rom auch im 20. Jahrhundert als Zentrum der internationalen geisteswissenschaftlichen Forschung. Der Frage, wie der Internationalismus vonseiten der deutschen Auslandsinstitute verstanden und praktiziert wurde, ging DOROTHEA WOHLFARTH (Rom/München) nach. Anhand eines von ihr entwickelten Analysemodells, in dem die verschiedenen funktionalen Räume des Wissenschaftsstandortes Rom Berücksichtigung fanden, konnte sie aufzeigen, dass die internationale Zusammenarbeit auf institutioneller Ebene verhältnismäßig schwach ausgeprägt war, während auf individueller Ebene wiederholt Möglichkeiten zum internationalen Kontakt und Austausch genutzt wurden.

Nicht nur die geisteswissenschaftliche Forschung, sondern auch das künstlerische Schaffen war in Rom durch den kosmopolitischen Charakter der Stadt geprägt. ALESSANDRO MASTROPIETRO (Catania) veranschaulichte dazu internationale Einflüsse auf die musikalische Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre. Den römischen Auslandsinstituten attestierte er für die frühe Entwicklungsphase einen maßgeblichen Anteil, während später jedoch die persönlichen Netzwerke der Künstler an Bedeutung gewannen.

FRANZISKA ROHLOFF (Rom/München) diskutierte die in den 1960er Jahren aufkommende Kritik an der Umsetzung des „Romstipendiums“ der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, welches seit 1914 deutschen Künstlern, später auch Künstlerinnen, einen mehrmonatigen Aufenthalt in der Stadt ermöglichte. Es zeigte sich, dass nicht der Kunststandort Rom, sondern vielmehr die reformbedürftigen Strukturen der Villa Massimo im Fokus der Kritik standen, die trotz verschiedener Reformversuche und dem Einschalten der Öffentlichkeit erst nach vierjähriger Schließung (1974-1978) langfristig verbessert werden konnten.

Die zweite Sektion behandelte die Internationalisierung der Geisteswissenschaften im frühen 20. Jahrhundert. Den Auftakt machte SIMO ÖRMÄ (Rom) mit seinen Ausführungen zur Expédition historique finlandaise de Rome, die 1909 von Henry Biaudet eingerichtet wurde, um das reiche Quellenmaterial des Vatikanischen Archivs für historische Studien zur finnischen und skandinavischen Geschichte zur Zeit der Reformation zu nutzen. Sehr erhellend waren die politischen Implikationen, da Finnland bis 1917 noch zum Zarenreich gehörte. Für Biaudet und andere national gesinnte finnische Geschichtswissenschaftler diente Rom zu jener Zeit als selbst gewähltes Exil, in dem, unter Geheimhaltung der Expédition vor russischen Behörden, freie historische Forschung möglich war.

An den Restaurierungsarbeiten des Diokletianpalastes im kroatischen Split verdeutlichte OLIVIA SARA CARLI (Venedig) die Modellhaftigkeit Roms als Bezugspunkt internationaler Archäologie und Architektur im frühen 20. Jahrhundert. Für das anspruchsvolle Projekt der Kuppelrestaurierung des Vestibüls des kaiserlichen Palastes lassen sich 1908/09 mehrere Romaufenthalte des beauftragten österreichischen Architekten Karl Holey nachweisen, die dieser dazu nutzte, sich mit ansässigen Experten wie Giacomo Boni auszutauschen, laufende Grabungs- und Restaurierungsarbeiten zu besichtigen und auf Fachliteratur in der Bibliothek des Deutschen Archäologischen Instituts zurückzugreifen.

Auch im Beitrag von VALERIA CAPOBIANCO (Rom) zum 1887 initiierten Großprojekt der Passeggiata Archeologica ging es um die Bedeutung Roms für die internationale Gelehrtengemeinschaft. Der Plan und die Durchführung des Projekts, das eine grundlegende Umgestaltung des südlichen Teils der Stadt vorsah, wurde bis zur Fertigstellung 1917 in zahlreichen ausländischen Fachbeiträgen und Presseartikeln diskutiert. Besonders die Angst vor dem Verlust des kulturellen Erbes durch die Zerstörung historischer Bauten im Namen der urbanistischen Modernisierung beflügelte die Internationalisierung der städtebaulichen Kampagne.

Die dritte Sektion, die politischen Implikationen wissenschaftlicher Zusammenarbeit nachging, eröffnete TOM VAN DEN BERGE (Leiden) mit einem Beitrag zu Godefridus J. Hoogewerff, dem Direktor des Niederländischen Historischen Instituts in Rom und zugleich „geheimen Presseattaché“ des Nationalen Dokumentationsbureaus der Niederlande von 1919 bis 1935. Dem Auftrag seiner Regierung folgend, nahm Hoogewerff gezielt Einfluss auf die italienische Presse, um sein Land in ein gutes Licht zu rücken und um dem imperialen Bestreben der faschistischen Regierung in Niederländisch-Indien entgegenzuwirken.

Im Fokus der Untersuchung von GIULIA SIMONE (Padua) stand die politische Dimension der internationalen Zusammenarbeit in den Kulturinstitutionen des Völkerbundes zwischen 1922 und 1935. Entgegen der Erwartung versuchte das faschistische Regime in Rom keineswegs, die intellektuelle Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten zu boykottieren, sondern nutzte vielmehr die vorhandenen Strukturen zur Selbstlegitimation auf internationaler Bühne. Eine wesentliche Rolle ist dabei dem langjährigen italienischen Justizminister Alfredo Rocco, einem hochrangigen Repräsentanten der Mussolini-Diktatur, zuzuschreiben, dem es gelang, unter dem Deckmantel kulturellen Austauschs gezielt Propaganda für das Regime zu verbreiten.

Ein zentrales Element der faschistischen Ideologie Italiens stellte die Idee der romanità dar, die auf die Erneuerung des antiken Römischen Reiches zielte und als maßgebliche Referenz der politischen Propaganda fungierte. SILVIA RAMOS GUERREIRO (Bern) machte in ihrem Beitrag zu den Beziehungen zwischen dem regimetreuen 1925 gegründeten Istituto Nazionale di Studi Romani und der Schweiz deutlich, wie die faschistische Regierung bis 1944 die wissenschaftliche Verbreitung der romanità im internationalen Kontext vorantrieb und dazu gezielt die Kooperation des ISR mit Schweizer Altertumswissenschaftlern förderte.

MICHAEL MALCHERECK (Jena) thematisierte die Konkurrenz zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik um die kulturelle Hegemonie in Rom bis zum Jahr 1973. Es wurde deutlich, dass beide Staaten während des Kalten Krieges in propagandistischem Interesse versuchten, durch finanzielle Unterstützung der deutschen Kulturinstitute sowie politische Einflussnahme auf deren Programm Präsenz im kulturellen Leben in Rom zu zeigen. Von besonderer Bedeutung (und in der Forschung bislang vernachlässigt) war die Rolle des westdeutschen Außenministeriums, das nicht zuletzt aufgrund der Zusammenarbeit mit dem Neofaschisten Gino Ragno und der von ihm gegründeten Associazione per l’amicizia italo-germanica in einem trüben Licht erscheint.

Mit der vierten Sektion rückten wieder die Auslandsinstitute der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft in Rom in den Mittelpunkt. Den Anfang machte ANDREAS STEINGRESS (Wien) mit einer Projektvorstellung zur österreichischen Kulturpolitik in Rom in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach einem kurzen Überblick zur Geschichte der kulturellen Beziehungen zwischen Österreich und Italien sowie zum überlieferten Quellenkorpus lag der Fokus auf den Entwicklungen und spezifischen Ursachen, die 1993 zur Gründung eines – nach Rom – zweiten Österreichischen Kulturforums in Mailand und somit zum Verlust der „Monopolstellung“ Roms führten.

Im Vergleich mit den meisten anderen Auslandsinstituten erfolgte die endgültige Einrichtung des Institutum Romanum Finlandiae erst spät, nämlich im Jahr 1954. ARJA KARIVIERI (Rom) konnte in ihrem Beitrag aufzeigen, inwieweit finnische Studenten und Wissenschaftler bereits zuvor in Rom tätig waren und wie die Gründung des Instituts – die 1938 mit der Einrichtung einer Stiftung ihren ersten Schritt genommen hatte – nach schwedischem Vorbild durchgeführt werden konnte. In Verbindung zu den Ausführungen von Simo Örmä zu Henry Biaudet und der Expédition historique finlandaise de Rome ergab sich somit ein umfassendes Bild der finnischen Gelehrtentätigkeit in Rom in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt der Untersuchung von CARMEN STRATONE (Bukarest) standen die Folgen der Einsetzung des kommunistischen Regimes in Rumänien für die Rolle der nationalen Kulturakademie in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg. Die engen Beziehungen beider Länder durchliefen ab 1950 eine diplomatische Krise, die mit der Schließung der 1922 gegründeten Accademia di Romania in Rom zwei Jahre später ihren Höhepunkt fand. Der 1967 wiedereröffneten Akademie wies Stratone, in einem Vergleich zur vorkommunistischen Zeit, eine weitaus stärkere propagandistische Funktion unter gleichzeitigem Verlust ihres einstigen Ausbildungscharakters zu.

Den Abschluss der Sektion machte JÉRÉMIE DUBOIS (Reims/Rom) mit einer Betrachtung zur 50. Jahresfeier der École française de Rome am 27. Oktober 1931 an der Sorbonne in Paris.[4] Trotz Einladung zahlreicher internationaler Gäste und Vertreter anderer Auslandsinstitute dominierte in der Festrede des französischen Bildungsministers – besonders gegenüber Deutschland – das Paradigma der nationalen Konkurrenz und gegenseitigen Rivalität. Auch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde seitens der französischen Regierung die Idee einer kooperativen internationalen Forschungsgemeinschaft in Rom offenkundig nicht vertreten.

In den Beiträgen der letzten Sektion wurde das Augenmerk auf die Handlungsspielräume und die Rolle nationaler Akteure in Rom gelegt. MARIUS HIRSCHFELD (Trier) verfolgte das Wirken von Ludwig Curtius, dem Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Rom von 1928 bis 1937. Aufgrund der herausragenden Stellung in der römischen Forschungslandschaft und Curtius‘ beständigen Bemühens um Zusammenarbeit und Austausch mit anderen Nationen bescheinigte er diesem eine maßgebliche Rolle bei der Reintegration Deutschlands als gleichwertiges Mitglied in die internationale Wissenschaftsgemeinschaft. Seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand 1937 führte Hirschfeld auf dessen ambivalente Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus zurück; er war weder entschiedener Gegner noch überzeugter Anhänger desselben.

Mit dem polnischen Grafen Józef Michałowski rückte JAN PISKUREWICZ (Warschau) eine weitere bedeutsame Persönlichkeit der römischen Forschungswelt zur Zeit des Faschismus in den Mittelpunkt. Wie Ludwig Curtius suchte auch Michałowski als Leiter der 1927 gegründeten Stazione Scientifica dell’Accademia Polacca delle Arti e delle Scienze die Nähe und Kooperation mit anderen Auslandsinstituten und mit der akademischen Welt Italiens. In Ablehnung der faschistischen Ideologie gelang es ihm auf geschickte Weise, die polnische Station weitgehend vor der propagandistischen Einflussnahme des Regimes zu bewahren, ohne dafür staatliche Repressalien erleiden zu müssen.

Im letzten Vortrag präsentierte STÉPHANIE GONÇALVES (Brüssel) ihre Forschungsergebnisse zum Aufenthalt der russischen Primaballerina und Choreografin Maya Plissetskaya am Teatro dell’Opera in Rom 1984/85. Im Gegensatz zu Henry Biaudet zu Beginn des Jahrhunderts, war ihr Wirken in der italienischen Hauptstadt nicht von politischer Freiheit, sondern vielmehr von starker Kontrolle durch das Sowjetregime gekennzeichnet, die ihren Handlungsspielraum begrenzte. In Verbindung mit internen Problemen am Teatro sei die römische Episode der damals sechzigjährigen Plissetskaya als enttäuschende Erfahrung zu bewerten, die den anfänglichen Hoffnungen der Ausnahmetänzerin nicht gerecht wurde.

Den Abschluss des Programms bildete ein Runder Tisch, bei dem neue Herausforderungen und Perspektiven für die Stadt Rom als internationale Wissenschafts- und Kunstmetropole im 21. Jahrhundert diskutiert wurden.[5]

Die zahlreichen Beiträge der internationalen Tagung zeigten, dass die seit langer Zeit wirksame Anziehungskraft Roms auf internationale Gelehrte und KünstlerInnen auch im 20. Jahrhundert anhielt und sich mit der Gründung weiterer Auslandsinstitute verfestigte. Zudem wurde deutlich, dass die Kooperation zwischen den verschiedenen in Rom ansässigen Nationen auf institutioneller Ebene überraschend geringe Ausprägung fand, während individuelle AkteurIinnen wiederholt Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung in Anspruch nahmen. Besonders eindringlich kam in den Vorträgen die kulturpolitische Bedeutung der ausländischen Forschungs- und Kultureinrichtungen zur Geltung, die in Zeiten internationaler Spannungen und Konflikte vielmals zu propagandistischen Zwecken instrumentalisiert wurden.

Zweifelsohne konnte die Tagung die Bedeutung der Stadt Rom als internationale Wissenschaftsmetropole im 20. Jahrhundert herausstellen. Für eine abschließende Bewertung ihres Modellcharakters sind dennoch Folgestudien zu anderen „International Capital Cities of Science and Arts in the 20th Century“ erforderlich.

Konferenzübersicht:

Arja Karivieri (Rome) / Martin Baumeister (Rome) / Ortwin Dally (Rome): Introduction

Corey Brennan (New Jersey): Foreign Academies. The Quest for Acceptance

Section 1: Rome as a Place of International Exchange
Chair: Sabine Ehrmann-Herfort (Rome)

Frederick Whitling (Stockholm): Foreign Schools in Rome in Historical Perspective. International Scholarship, National Institutions

Dorothea Wohlfarth (Rom/München): Internationalism in the Making? German Institutes in Rome and Their Academic International Relationships

Alessandro Mastropietro (Catania): Roma nodo internazionale d´esperienze nella Nuova Musica e nella performance art musicale

Franziska Rohloff (Rom/München): A First-rate Art Metropolis? Questioning the German Romstipendium 1966-1974

Section 2: Internationalization of Humanities between Competition and Conflict: Agents, Networks and Transfers
Chair: Marie Bossaert (Rome)

Simo Örmä (Rome): La spedizione storica finlandese 1909-1915 tra nazionalismo e internazionalismo

Olivia Sara Carli (Venice): Roma come modello per Spalato. Karl Holey e il restauro del Palazzo di Diocleziano tra 1908-1912

Valeria Capobianco (Rome): Un dibattito "internazionale" per Roma Capitale: il caso Passeggiata Archeologica

Section 3: Research and Cultural Activities Abroad and the Challenges of Politics
Chair: Lutz Klinkhammer (Rome)

Tom van den Berge (Leiden): Model Rome and Empire 1919-1935

Giulia Simone (Padua): La "politicizzazione" della cooperazione culturale del fascismo presso la società delle nazioni: il ruolo di Alfredo Rocco

Silvia Ramos Guerreiro (Bern): Fascist romanità, Scientific Opportunities and Diplomatic Opportunism. Relations between the Istituto di Studi Romani and Switzerland 1932-1944

Michael Malchereck (Jena): La battaglia per l’egemonia culturale a Roma – Repubblica Federale Tedesca (RFT) e Repubblica Democratica Tedesca (RDT) alla luce della Guerra Fredda 1949–1973

Section 4: The Attractiveness of Metropolises as Places of International Culture and Research Institutions: Expectations, Resources, Programs
Chair: Harriet O’Neill (Rome)

Andreas Steingress (Vienna): La politica culturale austriaca a Roma nel secondo Novecento

Arja Karivieri (Rome): Finnish Scholars at Rome from 1900 to 1950: the Establishment of Institutum Romanum Finlandiae after Five Decades of Internationalization

Carmen Stratone (Bucharest): Enemies within the Gates or just Long-Lasting Friends in Dire Times? Accademia di Romania in Rome During the Cold War 1948-1989

Jérémie Dubois (Reims/Rome): La ridefinizione delle missioni della Scuola Francese di Roma intorno alla celebrazione del suo cinquantesimo anniversario nel 1931: tra questioni scientifiche e politiche

Section 5: National Agents Abroad
Chair: Thomas Fröhlich (Rome

Marius Hirschfeld (Trier): Ludwig Curtius in Rome 1928-1937

Jan Piskurewicz (Warsaw): Il Centro Polacco di Roma dinanzi alla politicizzazione della ricerca e della cultura nel periodo fascista

Stéphanie Gonçalves (Brussels): From East to West and Back: Maya Plissetskaya in Rome, a Political and Cultural Circulation during the Cold War 1983-1985

Round Table
Challenges and Perspectives for Rome as a Capital City of Science and Arts in the 21st century
Chair: Christian Jansen (Trier)
Brigitte Marin (École française de Rome), Martin Baumeister (Deutsches Historisches Institut in Rom), Andreas Gottsmann (Österreichisches Historisches Institut in Rom), Andrea d’Onofrio (Università di Napoli)

Anmerkungen:
[1] Bei der Unione handelt es sich um einen Zusammenschluss von derzeit 37 in Rom ansässigen ausländischen und italienischen Forschungseinrichtungen: http://www.unioneinternazionale.it/ (02.04.2020).
[2] Für weitergehende Informationen zum Kooperationsprojekt siehe https://www.dainst.org/projekt/-/project-display/2133089 (02.04.2020).
[3] Einen Überblick über die Arbeit des Forschungscluster s5: „Geschichte der Archäologie“ bietet https://www.dainst.org/forschung/netzwerke/forschungscluster/cluster-5/konzept (02.04.2020).
[4] Wie Dubois in seinem Vortrag anmerkte, feierte die École française de Rome bereits 6 Jahre zuvor ihr 50-jähriges Bestehen.
[5] Der Runde Tisch ist als Audio-Podcast in voller Länge online abrufbar: http://dhi-roma.it/index.php?id=podcast (02.04.2020).

Zitation
Tagungsbericht: Model Rome – International Capital Cities of Science and Arts in the 20th Century, 22.10.2019 – 24.10.2019 Rom, in: H-Soz-Kult, 08.05.2020, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8752>.